Hier ist der Punkt, wo auf die ästhetische Bedeutung, die der Witz zu
gewinnen vermag, oder auf die Bedeutung des Witzes als eines Elementes
des Humors, speciell hingewiesen werden kann.
Der Witz an und für sich, als dies reine Vorstellungsspiel, kann
ebensowenig wie die objektive Komik auf ästhetischen Wert Anspruch
erheben. Auch er kann einem ästhetisch Wertvollen nur _dienen_. Er ist
aber als _logisches_ Spiel, zu dem jede sachliche und persönliche
Beziehung nur als ein ihm Fremdes hinzukommt, auch davon noch um einen
Schritt weiter entfernt als das objektiv Komische.
Der Witz nähert sich jener Aufgabe zunächst, insoweit bei ihm
_Wahrheiten_ aus dem komischen Prozess auftauchen und sich behaupten.
Aber er nähert sich ihr damit auch nur. Das ästhetisch Wertvolle, oder
das "Schöne", ist nicht das Wahre, so gewiss Wahrheit Bedingung der
Schönheit ist. Auch "_ergetzliche_ Belehrung" ist keine ästhetische
Leistung.
Ästhetischer Wert ist Wert von Objekten, von Gegenständen der Anschauung
oder der Phantasie. Es ergiebt sich daraus, dass der Witz ästhetische
Bedeutung besitzen kann, nur sofern er solche Objekte, also Dinge,
Menschen, ein Geschehen an Dingen oder Menschen, in die komische
Vorstellungsbewegung, in welcher er psychologisch betrachtet besteht,
hineinzieht. Insoweit aber dies der Fall ist, ist der Witz nicht mehr
blosser Witz, sondern trägt ein Moment der objektiven Komik in sich. Als
Mittel zur Erzeugung der objektiven Komik also kann der Witz allein
ästhetische Bedeutung gewinnen.
In die komische Vorstellungsbewegung des Witzes wird nun zunächst
dasjenige hineingezogen, auf dessen Kosten der Witz gemacht wird. Dies
"Objekt" des Witzes wird durch den Witz in komische Beleuchtung gerückt,
also als komisch oder in seiner Komik _dargestellt_. Der Witz, sofern er
objektive Komik erzeugt, ist demnach eine Weise der komischen
Darstellung. Diese wird zur humoristischen Darstellung, wenn
sie--humoristisch ist Und dies kann sie sein in der soeben bezeichneten
dreifachen Art:
Der Witz deckt _harmlos_ witzig, oder im engeren Sinne humoristisch,
Schäden und Schwächen auf, greift die Wirklichkeit, selbst die erhabenste
an, wo immer sie ihm einen Angriffspunkt bietet, und verrät dabei seinen
Glauben an die unmittelbare Gegenwart und Macht der "Idee". Er geisselt
_satirisch_, mit schneidendem Witze, das Nichtseinsollende, das sich
bläht, und zeigt darin die Festigkeit seines vernünftigen und sittlichen
Bewusstseins. Er wird endlich zur witzig _ironischen_ Darstellung, aus
der der Glaube an den schliesslichen Sieg des Seinsollenden oder der Idee
hindurchleuchtet.
Sowenig, wie bereits zugestanden, die im XIII. Kapitel gegebene
Einteilung der Arten des Witzes vom ästhetischen Gesichtspunkte
beherrscht war, so wollte ich doch in ihr auf die soeben bezeichnete
dreifache Möglichkeit der ästhetischen Verwertung des Witzes schon in
gewisser Weise vorbereiten. Ich wollte dies durch die Art, wie ich von
dem bloss scherzenden Witze den charakterisierenden und andererseits den
ironischen Witz unterschied.
Nicht als könnte diese Unterscheidung mit jener Unterscheidung des
harmlosen, satirischen, und ironischen Humors einfach zusammentreffen.
Der charakterisierende Witz kann ja auch Schwächen _harmlos_
charakterisieren; er dient andererseits der Charakterisierung des
Wertvollen sogut wie der des Nichtigen. Der ironische Witz kann dem
harmlos Bescheidenen, das selbst keinen Anspruch erhebt, spielend einen
Anspruch leihen, um diesen Anspruch wieder in sein Gegenteil umschlagen
zu lassen, und auch er kann andererseits am Wertvollen sich vergreifen.
Immerhin fehlt eine Beziehung zwischen beiden Unterscheidungen nicht.
Der bloss scherzende Witz, der nur, was ihm eben vorkommt, in seine
willkürliche Beleuchtung rückt, ohne den Anspruch zu machen, es in
seinem eigentlichen Wesen zu treffen oder in seinem wahren Lichte
erscheinen zu lassen, kann auch nicht den Anspruch erheben, das
_Nichtseinsollende_ in seinem wahren Wesen blosszustellen oder in
sein Nichts zürückzuschleudern. Ihm bleibt nichts als das harmlose
_Spiel_ mit Personen und Objekten, und die das Wesen der Objekte
nicht berührende Komik, der sie damit verfallen.
Dagegen liegt es in der Natur den charakterisierenden Witzes, auch das
Wesen des thatsächlich Nichtigen oder der Idee Widrigen, das sich erhaben
geberdet, zu beleuchten.
Ebenso wird der ironische Witz, der zunächst nichts ist, als die in ihr
Gegenteil umschlagende Bezeichnung oder Aussage, im ironischen Humor, der
den Anspruch des Nichtseinsollenden in sein Gegenteil umschlagen lässt,
eine wichtige, über den Witz hinausgehende Aufgabe haben. Er wird diese
Aufgabe erfüllen, beispielsweise immer dann, wenn die in ihr Gegenteil
umschlagende Bezeichnung oder Aussage einen solchen Anspruch des
Nichtseinsollenden zum Inhalte hat.