Die Feuerspritze. (Nach Heron von Alexandrien.)]

Es seien ~_ABCD_~ und ~_EFGH_~ zwei bronzene Stiefel (Kolbenrohre,

Büchsen), deren innere Oberfläche für einen Kolben passend

ausgedrechselt ist, wie die Stiefel (Büchsen) der Wasserorgeln. Die

Kolben ~K~ und ~M~ müssen luftdicht in die Stiefel passen. Diese seien

durch das an beiden Enden offene Rohr ~X~ in gegenseitige Verbindung

gesetzt. Außerhalb der Stiefel, aber innerhalb des Rohres, sollen

Klappenventile ~_PR_~ und, wie wir sie oben beschrieben haben[5],

derart angebracht sein, daß sie sich nach der Außenseite der Stiefel

hin öffnen können. Die Stiefel sollen auch auf dem Boden runde Löcher

(~_ST_~) haben, die mit kleinen geschliffenen Scheiben bedeckt

werden. Durch diese stecke man kleine Stifte, die auf den Boden der

Stiefel gelötet oder festgenietet seien. An ihren Enden seien die

Stifte mit Häkchen oder Knöpfchen versehen, daß die Scheiben sich

nicht losreißen können. Mit den Kolben seien in der Mitte senkrechte

Kolbenstangen ~_yy_~ verbunden; an diese schließt sich wieder ein

Querbalken ~Z~ an, welcher sich in der Mitte um einen festsitzenden

Bolzen λ, an den Kolbenstangen ~_yy_~ aber um die Bolzen γ und β

bewege. Mit dem Rohre ~X~ stehe ein anderes vertikales Rohr (Steigrohr)

ε in Verbindung, verzweige sich zu einem Doppelarm und sei mit

den luftdicht eingefügten Röhren (Smerismata, Rohrverschleifungen)

versehen, vermittels welcher es die Flüssigkeit emportreibt. Wenn nun

die erwähnten Stiefel mitsamt der zugehörigen Ausrüstung in Wasser

gestellt werden und der Querbalken ~Z~ infolge der abwechselnden Auf-

und Abwärtsbewegung seiner Enden um den Stift λ auf und nieder zieht,

so treiben die Kolben, falls sie niedergezogen werden, die Flüssigkeit

durch das Steigrohr ε und die drehbare Mündung ~N~ hinaus. Denn, wird

der Kolben ~M~ aufgezogen, so öffnet er das Bodenventil ~T~, indem

dessen Scheibe sich hebt, verschließt aber das Klappenventil ~R~. Wird

er dagegen niedergezogen, so schließt er ~T~ und öffnet ~R~, durch

welches auch das Wasser hinausgepreßt und emporgetrieben wird. Dieselbe

Wirkung bringt der Kolben ~K~ hervor. Das Röhrchen ~N~, das bald

aufgerichtet, bald niedergelegt wird, treibt nun die Flüssigkeit bis

zur gegebenen Höhe empor, vermag jedoch eine bestimmte Seitendrehung

nur dann auszuführen, wenn zugleich der gesamte Apparat gedreht wird.

Das wäre aber bei dringenden Notfällen zu langwierig und mühselig.

Damit nun die Flüssigkeit ohne Schwierigkeit nach dem bestimmten Punkt

getrieben werden kann, setze man das Steigrohr ε der Länge nach aus

zwei luftdicht ineinandergeschliffenen Rohren zusammen, von denen das

eine, äußere, mit dem Rohre ~X~, das andere, obere, mit dem Doppelarm

verbunden sei. Wenn dann das obere Rohr gedreht wird, indem man ~N~ so

lange niederlegt, kann der Austrieb nach jedem beliebigen Punkt hin

erfolgen.“ -- Diese Feuerspritze hat sich bis auf den heutigen Tag in

ihrer prinzipiellen Einrichtung erhalten.

Am bekanntesten ist unter den Apparaten des Heron der von uns bereits

erwähnte sogenannte _Heronsball_. Dieser wird in den „Druckwerken“ wie

folgt beschrieben:

_Der Heronsball._

„_Manche Gefäße spritzen, wenn man hineinbläst, auf folgende Weise

Wasser empor_:

Durch die Mündung eines Gefäßes wird eine Röhre hindurchgesteckt, die

fast bis auf den Boden reiche, in die Gefäßmündung eingelötet sei und

selbst in eine enge Mündung auslaufe. Halten wir nun letztere mit dem

Finger zu, gießen durch eine Öffnung eine Flüssigkeit, blasen nach dem

Eingießen durch dieselbe Öffnung hinein, verschließen sie durch einen

Hahn und lassen die Mündung der Röhre los, so wird durch sie das Wasser

von der eingeblasenen, komprimierten Luft emporgetrieben.“

Als Beispiel der durch erwärmte Luft angetriebenen, von Heron

beschriebenen Apparate bringen wir in Abb. 5 den „_Opfertanz_“.

_Der Opfertanz._

„_Wird auf einem gewissen Altar Feuer angezündet, so sollen scheinbar

einige rings im Kreise stehende Figuren einen Reigen aufführen_. Es sei

_~ABCD~_ ein Altar mit einem Feuerbecken _~EF~_. Von dem oberen Teile

des Feuerbeckens lasse man eine Röhre ~_GH_~ nach der Basis des Altars

hinab. Das bei ~H~ befindliche Ende drehe sich um einen Zapfen. Diese

Röhre sei ferner mit vier anderen querliegenden (also horizontalen)

Röhren versehen, die sich gegenseitig durchschneiden und an demselben

Punkt mit der von der Spitze kommenden Röhre verbunden werden. Diese

querliegenden Röhren nun sollen an den Enden so umgebogen sein, daß

sich eine Röhre nach der anderen wendet. Auf diese Röhren lege man an

ihren Enden eine kreisrunde Scheibe ~_IKLM_~ und befestige sie daran.

Darauf sollen die Figuren stehen. Das Material des Altars schließlich

sei durchsichtig, nämlich aus Glas oder Horn, auf daß die tanzenden

Figuren durch dasselbe sichtbar sind. Wenn wir bei diesen Vorrichtungen

auf dem Herde Feuer anzünden, wird die Luft in der Röhre ~_GH_~

erwärmt, geht durch die verdeckten Röhren und bringt die senkrechte

Röhre zur Drehung, zugleich auch die Scheibe, auf der die Figuren

stehen, und diese werden zu tanzen scheinen.“

[Illustration: Abbildung 5.

„Der Opfertanz.“ (Nach Heron von Alexandrien.)]

Nunmehr bringen wir in Abb. 6 _einen durch Dampfkraft betätigten

Apparat: den springenden Ball_.

_Der springende Ball._

„_Bälle können auf folgende Weise in der Luft schweben:_

Unter einem Kessel mit Wasser, dessen Mündung verschlossen ist, wird

Feuer angezündet. Von dem Deckel steigt eine Röhre auf, deren offenes

Ende in eine kleine hohle Halbkugel mündet. Werfen wir nun einen

leichten Ball in die Halbkugel, so ist die Folge, daß der aus dem

Kessel durch die Röhre aufsteigende Dampf den Ball in die Luft hebt,

so daß er schwebt.“

[Illustration: Abbildung 6.

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 25 / 109 题