IX.

Das Weihnachtsfest kam während deß herbei, aber nicht als ein

dankbar-heiteres Fest der Geburt Christi, sondern als ein irdischer Lärm,

und als eine Gelegenheit: das wenige Wohlschmeckende noch zu verzehren, was

über den unfruchtbaren Winter hinaus bis zu den neuen Gaben der Erde hatte

langen sollen. Darum fehlten die Kinder nur Christel am meisten -- denen

sie _Freude_ machen konnte! Und doch bereute sie nicht ihre übereilte

Furcht, aus welcher sie dieselben in die sichere Stadt gebracht. Denn wenn

sie jetzt auch nicht am Leben gefährdet schienen, so war ihr kindliches

Herz und ihre junge Seele doch in Gefahr der Verwahrlosung durch die rohen

Gäste; und bei jedem frechen Worte und jeder frechen Geberde und That

derselben, welche die Kinder nicht sahen und nicht hörten, _dankte Christel

Gott, und empfand nur Freude, als fromme Mutter_, welche die Weise gefunden

hatte: die Welt sich immer gut zu deuten in dem ihr entgegengesetzten guten

Herzen.

Sie wollte den Kindern selbst bescheren gehen, saß in stiller Nacht vor dem

Backofen und buck jedem sein Christbrod; und jedes gedieh sehr schön und

ward groß; -- selber das Christbrod, das sie für die kleine umgekommene

Tochter Clementine, voll guter Sachen und voll großer Rosinen mitgebacken,

ging hoch auf, und färbte sich lieblich braun; und Christel sah es mit

feuchten Augen und weinte und dachte: »es geht Dir also wohl im Himmel,

mein Kind, das seh' ich an diesem Zeichen! Deine Bescherung aber soll ein

armes Kind bekommen, das dagegen ohne Mutter ist, wie ich ohne Dich!« --

Auch für den verschollenen alten Hausfreund Wecker soll sein Christbrod

groß und lockend daliegen, und der neue Rock dahängen -- bis er kommt! Und

zum Weihnachtsfest, oder doch zum Neujahr kehrt ein Jeder gerne heim. Sie

freute sich auf Weckern, sah ihn im Geist das liebe Gut verzehren und hörte

ihn wieder wie sonst dazu sprechen: »Daß wir durch des Christkindes Geburt

nicht mehr Sklaven der weltlichen und geistlichen Tyrannen sind, sondern

daß wir armen alten Schulmeister, ja jedermännig klüger sind, auch wohl

besser, als anderleuts Narren zu sein oder nur zu scheinen, das verdient

wohl, daß man ein paar Tage Christbrod ißt, oder wohl gar ein delikates

Stück Mohnstriezel, der einem im Munde zergeht!«

-- »Oder auch _zwei_ Stück!« sprach Christel dann fast laut, und legte ihm

in Gedanken noch ein tüchtiges Stück hin; und Daniel legte ihm still das

Seine auch dazu -- und Wecker bedankte sich nicht bei ihr und dem Knaben,

sondern bei dem Herrn Christus, besonders aber bei dem fast ganz aus der

Acht gelassenen, ja wie in die Acht erklärten heiligen Geiste, dafür, als

welcher es eigentlich so weit gebracht, daß Christbrod in der Welt sei --

und gute Menschen!

Darauf weinte sie im Stillen vor alter Freude, und zuletzt vor neuem Leid.

Aber das künftige kannte sie nicht, und ahnete es kaum; wie Niemand an

bunten warmen Herbsttagen den Alles weiß bedeckenden Schnee. Und doch war

ihr Herz voll Angst und Furcht vor der Zukunft, die sie gern gewußt hätte,

nur ein Augenblickchen gern hinter den Vorhang der Jahre geguckt, oder nur

hinter die Nebelwand, die vor dem nächsten Jahre hängt, um zu sehn, was für

Gestalten dahinter standen; blutig, glänzend, wohlthätig, oder schrecklich

-- alle aber vom Himmel gesandt; -- oder schon auf Erden wandelnd, aber

ihre eigenen künftigen Thaten und Werke noch nicht kennend, und unerkannt

unter der Menge wandelnd; bis ein Engel mit seinem Finger vom Himmel herab

auf ihn deutet, laut seinen Namen nennt, ihn anruft und spricht: »Nun sei

du selbst! Werde und wirke!«

Am Vorabend des Neujahrfestes 1814 trat da in der Dämmerung ein Mann in

Johannes Stubenthür und sprach: »Willkommen!« Sprich »Willkommen,« mein

liebes sogenanntes Pathchen, denn ich bringe Euch einen Gast mit! -- Ich

bin der sogenannte Leinweber _Krieg_ mit der Baßgeige; aber ich habe sie

heute nicht mit! Und der Fremde wird Euch gewiß lieber sein, denn er brummt

nicht so, und ist ein stiller Mann und alter guter Freund von mir -- und

wird nicht lange bei Euch verweilen -- sage ich Euch zum Troste. Nun tretet

nur ein, sogenannter Herr Prophet Adam! Hier wohnen treue verschwiegene

Leute. Das sei Gott geklagt! Nämlich: daß nicht in jedem Hause dergleichen

Adamskinder wohnen, mein Adam! Denkt, Ihr seid ihr Urvater, macht's Euch

bequem, und setzt Euch nieder, als wärt Ihr zu Hause im sogenannten

Paradiese. -- Marsch, hinein! nicht hinaus! denn ich bin kein sogenannter

Engel mit dem Schwert -- nur mit dem Stocke, der heut gewiß so müde ist als

ich -- ob ich gleich als Leinweber das Treten gewohnt bin, aber -- beim

Sitzen, nicht beim Laufen! Nun Christel, macht sogenanntes Licht; das

heißt: zündet es an, oder den Kamin! das heißt das Holz darauf, damit wir

uns sehen und kennen lernen, und Adam nicht glaubt, ich habe ihn in ein

sogenanntes Blindenhaus geführt, was jetzt die ganze Welt ist, nämlich

nicht für immer, sondern nur bis wieder die sogenannte liebe Sonne aufgeht,

das heißt: die Erde unter, das heißt: sich nur herumdreht mit den Betten

voll schlafender Halbtodter, das heißt: nur immer eine Nacht Todter. Also

nur Licht! Wärme, Brod, ein Schoppen Wein, und dann Stroh zu einem

sogenannten Bett, mein liebes Pathchen! Erschreckt nicht über meine lange

Eingangsrede; sie ist nicht der Eingang, sondern die Rede selbst, und ist

nun aus und heraus! Vorhin war mir das Maul von der Kälte zugefroren --

jetzt ist es aufgethaut.«

Christel schlug mit freudezitternden Händen Feuer und -- machte Licht. Dann

nahm sie dem lieben Pathen Leinweber den Pelz ab, und sahe mit sonderbarer

Scheu zum ersten Mal in ihrem Leben einen Propheten. Der Mann war schlank

und hager; seine großen schwarzen Augen funkelten sie an, und sie sahe

darin Gutmüthigkeit, Treuherzigkeit und viel mehr Demüthiges als Stolzes,

und vielmehr Offenheit als Schlauheit; wenn auch sein Mund nur freundlich

grüßte, aber zurückhaltend dann schwieg, oder nur die nöthigsten Worte

sprach. Denn er schien menschliches Wesen, den Lärm um das Heut und das

Jetzt immerfort zu belächeln, wie das brennende sich verzehrende Licht; und

doch beobachtete er alles Geschehende scharf, und schien es nicht recht

fassen oder sich damit vertragen zu können. Und so lag eine gewisse, schwer

zu verhüllende Hast und Ungeduld in seinen Geberden und Schritten, bis er

wieder in einer Ecke still stand und sah und zusah. Wie Jemand, der selbst

auf einer weitschauenden Höhe steht, und hinter den Bergen her viel fremde

wunderbare Gäste erwartet, die ihm haben zusagen lassen: »sie würden

kommen,« und die alle Augenblicke, aber auch in Jahren erst kommen können,

und die zu erwarten und zu begrüßen er auf die Höhe gestellt ist. Und so

lag auch Ueberdruß auf seinem blassen Gesicht, und seine Kleidung war nur

-- Kleidung, und schien nicht sorgfältig angezogen, sondern nur umgehangen.

Auch seine schweren langen schwarzen Haare hingen ihm grad und schlicht,

ohne zu glänzen, bis auf die Schultern herab. Seine Sprache aber drückte

selbst das Gewöhnliche so aus, als sei sie bloß für diese jetzige Sache von

ihm erschaffen worden, und solle in der Welt nichts anders mehr bedeuten;

und so erschien sie klar wie Wasser, das den Grund durchsehen läßt, doch

nicht wie geprägtes fertiges Gold, sondern wie solches, das eben geprägt

wird, das mühsam aber sauber und fehllos unter dem hörbar arbeitenden

Stempel hervorkommt.

Sie hatten kaum zu Abend gegessen und sich ausgeruht, als ein furchtbarer

Lärm im Dorfe entstand. Alle Soldaten liefen bewaffnet hinaus, und auch die

Bewohner von Zahlbach standen eine Zeitlang betäubt in jenem allgemeinen

Erschrecken, in welchem alles Grause, das in der Natur ist, aufgeschrien,

wie Ungeheuer des Himmels, des Meers und der Erde drohend und schnappend

mit offenen Rachen die Menschen umlagert, und gegen welches das größte

Unglück nur Kinderei wird, wenn der Schreck seinen Namen durch die Taufe

der Zeit erhalten. Und so ward sogar allen leicht um das Herz, als sich ein

nahender Bote erbarmte und kund that: »Mainz brennt!«

Nun eilten Viele auf die Clubbisten-Schanze. Aber es war nur dort ein

matter niedergehaltener Schein über der Stadt zu sehen; oder bisweilen

einige leuchtende Funken um die Thurmspitzen, und dumpfes Geräusch scholl

auf; dazwischen auch wohl ein Knall, hier einer und dort zwei, auch drei;

dann schwieg es wieder und rauschte und rief nur fort und blieb hell,

Johannes mit seiner Christel und der Leinweber Krieg mit seinem Propheten

Adam Müller stiegen also auf den noch höher liegenden Berg zur Seite. Krieg

prophezeihe Unglück -- denn die sogenannten Verbündeten gingen in dieser

Nacht über den Rhein! . . .

»Friede! Friede! Es ist Friede!« scholl es von der Clubbistenschanze.

»Friede?« rief Adam, aufglühend vor Zorn, »Friede! Der ist nicht! Der wäre

schrecklich! Das kann ein Kind begreifen! Die Völker sollen Eins werden --

und im Kriege erkennt Jedes das Andre als ein eigenes Wesen mit eigenen

Rechten und Ansprüchen, und fühlt sein eigenes Unrecht und seine Sünden

. . . wie seine Wunden! und kann den Himmel mit Händen greifen . . . wie

seine Leichen. Friede? Entsetzlich! Wie würde da Frankreichs Licht

ausgegossen über Europa! Der Kosak sticht in ein französisches Herz mit der

Lanze, wie ein Hammerschmid in den hohen Ofen, und eine ganze Gans, ein

Strom Feuer fließet ihm zu! Deswegen sind die rohen unwissenden Völker so

kriegslustig -- um zu wissen, und sterben gern wie Ameisen; denn sie

wissen, ihre Nachkommenden erstürmen die Zuckerdose!«

In Mainz flogen Leuchtkugeln auf, und die nächste Umgebung ward schwach

erhellt davon, wie von vielen kleinen zerplatzenden Monden.

»Seht nur,« sprach der Leinweber; »das ist ein sogenannter alberner Spaß

für einen Propheten, der den Feldmarschall Blücher wieder besuchen und ihm

den Verlauf und den Ausgang des Krieges prophezeien will -- nämlich daß

alle sogenannten Schlachten jetzt so gut wie halb umsonst geschlagen

werden, und daß das viele junge Blut jetzt umsonst fließet, weil Napoleon

wiederkommt nach Jahresfrist -- und nun machen sie Friede in Mainz!«

»In Mainz!« versetzte Adam. »Der Friedensjubel ist nur eine Maske, in

welche die endlich auch einmal schlau gewordenen Deutschen die Feinde

gesteckt, damit sie drin tanzen und nicht -- den Uebergang über den Rhein

sehen.«

Also wird _der Kaiser_ vom Throne gestoßen werden? frug Johannes. Sagt uns

doch auch Etwas!

»Das kann ein Kind begreifen!« sprach Adam; »freilich der Kaiser; denn ein

ganzes Volk läßt sich nicht absetzen von seiner Menschenwürde oder _auf den

Thron stoßen!_ Darum sind alle Kanonen nur auf Ihn gerichtet, welche

freilich den armen Franzosen Arme und Beine zerschmettern oder den Leib

aufreißen, weil ein Potentat nur aus anderleuts Gliedmaaßen besteht. Aber

nur ein schwangerer Mann wird ihn überwinden; denn mit einem solchen

Elephanten-Unternehmen trächtig gehen, ist kein platter Spaß, sondern ein

höherer Ernst, ihr Leutchen! Sein Sieger muß glauben, einen Elephanten

gebären zu sollen. Nur wie man das einmal auf's Theater bringen will, oder

malen, ist meine Sache nicht; aber auch eingebildete Dinge sind wahr, und

wär' es ein junger Elephant. Das Blut muß aber doch vergossen werden.«

Und dann wird Friede? frug Christel fröhlich und getrost.

»Das kann ein Kind begreifen!« sagte ihr Adam. »Aber, meine Frau Christel:

ein Donnerwetter im Frühjahr ist nur eine sichtbare, hörbare und wandelnde

Schaffung der Blüthenzeit auf der Erde. So soll und wird der bekannte

gemeine Krieg nicht aufhören, damit der bekannte gemeine Friede wird,

sondern damit der reine _große ewige_ Krieg wieder anheben kann, welchen

die Menschheit unter sich tagtäglich kämpft. Denn Leben ist der Streit und

das Ringen nach Weisheit, Recht und Freiheit; und in diesem soll bewährt

werden die Liebe und die Tugend; denn die Thränen und Wunden, die Schmerzen

und Tode in dem _stillen Kriege_ der Menschen, der da Frieden heißt, sind

unaussprechlich tiefer, schwerer und tödtlicher, und millionenfacher -- als

in dem lauten Kriege. Darum bete ich um Frieden, auf daß der wahre Krieg

wieder seinen großen Verlauf beginne; und der leibliche Krieg muß nicht

mehr geduldet werden von keinem Volke, weil er den Welt- und Geisterkrieg

nur unterbricht. Und da müßte Einer oder Mehrere blind, stock -- blind

sein, wenn sie nicht sehen, daß das deutsche Volk nun aufsteht die

Auferstehung, die mit dem nie dahin begrabenen Kaiser im Kyffhäuser

gleichsam begraben liegt, seine große, ganze Auferstehung! Nicht dafür, daß

Jeder wieder seine vorher so beglückten Leute wieder so wie bisher

beglücken soll; denn das kann ein Kind begreifen: das Volk steht nicht

begeistert auf für Andere, sondern für sich, von einer großen Ahnung voll:

das große gemeinsame Vaterland soll leben und dastehn, nicht Heinze oder

Kunze, die als Sterbliche doch bald umfallen. Für Heinzen und Kunzen opfert

es also scheinbar auch sein Blut; deutlicher aber schon: um die Schande los

zu werden, daß es ein fremder Tyrann nach seinem eignen Gefallen

beherrscht. Und Deutschland wird durch seinen Sturz sich emporrichten; _den

ihm Niemand abgewehrt_, den im Gegentheil ihm Viele lange herbeigeführt

haben durch Habsucht und Uneinigkeit; und Deutschland wird durch seine

Erniedrigung erhöhet werden, wozu ihm nur Gott der Herr hilft. Und das weiß

das Volk -- und Gott! Und das Volk wird siegen mit Gott!«

Jetzt erdonnerten hundert Kanonenschüsse rund um die Stadt, aus feurigen

freudigen Schlünden, wie Triumphhall; die deutsche Erde bebte, und die

deutschen Augen weinten auf dem Berge. Aber Adam setzte sich traurig

nieder, sahe auf Mainz hin und weinte auch, aber ingrimmig; und der Mann

schien eine feurige Flamme, die aus der Erde gefahren, und aus der Flamme

sprach es: »Ja, jubele nur Du unschuldige Stadt, Neu-Bethlehem, Du Stadt

des Unheils der unschuldigen Kinder, um _das Wort der Weisen_ zu Schanden

zu machen: daß die Erlösung nun da sei und das Licht geboren! In Dir wird

man hören aus thörigen Kindern, was -- die Erde will, und um dieser Kinder

willen wird man ein Netz über alle Lande legen, ein eisernes Netz, das

zehntausend Millionen Goldstücke kosten wird, und in _einer Sommernacht_

zerreissen wird wie von Spinnenfäden, und dann keinen Kreuzer mehr werth

sein wird, wie ein zerrissenes Kreuzspinnennetz! Denn die Kreuzspinnen

werden es spinnen, und eine große Kreuzspinne mitten darin still sitzen und

Spinnen brüten, und hineilen, wo nur ein Fädchen sich lösen möchte. Aber

das Netz hat der Spinne letzte Lebenskraft gekostet; sie kann es nicht

wieder verschlingen, nicht mehr verdauen, um es neu zu weben, so lange der

Himmel bleibt.« --

Da erscholl mit erschütternder Wirkung vom Thurme des Domes Posaunenhall

durch die Nacht, und himmlische Luft trug unter den heiligen Sternen und

über der heiligen Erde die Worte her: »_Herr Gott, Dich loben wir!« --

»Herr Gott, wir danken Dir!_« --

»Er hat schon geholfen!« schrach der Leineweber. »Mir ist, als spielte ich

das Lied mit meinem Basse mit, und striche furchtbar dazu, daß es die

adligen vornehmen Todten in den Grüften beim Altare hörten, und die

gemeinen Bauern-Todten draußen in schlechter Erde auf dem Gottesacker!

Blaset nicht mehr! Ich halte es nicht aus -- ohne meine Baßgeige! Hört auf,

ihr Menschen!«

Und gleich auf der Stelle trifft das ein, was Ihr voraussagt, Herr! sagte

Christel. »Das Netz soll zerreißen« -- und gleich danken sie Gott dafür in

Mainz!

»Nicht nur in Mainz, meine Christel!« sprach Johannes. »Aber besinne Dich

nur! Denn Du vermischest seine wahre Rede mit ihrer falschen Freude; --

eigentlich posaunen sie Unsinn! Sie sind nur zum Narren gehabt!«

»Aber nicht Narren! -- Hilf Deinem Volke, wirklicher, nicht nur sogenannter

_Herr_ und Gott! _Das_ trifft gewißlich ein;« meinte der Leinweber.

»Alles Gute trifft ein. Denn das Gute ist Gott! Und Gott ist nicht todt zu

machen, _und Gott bleibt nicht aus!_ Er ist immer da und nah! Gebt acht!«

-- sagte Adam Müller. --

Und eine ungeheure Nachteule, groß wie der Vultur papa, oder auf Deutsch:

der Papst der Geier, rauschte niedrig am Boden vor ihnen vorüber, und

krächzte schauerlich-furchtbar und furchtsam wieder heran. Denn sie war

geblendet, und wahrscheinlich aus dem alten, dunkelrothen Dome der Stadt

verblasen und verschossen worden. Sie setzte sich nahe vor ihnen hin; ihre

Augen funkelten; ihre Federn standen ihr zu Berge; sie war aufgehuschert,

wie zum Schlafe. Und Peter, der Hund, der ihnen nachgekommen war, stürzte

sich auf sie, und zerfederte sie; aber die Eule klammerte sich über seinem

Maule fest, und hackte nach seinen Augen; und der Hund heulte, von ihren

Krallen zerkratzt, durch die Zähne; schnaufte, boll dumpf, wälzte sich, biß

sie endlich todt, und schüttelte das schändliche Schloß mit Schmerzen und

Qual vom Munde, und kam dann blutend und doch fröhlich zu den Menschen.

Allen war grauenvoll zu Muth.

Ist das auch ein Zeichen heut in der Neujahrsnacht? frug Christel.

»Die Natur verstehe ich nicht auszulegen;« erwiederte der Prophet, »ich

sehe nur _Gesichte_. Aber etwas Aehnliches kann kommen. Denn das deutsche

Volk nimmt jetzt einen ungeheuren Anlauf zum Hohen und Großen, wie nie

zuvor; und unfehlbar auf immer; und wenn es Eines wird in Sinn und Geist,

würde es furchtbar allen Blinden und Taubstummen -- _wenn_ es nicht ein

treuer Hund wäre, der eher wacht und schützt, als raubt und verschlingt,

wie ein Wolf. Deswegen werden die vergrößerungssüchtigen, falschen --

Türken seinen Herren falsche Angst machen; daß der Hund nun ein Ungeheuer

werden könnte, und bitten und rathen, und _befehlen_, daß ihm ein Schloß

vor den Mund gelegt werde, damit er nicht . . . reden lerne wie Bileams

Esel, und kaum klagen könne seine Nothdurft, aber nur dumpf, aber nicht

bellen noch beißen -- das treue arme gute Thier! Seht nur, wie Peter

blutet! heißt er nicht so? Denn was jetzt geschehen wird, das kann ein Kind

begreifen . . . aber in den dreißiger Jahren, wenn der Komet kommen wird

. . . da wird die Erde Angstschweiß schwitzen, wie ein Roß vor dem Kameel!

Und wie die Fliegen, die auf dem Rosse sitzen, von dem Angstschweiß

sterben; so werden die Menschen, die Fliegen und Würmer der Erde --

sterben. Denn heut ist es ein Jahr, da klopfte es um Mitternacht an mein

Fenster. Ich horchte; aber ich las still fort in den großen Propheten. Da

klopfte es wieder. Ich sah hin -- es schwieg -- ich las fort. Aber -- ich

weiß nicht auf welche Weise, ich schlich leise zur Hausthür, und harrte.

Und als es zum dritten Mal pochte, riß ich die Thüre auf, um zu sehen, wer

. . . doch ich sah -- laßt mich schweigen -- ich sah _Jemand_ in einem

weißen langen Gewande, weiß, wie der Schnee . . und es blickte mich an mit

hohlen Augen . . . und es winkte mir fort -- und als ob ich von ihm an

einer Kette geführt würde, mußte ich folgen, und wir schritten durch das

mondhelle todtenstille Dorf auf den mondhellen todtenstillen Gottesacker --

-- und die Pforten der Kirche standen offen, und es zog mich hinein, und

die Pforten fielen hinter uns zu, und die Schlösser verriegelten sich --

die Gestalt deutete nach dem Altar, und versank vor meinen Füßen in die

Steine des Bodens, wie Wasser zerrinnt; und ich stand allein in der

mondhellen todtenstillen Kirche. Aber sie war heller als von einem bloßen

Monde, und so still, daß ich das Blut vor meinen Ohren sausen hörte, wie

Rauschen des Meeres. Und aus Furcht schritt ich zu dem Altar hin, wo es

heller war, und die Gestalten von Engeln wenigstens aus Stein gehauen um

mich waren. Aber da kamen vor meinen Augen -- wie drei goldene Kähne still

aus einem Wasser tauchen -- drei Särge aus dem Boden herauf, und an jedem

stand eine Jahrzahl, wie von einem inwendigen Feuer glühend und licht. Und

mich zog es wider meinen Willen hinzu, und ich mußte den Deckel des ersten

Sarges abheben -- und der Sarg war voll von warmem noch dampfendem

Menschenblut -- aber das Blut schrie leis und unaussprechlich bang zum

Himmel, wie ein neugebornes Kind schreit in seinen Windeln. Das Blut aber

wimmerte in drei Sprachen zum Himmel . . . und nannte drei Namen, und rief

über jeden Namen dreimal Wehe! -- und die Engel neben mir riefen: »Wehe!«

-- Und ich konnte es nicht ertragen. Und um Grausen mit Grausen zu

vertilgen, riß ich den Deckel vom zweiten Sarge . . . und ich sah . . . er

lag voll Menschengebeine . . . und die Gebeine regten sich und klapperten,

und dürre Hände falteten sich wie zu beten, und wollten sich aufstellen und

konnten nicht, und fielen immer wieder in die Asche zusammen, wie

Kartenhäuser den Kindern . . . . Und der tiefste Ton in der Orgel fing an

zu sausen und mit dem Tremulanten zu zittern, daß die steinernen Glieder

der Engel zitterten und klapperten; und die Steine der Kirche zitterten und

klapperten mit, und die Fenster klirrten; der Mond von draußen und das

Licht von drinnen erlosch, und ich stand in schwarzer Nacht. Und vom

Orgelchor sang eine einsame Stimme eines Knaben -- vom Tremulanten in einem

Tone begleitet, die Worte: »Und dann, wenn kein Elend mehr laut genug

ächzen kann, dann wird ein Schaafsterben kommen und die Hirten erschrecken.

Endlich muß Jeder dadurch einsehen: »Jeder sorgt zugleich für sich am

besten, wenn er für die Andern sorgt: für die Armen, die Hungernden und

Nackten, und die _zugleich_ arm, hungernd und nackt sind! Endlich soll nach

den sechstausend Jahren seit der Schöpfung im Paradiese, Gottes Ebenbild

und alle seine tausend kleine Bilder, nicht mehr tausendmal schlechter sein

als das Vieh, das sein Fell -- seine Kleidung, sein Gras -- seine Nahrung

hat für den Leib. Denn selbst das Vieh bleibt nur gesund und giebt Nutz,

wenn es sein Futter bekommt zu rechter Zeit. Aber demüthig, ohne Fell und

ohne Futter stehen noch Millionen Kinder Gottes und beten: »O Pest! Stecke

nicht durch uns die Reichen an, sondern eröffne die Augen derer, die Zungen

haben, daß der ungerechte Ueberfluß aufhört, und die überflüssigen Rechte,

daß nicht länger Unbarmherzigkeit sei auf Erden! Darum soll dein Name, o

Menschenvertilgerin, genannt werden: »Die endlich barmherzige Mutter der

Menschheit!« -- Da erklang ein ungeheurer Lärm von lauter verstimmten

Instrumenten, Geigen und Bässen, Fagotten und Hörnern und Trompeten und

Pauken; die Orgel aber spielte noch obendarein einen halben Ton tiefer

dazu, und ein _Gelächter_ erscholl, wie von hundert brüllenden Löwen. Ich

sah mich um, und alle Orgelpfeifen waren gleissende dicke Schlangen und

hatten Teufelsköpfe, und die Köpfe lachten alle; und eine große Schlange

zischte und gebot dem Gelächter Stille, und die Stimme sprach dann herab:

_Niemand ist barmherzig als Gott!_ Kein Teufel läßt einen Kreuzer aus

seinem Sacke Gold fahren; kein Gewaltiger läßt ein Haar nach von seinen

geerbten Rechten, als höchstens gezwungen ein Paar, um die übrigen sich zu

erhalten! Niemand ist barmherzig als Gott! Kein Teufel!« -- Und die Köpfe

verfielen wieder in ihr Gelächter, und lachten sie aus die Barmherzigkeit

der Menschen. -- Und wie mir da grauenvoll zu Muthe war -- siehe da

springen die Pforten der Kirche auf, und blendendes Licht bricht herein;

und die Halle bricht oben aus einander, und die Gewölbe und das Schiff der

Kirche bersten oben auseinander, und als wären die Mauern und Pfeiler und

Säulen von blauem Weihrauchduft, werden sie lichter und lichter,

durchsichtig und leicht, und duften nach und nach hinweg; und der tiefe

blaue Himmel ist droben und drunten und um mich. Und ein Stern, groß wie

zwölf Scheiben des Mondes, und weiß wie Schlehenblüthe, nahet da langsam

wie ein Mensch, kommt herein in den Raum, und ich weiche vor ihm bis an den

Altar, und er nahet und bleibt ruhig schwebend, wie die Sonne am Untergange

anschaubar stehen vor den drei Särgen. Und der Stern war -- ein großes

himmlisch-schönes Antlitz, und es blickte mit thränenfeuchten Augen auf die

Gebeine im zweiten Sarge, und das Blut aus dem ersten Sarge sprach wieder,

aber leise: Das ist _das leidende Gesicht der Menschheit!_ Sieh es an! --

Und ich schaute es nun getroster an, und das Blut sprach: Siehst Du das

leidende Gesicht der Menschheit von solchem Nebel umblasen, daß es wie

blind ist und nicht gern die Augen aufmacht, weil ihm die Augen übergehen!

Verwegene Buben haben ihm Nießwurz unter die Nase gestrichen, und es muß

niesen, und schlägt mit dem Kinn auf das vor ihm zugemachte in Eisen

eingebundene harte Buch, worin es gern lesen möchte . . . die

Weltgeschichte. Das Haupt ist wie ein Engelshaupt, ohne Leib, ohne Hände

und Füße, und rückt nur höher wie die Sonne; aber in tausend Jahren nur

eine Spanne hoch, und sieht noch kaum die Erde vor Nebel und Glanz. Aber

ach, es hat auch nicht Flügel wie Engel, und es muß auf Erden bleiben, es

mag ihm gehen wie es will. Andere Dämonen wollten ihm die Augenlieder

abschneiden, wie griechisch-gläubige Kaiser ihrem Vorgänger, damit es

niemals schlafen könne, sondern nur, unschädlich, in einem irrigen Traume

dahin starre! Sieh nur; das kindlich fromme Gesicht hat Wunden über und

über aus tausend Kriegen, und Pestspuren, und sieht hungersatt, arbeitsmatt

und kummervoll aus, und trägt einen Ausdruck in seinen götterschönen Zügen,

der selbst dem härtesten Menschen das Herz im Leibe erweichen müßte, wenn

er eins hätte -- und ihm das leidende Gesicht der Menschheit einmal

erschiene. Du aber bist gewürdigt worden es zu sehen, und sage es nur, sage

nur die Wahrheit: das erbarmungswürdigste, ehrwürdigste, leidendste und

doch das schönste, was es geben kann, ist das leidende Gesicht der

Menschheit! -- -- Ich selbst nun wollte ihm einen frommen Trostspruch aus

Gotteswort in das Ohr rufen -- aber das Ohr war taub! und ich hatte zu viel

Ehrfurcht, um zu schreien; aber das Haupt neigte sich, wie ein

stillwahnsinniges Kind, und seine frommen großen milden Augen sahen

freundlich auf mich; über das Antlitz flog einmal -- ein trauriges Lächeln,

und die schönen Lippen zuckten, als wollten sie sprechen. Aber es bedeckte

seine Augen wie blaue Glockenblumen, mit den schöngewölbten,

langbewimperten Augenliedern -- und schwieg. Und ich rief außer mir:

»Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht; mit Gott im Himmel hadre nicht!«

und es war, als hätte das Haupt sein Herz in der Erde, und das Herz

desselben schlug laut unter mir, und hämmerte wie ein tiefes unterirdisches

Werk in stiller weithörender Nacht. -- Und der Chorknabe stand jetzt

drunten neben mir in himmelblauem Gewande und frug, und Thränen rannen ihm

dabei über seine reinen Wangen, er frug: »Ist es möglich, giebt es wohl so

harte selbstsüchtige Herzen, dies Himmelsantlitz so tief zu kränken! Ist es

möglich, ihm nicht alles Liebe und Holde zu thun, ihm selbst sein Herz zu

opfern -- nicht wie dem Abgott Fitzliputzli -- denn das Antlitz ist Gottes

Ebenbild und Gottes des Sohnes Ebenbild -- und was ihr ihm thut, das habt

ihr _ihm_ gethan -- _oder ihm »nicht« gethan_. Aber hast Du Muth zu sterben

und nur eine Viertelstunde todt zu sein (wenn Du, der schändlichen Welt

entrissen, nicht immer unter den Seligen bleiben willst), so will ich Dich

schauen lassen, welche Strafen und Qualen alle die leiden, die diesen

Himmelsaugen nur eine Thräne ausgepreßt, über die das in der Erde

schlagende Herz nur einmal verborgen geseufzet!« -- Und er sank hin vor

meinen Augen und starb und war todt -- und eine geheimnißvolle innere Macht

hielt mein Herz an, wie eine Uhr, nahm den Hauch aus meiner Brust und

schloß mir leicht und süß die Augen zu, und ich war gestorben und todt --

aber ich wunderte mich, daß ich noch lebte, als der Knabe mir an einem

fremden Orte leuchtend entgegentrat, daß ich sah; aber Alles klarer, so daß

ich zugleich es einsah; und daß ich hörte, aber aus ungemessenen Fernen,

und doch Alles deutlich unterscheidbar und unterschieden. Und wir standen

auf einem Berge, mitten in grüner, großer Ebene, groß, wie dem Schiffer die

offenbare See um ihn her; doch die Ebene schien wie die Erde voll

Saatfelder, Bäche, Flüsse mit Bäumen besäumt, mit Hügeln und Felsen und

wunderlichen Gebäuden und altem Gemäuer besetzt, und sonderbare Gestalten

regten sich emsig im ganzen Gefilde. In der Mitte desselben stand ein

riesengroßer Kandelaber, und erleuchtete den ganzen Raum mit hellem

Purpurlicht; denn keine Sonne, kein Mond und kein Stern war hier zu sehen;

denn diese hatten noch alle ihre göttliche Arbeit in der lebendigen Welt.

Auf dem Kandelaber aber stand als rubinrothe Lampe -- ein Menschenherz. Es

war durchsichtig, und man sah das Blut in den Adern desselben umlaufen, und

zu den Ohren des Herzens lüfteten sich von Zeit zu Zeit lichte Flämmchen

heraus, wie wenn man Stahl in Lebensluft verbrennt; und in dem Kandelaber

liefen Röhren, wie Adern, hinauf, die dem leuchtenden Menschenherzen sein

Oel -- das vergossene Blut aus der Erde überall zusammensaugten und

heraufführten. _Wärme_ aber gab ein ungeheures Felsenthor in einem Gebirge

zur Seite, worin man Flammen brennen sah -- »das Feuer, das bereitet ist

vom Anbeginn« -- sagte mein Führer. Am Himmel waren keine Wolken zu sehen,

nur reine azurne Wand, aber in den vier Himmelsgegenden: vier himmelhohe

Bilder, nicht gemalt, sondern nur in Umrissen, ausgelegt mit

buntschimmernden falschen Edelsteinen. Ein Anblick, wie ihn selbst so groß

und erstaunend der gestirnte Himmel nicht zeigt, der dagegen nur aussieht,

wie eine -- blaue Wiese, oder eine blaue Höhe mit gelben Schmergelblumen.

Aber hier war Arbeit! Gegen Morgen ragte das Bild der _Herrschsucht_ empor,

und die Gestalt hatte ein Kind mit einer eisernen Spindel statt des

Rückgrates auf ihren Armen -- den _Stolz_, der eine barbarische verachtende

Unterlippe hatte, an welcher drei schwere Ordenskreuze hingen. Gegen Mittag

aber stand die _Habsucht_, mager und lauschend, mit gierig umhergreifenden

Händen wie Polypen, die jappend und schnappend im Leeren sich selber faßten

und ansaugten und fraßen; weil der Himmel umher, wie eine Wand mit

Eisenspitzen bewaffnet war, daß sie sich blutig ritzten. Gegen Norden aber

stand die _Furcht_, wie auf dem Sprunge zu entfliehen, aber zu schwer

gepanzert, als daß sie entfliehen konnte; und sie trug an ihrem Gürtel

viele Arten Waffen. Ihr Mund aber war mit Schlangenzähnen besetzt, und

statt des Herzens, sah man durch die Gestalt -- trug sie einen grünen

Beutel voll Scorpionen, und auf dem Beutel stand: »Das böse Gewissen.«

Gegen Abend aber stand die _Religion_, aber sonderbarer Weise nur als ein

großer Deckmantel abgebildet, mit wunderlichen Zeichen, Mützen, Ketten,

Bullen und Bullenbeißern und Fackeln farbig gestickt. Wie eine große

Gallerie aber lief, über den Köpfen der vier Riesenbilder, horizontal unter

der Kuppel des Himmels umher, ein breiter schwefelgelber Streif mit einer

schwarzen Umschrift, die aber nicht still harrte, wie eine andere Schrift,

bis sie Jemand läse; sondern sie rief immerfort selbst ihre eigenen Worte

laut umher aus: _Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Land._ Denn,

sagte mein Engel: Gott hat zwar gesagt im neunten Gebot: Du -- also

Jedermann, wer es sei, denn Gott redet jeden Erdenwurm aus

Machtvollkommenheit mit »Du« an: Du sollst nicht begehren Deines Nächsten

Haus; und im zehnten Gebote hat er gesagt: Du sollst nicht begehren Deines

Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder Alles, was sein ist. Aber weil der

gute Vater der Menschen nicht erst die Vermessenheit eines sterblichen

Sünders für möglich gehalten, daß Einer hunderttausend Häuser, nebst

Millionen Weibern, Millionen _Knechten_, Mägden, unzählbares Schaaf- auch

Rindvieh und Alles, was ihr ist, _begehren_, ja sogar _nehmen_, ja sogar

_behalten_ würde; darum steht nun hier deutlich ausgedrückt: Du sollst

nicht begehren Deines Nächsten Land! Auch hatte er jene Gebote nur mit dem

Finger auf stumme Steine geschrieben; darum spricht sich nun sein

erläutertes Gebot ohne Rast und Ruhe Tag und Nacht, wie von Gott gerufen,

selbst ganz laut aus, und Niemand kann die göttliche Stimme hemmen oder zum

Schweigen bringen, noch in sich und in Andern betäuben; denn sie übertönt

Alles, und nach ihr wird an jenem großen Tage ein Jeder unerbittlich

gerichtet werden. Denn wie soll der gerechte, ja der barmherzige Gott

Jemandem seine tausend Pfund, oder so etwas Heiliges wie sein Weib und

seine Kinder, seinen Vater und seine Mutter wiedergeben, und die Seligkeit

dazu, wenn ein Mensch so etwas Sorgenvolles und kurz Besessenes wie ein

Land, seinem Nächsten auf Erden nicht wiedergegeben? Die zehn Pfund! --

Mitten in dem Aetherdome aber hing ein erstaunend und furchtbar großes

Kreuz, ganz einsam und allein, an einer langen, langen Wurzel des

Lebensbaumes herab; doch Christus hing nicht an dem Kreuze, sondern es war

nur verhüllt und umwunden mit schwarzem Trauerflor, und statt der

Inschrift: I. N. R. I., an der Stelle wo sein Haupt für die Menschheit

gestorben, glühten rubinroth die Worte: _Bis heute vergebens!_ Aber sie

riefen sich nicht selber laut aus über die Welt, wie des Gebotes Erfüllung:

Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Land, sondern sie schwiegen

unbeschreiblich wehmüthig anzublicken, und weinten immerfort, wie ein still

rinnender lebendiger Quell in Tropfen herab, die verblinkten wie Thau und

verdufteten wie Himmelsthau. Hoch droben aber, über dem Kreuze hing im

Schlusse der Kuppel des Alles umfangenden Aetherdomes die große Posaune zum

Weltgericht an Spinnenfäden; und ein Engel schwebte Wache um sie, mit einem

silbernen Mundstück in der immer bereiten Hand. -- Gerade unter dem

trauerumflorten gewaltigen Kreuze aber war ein Chor erbaut, auf welchem

sechshundert auf Erden ermordete Tyrannen und Herrscher, in Bärenhäute

gekleidet, saßen, mit ihren Weibern und Kindern und Brüdern und Schwestern

und Vätern und Müttern. Und ich hörte sie singen, und frug; und der Engel

antwortete mir: Höre nur, wie befangen, widerwillig und immer trotzig sie

singen; denn sie singen die Marseiller Hymne immer durch, und vom Ende

wieder zum Anfang in einem ewigen da Capo, bis der, wie ein feuriger Stahl

und Strahl auf die Erde gefallene Gesang, dessen gleichen seit Paulus

Worten nicht erscheinen, und seit welchem für die Menschheit das neue Reich

anhebt, bis er in ihr Haupt gestiegen, und wo möglich in ihr Herz, damit

ihre Seelen nicht verloren gehen. Denn das will der große Vater nicht! Sie

singen ihn aber zugleich zur Ermunterung der Millionen Arbeiter in diesem

großen Fabrikgefilde. Denn siehe, für alle Verbrechen muß erst

_Wiederersatz_ geleistet werden; und das konnten sie Alle nicht im Leben,

im immer gedrängtvollen, breit mit Werken besetzten Hause der Menschen;

darum müssen sie Schadenersatz und Genugthuung leisten im Tode. Und hier in

diesen Räumen -- dem Orte des Wiederersatzes -- hier ist unendlicher

unbehinderter Raum dazu, und unendliche unbehinderte Zeit. -- Denn ehe

nicht Jeder und Alle: Jedes und Alles wieder in den Stand gebracht, in

welchem es war, ehe er es verdorben, verwüstet oder zerstört, ehe kann ja

nicht _das Weltgericht_ beginnen, wo erst _die Sünde_ jeder That gewogen

und vergolten wird! Hier also ist die bloße Vorbereitung zum Weltgericht,

zum Gericht der Seelen, wo Herz und Nieren geprüft werden. Und der Engel

rief einen alten Griechen, der Gesanglehrer bei dieser Singacademie war,

und frug: Dionysius! Wer kann die Hymne? -- Sie singen und brummen alle die

Weise, die wir wissen: Du einem Menschen eingegeben hast; aber . . . aber

. . . ich will fragen! und nun frug er: -- He! Cäsar! -- Und mit Mühe und

Noth sang Cäsar -- der vor Lange unsern Calender verbessert -- den ersten

Vers:[A] »Sei uns gegrüßt du holde Freiheit! Zu dir ertönt froh der Gesang!

Du zerschlägst das Joch der Bezwinger, Du erhebst zu Tugend und Heil. Uns

zu erneu'n kehrst Du vom Himmel, längst deinen Geweihten ersehnt. Was hemmt

ihr Bezwinger, noch in verschworener Wuth die Erneuung? Mit Waffen in den

Kampf! für Freiheit und Recht!« -- und Alle fielen ein: »Wir nah'n, wir

nah'n! Beb' Miethlingsschwarm, entfliehe und stirb!« -- -- »Ja die

Chorworte wissen sie Alle!« sprach Dionysius lächelnd. »Aber, Richard der

Dritte! wie heißt der zweite Vers?« -- Und Richard wußte den Anfang nicht,

und stammelte die zweite Hälfte. »Ihr, die zum Vieh Menschen entwürdigt,

Unmenschen, ihr trotzt noch jetzt? Ihr straft, wo ein Gedank' ertönt, und

erzwingt fühllosen Gehorsam . . .« »Und der sechste Vers . . . Landvoigt

Geßler! wie lautet der?« -- Und Geßler stand auf wie ein großer Schulknabe

und brummte: »Und es erträgt zahllose Heere, die wie der Feind lasten und

drohen, nur genährt zum Dienste der Willkür, dem Gewerb' und Pfluge

geraubt! Und es erträgt Kriege des Throns, Arglisten und Launen ein Spiel!

und Jammer!« -- -- -- Da erscholl eine dumpfe gesprungene eiserne Glocke,

und läutete Mittag; und plötzliche Ruhe und tiefes Schweigen ward überall.

Vom Himmel aber regnete es Mannakörner, aber nicht zur Speise, nur statt

derselben. Denn ich kostete ein Korn, und es war bitter mit Galle gewürzt

-- damit _die Genugthuenden_ immerwährend nur einen bittern Geschmack im

Munde hätten, wie mein Führer sagte; und Becher mit Thränen gefüllt, welche

Menschen einst über sie geweint, gingen herum; aber nur die sonst am

durstigsten Gewesenen, setzten sie kaum an die Lippen, und gaben sie

weiter. Und während die Ersatzleistenden von ihrer Arbeit feierten, ging

ich in ihren Werkstätten umher, und sah und besah, was sie geleistet oder

noch zu leisten hatten; und ich erstaunte und sah vor Verwunderung empor --

da zog am Himmel sich ein Augenlied von einem Auge weg, das ich nicht

bemerkt hatte, und ein Donnerschlag erklang durch das ganze Gefild. Und

mein Führer sprach: »Entsetze Dich nicht! Lilith, des Teufels Großmutter,

schlägt ihr Wächterauge auf, um zu sehen, ob die Genugthuenden diesen

halben Tag genug gethan? Denn ein teuflisches Weib sieht am meisten, und

sieht am eh'sten, was fehlt; denn sie weiß am besten, was sie selber

unterlassen und verbrechen würde. Darum ist sie die Wächterin, und so oft

sie ihr Auge aufthut, fällt ein Donnerschlag, und die Trägen erschrecken

und fallen mit Hast auf ihr Werk. Aber hörst Du? Sie lacht! Hohngelächter!

Denn Nichts ist vollendet. Und Alles ist schwer zu thun, aber Ersatz zu

leisten am schwersten.« Und das sah ich nun selbst. Denn nicht weit von uns

stand die unbeschreiblich schöne Charlotte Corday; vor ihr lag der todte

frischerhaltene Marat mit noch bluttriefender Brust, und sie sollte die

Wunde des Dolches heilen; um sie standen alle köstlichen Salben, lagen

Geräthe und Binden -- aber sie saß nur, das Werk bedenkend, in tieferem

Schweigen, und düsterer Verdruß stand auf ihrem schönen ängstlichen

Gesicht. Weiterhin stand _Napoleon_ und hatte dem erschossenen _Palm_ die

Kugel aus dem Herzen gezogen, und hoffte ihn wieder lebendig zu seiner

Wittwe und seinen Kindern nach Erlangen zuschicken. Und ich sprach

verwundert: _Napoleon lebt ja noch auf der Erde_, und er steht doch auch

schon hier unten und leistet Ersatz! -- Ja, sprach mein Führer: »Der Leib

ist nicht der Mensch, sondern seine Seele, sein Wille. Der Mensch besteht

aus so vielen Thaten als er gethan hat, guten und bösen -- und mit jeder

That stirbt er einmal und stellt sich fest in ihren Reichen, in dem seligen

oder dem unseligen Werke; und so siehst Du Napoleon dort eben wieder; aber

einen andern seines Gepräges -- wie er dreimal hundert tausend Franzosen,

die erfroren sind, durch seinen Trotz und sein blindes Gottvertrauen auf

linden Winter, wieder durch Schnee, oder durch was er sonst meint und dazu

begehrt, lebendig machen soll, und so, daß Keinem mehr eine Zehe schmerzt,

oder eine Nase roth wird, wenn Nordwind streicht. Eher kommt er nicht von

hinnen. Und dort steht noch ein Napoleon, der den _Schill_ in der heiligen

Arbeit hat. Denn jeder Mensch muß selbst das entgelten, was er Andern

befohlen hat, die gehorchen mußten; und die da schlechte unmenschliche

Befehle vollzogen, müssen eben noch selbst auch dasselbe entgelten; denn

dort arbeiten noch zehn Andere an dem Herzog von Enghien, die ihn

erschossen haben, und jeder Einzelne hat seinen eigenen Herzog vor sich und

für sich. Darum siehst Du auch hier im Gefilde so wenige Könige und

Fürsten; meist nur die erbärmlichen Handlanger, Rathgeber und heimlichen

Regenten der Leidenschaften und Leiden der Regierenden: -- ihre Frauen,

Geliebte, Leibärzte, Kammerhusaren, Beichtväter, ja oft auch nur ihren Koch

oder Hofnarren in mannigfach angezogener Person. Denn die Fürsten sind gut,

und thäten gewiß lauter Königliches, wenn sie lauter edle Könige zu

Freunden hätten, nicht unzähliges Volk dazu wählen müßten, das sich in

Respect vor ihnen verhüllt, wie in eine Nebelkappe, so daß sie nie einen

Menschen sehen; denn ein ächter Mensch ist wahr und frei, weil er gut ist,

und gut, weil er frei ist, und nur das Gute, die Freiheit will und die

Wahrheit.« -- Und so erstaunt' ich nicht mehr so stark, als ich eine

verwüstete und verbrannte Stadt sah, die ich an ihrem schönen Dome als

Magdeburg erkannte, und keine Seele war darin -- als _Tilly_, der

Mutter-Seelen allein eine Kirche wieder aufbaute, die er zerstört. In den

einigen Jahrhunderten hatte er nun Ziegel gestrichen, Grund gegraben, und

war fast mit dem Sockel heraus; aber indem er hier mauerte, war dort ein

Theil vom Wetter schon wieder verwaschen und aufgelöset -- und er sah mich

wüthend an, als ich ihn lachend ansah. Eben so gewahrte ich _Suwarow_ im

Hemde arbeitend, wie er Warschau wieder baute -- und ich sah ihn auch

wieder vor einer dabei liegenden Festung -- Ismael -- wo er dreißigtausend

Menschen wieder Athem einblasen sollte. »So geht's dem treuen Diener der

Mutter!« sprach er; einem Throne dienen, und Gott, oder nur den schofeln

Menschen, ist ein Unterschied wie Suwarow oben und Suwarow drunten! Und er

sah mich wüthend an, als ich ihn lachend ansah. Weiterhin aber gewahrte ich

_wahre_ Kriegsräthe, die unübersehbares Elend gut zu machen hatten hier

unten, ob es gleich Gott der Herr wieder droben gut gemacht, so weit das

selbst der Allmacht möglich ist in der Zeit. Sie fingen aber ihr Werk

gründlicher an, als Charlotte Corday mit Marat -- sie studirten die Natur,

und Einzelne versuchten Einzelnes nachzumachen, Diese: Augen; Andere: Adern

und Nerven, wozu ihnen alle Zuthat unentgeldlich geliefert ward. Aber

Manche saßen schon Jahrtausende und sahen ganz schimmlig und ganz zerdacht

aus, und waren noch nicht mit der Bildung eines Auges zu Stande gekommen,

das nicht sah! geschweige mit einem Ohre, das nicht hörte! Andere hatten

zwar Zungen fertig liegen, aber sie _schmeckten_ nichts; denn es fehlte der

Jemand, der Geist dazu, den sie aus dem Tode nicht wieder in den beinahe

vollendeten künstlichen Leib herauf beschwören noch beten konnten, und

studirten nun: erst nur einen Geist zu machen. Kurz, ihre Arbeit war

schwer, und mehrere, selbst alte deutsche Minister und Kriegsräthe hatten

siebzig bis achtzig tausend Menschen herzustellen, die Pferde und Ochsen

ungerechnet -- die sie nachher machen wollten, oder sich an ihre Stelle

gestellen; und zum Trocknen der Thränen und Aufwaschen des Blutes wollten

sie sich Weiberkleider anziehen, wenn sie bis zu der letzten Arbeit gelangt

wären. Einige theuer bezahlte Engländer aber bauten türkische Flotten in

griechischen Häfen, und waren fast damit -- bis auf die Türken selber --

fertig, und fluchten ein God dam nach dem andern, daß ich entsetzt mich

entfernte. -- »Du wunderst Dich, über diese unerlassenen

Wiederherstellungen,« sprach mein Begleiter. »Und eure Könige fordern für

einen elenden Hirsch oder einen jämmerlichen Hasen erschrecklichen Ersatz

und Strafen, wenn Jemand eines dieser unvernünftigen Thiere in ihren

Thiergärten gebürscht. Aber in _Gottes Garten_ soll Alles frei stehen zu

verwüsten und zu zerschlagen, selber der Mensch! Aber seid ihr nicht besser

als viele Sperlinge? Und sind nicht alle eure Haare auf euren Häuptern

gezählt, geschweige eure Adern und Gebeine, eure Thränen und Kinder! Du

guter Narr! Und wisse: Auch Tyrannei, Gräuel und Mord darf kein Mensch

tyrannisch, graunvoll und mörderisch wieder gut machen, noch Unrecht auf

ungerechte Art. Glaube ja nicht, daß die Herrscher Alles thun, weder alles

Gute noch alles Böse; sie thun in Wahrheit sehr wenig in dem großen

Erdenleben, sondern bewachen das Volk bloß wie ein Nachtigallfreund die

Ameisen, welche die Eier ihm dahin tragen, wo er ihnen ein Grübchen gemacht

und mit Laub bedeckt. Das Volk thut Alles sich selbst, das Meiste aber

durch sein Leiden, und alle eigene Hülfe soll bloß die sein, daß Alle

besser werden, und wo möglich gut sind; dann fällt Unvernunft und

Gewaltthat nimmer es an, wie keine Leichenwürmer und Asseln den Leichnam

Christi, geschweige seinen lebendigen Leib, noch gar seinen verklärten, zu

welchem die Menschen ja werden sollen!« -- Ich schwieg tief betroffen und

überzeugt, ging beschämt von ihm -- und sprach mit Andern aus verschiedenen

Völkern; und Alle verstanden mich, und ich verstand Alle; denn hier galt

der Sinn der Rede wie Blumenduft, und die Worte waren nur wie erschütterte

Luft, die ihn fort- und hinführte. Aber auch hohle Gebilde sah ich reglos

liegen, denn ihr Geist war jetzt -- wo Nacht auf Erden war -- hinauf

geschwebt als Träume, damit sie ihre Söhne oder Freunde bewegten: das zu

halten für sie, was sie einmal versprochen und nicht gehalten. Und ich

rührte die entgeisterten Gebilde an, und sie zuckten wie Chrysaliden und

ihr Gesicht war in blutigem Angstschweiß gebadet und sah unbeschreiblich

flehentlich aus -- so flehentlich wahrscheinlich, wie ihre Seele jetzt bat:

ihr gegebenes heiliges Wort zu lösen! Und Grauen und Mitleid erfaßte mich

um die Elenden -- und ich sah mich selbst -- meine eigene hohle Gestalt,

die durch mein Nahen beseelt, wie rasend über mich herfiel, -- und vor

Schreck -- erwachte ich . . . in der Kirche, und als ich zu mir gekommen

war, faßte ich mir zum Troste meinen Begleiter an der Hand. Und als ich

mich in dem leeren Raume umsah, sprach er: »Du wirst das leidende Gesicht

der Menschheit wiedersehen . . im Kleinen abgedrückt auf allen

Menschengesichtern in dieser Zeit; aber groß und erschütternd zu schauen,

wird _es selber_ lebendig wiederkommen am Himmel . . . und _es wird der

Komet sein!_ Der Komet, der in zwanzig Jahren erscheinen wird, um ihnen

Frist zu lassen. Das Antlitz wird stumm fragen, tief in alle Augen und

Herzen blicken, und Schrecken über alle Bösen und Säumigen bringen,

Schrecken über Alle, die sich vor dem Volke fürchten mehr als vor Gott; die

da aus Selbsterhaltung fürchten ihm Gutes zu thun und sein göttliches Recht

und seine göttlichen Gaben ihm auszuhändigen, -- als sei Gottes Ebenbild

des Teufels Ebenbild, und die Menschen lauter Teufel! nicht: arme Kinder

der Erde, leicht froh zu machen und durch eine kleine Gabe herzlich

dankbar, und schwer weinend vor Schmerz und leicht schluchzend vor Freude!

-- Du aber verschweige nicht dies Gesicht; denn alle Engel Gottes schützen

den mit übergewaltigen Händen, der selber schuldlos und arglos im Herzen,

nur will: daß Keinem ein Uebles geschehe, selbst einem Wurme nicht, und der

durch himmlische Gesichte und Gottes unfehlbare Gerichte die Zweifelnden

warnt: nicht darein zu verfallen, sondern durch jede ihrer Thaten sich

täglich hinauf in das selige Reich zu stellen _und tausend Engel zu werden

aus einem Menschen_, und zu leuchten wie die Sterne; denn die Gerechten

sollen leuchten wie die Sterne; aber diejenigen, die da wissen, daß die

Gerechtigkeit nur göttliche Milde und feurige Liebe sei, und _Liebe_ üben,

die sollen leuchten wie die _Sonnen_ -- und Sonnen _sein!_

[Fußnote A: Von Johann Heinrich Voß.]

Die Osternacht. Zweite Abtheilung · 第 12 / 18 题