Johns Wißbegier wurde aber diesmal nicht so pünktlich befriedigt, wie er
es von seines Herrn Zuverlässigkeit hätte erwarten dürfen.
Das war aber nur einem außerordentlichen Umstand, einem
unvorhergesehenen Ereignis zuzuschreiben, das für die Sannah und ihre
Insassen leicht hätte verhängnisvoll werden können.
Gegen Ende der Mahlzeit nämlich ließ sich plötzlich ein heftiges
Geprassel vernehmen, unterbrochen von donnernden Schlägen, die das
Weltschiff in seinen Grundfesten erschütterten. Es war offenbar ein
Hagel von Meteoriten, der auf die Sannah niederging.
Glücklicherweise waren die ersten Steine, die auf die Umhüllung sausten,
klein, und der Lord konnte durch einen Druck auf den entsprechenden
elektrischen Knopf die metallenen Schutzplatten oder Augendeckel über
sämtlichen Fensterlinsen schließen, so daß eine Zertrümmerung oder
Beschädigung derselben verhütet wurde.
Bald aber prallten so ansehnliche Brocken auf die Oberfläche des
Fahrzeugs auf, daß man das Schlimmste befürchten mußte und selbst
Münchhausen seine gastronomische Tätigkeit unterbrach.
Als das Gepolter und Gedonner aufhörte, machte der Lord mit John, Heinz
und dem Professor einen Rundgang durch die Sannah, um genau zu
untersuchen, ob die Decke nirgends beschädigt und durchschlagen worden
sei. Zu seiner großen Beruhigung und Befriedigung fand er, daß die
treffliche Metallhülle dem wuchtigen Hagel durchweg standgehalten hatte
und keinerlei Verletzung erkennen ließ. Außen hatte sie ja gewiß Beulen,
Schrammen und Schrunden davongetragen, danach konnte man zur Zeit nicht
sehen, denn dort draußen gähnte der leere Raum. Die Hauptsache aber
blieb, daß der Mantel nirgends durchlöchert war und so die kostbare Luft
nicht entweichen konnte.
Als die Männer von ihrem Rundgang zurückkehrten, hatte Münchhausen auch
seine Mahlzeit beendet, die er nach Überwindung des ersten Schreckens
fortgesetzt hatte.
»Ihre Ruhe ist beneidenswert,« sagte Schultze kopfschüttelnd: »Während
wir, von der Sorge um unser Leben getrieben, nachsehen, ob die Sannah
kein verhängnisvolles Loch davongetragen habe, lassen Sie sich's ruhig
schmecken, als sei nichts geschehen und nichts zu befürchten.«
»Sie halten das ja wohl für sträflichen Leichtsinn und tadelnswerte
Gefräßigkeit,« erwiderte der Kapitän: »In Wahrheit jedoch ist es
vernünftige Philosophie und Überlegung. Denn, sagen Sie selber: wenn Sie
zu viert ausziehen, nach einem etwaigen Schaden zu sehen, wozu soll ich
als fünftes Rad am Wagen mittrotteln? Und schließlich, entweder die
Sannah hat eine gefährliche Verletzung davongetragen oder nicht. Ist sie
unbeschädigt, so wäre die Unterbrechung meiner Mahlzeit zum mindesten
überflüssig gewesen, wäre jedoch ein gefährliches Leck vorgefunden
worden, so hätte sie auch da rein gar nichts helfen können; im
Gegenteil, mit leerem Magen steht man einer Gefahr viel hilfloser und
schwächlicher gegenüber als mit dem Gefühl der Sättigung, das einen zu
ruhigerer Überlegung befähigt.«
»Na! Allenfalls hätten Sie mit wohlgefülltem Wanst unter Umständen auch
ein großes Loch mit Ihrer werten Persönlichkeit verstopfen können, bis
wir es kalfatert hätten, um den Luftaustritt zu verhindern,« höhnte
Schultze.
»Spotten Sie nicht,« mahnte der Kapitän würdig, »zu solcher Aufopferung
wäre ich stets bereit gewesen und auf ähnliche Art habe ich sogar schon
einmal ein großes Schiff vor dem sichern Untergang gerettet.«
»Oho! Erzählen Sie!« rief Flitmore, sich in einen Sessel werfend.
»Gerne!« erklärte Münchhausen bereitwillig. »Es ist gar nicht so lange
her: meine zunehmende Leibesfülle erschwerte mir bereits meinen Dienst
als Schiffskapitän, als mein stattliches Schiff eines Tages auf ein
unterseeisches Riff aufstieß, das auf keiner Seekarte verzeichnet war.
Wir bekamen ein Leck von solcher Größe, daß trotz allen Pumpens der
untere Schiffsraum sich fabelhaft rasch mit Wasser anfüllte. Unser
Untergang schien unvermeidlich, denn eine Küste, wo wir hätten landen
können, war nicht in Sicht. Die Felsspitze, die uns so verhängnisvoll
geworden war, mußte einer einsamen unterseeischen Insel angehören.
Ich begab mich mit dem Schiffszimmermann und zwei Matrosen hinunter, um
zu sehen, ob dem Leck denn gar nicht beizukommen sei; doch es befand
sich schon völlig unter Wasser. Auf einem schmalen Balken turnte ich
über dem gurgelnden Naß gegen die Schiffswand, als ich plötzlich ein
schlangenähnliches Wesen da unten herumplätschern zu sehen vermeinte.
Bald tauchten drei, vier solcher Schlangen von etwa sechs Meter Länge
auf. Kein Zweifel! Ein Riesenkraken, auch Polyp oder Tintenfisch
genannt, streckte seine schrecklichen Fangarme durch das Leck ins
Schiffsinnere; sein Leib, so weich und elastisch er war, konnte wegen
seiner kolossalen Dicke nicht eindringen.
Plötzlich schnellte so ein Riesenarm auf mich zu, und wie ich erschreckt
ausweichen will, verliere ich das Gleichgewicht und stürze ins Wasser.
Sofort umklammert mich das Seeungeheuer mit seinen sämtlichen Fangarmen
und sucht mich zu sich hinauszuziehen. Glücklicherweise war nun wiederum
ich zu dick. Mein Bauch wurde gegen das Loch gepreßt, das er völlig
verstopfte, während ich den Kopf noch über Wasser halten konnte.
Meine Begleiter sprangen alsbald ins Wasser mir zu Hilfe: sie wollten
mit ihren Messern die Fangarme des Polypen durchschneiden und mich so
aus der erstickenden Umarmung befreien. Ich aber hatte sofort erkannt,
daß uns hier der einzige Weg zur Rettung des Schiffes gewiesen war, und
ich bedachte mich keinen Augenblick, mein Leben zu opfern, wenn es sein
sollte, um Fahrzeug und Mannschaft zu retten.
Ich rief daher den Matrosen zu, sie sollten ihre Messer in Ruhe lassen,
dagegen starke Taue an die einzelnen Glieder des Kraken binden. Sie
wußten nicht recht, was das sollte, doch, gewohnt, mir blindlings zu
folgen, führten sie die schwierige und nicht ungefährliche Arbeit aus.
»Nun ziehet die Leinen straff an,« rief ich, als die Sache soweit war,
»und knüpft sie an einem Längsbalken fest, daß die Fangarme gestreckt
werden!« Mit Hilfe einiger weiterer herbeigeeilter Mannschaften wurde
dies ausgeführt und der Tintenfisch mußte mich aus der Umklammerung frei
geben, als seine Glieder mit aller Gewalt angezogen und gestrafft
wurden.
Halbtot fischte man mich aus dem Wasser und ich verlor das Bewußtsein,
während man mich an Deck trug, wozu nicht weniger als sechs Mann
erforderlich waren.
Der Polyp aber saß fest und sein weicher, kolossaler Leib war durch die
strammgezogenen Seile derart in das Leck gezwängt, daß es völlig
verstopft wurde und kein Tropfen Wasser mehr eindringen konnte.
Bis ich aus meiner Ohnmacht erwachte, war das Wasser schon soweit
ausgepumpt, daß der Zimmermann an die beschädigte Stelle gelangen und
sie kalfatern konnte, wobei gemäß dem Fortschreiten der Arbeit dem
Kraken die Arme einzeln abgetrennt wurden, bis er mit Verlust seiner
Glieder das Weite suchen konnte und die letzte Lücke hinter ihm
vernagelt wurde. Nun war das Schiff gerettet, und meiner Leibesfülle war
dies in letzter Linie zu danken; denn wäre ich so schlank gewesen, wie
Sie, meine Herren, so hätte mich das widrige Scheusal mit Leichtigkeit
durch das Loch hinausgezogen, ich wäre eines elenden Todes gestorben und
mein Schiff mitsamt der Mannschaft wäre rettungslos zugrunde gegangen.«
»Ein Hoch auf Ihren segensreichen Körperumfang!« rief Schultze, sein
Glas füllend und erhebend.
»Und auf Ihre edle Opferfreudigkeit,« fügte Flitmore hinzu, ebenfalls
mit dem schmunzelnden Kapitän anstoßend und in die allgemeine Heiterkeit
einstimmend.
»Das war sozusagen ein großartig zu nennendes Abenteuer,« meinte John,
»aber wenn ich mir nun erlauben darf, Mylord, Sie daran zu erinnern, so
haben Sie mir versprochen, zu erklären, wie man wissen kann, daß außer
den leuchtenden Sonnensternen auch noch dunkle Sterne vorhanden sein
dürften, trotzdem man sie nicht sehen kann.«
Flitmore gab bereitwilligst Auskunft, indem er begann: »Zunächst kann
man es vermuten, denn die Fixsterne sind doch lauter leuchtende,
glühende Sonnen, meist viel größer als unsre irdische Sonne. Wenn nun um
diese mehrere dunkle Planeten kreisen, warum nicht auch um die Millionen
andrer Sonnen im Weltraum?
Sodann unterscheidet man drei Klassen von Fixsternen je nach ihrer
Lichtstärke. Die erste Klasse umfaßt die weißleuchtenden Sterne, die
sich noch in höchster Glut befinden, also wohl die jüngsten sind. Zu
diesen gehören Regulus im Löwen, Sirius im großen Hund, Wega in der
Leier. Auch die blauen Sterne gehören hierher.
Die zweite Klasse umfaßt die gelben Sterne, ähnlich unsrer Sonne, die
schon von niedererer Temperatur und Helligkeit sind. In die dritte
Klasse rechnet man die rotglühenden Sterne und die orangeroten.
Zwischen diesen Klassen und in denselben gibt es aber alle möglichen
Zwischenstufen und Übergänge, und manche Astronomen unterscheiden noch
eine vierte Klasse der blutroten Sterne von geringer Helligkeit und eine
fünfte, die nur einige wenige Sterne umfaßt, die das Spektrum des
Wasserstoffs geben.
Die erste Klasse umfaßt die meisten Fixsterne, die zweite etwa die
Hälfte der ersten, die dritte ungefähr den achten Teil. Daraus schließt
man, daß ein Stern doppelt so lang im ersten als im zweiten Zustand
bleibt und in diesem viermal so lang als im dritten. Diese Ansicht
übersieht jedoch völlig, daß uns die hellsten Sterne aus einer
Entfernung sichtbar sein können, aus der das Licht weniger heller
Weltsonnen gar nicht mehr bis zu uns dringt, daß wir also auch so
rechnen können: aus der entferntesten Region des sichtbaren Weltalls
leuchten uns nur die Sterne erster Klasse, die andern sehen wir nicht;
aus der mittleren Region werden uns auch die Sterne zweiter Klasse noch
sichtbar und nur aus der uns nächsten Region auch noch schwächer
leuchtende. Natürlich kommt dabei auch noch die Größe der Sterne in
Betracht, da wir einen Stern zweiter Klasse vielleicht noch aus einer
Entfernung erkennen können, aus der uns ein millionenmal kleinerer Stern
erster Klasse nicht mehr zu Gesichte kommt.
Das kommt daher, daß das Licht im Raum nicht ungeschwächt vordringt,
sondern mit der Entfernung zunehmend an Glanz einbüßt: der im Raum
enthaltene Stoff schluckt etwas von dem ihn durcheilenden Lichte an; das
nennt man Absorption. Und gerade diese Lichtabsorption, für die man
verschiedene Beweise hat, gibt uns die Gewißheit, daß der Raum nicht
leer ist, sondern von einem Stoff erfüllt, der Licht aufzusaugen vermag.
Es ist nun klar, daß auf eine bestimmte Entfernung hin das Licht eines
Sternes schließlich völlig aufgesogen sein muß, und so nimmt man an, daß
Sterne, die über 16000 Lichtjahre von uns entfernt sind, überhaupt kein
Licht mehr so weit zu bringen vermögen und uns daher ewig unsichtbar
bleiben.
Was also über diese Lichtgrenze unsrer Welt hinausgeht, bleibt uns
unbekannt; kein Fernrohr, und wäre es millionenmal stärker als wir sie
bauen, vermöchte den Schleier zu lüften, keine photographische Platte
wäre dazu imstande, und wenn sie millionenmal empfindlicher wäre als die
Platten, die uns jetzt schon Sterne nachweisen, die man mit dem besten
Teleskop nicht zu finden vermag.
Nun aber zurück zu den dunkeln Welten: sehen wir, daß die Fixsterne sich
in den verschiedensten Stufen der Glut befinden, manche schon im
Erlöschen begriffen, was liegt näher, als daß auch Millionen schon
längst erloschener Weltkörper im Raume sich bewegen, die uns das
schwache Licht, das sie von ihren Sonnen empfangen, nicht zu Gesicht
bringen können? Dazu kommt noch unser Glaube an des Schöpfers Weisheit
und Güte: sollte er Millionen Sonnen erschaffen haben ohne einen Zweck?
Oder sollten sie nicht vielmehr dienen, Welten zu erleuchten und zu
erwärmen, die von den Wundern Gottes überfließen, und wo lebendige Wesen
sich ihres Daseins freuen?
Einige Astronomen nehmen an, daß das Weltall Tausende von Millionen
Sonnen und Hunderttausende von Millionen dunkler Welten besitze und zwar
solche von ungeheurer Größe. Sie glauben auch nicht, daß der Raum von
drei- bis viereinhalb Lichtjahren, der unser Sonnensystem von der
Fixsternwelt trennt, eine weltenleere Einöde sein könne, sondern daß
einige Millionen dunkler Körper sich darin finden könnten, so große
sogar, daß unser Sonnensystem sich um sie drehe. Denn nichts beweist
uns, daß sich leuchtende und nichtleuchtende Weltkörper nicht auch um
ein erloschenes dunkles Gestirn drehen können, sofern es groß genug ist.
Dies alles sind ja zunächst nur Vermutungen, wenn auch solche, die die
größte Wahrscheinlichkeit für sich haben. Aber wir haben auch Beweise
für das Vorhandensein solcher dunkler Weltkörper.
Wenn ein dunkler Trabant zwischen uns und seiner Sonne vorübergeht, so
werden wir ja für gewöhnlich davon nichts merken können, weil bei der
ungeheuren Entfernung die Verfinsterung allzu gering ist, sobald er
wesentlich kleiner ist als seine Sonne, was wir ja gewiß als das
Gewöhnliche annehmen müssen. Dennoch gibt es Fixsterne, die uns erkennen
lassen, daß ein dunkler Trabant sie umkreist; das sind die sogenannten
veränderlichen Sterne, aber das soll dir der Professor erklären, ich
habe es nicht so im Kopf.«
»Gerne!« erklärte Schultze bereitwillig. »Veränderliche Sterne heißt man
diejenigen, deren Helligkeit zu Zeiten abnimmt, um dann aber wieder
zuzunehmen. Man unterscheidet da den Miratypus, den Lyratypus und den
Algoltypus.«
»O, wie fein das klingt!« unterbrach John: »Miratyphus, Liratyphus und
Alkoholtyphus.«
Das herzliche Gelächter, das seine Repetition der melodischen Namen
erweckte, nahm er gewohntermaßen nicht übel.
Der Professor aber machte weiter: »Der Stern Mira, das heißt >Der
Wunderbare<, im Walfisch strahlt gelegentlich als Stern erster oder
zweiter Größe, aber nur wenige Wochen lang. 70 Tage später ist er schon
so lichtschwach, daß er nur noch im Fernrohr sichtbar ist, noch weiter
an Glanz abnehmend. Späterhin nimmt sein Licht wieder zu und zwar viel
rascher, als es zuvor abgenommen. Nachdem er dem bloßen Auge wieder
sichtbar geworden, erreicht er in 40 Tagen seinen höchsten Glanz. Diese
Perioden dauern durchschnittlich 333 Tage von einem Höhepunkt zum
andern, sind aber nicht ganz regelmäßig, auch der Glanz des Sterns
erreicht nicht immer die gleiche Höhe.
Man nimmt daher an, Mira sei eine erlöschende Sonne, die sich wie unsre
Sonne periodisch mit vielen Flecken überzieht, nur noch mit viel mehr.
Wenn unsre Sonne einmal so weit kommt, muß alles Leben auf Erden zu
Grunde gehen. Auch die Spektralanalyse beweist die Ähnlichkeit dieses
Wundersterns mit der Sonne.
Heute kennt man hunderte von veränderlichen Sternen vom Miratypus, die
meist in Perioden von 300 bis 400 Tagen ihr Licht wechseln. Manche aber
sind völlig unregelmäßig, bleiben jahrelang unveränderlich oder leuchten
binnen weniger Stunden mit großer Schnelligkeit hell auf. Das scheint
auf gewaltige Umwälzungen hinzuweisen, die sich dort abspielen.
Der Stern Beta in der Leier zeigt den sogenannten Lyratypus; der
Lichtwechsel geht ziemlich pünktlich vor sich, seine Stärke aber nimmt
nicht gleichmäßig zu, sondern geht zwischenhinein wieder herunter. Man
nimmt an, daß wir es hier mit halberstarrten Sonnen zu tun haben, die
uns abwechselnd ihre erkalteten und ihre unregelmäßig verteilten
glutflüssigen Oberflächenteile zuwenden.
Zwischen diesen beiden Typen gibt es noch allerlei merkwürdige
Abweichungen, wie zum Beispiel der besonders wundersame Stern S im
Schwan, der 2 Monate lang unverändert bleibt, dann rasch um das 12 bis
14fache an Glanz zunimmt, einmal 5, das andremal 10 Tage lang so hell
bleibt, um darauf nach einer Woche wieder so schwach zu leuchten wie
zuvor. Aber das geschieht nicht regelmäßig, sondern öfters zeigt er
wieder andre Perioden.
Ein andrer Stern wechselt in der fabelhaft kurzen Periode von 4 Stunden
und 13 Sekunden, was darauf hindeutet, daß er sich in dieser Zeit um
seine Achse dreht oder von einem andern Stern mit solch ungeheurer
Geschwindigkeit umkreist wird.
Dies führt uns zur dritten Klasse der veränderlichen Sterne, derer vom
Algoltypus. Diese zeigen ein rein weißes Licht, können also keine
erlöschenden Sonnen sein, auch sind ihre Perioden von genauester
Pünktlichkeit.
Algol im Perseus bleibt 2½ Tage unverändert als Stern zweiter Größe
gleich dem Polarstern; dann nimmt seine Leuchtkraft erst langsam, dann
immer schneller ab; nach 4½ Stunden ist er nur noch ein Sternchen
dritter bis vierter Größe, nimmt aber sofort wieder zu und ist nach
weiteren 4½ Stunden so hell wie zuvor.
Hiefür gibt es nur _eine_ Erklärung: Algol wird uns verfinstert durch
einen dunklen Weltkörper, der ihn in 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und
55 Sekunden umläuft, denn so viel beträgt die Periode.
Dieser dunkle Begleiter muß seiner Sonne sehr nahe sein und beinahe so
groß wie sie, sonst könnte er uns, wie schon gesagt, seine Sonne auf
solch ungeheure Entfernung hin nicht verfinstern; natürlich muß auch
seine Bahn unsere Gesichtslinie kreuzen, daher ist es erklärlich, daß
man nur etwa 20 veränderliche Sterne vom Algoltypus kennt. Bei allen
sind die Perioden sehr kurz, zwischen 20 Stunden und 9½ Tagen.
Störungen weisen darauf hin, daß Algol mehr als einen Trabanten hat, und
wir dürfen hier ganze Sonnensysteme vermuten, aber auch dort, wo kein
dunkler Begleiter sich uns durch seine Größe und geringe Entfernung von
seiner Fixsternsonne verrät.
Schließlich verrät uns auch das Spektroskop dunkle Trabanten der
Fixsterne dadurch, daß die Linien ihres Spektrums genau innerhalb der
Lichtwechselperiode sich verschieben.«
»Aus alledem,« sagte Flitmore, »siehst du, daß dunkle und wohl auch
bewohnbare Weltkörper zur Genüge vorhanden sein müssen. Gott gebe nur,
daß wir zu rechter Zeit einen solchen auffinden und glücklich dort zu
landen vermögen.«