Von seinen literarischen Arbeiten, deren Zahl unbegrenzt ist, nennen

wir nur die Sammelwerke: »Sächsische Burgen und Kirchenkastelle«, »Aus

alter Zeit«, »Durch Siebenbürgen, eine Touristenfahrt«, die reich

ausgestatteten Mappen »Siebenbürgisch-sächsische Leinenstickereien«

und das kultur-historisch so überaus wertvolle Werk »Vom alten

Hermannstadt« (zwei Bände). Sich und seinem Volke hat Emil Sigerus

mit diesen Arbeiten, die auch in Deutschland die Aufmerksamkeit weiter

Kreise auf sich gelenkt haben, ein dauerndes Denkmal gesetzt.

Manche, die diese Zeilen lesen, werden auch die persönliche

Bekanntschaft des Jubilars gemacht haben. Denn wenn ein Reichsdeutscher

nach Hermannstadt kam, fand er bei E. Sigerus stets aufopfernde

Hilfsbereitschaft, und so werden viele seiner in Dankbarkeit gedenken.

Mögen diese Zeilen dem Jubilar beweisen, daß man auch im deutschen

Mutterlande seine Lebensarbeit hoch einzuschätzen weiß!

Martin Braeß

Luftbild und Heimatschutz

Von Oberleutnant _Tschoeltsch_, Dresden

Die Betrachtung unsrer Heimat vom Flugzeug aus ist trotz der

wundervollen Entwicklung der Luftfahrt den meisten Menschen noch nicht

möglich. Die Kosten für einen Flug sind unerschwinglich hoch und viele

müssen sich aus diesem Grunde den größten Genuß, den es gibt, nämlich

das Fliegen, versagen. Die Entwicklung der Photographie aus der Luft,

die durch den Krieg nur gefördert worden ist, gestattet uns aber, heute

brauchbare Luftbilder von unsrer Heimat herzustellen, die geeignet

sind, einen Flug zu ersetzen. Und wenn man vollends versteht, aus den

Luftbildern das herauszulesen, was das Luftbild erzählt, dann hat man

beim Betrachten von Luftbildern mindestens den gleichen Gewinn wie beim

Betrachten von künstlerischen Erdaufnahmen. Die Erdaufnahme zeigt uns

aus einem großen Ganzen die Einzelheiten, das Luftbild dagegen zeigt

uns das große Ganze selbst.

Meine kleine Arbeit soll einige besonders charakteristische Luftbilder

zeigen, die, leicht erkennbar, da aus niedrigen Höhen aufgenommen, auch

dem im Lesen von Luftbildern noch Ungeübten genügend zu erzählen haben.

Bild 1 zeigt uns das alte Bischofsschloß von Merseburg mit seinen

Türmen, Giebeln und Höfen. Wir sehen, wie der Wehrgedanke es war, der

den Bau dieses Schlosses beeinflußt hat. Hochgelegen am Ufer der Saale

beherrscht es die Saalebrücke, man konnte also vom Schloß aus den

Verkehr über die Brücke kontrollieren und gegebenenfalls verhindern.

Die Erfindung des Schießpulvers machte diesen Bau militärisch wertlos,

gegen Kanonenkugeln gaben auch diese imposanten Mauern keine Sicherheit

mehr. Die Bedeutung dieses Schlosses schwand dahin – heute sind die

Regierungsbehörden des Regierungsbezirkes Merseburg in diesem Schloß

untergebracht.

[Illustration: Abb. 1 =Schloß Merseburg=]

Auf Bild 2 sehen wir Zwickau, die alte Schwanenstadt mit dem

Schwanenteich vor uns. Wundervoll hebt sich aus dem Gewirr der Häuser

die alte Stadtsiedlung heraus: die breite Grabenpromenade, die an

Stelle der alten Wälle und Gräben angelegt ist, umgibt sie. Und in

dieser alten Stadt erkennen wir als Mittelpunkt den Hauptmarkt, der an

der Stelle liegt, wo die von Nord nach Süd und die von Ost nach West

führenden Hauptverkehrsstraßen sich schneiden. Unmittelbar neben dem

Hauptmarkt liegt als Nebenmarkt der Kornmarkt, der dazu diente, den

Hauptmarkt zu entlasten. Zwei Brücken führen über die Zwickauer Mulde,

zwischen beiden, am Graben gelegen, erblicken wir die gewaltige Anlage

des Schlosses Osterstein (heute Gefangenenanstalt).

[Illustration: Abb. 2 =Zwickau=]

An die alte (innere) Stadt ist dann das »moderne« Zwickau angebaut.

Die Baufläche ist schematisch in Längs- und Querstraßen aufgeteilt,

die ohne Rücksicht darauf, ob sie verkehrsreich sind oder nicht, in

gleichmäßiger Breite angelegt wurden – das typische einer modernen

Großstadt, die keine stillen Gäßchen, keine lauschigen Winkel

kennt, die nur mit dem Lineal des Technikers, ohne die Liebe eines

Städtebaukünstlers, konstruiert ist.

[Illustration: Abb. 3 =Plauen= (Vogtland)]

Noch deutlicher tritt diese schematische Raumaufteilung bei Bild 3 in

Erscheinung: Plauen im Vogtland. Trostlos wirkt, von oben gesehen,

eine derartige, an amerikanische Städte erinnernde Bauweise. Die Höfe

der Häuserblöcke sind verbaut mit Hinterhäusern und Fabrikgebäuden,

es kommt durch dieses Verbauen der Höfe nicht genügend Licht, Luft

und Sonne in die Wohnungen, die in diesen Häusern sich befinden.

Die Grundbedingungen also, die Gesundheit gewährleisten, bleiben

unerfüllt. Die Bewohner derartiger Mietskasernen (die übrigens noch

direkt harmlos gegen die Berliner Mietskasernen sind, bei denen vier

bis sechs Höfe und Hinterhäuser hinter einem Vorderhaus liegen) müssen

den Zusammenhang mit dem Grund und Boden, mit der Heimaterde verlieren

– die verhängnisvollen Folgen der seit 1870 betriebenen Spekulation

mit Grund und Boden (Bodenwucher), die zwingt, hoch und eng zu bauen,

treten auf diesem Bild deutlich zutage. Wer aber den Zusammenhang

mit der Heimaterde verloren hat, wer in seiner »Wohnung« nur noch

den Abstellraum für seine Möbel erblicken kann, der kann auch keine

Heimatliebe mehr empfinden, weil er sich als ein Ausbeutungsobjekt

andrer betrachten muß. Wir haben wirklich keine Veranlassung,

verächtlich auf die Bauweise unsrer Vorfahren herabzublicken, die es

viel besser verstanden haben zu bauen als wir.

[Illustration: Abb. 4 =Bautzen=]

Den Beweis für diese Behauptung bringt das Bild 4. Wir erkennen auf

den ersten Blick die Form der alten Stadt Bautzen. Genügend breite

Märkte sind vorhanden. Bei der Straßenaufteilung ist zwischen Wohn-

und Verkehrsstraßen unterschieden, das heißt es gibt schmale Straßen,

die nur den Zweck haben, den Weg zu den Anliegern zu vermitteln, und

breite Straßen, durch die der Verkehr geleitet wird. Wenn wir von oben

aus luftiger Höhe in die verschiedenen Häuserblocks hineinschauen, dann

finden wir, daß es manchen stillen, heimlichen Winkel gibt, der im

Frühjahr und Sommer blüht und grünt, manchen Winkel, in dem man sich

ungestört von den Lasten und Mühen des Berufs erholen kann, ohne daß

an einem der Verkehr vorbeibraust, wie es auf den Schmuckplätzen der

modernen Großstädte üblich ist, die außer staubigen Bänken nur einen

Zeitungskiosk und eine Bedürfnisanstalt aufzuweisen haben.

Der Unterschied zwischen alter und neuer Bauerei ist auch auf diesem

Bild deutlich zu erkennen: Die alte Stadt paßt sich natürlich dem Lauf

der Spree an, ihre Form wird unter geschickter Ausnutzung des Geländes

zwar uneinheitlich, aber ansprechend – im Gegensatz zur neuen Stadt,

die (rechts oben im Bild deutlich erkennbar) genau so lieblos mit dem

Lineal konstruiert ist, wie wir es bei Zwickau gesehen haben.

[Illustration: Abb. 5 =Leipzig= (Hauptbahnhof)]

Daß aber auch in der modernen Zeit schön gebaut werden kann, daß

auch die moderne Zeit den Anforderungen gewachsen ist, die die

Entwicklung des Verkehrs stellt, ist aus dem nächsten Bild (Bild

5) erkennbar. Wir sehen vor uns den Hauptbahnhof von Leipzig – den

größten Bahnhof Europas. Sechs große Bahnhofshallen nehmen den aus

allen Himmelsrichtungen zu diesem Zentralpunkt zusammengeleiteten

Verkehr auf, eine mächtige Querhalle verbindet diese sechs Hallen, von

dieser Querhalle aus wird dann der auf sechsundzwanzig Bahngleisen

in die Großstadt hereinbrausende Nah- und Fernverkehr aufgesogen

und verteilt. Ein Blick auf die wohlgeordnete – den Laien auf den

ersten Blick vielleicht verwirrende – Gleisanlage zeigt die gesamten

eisenbahntechnischen Anlagen deutlicher und übersichtlicher als

man das alles übersehen kann, wenn man im Zuge schnell an alledem

vorüberflitzt. Auch vor dem Bahnhof herrscht lebhafter Verkehr – wir

erkennen das an den zahlreichen Straßenbahnen, Autos, Droschken und –

sogar einzelnen Menschen.

[Illustration: Abb. 6 =Chemnitz= (Kohlenbahnhof)]

Und schließlich noch ein modernes Bild: der Kohlenbahnhof und die

Eisenbahnwerkstätten von Chemnitz. Diese Anlage stellt einen Höhepunkt

unsrer technischen Entwicklung dar – allerdings ist der Rückgang,

der sich auf allen Gebieten nach dem verlorenen Krieg und dem

Friedensvertrag von Versailles zeigt, auch hier zu spüren: in frühren

Zeiten war auf diesem Bahnhof wesentlich mehr rollendes Material

abgestellt als heute. Das Ganze macht einen wohldurchdachten Eindruck,

vom Standpunkt des Technikers kann man die ganze Anlage schön und

formvollendet nennen. Wir merken in unserm Flugzeug nichts von Staub

und Rauch, der unten auf der Erde die Menschen belästigt, wir urteilen

also frei und unbefangen und schließen uns der Ansicht des Technikers

an. Die Bahnhöfe unsrer Heimat haben auch ihre guten Seiten, wenn es

auch nicht immer gleich auf den ersten Blick zu spüren ist!

Der mir zur Verfügung stehende geringe Raum zwingt mich, meine Arbeit

mit dieser Auswahl von sechs Luftbildern abzubrechen. Ich hoffe, mit

diesen Bildern einige Anregungen gegeben zu haben, die gelegentlich

einmal ergänzt werden können. Gerade weil uns diese Luftbilder eine

Fülle von Gedanken zu geben vermögen, sind sie als Unterrichtsmittel

für alle Bestrebungen zu verwenden, die sich damit befassen, die Liebe

zu unsrer Heimat zu erwecken und zu pflegen.

(Das benutzte Bildmaterial stammt aus dem ehemaligen

Fliegerhorst Großenhain)

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden

Lose erhältlich

in _Chemnitz_ bei Zigarrenhaus Richard Meye, Johannispl. 12

in _Leipzig_ bei Verkehrsverein, Naschmarkt / Dürerhaus Volkskunst

Fr. Bosse, Weststraße 34 / Verkehrsbüro des Meßamtes, Markt /

Bauunternehmung Rud. Wolle, Gottschedstraße 17

in _Dresden_ bei Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24

oder durch inliegende Karte bestellen!

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Ziehung endgültig 7. und 8. April 1924

Der Reingewinn dieser Lotterie dient zur Erhaltung des

Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, seiner Vorträge und seiner

Veröffentlichungen. Er dient somit einer Bewegung, die alle Volkskreise

umfaßt und dem Sachsenvolke das Beste erhalten will, das es noch

besitzt: die Schönheiten in Natur, Kultur und Kunst seiner Heimat.

Hauptvertrieb der Lose: =Landesverein Sächsischer Heimatschutz=,

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Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die Symbole ♀

bzw. ♁ für das Geschlecht wurden wie im Original beibehalten.

Die doppelte Werbeseite am Ende des Heftes wurde entfernt.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XII, Heft 10-12 · 第 6 / 6 段