STUFEN DER OBJEKTIVEN KOMIK.

Doch ehe wir dazu übergehen, betrachten wir die Unterarten der im

Bisherigen unterschiedenen Alten der Komik. Zunächst die der objektiven

Komik. Unsere Betrachtungsweise ist, wie bisher immer, zunächst die

allgemein psychologische, die aber weiterhin in die ästhetische

Betrachtungsweise münden soll.

Hinsichtlich der objektiven Komik besteht in erster Linie diejenige

psychologische Einteilung zu Recht, die schon früher von uns

vorausgesetzt wurde. Ähnlichkeit oder erfahrungsgemässer Zusammenhang

zwischen einem Gegebenen und einem erwarteten oder vorausgesetzten

Erhabenen bildet den Grund für unsere Erwartung oder Voraussetzung dieses

Erhabenen, die dann in nichts zergeht. Es giebt eine objektive Komik auf

Grund dieser beiden, das ganze seelische Leben beherrschenden Arten der

Association. Das kleine Häuschen zwischen mächtigen Palästen mag noch

einmal als Beispiel der einen, die nichtige Leistung des Grosssprechers

noch einmal als Beispiel der andern Art erwähnt werden.

Neben dieser formalen ist eine doppelte inhaltliche Einteilung möglich,

mit der wir uns schon der ästhetischen Betrachtungsweise nähern. Die in

nichts zergehende Erhabenheit ist zunächst _sinnliche_ Erhabenheit, d. h.

Erhabenheit, die lediglich in der Energie und Dauer der Wirkung besteht,

die ein wahrgenommener Gegenstand, nur als wahrgenommener, auf uns übt.

Diese Wirkung bleibt aber nie für sich. Welches Objekt auch auf uns

wirken mag, immer verbindet sich mit seiner Wahrnehmung die Vorstellung

eines so oder so gearteten, in ihm waltenden oder sich verkörpenden

Lebens. Der Baumriese hat nicht nur eine gewisse Grösse und Form, sondern

er scheint sie zu haben, indem er sich reckt, dehnt, Widerstand leistet,

kurz frei oder im Kampfe gegen Hindernisse seine Kraft entfaltet. Und der

Gedanke daran lässt ihn erst eigentlich als erhaben erscheinen. Von

solcher "Kraft" _sehen_ wir nichts. Wir kennen überhaupt, was den

eigentlichen und ursprünglichen Sinn dieses Wortes ausmacht, nicht

anders, denn als Inhalt unseres Kraftgefühls, des Gefühls freierer oder

gehemmterer Anstrengung. Aber eben diesen Gefühlsinhalt projizieren wir

durch einen Akt der allergeläufigsten Vermenschlichung überall in die

Objekte hinein. Man erinnere sich hier wiederum des auf S. 19 f.[*]

Gesagten. Ausserdem bitte ich hierüber meine "Raumästhetik und

geometrisch-optische Täuschungen" (Leipzig 1898) zu vergleichen.

[* Im Unterkapitel ALLERLEI ÄSTHETISCHE THEORIEN. Transkriptor.]

Diese dynamische, wir könnten auch sagen animalische Erhabenheit bestimmt

sich dann in dieser oder jener Weise näher. Sie bekommt einen konkreteren

und konkreteren Inhalt. Das "Leben", das von vornherein ein Analogon

menschlichen Lebens ist, nähert sich dem Leben, wie wir es im Einzelnen

in uns erleben oder erleben können. Es gewinnt bewussten _geistigen_

Inhalt. Seine Erhabenheit stellt sich dar als _geistige_ Erhabenheit.

Schon der Baumriese hat nicht nur Kraft, sondern seine Kraft ist auf

Bestimmtes gerichtet. Er will etwas, er hat Ziele oder Zwecke. Er

"_sucht_" Luft und Licht. Er "erfreut" sich ihrer, wenn er davon umspielt

wird. Er flüstert schliesslich und träumt, wie eine Art selbstbewussten

Individuums.

Sowenig darnach Objekte als sinnlich, dynamisch, geistig erhaben einander

gegenübergestellt werden können, so wertvoll ist die Unterscheidung

dieser Arten und Stufen der Erhabenheit für den ästhetischen

Gesichtspunkt. Je höherer Stufe die Erhabenheit angehört, um so schärfer

wird ihr Zergehen in nichts empfunden. Der Mensch, der das höchste

Erhabene ist, ist ebendarum das einzige ursprüngliche Objekt der

Lächerlichkeit. Alles andere kann lächerlich erscheinen nur in dem Masse,

als es von uns vermenschlicht wird.

Wiederum ist jene höchste, geistige Erhabenheit intellektuelle

Erhabenheit; oder Erhabenheit des auf Zwecke, vor allem sittliche Zwecke,

gerichteten Wollens; oder endlich Erhabenheit, die in der Kraft, dem

Reichtum, der Feinheit des Gefühls besteht. Auch darnach lassen sich

Stufen der objektiven Komik unterscheiden.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 79 / 117 题