Der redliche Mann hatte sich selbst ganz erweicht durch seine Worte. Die
ganze Angst, die er für alle Andern in seinem reinen besorgten Herzen
fühlte, stand sichtbar auf seinem glühenden Gesicht. Er trieb nach Hause,
und dort griff er sogleich nach dem Stabe, um diese Nacht noch weiter zu
gehn; Krieg, der ihn kannte, machte keine Einwendungen, sondern erklärte
bloß: er selber bleibe da. Auch Christel bat nicht; sondern von seinen
Bildern und Worten fromm ergriffen, segnete sie seinen Weg. Ihr war, als
müsse seinem klaren Auge die Nacht helle sein und der Weg licht; die Steine
müßten vor seinem Fuße wegrollen, und die Kinder aus den Dörfern kommen und
seine Hände küssen, weil er es gar so wohl, gar so herzlich meinte -- und
sie küßte ihm selber die Hände zum Abschied, worüber er sie lächelnd ansah.
-- »Ihr wollt noch etwas wissen?« frug er als Menschenkenner . . . »Was in
dem _dritten_ Sarge war? Meint Ihr, Goldstücke, die daraus emporflogen wie
flügge Vögeleier, und die sich im Fluge verwandelten in bunte Spielsachen
der großen und kleinen Kinder, in Pferde, Häuser, Kirchen, Schäfereien,
kurz in die goldene Zeit! -- Ja wohl. Aber nicht so. Es lagen darin die
Urkunden der Nachwelt; Landkarten mit den neuen Grenzen; blutig
unterstrichene Städte und Dörfer mit den zwei Schwertern dabei, zum Zeichen
der bei denselben zu liefernden Schlacht. -- Dann Volkslieder, und wie soll
ich es ausdrücken: gedämpfte Kronen; mattgoldene Scepter mit
Pergamentrollen umwunden, und kleine geschnitzte Modelle zu Thronen, alle
mit eines gewissen Rousseau Bildniß in Brillanten. Dazu aber die Namen
derer, die in fünfzig Jahren darauf sitzen werden; denn das kann ein Kind
begreifen, daß alle jetzigen Daraufsitzer alsdann zu Staube sein werden, so
herzhaft sie jetzt auch noch reiten, befehlen und unterschreiben. Wie es
aber dann sein wird; und wie die von ihrem Anführer zehn Jahr angeführten
oder betrogenen Franzosen dann im _Geiste_ wiederkommen werden, also
mächtig unschlagbar und gar nicht todt zu machen, und wie sie für ihre
Erlösung dann dankbar sein werden, nämlich ein bloßes Licht, das will ich
meinem lieben Vorkämpfer des deutschen Volkes getreulich, aber geheim
berichten! Denn Wissen ist dem Guten gut!« --
»Ach nein!« sagte Christel, »das kümmert uns nicht, und Gott Vater auch
nicht, denn der wird alles ohne Sorge und Mühe gewißlich thun; und wie
Wecker sagt, weiß Er gewiß auch so viel von der heiligen Rechnenkunst: ob
fünfzig Familien oder fünfzig Millionen Familien mehr sind; ich wollte nur
wissen, wie es _uns_ ergehen wird in dieser Zeit?« -- »Euch?« frug der
Prophet sich verwundernd, »Euch, meine liebe Frau Christel, und Eurem
ganzen Hause wird es immer wohl, ganz wohl gehen! denn also seht Ihr mir
aus! Wie der Mensch lebt, so geschieht ihm. Wie er ist, so ist ihm! Das
kann ein Kind begreifen. Drum ist es mir auch immer wohl ergangen, und wird
mir immer wohl gehn, so lange ich weiß -- daß ich bin. Länger braucht es
nicht. Lebt wohl!«
So ging der alte Mann allein fort in der Nacht, von einem innern Drange
unaufhaltsam hingezogen. _Krieg_ hatte nicht geglaubt, daß er ohne ihn,
ohne Ausruhe, gleich wirklich jetzt um Mitternacht sich aufmachen werde,
und er that ihm leid, schon als er hundert Schritt auf dem Wege nicht mehr
zu sehen war. Er wollte ihm nachrufen, auf ihn zu warten; aber sein guter
-- Verstand hielt ihn davon ab. Und sie waren kaum hineingetreten, als sie
hörten, daß doppelte Wache vor Haus- und Hofthür angestellt ward. Sie
schliefen aber ruhig; bis am Morgen St. Etienne herüber kam und erstaunte
und frug, wo der fremde Wahrsager sei? Er erfuhr die Wahrheit und sandte
ihm Flüche nach, weil ein wenig Sauerteig von einem Narren, ein ganzes
landgroßes Backfaß zu Narren machen könnte; wenn auch solche neue Mähren
nur schädlich würden, wenn sie Jemand glaubte und wahr machen wollte! Oder
wahr machte . . . was möglich sei -- wie das Türkenthum oder die
Peterskirche. Und der Unglücklichen wären jetzt sehr viel, und der
Hoffenden noch mehr -- und die wollten alle einen Kern in ihre hohlen
Nüsse, und ein Bild in den leeren Rahmen ihres Gehirns. Und zum Beweise
seiner Rede setzte er zornig hinzu: »Bei uns hat man Länder -- das ganze
große Reich -- nach dem Spiel Karten einer Mamsell aus der Normandie
regiert und wird nach ihren Karten verspielen, ja sterben! Nun, laßt ihn,
laßt ihn laufen; wer weiß, wem er mit seinem Hirngespinnst die Augen blind
macht, daß er die Zeit nicht sieht, und ihm ein Brett vor die Stirn hängt,
das zehn Tischler nicht durchschroppen können -- weil es unsichtbar ist! Ja
das Herz kann er damit versteinern und Männer zu furchtsamen Hasen machen
-- laßt den Hasenfuß laufen! Doch zwei Husaren . . .«
Der Leinweber Krieg sprach aber beherzt den Vers darein: »Er ließ keinen
Menschen ihnen Schaden thun, und strafte Könige um ihretwillen. Tastet
meine Gesalbten nicht an, und thut meinen Propheten kein Leid!« -- St.
Etienne aber sagte: »Weil Ihr unserer Frau Christel Pathe seid . . .
versteht Ihr mich! . .«
Christel schwieg. Denn so geneigt sie ihr Herz dem unbekannten Bruder
fühlte, so gefürchtet und widerlich waren ihr seine freundlichen Blicke,
und seine zutraulichen Reden mit ihr; und ihr war nur freier zu Muth, wenn
er zürnte und grob war, oder wenn er recht log oder großsprach; dann war
dem guten Weibe das Herz leicht; denn an der Stelle der Neigung quoll dann
das Blut feindselig in ihrem Herzen. Und mit ihm war ja das Unglück ins
Haus gekommen. Mit ihm hatte sie das Zutrauen zur Welt und den Verlaß auf
sich selbst verloren. Er war an allem Unglücke Schuld, oder hatte seine
Hände dabei mit im Spiel, was ihren lieben Johannes betroffen, ja was der
Großvater gethan hatte und deswegen jetzt noch litt. Und dennoch _weinte_
sie im Geheimen nur über Alles -- auch über den verhaßten Etienne! Als sie
sich aber eines Abends Zeit genommen bei Licht zu spinnen, und er erst
heimlich nur mit dem Schatten ihrer schönen, an der Wand sich bewegenden
Haare gespielt; dann als er sich sogar geneigt und das liebliche schwarze
Bild ihres sich auf den Faden neigenden Gesichtes geküßt hatte, worauf sie,
wie aus Versehn, den Rocken angezündet, um eine halblächerliche und
halbgefährliche Beschäftigung auf die Bahn zu bringen, um alle Fenster
aufzumachen, ihn in dem Rauch und der Kälte stehen zu lassen, und selbst zu
Johannes hinüber zu gehen oder zu flüchten; -- als er angefangen von seinem
Golde für den schweren Bedarf in ihrem Hause einzukaufen und mit zu sorgen;
-- -- als er sie eines Morgens an den Stall geführt, die Thüre aufgestoßen,
und ihr ihre beiden schönen Kühe wieder gezeigt, und als sie ihn darauf
sogar an der Hand gehalten, oder sie gar gedrückt hatte, sie wußte das
nicht gewiß, da sprach sie nur zu sich; »Ich weiß nicht wie mir ist! Aber
Zeit ist es, daß . . . daß . . . .« Und sie wußte nicht, was geschehen
sollte oder möchte.
Darum war es ihr willkommen -- ein gutes Werk zu thun, und in die Stadt zu
_Dorothea_ zu gehn, deren Namen nennen zu hören sie jedoch erschütterte,
aber mit Muth: unter tausend Feinden, ja unter hunderttausend Freunden:
_Christel_ zu sein und zu bleiben. Paschalis schrieb ihr nämlich ein Blatt
voll -- »_Hauszeitungen_.« Dorothea hatte einen Frauenverein gestiftet, die
Verwundeten und Kranken zu pflegen. Sie hatte aber nicht nur Geld und
Leinwand gegeben, wie viele Andere, sondern sich selbst als Pflegerin
gestellt, vielleicht als Opfer. Doch mit eigensinniger Auswahl hatte sie
nur solche Opfer ihres Vaterlandes übernommen, deren Wunden an Kopf oder
Brust -- Lanzenwunden, also wahrscheinlich Kosakenwunden waren. Jetzt lag
sie an der mitgebrachten Krankheit darnieder, und begehrte herzlich nach
Christel. Und wie die Tochter bat, flehte auch der Vater nach ihr -- »nur
auf kurze Zeit! Denn die Zeit der Kranken rinnt durch eine zerbrochene
Sanduhr; ihr Leben ist Sand und ihr Leib ist Glas und der Mensch überhaupt
nur Vexier -- _Erde_ -- nur durch Einschmelzen in das ewige läuternde Feuer
wieder aus Staube zu einem Gefäß zu blasen, und bleibt Blase, worin sich
die Welt nur schimmernd spiegelt, hier die Erde oder dort die Sonne, der
Himmel oder die Hölle!« --
Der Brief war vom 20. Februar 1814. In der Nachschrift stand: »Kann ein
Selbst- oder Andere-Beherrscher in ein gesundes feindliches Land
pestbehaftete Soldaten schicken, oder kranke angesteckte Soldaten in alle
gesunden Dörfer ihrer eigenen Heimath -- nach Hause schicken; so darf ein
Mensch, ein wahrer Vater wohl einmal die Pflegemutter seiner Tochter
bitten: in ihrer letzten Krankheit zu ihr zu kommen. »Völkerrecht --
Hausrecht!« Ich habe gebeten, -- das Kommen nun steht bei Euch. Ich sage
Euch aber aufrichtig: Eure _Kinder_ bitten: Ihr sollt nicht kommen! Daniel
aber gesteht doch: der _Großvater_ wundere sich, daß er Euch noch mit
keinem Auge in seinem Kerker gesehen habe, und meine: er habe das
verdient.« --
Der Christel war der Sinn der Worte des Briefes zu hoch, und sie verstand
nicht: _durch_ dieselben das zerrissene Gemüth des Vaters zu sehen, der, um
seine Leiden nicht ewig fühlen zu müssen, lieber gewünscht hätte -- neu
eingeschmolzen zu werden und überall -- auch in der Sonne . . . . im Himmel
. . . . oder in der Hölle schmelzbar oder zerbrechlich zu sein. Aber die
Weiber werden von dem Unverständlichen oder Unverstandenen am tiefsten
ergriffen, und leben und bewegen sich darum so sicher und froh in der Welt,
weil sie ihre Gefühle und Gedanken ganz unbehindert hineinlegen können, und
unbeschränkt darinnen verbreiten. Und so erschütterte der Brief ihre Seele.
Die Nachschrift aber erinnerte sie an Anderer Grausamkeit; -- an die guten,
für sie fürchtenden Kinder; -- an den Großvater, der seine Leiden meinte zu
verdienen, indeß sie den durch ihn erlösten Johannes besaß und genoß; und
so war sie weiblich wunderlich, grade entschieden, diesen ihren Johannes zu
verlassen und grade zu den _sie liebenden_ Kindern hinzueilen! Und ihr Herz
war doppelt froh.
Die Ereignisse erleichterten ihr aber auch den Gang. Die Verbündeten hatten
an demselben Tage Mainz berannt. Die Soldaten, die noch draußen auf den
Dörfern sich genährt, und gesund erhalten hatten, waren alle, bis auf
hundert Mann, aus Zahlbach fort, hineingezogen -- und in ihrem Hause lag
nur noch St. Etienne allein. Dagegen war nun der Leineweber Krieg bei
Johannes, bei welchem er bleiben mußte: denn er war durch eine
Vorpostenkette rund abgesperrt, und konnte nirgends hinaus nach der nahen
Heimath. Die Feinde standen sogar in _Britzenheim_ nur eine Viertelstunde
von Zahlbach. Dieses ihres schönen freundlichen Dorfes Schicksal war voraus
zu sehen, und Johannes trieb seine liebe Christel nicht allein zu dem Gange
nach Mainz, sondern er bat sie auch dort zu bleiben. Denn die Einwohner von
Zahlbach vergalten jetzt den braven Mainzern ihre tagtäglichen Spaziergänge
zu ihnen heraus, die Sonntagsfeste und Morgen- und Abendbesuche unter ihren
grünen Weinlauben, Kastanienbäumen und Wallnußbäumen, und flüchtete, jetzt
ihr -- Vieh in die Häuser der Stadt, ihre Habe und Gut, ja Weiber und
Kinder; denn das Dorf war kein Dorf mehr, sondern nur eine Caserne. Die
Clubbistenschanze stand mit Kanonen bespickt und mit Soldaten besetzt,
deren Vorhut im Dorfe stand, das nun der Belagerungsschauplatz werden
mußte. Und so hatte Christel nur eine Bitte: daß Johannes mit ihr in die
sichere Festung Mainz käme! Er aber wollte sein Erbe nicht Preis geben, und
Alles zu Grunde gehen lassen, ohne es so lange wie möglich geschützt -- und
dann seinen Untergang wenigstens selbst mit angesehen zu haben. Und so
zeigte er jetzt den Muth des Landmanns, den Muth, den er seiner Christel
unlängst mit kurzen aber wahren Worten versichert; und er wollte nicht sich
selber, was sie besaßen, für sich bewahren, sondern eben für seine Christel
und ihre Kinder. Und so gut er ihr war, so fest blieb er bei seinem
Vorsatz, wenn er ihn auch nur in halblauten milden Worten mehr andeutete
als vertheidigte. »Thut es Noth,« sprach er, sie bei der Hand fassend,
»dann bist Du bei mir, oder ich bei Dir -- wie der Herr trifft. Denn die
Soldaten laden und feuern nur los -- auf Gottes Gnade und in Gottes blauen
Himmel.«
Da nun auch ihr Pathe Leinweber Krieg dablieb, der als vieljähriger Wittwer
sein Hauswesen und selbst Küche und Heerd und Töpfe zu seiner eigenen
Zufriedenheit wohl bestellt, ja wie er sagte, sich sogar nie eine
sogenannte Suppe versalzen habe, die -- er nicht habe essen können oder
müssen; so brachte Christel ihr Haus in enge, leicht übersehliche Ordnung,
führte die beiden Männer in Stall, in Keller, in Hausgewölbe bedächtig und
belehrend umher, und deckte alles auf, und wieder zu, damit sie wüßten, wo,
wieviel und in wie gutem Zustande alles vorhanden sei; klopfte mit dem
Knöchel des Fingers an die ganzen Töpfe, und stellte die wenigen bei Seite,
die einen Riß hatten, aber doch noch gute trockene Dienste leisteten; wobei
der Pathe versprach, einen sogenannten Ring von Draht um dieselben zu
legen, oder nach Verdienst und Würdigkeit dieser alten stillen Freunde und
Hausgenossen, sie über und über in Ketten und Banden zu legen, oder zu
überstricken. Als sie dann auch beide, Einer nach dem Andern, in die
Rauchkammer hatten gucken müssen, was sie, des Rauches wegen, mit
zugemachten Augen gethan, und als der Gevatter Pathe die prächtig gefärbten
starken wohlriechenden Schinken, Speckseiten und Würste -- aus Liebe und
Zutrauen zu Christel -- mit Verwunderung über das sogenannte quale et
quantum aufrichtig gelobt hatte, so war die Uebergabe geschehen; und
Christel stand im Hause als sei sie überflüssig, verborgt, verschenkt oder
verkauft, und ihr war zu Muthe, sie wußte nicht wie. Sie legte an die
Bestellung des Abendessens keine Hand an, schlich nur einmal heimlich
nachsehen, schürete das Feuer, legte, wie ein kleines Mädchen, spielend ein
Scheitchen mit zu, nahm es aber aus Rechtschaffenheit wieder weg und
löschte es in der Asche aus -- und legte es doch wieder ins Feuer, weil es
einmal angebrannt war und verrathen hätte, daß sie die Küchenmeisterin
gemacht. Dann setzte sie sich an den Tisch wie ein Gast beim
Kirchweihfeste, ließ lächelnd decken und auftragen und Jedem und sich
selber austhun und aß -- ob ihr gleich vor Bangigkeit kein Bissen schmeckte
-- von allem recht viel, und lobte die Speisen und die zwei Köche, die
dasmal nichts versalzen noch verdorben, und vermahnte sie scherzhaft so
fortzufahren! St. Etienne war über Nacht auf dem Posten; und Johannes ließ
in der Ferne der ruhigen Zeiten dem Gevatter Pathen, zur Dankbarkeit für
seinen Beistand, wieder die Aussicht auf einen fröhlichen Kindtaufenschmauß
erblicken, bei einer kleinen _neuen_ Clementine, oder am liebsten: der
alten vorigen -- wenn der Herr seiner Christel _dieselbe_ wieder in
ähnlicher Gestalt in die Wiege legen wolle. Ihre in Thränen schwimmenden
Augen aber verlöschten die Aussicht wieder, und sie saßen still, dankten
still, und standen still vom Tische auf, nachdem sie ihrem Johannes noch
einmal die Hand über das weiße Tuch hinüber gereicht, um seines Lebens
Wärme zu empfinden und von seinem Dasein recht handgreiflich überzeugt zu
werden. Dann aber sprach sie als gute Wirthin nur leicht: »Aber ihr alten
Kinder, das ist ein _gutes_ Tischtuch! Jetzt verrichten es die mittlen. Und
ihr kleckt nicht wie die Kleinen -- zur großen Wäsche bin ich wieder zu
Hause.«
Dann gingen sie ruhen. Am Morgen aber stand sie allein schon lange vor Tage
auf. Ihr Johannes schlief zu fest; so ließ sie ihn schlafen. Aber wie sie
an die Thür trat, hatte er ihr im gelben Morgenscheine, eine fahle
todtenähnliche Farbe auf Gesicht und Händen. Sie trat hastig hinzu, und sah
-- aber er athmete leis und schlief so ruhig -- und ruhig ging sie weg,
während Daniels Monats-Täuberich, schon früh auf im Taubenschlage, über
ihnen im Giebelfelde zu Neste heulte und trommelte. Wenn aber ein
zukunftskundiger Mann oder ein Geist, der das kleine Leben der Menschen
überschaut, sie gesehen hätte so ruhig hinweggehen, der hätte gesagt:
So schlummert der Wandrer
Voll sicherer Gnüge
Im eigenen Hause
Noch einmal, auf lange,
Der sorglos und trauend
Am blühenden Morgen
Von Weib und von Kindern
Dann scheidet, kaum einmal
Sich umsieht -- und hingeht,
Wo jählings am Abend
Der Tod ihn ereilet,
Ihn schweigend die Fremde
Verschlingt und zurückhält;
Und Heimath und Hütte
Mit Bäumen und Blumen
Sie bleiben auf immer
Still hinter ihm stehen,
Und ruhig bescheint sie
Die leuchtende Sonne!