Setzen wir jetzt den umgekehrten Fall, d. h. nehmen wir an, es überwiege
das Mass der verfügbaren psychischen Kraft, oder es überwiege das Mass
ihrer Verfügbarkeit, über die Energie, mit der Objekte diese Kraft in
Anspruch nehmen. Dann gewinnen wir das entgegengesetzte Bild.
Was uns in einem Augenblick beschäftigt, sei an sich, weil es mit den
Bedingungen seines psychischen Vollzuges in qualitativer Übereinstimmung
steht, Gegenstand der Lust, aber es vermöge seiner Natur nach uns nur
wenig in Anspruch zu nehmen. Zugleich seien wir innerlich frei genug, um
uns ihm mit unserer ganzen Kraft zuzuwenden. Dann geschieht jener
psychische Vollzug spielend. Daraus ergiebt sich ein Zuwachs von Lust.
Auch dieser Überschuss von verfügbarer Kraft ist ja eine günstige
Bedingung für den psychischen Vollzug oder die Kraftaneignung der
Objekte. Auch damit ist eine Art der Übereinstimmung psychischer Vorgänge
mit den Bedingungen ihrer Kraftaneignung gegeben; nicht eine qualitative,
sondern eine quantitative Übereinstimmung. Zugleich aber gewinnt das
Gefühl der Lust einen neuen Charakter, nämlich den Charakter des
Leichten, des Heiteren, des "Spielenden". Das Spiel der Kinder ist eine
solche Art der psychischen Bethätigung.
Wiederum gewinnt auch das an sich Unlustvolle einen _gleichartigen_
Charakter, wenn die gleichen Bedingungen gegeben sind. Auch mit kleinen
Widerwärtigkeiten können wir innerlich spielen. Voraussetzung ist, dass
sie--nicht nur an sich, sondern für uns _kleine_ Widerwärtigkeiten sind,
d. h. als solche sich uns darstellen und auf uns wirken, dass sie also
nicht heftig sich aufdrängen; andererseits dass wir in der Verfassung
sind, sie frei aufzufassen und in ihrer Kleinheit hell zu beleuchten,
dass wir ihnen gegenüber möglichst wenig passiv und in möglichst hohem
Grade aktiv, möglichst wenig von ihnen affiziert und in möglichst hohem
Grade ihnen gegenüber überlegen oder souverän sind, oder mit einem Worte,
dass wir ihnen mit "Humor" gegenüberstehen. Mit allen diesen Ausdrücken
ist immer dasselbe bezeichnet, nämlich das Übergewicht der verfügbaren
psychischen Kraft oder der Verfügbarkeit dieser Kraft über die Energie,
mit der das Objekt von sich aus diese Kraft beansprucht. Die
"Souveränität", von der ich hier rede, oder die "geistige Freiheit", von
der ich vorhin sprach, das ist eben diese relativ hohe Verfügbarkeit der
psychischen Kraft. Je grösser sie ist, desto anspruchsvoller oder
aufdringlicher kann die Widerwärtigkeit ihrer Natur nach sein, und
trotzdem die Betrachtung der Unannehmlichkeit für uns zum Spiel werden,
oder was dasselbe sagt, Gegenstand einer Unlust sein, die einen Charakter
des "Heiteren" an sich trägt.
Was diesem Charakter des Heiteren oder diesem unserem "Leichtnehmen" zu
Grunde liegt, ist nach vorhin Gesagtem an sich Grund der Lust. So wirken
also auch hier wiederum, wie beim Gefühl der lustvollen Grösse, nur in
umgekehrter Weise, Bedingungen der Lust und der Unlust zusammen. Und
wiederum ergiebt sich daraus ein Neues, nämlich eben dies Gefühl, das wir
soeben als Gefühl des Heiteren oder des Leichtnehmens bezeichnet
haben.--Auch Schmerzen können in solcher leichten Weise uns anmuten, wenn
wir die nötige "geistige Freiheit" haben.