Der Genuß der aromatischen Beeren, die übrigens mit den leuchtenden
Früchten der Tipekitanga nicht wetteifern konnten, wurde durch die
zahlreichen widerlichen und recht gefährlichen Geschöpfe beeinträchtigt,
die den sonderbaren Wald bevölkerten.
Aber noch etwas andres zwang unsre Freunde zu schleunigster Umkehr.
Das war ein wütender Orkan, der sich ganz unvermittelt erhob und unter
dessen Gewalt sich die Krautbäume und Stauden bis zu Boden neigten und
so das Weiterkommen beinahe unmöglich machten, ja die Wandrer in Gefahr
brachten, niedergeschmettert und erdrückt zu werden.
Das Getier flüchtete sich zum Teil in Erdlöcher, die zahlreich vorhanden
waren und der Tätigkeit der Rieseninsekten selber zuzuschreiben sein
mochten, zum Teil rettete es sich auf die Wipfel, in denen es sich
festkrallte, während der Sturm über sie wegsauste, daß alles wogte, wie
ein Meer.
Der Rückzug war schwierig und nicht ungefährlich, und obgleich man gar
nicht weit in den Wald eingedrungen war, dauerte es doch lange, bis man
ihm wieder entrann; denn mit größter Vorsicht und unter vielen Umwegen
mußte denjenigen Pflanzen ausgewichen werden, die sich so tief neigten,
daß sie buchstäblich den Boden peitschten.
So furchtbar der Sturm wütete, so knickten doch nur ganz wenige Stengel
ein, so elastisch paßte sich diese zyklopische Pflanzenwelt den
Verhältnissen an.
Endlich war der Saum des Graswäldchens erreicht, und aufatmend traten
unsere Freunde auf die kleine Lichtung hinaus, auf welcher die Sannah
vor ihren Blicken emporragte.
Sie gedachten, sofort im Innern des Fahrzeugs Schutz vor dem Orkane zu
suchen, der jetzt einen feinen, alle Kleider durchdringenden Sprühregen
niederwehte. Dieser Sprühregen, so fein verteilt er war, erfüllte doch
die Luft mit einem undurchdringlichen Nebel, so daß es noch vor
Sonnenuntergang ziemlich düster wurde und man den Eingang ins
Nordpolzimmer zu halber Höhe der Sannah, also 22½ Meter hoch, nicht mehr
erblicken konnte.
Der Schimpanse Bobs, als der gelenkigste und zugleich naseweiseste und
rücksichtsloseste der ganzen Gesellschaft, turnte als erster an der
Strickleiter empor und war schon im Nebel verschwunden, ehe die andern
noch zur Stelle waren.
Bald vernahm man aus den verschleierten Höhen ein wütendes Gekreisch.
»Hollah! Dort oben scheint nicht alles in Ordnung zu sein,« rief
Flitmore: »Es war auch ein unverantwortlicher Leichtsinn von mir, unsre
Sannah ohne männlichen Schutz in der Einsamkeit eines fremden Planeten
zurückzulassen.«
Gleich darauf kollerte ein großer, doch offenbar nicht besonders
schwerer Körper an der Strickleiter herab.
»Aha! Da hat sich scheint's ein solch scheußlicher Saturnkäfer dort oben
unnütz gemacht,« sagte der Kapitän: »Nun, Bobs hat ihm das Unverschämte
seines Verhaltens gründlich klar gemacht und ihm den Kopf abgerissen,
daß er nur noch lose mit dem widerlichen Leibe zusammenhängt.«
»Nennen Sie diese Geschöpfe nicht scheußlich und widerlich,« schalt der
Professor: »Sie sind hochinteressant!« und er betrachtete liebevoll mit
wissenschaftlichen Augen den Mistkäfer, der zu seinen Füßen lag; denn
einem solchen war das Tier von der Größe eines Kalbes am ehesten
vergleichbar.
Das Gekreisch des Affen hörte inzwischen nicht auf, und bald sah man
Bobs mit kläglicher Miene und blutenden Armen in eiliger Flucht sich an
der Strickleiter herabschwingen.
»Oho! Da haben Sie's, Professor!« rief Münchhausen: »Von Ihren
hochinteressanten Tieren haben sich scheint's noch mehrere in der Sannah
eingenistet! Ich schlage vor, daß Sie sich sofort hinaufbegeben, da Sie
den Geschöpfen so zärtliche Gefühle entgegenbringen. Da können Sie
Studien machen, ganz ungestört; denn wir werden Ihnen erst folgen, wenn
Sie damit zu Ende sind und die Einbrecher als unschädliche Präparate
Ihrer Käfersammlung einverleibt haben.«
Schultze machte ein langes Gesicht. Ne! Da traute er sich nicht hinauf,
obgleich er nichts sehen konnte als Nebel, da er emporschaute. Aber wenn
Bobs sich in die Flucht schlagen ließ, dann war die Sache nicht geheuer.
»Richten wir die Zelte wieder auf, der Sturm läßt nach!« sagte Flitmore
trocken. Der Orkan hatte sämtliche Zelte umgerissen.
»Das heißt, wir sollen die Sannah zunächst ihrem Schicksal überlassen?«
frug Heinz.
»Es hat keinen Zweck, sich in diesem Nebel bei sinkender Nacht in eine
unbekannte Gefahr einzulassen und den Kampf mit wütenden Ungeheuern
aufzunehmen,« erwiderte der Lord achselzuckend.
»Aber gegen diesen Sprühregen schützen keine Zeltwände noch Decken,« gab
der Kapitän zu bedenken: »Wir sind schon bis auf die Haut durchnäßt und
Lady Flitmore könnte sich bei dieser Gelegenheit eine gefährliche
Bronchitis zuziehen.«
»Wissen Sie denn überhaupt, ob es auf dem Saturn Krankheitsbazillen,
speziell Schnupfenbazillen gibt?« warf Schultze ein.
»Pah! Erkälten kann man sich überall«, behauptete Münchhausen, »und
davor schützt einen ein trockenes Lager, nicht aber eine gelehrte
Bazillentheorie. Ich meinesteils, als alter Seebär, kann Nässe und kalte
Luft vertragen. Mir ist es nur um Sie und namentlich die zarte Lady.«
»Zarte Lady!« lachte Mietje: »Haben Sie mich in Afrika als Wachspuppe
kennen gelernt, daß Sie mich meinen in Watte wickeln zu müssen?«
»Das nicht, aber damals waren Sie ein Burenmädchen, jetzt sind Sie eine
englische Schloßherrin.«
»Doch nicht verweichlichter als damals: mein Burenblut konnte England
mir nicht rauben.«
»Dieses Zeugnis kann ich meiner Gattin ausstellen,« bestätigte Flitmore:
»Sorgen Sie sich nicht um sie.«
»Allein,« beharrte Münchhausen, dem auch das nasse Lager trotz seiner
Seebärennatur, mit der er sich brüstete, höchst unsympathisch erschien:
»Allein, da der Professor doch einmal die Bazillenfrage aufwarf, wer
kann wissen, ob der Saturn nicht viel gefährlichere Bazillen beherbergt
als die Erde? Vielleicht auch ganz riesige!«
»Beruhigen Sie sich,« sagte Heinz plötzlich, »ich werde das Abenteuer
wagen und hoffe das Ungeziefer dort oben auszurotten.«
»Seien Sie nicht tollkühn, junger Mann,« warnte der Lord: »Es hat keinen
Zweck. Warten wir bis morgen, bis wir die Sachlage übersehen können;
auch ist zu erwarten, daß die Käfer dann freiwillig den Rückzug
antreten, schon um nach Nahrung zu suchen; denn im Nordpolzimmer finden
sie nichts, und die Zwischentüren zu öffnen wird ihnen doch nicht
gelingen.«
»Ja, lassen Sie's bleiben, junger Freund,« mahnte nun auch Schultze:
»Bobs wäre nicht geflohen, wenn die Übermacht nicht zu groß wäre.«
»Ich habe meinen Plan, bei dem ich nichts riskiere,« entgegnete Heinz.
»Tollkühnheit ist mir fremd; sehe ich, daß Gefahr für mich besteht, so
kehre ich um.«
»Na, na!« drohte Münchhausen: »In Australien haben Sie mehr als einmal
gezeigt, daß Sie keine Todesgefahr scheuen: ich traue Ihrer Vorsicht
nicht so ganz.«
»Lassen Sie mich nur machen,« rief Heinz von der Strickleiter herab, an
der er bereits gewandt wie eine Katze emporklomm, um weitere
Erörterungen abzuschneiden.
Ihm folgte der Schimpanse Dick, der eine besondere Freundschaft mit dem
jungen Mann geschlossen hatte, welcher sich stets gerne und fürsorglich
mit dem Affen abgab.
Aber auch John kletterte empor, indem er Heinz nachrief: »Ich gestatte
mir mit meiner Wenigkeit auch unbedingt Ihre Nachfolge anzutreten, indem
daß wir zu dritt berechnungsweise mehr auszurichten imstande sein
dürften, als wenn Sie mit Dick allein eine Schlacht inokulieren
wollten.« Das sollte nämlich »inaugurieren« heißen, was John als einen
vornehmeren Ausdruck für das schlichte deutsche Wort »beginnen« erkannt
hatte.
Heinz erreichte die schwarz gähnende Öffnung des Nordpolzimmers. Es war
völlig Nacht geworden und man konnte nichts im Innern des Raumes
erkennen, wohl aber hörte man ein Durcheinanderkrabbeln, Knarren und
Zirpen, das bekundete, daß da drinnen eine ganze Anzahl ungebetener
Gäste sich eingenistet hatte und es nicht geraten gewesen wäre, sich in
Nacht und Finsternis in ihre Nähe zu wagen.
Dies hatte er auch vorerst nicht im Sinn; vielmehr ergriff er nun eine
der Rampen, die das Weltschiff gleich Meridianen in seinem ganzen Umfang
umgaben und sich in seinen Scheitelpunkten kreuzten.
Das Emporsteigen an der Rampe auf der glatten, gewölbten Oberfläche der
Kugel war für einen Menschen nicht ungefährlich; allein die Dunkelheit,
die jedes Gefühl des Schwindels ausschloß, begünstigte das Wagnis und
Heinz war ein gewandter Turner. Auch John Rieger fand keine
unüberwindliche Schwierigkeit in der Kletterei, Dick, der Affe, vollends
nicht: dem war es ein Spaß.
So langten denn alle drei wohlbehalten oben an, wo sie in einer Höhe von
45 Metern über dem Saturnboden auf dem höchsten Punkte der Sannah
standen, also über deren Zenithzimmer.
Tastend fand Heinz den elektrischen Drücker zu seinen Füßen, der die
Öffnung der Luke von außen ermöglichte und nun stiegen sie auf der hier
mündenden Leitertreppe in den dunkeln Raum hinab, die Lucke hinter sich
wieder schließend.
Zunächst drehte Heinz das elektrische Licht auf und sagte zu John: »Vor
allem nehmen wir jeder einen der Gummistühle mit, das sollen treffliche
Schutzschilde gegen die Zangen und Kiefer der Unholde sein.«
»Aber dann dürfte mit Verlaub das Schießen darunter notleidend werden,«
gab der Diener zu bedenken. »Insofern zum wenigsten ich meinesteils das
Schießen mit einem einzigen gebrauchsfähigen Arm fertigzubringen der
unumgänglichen Fähigkeit entbehre.«
»Wir schießen auch nur im äußersten Notfall, Freund. Es ist so eine
Sache, mit einem weittragenden Gewehr in einem geschlossenen Raum zu
schießen; wenn auch die Kugeln angesichts der dicken Kautschukpolster an
den Wänden nicht zurückprallen dürften, so könnten wir doch
Beschädigungen und Verwüstungen anrichten, die wir besser vermeiden.«
»Aber da wären doch sozusagen Revolver im Waffenschrank, der sich dahier
befindet.«
»Ausgezeichnet! Mit denen können wir das Schießen eher wagen. Stecken
wir uns jeder solch ein Ding in den Gürtel; aber zuvor laden! Und jetzt,
unsre Hauptwaffe muß ein Hirschfänger sein; den nehmen wir in die rechte
Hand.«
»Ich würde mit Ihrer gütigsten Gestattung, sofern Sie nichts
Wesentliches dagegen einzuwenden haben sollten, das Dolchmesser lieber
auch in den Gürtel zu stecken vorziehen und diese Tomashacke, das
indianische Beil, zur Hand nehmen, da allerlei praktische
Waffengerätschaften aus aller Herren Ländern in diesem Kasten sich in
Vereinigung befinden, indem daß ich mit dem Beilhieb besser umzugehen
vermag als mit dem Dolchstoß.«
»Wie du willst, John, und den Revolver gebrauchen wir nur im Notfall;
mit dem wirst du wohl einhändig schießen können?«
»Dieses zu bejahen werde ich mir wohl schmeicheln dürfen, indem daß ich
andernfalls mich als einen ganz besonderen Tollpatsch ausweisen würde.«
»Also! Jetzt in den Gang nach dem Nordpolzimmer! Ich gehe voran, Dick
folgt mir und du schließt die Türe, nachdem du das Licht ausgedreht
hast; inzwischen erleuchte ich den Korridor. Wenn wir in das
Nordpolzimmer kommen, mache ich zuerst Licht dort: das wird die Biester
zunächst so blenden und verblüffen, daß sie uns nicht gleich angreifen
werden.«
Ehe Heinz die Türe öffnete, die vom Gang in das Nordpolzimmer führte,
löschte er das elektrische Licht im ersteren, so daß alles dunkel war,
als er den Raum betrat. Dies tat er vorsichtig, sich hinter dem
Gummisessel deckend und daran hatte er gut getan; denn hart an der Türe
stand ein Tier, das er erst fortdrängen mußte. Hiezu galt es alle Kraft
einsetzen, denn der Sechsfüßler sperrte sich gewaltig.
Jetzt drehte der junge Held das elektrische Licht auf und zwar alle
Lampen rasch nacheinander, so daß blendende Helligkeit den Raum
überflutete.
Rasch übersah er die Sachlage. Ein Dutzend Panzerkäfer von der Größe
halbwüchsiger Kälber hatte sich in der Stube eingenistet; außer ihnen
befanden sich aber auch vier mächtige Asseln im Zimmer, die Heinz wegen
ihrer Gelenkigkeit und Behendigkeit mehr Sorge machten als die Käfer mit
ihren Zangen und Kiefern.
Dick gab das Zeichen zum Angriff: beherzt sprang er hervor und setzte
auf den Rücken einer Assel die sich unter seinen würgenden Griffen und
reißenden Nägeln und beißenden Zähnen krümmte und wand, ohne ihm jedoch
beikommen zu können: der Schimpanse machte ihr rasch den Garaus.
Die Käfer standen, wie Heinz richtig vermutet hatte, zunächst geblendet
und regten sich nicht. Wie abwehrend stemmten sie die Vorderbeine und
sperrten die Kiefer auf.
»Jetzt drauf!« kommandierte der junge Mann und stürzte auf den nächsten
Feind los, ihm den Hirschfänger zwischen die Halsplatten stoßend.
John schwang indessen sein Tomahawk oder seine Tomashacke, wie er sich
ausdrückte; er hatte den Schild, der ihn behinderte, weggeworfen und
spaltete zunächst einer Assel den weichen Kopf, während Dick, der den
Kampf mit den Asseln einem Angriff auf die panzergeschützten Käfer
vorzuziehen schien, soeben die dritte zu zerfetzen begann.
Es schien eine völlig gefahrlose Schlacht zu geben, denn schon waren
acht der Ungeheuer kampfunfähig gemacht und ein neuntes war zur Lucke
hinaus entwichen, ohne daß die Helden mehr als ein paar Quetschungen
davongetragen hatten. Außerdem lagen drei Asseln tot und die vierte war
nicht mehr zu sehen.
»Nur noch drei Feinde!« jubelte Heinz: »Der Sieg ist unser!«
Allein er frohlockte zu früh, gerade diese letzten Gegner sollten noch
schwere Arbeit machen; ihre Augen hatten sich an das Licht gewöhnt und
sie waren auf ihrer Hut.
Mit dem einen befand sich Dick in verzweifeltem Kampf. Der Kerl war auf
den Rücken gefallen, aber mit den kräftigen Zangen seiner sechs
zappelnden Beine hielt er den Affen fest, kneipte und zwickte den laut
kreischenden Vierhänder und schnappte mit den Kiefern nach ihm.
Vergeblich suchte der Schimpanse, loszukommen; hätte er sich befreien
können, er hätte nur noch an den Rückzug gedacht, wie zuvor Bobs. Er biß
wütend um sich und zerbrach mit den Vorderhänden dem Scheusal zwei
Beine, aber von hinten wurde er im Schraubstock festgehalten.
Der zweite Käfer war zum Angriff auf Heinz übergegangen. Dieser hatte
sich in seiner Siegesgewißheit dessen nicht versehen und alle Vorsicht
außer acht gelassen; er hatte bisher so leichtes Spiel gehabt.
Unglücklicherweise umfaßten die Kiefer des Angreifers gerade seinen
Hals: sie waren wohl nicht imstande, ihn zu durchbeißen, wohl aber, ihn
derart zusammenzupressen, daß der Ärmste erwürgt wurde. »John, John, zu
Hilfe!« konnte er nur noch mit erstickter Stimme stöhnen, dann entfiel
ihm der Hirschfänger, mit dem er seinem Gegner einen schwachen Stich
versetzt hatte.
Aber John war außerstande, Hilfe zu bringen: auch er befand sich in
einer ekligen, wenn auch zunächst nicht lebensgefährlichen Klemme. Am
rechten Arm gepackt, konnte er sein mörderisches Beil nicht mehr
gebrauchen und tastete mir der Linken krampfhaft nach dem Revolver in
seinem Gürtel.
In diesem Augenblick höchster Not erschien Flitmore in der Lucke,
gefolgt von Schultze. Die Sorge um Heinz und John hatte ihnen keine Ruhe
gelassen. Im Emporklettern wäre es übrigens dem Lord beinahe schlimm
ergangen, denn er stieß mit dem flüchtenden Käferriesen zusammen,
der ihn fast zu Fall brachte; doch gelang es ihm, das Tier
hinunterzustürzen.
Ein Blick zeigte ihm nun, daß die Hauptarbeit getan war, daß aber auch
Heinz in dringendster Lebensgefahr schwebte. Er eilte, den Mörder zu
köpfen und dann die Zangen des abgetrennten Kopfes gewaltsam von seines
jungen Freundes Hals zu lösen. Nun stellte er Wiederbelebungsversuche an
dem Ohnmächtigen an.
Indessen war es John gelungen, durch einige Revolverschüsse auch seinem
Feinde das Lebenslicht auszublasen und dann mit Mühe seinen Arm aus der
Klemme zu befreien.
Der Professor war inzwischen dem Affen zu Hilfe gekommen, der
schleunigst den unheimlichen Ort verließ, obgleich die Gefahr nun
vorüber war.
Und doch! sie war es noch nicht ganz: auf einmal erscholl ein Schrei des
Entsetzens aus Schultzes Munde.
Die vierte der Asseln, die verschwunden schien, war nur an der Wand
hinauf gekrochen und stürzte plötzlich von der Decke herab auf den
Professor; nicht aus böswilliger Absicht, -- sie hatte einfach den Halt
verloren.
Aber was tat dies zur Sache? Der unglückselige Gelehrte fühlte sich von
einem dicken, ringelnden Leib umwunden, von zahllosen, kribbelnden Füßen
umfaßt und wähnte sein letztes Stündlein gekommen.
Nun aber kamen John und Flitmore gleichzeitig herbei und machten das
letzte der Scheusale bald unschädlich, dessen zerstückelter Leib sich,
mit den enggereihten Beinen zappelnd, am Boden krümmte.
Heinz war wieder zur Besinnung gekommen und griff sich an den Hals; er
hatte das Gefühl, als presse eine furchtbare Zange ihn immer noch
zusammen. Da war aber nichts mehr vorhanden, nur die Nachwehen des
Drucks hatten ihm dies vorgetäuscht. Bald atmete er auch wieder leichter
und konnte sich allmählich erheben.
Da trat Mietje mit gezücktem Dolch durch die Außentüre ein: sie fand zum
Glück keine Arbeit mehr für ihre Waffe. Hinter ihr tauchte Münchhausen
pustend und schweißtriefend auf, so hastig war er emporgeklettert, um
den Freunden auch seinerseits Beistand zu leisten.
»Nanu, da komme ich ja wohl zu spät,« keuchte er: »Schade, schade, daß
sich niemand in Lebensgefahr befindet, es wäre mir ein Vergnügen und
eine Ehre gewesen, ihn zu retten.«
»Sie haben jetzt das Recht zu scherzen,« sagte der Lord, »aber unserm
heldenmütigen Freund, Heinz Friedung, ging es diesmal buchstäblich an
den Kragen und um ein Haar, so wäre es um ihn geschehen gewesen.«
»Wahrhaftig! Sie sind ja ganz blau im Gesicht,« wandte sich der Kapitän
mit lebhafter Teilnahme an den Geretteten, »und Ihr Hals zeigt
Strangulationsspuren. Wir müssen Ihnen schleunigst einen Grog brauen!«
Die Tierleichen wurden jetzt hinausgeworfen und möglichst alle die
widerlichen Spuren des Kampfes entfernt; dann holte John die Zelte
herein und auch die Affen trauten sich wieder in die Sannah und halfen
beim Transport.
Die Kämpfer aber wuschen sich und zogen sich um, worauf im Zenithzimmer,
fern vom Schlachtfeld, das Nachtmahl eingenommen wurde.