Drei mögliche Arten der Beziehung unseres Lust- oder Unlustgefühles auf
Gegenstände müssen unterschieden werden. Ich habe Lust an einem Objekt,
oder ich habe Lust an meiner Thätigkeit. Dazu tritt als Drittes die Lust,
die weder Lust am Objekt noch Lust an meinem Thun und eben darum in
gewisser Weise beides ist.
Es giebt eine Lust an den Objekten meines _Denkens_: Ich freue mich an
dem erfreulichen Inhalte meiner Gedanken. Dieser Lust steht gegenüber die
Lust an meiner Thätigkeit des Denkens oder meiner Denkarbeit, ihrer
Energie, Konzentriertheit. Solche Lust kann ich haben, auch solange diese
Denkarbeit ihr Ziel nicht erreicht, das heisst: solange ich noch nicht
erkenne, was ich erkennen möchte. Endlich ist von beidem unterschieden
die Freude an der _Erkenntnis_. Die Erkenntnis ist das "Gelingen" der
Denkarbeit. Die Freude an ihr ist also Freude am "Gelingen".
Dies nun verallgemeinern wir. Die drei Möglichkeiten der Beziehung der
Lust auf einen Gegenstand derselben, oder die drei hier zu
unterscheidenden Arten des Wertgefühls sind diese: Gefühl des Wertes
eines vorgestellten, von mir unterschiedenen Objektes als solchen;
zweitens Gefühl des Wertes meines Thuns; und drittens Wertgefühl, das
sich ergiebt aus der Beziehung eines Objektes zu einer jetzt in mir
vorhandenen Weise innerer Thätigkeit.
Wertgefühle der ersteren Art können wir kurz bezeichnen als
Objektswertgefühle, die der zweiten Art als Subjektswertgefühle, die der
dritten Art als Gefühle den Wertes einer Beziehung des Objektes zum
Subjekt. Die Erkenntnis ist eine solche "_Beziehung_". Sie ist eine
bestimmte Weise, wie Objekte in einen Vorstellungszusammenhang sich
einordnen.
Diese drei Möglichkeiten der "Wertbeziehung" können wir weiter verfolgen.
Wir sahen sie soeben verwirklicht auf dem Gebiete des (logischen)
Denkens. Wir begegnen ihnen aber ebenso auf dem Gebiete des praktischen
Wollens. Lust gewährt mir der Gedanke an ein zu verwirklichendes Objekt,
etwa einen zu erlangenden Genuss. Lust gewährt mir andererseits die in
sich einstimmige, sei es auch vergebliche _Bemühung_ der Verwirklichung
eines Objektes, das starke, konzentrierte, kühne Wollen. Lust gewährt mir
endlich auch hier wiederum das "Gelingen".
Und dieselben Möglichkeiten bestehen endlich auf dem Gebiete des
einfachen, weder auf Erkenntnis noch auf Verwirklichung eines von mir
verschiedenen Objektes gerichteten Vorstellens. _Objekte_ unserer
Betrachtung gefallen, oder wecken Lust. Der Künstler freut sich am
Reichtum und der Kraft seines geistigen _Schaffens_. Beide endlich freuen
sich oder können sich freuen, wenn ihnen Objekte sich darstellen, die,
gleichgültig ob in sich selbst wertvoll oder nicht, in die Richtung, die
ihr Vorstellen jetzt eben genommen hat, _widerspruchslos sich einfügen_
oder vermöge dieser Richtung _hemmungslos sich auffassen_ lassen.
Hierhin gehört die Komik. Sie gehört zu den Gefühlen der Lust, nicht an
Objekten und nicht an unserem Thun, sondern an einer Weise, wie sich
Objekte einem gegenwärtigen Thun oder inneren Vorgang einfügen. Dasselbe
drückte ich eben so aus: Das Gefühl der Komik ist ein Gefühl von der
Weise, wie mein Thun gelingt.
Kein unwichtiger Unterschied ist es, auf den ich im Vorstehenden
aufmerksam mache. Die Freude am Gelingen der Denk- oder
Erkenntnisthätigkeit oder kurz die Freude am Erkennen ist die specifisch
logische. Es ergiebt sich schon aus dem über die Erkenntnis früher
Gesagten, dass diese Freude logisch ist, genau soweit sie nicht
mitbestimmt ist durch den Wert, den das erkannte Objekt für mich haben
mag. Und sie ist es, soweit sie ebenso wenig mitbestimmt ist durch den
Wert, den mein Denken, das heisst meine Denkarbeit für mich besitzt. Der
ist wissenschaftlich verloren, der sein Bejahen oder Verneinen einer
Thatsache davon abhängig macht, ob ihm die Thatsache zusagt. Und nicht
minder derjenige, der an einer Theorie festhält, weil er sich nicht
entschliessen kann, die von ihm auf ihre Gewinnung gerichtete Bemühung
für vergeblich anzusehen, oder kurz gesagt, weil sie seine Theorie ist.
Nicht mindere Wichtigkeit besitzt die fragliche Unterscheidung auf dem
praktischen oder ethischen Gebiet. Der verschiebt den Begriff des
sittlich Wertvollen, der den Wert der Handlung bemisst nach dem Wert des
gewollten Objektes. Ich kann das Wertvolle wollen, und doch es in
sittlich unwerter Weise wollen. Und ebenso aussersittlich oder unsittlich
ist die moralische Beurteilung, für welche dieser Wert sich bemisst nach
dem Gelingen oder dem glücklichen Erfolg. In Wahrheit ist sittlich
wertvoll einzig die Weise des Wollens, also des inneren Thuns: Es giebt
nichts in der Welt, das, "ohne alle Einschränkung für gut könnte gehalten
werden, als allein ein guter Wille".
Und gleich gross ist endlich die Bedeutung jener Unterscheidung auf dem
Gebiete der weder auf Erkenntnis, noch auf Verwirklichung eines von mir
verschiedenen Objektes abzielenden Betrachtung, vor allem der
ästhetischen Betrachtung. Ästhetisch wertvoll ist nicht meine Thätigkeit
der Auffassung eines Objektes oder die Weise dieser Thätigkeit.
Ebensowenig die Weise, wie mir die Auffassung gelingt, etwa die
Leichtigkeit, Sicherheit, Klarheit derselben, von der oben die Rede war.
Sondern, wie wir feststellten, ästhetischer Wert ist einzig der Wert des
Objektes selbst, oder dessen, was für mich in dem Objekte unmittelbar
enthalten liegt.
Vergleichen wir die drei hier nebeneinander gestellten Weisen der
Bethätigung des menschlichen Geistes, die logische, die praktisch
ethische, und die ästhetisch betrachtende, mit Rücksicht auf ihr
Verhältnis zu jenen drei Arten der Wertbeziehung, so ergiebt sich aus dem
Gesagten, dass bei jeder derselben die Wertbeziehung eine andere ist,
dass also jene drei Thätigkeiten diese drei Wertbeziehungen unter sich
aufteilen: Logischer Wert ist ein Wert des Gelingens; ethischer Wert ist
ein Wert des inneren Thuns; ästhetischer Wert ist ein Wert des Objektes.