Um die Kolben in den Zylindern gehörig abzudichten, benutzte Ktesibios
Tischlerleim, der etwas verflüssigt war. Um die Dichtigkeit zu prüfen,
benetzte er die Zylinder mit derartigem Leim und trieb mittels Keil und
Hammer die Kolben mit größter Gewalt in die Zylinder hinein. Man konnte
hierbei beobachten, daß der Kolben nur wenig nachgab, wenn aber einmal
die eingeschlossene Luft sich verdichtet hatte, auch beim stärksten auf
den Keil ausgeübten Schlag nicht weiter hineinging. Wenn man Gewalt
anwandte, so wurde nicht nur der Keil hinausgetrieben, sondern auch
der Kolben sprang mit großer Gewalt aus dem Gefäße heraus; oft fuhr
auch Feuer heraus, das durch die Schnelligkeit der Bewegung und durch
die Reibung erzeugt wurde. Ktesibios hat hier also bereits dasjenige
Phänomen beobachtet, das sich bei den sogenannten Luftdruckfeuerzeugen
zeigt.
Ktesibios hat auch schon ein Druckwerk verfertigt, das aus zwei
metallenen Stiefeln bestand, die am Boden mit Ventilen ausgestattet
waren. Saugpumpen und Handspritzen waren zu Philons Zeiten bereits
bekannt und standen schon zu Aristoteles' Zeiten in Gebrauch.
Neben den Schriften Philons von Byzanz sind diejenigen _Herons von
Alexandrien_ von besonderer Bedeutung, wenn es sich darum handelt,
das Maß derjenigen Kenntnisse festzustellen, über die das Altertum
bezüglich des Wesens der Gase und Dämpfe verfügte.
Philon und Heron waren Schüler des Ktesibios. Letzterer gilt infolge
seiner umfangreichen auf uns gekommenen Schriften als Erfinder
zahlreicher praktischer Anwendungen des Druckes von Gasen, so z. B.
als Erfinder des Heronsballs. Dieser findet sich aber bereits in
den Schriften des Philon, müßte also füglich nicht Herons-, sondern
Philonsball heißen, falls nicht der Ruhm der Erfindung einem
unbekannten Vorgänger zuzuschreiben ist.
Daß Heron zahlreiche Vorgänger auf dem Gebiete der Erforschung der
Eigenschaften der Luft und der gespannten Dämpfe besaß, gibt er
übrigens selbst zu, indem er in der Vorrede zu seiner „Pneumatik“
ausführt: „Die Beschäftigung mit Luft- und Wasserkünsten ist von den
alten Philosophen und Mathematikern hoch geschätzt worden. _Es ist
daher notwendig, das seit alters darüber Bekannte in gehörige Ordnung
zu bringen_“.
Bevor wir uns den Schriften Herons zuwenden, müssen wir noch von Philon
von Byzanz berichten, daß er der Erfinder des Thermoskops ist, das auf
der durch die Wärme bewirkten Ausdehnung der Luft beruht.
Die auf uns überkommenen Werke Herons von Alexandrien sind
verhältnismäßig außerordentlich zahlreich und vielseitig. Sie behandeln
reine und angewandte Mathematik, Feldmeßkunst, Physik und deren
praktische Anwendung in der Technik. Letztere Schriften sind für den
Techniker von Interesse. Es sind dies: die Druckwerke (Pneumatik), die
Automatentheater, der Geschützbau, die Handschleuder, die Spiegellehre,
die Hebewinde, die Mechanik und ein Fragment über Wasseruhren.
_Von diesen Werken kommen für die Geschichte der Dampfmaschine die
Druckwerke und die Automatentheater in Betracht._
Hier finden wir Abhandlungen über das Vakuum, und zwar in Anlehnung
an den im dritten Jahrhundert vor Christo lebenden Physiker _Straton
von Lampsakos_. Außerordentlich vielseitig sind die verschiedenen
Beschreibungen der Verwendung des Hebers. Des weiteren beschreibt Heron
eine große Anzahl von Vorrichtungen, bei denen der Druck des Wassers,
der Druck der Luft, die Warmluft und der Wasserdampf praktisch benutzt
wird. Aus der reichen Fülle der von Heron beschriebenen Vorrichtungen
lassen wir nachstehend diejenigen folgen, die für uns an erster Stelle
von Bedeutung sind. Die beigefügten Abbildungen entnahmen wir der im
Jahre 1592 erschienenen italienischen Übersetzung der „Druckwerke“:
~Spiritali di Herone Alessandrino, ridotti in lingua volgare da
Alessandro Giorgi da Urbino. Urbino 1592~. Den Text entnahmen wir der
in der Teubnerschen Sammlung griechischer und römischer Schriftsteller
erschienenen Übersetzung von _Wilhelm Schmidt_.
[Illustration: Abbildung 3.
Das Klappenventil.
(Nach Heron von Alexandrien.)]
„Das _Klappenventil_ (Abbildung 3) stellt man folgendermaßen her.
Man fertigt zwei viereckige Bronzeplatten an, von denen jede Seite
etwa einen Daktylus (Fingerbreit = 2 ~cm~) mißt und so dick wie ein
Richtscheit ist. Diese verpaßt und verschließt man auf der Breitseite
so miteinander, d. h. glättet sie so, daß weder Luft noch Wasser
hindurchtreten kann. Diese Platten seien _~ABCD~_ und _~EFGH~_. In
die Mitte der einen Platte _~ABCD~_ bohrt man ein rundes Loch, dessen
Durchmesser etwa ein Drittel eines Daktylus ausmacht. Ist nun die Seite
_~CD~_ der Seite _~EF~_ angepaßt, so verbindet man die Platten mit
Hilfe von Scharnieren so miteinander, daß ihre polierten Flächen genau
aufeinanderpassen. Will man die Klappen nun praktisch verwenden, so
lötet man die Platte ~_ABCD_~ auf dasjenige Loch, durch welches Luft
oder Wasser hineingepreßt und mit Hilfe des Ventils abgeschlossen
werden kann. Durch den Druck wird nämlich die Platte ~_EFGH_~ geöffnet,
die mittels der Scharniere leicht beweglich ist, und läßt die Luft
und die Flüssigkeit eintreten, welche dann in dem luftdichten Gefäße
abgeschlossen werden. Die (komprimierte) Luft (bzw. die Flüssigkeit)
drückt aber gegen das Plättchen ~_EFGH_~ und schließt das Loch ab,
durch welches die Luft hineingepreßt wird.“ Nach einer anderen Lesart
lautet der Schlußsatz: „Wenn nun die komprimierte innere Luft oder die
Flüssigkeit sich wieder nach außen drängen, stoßen sie auf die Platte
~_EFGH_~. Dann legt sich diese luftdicht auf ~_ABCD_~ und versperrt den
Ausgang.“
„Die Siphone, welche man bei den Feuersbrünsten verwendet, richtet man
folgendermaßen ein. (Abbildung 4.)
[Illustration: Abbildung 4.