Deshalb antwortete ich: „Nosser, no A. B. Black gang. Schwarze Bande.“

„Fein!“ schrie der Mann herunter. „Das ist ja, was wir brauchen. Mach

hurtig voran. Hopp auf.“

Nun wurde mir alles klar. Sie nahmen, was sie kriegten, und woher sie es

kriegten, weil sie um soundsoviele Mann zu kurz waren. Ich hätte sagen

können: Koch, oder ich hätte rufen können: Zimmermann oder Boss’n, sie

würden immer gerufen haben: „Hopp auf!“ Da war etwas nicht in Ordnung.

Verflucht, sollte sie doch ein –, nein, trotz aller verdächtigen

Begleitumstände, die Yorikke schien doch kein Totenschiff zu sein.

Ich mußte die letzten Karten spielen.

„Where ’re ye bound? Wohin geht ihr raus?“

„Wo wollen Sie hin?“

Die sind geeicht. Da ist kein Entrinnen. Ich kann rufen Südpol, ja, ich

kann rufen Genf, sie werden mir, ohne zu zucken, entgegenrufen: „Da

gehen wir hin.“

Aber ich wußte ein Land, wo der Eimer nicht wagen dürfte, hinzugehen,

das war England. Deshalb sagte ich: „England.“

„Mann, was für ein Glück haben Sie!“ schrie die Stimme. „Wir haben

Ladung, Stückgut für Liverpool. Sie können da abmustern.“

Da hatten sie sich verraten. Das einzige Land, wo ich nicht abmustern

konnte und auch kein andrer Seemann, der nicht auf einem englischen Boot

fuhr, das war England. Aber dieser Antwort Liverpool konnte ich nicht

ausweichen. Ich konnte ihnen doch nicht beweisen, daß sie schwindeln.

Es scheint so lächerlich zu sein. Es konnte mich natürlich niemand

zwingen, anzuzeichnen für irgendein Boot, auf keinen Fall, solange ich

hier auf festem Boden stand und nicht unter der Gerichtsbarkeit und

Gesetzesgewalt des Skippers. Aber das ist ja immer so: wenn man sich zu

wohl und zu glücklich fühlt, dann möchte man es noch besser haben, läge

dieses Besser-haben-Wollen auch nur darin versteckt, daß man sich nach

einem Landschaftswechsel sehnt und eine stille ewige Hoffnung pflegt und

nährt, daß jeder Wechsel zu Besserem führen müsse. Ich glaube, seit Adam

sich im Paradiese langweilte, ist es der Fluch der Menschen, sich nie

vollkommen glücklich zu fühlen und immer auf der Jagd nach einem größern

Glück zu sein. Wenn ich an England denke mit seinem ewigen Nebel, seiner

ewigen naßkalten Witterung, seiner Fremdenhetzerei, seines ewig stupid

lächelnden Kronprinzen, dem die Maske angefroren ist, und es vergleiche

mit diesem freien, sonnigen Lande und seinen freundlichen Bewohnern und

mir nun vorstelle, daß ich alles dies zurücklassen soll, so ist mir aber

doch in der Tat zum Sterben zumute.

Aber da war das Schicksal. Ich hatte ja gesagt, ich hatte nun als guter

Seemann, der zu seinem Wort steht, anzuzeichnen für den Eimer, und wenn

er direkt auf den Meeresboden führe; mit diesem Boot, das ich

ausgelacht, laut und heulend ausgelacht hatte, als ich es zum ersten

Male gesehen, und das zu fahren ich nicht gedacht hatte, auch wenn ich

den letzten Atemzug dadurch hätte aufhalten können. Nicht mit diesem

Schiff und nicht mit dieser Mannschaft. Yorikke rächte sich dafür, daß

ich sie ausgelacht hatte. Aber es geschah mir im Grunde ganz recht,

warum war ich hier hinuntergegangen und hatte mich von ausfahrenden

Schiffen sehen lassen. Da soll man mit der Nase wegbleiben, ausfahrende

Eimer gehen einen gar nichts an, wenn es nicht der eigne ist, man soll

sie in Ruhe lassen und nicht hinter ihnen herspucken wollen. Das ist

immer Pech. Das können die nicht vertragen.

Ein Seemann soll nicht von Fischen träumen, und er soll nicht an Fische

denken, das ist nicht gut. Und ich war hierhergegangen und wollte sogar

welche fangen. Jeder Fisch oder seine Mutter hat schon an einem

ertrunkenen Seemann genascht, darum soll sich ein Seemann vor Fischen

hüten. Wenn ein Seemann Fische essen will, soll er sie sich von einem

ordentlichen Fischersmann kaufen. Fische fangen ist dessen Geschäft, dem

tun sie nichts; wenn der von Fischen träumt, bedeutet es Geld.

Das Totenschiff · 第 8 / 18 题