X.

Der redliche Mann hatte sich selbst ganz erweicht durch seine Worte. Die

ganze Angst, die er für alle Andern in seinem reinen besorgten Herzen

fühlte, stand sichtbar auf seinem glühenden Gesicht. Er trieb nach Hause,

und dort griff er sogleich nach dem Stabe, um diese Nacht noch weiter zu

gehn; Krieg, der ihn kannte, machte keine Einwendungen, sondern erklärte

bloß: er selber bleibe da. Auch Christel bat nicht; sondern von seinen

Bildern und Worten fromm ergriffen, segnete sie seinen Weg. Ihr war, als

müsse seinem klaren Auge die Nacht helle sein und der Weg licht; die Steine

müßten vor seinem Fuße wegrollen, und die Kinder aus den Dörfern kommen und

seine Hände küssen, weil er es gar so wohl, gar so herzlich meinte -- und

sie küßte ihm selber die Hände zum Abschied, worüber er sie lächelnd ansah.

-- »Ihr wollt noch etwas wissen?« frug er als Menschenkenner . . . »Was in

dem _dritten_ Sarge war? Meint Ihr, Goldstücke, die daraus emporflogen wie

flügge Vögeleier, und die sich im Fluge verwandelten in bunte Spielsachen

der großen und kleinen Kinder, in Pferde, Häuser, Kirchen, Schäfereien,

kurz in die goldene Zeit! -- Ja wohl. Aber nicht so. Es lagen darin die

Urkunden der Nachwelt; Landkarten mit den neuen Grenzen; blutig

unterstrichene Städte und Dörfer mit den zwei Schwertern dabei, zum Zeichen

der bei denselben zu liefernden Schlacht. -- Dann Volkslieder, und wie soll

ich es ausdrücken: gedämpfte Kronen; mattgoldene Scepter mit

Pergamentrollen umwunden, und kleine geschnitzte Modelle zu Thronen, alle

mit eines gewissen Rousseau Bildniß in Brillanten. Dazu aber die Namen

derer, die in fünfzig Jahren darauf sitzen werden; denn das kann ein Kind

begreifen, daß alle jetzigen Daraufsitzer alsdann zu Staube sein werden, so

herzhaft sie jetzt auch noch reiten, befehlen und unterschreiben. Wie es

aber dann sein wird; und wie die von ihrem Anführer zehn Jahr angeführten

oder betrogenen Franzosen dann im _Geiste_ wiederkommen werden, also

mächtig unschlagbar und gar nicht todt zu machen, und wie sie für ihre

Erlösung dann dankbar sein werden, nämlich ein bloßes Licht, das will ich

meinem lieben Vorkämpfer des deutschen Volkes getreulich, aber geheim

berichten! Denn Wissen ist dem Guten gut!« --

»Ach nein!« sagte Christel, »das kümmert uns nicht, und Gott Vater auch

nicht, denn der wird alles ohne Sorge und Mühe gewißlich thun; und wie

Wecker sagt, weiß Er gewiß auch so viel von der heiligen Rechnenkunst: ob

fünfzig Familien oder fünfzig Millionen Familien mehr sind; ich wollte nur

wissen, wie es _uns_ ergehen wird in dieser Zeit?« -- »Euch?« frug der

Prophet sich verwundernd, »Euch, meine liebe Frau Christel, und Eurem

ganzen Hause wird es immer wohl, ganz wohl gehen! denn also seht Ihr mir

aus! Wie der Mensch lebt, so geschieht ihm. Wie er ist, so ist ihm! Das

kann ein Kind begreifen. Drum ist es mir auch immer wohl ergangen, und wird

mir immer wohl gehn, so lange ich weiß -- daß ich bin. Länger braucht es

nicht. Lebt wohl!«

So ging der alte Mann allein fort in der Nacht, von einem innern Drange

unaufhaltsam hingezogen. _Krieg_ hatte nicht geglaubt, daß er ohne ihn,

ohne Ausruhe, gleich wirklich jetzt um Mitternacht sich aufmachen werde,

und er that ihm leid, schon als er hundert Schritt auf dem Wege nicht mehr

zu sehen war. Er wollte ihm nachrufen, auf ihn zu warten; aber sein guter

-- Verstand hielt ihn davon ab. Und sie waren kaum hineingetreten, als sie

hörten, daß doppelte Wache vor Haus- und Hofthür angestellt ward. Sie

schliefen aber ruhig; bis am Morgen St. Etienne herüber kam und erstaunte

und frug, wo der fremde Wahrsager sei? Er erfuhr die Wahrheit und sandte

ihm Flüche nach, weil ein wenig Sauerteig von einem Narren, ein ganzes

landgroßes Backfaß zu Narren machen könnte; wenn auch solche neue Mähren

nur schädlich würden, wenn sie Jemand glaubte und wahr machen wollte! Oder

wahr machte . . . was möglich sei -- wie das Türkenthum oder die

Peterskirche. Und der Unglücklichen wären jetzt sehr viel, und der

Hoffenden noch mehr -- und die wollten alle einen Kern in ihre hohlen

Nüsse, und ein Bild in den leeren Rahmen ihres Gehirns. Und zum Beweise

seiner Rede setzte er zornig hinzu: »Bei uns hat man Länder -- das ganze

große Reich -- nach dem Spiel Karten einer Mamsell aus der Normandie

regiert und wird nach ihren Karten verspielen, ja sterben! Nun, laßt ihn,

laßt ihn laufen; wer weiß, wem er mit seinem Hirngespinnst die Augen blind

macht, daß er die Zeit nicht sieht, und ihm ein Brett vor die Stirn hängt,

das zehn Tischler nicht durchschroppen können -- weil es unsichtbar ist! Ja

das Herz kann er damit versteinern und Männer zu furchtsamen Hasen machen

-- laßt den Hasenfuß laufen! Doch zwei Husaren . . .«

Der Leinweber Krieg sprach aber beherzt den Vers darein: »Er ließ keinen

Menschen ihnen Schaden thun, und strafte Könige um ihretwillen. Tastet

meine Gesalbten nicht an, und thut meinen Propheten kein Leid!« -- St.

Etienne aber sagte: »Weil Ihr unserer Frau Christel Pathe seid . . .

versteht Ihr mich! . .«

Christel schwieg. Denn so geneigt sie ihr Herz dem unbekannten Bruder

fühlte, so gefürchtet und widerlich waren ihr seine freundlichen Blicke,

und seine zutraulichen Reden mit ihr; und ihr war nur freier zu Muth, wenn

er zürnte und grob war, oder wenn er recht log oder großsprach; dann war

dem guten Weibe das Herz leicht; denn an der Stelle der Neigung quoll dann

das Blut feindselig in ihrem Herzen. Und mit ihm war ja das Unglück ins

Haus gekommen. Mit ihm hatte sie das Zutrauen zur Welt und den Verlaß auf

sich selbst verloren. Er war an allem Unglücke Schuld, oder hatte seine

Hände dabei mit im Spiel, was ihren lieben Johannes betroffen, ja was der

Großvater gethan hatte und deswegen jetzt noch litt. Und dennoch _weinte_

sie im Geheimen nur über Alles -- auch über den verhaßten Etienne! Als sie

sich aber eines Abends Zeit genommen bei Licht zu spinnen, und er erst

heimlich nur mit dem Schatten ihrer schönen, an der Wand sich bewegenden

Haare gespielt; dann als er sich sogar geneigt und das liebliche schwarze

Bild ihres sich auf den Faden neigenden Gesichtes geküßt hatte, worauf sie,

wie aus Versehn, den Rocken angezündet, um eine halblächerliche und

halbgefährliche Beschäftigung auf die Bahn zu bringen, um alle Fenster

aufzumachen, ihn in dem Rauch und der Kälte stehen zu lassen, und selbst zu

Johannes hinüber zu gehen oder zu flüchten; -- als er angefangen von seinem

Golde für den schweren Bedarf in ihrem Hause einzukaufen und mit zu sorgen;

-- -- als er sie eines Morgens an den Stall geführt, die Thüre aufgestoßen,

und ihr ihre beiden schönen Kühe wieder gezeigt, und als sie ihn darauf

sogar an der Hand gehalten, oder sie gar gedrückt hatte, sie wußte das

nicht gewiß, da sprach sie nur zu sich; »Ich weiß nicht wie mir ist! Aber

Zeit ist es, daß . . . daß . . . .« Und sie wußte nicht, was geschehen

sollte oder möchte.

Darum war es ihr willkommen -- ein gutes Werk zu thun, und in die Stadt zu

_Dorothea_ zu gehn, deren Namen nennen zu hören sie jedoch erschütterte,

aber mit Muth: unter tausend Feinden, ja unter hunderttausend Freunden:

_Christel_ zu sein und zu bleiben. Paschalis schrieb ihr nämlich ein Blatt

voll -- »_Hauszeitungen_.« Dorothea hatte einen Frauenverein gestiftet, die

Verwundeten und Kranken zu pflegen. Sie hatte aber nicht nur Geld und

Leinwand gegeben, wie viele Andere, sondern sich selbst als Pflegerin

gestellt, vielleicht als Opfer. Doch mit eigensinniger Auswahl hatte sie

nur solche Opfer ihres Vaterlandes übernommen, deren Wunden an Kopf oder

Brust -- Lanzenwunden, also wahrscheinlich Kosakenwunden waren. Jetzt lag

sie an der mitgebrachten Krankheit darnieder, und begehrte herzlich nach

Christel. Und wie die Tochter bat, flehte auch der Vater nach ihr -- »nur

auf kurze Zeit! Denn die Zeit der Kranken rinnt durch eine zerbrochene

Sanduhr; ihr Leben ist Sand und ihr Leib ist Glas und der Mensch überhaupt

nur Vexier -- _Erde_ -- nur durch Einschmelzen in das ewige läuternde Feuer

wieder aus Staube zu einem Gefäß zu blasen, und bleibt Blase, worin sich

die Welt nur schimmernd spiegelt, hier die Erde oder dort die Sonne, der

Himmel oder die Hölle!« --

Der Brief war vom 20. Februar 1814. In der Nachschrift stand: »Kann ein

Selbst- oder Andere-Beherrscher in ein gesundes feindliches Land

pestbehaftete Soldaten schicken, oder kranke angesteckte Soldaten in alle

gesunden Dörfer ihrer eigenen Heimath -- nach Hause schicken; so darf ein

Mensch, ein wahrer Vater wohl einmal die Pflegemutter seiner Tochter

bitten: in ihrer letzten Krankheit zu ihr zu kommen. »Völkerrecht --

Hausrecht!« Ich habe gebeten, -- das Kommen nun steht bei Euch. Ich sage

Euch aber aufrichtig: Eure _Kinder_ bitten: Ihr sollt nicht kommen! Daniel

aber gesteht doch: der _Großvater_ wundere sich, daß er Euch noch mit

keinem Auge in seinem Kerker gesehen habe, und meine: er habe das

verdient.« --

Der Christel war der Sinn der Worte des Briefes zu hoch, und sie verstand

nicht: _durch_ dieselben das zerrissene Gemüth des Vaters zu sehen, der, um

seine Leiden nicht ewig fühlen zu müssen, lieber gewünscht hätte -- neu

eingeschmolzen zu werden und überall -- auch in der Sonne . . . . im Himmel

. . . . oder in der Hölle schmelzbar oder zerbrechlich zu sein. Aber die

Weiber werden von dem Unverständlichen oder Unverstandenen am tiefsten

ergriffen, und leben und bewegen sich darum so sicher und froh in der Welt,

weil sie ihre Gefühle und Gedanken ganz unbehindert hineinlegen können, und

unbeschränkt darinnen verbreiten. Und so erschütterte der Brief ihre Seele.

Die Nachschrift aber erinnerte sie an Anderer Grausamkeit; -- an die guten,

für sie fürchtenden Kinder; -- an den Großvater, der seine Leiden meinte zu

verdienen, indeß sie den durch ihn erlösten Johannes besaß und genoß; und

so war sie weiblich wunderlich, grade entschieden, diesen ihren Johannes zu

verlassen und grade zu den _sie liebenden_ Kindern hinzueilen! Und ihr Herz

war doppelt froh.

Die Ereignisse erleichterten ihr aber auch den Gang. Die Verbündeten hatten

an demselben Tage Mainz berannt. Die Soldaten, die noch draußen auf den

Dörfern sich genährt, und gesund erhalten hatten, waren alle, bis auf

hundert Mann, aus Zahlbach fort, hineingezogen -- und in ihrem Hause lag

nur noch St. Etienne allein. Dagegen war nun der Leineweber Krieg bei

Johannes, bei welchem er bleiben mußte: denn er war durch eine

Vorpostenkette rund abgesperrt, und konnte nirgends hinaus nach der nahen

Heimath. Die Feinde standen sogar in _Britzenheim_ nur eine Viertelstunde

von Zahlbach. Dieses ihres schönen freundlichen Dorfes Schicksal war voraus

zu sehen, und Johannes trieb seine liebe Christel nicht allein zu dem Gange

nach Mainz, sondern er bat sie auch dort zu bleiben. Denn die Einwohner von

Zahlbach vergalten jetzt den braven Mainzern ihre tagtäglichen Spaziergänge

zu ihnen heraus, die Sonntagsfeste und Morgen- und Abendbesuche unter ihren

grünen Weinlauben, Kastanienbäumen und Wallnußbäumen, und flüchtete, jetzt

ihr -- Vieh in die Häuser der Stadt, ihre Habe und Gut, ja Weiber und

Kinder; denn das Dorf war kein Dorf mehr, sondern nur eine Caserne. Die

Clubbistenschanze stand mit Kanonen bespickt und mit Soldaten besetzt,

deren Vorhut im Dorfe stand, das nun der Belagerungsschauplatz werden

mußte. Und so hatte Christel nur eine Bitte: daß Johannes mit ihr in die

sichere Festung Mainz käme! Er aber wollte sein Erbe nicht Preis geben, und

Alles zu Grunde gehen lassen, ohne es so lange wie möglich geschützt -- und

dann seinen Untergang wenigstens selbst mit angesehen zu haben. Und so

zeigte er jetzt den Muth des Landmanns, den Muth, den er seiner Christel

unlängst mit kurzen aber wahren Worten versichert; und er wollte nicht sich

selber, was sie besaßen, für sich bewahren, sondern eben für seine Christel

und ihre Kinder. Und so gut er ihr war, so fest blieb er bei seinem

Vorsatz, wenn er ihn auch nur in halblauten milden Worten mehr andeutete

als vertheidigte. »Thut es Noth,« sprach er, sie bei der Hand fassend,

»dann bist Du bei mir, oder ich bei Dir -- wie der Herr trifft. Denn die

Soldaten laden und feuern nur los -- auf Gottes Gnade und in Gottes blauen

Himmel.«

Da nun auch ihr Pathe Leinweber Krieg dablieb, der als vieljähriger Wittwer

sein Hauswesen und selbst Küche und Heerd und Töpfe zu seiner eigenen

Zufriedenheit wohl bestellt, ja wie er sagte, sich sogar nie eine

sogenannte Suppe versalzen habe, die -- er nicht habe essen können oder

müssen; so brachte Christel ihr Haus in enge, leicht übersehliche Ordnung,

führte die beiden Männer in Stall, in Keller, in Hausgewölbe bedächtig und

belehrend umher, und deckte alles auf, und wieder zu, damit sie wüßten, wo,

wieviel und in wie gutem Zustande alles vorhanden sei; klopfte mit dem

Knöchel des Fingers an die ganzen Töpfe, und stellte die wenigen bei Seite,

die einen Riß hatten, aber doch noch gute trockene Dienste leisteten; wobei

der Pathe versprach, einen sogenannten Ring von Draht um dieselben zu

legen, oder nach Verdienst und Würdigkeit dieser alten stillen Freunde und

Hausgenossen, sie über und über in Ketten und Banden zu legen, oder zu

überstricken. Als sie dann auch beide, Einer nach dem Andern, in die

Rauchkammer hatten gucken müssen, was sie, des Rauches wegen, mit

zugemachten Augen gethan, und als der Gevatter Pathe die prächtig gefärbten

starken wohlriechenden Schinken, Speckseiten und Würste -- aus Liebe und

Zutrauen zu Christel -- mit Verwunderung über das sogenannte quale et

quantum aufrichtig gelobt hatte, so war die Uebergabe geschehen; und

Christel stand im Hause als sei sie überflüssig, verborgt, verschenkt oder

verkauft, und ihr war zu Muthe, sie wußte nicht wie. Sie legte an die

Bestellung des Abendessens keine Hand an, schlich nur einmal heimlich

nachsehen, schürete das Feuer, legte, wie ein kleines Mädchen, spielend ein

Scheitchen mit zu, nahm es aber aus Rechtschaffenheit wieder weg und

löschte es in der Asche aus -- und legte es doch wieder ins Feuer, weil es

einmal angebrannt war und verrathen hätte, daß sie die Küchenmeisterin

gemacht. Dann setzte sie sich an den Tisch wie ein Gast beim

Kirchweihfeste, ließ lächelnd decken und auftragen und Jedem und sich

selber austhun und aß -- ob ihr gleich vor Bangigkeit kein Bissen schmeckte

-- von allem recht viel, und lobte die Speisen und die zwei Köche, die

dasmal nichts versalzen noch verdorben, und vermahnte sie scherzhaft so

fortzufahren! St. Etienne war über Nacht auf dem Posten; und Johannes ließ

in der Ferne der ruhigen Zeiten dem Gevatter Pathen, zur Dankbarkeit für

seinen Beistand, wieder die Aussicht auf einen fröhlichen Kindtaufenschmauß

erblicken, bei einer kleinen _neuen_ Clementine, oder am liebsten: der

alten vorigen -- wenn der Herr seiner Christel _dieselbe_ wieder in

ähnlicher Gestalt in die Wiege legen wolle. Ihre in Thränen schwimmenden

Augen aber verlöschten die Aussicht wieder, und sie saßen still, dankten

still, und standen still vom Tische auf, nachdem sie ihrem Johannes noch

einmal die Hand über das weiße Tuch hinüber gereicht, um seines Lebens

Wärme zu empfinden und von seinem Dasein recht handgreiflich überzeugt zu

werden. Dann aber sprach sie als gute Wirthin nur leicht: »Aber ihr alten

Kinder, das ist ein _gutes_ Tischtuch! Jetzt verrichten es die mittlen. Und

ihr kleckt nicht wie die Kleinen -- zur großen Wäsche bin ich wieder zu

Hause.«

Dann gingen sie ruhen. Am Morgen aber stand sie allein schon lange vor Tage

auf. Ihr Johannes schlief zu fest; so ließ sie ihn schlafen. Aber wie sie

an die Thür trat, hatte er ihr im gelben Morgenscheine, eine fahle

todtenähnliche Farbe auf Gesicht und Händen. Sie trat hastig hinzu, und sah

-- aber er athmete leis und schlief so ruhig -- und ruhig ging sie weg,

während Daniels Monats-Täuberich, schon früh auf im Taubenschlage, über

ihnen im Giebelfelde zu Neste heulte und trommelte. Wenn aber ein

zukunftskundiger Mann oder ein Geist, der das kleine Leben der Menschen

überschaut, sie gesehen hätte so ruhig hinweggehen, der hätte gesagt:

So schlummert der Wandrer

Voll sicherer Gnüge

Im eigenen Hause

Noch einmal, auf lange,

Der sorglos und trauend

Am blühenden Morgen

Von Weib und von Kindern

Dann scheidet, kaum einmal

Sich umsieht -- und hingeht,

Wo jählings am Abend

Der Tod ihn ereilet,

Ihn schweigend die Fremde

Verschlingt und zurückhält;

Und Heimath und Hütte

Mit Bäumen und Blumen

Sie bleiben auf immer

Still hinter ihm stehen,

Und ruhig bescheint sie

Die leuchtende Sonne!

Die Osternacht. Zweite Abtheilung · 第 13 / 18 题