19. Der Komet.

Noch einige Stunden ergingen sich unsre Freunde im Tageslicht auf der

paradisischen Tipekitanga. Sie kosteten nun auch die leuchtenden

Früchte, nachdem das Beispiel der Affen, die ganze Massen davon mit Gier

vertilgten, sie versichert hatte, daß keine Gefahr dabei sei.

Diese Früchte erwiesen sich nicht bloß als erfrischend und saftig, von

köstlichem und sehr verschiedenem Wohlgeschmack, sondern es schien eine

eigentümliche, stärkende und belebende Kraft von ihnen auszugehen: nach

ihrem Genuß fühlte man sich in äußerst gehobener Stimmung, eine

niegekannte Lebensfreudigkeit beseligte die Gemüter und neue Kräfte

schienen die Adern zu schwellen.

Selbst Münchhausen rühmte: »Ich fühle mich so frisch und leicht, als sei

meine ganze Körperlast geschwunden und ich könnte mich als ätherisches

Wesen in die Lüfte erheben.«

Alle mußten lachen, wenn sie die Masse des Kapitäns betrachteten und

dabei hörten, daß er sich einem ätherischen Wesen verglich.

»Na, einen Luftballon könnten Sie ja immerhin vorstellen,« meinte

Schultze: »Tun Sie ihren Gefühlen keinen Zwang an und schweben Sie immer

mal empor, wir alle freuen uns auf den köstlichen Anblick.«

Mit dem Schweben des Dicken hatte es aber noch gute Wege. Von den

herrlichen Früchten wurden reiche Vorräte in die Sannah geschafft,

obgleich man nicht wissen konnte, wie lange sie sich halten würden.

Inzwischen waren die kurzen Tagesstunden verflogen und die Wiesen und

Fluren leuchteten wieder in ihrem vollen Zauber.

Am Himmel aber stieg ein strahlender Komet auf, den zuvor niemand

beobachtet hatte.

»Er weist uns den Weg zur Weiterfahrt!« sagte Flitmore.

Alle begaben sich wieder in das Weltschiff, der Strom wurde

eingeschaltet und der bunte Glanz unter ihnen floß zusammen in einem

milden Schimmer. Allmählich wurde die Tipekitanga wieder der still

leuchtende Stern, wie sie ihn zuerst erblickt hatten und flog auf ihrer

Bahn vor aller Augen davon in die dämmernden Fernen.

Um so prächtiger strahlte der neue Komet, dem sich jetzt die allgemeine

Aufmerksamkeit ungeteilt zuwendete.

John Rieger, der gebildete Schwabensohn, wandte sich wieder einmal an

den Professor in seinem unstillbaren Durst nach Aufklärung. Bei ihm hieß

es auch: »Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich _alles_ wissen.« Und so

begann er denn in seiner gewählten Sprechweise:

»Hochwertester Herr Professor, falls es Ihnen nicht zu geringwertig

erscheinen dürfte, möchte ich Sie mit Vergnügen ersuchen, ob Sie nicht

geneigt sein wollten, mir einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten,

wie Sie es so vorzüglich verstehen, über einige Punkte der

asternomischen Wissenschaft, in denen ich mich noch sozusagen in

verhältnismäßiger Unwissenheit befinde.«

»Wenn ich dir dienen kann, teuerster Sohn, so bin ich stets bereit,«

erwiderte Schultze: »Laß hören, was für einen Gegenstand du erläutert

haben möchtest.«

»Nichts andres, als eben die Kometen, was nämlich eigentlich solch ein

Haarstern von Natur ist und wo er her kommen tut und warum er überhaupt

einen Schwanz hat?«

»Ja, lieber Freund, das sind zum Teil verfängliche Fragen: so ganz

Gewisses weiß man ja darüber überhaupt nicht und die Gelehrten sind noch

lange nicht einig; doch will ich dir gerne kund tun, wie es mit all dem

nach dem heutigen Stande der Wissenschaft steht.

Wo die Kometen herkommen, ist verhältnismäßig am einfachsten zu

beantworten: einige gehören unserem Sonnensystem an und kehren

regelmäßig wieder, das sind etwa 6000 Stück, von denen allerdings die

wenigsten mit bloßem Auge sichtbar sind. Sie haben eine elliptische

Bahn; aber während die Ellipse, welche die Planeten um die Sonne

beschreiben, beinahe ein Kreis ist, gleicht die Bahn der Kometen einer

Parabel: sie verläuft fast geradlinig bis an ihr Ende, das heißt bis zur

Stelle, wo der Komet sich wendet, um wieder an seinen Ausgangspunkt

zurückzukehren. Die Umlaufzeit dieser Kometen ist zum Teil sehr kurz,

sie können alle drei bis sechs Jahre wiederkehren; sie kann aber auch

sehr lang sein wie beim donatischen Komet, wo sie 1900 oder beim großen

Komet von 1881, wo sie gar 3000 Jahre beträgt.

»Die Kometen mit kurzer Umlaufzeit sind meist nur mit dem Fernrohr zu

sehen, was daher kommen mag, daß sie durch ihre häufige Annäherung an

die Sonne immer mehr aufgelöst und somit immer lichtschwächer werden.

»Nun gibt es aber auch Kometen, die aus unermeßlichen oder gar

unendlichen Fernen kommen, gleichsam Boten aus der Fixsternwelt; das

sind diejenigen, deren Bahn eine Parabel oder einen Hyperbelast

beschreibt und sich daher ins Unendliche erstreckt. Die

Parabelbahnkometen kehren in die Gegend zurück, aus der sie gekommen

sind, die Hyperbelbahnkometen in andre Himmelsgegenden. Bei der

Annäherung an die Sonne krümmen sie ihre Bahn sehr stark infolge der

Sonnenanziehung, wenden sich um die Sonne herum und entschwinden dann

wieder auf Nimmerwiedersehen aus unserm Sonnensystem.

Doch eben die Anziehungskraft der Sonne oder auch eines Planeten,

namentlich des gewaltigen Jupiter, kann einen derart störenden Einfluß

auf die Bahn solcher Kometen ausüben, daß sie aus einer parabolischen

oder hyperbolischen zu einer elliptischen wird. Dann hat unser

Sonnensystem den Weltenbummler sozusagen eingefangen und er muß nun

immer wiederkehren in regelmäßiger Umlaufszeit.

Aber auch umgekehrt kann die elliptische Bahn eines Kometen in eine

parabolische oder hyperbolische verwandelt werden und dann ist er für

uns verloren. So ist zum Beispiel der Lexellsche Komet, der 1770 von

Messier entdeckt wurde in eine schlimme Balgerei mit dem Jupiter

geraten, dem er allzunahe kam. Lexell berechnete seine Umlaufszeit zu 5½

Jahren; auch stellte es sich heraus, daß dieser Komet erst 1667 durch

eben den Jupiter für unser Sonnensystem eingefangen worden war.

Im Jahre 1779 näherte sich der Frechling wiederum dem Jupiter und

entblödete sich nicht, sogar zwischen dessen Monden hindurchzugehen. Der

mit Recht entrüstete Planet warf den Eindringling zum zweitenmal aus

seiner Bahn, so daß er nun eine Umlaufzeit von 27 Jahren hatte.

Im Frühjahr 1886 machte der Lexellkomet einen neuen Annäherungsversuch

und hielt sich volle acht Monate in der Nähe des großen Planeten auf.

Hiedurch wurde seine Bahn wiederum verändert und er erhielt eine

Umlaufzeit von sieben Jahren. So wurde er 1889 wieder sichtbar: aber es

läßt sich vorausberechnen, daß der unverschämte Geselle den Jupiter

nicht in Ruhe läßt, bis diesem die Geduld reißt und er ihn endgültig

aus unserm Sonnensystem hinausschmeißt wegen wiederholten

Hausfriedensbruches.

Über die Bahnen der Kometen ist noch zu sagen, daß sie nicht wie die der

Planeten nur mäßig gegen die Erdbahn geneigt sind, sondern die

verschiedensten Neigungswinkel aufweisen. Bei einem Neigungswinkel von 0

bis 90 Grad zur Erdbahn ist der Komet rechtläufig, das heißt er bewegt

sich in gleicher Richtung wie die Erde um die Sonne. Beträgt aber die

Neigung 90 bis 180 Grad, so bewegt er sich in entgegengesetzter Richtung

zur Erde und wird >rückläufig< genannt.«

»Ja, aber wie ist es mit den Schweifverhältnissen?« fragte der

wißbegierige John weiter.

»Ja so! Von Hause aus haben die Kometen keinen Schweif und sind sehr

lichtschwach, obgleich sie zweifellos eigenes Licht ausstrahlen. Erst

wenn sie sich unsrer Sonne nähern, leuchten sie immer heller auf und

senden eine oder mehrere, oft pendelartig schwingende Ausstrahlungen der

Sonne zu, die sich unter starker Verbreiterung zurückbiegen und den

Kometenkern mit einer strahligen Nebelmasse umhüllen, die man >Koma<

nennt.

Die umgebogenen Ausstrahlungen setzen sich fort in dem der Sonne stets

abgewendeten Schweif, der allein dem bloßen Auge sichtbar ist und oft

eine Länge von vielen Millionen Kilometern erreicht. Bei der Sonnennähe

oder kurz darauf erreicht er seine größte Länge und Helligkeit. Je mehr

sich der Komet von der Sonne entfernt, desto schwächer und kürzer wird

sein Schweif, bis er samt Koma und Ausstrahlungen verschwindet und nur

noch eine matte, runde Nebelmasse, ein leichtes Wölkchen übrig bleibt,

wie vor der Annäherung an die Sonne.

Kometen, die der Sonne nicht nahe kommen, bilden nur eine runde oder

auch unförmliche Nebelmasse, matt und verwaschen, ohne Schweifbildung.

Bis jetzt ist noch kein Komet beobachtet worden, dessen Perihel oder

Sonnennähepunkt weiter als die Jupiterbahn von der Erde entfernt wäre;

das beweist nicht, daß es nicht auch solche gibt, sondern nur, daß sie

uns nicht sichtbar werden wegen allzu geringer Leuchtkraft.

Manche Kometen entwickeln mehrere mehr oder wenig gekrümmte Schweife. So

breitete der Komet von 1744 sechs fächerförmige Schweife aus; er war so

hell, daß man ihn mit bloßem Auge zur Mittagszeit in der Nähe der Sonne

sehen konnte.«

John war noch nicht befriedigt und fragte weiter: »Wieso aber

eigentlich, falls doch die Kometen von Natur aus schweiflos sind, wächst

ihnen ein solcher, wenn sie zur Sonne gelangen?«

»Das macht die anziehende Kraft der Sonne, mein Bester. Allerdings

begreift man noch nicht zur Genüge, warum die Ausstrahlungen, die

anfangs der Sonne zustreben, zurückgebogen werden und so den der Sonne

abgewendeten Schweif bilden, dessen Krümmung abhängt von dem Verhältnis

der abstoßenden Kraft zur Bahngeschwindigkeit des Kometen. Vielfach wird

angenommen, das Sonnenlicht übe diese abstoßende Wirkung aus, andre

denken an elektrische Erscheinungen. Es können da viele Kräfte wirksam

sein, die wir noch nicht kennen. Wenn sich zum Beispiel der Schweif in

mehrere auseinandergehende Büschel spaltet, scheinen schwächere,

seitlich wirkende Kräfte wirksam zu sein. Man beobachtet zuweilen auch

im Schweif eine wolkenähnliche Verdichtung, die selber wie ein kleiner

Komet aussieht, der ebenfalls eine Mähne besitzt. Auch plötzliche

Lichtausbrüche kommen vor, seltener eine plötzliche Lichtabnahme.«

»Meine Fliehkraft erklärt alles,« warf der Lord ein: »Die vom Kometen

ausgestoßenen Stoffe sind mit Zentrifugalkraft geladen und werden daher

von der Sonne abgestoßen.«

»Mag sein!« sagte Schultze achselzuckend und fuhr dann fort: »Was nun

den Stoff betrifft, aus dem die Kometen bestehen, so scheint er von

äußerst geringer Dichte zu sein; wenigstens der Schweif muß eine äußerst

dünn verteilte Staub- oder Dampfwolke sein; denn die Sterne schimmern

unverdunkelt und ohne Lichtbrechung hindurch.

Die Spektralanalyse wies Natrium- und Eisenlinien nach, namentlich auch

Kohlenwasserstoff und Kohlenoxyd; es ist also immerhin möglich, daß so

ein Kometenschweif Petroleum enthält und andere Stoffe, auch giftige

Gase, die gefährlich werden könnten, wenn sie in die Erdatmosphäre

eindrängen. Andrerseits scheint ihre geringe Dichtigkeit jede Gefahr

wieder auszuschließen. Jedenfalls hat die Erde im Jahre 1861 den Schweif

des Halley-Kometen durchkreuzt ohne Schaden zu nehmen, ja ohne daß es

nur irgendwer merkte; erst nachträglich wurde die Tatsache bekannt. In

früheren Zeiten freilich glaubte man, die Kometen gingen von irdischen

Dünsten aus und brächten Pest und Seuchen; auch als Kriegsruten, die

großes Blutvergießen und andere schwere Katastrophen anzeigen sollten,

wurden sie angesehen.«

»Ganz ausgeschlossen ist es trotzdem nicht,« meinte der Lord, »daß unter

ungünstigen Verhältnissen die Luft der Erde durch Kometengase vergiftet

werden könnte, so daß alles Leben in einem Augenblicke zu Grunde ginge.

Was uns vor diesem Schicksal bewahrt, ist meiner Ansicht eben der

Umstand, daß die Fliehkraft die Erde veranlaßt, diese Stoffe von sich

abzustoßen. Sternschnuppenregen und Meteorfälle aber belehren uns, daß

diese abstoßende Kraft auch überwunden werden kann, und dies hängt

wahrscheinlich mit der Geschwindigkeit des Zusammentreffens ab. Begegnet

zum Beispiel die Erde dem Schweife eines sich mit außerordentlicher

Geschwindigkeit bewegenden rückläufigen Kometen, so erfolgt der

Zusammenstoß mit großer Plötzlichkeit, da beide einander entgegensausen

und sich so die Geschwindigkeit der Erde zu der des Kometen addiert. In

diesem Fall dürfte der abstoßenden Kraft die Zeit fehlen, in Wirksamkeit

zu treten.«

»Wie ist es aber,« fragte nun Mietje, »wenn ein Weltkörper, sagen wir

die Erde, mit dem Kern oder Kopf des Kometen zusammenstößt?«

»Das ist eine Frage für sich,« erwiderte der Professor. »Im allgemeinen

ist ja die Sache für den Kometen selber am gefährlichsten. Wir sehen ja,

wie die Annäherung an die Sonne einen Teil seines Kerns in flüchtige

Bestandteile auflöst, die beispielsweise beim Kometen von 1843 einen

Schweif von 320 Millionen Kilometern bildete. Ziehen nun die Kometen den

Schweif auch wieder ein, so erleiden sie doch enorme Verluste an Materie

und werden so immer geringer an Masse, bis sie sich schließlich ganz

auflösen.

Bekanntlich kam der Bielasche Komet 1845/1846 dem Jupiter so nahe, daß

man einen Zusammenstoß erwartete; doch erlitt der große Planet keinen

sichtlichen Schaden, während der Komet in zwei Teile gespalten wurde,

die späterhin ganz verschwanden oder vielmehr einen Meteorschwarm

bildeten, durch den die Erde des öfteren dahinging, bis auch er

schließlich ausblieb.

Der Septemberkomet von 1882, dessen Vorübergang vor der Sonne Finlay und

Elkin am Kap der Guten Hoffnung am lichten Tage beobachten konnten, ging

durch die Glutatmosphäre der Sonne. Wie erstaunt war man in Amerika,

hernach zu entdecken, daß er nicht weniger als sieben Junge gekriegt

hatte, die ihm folgten, wie die Küchlein der Gluckhenne.

Andrerseits kann aber nicht geleugnet werden, daß der Zusammenstoß mit

dem Kern eines Kometen auch ernste Gefahren in sich bergen kann. Manche

Kometen bewegen sich mit solch ungeheurer Geschwindigkeit, daß ein

Anprall ihrer festen Masse, wenn sie von irgendwie bedeutender

Ausdehnung ist, den getroffenen Planeten in Glut versetzen müßte. Der

Komet von 1843 vollzog seine Wendung um die Sonne mit solch fabelhafter

Schnelligkeit, daß er binnen weniger Stunden von der einen Seite nach

der andern gelangte. Dagegen ist die Geschwindigkeit unsrer Erde mit 30

Kilometern in der Sekunde ein Schneckentempo. Welche Geschwindigkeit

erst die Bestandteile seines 320 Millionen Kilometer langen Schweifes an

dessen Ende hiebei entwickeln mußten, übersteigt unsre Fassungskraft.«

»Ich meine aber,« wandte Heinz ein, »man hält neuerdings auch den Kern

der Kometen für eine nebelartige, gasförmige Masse ohne Festigkeit.«

»Das ist angesichts der Tatsachen eine ganz unhaltbare Ansicht,«

widersprach Schultze: »Denken Sie doch, daß die Meteore, die auf die

Erde fallen, zum Teil Eisenblöcke von ungeheurem Gewichte sind. Und

diese Brocken scheinen nicht einmal dem Kern, sondern dem Schweif der

Kometen zu entstammen, in dem man oft stark verdichtete Lichtknoten

beobachtet.

Allerdings glaubt man, daß die Erde 1872 und 1885 mit den beiden Köpfen

des Biela-Kometen zusammenstieß, da der Schweif eine ganz andre

Bewegungsrichtung hatte als die damals niedergehenden Sternschnuppen

oder Meteorschwärme. Sollte das richtig sein, so ist immerhin zu

berücksichtigen, daß es sich hier um einen durch Jupiter zertrümmerten

und in Auflösung begriffenen Kometen handelte.

Daß es aber überhaupt einem Kometen möglich ist, so nahe am Jupiter

vorbeizukommen oder gar durch die glühende Korona der Sonne zu sausen,

wie es auch vorkommt, ohne völlig in Dunst aufgelöst zu werden, beweist,

daß er äußerst widerstandsfähige feste Bestandteile besitzen muß.«

»Hiefür kann ich auch einen Beweis beibringen,« bestätigte Flitmore.

»Ich besuchte vor Jahren die sogenannte Teufelsschlucht in Arizona. Das

ist ein ovaler Kraterring, der sich 40 bis 50 Meter über die umgebende

Hochfläche erhebt; sein Durchmesser beträgt 1300 Meter von Ost nach

West, 1200 von Süd nach Nord. Der innere Schlund fällt 200 Meter tief

schroff ab, der Kessel ist also um 150 Meter tiefer als die Ebene rings

umher; früher muß er noch viel tiefer gewesen sein, aber Schutt und

Geröll ist jahrhundertelang hinabgerollt, denn das Gefüge des Gesteins

ist stark aufgelockert.

Nun haben Bohrungen ergeben, daß unter den Schuttmassen das Gestein

völlig zersprengt und in zelligen Bimsstein verwandelt ist. Der

zerpulverte Sandstein ist mit feinverteiltem Nickeleisen vermengt und in

einer Tiefe von 250 Metern unter der jetzigen Talsohle stieß man auf

feste Eisenmassen, die sich als Meteoreisen herausstellten.

Rings um den Krater findet man ganze Massen von Meteoreisensteinen,

deren Gewicht von einem Gramm bis zu 460 Kilogramm schwankt und die

außer dem vorwiegenden Nickeleisen Verbindungen von Phosphor, Schwefel,

Kohlenstoff, auch Diamanten enthalten.

Man ist nun in wissenschaftlichen Kreisen zu der Überzeugung gelangt,

daß hier ein fester Brocken eines Kometen vor Zeiten auf die Erde

niederstürzte und zwar von West-Nord-West in einem Winkel von 70 Grad.

Der Block hatte wahrscheinlich 150 Meter Durchmesser. Er schlug ein 350

Meter tiefes Loch in die Erde, wobei die entwickelte Hitze von etwa 2000

Grad Celsius den Sandstein in Bimsstein umschmolz. Die emporspritzenden

Gesteinstrümmer bildeten den Kraterwall um den Kessel.«

»Da haben wir's!« sagte Schultze: »Ebensogut können Felsblöcke von

mehreren Kilometern Durchmesser in solch einem Kometenkopf enthalten

sein oder noch größere Massen. Der Zusammenprall würde unter Umständen

nicht bloß alles Leben auf dem getroffenen Teil der Erde vernichten,

sondern die Umdrehung unsres Planeten könnte eine Änderung erleiden,

wodurch die Länge von Tag und Nacht eine völlig andre werden müßte;

zudem könnte die Erdachse sich derart verschieben, daß die Meere sich

gegen den neuen Äquator stürzen und das Festland verschlingen würden.«

»Hoffen wir, daß dies Theorien bleiben,« ließ sich nun Münchhausen

vernehmen. »Jedenfalls aber wollen wir uns inachtnehmen, daß nicht etwa

unsre teure Sannah mit dem Kometen dort drüben in nähere Berührung

kommt.«

»Davor schützt uns die Fliehkraft,« versicherte Flitmore. Er ahnte nicht

von ferne, daß gerade das Gegenteil der Fall sein sollte.

Wunderwelten Wie Lord Flitmore eine seltsame Reise zu den Planeten unternimmt und durch einen Kometen in die Fixsternwelt entführt wird · 第 25 / 70 题