Dagegen ist jede Erfüllung der Erwartung, jede Übereinstimmung mit
unseren Vorstellungsgewonheiten Grund der Lust. Es wächst darum auch die
komische Lust mit dieser "qualitativen Übereinstimmung".
Die Lust wächst aber mit der qualitativen Übereinstimmung auch noch aus
dem weiteren Grunde, weil mit derselben die Vorstellungsbewegung, aus der
wir eben die komische Lust hervorgehen sahen, eine Steigerung erfährt.
Das Nichtige, das an die Stelle des erwarteten Bedeutungsvollen tritt,
vermag sich ja, wie wir sahen, die diesem verfügbar gemachte seelische
Kraft anzueignen _in dem Masse_, als es damit _übereinstimmt_. Und eben
auf dieser Aneignung beruht ja der Lust erzeugende komische Prozess.
So muss das kleine Häuschen neben den grossen Palästen uns in höherem
Grade belustigen, wenn es nicht nur auch als menschliche Wohnung, sondern
als Miniaturpalast mit denselben Formen, die die Paläste auszeichnen,
sich darstellt. Wir werden hier nicht nur durch die Übereinstimmung
befriedigt, wie durch jede Übereinstimmung, sondern das Häuschen erhebt
auch für unsere Vorstellung in höherem Masse den Anspruch, selbst einer
der grossen Paläste zu sein. Es muss also in höherem Masse die spezifisch
komische Lust erwecken.
Ebenso erscheint das Spiel mit Worten um so leichter als Träger eines
bedeutungsvollen Sinnes, je mehr es, bei aller logischen Nichtigkeit,
äusserlich der logischen Form sich nähert, oder mit der gewöhnlichen
Hausordnung unseres Denkens und Redens übereinstimmt.
Und schliesslich ist nicht minder die naive Handlungsweise in um so
höherem Grade geeignet, den Eindruck des vom naiven Standpunkte aus
Wohlberechtigten zu machen, je mehr die Handlungsweise trotz aller
Naivetät der gewöhnlichen Handlungsweise sich nähert. So werden wir
herzlicher lachen, wenn ein Kind in seiner kindlichen Unschuld
Höflichkeitsformen, die es bei Erwachsenen beobachtet hat, am falschen
Platze anwendet, als wenn es, in voller Unkenntnis derselben, einfach,
obgleich echt kindlich, gegen alle Höflichkeit verstösst.
Nach dem Gesagten sind wir im stande allgemein die Bedingungen anzugeben,
denen das Verhältnis der Lust und Unlust im Gefühl der Komik unterliegt.
Der Gegensatz der Bedeutsamkeit und Bedeutungslosigkeit, der Erhabenheit
und Nichtigkeit, oder, wie wir in Anlehnung an den "qualitativen
Kontrast" kürzer sagen wollen, der "quantitative Kontrast" bedingt in
erster Linie die komische Lust. Die Lust wächst mit der Grösse dieses
quantitativen Kontrastes. Sie wächst zugleich in doppelter Weise mit der
qualitativen Übereinstimmung. Dagegen wächst die Unlust mit der Grösse
des qualitativen Kontrastes.
Dazu tritt dann noch ein Moment, das die Komik nach ihrer Lust- wie nach
ihrer Unlustseite steigert. Die Reihe von Palästen ergiebt, wie schon
oben gesagt, eine _bestimmtere_ Erwartung, dass wieder ein Palast folgen
werde, als der einzelne Palast. Je bestimmter nun die Erwartung, um so
fühlbarer wird das Störende der Enttäuschung. Zugleich aber _wirkt_ die
bestimmtere Erwartung, auch soweit sie dem Nichtigen seelische Kraft
verfügbar macht, energischer. Das ganze Gefühl der Komik also wird durch
die grössere Bestimmtheit der Erwartung lebhafter. Nehmen wir an, die
Erwartung hätte dadurch, dass schon vorher zwischen die Paläste kleine
Häuschen traten, an Bestimmtheit verloren, so würde das Gefühl der Komik
wesentlich herabgedrückt erscheinen.
Das ganze Gefühl der Komik, sage ich, wird lebhafter. Dies hindert doch
nicht, dass für gewöhnlich aus der bestimmteren Erwartung die komische
Lust _grösseren_ Vorteil ziehen wird, als die von Hause aus geringfügige
komische Unlust. Nur für den Pedanten und Eigensinnigen, der, was er
einmal erwartet, so gleichgültigen Inhaltes es anch sein mag, in Gedanken
nicht mehr los werden kann, mag es sich umgekehrt verhalten.
In der Erwartung besteht in dem besprochenen Falle die bei der Komik
wirksame Vorstellungsbeziehung. Bei der witzigen Rede tritt an ihre
Stelle die Beziehung zwischen Wort und Sinn, logischer Form und logischem
Inhalt. Auch die Festigkeit und Sicherheit dieser Beziehung erhöht die
Lust wie die Unlust. Je fester und sicherer in mir logische Form und
logischer Inhalt verbunden sind, je bestimmter immer eines auf das andere
hinweist, um so mehr kann mich die unlogische Form, in der ein Inhalt
vorgebracht wird, stören. Um so mehr wird aber zugleich das wirklich oder
scheinbar Logische an der unlogischen Form mich auf den bedeutungsvollen
Inhalt, als dessen Träger sie, eben vermöge ihres logischen oder
pseudologischen Charakters erscheint, hinweisen, also den Eindruck eines
bedeutungsvollen Sinnes erzeugen. Gebildete, logisch geschulte Menschen
zeichnen sich durch Sicherheit jener Beziehung aus. Sie werden darum die
Durchbrechung der logischen Gewohnheit leichter störend empfinden und
zugleich den Witz leichter herausfinden. Hat sie die logische Schulung zu
logischen Pedanten, Fanatikern der logischen Form gemacht, so mag jenes
Gefühl der Störung sogar überwiegen. Besitzen sie "Humor", so wird sie
die Freude am Witz über die Störung leicht hinwegheben.
Endlich erhöht ebenso die Festigkeit derjenigen Vorstellungsbeziehung,
die aller _naiven_ Komik zu Grunde liegt, die Komik in beiderlei
Hinsicht. Je sicherer ich bin in der Beurteilung der Zweckmässigkeit oder
Wohlanständigkeit einer Handlung, um so leichter erkenne ich die
unzweckmässige oder gegen den Anstand verstossende Handlung als solche
und empfinde die darin liegende Störung meiner Vorstellungsgewohnheit, um
so leichter erkenne ich andererseits die relative Zweckmässigkeit oder
sittliche Berechtigung, die der Handlung vom naiven Standpunkte aus
zugeschrieben werden muss. Wiederum sind aus diesem Grunde gebildete
Leute dem naiv Komischen gegenüber sowohl "empfindlicher" als
empfänglicher. Und wiederum sind sie mehr das Eine oder mehr das Andere,
je nachdem sie Pedanten, Fanatiker der gewohnten Weise zu handeln oder zu
reden geworden sind, oder die geistige Freiheit des Humors besitzen.