Die zweite Einteilung von Arten des Humors hat mit der soeben vollzogenen
dies gemein, dass auch bei ihr die Beziehung des Erhabenen zum Komischen
den Einteilungsgrund bezeichnet. Nur ist diese Beziehung hier anderer
Art. Die Komik, die einer Person anhaftet, oder in welche dieselbe
verflochten ist, kann einmal harmlos, unschädlich, ohne ernsten Stachel
sein. Wir sind, indem wir das Komische wahrnehmen, unmittelbar damit
versöhnt, weil wir uns unmittelbar darüber erheben können oder
unmittelbar darüber erhoben werden. Ohne Konflikt oder Kampf ist die
Erhabenheit zugleich mit der Komik für uns da.
Ein andermal ist das Komische an sich ein Verletzendes. Das Objekt der
Komik ist nicht Gegenstand des Lächelns oder des harmlos herzlichen
Lachens; sondern es erscheint lächerlich und wird verlacht. Ein
Gegensatz, ein Kampf, ein Konflikt findet statt zwischen ihm und einem
Erhabenen oder der Forderung eines solchen. Eben dieser Konflikt aber
stellt das Erhabene ins Licht. Und zwar nehmen wir hier an, dass das
_Dasein_ des Konfliktes, ohne äusserliche Lösung desselben, diese Wirkung
hat.
Die dritte Möglichkeit endlich ist die, dass ein solcher Konflikt nicht
nur besteht, sondern sich löst, d. h. das Lächerliche überwunden, das
Nichtige vernichtet wird oder selbst sich vernichtet, und damit das
Erhabene oder die Forderung desselben, die vorher geleugnet war, zum Sieg
gelangt.
Offenbar ist unter diesen drei Stufen des Humors die erste diejenige, der
nun zunächst den Namen des Humors zugestehen wird. Wir wollen sie als die
des versöhnten, oder des konfliktlosen, oder des in sich unentzweiten
Humors bezeichnen.
Die zweite Stufe dürfen wir dann bezeichnen als die Stufe des in sich
entzweiten oder des satirischen Humors. Entzweiung, Gegensatz, Konflikt
ist ja das Charakteristische der Satire. Ich verhalte mich zum Komischen
satirisch, indem ich es als zum Erhabenen oder zur Forderung eines
solchen gegensätzlich erkenne, verlache, lachend verurteile. In dieser
Verurteilung tritt die Erhabenheit des Erhabenen, sein höheres Recht,
seine Überlegenheit ans Licht. Dieser Humor kann scharf, bitter, ja
verzweifelt sein. Er bleibt doch Humor, so lange er das Komische nicht
einfach als nichtseinsollend abweist, sondern, wie es in der Natur der
Satire liegt, lachend in dasselbe eingeht, also daran teil nimmt.
Was endlich die dritte der oben bezeichneten Stufen des Humors betrifft,
so ist dabei dies zu bedenken: Das Nichtige, so sagte ich, tritt hier zum
Erhabenen in Gegensatz und wird vernichtet. Das Erhabene erringt den
Sieg. Aber dies muss, wenn hier wirklich eine Stufe, des Humors gegeben
sein soll, in "humoristischer" Weise geschehen. Und dies schliesst in
sich, dass dem Nichtigen das Erhabene nicht als ein durchaus Fremdes
entgegentritt. Das Erhabene darf nicht einfach von aussen her dem
Nichtigen entgegentreten und es beseitigen oder seinen Geltungs- oder
Herrschaftsanspruch aufheben. Sondern das Nichtige muss dazu, als
solches, eine Handhabe bieten. Es muss in gewisser Weise sich selbst
vernichten und dem Erhabenen zum Siege verhelfen. Es muss in solcher
Weise das Erhabene in sich selbst tragen. Oder umgekehrt, das Erhabene
muss in das Nichtige eingehen, und indem es dies thut, also in gewisser
Weise als Nichtiges, seine Erhabenheit zum Sieg bringen. Auch hier
erscheint dieser Sieg unter dem Gesichtspunkt einer Selbstvernichtung des
Nichtigen.
Nun war uns, wie man sich erinnert, die "_Ironie_" die Komik der
Selbstvernichtung. Sie war das Zergehen eines Erhabenheitsanspruches
durch diesen Anspruch selbst, oder durch die Weise, wie er erhoben wird,
durch die Festhaltung desselben, oder die aus ihm folgenden Konsequenzen.
Ironie des Schicksals ist die objektive Komik, die darin besteht, dass
das selbstgewiss auftretende Wollen sich selbst ad absurdum führt, oder
gerade durch das, was seiner Verwirklichung zu dienen schien, oder zu
dienen bestimmt war, ad absurdum geführt wird. Witzige Ironie ist die
Vernichtung des scheinbar Sinnvollen oder auf Sinn Anspruch Erhebenden
durch die Art wie der Anspruch erhoben wird, oder auf Grund der aus ihm
sich ergebenden Konsequenzen.
Demgemäss haben wir ein Recht, diese dritte Stufe des Humors als die des
"_ironischen Humors_" zu bezeichnen. Will man diesen Namen vermeiden, so
nenne man ihn wiederversöhnten Humor, entsprechend dem von Hause aus
versöhnten und dem entzweiten Humor.