NATÜRLICHE UND GEWOLLTE KOMIK.

Hiermit verbinde ich weiterhin solche Unterschiede der objektiven Komik,

die sich aus der Betrachtung der Arten oder der Gründe des Auftretens der

Komik ergeben.

Objektive Komik kann einmal durch den natürlichen Zusammenhang der Dinge

gegeben sein, oder im natürlichen Verlauf des Geschehens sich einstellen.

Sie ist ein andermal künstlich oder geflissentlich hervorgerufen.

Für Letzteres bestehen wiederum verschiedene Möglichkeiten. Ich hänge

jemanden etwas an, das ihn komisch macht, oder bringe ihn in eine

komische Situation, spiele ihm einen "Possen", mache mit ihm einen

"Witz".

Von solcher Hervorrufung der Komik, bei welcher das Komische oder der

eigentliche Gegenstand der Komik erst von mir ins Dasein gerufen wird,

unterscheide ich die komische Darstellung, die nicht das Komische, wohl

aber die Komik erst erzeugt.

Auch diese "komische Darstellung" kann wiederum einen verschiedenen Sinn

haben. Sie besteht einmal lediglich darin, dass ich dasjenige an einer

Person oder Sache, das an sich komisch zu wirken geeignet ist,

beschreibe, zur Kenntnis bringe, ans Licht setze. Indem ich dies thue,

mache ich erst die Komik möglich. Dabei ist es gleichgültig, ob das

dargestellte Komische ein wirkliches oder ein fingiertes ist. Ich rechne

also hierher auch die Darstellung erfundener oder durch künstlerische

Phantasie gefundener komischer Gestalten und Situationen.

Hiervon deutlich unterschieden ist die Darstellung, die erst durch die

Weise der Darstellung die Komik hervorruft. Ein Objekt trägt an sich

nichts, das mir bei gewöhnlicher Betrachtung komisch erschiene. Nun

manipuliere ich aber in der Darstellung mit dem Objekte so, dass ein

komisches Licht darauf fällt. Ich beleuchte es komisch.

Diese komische Beleuchtung wird immer zugleich im eigentlichen Sinne des

Wortes "witzig" sein, d. h. einen Fall der subjektiven Komik darstellen.

Die Manipulation, von der ich rede, erzeugt ja der Voraussetzung nach

eine Komik, die nicht im Objekte liegt. Sie ist also ein Spiel, das etwas

sagt, das ein Urteil über ein Objekt entstehen lässt, angesichts des

Objektes aber doch wiederum als nichtssagendes Spiel erscheint. Es ist

die sachlich unberechtigte Einfügung in einen Vorstellungszusammenhang,

die das Objekt hinsichtlich seines Eindruckes auf uns in ein anderes

verwandelt, und doch das Objekt selbst lässt wie es ist.

Hierhin gehört die Komik der Nachahmung, von der oben die Rede war. Die

komische Nachahmung löst, wie wir sagten, das Nachgeahmte aus dem

Zusammenhang der Person, in der es in der Ordnung, also nicht komisch

erscheint, und stellt es isoliert hin. Damit nimmt sie dem Nachgeahmten

seinen Sinn oder seine individuelle Berechtigung.

Neben diese komische Nachahmung tritt die durch die Mittel der Sprache

bewirkte komische Gruppierung von Zügen eines wirklichen oder fingierten

Menschen oder Dinges, die Zusammenstellung des relativ Erhabenen und des

Nichtigen, der Art, dass daraus eine komische Beleuchtung sich ergiebt.

Die komische Darstellung geht von hier noch einen Schritt weiter, wenn

sie zur karikierenden, übertreibenden, verzerrenden Darstellung wird.

Sofern solche Darstellung glaublich erscheint, das Dargestellte als damit

"getroffen" anerkannt wird, und andererseits doch wiederum die Karikatur,

Übertreibung, Verzerrung als solche, d. h. als von der Wirklichkeit

abweichendes, willkürliches und demnach nichtsbedeutendes Spiel

erscheint, ist sie zugleich eine besondere Art des Witzes. Als solche

gehört sie nicht hierhin.

Hierzu füge ich als weitere und eigenartige Weisen der "komischen

Darstellung", in unserem Sinne, die Travestie und die Parodie. Auch sie

sind Arten der komischen Gruppierung oder der unmittelbaren

Aneinanderrückung des Erhabenen und des Nichtigen. Aber nicht Züge des

Objektes sind es, die hier unmittelbar aneinandergerückt und zur Einheit

verbunden scheinen, sondern: In der Travestie wird das Erhabene in Worten

und Wendungen, die einer niedrigeren Sphäre angehören, dargestellt, in

der Parodie umgekehrt das Niedrige oder Triviale durch Einkleidung in

eine dem Erhabenen zugehörige sprachliche Form zu einem Scheinerhabenen

gestempelt. Dort zergeht die Erhabenheit des Inhaltes durch die Form, und

zugleich die Form, die vermöge des Inhaltes Erhabenheit sich anmasste, in

sich selbst. Hier zergeht die erhabene Form durch den Inhalt, und

zugleich der durch die Form zum Scheinerhabenen aufgebauschte Inhalt in

sich selbst.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 81 / 117 题