Noch einige Stunden ergingen sich unsre Freunde im Tageslicht auf der
paradisischen Tipekitanga. Sie kosteten nun auch die leuchtenden
Früchte, nachdem das Beispiel der Affen, die ganze Massen davon mit Gier
vertilgten, sie versichert hatte, daß keine Gefahr dabei sei.
Diese Früchte erwiesen sich nicht bloß als erfrischend und saftig, von
köstlichem und sehr verschiedenem Wohlgeschmack, sondern es schien eine
eigentümliche, stärkende und belebende Kraft von ihnen auszugehen: nach
ihrem Genuß fühlte man sich in äußerst gehobener Stimmung, eine
niegekannte Lebensfreudigkeit beseligte die Gemüter und neue Kräfte
schienen die Adern zu schwellen.
Selbst Münchhausen rühmte: »Ich fühle mich so frisch und leicht, als sei
meine ganze Körperlast geschwunden und ich könnte mich als ätherisches
Wesen in die Lüfte erheben.«
Alle mußten lachen, wenn sie die Masse des Kapitäns betrachteten und
dabei hörten, daß er sich einem ätherischen Wesen verglich.
»Na, einen Luftballon könnten Sie ja immerhin vorstellen,« meinte
Schultze: »Tun Sie ihren Gefühlen keinen Zwang an und schweben Sie immer
mal empor, wir alle freuen uns auf den köstlichen Anblick.«
Mit dem Schweben des Dicken hatte es aber noch gute Wege. Von den
herrlichen Früchten wurden reiche Vorräte in die Sannah geschafft,
obgleich man nicht wissen konnte, wie lange sie sich halten würden.
Inzwischen waren die kurzen Tagesstunden verflogen und die Wiesen und
Fluren leuchteten wieder in ihrem vollen Zauber.
Am Himmel aber stieg ein strahlender Komet auf, den zuvor niemand
beobachtet hatte.
»Er weist uns den Weg zur Weiterfahrt!« sagte Flitmore.
Alle begaben sich wieder in das Weltschiff, der Strom wurde
eingeschaltet und der bunte Glanz unter ihnen floß zusammen in einem
milden Schimmer. Allmählich wurde die Tipekitanga wieder der still
leuchtende Stern, wie sie ihn zuerst erblickt hatten und flog auf ihrer
Bahn vor aller Augen davon in die dämmernden Fernen.
Um so prächtiger strahlte der neue Komet, dem sich jetzt die allgemeine
Aufmerksamkeit ungeteilt zuwendete.
John Rieger, der gebildete Schwabensohn, wandte sich wieder einmal an
den Professor in seinem unstillbaren Durst nach Aufklärung. Bei ihm hieß
es auch: »Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich _alles_ wissen.« Und so
begann er denn in seiner gewählten Sprechweise:
»Hochwertester Herr Professor, falls es Ihnen nicht zu geringwertig
erscheinen dürfte, möchte ich Sie mit Vergnügen ersuchen, ob Sie nicht
geneigt sein wollten, mir einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten,
wie Sie es so vorzüglich verstehen, über einige Punkte der
asternomischen Wissenschaft, in denen ich mich noch sozusagen in
verhältnismäßiger Unwissenheit befinde.«
»Wenn ich dir dienen kann, teuerster Sohn, so bin ich stets bereit,«
erwiderte Schultze: »Laß hören, was für einen Gegenstand du erläutert
haben möchtest.«
»Nichts andres, als eben die Kometen, was nämlich eigentlich solch ein
Haarstern von Natur ist und wo er her kommen tut und warum er überhaupt
einen Schwanz hat?«
»Ja, lieber Freund, das sind zum Teil verfängliche Fragen: so ganz
Gewisses weiß man ja darüber überhaupt nicht und die Gelehrten sind noch
lange nicht einig; doch will ich dir gerne kund tun, wie es mit all dem
nach dem heutigen Stande der Wissenschaft steht.
Wo die Kometen herkommen, ist verhältnismäßig am einfachsten zu
beantworten: einige gehören unserem Sonnensystem an und kehren
regelmäßig wieder, das sind etwa 6000 Stück, von denen allerdings die
wenigsten mit bloßem Auge sichtbar sind. Sie haben eine elliptische
Bahn; aber während die Ellipse, welche die Planeten um die Sonne
beschreiben, beinahe ein Kreis ist, gleicht die Bahn der Kometen einer
Parabel: sie verläuft fast geradlinig bis an ihr Ende, das heißt bis zur
Stelle, wo der Komet sich wendet, um wieder an seinen Ausgangspunkt
zurückzukehren. Die Umlaufzeit dieser Kometen ist zum Teil sehr kurz,
sie können alle drei bis sechs Jahre wiederkehren; sie kann aber auch
sehr lang sein wie beim donatischen Komet, wo sie 1900 oder beim großen
Komet von 1881, wo sie gar 3000 Jahre beträgt.
»Die Kometen mit kurzer Umlaufzeit sind meist nur mit dem Fernrohr zu
sehen, was daher kommen mag, daß sie durch ihre häufige Annäherung an
die Sonne immer mehr aufgelöst und somit immer lichtschwächer werden.
»Nun gibt es aber auch Kometen, die aus unermeßlichen oder gar
unendlichen Fernen kommen, gleichsam Boten aus der Fixsternwelt; das
sind diejenigen, deren Bahn eine Parabel oder einen Hyperbelast
beschreibt und sich daher ins Unendliche erstreckt. Die
Parabelbahnkometen kehren in die Gegend zurück, aus der sie gekommen
sind, die Hyperbelbahnkometen in andre Himmelsgegenden. Bei der
Annäherung an die Sonne krümmen sie ihre Bahn sehr stark infolge der
Sonnenanziehung, wenden sich um die Sonne herum und entschwinden dann
wieder auf Nimmerwiedersehen aus unserm Sonnensystem.
Doch eben die Anziehungskraft der Sonne oder auch eines Planeten,
namentlich des gewaltigen Jupiter, kann einen derart störenden Einfluß
auf die Bahn solcher Kometen ausüben, daß sie aus einer parabolischen
oder hyperbolischen zu einer elliptischen wird. Dann hat unser
Sonnensystem den Weltenbummler sozusagen eingefangen und er muß nun
immer wiederkehren in regelmäßiger Umlaufszeit.
Aber auch umgekehrt kann die elliptische Bahn eines Kometen in eine
parabolische oder hyperbolische verwandelt werden und dann ist er für
uns verloren. So ist zum Beispiel der Lexellsche Komet, der 1770 von
Messier entdeckt wurde in eine schlimme Balgerei mit dem Jupiter
geraten, dem er allzunahe kam. Lexell berechnete seine Umlaufszeit zu 5½
Jahren; auch stellte es sich heraus, daß dieser Komet erst 1667 durch
eben den Jupiter für unser Sonnensystem eingefangen worden war.
Im Jahre 1779 näherte sich der Frechling wiederum dem Jupiter und
entblödete sich nicht, sogar zwischen dessen Monden hindurchzugehen. Der
mit Recht entrüstete Planet warf den Eindringling zum zweitenmal aus
seiner Bahn, so daß er nun eine Umlaufzeit von 27 Jahren hatte.
Im Frühjahr 1886 machte der Lexellkomet einen neuen Annäherungsversuch
und hielt sich volle acht Monate in der Nähe des großen Planeten auf.
Hiedurch wurde seine Bahn wiederum verändert und er erhielt eine
Umlaufzeit von sieben Jahren. So wurde er 1889 wieder sichtbar: aber es
läßt sich vorausberechnen, daß der unverschämte Geselle den Jupiter
nicht in Ruhe läßt, bis diesem die Geduld reißt und er ihn endgültig
aus unserm Sonnensystem hinausschmeißt wegen wiederholten
Hausfriedensbruches.
Über die Bahnen der Kometen ist noch zu sagen, daß sie nicht wie die der
Planeten nur mäßig gegen die Erdbahn geneigt sind, sondern die
verschiedensten Neigungswinkel aufweisen. Bei einem Neigungswinkel von 0
bis 90 Grad zur Erdbahn ist der Komet rechtläufig, das heißt er bewegt
sich in gleicher Richtung wie die Erde um die Sonne. Beträgt aber die
Neigung 90 bis 180 Grad, so bewegt er sich in entgegengesetzter Richtung
zur Erde und wird >rückläufig< genannt.«
»Ja, aber wie ist es mit den Schweifverhältnissen?« fragte der
wißbegierige John weiter.
»Ja so! Von Hause aus haben die Kometen keinen Schweif und sind sehr
lichtschwach, obgleich sie zweifellos eigenes Licht ausstrahlen. Erst
wenn sie sich unsrer Sonne nähern, leuchten sie immer heller auf und
senden eine oder mehrere, oft pendelartig schwingende Ausstrahlungen der
Sonne zu, die sich unter starker Verbreiterung zurückbiegen und den
Kometenkern mit einer strahligen Nebelmasse umhüllen, die man >Koma<
nennt.
Die umgebogenen Ausstrahlungen setzen sich fort in dem der Sonne stets
abgewendeten Schweif, der allein dem bloßen Auge sichtbar ist und oft
eine Länge von vielen Millionen Kilometern erreicht. Bei der Sonnennähe
oder kurz darauf erreicht er seine größte Länge und Helligkeit. Je mehr
sich der Komet von der Sonne entfernt, desto schwächer und kürzer wird
sein Schweif, bis er samt Koma und Ausstrahlungen verschwindet und nur
noch eine matte, runde Nebelmasse, ein leichtes Wölkchen übrig bleibt,
wie vor der Annäherung an die Sonne.
Kometen, die der Sonne nicht nahe kommen, bilden nur eine runde oder
auch unförmliche Nebelmasse, matt und verwaschen, ohne Schweifbildung.
Bis jetzt ist noch kein Komet beobachtet worden, dessen Perihel oder
Sonnennähepunkt weiter als die Jupiterbahn von der Erde entfernt wäre;
das beweist nicht, daß es nicht auch solche gibt, sondern nur, daß sie
uns nicht sichtbar werden wegen allzu geringer Leuchtkraft.
Manche Kometen entwickeln mehrere mehr oder wenig gekrümmte Schweife. So
breitete der Komet von 1744 sechs fächerförmige Schweife aus; er war so
hell, daß man ihn mit bloßem Auge zur Mittagszeit in der Nähe der Sonne
sehen konnte.«
John war noch nicht befriedigt und fragte weiter: »Wieso aber
eigentlich, falls doch die Kometen von Natur aus schweiflos sind, wächst
ihnen ein solcher, wenn sie zur Sonne gelangen?«
»Das macht die anziehende Kraft der Sonne, mein Bester. Allerdings
begreift man noch nicht zur Genüge, warum die Ausstrahlungen, die
anfangs der Sonne zustreben, zurückgebogen werden und so den der Sonne
abgewendeten Schweif bilden, dessen Krümmung abhängt von dem Verhältnis
der abstoßenden Kraft zur Bahngeschwindigkeit des Kometen. Vielfach wird
angenommen, das Sonnenlicht übe diese abstoßende Wirkung aus, andre
denken an elektrische Erscheinungen. Es können da viele Kräfte wirksam
sein, die wir noch nicht kennen. Wenn sich zum Beispiel der Schweif in
mehrere auseinandergehende Büschel spaltet, scheinen schwächere,
seitlich wirkende Kräfte wirksam zu sein. Man beobachtet zuweilen auch
im Schweif eine wolkenähnliche Verdichtung, die selber wie ein kleiner
Komet aussieht, der ebenfalls eine Mähne besitzt. Auch plötzliche
Lichtausbrüche kommen vor, seltener eine plötzliche Lichtabnahme.«
»Meine Fliehkraft erklärt alles,« warf der Lord ein: »Die vom Kometen
ausgestoßenen Stoffe sind mit Zentrifugalkraft geladen und werden daher
von der Sonne abgestoßen.«
»Mag sein!« sagte Schultze achselzuckend und fuhr dann fort: »Was nun
den Stoff betrifft, aus dem die Kometen bestehen, so scheint er von
äußerst geringer Dichte zu sein; wenigstens der Schweif muß eine äußerst
dünn verteilte Staub- oder Dampfwolke sein; denn die Sterne schimmern
unverdunkelt und ohne Lichtbrechung hindurch.
Die Spektralanalyse wies Natrium- und Eisenlinien nach, namentlich auch
Kohlenwasserstoff und Kohlenoxyd; es ist also immerhin möglich, daß so
ein Kometenschweif Petroleum enthält und andere Stoffe, auch giftige
Gase, die gefährlich werden könnten, wenn sie in die Erdatmosphäre
eindrängen. Andrerseits scheint ihre geringe Dichtigkeit jede Gefahr
wieder auszuschließen. Jedenfalls hat die Erde im Jahre 1861 den Schweif
des Halley-Kometen durchkreuzt ohne Schaden zu nehmen, ja ohne daß es
nur irgendwer merkte; erst nachträglich wurde die Tatsache bekannt. In
früheren Zeiten freilich glaubte man, die Kometen gingen von irdischen
Dünsten aus und brächten Pest und Seuchen; auch als Kriegsruten, die
großes Blutvergießen und andere schwere Katastrophen anzeigen sollten,
wurden sie angesehen.«
»Ganz ausgeschlossen ist es trotzdem nicht,« meinte der Lord, »daß unter
ungünstigen Verhältnissen die Luft der Erde durch Kometengase vergiftet
werden könnte, so daß alles Leben in einem Augenblicke zu Grunde ginge.
Was uns vor diesem Schicksal bewahrt, ist meiner Ansicht eben der
Umstand, daß die Fliehkraft die Erde veranlaßt, diese Stoffe von sich
abzustoßen. Sternschnuppenregen und Meteorfälle aber belehren uns, daß
diese abstoßende Kraft auch überwunden werden kann, und dies hängt
wahrscheinlich mit der Geschwindigkeit des Zusammentreffens ab. Begegnet
zum Beispiel die Erde dem Schweife eines sich mit außerordentlicher
Geschwindigkeit bewegenden rückläufigen Kometen, so erfolgt der
Zusammenstoß mit großer Plötzlichkeit, da beide einander entgegensausen
und sich so die Geschwindigkeit der Erde zu der des Kometen addiert. In
diesem Fall dürfte der abstoßenden Kraft die Zeit fehlen, in Wirksamkeit
zu treten.«
»Wie ist es aber,« fragte nun Mietje, »wenn ein Weltkörper, sagen wir
die Erde, mit dem Kern oder Kopf des Kometen zusammenstößt?«
»Das ist eine Frage für sich,« erwiderte der Professor. »Im allgemeinen
ist ja die Sache für den Kometen selber am gefährlichsten. Wir sehen ja,
wie die Annäherung an die Sonne einen Teil seines Kerns in flüchtige
Bestandteile auflöst, die beispielsweise beim Kometen von 1843 einen
Schweif von 320 Millionen Kilometern bildete. Ziehen nun die Kometen den
Schweif auch wieder ein, so erleiden sie doch enorme Verluste an Materie
und werden so immer geringer an Masse, bis sie sich schließlich ganz
auflösen.
Bekanntlich kam der Bielasche Komet 1845/1846 dem Jupiter so nahe, daß
man einen Zusammenstoß erwartete; doch erlitt der große Planet keinen
sichtlichen Schaden, während der Komet in zwei Teile gespalten wurde,
die späterhin ganz verschwanden oder vielmehr einen Meteorschwarm
bildeten, durch den die Erde des öfteren dahinging, bis auch er
schließlich ausblieb.
Der Septemberkomet von 1882, dessen Vorübergang vor der Sonne Finlay und
Elkin am Kap der Guten Hoffnung am lichten Tage beobachten konnten, ging
durch die Glutatmosphäre der Sonne. Wie erstaunt war man in Amerika,
hernach zu entdecken, daß er nicht weniger als sieben Junge gekriegt
hatte, die ihm folgten, wie die Küchlein der Gluckhenne.
Andrerseits kann aber nicht geleugnet werden, daß der Zusammenstoß mit
dem Kern eines Kometen auch ernste Gefahren in sich bergen kann. Manche
Kometen bewegen sich mit solch ungeheurer Geschwindigkeit, daß ein
Anprall ihrer festen Masse, wenn sie von irgendwie bedeutender
Ausdehnung ist, den getroffenen Planeten in Glut versetzen müßte. Der
Komet von 1843 vollzog seine Wendung um die Sonne mit solch fabelhafter
Schnelligkeit, daß er binnen weniger Stunden von der einen Seite nach
der andern gelangte. Dagegen ist die Geschwindigkeit unsrer Erde mit 30
Kilometern in der Sekunde ein Schneckentempo. Welche Geschwindigkeit
erst die Bestandteile seines 320 Millionen Kilometer langen Schweifes an
dessen Ende hiebei entwickeln mußten, übersteigt unsre Fassungskraft.«
»Ich meine aber,« wandte Heinz ein, »man hält neuerdings auch den Kern
der Kometen für eine nebelartige, gasförmige Masse ohne Festigkeit.«
»Das ist angesichts der Tatsachen eine ganz unhaltbare Ansicht,«
widersprach Schultze: »Denken Sie doch, daß die Meteore, die auf die
Erde fallen, zum Teil Eisenblöcke von ungeheurem Gewichte sind. Und
diese Brocken scheinen nicht einmal dem Kern, sondern dem Schweif der
Kometen zu entstammen, in dem man oft stark verdichtete Lichtknoten
beobachtet.
Allerdings glaubt man, daß die Erde 1872 und 1885 mit den beiden Köpfen
des Biela-Kometen zusammenstieß, da der Schweif eine ganz andre
Bewegungsrichtung hatte als die damals niedergehenden Sternschnuppen
oder Meteorschwärme. Sollte das richtig sein, so ist immerhin zu
berücksichtigen, daß es sich hier um einen durch Jupiter zertrümmerten
und in Auflösung begriffenen Kometen handelte.
Daß es aber überhaupt einem Kometen möglich ist, so nahe am Jupiter
vorbeizukommen oder gar durch die glühende Korona der Sonne zu sausen,
wie es auch vorkommt, ohne völlig in Dunst aufgelöst zu werden, beweist,
daß er äußerst widerstandsfähige feste Bestandteile besitzen muß.«
»Hiefür kann ich auch einen Beweis beibringen,« bestätigte Flitmore.
»Ich besuchte vor Jahren die sogenannte Teufelsschlucht in Arizona. Das
ist ein ovaler Kraterring, der sich 40 bis 50 Meter über die umgebende
Hochfläche erhebt; sein Durchmesser beträgt 1300 Meter von Ost nach
West, 1200 von Süd nach Nord. Der innere Schlund fällt 200 Meter tief
schroff ab, der Kessel ist also um 150 Meter tiefer als die Ebene rings
umher; früher muß er noch viel tiefer gewesen sein, aber Schutt und
Geröll ist jahrhundertelang hinabgerollt, denn das Gefüge des Gesteins
ist stark aufgelockert.
Nun haben Bohrungen ergeben, daß unter den Schuttmassen das Gestein
völlig zersprengt und in zelligen Bimsstein verwandelt ist. Der
zerpulverte Sandstein ist mit feinverteiltem Nickeleisen vermengt und in
einer Tiefe von 250 Metern unter der jetzigen Talsohle stieß man auf
feste Eisenmassen, die sich als Meteoreisen herausstellten.
Rings um den Krater findet man ganze Massen von Meteoreisensteinen,
deren Gewicht von einem Gramm bis zu 460 Kilogramm schwankt und die
außer dem vorwiegenden Nickeleisen Verbindungen von Phosphor, Schwefel,
Kohlenstoff, auch Diamanten enthalten.
Man ist nun in wissenschaftlichen Kreisen zu der Überzeugung gelangt,
daß hier ein fester Brocken eines Kometen vor Zeiten auf die Erde
niederstürzte und zwar von West-Nord-West in einem Winkel von 70 Grad.
Der Block hatte wahrscheinlich 150 Meter Durchmesser. Er schlug ein 350
Meter tiefes Loch in die Erde, wobei die entwickelte Hitze von etwa 2000
Grad Celsius den Sandstein in Bimsstein umschmolz. Die emporspritzenden
Gesteinstrümmer bildeten den Kraterwall um den Kessel.«
»Da haben wir's!« sagte Schultze: »Ebensogut können Felsblöcke von
mehreren Kilometern Durchmesser in solch einem Kometenkopf enthalten
sein oder noch größere Massen. Der Zusammenprall würde unter Umständen
nicht bloß alles Leben auf dem getroffenen Teil der Erde vernichten,
sondern die Umdrehung unsres Planeten könnte eine Änderung erleiden,
wodurch die Länge von Tag und Nacht eine völlig andre werden müßte;
zudem könnte die Erdachse sich derart verschieben, daß die Meere sich
gegen den neuen Äquator stürzen und das Festland verschlingen würden.«
»Hoffen wir, daß dies Theorien bleiben,« ließ sich nun Münchhausen
vernehmen. »Jedenfalls aber wollen wir uns inachtnehmen, daß nicht etwa
unsre teure Sannah mit dem Kometen dort drüben in nähere Berührung
kommt.«
»Davor schützt uns die Fliehkraft,« versicherte Flitmore. Er ahnte nicht
von ferne, daß gerade das Gegenteil der Fall sein sollte.