Hier liegt uns nur an der komischen Vorstellungsbewegung. Bei dieser aber
gilt dasselbe Gesetz. Auch das komische Erlebnis schliesst eine
psychische Hemmung, also eine Stauung in sich. Auch hier ergiebt sich
daraus eine Rückwärtsbeweguug. Wie schon gesagt, ist das nächste Ziel
derselben das "Grosse", oder das, was das Nichtige als gross erscheinen
liess. Jemehr es im Vergleich mit dem Nichtigen ein Grosses, also zur
Aneignung der psychischen Kraft Befähigtes, und je enger der Zusammenhang
zwischen ihm und dem Nichtigen ist oder jemehr zwischen beiden Identität
besteht, umso sicherer muss die Rückwärtsbewegung erfolgen. Das heisst,
sie muss umso sicherer erfolgen, je ausgesprochener die Komik ist.
So führt uns die nichtige Leistung, die auf die grossen Versprechungen
gefolgt ist, wiederum zurück zu den grossen Versprechungen. Der
gewichtige Sinn der Worte, der hohe Anspruch der darin liegt, tritt uns
jetzt erst recht deutlich vor Augen. Dann fordern wir auch von neuem die
grosse Leistung. Es besteht ja noch immer der erfahrungsgemässe Weg,
der vom Versprechen zur Leistung führt. Die vorgestellte Leistung
zergeht wiederum in nichts. Kurz, es wiederholt sich die ganze
Vorstellungsbewegung. Und sie kann sich aus dem gleichen Grunde mehrmals
wiederholen, wenn auch in beständig abnehmendem Grade.
Das Ergebnis ist ein Hin- und Hergehen und sich Erneuern der
Vorstellungsbewegung, das dauert, bis die Bewegung in sich selbst ihr
natürliches Ende findet, oder durch neu eintretende ernstere
Wahrnehmungs- oder Gedankeninhalte gewaltsam aufgehoben wird. Der ganze
Vorgang ist naturgemäss begleitet von einem entsprechenden, jetzt
nachlassenden, jetzt sich wieder erneuernden Gefühl der komischen Lust.
Wie weit dies Bild der Wirklichkeit entspricht, hängt nun freilich,
abgesehen von störenden _fremden_ Vorstellungsinhalten, von mancherlei
Umständen ab. Vor allem von der Intensität, die der ganzen Bewegung von
vornherein eignet, von der Menge dessen, was vom Schicksal, in nichts zu
zerrinnen, erreicht werden kann, von der Ungestörtheit durch ernstere
Gedankeninhalte, die in dem komischen Vorstellungszusammenhange selbst
sich ergeben mögen.
Doch wird man das Bild in der Erfahrung leicht wiedererkennen. Ich sitze
im Theater, und sehe auf der Bühne gewaltige Leidenschaften in gewaltigen
Worten und Thaten sich Luft machen. Plötzlich fällt eine Kulisse den
Schauspielern über den Kopf. Die Kulisse stellte einen Palast vor, jetzt
ist sie in ihr kulissenhaftes Nichts zurückgesunken. Zugleich ist alle
sonstige Illusion zerstört. Die Worte, die Personen sind oder bedeuten
nicht mehr, was sie waren oder bedeuteten. Ich lebe nicht mehr in der
idealen Welt des Dargestellten, sondern bin in die wirkliche Welt
zurückgeschleudert. Ich "komme zu mir", sehe meine Umgebung, sehe und
fühle mich wiederum auf meinem Platze sitzen u. s. w. Und alles dies ist
getaucht in die Stimmung der komischen Lust. Ein leichter und ungehemmter
Wellenschlag seelischer Bewegung, bald dies bald jenes leicht emporhebend
und ins helle Licht des Bewusstseins setzend, so stellt sich mir mein
inneres Geschehen dar, während vorher ernste Gedanken, gravitätisch
einherschreitend und sich drängend, mein Inneres erfüllt hatten.
Jene Leichtigkeit und Ungehemmtheit verrät sich im Gefühl komischer Lust
oder lustbetonter Komik, wie das Drängen der ernsten Gedanken in dem
Gefühl des Ernstes und der Spannung sich kundgegeben hatte.
Doch auch hier ist, übereinstimmend mit dem oben Gesagten, dies
Zurückgeschleudertwerden in die wirkliche Welt nicht das
Charakteristische des Vorgangs der Komik. Ich bin nicht sofort oder ich
bin nur halb in der wirklichen Welt. Zunächst bin ich in der Welt des
komischen Geschehens festgehalten. Der "Wellenschlag" erneuert sich. Das
den Ernst so jäh vernichtende Missgeschick weist mich auf den Ernst
zurück. Es ersteht wiederum vor mir das Pathos der Situation. Dies
zergeht von neuem etc.; bis endlich das Interesse am komischen Vorgang in
sich selbst erlahmt, oder der Fortgang des Stückes mich wiederum in
ernste Gedanken hineinzieht.
Dies Beispiel gehört, ebenso wie das vorige, der objektiven Komik an. In
anderen Fällen, vor allem solchen der witzigen oder naiven Komik kann das
Bild der komischen Vorstellungsbewegung ein weniger umfassendes sein. Es
ist darum doch prinzipiell dasselbe. Beim einfachen, niemand
abfertigenden Wortspiel, das ich nur lese, das mir also in voller
Unpersönlichkeit entgegentritt, ist der Vorstellungszusammenhang ein
engerer und abgeschlossenerer. Umso sicherer geht mein Blick nach
rückwärts: Er kehrt zurück zu den Momenten, die den Worten ihre logische
Kraft verliehen. Diese Momente kommen also wiederum zur Wirkung, und der
komische Prozess beginnt hier, ebenso wie bei der objektiven Komik, von
neuem.
Auch beim Witz gewinnt der psychische Vorgang einen _umfassenderen_
Boden, wenn die Person, die den Witz macht, in den Kreis der Betrachtung
tritt. Sie schien erst eine gewichtige Wahrheit zu verkünden, dann
erscheint sie als lediglich mit Worten spielend. Sie wird also in
gewisser Weise Gegenstand einer, allerdings _objektiven_ Komik. Sie
steigt durch den Witz jederzeit etwas von ihrer Höhe herab, rückt mit dem
Witzwort zugleich in eine Art komischer Beleuchtung.
Der Prozess der Komik erweitert sich nach anderer Richtung, wenn der Witz
abfertigt, und andere zum Gegenstand objektiver Komik macht. Alle diese
Momente der Komik nehmen, wie an der komischen Bewegung überhaupt, so
auch an ihrer Wiedererneuerung teil.