3. Wirkung der Leibesübung auf Blut- und Lymphgefäßsystem.

Von immenser Bedeutung ist die Beeinflussung des Blut- und

Lymphgefäßsystems durch das Training.

Das ~Herz~ zieht sich bekanntlich in einer Minute 72mal zusammen und

leistet damit eine Arbeit von 52½ ^kgm^. Beim ~ruhigen Gehen~ steigt

die Pulszahl auf 80, die Arbeitsleistung wird damit erhöht auf 58,3

^kgm^.

Beim ~schnellen Gehen~ ist die Pulszahl 100, was einer Arbeitsleistung

von ca. 73 ^kgm^ entspricht. Bei größten Muskelanstrengungen steigt die

Pulszahl auf 200 bis 240, beim angestrengten ~Radfahren~ auf

150-200-250; ähnlich liegen die Verhältnisse beim ~Rudern~.

Mit Aufhören der Muskeltätigkeit kehrt die Herztätigkeit noch nicht zur

Norm zurück; das Herz wird also länger angestrengt, und dieses Verhalten

des Herzens ist um so deutlicher, je länger die Muskeltätigkeit dauert.

Die Beschleunigung der Herztätigkeit ist noch 5-15 Minuten nach getaner

Arbeit deutlich, ja sie wurde von ~Mosso~ noch 2 Stunden nach einem

Bergaufstieg nachgewiesen. Dabei bleibt bei einem gesunden Menschen die

Herzarbeit eine regelmäßige. Nur das kranke Herz beginnt seine Tätigkeit

auszusetzen. Läßt man das erregte Herz zur Ruhe kommen und nach der

Erholung weitere Uebungen anstellen, so wird die gleiche

Pulsbeschleunigung wie beim ersten Arbeitspensum erreicht, jedoch

dauert die Nacherregung bedeutend länger. Doch nicht nur die Zahl der

Pulsschläge, sondern auch der ~Blutdruck~ wird beeinflußt, und zwar

steigert jede Muskeltätigkeit den Blutdruck, diese Steigerung wird

unterbrochen von geringen Blutdrucksenkungen, dauert im wesentlichen nur

während der Arbeitszeit, hängt im wesentlichen von dem ~Tempo~ der

Arbeit, von der ~Größe der Arbeit~ im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit

der arbeitenden Muskelmotoren, und von derem ~Trainiertsein~ ab. Das

Herz wird durch Muskelübungen in den Stand gesetzt, sich energischer und

kraftvoller zusammenzuziehen. Die Blutdruckschwankungen nach der Arbeit

sind stets wesentlich geringer als während der Arbeit. Die Herzarbeit

ist also in sehr hohem Maße von Muskeltätigkeit abhängig.

Aehnlich wie Muskelarbeit wirkt auch ~Trinken~. Durch Trinken wird

nämlich die Blutmenge größer, damit steigt der Blutdruck, der zwar bald

durch ein vermehrte Harnlassen und Schwitzen ausgeglichen wird, aber

doch vorübergehend die Herzarbeit vermehrt. Der Einfluß des Trinkens ist

jedoch weniger groß, als der der Muskelarbeit, weil das Blutgefäßsystem

sich der stärkeren Füllung durch Erweiterung und Verengerung anpaßt. Am

meisten wird Pulsfrequenz und Blutdruck durch beide Momente gleichzeitig

gesteigert. Daraus ergibt sich die praktische Regel, ~daß Trinken

während der Leibesübung unterbleiben muß~. Der Einfluß eines

vernünftigen Training auf das Herz geht aus der Tatsache hervor, daß

unter Beobachtung gewisser Regeln bei einem bestimmten Maß ~täglicher

Uebung~ in der Ruhezeit die Pulszahl unter die Norm fällt, also im

~Ganzen ruhiger, aber dabei energischer arbeiten lernt~. Wichtig wird

die Blutverteilung im Körper für die Auswahl der ~Zeit des Training~.

~Chauveau~ und ~Kaufmann~ wiesen nach, daß der Stoffverbrauch im maximal

arbeitenden Muskel 20mal und die durchströmende Blutmenge 7-10mal größer

ist als in der Ruhe. Dieser Vorgang ist nur dadurch möglich, daß die

kleinsten Zweige der Schlagadern sich erweitern. Und zwar geschieht die

Erweiterung unter dem Einfluß der Gefäßnerven, denen die Antriebe zur

Erweiterung gleichzeitig und beigeordnet mit den Bewegungsantrieben für

die Muskeln vom Zentrum aus zugehen und zweitens durch Reflexwirkung,

indem durch die Muskeltätigkeit eine örtliche Dyspnoe (Atemnot) und

damit eine Aufspeicherung von Stoffwechselprodukten erzeugt wird. Die

örtliche ~Erweiterung der Blutgefäße~ in den tätigen Muskeln wird aber

durch eine ~Verengerung in anderen Gefäßgebieten abgeglichen~, da ja die

Blutmenge im wesentlichen die gleiche (4-5 Liter) bleibt. In erster

Linie nehmen an der Verengerung die großen Bauchgefäße teil, welche für

gewöhnlich große Blutmengen beherbergen. „Die Bauchgefäße stellen eine

seenartige Erweiterung des Strombettes dar, dessen Blutvorrat durch

Kontraktion jederzeit disponibel wird,” sagt ~Zuntz~. Aus diesem Blutsee

schöpfen die Blutgefäße der Muskeln durch Vermittlung des rechten

Herzens, wenn sie durch höchste Arbeit sich und damit die ganze

Muskelbahn erweitern. Eine Verblutung in die Muskelgefäße, wie man sie

gelegentlich annahm, kann deshalb, solang dieser Blutsee vorhanden ist,

nicht statthaben. Während der Verdauung ist dieses Gefäßreservoir

~stark~ angefüllt, Muskel und Gehirn dagegen ~relativ~ blutleer; daher

bestehen in der Verdauungszeit Muskelmüdigkeit und Unlust zu geistiger

Tätigkeit. Wird trotzdem in der Verdauungszeit stärkere Muskelarbeit

geleistet, so wird naturgemäß die Verdauung verzögert, ~deshalb sind

Muskelübungen während der Verdauung unzuträglich~.

Wie das Herz wird auch das übrige ~Gefäßsystem~ durch Muskelarbeit

beeinflußt.

Die ~Arterien~wände sind normaler Weise elastisch und können dadurch

~Blutverteilung~ und ~Blutdruck~ regulieren. Büßen sie aus irgend einem

Grunde ihre Elastizität mehr oder weniger ein, wie dies bei alten Leuten

oder bei Arteriosklerotikern (Arteriosklerotiker ist derjenige Mensch,

dessen Gefäßwände mehr oder weniger verkalkt, deshalb starr und

unelastisch sind) der Fall ist, so verlieren sie auch ihre

Regulationsfähigkeit, sie können sich demnach auch nur ungenügend dem

durch Leibesübungen gesteigerten Drucke anpassen. Deshalb sind für Leute

mit starrem Arterienrohr die Leibesübungen gefährlich, denselben sind

Leibesübungen zu verbieten oder wenigstens erst sorgfältig

vorzubereiten.

Die Blutbewegung und der Blutdruck in den ~Harngefäßen~ hängen von der

Herzkraft, von der Weite und Regulationsfähigkeit der Schlag- und

~Blutadern~ (Arterien und Venen) ab. Ist der venöse Abfluß behindert, so

tritt eine Stauung in den Organen ein.

Wir wissen nun aber, daß jede ~Einatmung~ (Inspiration) das Venenblut

ansaugt, also auf den Blutumlauf ~begünstigend~ wirkt. ~Muskeltätigkeit~

vertieft erfahrungsgemäß die Atmung, ist also schon aus diesem Grunde

ein Förderungsmittel beschleunigten Blutumlaufs, andrerseits dehnt und

erschlafft der arbeitende Muskel die oberflächlichen Venengefäße. Dehnt

man aber einen elastischen Schlauch, so kann derselbe mehr Luft oder

Flüssigkeit aufnehmen als zuvor. Er ist dann wie eine Pumpe, bei welcher

man den Kolben herausgezogen hat, und der nun die Flüssigkeit aussaugt.

So saugen die Venen die Blutflüssigkeit an und pressen sie dann wieder

aus. Diese doppelte Vorwärtsbewegung der Blutsäule durch Ansaugen und

Auspressen geschieht in der Richtung zum Herzen, denn ein Rückfluß des

Blutes wird durch die Taschenventile der Venen verhindert. Bei

oberflächlicher Atmung und fehlender venöser Regulationstätigkeit durch

Muskelarbeit sahen wir daher Störungen im Organismus wie Stauungen im

Pfortadersystem, Krampfadern, Haemorrhoiden etc. entstehen. Es ist bei

der Entstehung genannter Leiden noch die ~Eigenschwere des Blutes~ zu

würdigen, welche durch Herz und Muskeltätigkeit überwunden werden muß,

um das Blut zum Herzen hinauf zu heben. Außer den genannten Hilfskräften

der Zirkulation, dem Tiefatmen und der Muskelbewegung kommt noch

diejenige Muskeltätigkeit in Frage, welche die großen ~Muskelbinden~

spannt und entspannt. Letztere wirken nach ~Braune~ als ~Druck- und

Saugapparat~ auf die in der Tiefe liegenden Venen. So die große

Halsfaszie und das Poupart’sche Schenkelband. Wird z. B. letzteres durch

starke Außendrehung und Ueberstreckung des Beines nach hinten stark

gespannt, darauf durch Innendrehung und Beugung entspannt, so werden die

daruntergelegenen großen Blutadern gepreßt, darauf stark erweitert, weil

ja die Faszie (Muskelbinde) mit der Gefäßwand verklebt ist.

~Bewegungen~, welche erfahrungsgemäß speziell ~den Blutumlauf

befördern~, sind: 1. die Tiefatmungen, 2. die Rumpfübungen, 3. die

sogenannten Zirkulationsübungen der Schweden, d. h. derjenigen Uebungen,

welche den zu übenden Körperteil durch Drehung um die eigene Axe

auswinden, wie man ein nasses Tuch durch Drehung trocken windet. (Siehe

Uebungstafel).

Vergleicht man die ~Arbeitskraft des Herzmuskels~ mit der Kraft anderer

Muskeln, so findet man nach ~Schmidt~, daß das Herz in einer Stunde etwa

ebensoviel leistet, wie die Beinmuskulatur, wenn sie während einer

Stunde den Körper auf eine Höhe von 500 Metern trägt. Eine gleiche

Leistungsgröße haben auch andere Muskeln des Körpers. Ein kräftiger

Bergsteiger kann nun diese Leistung im günstigsten Falle während 8

Stunden fortsetzen, dann versagen die Kräfte, das Herz aber arbeitet

ruhig, während der 24 Stunden des Tages weiter. ~Das Herz leistet also

das 3fache im Verhältnisse zur Muskelsubstanz, was die Muskeln bei

höchster Arbeit leisten können, sogar im gewohnten Zustande der Ruhe.

Bei ausgiebiger Muskelbewegung leistet das Herz jedoch das 6-8fache der

Ruhearbeit~.”

„~Das Herz kann also im Verhältnis zu seinem Gewicht~ (⅓ ^kgm^) das

~4-5fache an Arbeit leisten als die übrige Körpermuskulatur~.”

Worin ist nun diese hohe Arbeitsfähigkeit des Herzens begründet?

1. Der Herzmuskel hat bessere Blutzirkulationsverhältnisse als die

übrigen Muskeln; Blutzufuhr und Abfuhr sind besser, daher kann er die

sogenannten Ermüdungsstoffe leichter fortschwemmen.

2. Die Herzarbeit ist ~nicht dem Willen~ unterworfen, sondern wird

automatisch und rhytmisch geleistet. Und alle automatisch arbeitenden

Muskeln und Nervenzentren haben eine ganz minimale Ermüdung, wie wir

dies auch beim Atmungsorgan beobachten können. Der Herzmuskel ist der

besttrainierte Muskel, er arbeitet zeitlebens ohne zu ermüden.

Ein dauernd tätiger Muskel wie der Herzmuskel wird selbstverständlich

auch wesentlich mehr ~Nahrung~ als ein nur zeitweilig arbeitender

verbrauchen. Das haben auch die Berechnungen von ~Zuntz~ ergeben,

welcher fand, daß bei Muskelarbeit durchschnittlich 15% des gesamten

Stoffumsatzes nur für Unterhaltung der Herz- und Atemtätigkeit verwendet

wird. Aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ muß die

Nahrung für den Herzmuskel die beste sein, um eine dauernde Tätigkeit

leisten zu können.

Und zwar braucht der Herzmuskel mehr noch als jeder Muskel reichliche

~Sauerstoffnahrung~, denn er muß den arbeitenden Muskeln mehr Sauerstoff

zuführen und muß größere Arbeit liefern, um die Endprodukte der erhöhten

Verbrennungsprozesse zur Ausscheidung bringen zu helfen. Die

Eliminationstätigkeit unterstützen die Lungen wesentlich, denn sie

besorgen die Kohlensäureentladung und Entwässerung des Blutes in

hervorragendem Maße. Nun fand ~Zuntz~ bei einem Versuche am Pferde, daß

der Sauerstoffverbrauch bei mäßiger Muskeltätigkeit 6mal so groß war,

wie bei Muskelruhe. Andrerseits gilt als feststehend, daß in der Ruhe

nur etwa die Hälfte des Sauerstoffs verbraucht wird. Daraus folgt, daß

~mäßige Arbeit allein durch bessere Ausnutzung des Blutsauerstoffes~

geleistet werden kann, ohne daß der Herzmuskel mehr zu arbeiten braucht.

Erst nachdem durch vermehrte Muskeltätigkeit die zweite Hälfte des

Sauerstoffvorrats verbraucht ist, wird eine größere Herzarbeit nötig und

zwar „nahezu proportional dem Sauerstoffverbrauch”, der nach ~Zuntz~ um

das 15-18fache steigen kann.

Diese Mehrarbeit leistet der Herzmuskel durch ~Vermehrung der Zahl der

Zusammenziehungen~ und durch ~Vergrößerung des Schlagvolumens~.

Da nun aber die ~roten Blutkörperchen~ die ~Sauerstoff-Flotte~

vorstellen, d. h. der Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden

ist, so wird das Herz um so weniger zu leisten haben, also geschont,

wenn die Sauerstoff-Flotte recht groß ist. Das an roten Blutkörperchen

arme, also auch sauerstoffarme Blut Bleichsüchtiger, wird daher

vorzeitig bei starken Muskelanstrengungen Herzermüdung hervorrufen.

Ferner ist klar, daß bei einem dünnen wasserreichen Blut wenig rote

Blutkörperchen, also auch verhältnismäßig wenig Sauerstoff, zum Herzen

gelangt.

Ein ~gesundheitliches Training muß maximale Leistungen unter Schonung

der Herzkraft anstreben~.

Es muß also Blut und Gewebe spezifisch schwer zu machen suchen; dies

wird erreicht durch Genuß einer nicht zu eiweißhaltigen, aber

nährsalzreichen, dabei wasserarmen und reizlosen Nahrung unter

gleichzeitiger Trockenlegung der Gewebe durch Schwitzen, Abdampfen und

Harnlassen, ohne dabei zu übertreiben, denn eine Wasserverarmung des

Blutes kann durch maximale Arbeit, bei zu großer Hitze zum Hitzschlag

führen. ~Will man den Herzmuskel durch Leibesübung zu Höchstleistungen

erziehen, so muß man die Uebungsarbeit jedesmal so bemessen, daß der

Herzmuskel das allmählich und systematisch aber stetig größer werdende

Arbeitspensum ohne Ermüdung leisten kann~. Denn bei starker

Beschleunigung der Herztätigkeit kontrahieren sich die Herzkammern

bereits, bevor ihre Füllung erreicht ist, daher kann auch nicht alles

Blut in die Arterien eingetrieben werden, was sich an dem kleinen,

schwachen und beschleunigten Puls deutlich zeigt. Es kommt zur

~Rückstauungskongestion im Lungenkreislauf~, zur Lungenschwellung und

Lungenstarrheit, und zur Behinderung des Atems. Der Blutüberfüllung im

Lungenkreislauf aber entspricht eine ~Blutarmut im Körperkreislauf~.

Dadurch entsteht eine ungenügende Speisung aller Organe mit

sauerstoffreichem, arteriellem Blut insbesondere des Herzens, welches am

meisten zu leisten hat. Dasselbe versagt zuerst, Herz- und Pulsschlag

werden unregelmäßig, das Herz hat eine ~akute Funktionsstörung~

(~Insufficienz~) erlitten, welche sich meist nach Aufhören der

Anstrengung schnell zurückbildet. Jedoch kann sich aus der akuten

Insufficienz eine ~Herzerweiterung~ (Dilatation) entwickeln, indem die

Herzmuskeln dem gesteigerten Blutdruck nicht genügend Widerstand leisten

können, sie werden gedehnt. Derartige vorübergehende Ermüdungszustände

des Herzens betreffen mit Vorliebe die linke Herzkammer und finden sich

bei jeder ~Schnelligkeitsübung~, wie Schnellauf, schnellem Radfahren,

Schnellrudern, Schnellschwimmen etc. Sie können sich durch

Herzstillstand bis zum Tod steigern. Ich erinnere an das „klassische

Beispiel des Siegesläufers von ~Marathon~, der die Siegesnachricht

überbringt und dann tot auf dem Markte in Athen zusammenbricht.”

Jede Schnelligkeitsbewegung kann nun aber so eingerichtet werden, daß

Herz- und Lungentätigkeit mäßig ansteigen ohne jene Erschöpfungssymptome

zu zeigen und dauernd auf dieser mäßigen Höhe erhalten werden,

d. h. ~man macht die Schnelligkeitsübung zur Dauerübung~. Ihre Grenze

liegt in der Allgemeinermüdung, sie umfaßt also die Muskel- und

Nervenermüdung der Kraftübungen und die Herz- und Lungenermüdung der

Schnelligkeitsübungen. Die Ermüdungsstoffe sind im Blute übermäßig

angehäuft.

~Gebraucht man jedoch die Schnelligkeits- und Dauerübungen vernünftig,

d. h. steigert man sie nicht bis zur Atemlosigkeit und bis zum

Herzklopfen, so können sie die Leistungsfähigkeit des Herzens stetig

steigern und das normale Wachstum des kindlichen Herzens in einziger Art

fördern~. Unterbleibt die rechtzeitige Uebung des Herzens in der Jugend,

so ist ein mangelhaft entwickeltes, ein blutarmes, blasses und

unterernährtes Herz die Folge, welches wahrscheinlich eine der Ursachen

späterer Schwindsucht ist.

Ich erinnere auch an den Wert von Dauer- und Schnelligkeitsübungen in

dem ~Entfettungstraining~ beim fettumwachsenen Herzen und bei

allgemeiner Fettleibigkeit.

Anders wirken die kurzdauernden ~Kraftübungen~ auf das Herz. Hier ist es

die sogenannte ~Pressung~ oder ~Anstrengung~, welche gefährlich werden

kann. Wollen wir mit der Extremitätenmuskulatur eine Kraftleistung

vollbringen, so müssen wir den Rumpf zum Stützpunkt der Extremitäten

nehmen, d. h. ihn starr machen. Dies tun wir, wenn wir bei tiefer

Inspiration die Brustmuskeln zusammenziehen; dadurch pressen wir den

Inhalt des Brustkorbes und der Bauchhöhle fest zusammen, entleeren das

Blut der Herzkammern schnell, während wir gleichzeitig den Abfluß des

venösen Blutes in die Vorhöfe verhindern. Die übermäßige Füllung des

Venensystems und die Blutleere des ~mehr~ arbeitenden Herzens hören erst

auf, wenn die in den Lungen zusammen gepreßte Luft entweicht, der Rumpf

seine Starrheit verliert, die Kraftleistung zu Ende ist, und macht einem

plötzlichen vehementen Einschießen des venösen Blutes in das geschwächte

rechte Herz Platz. Eine vorübergehende Erweiterung des rechten Herzens

ist die Folge und kann zu einer mehrtägigen Reizbarkeit führen, die

wahrscheinlich durch eine Beleidigung des nervösen Apparates bedingt

ist. Abgesehen von dieser Reizbarkeit, die auch eine dauernde bleiben

kann, treten als Schädigung der Kraftübungen höhere Grade von

Erweiterung des rechten Herzens, Klappenfehler, ja rascher Tod

ein. In welcher Weise wir unsere Bewegungen in Rücksicht auf

Zentralnervensystem, auf die nervösen Zentren des Herzens und des

Gefäßsystems einzurichten haben, werden wir weiter unten sehen.

(Weiteres s. auch Eichhorst, Hygiene des Herzens).

Der fehlerhaft Uebende preßt nun häufig schon bei Uebungen, die einen

maximalen Kraftaufwand noch gar nicht erfordern. ~Da sich die Pressung

durch den Willen unterdrücken läßt, so ist es Pflicht des

Gymnastiklehrers auf die Atemführung bei Kraft- -- besonders auch bei

Gerätübungen zu achten~.

Leichtere Kraftübungen können erst bei längerer Dauer Schädigung

hervorrufen, schwere Kraftübungen jedoch, bei denen der

Anstrengungsvorgang notwendig ist, führen, wenn sie häufig betrieben

werden, zur dauernden Beeinträchtigung des Herzens, der Herzmuskel

entartet (degeneriert) und wird schwach.

~Schaltet man daher die Pressung bei Kraftübungen aus, unterläßt man bei

Dauerübungen plötzliche Steigerungen zu Kraftleistungen und macht die

Dauerübung nicht zu abnormen Schnelligkeits- und umgekehrt die

Schnelligkeitsübung nicht zur maximalen Dauerübung, so kann man

systematisch und vernünftig vorgehend den Herzmuskel vorzüglich

trainieren, d. h. den Eintritt seiner Ermüdung weit hinausschieben und

eine physiologische Zunahme der Muskelsubstanz erreichen~.

Nach ~Leitenstorfer~ ist „eine mäßige Herzhypertrophie

(Herzvergrößerung), solange sie der Gesamtmuskulatur entspricht, kein

krankhafter Zustand, kein Herzfehler, sondern ein auf naturgemäßem Wege

errungener Gewinn.”

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 17 / 72 题