26. Ein Kampf um die Sannah.

Der Genuß der aromatischen Beeren, die übrigens mit den leuchtenden

Früchten der Tipekitanga nicht wetteifern konnten, wurde durch die

zahlreichen widerlichen und recht gefährlichen Geschöpfe beeinträchtigt,

die den sonderbaren Wald bevölkerten.

Aber noch etwas andres zwang unsre Freunde zu schleunigster Umkehr.

Das war ein wütender Orkan, der sich ganz unvermittelt erhob und unter

dessen Gewalt sich die Krautbäume und Stauden bis zu Boden neigten und

so das Weiterkommen beinahe unmöglich machten, ja die Wandrer in Gefahr

brachten, niedergeschmettert und erdrückt zu werden.

Das Getier flüchtete sich zum Teil in Erdlöcher, die zahlreich vorhanden

waren und der Tätigkeit der Rieseninsekten selber zuzuschreiben sein

mochten, zum Teil rettete es sich auf die Wipfel, in denen es sich

festkrallte, während der Sturm über sie wegsauste, daß alles wogte, wie

ein Meer.

Der Rückzug war schwierig und nicht ungefährlich, und obgleich man gar

nicht weit in den Wald eingedrungen war, dauerte es doch lange, bis man

ihm wieder entrann; denn mit größter Vorsicht und unter vielen Umwegen

mußte denjenigen Pflanzen ausgewichen werden, die sich so tief neigten,

daß sie buchstäblich den Boden peitschten.

So furchtbar der Sturm wütete, so knickten doch nur ganz wenige Stengel

ein, so elastisch paßte sich diese zyklopische Pflanzenwelt den

Verhältnissen an.

Endlich war der Saum des Graswäldchens erreicht, und aufatmend traten

unsere Freunde auf die kleine Lichtung hinaus, auf welcher die Sannah

vor ihren Blicken emporragte.

Sie gedachten, sofort im Innern des Fahrzeugs Schutz vor dem Orkane zu

suchen, der jetzt einen feinen, alle Kleider durchdringenden Sprühregen

niederwehte. Dieser Sprühregen, so fein verteilt er war, erfüllte doch

die Luft mit einem undurchdringlichen Nebel, so daß es noch vor

Sonnenuntergang ziemlich düster wurde und man den Eingang ins

Nordpolzimmer zu halber Höhe der Sannah, also 22½ Meter hoch, nicht mehr

erblicken konnte.

Der Schimpanse Bobs, als der gelenkigste und zugleich naseweiseste und

rücksichtsloseste der ganzen Gesellschaft, turnte als erster an der

Strickleiter empor und war schon im Nebel verschwunden, ehe die andern

noch zur Stelle waren.

Bald vernahm man aus den verschleierten Höhen ein wütendes Gekreisch.

»Hollah! Dort oben scheint nicht alles in Ordnung zu sein,« rief

Flitmore: »Es war auch ein unverantwortlicher Leichtsinn von mir, unsre

Sannah ohne männlichen Schutz in der Einsamkeit eines fremden Planeten

zurückzulassen.«

Gleich darauf kollerte ein großer, doch offenbar nicht besonders

schwerer Körper an der Strickleiter herab.

»Aha! Da hat sich scheint's ein solch scheußlicher Saturnkäfer dort oben

unnütz gemacht,« sagte der Kapitän: »Nun, Bobs hat ihm das Unverschämte

seines Verhaltens gründlich klar gemacht und ihm den Kopf abgerissen,

daß er nur noch lose mit dem widerlichen Leibe zusammenhängt.«

»Nennen Sie diese Geschöpfe nicht scheußlich und widerlich,« schalt der

Professor: »Sie sind hochinteressant!« und er betrachtete liebevoll mit

wissenschaftlichen Augen den Mistkäfer, der zu seinen Füßen lag; denn

einem solchen war das Tier von der Größe eines Kalbes am ehesten

vergleichbar.

Das Gekreisch des Affen hörte inzwischen nicht auf, und bald sah man

Bobs mit kläglicher Miene und blutenden Armen in eiliger Flucht sich an

der Strickleiter herabschwingen.

»Oho! Da haben Sie's, Professor!« rief Münchhausen: »Von Ihren

hochinteressanten Tieren haben sich scheint's noch mehrere in der Sannah

eingenistet! Ich schlage vor, daß Sie sich sofort hinaufbegeben, da Sie

den Geschöpfen so zärtliche Gefühle entgegenbringen. Da können Sie

Studien machen, ganz ungestört; denn wir werden Ihnen erst folgen, wenn

Sie damit zu Ende sind und die Einbrecher als unschädliche Präparate

Ihrer Käfersammlung einverleibt haben.«

Schultze machte ein langes Gesicht. Ne! Da traute er sich nicht hinauf,

obgleich er nichts sehen konnte als Nebel, da er emporschaute. Aber wenn

Bobs sich in die Flucht schlagen ließ, dann war die Sache nicht geheuer.

»Richten wir die Zelte wieder auf, der Sturm läßt nach!« sagte Flitmore

trocken. Der Orkan hatte sämtliche Zelte umgerissen.

»Das heißt, wir sollen die Sannah zunächst ihrem Schicksal überlassen?«

frug Heinz.

»Es hat keinen Zweck, sich in diesem Nebel bei sinkender Nacht in eine

unbekannte Gefahr einzulassen und den Kampf mit wütenden Ungeheuern

aufzunehmen,« erwiderte der Lord achselzuckend.

»Aber gegen diesen Sprühregen schützen keine Zeltwände noch Decken,« gab

der Kapitän zu bedenken: »Wir sind schon bis auf die Haut durchnäßt und

Lady Flitmore könnte sich bei dieser Gelegenheit eine gefährliche

Bronchitis zuziehen.«

»Wissen Sie denn überhaupt, ob es auf dem Saturn Krankheitsbazillen,

speziell Schnupfenbazillen gibt?« warf Schultze ein.

»Pah! Erkälten kann man sich überall«, behauptete Münchhausen, »und

davor schützt einen ein trockenes Lager, nicht aber eine gelehrte

Bazillentheorie. Ich meinesteils, als alter Seebär, kann Nässe und kalte

Luft vertragen. Mir ist es nur um Sie und namentlich die zarte Lady.«

»Zarte Lady!« lachte Mietje: »Haben Sie mich in Afrika als Wachspuppe

kennen gelernt, daß Sie mich meinen in Watte wickeln zu müssen?«

»Das nicht, aber damals waren Sie ein Burenmädchen, jetzt sind Sie eine

englische Schloßherrin.«

»Doch nicht verweichlichter als damals: mein Burenblut konnte England

mir nicht rauben.«

»Dieses Zeugnis kann ich meiner Gattin ausstellen,« bestätigte Flitmore:

»Sorgen Sie sich nicht um sie.«

»Allein,« beharrte Münchhausen, dem auch das nasse Lager trotz seiner

Seebärennatur, mit der er sich brüstete, höchst unsympathisch erschien:

»Allein, da der Professor doch einmal die Bazillenfrage aufwarf, wer

kann wissen, ob der Saturn nicht viel gefährlichere Bazillen beherbergt

als die Erde? Vielleicht auch ganz riesige!«

»Beruhigen Sie sich,« sagte Heinz plötzlich, »ich werde das Abenteuer

wagen und hoffe das Ungeziefer dort oben auszurotten.«

»Seien Sie nicht tollkühn, junger Mann,« warnte der Lord: »Es hat keinen

Zweck. Warten wir bis morgen, bis wir die Sachlage übersehen können;

auch ist zu erwarten, daß die Käfer dann freiwillig den Rückzug

antreten, schon um nach Nahrung zu suchen; denn im Nordpolzimmer finden

sie nichts, und die Zwischentüren zu öffnen wird ihnen doch nicht

gelingen.«

»Ja, lassen Sie's bleiben, junger Freund,« mahnte nun auch Schultze:

»Bobs wäre nicht geflohen, wenn die Übermacht nicht zu groß wäre.«

»Ich habe meinen Plan, bei dem ich nichts riskiere,« entgegnete Heinz.

»Tollkühnheit ist mir fremd; sehe ich, daß Gefahr für mich besteht, so

kehre ich um.«

»Na, na!« drohte Münchhausen: »In Australien haben Sie mehr als einmal

gezeigt, daß Sie keine Todesgefahr scheuen: ich traue Ihrer Vorsicht

nicht so ganz.«

»Lassen Sie mich nur machen,« rief Heinz von der Strickleiter herab, an

der er bereits gewandt wie eine Katze emporklomm, um weitere

Erörterungen abzuschneiden.

Ihm folgte der Schimpanse Dick, der eine besondere Freundschaft mit dem

jungen Mann geschlossen hatte, welcher sich stets gerne und fürsorglich

mit dem Affen abgab.

Aber auch John kletterte empor, indem er Heinz nachrief: »Ich gestatte

mir mit meiner Wenigkeit auch unbedingt Ihre Nachfolge anzutreten, indem

daß wir zu dritt berechnungsweise mehr auszurichten imstande sein

dürften, als wenn Sie mit Dick allein eine Schlacht inokulieren

wollten.« Das sollte nämlich »inaugurieren« heißen, was John als einen

vornehmeren Ausdruck für das schlichte deutsche Wort »beginnen« erkannt

hatte.

Heinz erreichte die schwarz gähnende Öffnung des Nordpolzimmers. Es war

völlig Nacht geworden und man konnte nichts im Innern des Raumes

erkennen, wohl aber hörte man ein Durcheinanderkrabbeln, Knarren und

Zirpen, das bekundete, daß da drinnen eine ganze Anzahl ungebetener

Gäste sich eingenistet hatte und es nicht geraten gewesen wäre, sich in

Nacht und Finsternis in ihre Nähe zu wagen.

Dies hatte er auch vorerst nicht im Sinn; vielmehr ergriff er nun eine

der Rampen, die das Weltschiff gleich Meridianen in seinem ganzen Umfang

umgaben und sich in seinen Scheitelpunkten kreuzten.

Das Emporsteigen an der Rampe auf der glatten, gewölbten Oberfläche der

Kugel war für einen Menschen nicht ungefährlich; allein die Dunkelheit,

die jedes Gefühl des Schwindels ausschloß, begünstigte das Wagnis und

Heinz war ein gewandter Turner. Auch John Rieger fand keine

unüberwindliche Schwierigkeit in der Kletterei, Dick, der Affe, vollends

nicht: dem war es ein Spaß.

So langten denn alle drei wohlbehalten oben an, wo sie in einer Höhe von

45 Metern über dem Saturnboden auf dem höchsten Punkte der Sannah

standen, also über deren Zenithzimmer.

Tastend fand Heinz den elektrischen Drücker zu seinen Füßen, der die

Öffnung der Luke von außen ermöglichte und nun stiegen sie auf der hier

mündenden Leitertreppe in den dunkeln Raum hinab, die Lucke hinter sich

wieder schließend.

Zunächst drehte Heinz das elektrische Licht auf und sagte zu John: »Vor

allem nehmen wir jeder einen der Gummistühle mit, das sollen treffliche

Schutzschilde gegen die Zangen und Kiefer der Unholde sein.«

»Aber dann dürfte mit Verlaub das Schießen darunter notleidend werden,«

gab der Diener zu bedenken. »Insofern zum wenigsten ich meinesteils das

Schießen mit einem einzigen gebrauchsfähigen Arm fertigzubringen der

unumgänglichen Fähigkeit entbehre.«

»Wir schießen auch nur im äußersten Notfall, Freund. Es ist so eine

Sache, mit einem weittragenden Gewehr in einem geschlossenen Raum zu

schießen; wenn auch die Kugeln angesichts der dicken Kautschukpolster an

den Wänden nicht zurückprallen dürften, so könnten wir doch

Beschädigungen und Verwüstungen anrichten, die wir besser vermeiden.«

»Aber da wären doch sozusagen Revolver im Waffenschrank, der sich dahier

befindet.«

»Ausgezeichnet! Mit denen können wir das Schießen eher wagen. Stecken

wir uns jeder solch ein Ding in den Gürtel; aber zuvor laden! Und jetzt,

unsre Hauptwaffe muß ein Hirschfänger sein; den nehmen wir in die rechte

Hand.«

»Ich würde mit Ihrer gütigsten Gestattung, sofern Sie nichts

Wesentliches dagegen einzuwenden haben sollten, das Dolchmesser lieber

auch in den Gürtel zu stecken vorziehen und diese Tomashacke, das

indianische Beil, zur Hand nehmen, da allerlei praktische

Waffengerätschaften aus aller Herren Ländern in diesem Kasten sich in

Vereinigung befinden, indem daß ich mit dem Beilhieb besser umzugehen

vermag als mit dem Dolchstoß.«

»Wie du willst, John, und den Revolver gebrauchen wir nur im Notfall;

mit dem wirst du wohl einhändig schießen können?«

»Dieses zu bejahen werde ich mir wohl schmeicheln dürfen, indem daß ich

andernfalls mich als einen ganz besonderen Tollpatsch ausweisen würde.«

»Also! Jetzt in den Gang nach dem Nordpolzimmer! Ich gehe voran, Dick

folgt mir und du schließt die Türe, nachdem du das Licht ausgedreht

hast; inzwischen erleuchte ich den Korridor. Wenn wir in das

Nordpolzimmer kommen, mache ich zuerst Licht dort: das wird die Biester

zunächst so blenden und verblüffen, daß sie uns nicht gleich angreifen

werden.«

Ehe Heinz die Türe öffnete, die vom Gang in das Nordpolzimmer führte,

löschte er das elektrische Licht im ersteren, so daß alles dunkel war,

als er den Raum betrat. Dies tat er vorsichtig, sich hinter dem

Gummisessel deckend und daran hatte er gut getan; denn hart an der Türe

stand ein Tier, das er erst fortdrängen mußte. Hiezu galt es alle Kraft

einsetzen, denn der Sechsfüßler sperrte sich gewaltig.

Jetzt drehte der junge Held das elektrische Licht auf und zwar alle

Lampen rasch nacheinander, so daß blendende Helligkeit den Raum

überflutete.

Rasch übersah er die Sachlage. Ein Dutzend Panzerkäfer von der Größe

halbwüchsiger Kälber hatte sich in der Stube eingenistet; außer ihnen

befanden sich aber auch vier mächtige Asseln im Zimmer, die Heinz wegen

ihrer Gelenkigkeit und Behendigkeit mehr Sorge machten als die Käfer mit

ihren Zangen und Kiefern.

Dick gab das Zeichen zum Angriff: beherzt sprang er hervor und setzte

auf den Rücken einer Assel die sich unter seinen würgenden Griffen und

reißenden Nägeln und beißenden Zähnen krümmte und wand, ohne ihm jedoch

beikommen zu können: der Schimpanse machte ihr rasch den Garaus.

Die Käfer standen, wie Heinz richtig vermutet hatte, zunächst geblendet

und regten sich nicht. Wie abwehrend stemmten sie die Vorderbeine und

sperrten die Kiefer auf.

»Jetzt drauf!« kommandierte der junge Mann und stürzte auf den nächsten

Feind los, ihm den Hirschfänger zwischen die Halsplatten stoßend.

John schwang indessen sein Tomahawk oder seine Tomashacke, wie er sich

ausdrückte; er hatte den Schild, der ihn behinderte, weggeworfen und

spaltete zunächst einer Assel den weichen Kopf, während Dick, der den

Kampf mit den Asseln einem Angriff auf die panzergeschützten Käfer

vorzuziehen schien, soeben die dritte zu zerfetzen begann.

Es schien eine völlig gefahrlose Schlacht zu geben, denn schon waren

acht der Ungeheuer kampfunfähig gemacht und ein neuntes war zur Lucke

hinaus entwichen, ohne daß die Helden mehr als ein paar Quetschungen

davongetragen hatten. Außerdem lagen drei Asseln tot und die vierte war

nicht mehr zu sehen.

»Nur noch drei Feinde!« jubelte Heinz: »Der Sieg ist unser!«

Allein er frohlockte zu früh, gerade diese letzten Gegner sollten noch

schwere Arbeit machen; ihre Augen hatten sich an das Licht gewöhnt und

sie waren auf ihrer Hut.

Mit dem einen befand sich Dick in verzweifeltem Kampf. Der Kerl war auf

den Rücken gefallen, aber mit den kräftigen Zangen seiner sechs

zappelnden Beine hielt er den Affen fest, kneipte und zwickte den laut

kreischenden Vierhänder und schnappte mit den Kiefern nach ihm.

Vergeblich suchte der Schimpanse, loszukommen; hätte er sich befreien

können, er hätte nur noch an den Rückzug gedacht, wie zuvor Bobs. Er biß

wütend um sich und zerbrach mit den Vorderhänden dem Scheusal zwei

Beine, aber von hinten wurde er im Schraubstock festgehalten.

Der zweite Käfer war zum Angriff auf Heinz übergegangen. Dieser hatte

sich in seiner Siegesgewißheit dessen nicht versehen und alle Vorsicht

außer acht gelassen; er hatte bisher so leichtes Spiel gehabt.

Unglücklicherweise umfaßten die Kiefer des Angreifers gerade seinen

Hals: sie waren wohl nicht imstande, ihn zu durchbeißen, wohl aber, ihn

derart zusammenzupressen, daß der Ärmste erwürgt wurde. »John, John, zu

Hilfe!« konnte er nur noch mit erstickter Stimme stöhnen, dann entfiel

ihm der Hirschfänger, mit dem er seinem Gegner einen schwachen Stich

versetzt hatte.

Aber John war außerstande, Hilfe zu bringen: auch er befand sich in

einer ekligen, wenn auch zunächst nicht lebensgefährlichen Klemme. Am

rechten Arm gepackt, konnte er sein mörderisches Beil nicht mehr

gebrauchen und tastete mir der Linken krampfhaft nach dem Revolver in

seinem Gürtel.

In diesem Augenblick höchster Not erschien Flitmore in der Lucke,

gefolgt von Schultze. Die Sorge um Heinz und John hatte ihnen keine Ruhe

gelassen. Im Emporklettern wäre es übrigens dem Lord beinahe schlimm

ergangen, denn er stieß mit dem flüchtenden Käferriesen zusammen,

der ihn fast zu Fall brachte; doch gelang es ihm, das Tier

hinunterzustürzen.

Ein Blick zeigte ihm nun, daß die Hauptarbeit getan war, daß aber auch

Heinz in dringendster Lebensgefahr schwebte. Er eilte, den Mörder zu

köpfen und dann die Zangen des abgetrennten Kopfes gewaltsam von seines

jungen Freundes Hals zu lösen. Nun stellte er Wiederbelebungsversuche an

dem Ohnmächtigen an.

Indessen war es John gelungen, durch einige Revolverschüsse auch seinem

Feinde das Lebenslicht auszublasen und dann mit Mühe seinen Arm aus der

Klemme zu befreien.

Der Professor war inzwischen dem Affen zu Hilfe gekommen, der

schleunigst den unheimlichen Ort verließ, obgleich die Gefahr nun

vorüber war.

Und doch! sie war es noch nicht ganz: auf einmal erscholl ein Schrei des

Entsetzens aus Schultzes Munde.

Die vierte der Asseln, die verschwunden schien, war nur an der Wand

hinauf gekrochen und stürzte plötzlich von der Decke herab auf den

Professor; nicht aus böswilliger Absicht, -- sie hatte einfach den Halt

verloren.

Aber was tat dies zur Sache? Der unglückselige Gelehrte fühlte sich von

einem dicken, ringelnden Leib umwunden, von zahllosen, kribbelnden Füßen

umfaßt und wähnte sein letztes Stündlein gekommen.

Nun aber kamen John und Flitmore gleichzeitig herbei und machten das

letzte der Scheusale bald unschädlich, dessen zerstückelter Leib sich,

mit den enggereihten Beinen zappelnd, am Boden krümmte.

Heinz war wieder zur Besinnung gekommen und griff sich an den Hals; er

hatte das Gefühl, als presse eine furchtbare Zange ihn immer noch

zusammen. Da war aber nichts mehr vorhanden, nur die Nachwehen des

Drucks hatten ihm dies vorgetäuscht. Bald atmete er auch wieder leichter

und konnte sich allmählich erheben.

Da trat Mietje mit gezücktem Dolch durch die Außentüre ein: sie fand zum

Glück keine Arbeit mehr für ihre Waffe. Hinter ihr tauchte Münchhausen

pustend und schweißtriefend auf, so hastig war er emporgeklettert, um

den Freunden auch seinerseits Beistand zu leisten.

»Nanu, da komme ich ja wohl zu spät,« keuchte er: »Schade, schade, daß

sich niemand in Lebensgefahr befindet, es wäre mir ein Vergnügen und

eine Ehre gewesen, ihn zu retten.«

»Sie haben jetzt das Recht zu scherzen,« sagte der Lord, »aber unserm

heldenmütigen Freund, Heinz Friedung, ging es diesmal buchstäblich an

den Kragen und um ein Haar, so wäre es um ihn geschehen gewesen.«

»Wahrhaftig! Sie sind ja ganz blau im Gesicht,« wandte sich der Kapitän

mit lebhafter Teilnahme an den Geretteten, »und Ihr Hals zeigt

Strangulationsspuren. Wir müssen Ihnen schleunigst einen Grog brauen!«

Die Tierleichen wurden jetzt hinausgeworfen und möglichst alle die

widerlichen Spuren des Kampfes entfernt; dann holte John die Zelte

herein und auch die Affen trauten sich wieder in die Sannah und halfen

beim Transport.

Die Kämpfer aber wuschen sich und zogen sich um, worauf im Zenithzimmer,

fern vom Schlachtfeld, das Nachtmahl eingenommen wurde.

Wunderwelten Wie Lord Flitmore eine seltsame Reise zu den Planeten unternimmt und durch einen Kometen in die Fixsternwelt entführt wird · 第 32 / 70 题