Es seien ~_ABCD_~ und ~_EFGH_~ zwei bronzene Stiefel (Kolbenrohre,
Büchsen), deren innere Oberfläche für einen Kolben passend
ausgedrechselt ist, wie die Stiefel (Büchsen) der Wasserorgeln. Die
Kolben ~K~ und ~M~ müssen luftdicht in die Stiefel passen. Diese seien
durch das an beiden Enden offene Rohr ~X~ in gegenseitige Verbindung
gesetzt. Außerhalb der Stiefel, aber innerhalb des Rohres, sollen
Klappenventile ~_PR_~ und, wie wir sie oben beschrieben haben[5],
derart angebracht sein, daß sie sich nach der Außenseite der Stiefel
hin öffnen können. Die Stiefel sollen auch auf dem Boden runde Löcher
(~_ST_~) haben, die mit kleinen geschliffenen Scheiben bedeckt
werden. Durch diese stecke man kleine Stifte, die auf den Boden der
Stiefel gelötet oder festgenietet seien. An ihren Enden seien die
Stifte mit Häkchen oder Knöpfchen versehen, daß die Scheiben sich
nicht losreißen können. Mit den Kolben seien in der Mitte senkrechte
Kolbenstangen ~_yy_~ verbunden; an diese schließt sich wieder ein
Querbalken ~Z~ an, welcher sich in der Mitte um einen festsitzenden
Bolzen λ, an den Kolbenstangen ~_yy_~ aber um die Bolzen γ und β
bewege. Mit dem Rohre ~X~ stehe ein anderes vertikales Rohr (Steigrohr)
ε in Verbindung, verzweige sich zu einem Doppelarm und sei mit
den luftdicht eingefügten Röhren (Smerismata, Rohrverschleifungen)
versehen, vermittels welcher es die Flüssigkeit emportreibt. Wenn nun
die erwähnten Stiefel mitsamt der zugehörigen Ausrüstung in Wasser
gestellt werden und der Querbalken ~Z~ infolge der abwechselnden Auf-
und Abwärtsbewegung seiner Enden um den Stift λ auf und nieder zieht,
so treiben die Kolben, falls sie niedergezogen werden, die Flüssigkeit
durch das Steigrohr ε und die drehbare Mündung ~N~ hinaus. Denn, wird
der Kolben ~M~ aufgezogen, so öffnet er das Bodenventil ~T~, indem
dessen Scheibe sich hebt, verschließt aber das Klappenventil ~R~. Wird
er dagegen niedergezogen, so schließt er ~T~ und öffnet ~R~, durch
welches auch das Wasser hinausgepreßt und emporgetrieben wird. Dieselbe
Wirkung bringt der Kolben ~K~ hervor. Das Röhrchen ~N~, das bald
aufgerichtet, bald niedergelegt wird, treibt nun die Flüssigkeit bis
zur gegebenen Höhe empor, vermag jedoch eine bestimmte Seitendrehung
nur dann auszuführen, wenn zugleich der gesamte Apparat gedreht wird.
Das wäre aber bei dringenden Notfällen zu langwierig und mühselig.
Damit nun die Flüssigkeit ohne Schwierigkeit nach dem bestimmten Punkt
getrieben werden kann, setze man das Steigrohr ε der Länge nach aus
zwei luftdicht ineinandergeschliffenen Rohren zusammen, von denen das
eine, äußere, mit dem Rohre ~X~, das andere, obere, mit dem Doppelarm
verbunden sei. Wenn dann das obere Rohr gedreht wird, indem man ~N~ so
lange niederlegt, kann der Austrieb nach jedem beliebigen Punkt hin
erfolgen.“ -- Diese Feuerspritze hat sich bis auf den heutigen Tag in
ihrer prinzipiellen Einrichtung erhalten.
Am bekanntesten ist unter den Apparaten des Heron der von uns bereits
erwähnte sogenannte _Heronsball_. Dieser wird in den „Druckwerken“ wie
folgt beschrieben:
_Der Heronsball._
„_Manche Gefäße spritzen, wenn man hineinbläst, auf folgende Weise
Wasser empor_:
Durch die Mündung eines Gefäßes wird eine Röhre hindurchgesteckt, die
fast bis auf den Boden reiche, in die Gefäßmündung eingelötet sei und
selbst in eine enge Mündung auslaufe. Halten wir nun letztere mit dem
Finger zu, gießen durch eine Öffnung eine Flüssigkeit, blasen nach dem
Eingießen durch dieselbe Öffnung hinein, verschließen sie durch einen
Hahn und lassen die Mündung der Röhre los, so wird durch sie das Wasser
von der eingeblasenen, komprimierten Luft emporgetrieben.“
Als Beispiel der durch erwärmte Luft angetriebenen, von Heron
beschriebenen Apparate bringen wir in Abb. 5 den „_Opfertanz_“.
_Der Opfertanz._
„_Wird auf einem gewissen Altar Feuer angezündet, so sollen scheinbar
einige rings im Kreise stehende Figuren einen Reigen aufführen_. Es sei
_~ABCD~_ ein Altar mit einem Feuerbecken _~EF~_. Von dem oberen Teile
des Feuerbeckens lasse man eine Röhre ~_GH_~ nach der Basis des Altars
hinab. Das bei ~H~ befindliche Ende drehe sich um einen Zapfen. Diese
Röhre sei ferner mit vier anderen querliegenden (also horizontalen)
Röhren versehen, die sich gegenseitig durchschneiden und an demselben
Punkt mit der von der Spitze kommenden Röhre verbunden werden. Diese
querliegenden Röhren nun sollen an den Enden so umgebogen sein, daß
sich eine Röhre nach der anderen wendet. Auf diese Röhren lege man an
ihren Enden eine kreisrunde Scheibe ~_IKLM_~ und befestige sie daran.
Darauf sollen die Figuren stehen. Das Material des Altars schließlich
sei durchsichtig, nämlich aus Glas oder Horn, auf daß die tanzenden
Figuren durch dasselbe sichtbar sind. Wenn wir bei diesen Vorrichtungen
auf dem Herde Feuer anzünden, wird die Luft in der Röhre ~_GH_~
erwärmt, geht durch die verdeckten Röhren und bringt die senkrechte
Röhre zur Drehung, zugleich auch die Scheibe, auf der die Figuren
stehen, und diese werden zu tanzen scheinen.“
[Illustration: Abbildung 5.
„Der Opfertanz.“ (Nach Heron von Alexandrien.)]
Nunmehr bringen wir in Abb. 6 _einen durch Dampfkraft betätigten
Apparat: den springenden Ball_.
_Der springende Ball._
„_Bälle können auf folgende Weise in der Luft schweben:_
Unter einem Kessel mit Wasser, dessen Mündung verschlossen ist, wird
Feuer angezündet. Von dem Deckel steigt eine Röhre auf, deren offenes
Ende in eine kleine hohle Halbkugel mündet. Werfen wir nun einen
leichten Ball in die Halbkugel, so ist die Folge, daß der aus dem
Kessel durch die Röhre aufsteigende Dampf den Ball in die Luft hebt,
so daß er schwebt.“
[Illustration: Abbildung 6.