Kenntnis des Lausitzer Granitmassivs. Berichte über
die Verhandlungen der Kgl. Sächs. Gesellschaft der
Wissenschaften zu Leipzig 1915 Bd. 1. S. 117 ff.
[Illustration]
Weihnachten im Landesmuseum für Sächsische Volkskunst
Von _O. Seyffert_
In der Weihnachtszeit hat unser Museum seine festlichen Tage. Die
langen Reihen seiner Fenster leuchten abends hell in den Schnee
hinein und wetteifern mit den Lichtern des nahen Zirkus. Dunkel,
fast unheimlich, liegt der große Steinkasten, das Finanzministerium,
ihm gegenüber. Und noch ein zweiter, ungewohnter Anblick wird der
staunenden Nachbarschaft zuteil. Aus den Feueressen des Jägerhofes
kringelt sich tagsüber blauer Rauch. Der wackere Heizer des Zirkus
hat auch hier seines Amtes gewaltet und versorgt emsig und mit sicht-
und fühlbarem Erfolge die zwei Gebäude, eine Bildungs- und eine
Vergnügungsstätte.
Tausende pilgern in diesen Tagen zum Landesmuseum. Das lohnt sich aber
auch.
Hier stehen überall geschmückte Weihnachtstannen, die aber eigentlich
Fichtenbäume sind. Im Erzgebirge, in den Pfaffrodaer Waldungen, ist
ihre Heimat. Ihr Christbaumschmuck ist durch öffentlichen Wettbewerb
gewonnen. Volksschulen, die Akademie für Kunstgewerbe, Männer und
Frauen haben daran teilgenommen. Wir wollen die Volkskunst nicht als
antiquarischen Begriff ansehen. Sie soll, mehr als bisher, wieder in
die Familien und überall hindringen und hier Glück schenken. Unser
alter Grundsatz ist: Ein Menschenkind, daß sich seine Feste selber
_schafft_, ist reich, und arm, ganz arm ist dasjenige, das sich alles
_kaufen_ muß. Wohl kann man sich Vergnügungen erkaufen, Feste aber,
die den inneren Menschen angehen, muß man sich selbst gestalten.
Weihnachten muß ein solcher Tag sein. Kein Volk auf der weiten Erde hat
es so zu einem Feste aller Feste emporwachsen lassen, wie das deutsche,
kein Volk empfindet es so heimatlich innerlich, wie das deutsche.
Freilich, viele glauben, mit einem Gänse- oder Hasenbraten, mit
»selbstgebackenen« Stollen ist eine würdige Feier gewährleistet. Wer
Geld hat, kann ja nach uraltem Gebrauch auch des Magens gedenken. War
doch bis in das Mittelalter es also zur Jahreswende üblich, begingen
doch auch unsre Vorfahren, die alten Germanen, in dieser Zeit ihre
reichlichen Gelage, die sie den Toten zu Ehren gaben.
Der lichterstrahlende Weihnachtsbaum ist der Mittelpunkt des
Christfestes geworden.
Er ist aber noch nicht alt – in Deutschland finden wir urkundlich
die ersten Nachrichten über ihn im siebzehnten Jahrhundert. Aber ist
die Sitte deshalb etwa weniger schön, weil sie nicht urgermanisch
ist, wie so viele denken? Kann nicht _jeder_ Tag etwas Wundersames
hervorbringen? Die Welt wäre ja entsetzlich arm, wenn dies nicht der
Fall wäre.
Nun ein Wort über unsre Ausstellung.
[Illustration: Abb. 1 =Selbstgefertigter Christbaumschmuck aus buntem
Glanzpapier=]
Da gab es einen Baum, über und über mit rotglühendem Schmucke besäet,
da hatten kleine Mädchen allerhand goldglitzernde Gebilde aus Papier
gezaubert, da waren Glöckchen und Rosetten aus bunten Hobelspänen,
die von einer Werkstatt erzählten. Dort leuchtete strahlend ein
Transparent, aus dem die dunkelgrüne Fichte wuchs. Dort hatten fleißige
Kinder viele kleine, grellfarbige Häuschen aus Glanzpapier verfertigt.
Das war echte, rechte Freude, das sah überaus lustig aus! Und wenn nach
dem Feste die Häuslein vom Baume genommen wurden, da konnte man mit
ihnen eine große Märchenstadt erbauen und darinnen spazieren gehen und
noch im Sommer von der schönen Weihnacht träumen. Aber noch buntere,
noch reichere Fröhlichkeit strahlte der große Baum im Volkstrachtenraum
aus. Den hatte ein Vater mit seinen artigen Kindern ersonnen. Hier war
ein ganzes Bilderbuch lebendig geworden. Goldne Glocken, allerhand
Getier, Kometen mit silbernem Schweif, Trompeten, Schaukelpferdchen,
Monde und Sterne – ich kann die vielen Dinge wahrlich nicht aufzählen
– hingen an den grünen Zweigen. An dieser Kinderherrlichkeit konnte
ich mich nicht satt sehen, es gab immer neue Überraschungen. An einem
andren Baume funkelten feierliche Sterne. Da dachte man, die seien
alle vom Himmel gefallen und just auf den Weihnachtsbaum. Und in der
Großschönauer Damastweberstube hatten sich weiße Schneeflocken und
Eisgebilde ein Stelldichein gegeben. Sie waren wohl erst unentschlossen
durch die Winternacht getaumelt und hatten sich dann auf dem Baum
herniedergelassen. Wer aber genauer hinsah, entdeckte, daß es allerhand
kunstreich zusammengelegte weiße Papiersterne waren.
[Illustration: Abb. 2 =Selbstgefertigter Christbaumschmuck aus Papier
und Hobelspänen=]
Und nun die Pfefferkuchen!
Auch sie waren besonders entworfen und mit süßem Zuckerguß versehen
worden. Als Gegenbeispiel wirkten die mit aufgeklebten Bilderzierat
versehenen. Ein Junge fragte: »Nicht wahr, beim Essen muß man das
Papier wieder ausspucken?« Ein besseres Urteil können wir auch nicht
abgeben. Kleine Krippen und allerhand Christbaumgebilde, von sinniger
Hand gemeistert, zeigten reiche Gestaltungsfreudigkeit.
Wir bringen in unsern Bilderbeilagen einige Proben. Vielleicht geben
sie Anlaß, daß zur nächsten Weihnacht fleißige Kinder sich regen werden
und vielleicht schickt uns dann der oder jener kleine Freund einige
Beispiele seiner Kunst. Es braucht wahrlich nicht etwas ganz Neues zu
sein. Weihnachten ist keine Messe, wo man immer nach den »neuesten
Schlagern« sucht.
Und zwischen den Bäumen erzählten Pyramiden von alten Sitten oder von
unserm Erzgebirge, wo sie jetzt noch heimisch sind.
Eine besondere Freude ward nun den vielen Besuchern zuteil, wenn
im Museum Weihnachts- und Volkslieder gesungen wurden, oder wenn
Heimatdichter von dem Reichtume der sächsischen Mundarten Kunde
gaben. Es ist unmöglich, hier aufzuzählen, wie viele liebe Helfer
und Helferinnen uns erfreut haben. Ein jeder Tag brachte neue Gaben.
Herzlichen Dank allen! Besonderen Dank Herrn Studienrat Richard
Bürckner, dem Nimmermüden. Am liebsten war es aber doch wohl den
Besuchern, wenn sie selber sangen. In einem Museum zu singen, ist
ebenso ehrenvoll wie genußreich. Das Lied vom Tannenbaum machte stets
den Anfang. Oben im ersten Stockwerk, unter der größten Tanne, die aber
eigentlich eine Fichte war, bildete der Sang vom Vugelbeerbaam den
Beschluß.
Ein jeder konnte, wenn sein Wunsch vom Museumsleiter gebilligt worden
war, mitwirken. Etwas verschenken, etwas geben, ist ja Weihnachtsbrauch.
Lustig ist folgendes Erlebnis.
Ein junger Mann frug mich schüchtern, ob er nicht vielleicht auf einer
im Museum ausgestellten Ziehharmonika einige Volksweisen spielen
könnte? »Aber ja, mein Freund, jeder volkskundliche Beitrag ist hier
willkommen.«
Fast hätte ich die Angelegenheit vergessen. Da hörte ich, in weiter
Ferne, die Klänge der »Orgel des kleinen Mannes« – – wie etwa an
Sommerabenden, wenn man durch reifende Felder wandert und ein leiser
Wind die Töne vom nächsten Dorfe herüberträgt. In dem oberen Stockwerke
des Museums drang aber besagtes Musizieren energischer an mein Ohr.
Ich forschte nach dem Urheber. Er hatte sich ungeeigneterweise in die
wendische Wöchnerinnenstube gesetzt und entlockte, als ich ankam,
soeben vor dem mit Bändern behangenen Himmelbette seinem Instrument den
Radetzkymarsch. Und ich weiß, Mutter und Kind wollten soeben schlafen.
Auf mein Zureden übte er seine Fertigkeit dann in der Weberstube aus,
und er erwarb sich dort meinen Dank und den vieler Zuhörer. Hier war er
am Platze.
Aber auch kurze Christspiele – ein Gymnasium führte ein solches sogar
mit Chorgesang und Orchester auf – wurden uns gegeben. Hier, ohne Bühne
und allen Beleuchtungskünsten, wirkten sie wie Offenbarungen.
Eines Abends war es. Wir alle hatten eben mit Hingebung das Lied »O
Tannenbaum« gesungen. Ich freute mich, daß die Anwesenden den Wortlaut
der drei Strophen auswendig konnten. Da kam ein kleines Mädel zu mir.
Ein Dreikäsehoch mit hellen Augen und steifem Zöpflein. »Wir möchten
auch ein ganz kleines Christspiel aufführen. Wir sind unsrer fünfe.
Fünf Minuten wirds dauern. Wo können wir uns denn umziehen?«
Die Mädchen trippelten mir nach, ich führte sie in mein Zimmer. Das
Umkleiden dauerte reichlich lange, ich glaube, ein Othello hätte
nicht mehr Zeit dazu gebraucht. Aber die Kinder hatten sich nicht
wie er geschminkt, hatten keine Perücken aufgesetzt und sich kein
flittriges Maskenzeug angezogen. Maria trug ein rotes Kopftüchlein,
ein Dirndelkleidchen und eine schneeweiße Schürze – die Mutter hatte
sie sorglich geplättet. – Der Joseph war ein ehrsamer Zimmermeister
mit langen Hosen. Sein breiter Schlapphut bedeckte ein liebes
Mädchengesicht.
Und die Englein.
Zweie hatten Hemdchen an, auf die goldne Sterne genäht waren. Das
dritte trug ein helles Sommerkleid. Auf den blonden, herabfallenden
Haaren blinkten Papierkronen.
[Illustration: Abb. 3 =Selbstgefertigter Pfefferkuchen als
Christbaumschmuck=]
Das Spiel, das vor dem Altar im Raume der Grabkreuze stattfand,
begann. Joseph und Maria wiegten das Christkindlein, das eine Puppe
mit gesunden, roten Backen war, in den Schlaf. Hell und rein klangen
die Stimmen. Sie sangen nicht nur das Kind, sondern sich selbst in den
Schlummer. Und da nahte auf den Zehenspitzen das erste Englein. Es
brachte dem Heiland Brot, eine Bemme, stark mit Margarine gestrichen.
Das zweite brachte dazu edlen Burgunderwein. Es hielt in seinem
Patschhändchen einen Eierbecher aus blankem Messing. Das letzte Englein
trug eine brennende Kerze, an der das heilige Kind in kalter Nacht sich
wärmen sollte. Alle dreie sangen andächtig ihre Sprüche, sie glaubten
wohl selber, daß sie Englein seien. Ich glaubte es.
Die Anwesenden waren gerührt ob der schlichten Gabe, die hier aus
reinen Herzen geschenkt wurde. Und manche faßten den Entschluß, in
kommender Weihnachtszeit ihre Kinder im eigenen Heim Ähnliches zu
lehren, ihnen und sich zum Glück.
Und nun zuletzt will ich noch ein Märchen, das ich erlebt habe,
erzählen.
Abends nach Schluß der Ausstellung ging ich oft nochmals durch die
Museumsräume, um mich zu überzeugen, ob die Lichter verlöscht seien.
Ich kam nach dem Raum, in dem der geschnitzte, buntbemalte kleine
Altar, Maria mit dem Christkind darstellend, steht. Ein schwacher,
letzter Lichtstrahl huschte noch über das wunderliebliche, süße Antlitz
der Madonna. Da war es, als ob mir jemand leise etwas zurief. Ich blieb
stehen. »Ich war es,« sagte die Maria, »ich will dir etwas sagen.«
»Du weißt, ich bin schon sehr, sehr alt.« »Ja, das ist wahr, du stammst
etwa aus dem Jahre 1420.« »Du kannst recht haben – nein, was so ein
Museumsdirektor nicht alles weiß! Zu der Zeit, als ich noch jung war,
lebten auf Erden viel weniger Menschen, als heute, und sie waren
ganz andrer Art. Ich finde mich oft nicht mehr zurecht.« »Da tröste
dich, Maria, mir geht es manchmal auch so.« »Eines war in jenen Tagen
wundersam schön, es gab noch einfache Menschen und noch nicht soviel
Kunst. Aber die es gab, die war blühende lebendige Volkskunst.«
»Ich stand in einer kleinen Dorfkirche einige Jahrhunderte lang. Eines
Tages wurde ich abgebaut. Nicht wahr, so sagt man doch heutzutage.«
»Ja, doch jetzt wartet man nicht jahrhundertelang, wie anno dazumal.«
»Dann kam ich auf den verstaubten Kirchenboden, wo viele, viele
Spinnweben mich sorgsam einhüllten. Dort habe ich das Träumen gelernt.
Seit zehn Jahren bin ich nun in deinem Museum. Die Spinnweben, die mir
treu geblieben sind, werden hier von sorgender Hand entfernt. Viele
Menschen gehen vorüber und werfen nur einen flüchtigen Blick auf mich.
Andre betrachten mich lange, lange sinnend und einige haben mich sogar
abkonterfeit. Da nahte die Weihnachtszeit und du hast mich mit deinen
Schülerinnen gar köstlich mit Reisigranken und silbernen und goldenen
Sternen geschmückt. Ich glaube, so festlich habe ich schon einmal vor
vielen Jahrhunderten ausgesehen. Nun aber erlebte ich das Schönste,
das Allerschönste in meinem Dasein. Jeden Tag kamen Männer, Frauen und
Kinder. Die sangen liebe Weihnachtslieder und liebe Volkslieder. Du
weißt, ich bin schon sehr alt. Ich stamme aus dem Jahre 1420. Aber das
war das Allerschönste, auf das ich mich besinnen kann.« Das Altarbild
schwieg, das Märchen war aus – –
Und wenn ich nicht gestorben bin, so lebe ich heute noch.
Das frühere Vorkommen von Auer- und Birkwild in Sachsen
Es ist eine bekannte Tatsache, daß unser Wildstand zurückgeht. Hiervon
sind auch unsre Waldhühner betroffen: Auer- und Birkhuhn, und zwar das
erstere in höherem Grad als das letztere. Nach der Zusammenstellung
_Heyders_ in seiner trefflichen ~Ornis Saxonica~ (Berlin, Deutsche
Ornithologische Gesellschaft), sind die Hauptreviere für ~Tetrao
urogallus L.~ Elster, das Zittauer Revier, Ober- und Unterwiesental,
Antonstal, Raschau, Johanngeorgenstadt, Wildental, Bockau, Reitzenhain,
Markersbach, Postelwitz, Mittelndorf. Die Fragekarten, die _Heyder_ an
die Forstämter versandte, sind leider nicht alle beantwortet worden
(von 71 sind 58 beantwortet). Man muß aber annehmen, daß keine Antwort
auf Nichtvorkommen deutet. In den Akten des Hauptstaatsarchivs finden
sich nun amtliche Umfragen aus dem Jahre 1727 über das Vorkommen von
Auer- und Birkwild aus verschiedenen Teilen Sachsens, die uns zeigen,
daß der Auerhahn sich einer viel größeren Verbreitung erfreute als
gegenwärtig. (Es sind auch Reviere der Preußischen Provinz Sachsen
aufgeführt.) Ebenso ist noch eine Aufzeichnung des Wildmeisters
_Puttrich_ aus 1758 über den Bestand der Dresdner Heide vorhanden, aus
der das teilweise Vorkommen beider Wildarten in unsrer Heide hervorgeht:
=============+=============+=====================+==================
Auerhuhn | Birkhuhn | Revier | Revierverwalter
♁ | ♀ | ♁ | ♀ | |
------+------+------+------+---------------------+------------------
52 | 64 | 21 | 25 | Bärenfels | v. Leubnitz
20 | 30 | 23 | 35 | Schöneck | v. Reibold
9 | 18 | 1 | 2 | Grillenburg | v. Schmertzing
26 | 59 | 12 | 21 | Cunersdorf | Körbitz
13 | 41 | 1 | 2 | Liebenwerda | Ende
69 | 93 | 72 | 123 | Schlettau | v. Beulwitz
4 | 4 | – | – | Augustusburg | v. Leubnitz
6 | 5 | 17 | 7 | Altdresdner Heide |
10 | 12 | – | – | Lausnitz | König
12 | 24 | 7 | 10 | Dahlen | Freiesleben
In der Dresdner Heide war 1758 nach Wildmeister _Puttrich_
vorhanden:
14 | – | Fischhauser Revier |
6 | 16 | Bühlauer Revier |
4 | 14 | Ullersdorfer Revier |
– | 7 | Langebrücker Revier |
Ein Verzeichnis der Oberforst- und Wildmeisterei Bärenfels aus dem
Jahre 1735 gibt folgende Zahlen:
I. Amt Altenberg 15 Auerhähne, 13 Hennen, 3 Birkhähne, 4 Hennen
II. Amt Frauenstein 3 " 5 " 6 " 8 "
III. Amt Lauenstein 10 " 23 " – " – "
IV. Amt Wolkenstein 23 " 46 " 13 " 19 "
Andre interessante Notizen fanden sich in dem Verzeichnis der zu
Dresden-Friedrichstadt 1778 eingebrachten und versteuerten Viktualien;
es werden darin aufgeführt:
64 Stück Auerhähne und Trappen
1959 Stück Birkhühner und Fasanen
12361 Stück Repphühner und »Schneppen«
4031 Stück Ziemer
1507 Mandeln Drosseln
3733 Mandeln Lerchen
7611 Mandeln »gemeine Vögel«
Im Churfürstlichen Proviant- und _Rauchhaus Dresden_ wurden 1669 zum
Räuchern oder Einsetzen u. a. eingeliefert:
4 Schwäne, 65 Auerwildbret, 751 Rebhühner, 20 »indianische Gänse«.
An drei Tagen des Februar 1741 wurden im _Großen Garten_ zu Dresden 700
Fasanen, am 4. Februar 1740 ebenda 500 Stück, am 18. Januar 1729 400
Fasanen erlegt. Der Große Garten diente eben damals mehr jagdlichen
Zwecken und hatte einen guten Fasanenstand.
~Dr.~ _Koepert_.
Zur Geschichte der Starmeste
Von _Martin Braeß_
Könnte man unter unsern Staren so eine Art Volkszählung vornehmen,
so würde sich herausstellen, daß die meisten durch die runde Öffnung
einer Starmeste oder sonst einer künstlichen Bruthöhle das Licht der
Welt erblickt haben. Wie kein andrer Vogel hat es ja gerade der Star
verstanden, dem Winke des Vogelfreundes zu folgen, der ihm im Gipfel
höherer Bäume, an der Giebelwand des Hauses, selbst auf schwankender
Stange im baumlosen Kraut- und Gemüsegarten die bekannten Brutkästen
aufhängt. Sie sind in den meisten Gegenden Deutschlands, zum Teil auch
in den angrenzenden Ländern, ein solch alltäglicher Anblick, daß wir
uns kaum vorstellen können, wie man vor verhältnismäßig kurzer Zeit
noch gar nicht daran dachte, Freund Star auf diese Weise an Hof und
Garten zu fesseln.
»Vergraben ist in ewige Nacht der Erfinder großer Name zu oft.«
Das gilt auch von dem Erbauer der ersten Starmeste. Im Altertum
oder Mittelalter wird er kaum gelebt haben; denn damals übte man
Vogelschutz in unserm heutigen Sinne so gut wie nicht, und der alte
_Geßner_ († 1565) erwähnt in seinem »Vogelbuch« auch nichts davon. Die
erste Bemerkung über Starmesten habe ich bei _Lehmann_ »Historischer
Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen
Ober-Ertzgebirge«, Leipzig 1699, gefunden, wo von den Staren erzählt
wird, daß sie »in hohlen Stöcken und Eichenen Büschlein, anderswo in
Häuslein auf den Bäumen« brüten. Weiter berichtet _J. Th. Klein_ in
seiner »Historie der Vögel«, Danzig 1760, wie man in Ostfriesland
an den »Kaminen« Verschläge für die Stare einrichtet, und Vater
_Bechstein_ erwähnt in seiner »Naturgeschichte der Stubenvögel«, Gotha
1795, daß die Landleute hölzerne Kästen oder auch tönerne Gefäße
den Staren an Bäume, unter Dächer und in Taubenschläge hängen. Mit
Vogelschutz hatte das aber nichts zu tun; im Gegenteil, man behandelte,
wie _Naumann_ in der »Naturgeschichte der Vögel Deutschlands«, Leipzig
1822, angibt, die Stare wie die Tauben; man nahm ihnen die Jungen,
wenn sie flügge waren, und verzehrte sie. Im Vogtlande war diese
Unsitte noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts recht verbreitet.
Auch die Starenkästen, die nach _Marshall_ die Bewohner in Astrachans
Umgebung gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts aufhängten, ebenso die
buntbemalten Nistkästen, die _Floericke_ in Transkaspien und Turkestan
auf hohen Stangen antraf, werden nur dazu gedient haben, die Jungvögel
dem Kochtopf oder der Bratpfanne auszuliefern.
Vielleicht war der erste, der mehr aus idealen Gründen Nisthöhlen
aufhing, d. h. um Staren und andern Höhlenbrütern Wohnungen in unsern
Gemüse- und Obstgärten zu bereiten, Pfarrer _Hofinger_. Wenigstens
empfahl ein von ihm im Jahre 1824 veröffentlichter Aufsatz allen
Garten- und Obstplantagebesitzern, in ihrem eigenen Interesse Stare und
andre Kleinvögel durch Aushängen von Nisthöhlen – er nennt sie »Köbel«
– in die Gärten zu locken, wo sie Beete und Obstbäume von dem lästigen
Ungeziefer befreien. Dieser Hinweis des Vogelfreundes fand allgemeine
Aufmerksamkeit, so daß sich Hofinger veranlaßt sah, noch genaue
Vorschriften zu geben. Auch _K. Hennicke_ kann in seinem »Handbuch
des Vogelschutzes« niemand nennen, der schon vorher – wohlverstanden
aus vogelfreundlichen Gründen – durch Aushängen von Nisthöhlen den
Vögeln entgegengekommen wäre, und so dürften die Starenkästen, die im
kommenden Frühjahr unsre lieben Freunde wieder aufnehmen werden, _genau
auf eine hundertjährige Geschichte_ blicken. Wüßten’s die Stare, die es
doch am meisten angeht, sie würden in diesem Lenz bei ihrer Rückkehr
gewiß in noch ausgelassenerer Weise jubeln, pfeifen und schnalzen, um
das Jubiläum würdig zu feiern.
Im Laufe der Zeit hat die Starmeste in ihrer äußeren Erscheinung
mancherlei Veränderungen erfahren. Bei Hofinger war sie ein
ausgehöhltes Aststück mit einem Stöpsel verschlossen und mit Armen
versehen, um sie mittels Weidenruten am Baumstamm befestigen zu
können. _Gloger_, der auf diesem Gebiet eifrig tätig war, baute
recht künstliche sechseckige Kasten, deren Innenraum er durch eine
Querwand teilte, daß Katzen und andere Räuber nicht in den unteren,
den eigentlichen Brutraum greifen konnten. Mit wasserdichter Ölfarbe
überzog er die ganze Behausung, auch mit Flechten und Moos, oder er
benagelte die Wände mit Baumrinde. Auch _H. O. Lenz_ trat warm für
den Star ein. In seiner »Gemeinnützigen Naturgeschichte«, Gotha 1834
bis 1839, empfiehlt er sogar Massenquartiere für seine Freunde, die
durchaus an die Taubenschläge erinnern. Die größten Verdienste auf
diesem Gebiet erwarb sich dann mein väterlicher Freund, Hofrat _K. Th.
Liebe_, dessen Broschüre »Winke betreffend das Aufhängen von Nistkästen
für Vögel« aus dem Jahre 1883 die größte Verbreitung und Beachtung
fand. Er ahmte durch ausgehöhlte Baumstücke mit aufgeschraubtem
Boden und Dach die natürlichen Brutstätten möglichst nach, ließ
aber, wenigstens für Stare, auch die aus Brettern zusammengefügten
Nistkästen gelten. Schon vorher, im Jahre 1878, konnte er berichten,
daß sich die Stare überall in Thüringen, dem klassischen Lande der
deutschen Vogelkunde und des Vogelschutzes, außerordentlich vermehrt
haben; ihre Zahl sei während der letzten fünfzig Jahre mindestens auf
das Vierfache gestiegen. Liebes Fürsorge galt aber keineswegs nur den
Staren, sondern ebenso den Fliegenschnäppern, Rotschwänzchen, Meisen,
Kleibern, Mauerseglern, dem Wendehals, Zaunkönig, der Bachstelze, auch
den Hohltauben, Käuzen, Turmfalken u. a.
Mit unermüdlichem Eifer hat sich dann Freiherr _v. Berlepsch_ der
Nisthöhlenfrage angenommen und sie restlos gelöst, so daß eine weitere
Verbesserung ausgeschlossen erscheint. Seine Veröffentlichung in der
»Ornithologischen Monatsschrift« 1896 über »Die Schaffung künstlicher
Nistgelegenheiten für Vögel« bildete in der Tat, wie Hennicke schreibt,
»den Beginn einer neuen Ära in der Fabrikation von Nisthöhlen«. Die
Spechthöhlen dienten als Vorbild. Ihre Tiefe und Form des Innenraums,
die Stärke der Wandung, die Größe des Fluglochs, der Zugang von diesem
zur eigentlichen Höhle: all diese Einzelheiten ahmen die Berlepschschen
Nisthöhlen aufs genaueste nach. Auch dem Deckelverschluß, der
Aufhängeleiste, jedem Schraubennagel, kurz jeder scheinbaren
Kleinigkeit wandte Freiherr v. Berlepsch seine Aufmerksamkeit zu und
probierte in seiner Versuchsstation Seebach alles sorgfältigst aus.
Gewiß, es gibt auch noch andre künstliche Nisthöhlen, z. B. die
_Schlüterschen_ Nisturnen aus Ton, die sich gleichfalls mancherorts
gut bewährt haben; indessen »wenn ich ein Vöglein wär’«, ich würde
jedenfalls eine Berlepschsche Nisthöhle vorziehen, und so wünsche
ich meinen nun bald wieder zurückkehrenden Freunden, daß sie eine
solche Wohnung finden. Wer aber der Wohnungsnot, unter der nicht nur
wir Menschen, sondern auch die gefiederten Höhlenbrüter arg leiden,
wirksam abhelfen will, dem empfehle ich das Büchlein des Freiherrn _v.
Berlepsch_: »Der gesamte Vogelschutz« oder auch _Hiesemann_: »Lösung
der Vogelschutzfrage nach Freiherrn v. Berlepsch«.
Ein Heimatschützer im fernen Osten
Am 19. Februar dieses Jahres beging _Emil Sigerus_ in Hermannstadt
seinen siebzigsten Geburtstag. Er ist ein Sohn des siebenbürgischen
Sachsenvolks, das wie kein andrer deutscher Stamm dem Mutterlande mehr
als acht Jahrhunderte hindurch unter den schwierigsten Verhältnissen
die Treue bewahrt hat, ein kleines Häuflein, umbrandet von den Fluten
andrer Völker. Die Kraft zu solchem Ausharren haben die Siebenbürger
Sachsen aus dem Mutterboden gesogen, mit dem sie stets in geistiger
Verbindung geblieben sind; der unerschütterliche Wille, deutsch zu
bleiben, hat ihre Führer zu allen Zeiten beseelt.
Auch Emil Sigerus ist seinen Volksgenossen ein Führer geworden, ein
Führer auf dem weiten Gebiete der Denkmalpflege und des Heimatschutzes,
indem er ihnen die Augen öffnete für die Schönheiten ihres
karpathenumgürteten Landes mit den blühenden sächsischen Städten und
Dörfern, sie hinwies auf den Wert ihrer vielhundertjährigen Sitten und
Gebräuche, ihrer Volkstrachten, ihrer Bauweise, ihres Handwerks usw.
Das Karpathenmuseum in Hermannstadt, ähnlich unserm Volkskundemuseum in
Dresden, ist eine Schöpfung, zum größten Teil zugleich eine Schenkung
von ihm, dem unermüdlichen Sammler deutscher Kulturgüter.