_Eine_ Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Wertes eines Kunstwerkes
habe ich oben geflissentlich ausser Acht gelassen. Es ist die uns bereits
bekannte Antwort, die _Groos_ giebt: Unsere Freude am Kunstwerk ist die
Freude am Spiel der inneren Nachahmung.
Diesen Gedanken haben wir bereits abgewiesen. Angenommen indessen, er
wäre wahr. Dann würde die Komik wohl in erster Linie das Recht haben,
ästhetisch wertvoll zu heissen. Denn die Komik ist, wie wir gesehen
haben, Spiel. Und sie ist Spiel der inneren Nachahmung, wenn wir unter
Nachahmung alles das verstehen, was _Groos_ so nennt Sie ist spielende
Auffassung von Objekten; und zwar, vermöge ihrer besonderen Bedingungen,
Spiel von besonders ausgeprägter Art.
In Wahrheit aber kann die Komik eben deswegen _keinen_ ästhetischen Wert
beanspruchen. Das Komische ist belustigend. Lust ist Freude. Aber die
Freude haftet hier nicht am komischen Objekte als solchem. Wir sahen, das
komische Objekt kann wertvoll und unwert sein. Aber dieser Wert oder
Unwert hat mit der Komik als solcher nichts zu thun. Die geringfügige
Leistung, die auf grosse Versprechungen folgt, ist komisch, aber sie ist
nicht wertvoll, kein Gegenstand unserer Lust oder Freude.
Woran aber haftet oder worauf bezieht sich dann die komische Lust? Wir
sagten soeben: auf das Spiel. Aber auch dies ist noch keine eindeutige
Erklärung. Es liegt darin dieselbe Zweideutigkeit, die auch jener eben
von neuem erwähnten Theorie des künstlerischen Wertes anhaftet. Was ist
mit jenem Spiel der inneren Nachahmung gemeint? Eine bestimmt geartete
_Thätigkeit_ des Nachahmens oder eine bestimmte Weise ihres _Gelingens_?
Die gleichen beiden Möglichkeiten müssen auch bei der Komik unterschieden
werden. Die erstere aber müssen wir hier gleich abweisen. Die Lust am
Komischen ist nicht Lust an unserem Spielen oder unserer spielenden
_Thätigkeit_. Nicht unser _Thun_ ist belustigend, sondern das komische
Objekt. Man erinnert sich, dass wir ehemals die Behauptung, die Lust am
Komischen sei Lust an unserer Überlegenheit, schon darum für unzutreffend
erklärten, weil die Lust von uns thatsächlich nicht auf unsere
Überlegenheit, sondern auf das inferiore Objekt bezogen werde. So wenig
wie auf unsere Überlegenheit beziehen wir aber die Lust auf unsere
Thätigkeit des spielenden Auffassens. Wie soeben gesagt, nicht unser
Thun erscheint uns belustigend, sondern das Objekt.
Damit scheinen wir aber in einen Widerspruch mit um selbst geraten. Erst
sollte die Lust nicht am Objekte haften, sondern am Spiele. Jetzt
konstatieren wir, dass nicht unsere Thätigkeit des spielenden Auffassens,
sondern das Objekt das Belustigende sei.
Die Lösung dieses Widerspruches habe ich schon angedeutet: Das spielende
_Gelingen_ unserer Auffassungsthätigkeit ist der Gegenstand der Lust.
Doch fassen wir diese Frage etwas allgemeiner.