Nur von der witzigen Aussage war im bisherigen die Rede, während die
möglichen anderen Arten des Witzes, die witzigen Handlungen und Gebärden
ausser Betracht blieben. Ich liess sie ausser Betracht, weil _Kräpelin_
sie vernachlässigt. Dennoch giebt es dergleichen. _Kräpelin_ selbst rührt
daran, wo er den bekannten Witz des _Diogenes_ anführt, der am hellen
Tage mit einer Laterne Menschen sucht. Dabei entgeht ihm nur eben der
Witz der Handlung. Er sucht den Witz lediglich in der Aussage des
_Diogenes_, er suche Menschen, speciell in der Doppelbedeutung des Wortes
Mensch. _Diogenes_ meine vernünftige Menschen, während nach der gemeinen
Bedeutung des Wortes jedes Exemplar der menschlichen Gattung darunter
verstanden werde. Aber der Witz bleibt auch, wenn wir diesen Doppelsinn
streichen und _Diogenes_ sagen lassen, er suche vernünftige Menschen. Die
Aussage selbst ist dann nicht mehr witzig; der Witz muss also an der
Handlung haften, die durch die Aussage nur interpretiert wird. Er haftet
daran, insofern die Handlung eine eindringliche Wahrheit verkündet,
während sie doch an sich unsinnig und darum nach gemeiner Anschauung zum
Träger einer Wahrheit durchaus ungeeignet scheint.
Völlig analog verhält es sich mit der witzigen Handlung, die _Hecker_
anführt und als solche anerkennt. Ein italienischer Maler hat für ein
Kloster ein Abendmahl zu malen. Während der Arbeit erfährt er allerlei
Chikanen von Seiten des Priors. Dafür rächt er sich, indem er dem Judas
die Züge des Priors leiht. Für _Hecker_ beruht die Komik dieses Witzes
darauf, dass die Unvereinbarkeit der beiden Vorstellungen--Judas und der
Prior--beleidigt, während zugleich die Erkenntnis der zwischen beiden
bestehenden Ähnlichkeit eine gewisse Befriedigung gewährt. Wäre diese
Erklärung richtig, so müsste es auch witzig erscheinen, wenn der Maler
seinem Christus einzelne Züge von einem besonders frommen Klosterbruder
geliehen hätte, oder wenn _A. Dürer_ thatsächlich seine Christusgestalten
sich ähnlich bildet. Auch _Dürer_ und Christus sind ja unvereinbare
Vorstellungsinhalte und auch bei Betrachtung der _Dürer_'schen
Christusgestalten gewährt die Erkenntnis der Ähnlichkeit eine gewisse
Befriedigung. In der That beruht der Witz des italienischen Malers
darauf, dass der Maler dem Prior seine Meinung sagt durch ein Mittel, das
an sich völlig harmlos erscheint. Was kann ich dafür, so hätte er dem
Prior gegenüber sich verantworten können, wenn mir deine Züge gerade für
meinen Judas passen. Er konnte die Übereinstimmung sogar für ein blosses
Spiel des Zufalls erklären. Solche Spiele des Zufalls giebt es ja. In
jedem Falle beweist es nichts gegen den Charakter eines Menschen, wenn er
mit dem Bilde eines Verräters äusserliche Ähnlichkeit hat. Aber hier
freilich beweist es alles, nicht nach strenger Logik, aber für den
unmittelbaren Eindruck. Eben diesen zerstört dann die Logik wiederum.
Verallgemeinern wir das Ergebnis, so erscheint die Komik der witzigen
Handlung an dieselbe Bedingung gebunden, wie die der witzigen Aussage.
Beide sagen etwas und sagen es auch nicht. Die Worte sind "Zeichen"
dessen, was sie sagen. Auch die Handlungen--und ebenso natürlich die
Gebärden--kommen für den Witz nur in Betracht, insoweit sie Zeichen sind.