DAS ENDE DER KOMISCHEN VORSTELLUNGSBEWEGUNG.

Es fragt sich aber jetzt noch: Was heisst dies, die komische

Vorstellungsbewegung erlahme in sich selbst, oder finde in sich selbst

ihr natürliches Ende.

Ein Doppeltes ist damit gesagt. Einmal dies: Wir sagten, der komische

Vorstellungszusammenhang sei psychisch isoliert. Dies ist er doch nur

relativ. Ich lebe doch, während der komische Vorgang sich in mir

abspielt, in einer Welt, die noch allerlei anderes in sich schliesst. Und

wir sahen auch schon, wie die komische Vorstellungsbewegung, indem sie

das Nichtige loslässt oder zurücktreten lässt, über die Grenzen des

komischen Zusammenhanges hinausgehen kann. Daraus ergeben sich über

diesen Zusammenhang hinausführende Associationen. In keinem Falle kann

dieser Zusammenhang umhin, mit dem, was sonst für mich besteht, durch

solche Associationen sich zu verweben.

Und diese Associationen knüpfen sich enger und enger. Sie begründen also

eine stärkere und stärkere Tendenz des Abflusses oder des Ausgleichs der

psychischen Bewegung. Nichts kann in uns dauernd isoliert bleiben. Alles,

also auch der komische Vorstellungszusammenhang wird schliesslich für uns

zu einem "Gewohnten", das heisst eben: der Tendenz des Abflusses oder

Ausgleiches Verfallenen.

Und dazu kommt ein anderer, in der Natur dieses Zusammenhanges selbst

begründeter Umstand. Eine erste Bedingung der Komik besteht, unserer

Darstellung zufolge, in der Sicherheit der Erwartung, beziehungsweise in

der Sicherheit, mit der wir dem Nichtigen einen bedeutsamen Sinn oder

Inhalt zuerkennen, andererseits ihm denselben absprechen.

Jene und diese Sicherheit nun muss sich mindern. Ist die Erwartung einmal

enttäuscht, so hat sie, wenn mein Blick zurückkehrt, an Sicherheit

eingebüsst. Die Worte, die mir grosse Leistungen ankündigten, wecken die

Vorstellung derselben in minderem Grade, wenn sie einmal als leere Worte

sich ausgewiesen haben. Daraus ergiebt sich eine Herabsetzung der

komischen Vorstellungsbewegung.

Ebenso mindert sich die Sicherheit, mit der ich dem scheinbar logischen

Spiel mit Worten einen bedeutsamen Sinn zuschreibe, nachdem ich es einmal

in seiner logischen Nichtigkeit erkannt habe. Oder im umgekehrten Falle:

Habe ich einmal die, der gewohnten, logisch korrekten Ausdrucksweise

widersprechende, und insofern für die gewöhnliche Betrachtungsweise

nichtige Aussage, trotzdem als berechtigten Träger ihres Sinnes

anerkennen müssen, so hat nunmehr diese gewöhnliche Betrachtungsweise

einen Teil ihrer Macht verloren. In jenem ersteren Falle ist mir die

Anerkenntnis der scheinbar sinnvollen Worte als sinnloser, in diesem

letzteren die Anerkenntnis der scheinbar sinnlosen Worte als sinnvoller

in gewissem Grade natürlich geworden. Es hat sich sozusagen, wenn auch

nur für einen Augenblick, eine neue "Regel" der logischen Beurteilung von

Worten herausgebildet. Damit muss, im einen wie im anderen Falle, die

Komik des Witzes eine Abschwächung erfahren.

Endlich kann auch die naive Rede oder Handlung, nachdem ich sie einmal

als "erhaben" und nichtig zugleich erkannt habe, sich mir nicht mehr mit

gleicher Sicherheit _zuerst_ als erhaben, _dann_ als nichtig darstellen.

Beide Betrachtungsweisen, die vom Standpunkte des Individuums, und die

"objektive", das heisst die Betrachtung von _unserem_ Standpunkte aus,

haben sich einmal zur Beurteilung der Rede oder Handlung miteinander

verbunden, und verhindern sich nun wechselseitig, in ihrer Reinheit, die

eine _nach_ der anderen, zur Geltung zu kommen. Darauf beruht ja aber die

naive Komik.

Will man in allen diesen Fällen den Grund der Erlahmung der komischen

Vorstellungsbewegung so ausdrücken, dass man sagt, das einmalige oder

mehrmalige Zergehen eines Bedeutsamen in nichts "gewöhne" uns an dies

Zergehen, und darum wirke dasselbe in geringerem Grade, so mag man dies

thun. Die Gewohnheit ist in psychologischen Fragen so oft, und bei so

verschiedenartigen Gelegenheiten das Wort, das zur rechten Zeit sich

einstellt, dass es auch hier ohne Schaden sich einstellen mag.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 70 / 117 题