Die beiden im Vorstehenden unterschiedenen Einteilungen von Arten des
Humors kreuzen sich. Und daraus ergeben sich dreimal drei Arten.
Ich erhebe mich das eine Mal über das Zunichtewerden dieser oder jener
Erwartungen und Forderungen in der Welt, weil ich den Humor dazu besitze,
d. h. weil mein _Glaube_ an das Seinsollende, meine Empfänglichkeit für
das Gute, meine Freude am Schönen stark genug ist, um durch jenes
Zunichtewerden nicht angetastet zu werden. Mag sich die Welt auch
närrisch gebärden, und auch an meiner Person oder meinem Geschick das
Närrische nicht fehlen, so bleibe ich doch meiner selbst und der Welt, in
dem, was den Kern oder das Wesentliche an beiden ausmacht, gewiss.
Vielmehr, indem ich diese Selbstgewissheit oder diese Erhabenheit meiner
Betrachtung oder Stimmung dem Närrischen entgegensetze und sie ihm zum
Trotz behaupte, tritt diese Selbstgewissheit erst in ihrer Stärke hervor,
oder zeigt sich in der Macht, die sie in mir besitzt.
Offenbar gewinnt dieser "subjektive" Humor oder dieser Humor meiner
Weltbetrachtung eine andere und andere Bedeutung, je nachdem die
Betrachtung lediglich vom Standpunkte meiner individuellen Neigungen,
Wünsche, Anschauungen, Stimmungen, oder von einem objektiven, d. h.
allgemein menschlichen Standpunkt aus geschieht. Sie hat im letzteren
Falle, obgleich ihrem Wesen nach subjektiv, doch objektive Geltung oder
objektiven Wert. Die fragliche Weise der Weltbetrachtung gewinnt in
anderer Richtung einen verschiedenen Charakter, je nachdem der Gegensatz
des Erhabenen und Nichtigen, um den es sich dabei handelt, dem Gebiet der
verstandesgemässen Erkenntnis oder dem Gebiet eudämonistischer
Zweckmässigkeit, oder endlich dem eigentlich sittlichen Gebiete angehört.
Der Weltbetrachtung des versöhnten oder unentzweiten Humors steht
gegenüber die Weltbetrachtung des entzweiten Humors oder die satirische
Weltbetrachtung. Nicht immer ist die Negation des Seinsollenden harmlos.
Oft genug sehen wir das Nichtige, das _wesentlichen_ Forderungen der
"Idee" widerstreitet, in Macht und Geltung, Unvernunft, Zweckwidrigkeit,
sittliche Verkehrtheit herrschen in der Welt. Sie gebärden sich und
dürfen sich gebärden als wahre Vernunft, als echte Zweckmäßigkeit, als
hohe Moral. Der Wahnwitz wird heilig gesprochen. Der gebildete und der
ungebildete Pöbel fällt anbetend nieder vor der aufgeblasenen und
aufgeputzten Possenreisserei. Halte ich dem gegenüber--noch nicht den
Glauben an den endlichen Sieg der Idee, aber das Bewusstsein der
Erhabenheit und Würde ihres Wesens fest, gewinne ich es zugleich über
mich, jenes Nichtige, weil ich seine Nichtigkeit und Hohheit
durchschaue--nicht nur zu verurteilen, sondern zu verlachen, und in mir
selbst oder in meinem Bewusstsein lachend zu vernichten, so verhalte ich
mich in meiner Weltbetrachtung satirisch. Ich verspüre zunächst das
Nichtige als Nichtiges, ich erlebe es, dass mit der Verneinung des
Sittlichen, die ich in der Welt vorfinde, zugleich meine sittlichen
Forderungen zunichte werden. Zugleich aber gewinnt mein sittliches
Bewusstsein, indem es gegen seine Verneinung sich "erhebt", seine volle
Grösse und Höhe. In dieser "Erhebung" besteht hier das Positive des
Humors oder das siegreiche Auftauchen des Erhabenen aus dem komischen
Prozess. Auch hier wiederum können die soeben, bei der versöhnt
humoristischen Weltbetrachtung, angedeuteten Unterschiede gemacht werden.
Endlich erscheint der in dieser satirischen Weltbetrachtung liegende
Gegensatz wiederum aufgehoben, der Humor wird im einem wiederum in sich
versöhnten Humor, wenn und soweit ich mich zu der Überzeugung
hindurchzuarbeiten vermag, dass das Nichtige, so sehr es in Geltung sein
mag, doch schliesslich auch äusserlich oder objektiv in seiner
Nichtigkeit offenbar werde, dass das Nichtige, wenn es sich auswirke,
nicht umhin könne, sich aufzuheben oder seine Macht zu verlieren, und
damit der Idee zum Siege zu verhelfen. Diese im tiefsten und höchsten
Sinne humoristische Weltbetrachtung bezeichnen wir als ironische
Weltbetrachtung oder als Weltbetrachtung des ironischen Humors. Ich
brauche nicht zu sagen, dass dieser ironische Humor mit der "Ironie" der
romantischen Schule nicht etwa eine und dieselbe Sache ist.
Die gleichen drei Möglichkeiten, wie bei der humoristischen
Weltbetrachtung, bestehen rücksichtlich des Humors der Darstellung. Die
Darstellung ist harmlos humoristisch, oder wenn man will humoristisch im
engeren Sinn, d. h. nie stellt das Kleine, die Schwächen an Menschen und
das Komische ihres Schicksals dar; zugleich tritt aus der Darstellung der
Glaube an das von der Komik umspielte Höhere, Sittliche, Erhabene
versöhnend und erhebend heraus. Sie ist andererseits satirische
Darstellung des anmasslichen und in Geltung stehenden Nichtigen und
Verkehrten, eine Darstellung, die diesem Anmasslichen die Maske vom
Gesicht reisst, den Schein, dass es ein Recht habe, in Ansehen und
Geltung zu stehen, zerstört, es dem Verlachen preisgiebt, aber eben
dadurch die Würde und einzige Hoheit der "Idee"' vor Augen stellt.
Offenbar ist hiermit dasjenige bezeichnet, was man gemeinhin oder
vorzugsweise mit dem Namen der Satire zu belegen pflegt.
Die humoristische Darstellung ist endlich ironische Darstellung des die
Idee Negierenden, das heisst eine Darstellung, die nicht nur _gegen_ das
Nichtseinsollende sich "erhebt", sondern zugleich in demselben den Keim
der Selbstvernichtung erblickt, und im Glauben, dass schliesslich alles
zum Guten dienen müsse, das Dasein desselben heiter über sich ergehen
lässt.