Von immenser Bedeutung ist die Beeinflussung des Blut- und
Lymphgefäßsystems durch das Training.
Das ~Herz~ zieht sich bekanntlich in einer Minute 72mal zusammen und
leistet damit eine Arbeit von 52½ ^kgm^. Beim ~ruhigen Gehen~ steigt
die Pulszahl auf 80, die Arbeitsleistung wird damit erhöht auf 58,3
^kgm^.
Beim ~schnellen Gehen~ ist die Pulszahl 100, was einer Arbeitsleistung
von ca. 73 ^kgm^ entspricht. Bei größten Muskelanstrengungen steigt die
Pulszahl auf 200 bis 240, beim angestrengten ~Radfahren~ auf
150-200-250; ähnlich liegen die Verhältnisse beim ~Rudern~.
Mit Aufhören der Muskeltätigkeit kehrt die Herztätigkeit noch nicht zur
Norm zurück; das Herz wird also länger angestrengt, und dieses Verhalten
des Herzens ist um so deutlicher, je länger die Muskeltätigkeit dauert.
Die Beschleunigung der Herztätigkeit ist noch 5-15 Minuten nach getaner
Arbeit deutlich, ja sie wurde von ~Mosso~ noch 2 Stunden nach einem
Bergaufstieg nachgewiesen. Dabei bleibt bei einem gesunden Menschen die
Herzarbeit eine regelmäßige. Nur das kranke Herz beginnt seine Tätigkeit
auszusetzen. Läßt man das erregte Herz zur Ruhe kommen und nach der
Erholung weitere Uebungen anstellen, so wird die gleiche
Pulsbeschleunigung wie beim ersten Arbeitspensum erreicht, jedoch
dauert die Nacherregung bedeutend länger. Doch nicht nur die Zahl der
Pulsschläge, sondern auch der ~Blutdruck~ wird beeinflußt, und zwar
steigert jede Muskeltätigkeit den Blutdruck, diese Steigerung wird
unterbrochen von geringen Blutdrucksenkungen, dauert im wesentlichen nur
während der Arbeitszeit, hängt im wesentlichen von dem ~Tempo~ der
Arbeit, von der ~Größe der Arbeit~ im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit
der arbeitenden Muskelmotoren, und von derem ~Trainiertsein~ ab. Das
Herz wird durch Muskelübungen in den Stand gesetzt, sich energischer und
kraftvoller zusammenzuziehen. Die Blutdruckschwankungen nach der Arbeit
sind stets wesentlich geringer als während der Arbeit. Die Herzarbeit
ist also in sehr hohem Maße von Muskeltätigkeit abhängig.
Aehnlich wie Muskelarbeit wirkt auch ~Trinken~. Durch Trinken wird
nämlich die Blutmenge größer, damit steigt der Blutdruck, der zwar bald
durch ein vermehrte Harnlassen und Schwitzen ausgeglichen wird, aber
doch vorübergehend die Herzarbeit vermehrt. Der Einfluß des Trinkens ist
jedoch weniger groß, als der der Muskelarbeit, weil das Blutgefäßsystem
sich der stärkeren Füllung durch Erweiterung und Verengerung anpaßt. Am
meisten wird Pulsfrequenz und Blutdruck durch beide Momente gleichzeitig
gesteigert. Daraus ergibt sich die praktische Regel, ~daß Trinken
während der Leibesübung unterbleiben muß~. Der Einfluß eines
vernünftigen Training auf das Herz geht aus der Tatsache hervor, daß
unter Beobachtung gewisser Regeln bei einem bestimmten Maß ~täglicher
Uebung~ in der Ruhezeit die Pulszahl unter die Norm fällt, also im
~Ganzen ruhiger, aber dabei energischer arbeiten lernt~. Wichtig wird
die Blutverteilung im Körper für die Auswahl der ~Zeit des Training~.
~Chauveau~ und ~Kaufmann~ wiesen nach, daß der Stoffverbrauch im maximal
arbeitenden Muskel 20mal und die durchströmende Blutmenge 7-10mal größer
ist als in der Ruhe. Dieser Vorgang ist nur dadurch möglich, daß die
kleinsten Zweige der Schlagadern sich erweitern. Und zwar geschieht die
Erweiterung unter dem Einfluß der Gefäßnerven, denen die Antriebe zur
Erweiterung gleichzeitig und beigeordnet mit den Bewegungsantrieben für
die Muskeln vom Zentrum aus zugehen und zweitens durch Reflexwirkung,
indem durch die Muskeltätigkeit eine örtliche Dyspnoe (Atemnot) und
damit eine Aufspeicherung von Stoffwechselprodukten erzeugt wird. Die
örtliche ~Erweiterung der Blutgefäße~ in den tätigen Muskeln wird aber
durch eine ~Verengerung in anderen Gefäßgebieten abgeglichen~, da ja die
Blutmenge im wesentlichen die gleiche (4-5 Liter) bleibt. In erster
Linie nehmen an der Verengerung die großen Bauchgefäße teil, welche für
gewöhnlich große Blutmengen beherbergen. „Die Bauchgefäße stellen eine
seenartige Erweiterung des Strombettes dar, dessen Blutvorrat durch
Kontraktion jederzeit disponibel wird,” sagt ~Zuntz~. Aus diesem Blutsee
schöpfen die Blutgefäße der Muskeln durch Vermittlung des rechten
Herzens, wenn sie durch höchste Arbeit sich und damit die ganze
Muskelbahn erweitern. Eine Verblutung in die Muskelgefäße, wie man sie
gelegentlich annahm, kann deshalb, solang dieser Blutsee vorhanden ist,
nicht statthaben. Während der Verdauung ist dieses Gefäßreservoir
~stark~ angefüllt, Muskel und Gehirn dagegen ~relativ~ blutleer; daher
bestehen in der Verdauungszeit Muskelmüdigkeit und Unlust zu geistiger
Tätigkeit. Wird trotzdem in der Verdauungszeit stärkere Muskelarbeit
geleistet, so wird naturgemäß die Verdauung verzögert, ~deshalb sind
Muskelübungen während der Verdauung unzuträglich~.
Wie das Herz wird auch das übrige ~Gefäßsystem~ durch Muskelarbeit
beeinflußt.
Die ~Arterien~wände sind normaler Weise elastisch und können dadurch
~Blutverteilung~ und ~Blutdruck~ regulieren. Büßen sie aus irgend einem
Grunde ihre Elastizität mehr oder weniger ein, wie dies bei alten Leuten
oder bei Arteriosklerotikern (Arteriosklerotiker ist derjenige Mensch,
dessen Gefäßwände mehr oder weniger verkalkt, deshalb starr und
unelastisch sind) der Fall ist, so verlieren sie auch ihre
Regulationsfähigkeit, sie können sich demnach auch nur ungenügend dem
durch Leibesübungen gesteigerten Drucke anpassen. Deshalb sind für Leute
mit starrem Arterienrohr die Leibesübungen gefährlich, denselben sind
Leibesübungen zu verbieten oder wenigstens erst sorgfältig
vorzubereiten.
Die Blutbewegung und der Blutdruck in den ~Harngefäßen~ hängen von der
Herzkraft, von der Weite und Regulationsfähigkeit der Schlag- und
~Blutadern~ (Arterien und Venen) ab. Ist der venöse Abfluß behindert, so
tritt eine Stauung in den Organen ein.
Wir wissen nun aber, daß jede ~Einatmung~ (Inspiration) das Venenblut
ansaugt, also auf den Blutumlauf ~begünstigend~ wirkt. ~Muskeltätigkeit~
vertieft erfahrungsgemäß die Atmung, ist also schon aus diesem Grunde
ein Förderungsmittel beschleunigten Blutumlaufs, andrerseits dehnt und
erschlafft der arbeitende Muskel die oberflächlichen Venengefäße. Dehnt
man aber einen elastischen Schlauch, so kann derselbe mehr Luft oder
Flüssigkeit aufnehmen als zuvor. Er ist dann wie eine Pumpe, bei welcher
man den Kolben herausgezogen hat, und der nun die Flüssigkeit aussaugt.
So saugen die Venen die Blutflüssigkeit an und pressen sie dann wieder
aus. Diese doppelte Vorwärtsbewegung der Blutsäule durch Ansaugen und
Auspressen geschieht in der Richtung zum Herzen, denn ein Rückfluß des
Blutes wird durch die Taschenventile der Venen verhindert. Bei
oberflächlicher Atmung und fehlender venöser Regulationstätigkeit durch
Muskelarbeit sahen wir daher Störungen im Organismus wie Stauungen im
Pfortadersystem, Krampfadern, Haemorrhoiden etc. entstehen. Es ist bei
der Entstehung genannter Leiden noch die ~Eigenschwere des Blutes~ zu
würdigen, welche durch Herz und Muskeltätigkeit überwunden werden muß,
um das Blut zum Herzen hinauf zu heben. Außer den genannten Hilfskräften
der Zirkulation, dem Tiefatmen und der Muskelbewegung kommt noch
diejenige Muskeltätigkeit in Frage, welche die großen ~Muskelbinden~
spannt und entspannt. Letztere wirken nach ~Braune~ als ~Druck- und
Saugapparat~ auf die in der Tiefe liegenden Venen. So die große
Halsfaszie und das Poupart’sche Schenkelband. Wird z. B. letzteres durch
starke Außendrehung und Ueberstreckung des Beines nach hinten stark
gespannt, darauf durch Innendrehung und Beugung entspannt, so werden die
daruntergelegenen großen Blutadern gepreßt, darauf stark erweitert, weil
ja die Faszie (Muskelbinde) mit der Gefäßwand verklebt ist.
~Bewegungen~, welche erfahrungsgemäß speziell ~den Blutumlauf
befördern~, sind: 1. die Tiefatmungen, 2. die Rumpfübungen, 3. die
sogenannten Zirkulationsübungen der Schweden, d. h. derjenigen Uebungen,
welche den zu übenden Körperteil durch Drehung um die eigene Axe
auswinden, wie man ein nasses Tuch durch Drehung trocken windet. (Siehe
Uebungstafel).
Vergleicht man die ~Arbeitskraft des Herzmuskels~ mit der Kraft anderer
Muskeln, so findet man nach ~Schmidt~, daß das Herz in einer Stunde etwa
ebensoviel leistet, wie die Beinmuskulatur, wenn sie während einer
Stunde den Körper auf eine Höhe von 500 Metern trägt. Eine gleiche
Leistungsgröße haben auch andere Muskeln des Körpers. Ein kräftiger
Bergsteiger kann nun diese Leistung im günstigsten Falle während 8
Stunden fortsetzen, dann versagen die Kräfte, das Herz aber arbeitet
ruhig, während der 24 Stunden des Tages weiter. ~Das Herz leistet also
das 3fache im Verhältnisse zur Muskelsubstanz, was die Muskeln bei
höchster Arbeit leisten können, sogar im gewohnten Zustande der Ruhe.
Bei ausgiebiger Muskelbewegung leistet das Herz jedoch das 6-8fache der
Ruhearbeit~.”
„~Das Herz kann also im Verhältnis zu seinem Gewicht~ (⅓ ^kgm^) das
~4-5fache an Arbeit leisten als die übrige Körpermuskulatur~.”
Worin ist nun diese hohe Arbeitsfähigkeit des Herzens begründet?
1. Der Herzmuskel hat bessere Blutzirkulationsverhältnisse als die
übrigen Muskeln; Blutzufuhr und Abfuhr sind besser, daher kann er die
sogenannten Ermüdungsstoffe leichter fortschwemmen.
2. Die Herzarbeit ist ~nicht dem Willen~ unterworfen, sondern wird
automatisch und rhytmisch geleistet. Und alle automatisch arbeitenden
Muskeln und Nervenzentren haben eine ganz minimale Ermüdung, wie wir
dies auch beim Atmungsorgan beobachten können. Der Herzmuskel ist der
besttrainierte Muskel, er arbeitet zeitlebens ohne zu ermüden.
Ein dauernd tätiger Muskel wie der Herzmuskel wird selbstverständlich
auch wesentlich mehr ~Nahrung~ als ein nur zeitweilig arbeitender
verbrauchen. Das haben auch die Berechnungen von ~Zuntz~ ergeben,
welcher fand, daß bei Muskelarbeit durchschnittlich 15% des gesamten
Stoffumsatzes nur für Unterhaltung der Herz- und Atemtätigkeit verwendet
wird. Aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ muß die
Nahrung für den Herzmuskel die beste sein, um eine dauernde Tätigkeit
leisten zu können.
Und zwar braucht der Herzmuskel mehr noch als jeder Muskel reichliche
~Sauerstoffnahrung~, denn er muß den arbeitenden Muskeln mehr Sauerstoff
zuführen und muß größere Arbeit liefern, um die Endprodukte der erhöhten
Verbrennungsprozesse zur Ausscheidung bringen zu helfen. Die
Eliminationstätigkeit unterstützen die Lungen wesentlich, denn sie
besorgen die Kohlensäureentladung und Entwässerung des Blutes in
hervorragendem Maße. Nun fand ~Zuntz~ bei einem Versuche am Pferde, daß
der Sauerstoffverbrauch bei mäßiger Muskeltätigkeit 6mal so groß war,
wie bei Muskelruhe. Andrerseits gilt als feststehend, daß in der Ruhe
nur etwa die Hälfte des Sauerstoffs verbraucht wird. Daraus folgt, daß
~mäßige Arbeit allein durch bessere Ausnutzung des Blutsauerstoffes~
geleistet werden kann, ohne daß der Herzmuskel mehr zu arbeiten braucht.
Erst nachdem durch vermehrte Muskeltätigkeit die zweite Hälfte des
Sauerstoffvorrats verbraucht ist, wird eine größere Herzarbeit nötig und
zwar „nahezu proportional dem Sauerstoffverbrauch”, der nach ~Zuntz~ um
das 15-18fache steigen kann.
Diese Mehrarbeit leistet der Herzmuskel durch ~Vermehrung der Zahl der
Zusammenziehungen~ und durch ~Vergrößerung des Schlagvolumens~.
Da nun aber die ~roten Blutkörperchen~ die ~Sauerstoff-Flotte~
vorstellen, d. h. der Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden
ist, so wird das Herz um so weniger zu leisten haben, also geschont,
wenn die Sauerstoff-Flotte recht groß ist. Das an roten Blutkörperchen
arme, also auch sauerstoffarme Blut Bleichsüchtiger, wird daher
vorzeitig bei starken Muskelanstrengungen Herzermüdung hervorrufen.
Ferner ist klar, daß bei einem dünnen wasserreichen Blut wenig rote
Blutkörperchen, also auch verhältnismäßig wenig Sauerstoff, zum Herzen
gelangt.
Ein ~gesundheitliches Training muß maximale Leistungen unter Schonung
der Herzkraft anstreben~.
Es muß also Blut und Gewebe spezifisch schwer zu machen suchen; dies
wird erreicht durch Genuß einer nicht zu eiweißhaltigen, aber
nährsalzreichen, dabei wasserarmen und reizlosen Nahrung unter
gleichzeitiger Trockenlegung der Gewebe durch Schwitzen, Abdampfen und
Harnlassen, ohne dabei zu übertreiben, denn eine Wasserverarmung des
Blutes kann durch maximale Arbeit, bei zu großer Hitze zum Hitzschlag
führen. ~Will man den Herzmuskel durch Leibesübung zu Höchstleistungen
erziehen, so muß man die Uebungsarbeit jedesmal so bemessen, daß der
Herzmuskel das allmählich und systematisch aber stetig größer werdende
Arbeitspensum ohne Ermüdung leisten kann~. Denn bei starker
Beschleunigung der Herztätigkeit kontrahieren sich die Herzkammern
bereits, bevor ihre Füllung erreicht ist, daher kann auch nicht alles
Blut in die Arterien eingetrieben werden, was sich an dem kleinen,
schwachen und beschleunigten Puls deutlich zeigt. Es kommt zur
~Rückstauungskongestion im Lungenkreislauf~, zur Lungenschwellung und
Lungenstarrheit, und zur Behinderung des Atems. Der Blutüberfüllung im
Lungenkreislauf aber entspricht eine ~Blutarmut im Körperkreislauf~.
Dadurch entsteht eine ungenügende Speisung aller Organe mit
sauerstoffreichem, arteriellem Blut insbesondere des Herzens, welches am
meisten zu leisten hat. Dasselbe versagt zuerst, Herz- und Pulsschlag
werden unregelmäßig, das Herz hat eine ~akute Funktionsstörung~
(~Insufficienz~) erlitten, welche sich meist nach Aufhören der
Anstrengung schnell zurückbildet. Jedoch kann sich aus der akuten
Insufficienz eine ~Herzerweiterung~ (Dilatation) entwickeln, indem die
Herzmuskeln dem gesteigerten Blutdruck nicht genügend Widerstand leisten
können, sie werden gedehnt. Derartige vorübergehende Ermüdungszustände
des Herzens betreffen mit Vorliebe die linke Herzkammer und finden sich
bei jeder ~Schnelligkeitsübung~, wie Schnellauf, schnellem Radfahren,
Schnellrudern, Schnellschwimmen etc. Sie können sich durch
Herzstillstand bis zum Tod steigern. Ich erinnere an das „klassische
Beispiel des Siegesläufers von ~Marathon~, der die Siegesnachricht
überbringt und dann tot auf dem Markte in Athen zusammenbricht.”
Jede Schnelligkeitsbewegung kann nun aber so eingerichtet werden, daß
Herz- und Lungentätigkeit mäßig ansteigen ohne jene Erschöpfungssymptome
zu zeigen und dauernd auf dieser mäßigen Höhe erhalten werden,
d. h. ~man macht die Schnelligkeitsübung zur Dauerübung~. Ihre Grenze
liegt in der Allgemeinermüdung, sie umfaßt also die Muskel- und
Nervenermüdung der Kraftübungen und die Herz- und Lungenermüdung der
Schnelligkeitsübungen. Die Ermüdungsstoffe sind im Blute übermäßig
angehäuft.
~Gebraucht man jedoch die Schnelligkeits- und Dauerübungen vernünftig,
d. h. steigert man sie nicht bis zur Atemlosigkeit und bis zum
Herzklopfen, so können sie die Leistungsfähigkeit des Herzens stetig
steigern und das normale Wachstum des kindlichen Herzens in einziger Art
fördern~. Unterbleibt die rechtzeitige Uebung des Herzens in der Jugend,
so ist ein mangelhaft entwickeltes, ein blutarmes, blasses und
unterernährtes Herz die Folge, welches wahrscheinlich eine der Ursachen
späterer Schwindsucht ist.
Ich erinnere auch an den Wert von Dauer- und Schnelligkeitsübungen in
dem ~Entfettungstraining~ beim fettumwachsenen Herzen und bei
allgemeiner Fettleibigkeit.
Anders wirken die kurzdauernden ~Kraftübungen~ auf das Herz. Hier ist es
die sogenannte ~Pressung~ oder ~Anstrengung~, welche gefährlich werden
kann. Wollen wir mit der Extremitätenmuskulatur eine Kraftleistung
vollbringen, so müssen wir den Rumpf zum Stützpunkt der Extremitäten
nehmen, d. h. ihn starr machen. Dies tun wir, wenn wir bei tiefer
Inspiration die Brustmuskeln zusammenziehen; dadurch pressen wir den
Inhalt des Brustkorbes und der Bauchhöhle fest zusammen, entleeren das
Blut der Herzkammern schnell, während wir gleichzeitig den Abfluß des
venösen Blutes in die Vorhöfe verhindern. Die übermäßige Füllung des
Venensystems und die Blutleere des ~mehr~ arbeitenden Herzens hören erst
auf, wenn die in den Lungen zusammen gepreßte Luft entweicht, der Rumpf
seine Starrheit verliert, die Kraftleistung zu Ende ist, und macht einem
plötzlichen vehementen Einschießen des venösen Blutes in das geschwächte
rechte Herz Platz. Eine vorübergehende Erweiterung des rechten Herzens
ist die Folge und kann zu einer mehrtägigen Reizbarkeit führen, die
wahrscheinlich durch eine Beleidigung des nervösen Apparates bedingt
ist. Abgesehen von dieser Reizbarkeit, die auch eine dauernde bleiben
kann, treten als Schädigung der Kraftübungen höhere Grade von
Erweiterung des rechten Herzens, Klappenfehler, ja rascher Tod
ein. In welcher Weise wir unsere Bewegungen in Rücksicht auf
Zentralnervensystem, auf die nervösen Zentren des Herzens und des
Gefäßsystems einzurichten haben, werden wir weiter unten sehen.
(Weiteres s. auch Eichhorst, Hygiene des Herzens).
Der fehlerhaft Uebende preßt nun häufig schon bei Uebungen, die einen
maximalen Kraftaufwand noch gar nicht erfordern. ~Da sich die Pressung
durch den Willen unterdrücken läßt, so ist es Pflicht des
Gymnastiklehrers auf die Atemführung bei Kraft- -- besonders auch bei
Gerätübungen zu achten~.
Leichtere Kraftübungen können erst bei längerer Dauer Schädigung
hervorrufen, schwere Kraftübungen jedoch, bei denen der
Anstrengungsvorgang notwendig ist, führen, wenn sie häufig betrieben
werden, zur dauernden Beeinträchtigung des Herzens, der Herzmuskel
entartet (degeneriert) und wird schwach.
~Schaltet man daher die Pressung bei Kraftübungen aus, unterläßt man bei
Dauerübungen plötzliche Steigerungen zu Kraftleistungen und macht die
Dauerübung nicht zu abnormen Schnelligkeits- und umgekehrt die
Schnelligkeitsübung nicht zur maximalen Dauerübung, so kann man
systematisch und vernünftig vorgehend den Herzmuskel vorzüglich
trainieren, d. h. den Eintritt seiner Ermüdung weit hinausschieben und
eine physiologische Zunahme der Muskelsubstanz erreichen~.
Nach ~Leitenstorfer~ ist „eine mäßige Herzhypertrophie
(Herzvergrößerung), solange sie der Gesamtmuskulatur entspricht, kein
krankhafter Zustand, kein Herzfehler, sondern ein auf naturgemäßem Wege
errungener Gewinn.”