DER WORT- ODER BEGRIFFSWITZ.

I. Der "_Wort- oder Begriffswitz_" erzeugt illegitime Begriffe, die wir

uns dennoch, wenigstens für den Augenblick, gefallen lassen; er macht und

gebraucht Worte, die etwas bezeichnen oder zu bezeichnen scheinen und

doch wiederum nichts bezeichnen oder nichts scheinen bezeichnen zu

können.

A. Gleich bei dieser ersten und niedrigsten Witzart ist jene

Untereinteilung am Platze. Die Witzart beruht zunächst auf lediglich

_äusseren_ Momenten, Momenten der reinen _sprachlichen Form_, und zwar

1. auf _Wortähnlichkeit_. Man kennt die jugendliche Mode, Worte so zu

verändern, oder umzudrehen, dass sie aufgehört haben, sinnvolle

Sprachzeichen zu sein, und doch wegen der Ähnlichkeit mit dem Original

noch verstanden werden. Der Witz dieser "_witzigen Wortverdrehung_"

beruht, wie überhaupt der Wortwitz, nur eben auf diesem Gegensatz von

Sinnlosigkeit und verständlichem Sinne.--Als eine besondere Art der

witzigen Wortverdrehung kann die Verdrehung von Fremdwörtern--ohne

Anklang an andere, wovon später--bezeichnet werden, wie sie "Unkel

Bräsig" so oft wider Willen begegnet.

2. Auf der gewohnheitsmässigen Festhaltung der erfahrungsgemässen Geltung

sprachlicher Formen können Wortwitze in doppelter Weise beruhen. Auf der

Gewohnheit mit Worten überhaupt einen Sinn zu verbinden, beruht die

Möglichkeit der "_witzigen Scheinbegriffe_". Ich antworte etwa auf die

Frage, was dies oder jenes sei, mit einem Worte, das es nirgends giebt,

und das für niemand einen Sinn hat; lediglich vertrauend auf den Glauben

des Hörers, es müsse sich, wenn er nur Worte hört, dabei doch etwas

denken lassen. Der Witz besteht für den, der sich verblüffen lässt und

einen Augenblick darauf "hereinfällt", dann aber sofort weiss, dass er

düpiert ist.

Höher steht die "_witzige Wortbildung_" nach äusserer Analogie, das

heisst nach einer erfahrungsgemäss feststehenden, im gegebenen Falle aber

unanwendbaren Regel der Wortbildung. Alle Wortbildungsmittel, mögen sie

Endsilben, Vorsilben oder sonstwie heissen, beliebige grammatikalische

Formen, die ungeheuerlichsten Wortzusammensetzungen, können in den Dienst

dieser Witzart treten. Vorausgesetzt ist nur, dass sie aus der sonstigen

sprachlichen Erfahrung verständlich sind, und darum in ihrer

Sinnlosigkeit doch sinnvoll erscheinen. Ihr Wert erhöht sich, wenn sie

nicht blosse Spielerei sind, sondern eine Sache kurz und schlagend

bezeichnen.

B. Dem äusseren Zusammenhange haben wir den _inhaltlichen_ oder

_sachlichen_ entgegengestellt. Verstehen wir darunter, wie nachher, den

objektiven Zusammenhang der Dinge, so kann es einen Wortwitz auf Grund

irgendwelchen sachlichen Zusammenhanges nicht geben. _Urteile_ gewinnen

wirkliche oder scheinbare Geltung aus dem Zusammenhange der Thatsachen.

Einem _Worte_ aber einen Sinn zuzuschreiben, dazu kann kein solcher

Zusammenhang veranlassen. Der einzige sachliche Zusammenhang, der hier in

Frage kommt, ist eben der zwischen dem Wort und seinem Sinn. Der ist es

denn auch, der hier an die Stelle des Zusammenhangs der Dinge treten

muss.

1. Dieser Zusammenhang ist Zusammenhang der Ähnlichkeit bei

überraschenden, und sprachlich unerlaubten, aber doch bezeichnenden

onomatopoetischen Bildungen, wie wir sie auch im gewöhnlichen Leben oft

in witziger oder witzelnder Weise vollziehen.

2. Er beruht auf Erfahrung bei allen den witzigen Wortbildungen, die wir

uns nur darum gefallen lassen, weil sie thatsächlich bestehen. Überall,

bei Kindern, bei den verschiedenen Ständen Gesellschafts- und

Berufsklassen, in Provinzen und Städten, begegnen wir neben der

allgemeingültigen einer eigenen Sprache. Die Worte sind witzig, nicht für

denjenigen, dem sie völlig geläufig und naturgemäss sind, wohl aber für

den, dem sie verständlich und doch, weil dem anerkannten Sprachgebrauche

fremd, eigentlich sinnlos erscheinen. Auch fremdsprachliche Worte, die

ganz anders klingen, als wir es gewohnt sind, und die darum überhaupt

nicht als mögliche Sprachzeichen erscheinen, können aus gleichem Grunde

den Eindruck des Witzigen machen. Der Wert des Witzes erhöht sich

wiederum, wenn die Worte die Sache kurz bezeichnen.--Wie dort, bei der

"_witzigen Onomatopoesie_", in der Ähnlichkeit des Wortes mit der

bezeichneten Sache, so liegt hier, bei den "_witzigen Idiotismen_", in

der erfahrungsgemässen Thatsache, dass das Wort die Sache bezeichnet, die

"sachliche" Begründung des Witzes.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 85 / 117 题