SITUATIONS- UND CHARAKTERKOMIK.

Neben solchen Einteilungen steht eine andere mögliche Einteilung der

objektiven Komik, für welche gleichfalls der Inhalt der Komik den

Einteilungsgrund bildet.

Wir scheiden das Übel oder das Nichtseinsollende, das uns widerfährt, von

dem Bösen, dem Mangel, dem Fehler, der an uns ist und in unserem Thun

oder Gebaren zu Tage tritt. Das Nichtseinsollende ist Begegnis oder

Eigenschaft, Schicksal oder Charakter.

So ist auch jede Komik für die Person, oder auch die Sache, die darin

verflochten ist, Schicksal oder Charakter. Wir unterscheiden also

Schicksals- oder Charakterkomik. Statt Schicksalskomik können wir auch

sagen: Situationskomik.

Dies erinnert uns an unser drittes Kapitel. Dort stellten wir

einstweilen--mit _Kräpelin_--der Situationskomik nicht die

Charakterkomik, sondern die Anschauungskomik gegenüber. Aber die hier

gewählte Bezeichnung des Gegensatzes ist klarer. Wir bleiben darum bei

ihr. Missfällt der Ausdruck Charakterkomik, dann sage man: Komik des

Wesens, oder: an der Beschaffenheit des komischen Objektes haftende

Komik.

Auch dies ist klar, dass beide Arten der Komik Hand in Hand gehen können,

dass eine Komik beides zugleich sein kann, Situations- und

Charakterkomik. Doch davon später, wenn es sich um die ästhetische

Bedeutung dieses Gegensatzes handeln wird. Dass derselbe eine solche

ästhetische Bedeutung haben muss, braucht ja nicht gesagt zu werden.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 80 / 117 题