Indem ich den komischen Vorstellungsprozess als ein Hin- und Hergehen und
sich Erneuern der seelischen Bewegung bezeichnete, habe ich mich im
Ausdruck der _Hecker_'schen Erklärung des Gefühls der Komik, die im
ersten Kapitel abgewiesen wurde, wiederum in gewisser Weise genähert.
Doch nur im Ausdruck. Denn nicht um ein Hin- und Hergehen zwischen Lust
und Unlust, sondern um ein Hin- und Hergehen der Vorstellungsbewegung und
damit zugleich um ein Hin- und Hergehen zwischen Spannung und Lösung und
demgemäss zwischen Ernst und Komik handelt es sich uns. Die Komik ist
hierbei nicht die hin- und hergehende _Bewegung_, sondern sie ist eines
der Elemente, _zwischen_ denen die Hin- und Herbewegung stattfindet.
Dies Hin- und Hergehen mag dann freilich auch im einzelnen Falle mehr
oder minder als ein Hin- und Hergehen zwischen relativer Lustfärbung und
relativer Unlustfärbung der Komik sich darstellen. Inwiefern dies möglich
ist, dies ergiebt sich, wenn wir jetzt auch die Betrachtung des Gefühls
der Komik vervollständigen.
Komik, so wiederholen wir zunächst, ist an sich nicht Lust noch Unlust,
sondern ein eigenartiges Gefühl. Wir sahen aber, dass und warum die Komik
zur Lustfärbung hinneigt, oder zunächst Lustfärbung besitzt. Der Prozess,
dem das Spezifische des Gefühls der Komik sein Dasein verdankt, ist, so
sahen wir, in sich selbst zugleich Grund der Lust.
Doch ist er zugleich auch in sich selbst in höherem oder geringerem Grade
ein Grund der Unlust. Die Erwartung ist ein Hindrängen auf das Erwartete.
Diesem Hindrängen tritt das Nichtige, sofern es anders beschaffen ist,
als das Erwartete, feindlich entgegen. Die Erwartung wird enttäuscht.
Enttäuschung bringt ein Gefühl der Unbefriedigung. Bezeichnen wir den
Unterschied zwischen dem Erwarteten und dem dafür Eintretenden als
"qualitativen Kontrast", so ist dieser _qualitative Kontrast_ der Grund
der Unbefriedigung.
Man sieht, wie hier der Grund der komischen Lust und der Grund der Unlust
dicht bei einander stehen. Das nicht Erwartete, sofern es doch auch
wiederum das Erwartete, zugleich aber ein Nichtiges ist, wird spielend
aufgefasst; sofern es nicht das Erwartete ist, unterliegt es einer
Hemmung. Wir fallen auf das Komische herein, oder fallen darüber her.
Dies Fallen ist so anstrengungslos, wie das Fallen zu sein pflegt. Aber
es ist durch ein vorangehendes Stolpern bedingt.
Das Gleiche findet statt, da wo das Wort "Erwartung" weniger am Platze
ist. Meine Gewohnheit, menschliche Formen mit der weissen Hautfarbe
verbunden zu sehen, wird durchbrochen durch die Hautfarbe des Negers.
Ebenso die Gewohnheit logischer Rede durch das Spiel mit Worten, die
Gewohnheit einer bestimmten Art des Handelns unter bestimmten
Voraussetzungen durch die naive Handlungsweise. Auch diese Durchbrechung
unserer Vorstellungsgewohnheit durch die andere Beschaffenheit des
Gegenstandes der Komik können wir als qualitativen Kontrakt bezeichnen.
Der qualitative Kontrast ist dann überall der Grund der komischen Unlust.
Man wird freilich finden, dass eine solche Enttäuschung oder
Durchbrechung unserer Vorstellungsgewohnheit nicht immer von einem
merkbaren Unlustgefühl begleitet sei. Dies beweist dann nur, dass das
daraus fliessende Unlustgefühl schwach sein und durch ein stärkeres
Lustgefühl leicht ausgeglichen oder überboten werden kann. In der That
werden wir bei der Komik jenes Unlustgefühl unter gewöhnlichen Umständen
so schwach zu denken haben, dass es gegenüber der komischen Lust nicht
aufkommen kann. Wir bezeichnen jenes Gefühl allgemein als Gefühl der
Überraschung oder des Befremdens. Aber die Überraschung oder Befremdung,
die nur darauf beruht, dass etwas anders ist, als wir erwarteten oder
gewohnt sind, gleichgültig, welchen Wert das Erwartete oder Gewohnte,
und ebenso, welchen Wert das an die Stelle tretende Unerwartete
oder Ungewohnte für uns hat,--und dies neutrale Gefühl der
Überraschung oder des Befremdens meinen wir hier--hat wenig Kraft.
Nichtsdestoweniger müssen wir dies Gefühl von Haus aus als--in seinen
_Bedingungen_--vorhanden annehmen. Und es kann auch unter Umständen, vor
allem bei solchen, die Sklaven ihrer Vorstellungsgewohnheiten geworden
sind, empfindlich zu Tage treten.