32. Der Riesenkraken.

Johns Wißbegier wurde aber diesmal nicht so pünktlich befriedigt, wie er

es von seines Herrn Zuverlässigkeit hätte erwarten dürfen.

Das war aber nur einem außerordentlichen Umstand, einem

unvorhergesehenen Ereignis zuzuschreiben, das für die Sannah und ihre

Insassen leicht hätte verhängnisvoll werden können.

Gegen Ende der Mahlzeit nämlich ließ sich plötzlich ein heftiges

Geprassel vernehmen, unterbrochen von donnernden Schlägen, die das

Weltschiff in seinen Grundfesten erschütterten. Es war offenbar ein

Hagel von Meteoriten, der auf die Sannah niederging.

Glücklicherweise waren die ersten Steine, die auf die Umhüllung sausten,

klein, und der Lord konnte durch einen Druck auf den entsprechenden

elektrischen Knopf die metallenen Schutzplatten oder Augendeckel über

sämtlichen Fensterlinsen schließen, so daß eine Zertrümmerung oder

Beschädigung derselben verhütet wurde.

Bald aber prallten so ansehnliche Brocken auf die Oberfläche des

Fahrzeugs auf, daß man das Schlimmste befürchten mußte und selbst

Münchhausen seine gastronomische Tätigkeit unterbrach.

Als das Gepolter und Gedonner aufhörte, machte der Lord mit John, Heinz

und dem Professor einen Rundgang durch die Sannah, um genau zu

untersuchen, ob die Decke nirgends beschädigt und durchschlagen worden

sei. Zu seiner großen Beruhigung und Befriedigung fand er, daß die

treffliche Metallhülle dem wuchtigen Hagel durchweg standgehalten hatte

und keinerlei Verletzung erkennen ließ. Außen hatte sie ja gewiß Beulen,

Schrammen und Schrunden davongetragen, danach konnte man zur Zeit nicht

sehen, denn dort draußen gähnte der leere Raum. Die Hauptsache aber

blieb, daß der Mantel nirgends durchlöchert war und so die kostbare Luft

nicht entweichen konnte.

Als die Männer von ihrem Rundgang zurückkehrten, hatte Münchhausen auch

seine Mahlzeit beendet, die er nach Überwindung des ersten Schreckens

fortgesetzt hatte.

»Ihre Ruhe ist beneidenswert,« sagte Schultze kopfschüttelnd: »Während

wir, von der Sorge um unser Leben getrieben, nachsehen, ob die Sannah

kein verhängnisvolles Loch davongetragen habe, lassen Sie sich's ruhig

schmecken, als sei nichts geschehen und nichts zu befürchten.«

»Sie halten das ja wohl für sträflichen Leichtsinn und tadelnswerte

Gefräßigkeit,« erwiderte der Kapitän: »In Wahrheit jedoch ist es

vernünftige Philosophie und Überlegung. Denn, sagen Sie selber: wenn Sie

zu viert ausziehen, nach einem etwaigen Schaden zu sehen, wozu soll ich

als fünftes Rad am Wagen mittrotteln? Und schließlich, entweder die

Sannah hat eine gefährliche Verletzung davongetragen oder nicht. Ist sie

unbeschädigt, so wäre die Unterbrechung meiner Mahlzeit zum mindesten

überflüssig gewesen, wäre jedoch ein gefährliches Leck vorgefunden

worden, so hätte sie auch da rein gar nichts helfen können; im

Gegenteil, mit leerem Magen steht man einer Gefahr viel hilfloser und

schwächlicher gegenüber als mit dem Gefühl der Sättigung, das einen zu

ruhigerer Überlegung befähigt.«

»Na! Allenfalls hätten Sie mit wohlgefülltem Wanst unter Umständen auch

ein großes Loch mit Ihrer werten Persönlichkeit verstopfen können, bis

wir es kalfatert hätten, um den Luftaustritt zu verhindern,« höhnte

Schultze.

»Spotten Sie nicht,« mahnte der Kapitän würdig, »zu solcher Aufopferung

wäre ich stets bereit gewesen und auf ähnliche Art habe ich sogar schon

einmal ein großes Schiff vor dem sichern Untergang gerettet.«

»Oho! Erzählen Sie!« rief Flitmore, sich in einen Sessel werfend.

»Gerne!« erklärte Münchhausen bereitwillig. »Es ist gar nicht so lange

her: meine zunehmende Leibesfülle erschwerte mir bereits meinen Dienst

als Schiffskapitän, als mein stattliches Schiff eines Tages auf ein

unterseeisches Riff aufstieß, das auf keiner Seekarte verzeichnet war.

Wir bekamen ein Leck von solcher Größe, daß trotz allen Pumpens der

untere Schiffsraum sich fabelhaft rasch mit Wasser anfüllte. Unser

Untergang schien unvermeidlich, denn eine Küste, wo wir hätten landen

können, war nicht in Sicht. Die Felsspitze, die uns so verhängnisvoll

geworden war, mußte einer einsamen unterseeischen Insel angehören.

Ich begab mich mit dem Schiffszimmermann und zwei Matrosen hinunter, um

zu sehen, ob dem Leck denn gar nicht beizukommen sei; doch es befand

sich schon völlig unter Wasser. Auf einem schmalen Balken turnte ich

über dem gurgelnden Naß gegen die Schiffswand, als ich plötzlich ein

schlangenähnliches Wesen da unten herumplätschern zu sehen vermeinte.

Bald tauchten drei, vier solcher Schlangen von etwa sechs Meter Länge

auf. Kein Zweifel! Ein Riesenkraken, auch Polyp oder Tintenfisch

genannt, streckte seine schrecklichen Fangarme durch das Leck ins

Schiffsinnere; sein Leib, so weich und elastisch er war, konnte wegen

seiner kolossalen Dicke nicht eindringen.

Plötzlich schnellte so ein Riesenarm auf mich zu, und wie ich erschreckt

ausweichen will, verliere ich das Gleichgewicht und stürze ins Wasser.

Sofort umklammert mich das Seeungeheuer mit seinen sämtlichen Fangarmen

und sucht mich zu sich hinauszuziehen. Glücklicherweise war nun wiederum

ich zu dick. Mein Bauch wurde gegen das Loch gepreßt, das er völlig

verstopfte, während ich den Kopf noch über Wasser halten konnte.

Meine Begleiter sprangen alsbald ins Wasser mir zu Hilfe: sie wollten

mit ihren Messern die Fangarme des Polypen durchschneiden und mich so

aus der erstickenden Umarmung befreien. Ich aber hatte sofort erkannt,

daß uns hier der einzige Weg zur Rettung des Schiffes gewiesen war, und

ich bedachte mich keinen Augenblick, mein Leben zu opfern, wenn es sein

sollte, um Fahrzeug und Mannschaft zu retten.

Ich rief daher den Matrosen zu, sie sollten ihre Messer in Ruhe lassen,

dagegen starke Taue an die einzelnen Glieder des Kraken binden. Sie

wußten nicht recht, was das sollte, doch, gewohnt, mir blindlings zu

folgen, führten sie die schwierige und nicht ungefährliche Arbeit aus.

»Nun ziehet die Leinen straff an,« rief ich, als die Sache soweit war,

»und knüpft sie an einem Längsbalken fest, daß die Fangarme gestreckt

werden!« Mit Hilfe einiger weiterer herbeigeeilter Mannschaften wurde

dies ausgeführt und der Tintenfisch mußte mich aus der Umklammerung frei

geben, als seine Glieder mit aller Gewalt angezogen und gestrafft

wurden.

Halbtot fischte man mich aus dem Wasser und ich verlor das Bewußtsein,

während man mich an Deck trug, wozu nicht weniger als sechs Mann

erforderlich waren.

Der Polyp aber saß fest und sein weicher, kolossaler Leib war durch die

strammgezogenen Seile derart in das Leck gezwängt, daß es völlig

verstopft wurde und kein Tropfen Wasser mehr eindringen konnte.

Bis ich aus meiner Ohnmacht erwachte, war das Wasser schon soweit

ausgepumpt, daß der Zimmermann an die beschädigte Stelle gelangen und

sie kalfatern konnte, wobei gemäß dem Fortschreiten der Arbeit dem

Kraken die Arme einzeln abgetrennt wurden, bis er mit Verlust seiner

Glieder das Weite suchen konnte und die letzte Lücke hinter ihm

vernagelt wurde. Nun war das Schiff gerettet, und meiner Leibesfülle war

dies in letzter Linie zu danken; denn wäre ich so schlank gewesen, wie

Sie, meine Herren, so hätte mich das widrige Scheusal mit Leichtigkeit

durch das Loch hinausgezogen, ich wäre eines elenden Todes gestorben und

mein Schiff mitsamt der Mannschaft wäre rettungslos zugrunde gegangen.«

»Ein Hoch auf Ihren segensreichen Körperumfang!« rief Schultze, sein

Glas füllend und erhebend.

»Und auf Ihre edle Opferfreudigkeit,« fügte Flitmore hinzu, ebenfalls

mit dem schmunzelnden Kapitän anstoßend und in die allgemeine Heiterkeit

einstimmend.

»Das war sozusagen ein großartig zu nennendes Abenteuer,« meinte John,

»aber wenn ich mir nun erlauben darf, Mylord, Sie daran zu erinnern, so

haben Sie mir versprochen, zu erklären, wie man wissen kann, daß außer

den leuchtenden Sonnensternen auch noch dunkle Sterne vorhanden sein

dürften, trotzdem man sie nicht sehen kann.«

Flitmore gab bereitwilligst Auskunft, indem er begann: »Zunächst kann

man es vermuten, denn die Fixsterne sind doch lauter leuchtende,

glühende Sonnen, meist viel größer als unsre irdische Sonne. Wenn nun um

diese mehrere dunkle Planeten kreisen, warum nicht auch um die Millionen

andrer Sonnen im Weltraum?

Sodann unterscheidet man drei Klassen von Fixsternen je nach ihrer

Lichtstärke. Die erste Klasse umfaßt die weißleuchtenden Sterne, die

sich noch in höchster Glut befinden, also wohl die jüngsten sind. Zu

diesen gehören Regulus im Löwen, Sirius im großen Hund, Wega in der

Leier. Auch die blauen Sterne gehören hierher.

Die zweite Klasse umfaßt die gelben Sterne, ähnlich unsrer Sonne, die

schon von niedererer Temperatur und Helligkeit sind. In die dritte

Klasse rechnet man die rotglühenden Sterne und die orangeroten.

Zwischen diesen Klassen und in denselben gibt es aber alle möglichen

Zwischenstufen und Übergänge, und manche Astronomen unterscheiden noch

eine vierte Klasse der blutroten Sterne von geringer Helligkeit und eine

fünfte, die nur einige wenige Sterne umfaßt, die das Spektrum des

Wasserstoffs geben.

Die erste Klasse umfaßt die meisten Fixsterne, die zweite etwa die

Hälfte der ersten, die dritte ungefähr den achten Teil. Daraus schließt

man, daß ein Stern doppelt so lang im ersten als im zweiten Zustand

bleibt und in diesem viermal so lang als im dritten. Diese Ansicht

übersieht jedoch völlig, daß uns die hellsten Sterne aus einer

Entfernung sichtbar sein können, aus der das Licht weniger heller

Weltsonnen gar nicht mehr bis zu uns dringt, daß wir also auch so

rechnen können: aus der entferntesten Region des sichtbaren Weltalls

leuchten uns nur die Sterne erster Klasse, die andern sehen wir nicht;

aus der mittleren Region werden uns auch die Sterne zweiter Klasse noch

sichtbar und nur aus der uns nächsten Region auch noch schwächer

leuchtende. Natürlich kommt dabei auch noch die Größe der Sterne in

Betracht, da wir einen Stern zweiter Klasse vielleicht noch aus einer

Entfernung erkennen können, aus der uns ein millionenmal kleinerer Stern

erster Klasse nicht mehr zu Gesichte kommt.

Das kommt daher, daß das Licht im Raum nicht ungeschwächt vordringt,

sondern mit der Entfernung zunehmend an Glanz einbüßt: der im Raum

enthaltene Stoff schluckt etwas von dem ihn durcheilenden Lichte an; das

nennt man Absorption. Und gerade diese Lichtabsorption, für die man

verschiedene Beweise hat, gibt uns die Gewißheit, daß der Raum nicht

leer ist, sondern von einem Stoff erfüllt, der Licht aufzusaugen vermag.

Es ist nun klar, daß auf eine bestimmte Entfernung hin das Licht eines

Sternes schließlich völlig aufgesogen sein muß, und so nimmt man an, daß

Sterne, die über 16000 Lichtjahre von uns entfernt sind, überhaupt kein

Licht mehr so weit zu bringen vermögen und uns daher ewig unsichtbar

bleiben.

Was also über diese Lichtgrenze unsrer Welt hinausgeht, bleibt uns

unbekannt; kein Fernrohr, und wäre es millionenmal stärker als wir sie

bauen, vermöchte den Schleier zu lüften, keine photographische Platte

wäre dazu imstande, und wenn sie millionenmal empfindlicher wäre als die

Platten, die uns jetzt schon Sterne nachweisen, die man mit dem besten

Teleskop nicht zu finden vermag.

Nun aber zurück zu den dunkeln Welten: sehen wir, daß die Fixsterne sich

in den verschiedensten Stufen der Glut befinden, manche schon im

Erlöschen begriffen, was liegt näher, als daß auch Millionen schon

längst erloschener Weltkörper im Raume sich bewegen, die uns das

schwache Licht, das sie von ihren Sonnen empfangen, nicht zu Gesicht

bringen können? Dazu kommt noch unser Glaube an des Schöpfers Weisheit

und Güte: sollte er Millionen Sonnen erschaffen haben ohne einen Zweck?

Oder sollten sie nicht vielmehr dienen, Welten zu erleuchten und zu

erwärmen, die von den Wundern Gottes überfließen, und wo lebendige Wesen

sich ihres Daseins freuen?

Einige Astronomen nehmen an, daß das Weltall Tausende von Millionen

Sonnen und Hunderttausende von Millionen dunkler Welten besitze und zwar

solche von ungeheurer Größe. Sie glauben auch nicht, daß der Raum von

drei- bis viereinhalb Lichtjahren, der unser Sonnensystem von der

Fixsternwelt trennt, eine weltenleere Einöde sein könne, sondern daß

einige Millionen dunkler Körper sich darin finden könnten, so große

sogar, daß unser Sonnensystem sich um sie drehe. Denn nichts beweist

uns, daß sich leuchtende und nichtleuchtende Weltkörper nicht auch um

ein erloschenes dunkles Gestirn drehen können, sofern es groß genug ist.

Dies alles sind ja zunächst nur Vermutungen, wenn auch solche, die die

größte Wahrscheinlichkeit für sich haben. Aber wir haben auch Beweise

für das Vorhandensein solcher dunkler Weltkörper.

Wenn ein dunkler Trabant zwischen uns und seiner Sonne vorübergeht, so

werden wir ja für gewöhnlich davon nichts merken können, weil bei der

ungeheuren Entfernung die Verfinsterung allzu gering ist, sobald er

wesentlich kleiner ist als seine Sonne, was wir ja gewiß als das

Gewöhnliche annehmen müssen. Dennoch gibt es Fixsterne, die uns erkennen

lassen, daß ein dunkler Trabant sie umkreist; das sind die sogenannten

veränderlichen Sterne, aber das soll dir der Professor erklären, ich

habe es nicht so im Kopf.«

»Gerne!« erklärte Schultze bereitwillig. »Veränderliche Sterne heißt man

diejenigen, deren Helligkeit zu Zeiten abnimmt, um dann aber wieder

zuzunehmen. Man unterscheidet da den Miratypus, den Lyratypus und den

Algoltypus.«

»O, wie fein das klingt!« unterbrach John: »Miratyphus, Liratyphus und

Alkoholtyphus.«

Das herzliche Gelächter, das seine Repetition der melodischen Namen

erweckte, nahm er gewohntermaßen nicht übel.

Der Professor aber machte weiter: »Der Stern Mira, das heißt >Der

Wunderbare<, im Walfisch strahlt gelegentlich als Stern erster oder

zweiter Größe, aber nur wenige Wochen lang. 70 Tage später ist er schon

so lichtschwach, daß er nur noch im Fernrohr sichtbar ist, noch weiter

an Glanz abnehmend. Späterhin nimmt sein Licht wieder zu und zwar viel

rascher, als es zuvor abgenommen. Nachdem er dem bloßen Auge wieder

sichtbar geworden, erreicht er in 40 Tagen seinen höchsten Glanz. Diese

Perioden dauern durchschnittlich 333 Tage von einem Höhepunkt zum

andern, sind aber nicht ganz regelmäßig, auch der Glanz des Sterns

erreicht nicht immer die gleiche Höhe.

Man nimmt daher an, Mira sei eine erlöschende Sonne, die sich wie unsre

Sonne periodisch mit vielen Flecken überzieht, nur noch mit viel mehr.

Wenn unsre Sonne einmal so weit kommt, muß alles Leben auf Erden zu

Grunde gehen. Auch die Spektralanalyse beweist die Ähnlichkeit dieses

Wundersterns mit der Sonne.

Heute kennt man hunderte von veränderlichen Sternen vom Miratypus, die

meist in Perioden von 300 bis 400 Tagen ihr Licht wechseln. Manche aber

sind völlig unregelmäßig, bleiben jahrelang unveränderlich oder leuchten

binnen weniger Stunden mit großer Schnelligkeit hell auf. Das scheint

auf gewaltige Umwälzungen hinzuweisen, die sich dort abspielen.

Der Stern Beta in der Leier zeigt den sogenannten Lyratypus; der

Lichtwechsel geht ziemlich pünktlich vor sich, seine Stärke aber nimmt

nicht gleichmäßig zu, sondern geht zwischenhinein wieder herunter. Man

nimmt an, daß wir es hier mit halberstarrten Sonnen zu tun haben, die

uns abwechselnd ihre erkalteten und ihre unregelmäßig verteilten

glutflüssigen Oberflächenteile zuwenden.

Zwischen diesen beiden Typen gibt es noch allerlei merkwürdige

Abweichungen, wie zum Beispiel der besonders wundersame Stern S im

Schwan, der 2 Monate lang unverändert bleibt, dann rasch um das 12 bis

14fache an Glanz zunimmt, einmal 5, das andremal 10 Tage lang so hell

bleibt, um darauf nach einer Woche wieder so schwach zu leuchten wie

zuvor. Aber das geschieht nicht regelmäßig, sondern öfters zeigt er

wieder andre Perioden.

Ein andrer Stern wechselt in der fabelhaft kurzen Periode von 4 Stunden

und 13 Sekunden, was darauf hindeutet, daß er sich in dieser Zeit um

seine Achse dreht oder von einem andern Stern mit solch ungeheurer

Geschwindigkeit umkreist wird.

Dies führt uns zur dritten Klasse der veränderlichen Sterne, derer vom

Algoltypus. Diese zeigen ein rein weißes Licht, können also keine

erlöschenden Sonnen sein, auch sind ihre Perioden von genauester

Pünktlichkeit.

Algol im Perseus bleibt 2½ Tage unverändert als Stern zweiter Größe

gleich dem Polarstern; dann nimmt seine Leuchtkraft erst langsam, dann

immer schneller ab; nach 4½ Stunden ist er nur noch ein Sternchen

dritter bis vierter Größe, nimmt aber sofort wieder zu und ist nach

weiteren 4½ Stunden so hell wie zuvor.

Hiefür gibt es nur _eine_ Erklärung: Algol wird uns verfinstert durch

einen dunklen Weltkörper, der ihn in 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und

55 Sekunden umläuft, denn so viel beträgt die Periode.

Dieser dunkle Begleiter muß seiner Sonne sehr nahe sein und beinahe so

groß wie sie, sonst könnte er uns, wie schon gesagt, seine Sonne auf

solch ungeheure Entfernung hin nicht verfinstern; natürlich muß auch

seine Bahn unsere Gesichtslinie kreuzen, daher ist es erklärlich, daß

man nur etwa 20 veränderliche Sterne vom Algoltypus kennt. Bei allen

sind die Perioden sehr kurz, zwischen 20 Stunden und 9½ Tagen.

Störungen weisen darauf hin, daß Algol mehr als einen Trabanten hat, und

wir dürfen hier ganze Sonnensysteme vermuten, aber auch dort, wo kein

dunkler Begleiter sich uns durch seine Größe und geringe Entfernung von

seiner Fixsternsonne verrät.

Schließlich verrät uns auch das Spektroskop dunkle Trabanten der

Fixsterne dadurch, daß die Linien ihres Spektrums genau innerhalb der

Lichtwechselperiode sich verschieben.«

»Aus alledem,« sagte Flitmore, »siehst du, daß dunkle und wohl auch

bewohnbare Weltkörper zur Genüge vorhanden sein müssen. Gott gebe nur,

daß wir zu rechter Zeit einen solchen auffinden und glücklich dort zu

landen vermögen.«

Wunderwelten Wie Lord Flitmore eine seltsame Reise zu den Planeten unternimmt und durch einen Kometen in die Fixsternwelt entführt wird · 第 38 / 70 题