KOMISCHE UNTERBRECHUNG.

Noch in einem zweiten Sinne lässt _Heymans_ das Neue als solches die

Aufmerksamkeit spannen, und wiederum soll hier aus der Lösung dieser

Spannung die Komik hervorgehen. Nicht um das an sich Neue, sondern um das

in einem Zusammenhang Neue handelt es sich hier. Genauer gesagt:

_Heymans_ redet von Fällen, in denen die Unterbrechung eines

Bedeutungsvollen durch ein davon völlig Verschiedenes, aber momentan die

Aufmerksamkeit auf sich ziehendes Unbedeutendes den Reiz zum Lachen

erzeugt. Durch die Aufzeigung solcher Fälle scheint _Heymans_ meiner

Behauptung entgegenzutreten, dass _Dasselbe_ bedeutungsvoll und dann

bedeutungslos erscheinen müsse, wenn die Komik zu stande kommen solle.

In dieser Bemerkung _Heymans_' liegt wiederum Richtiges. Aber auch hier

ist der Gegensatz zu mir nur ein scheinbarer.

In den Fällen, die _Heymans_ anführt, ist das "völlig Verschiedene" in

Wahrheit kein völlig Verschiedenes. In der That kann dasjenige, wodurch

ein Bedeutungsvolles in _komischer_ Weise unterbrochen wird, _niemals_

ein davon völlig Verschiedenes sein. Es muss immer mit dem

Bedeutungsvollen, das von ihm unterbrochen wird, einen Punkt gemein

haben. Und dieser Punkt muss derart hervortreten, dass durch sein

Hervortreten das Unbedeutende auf die Stufe des Bedeutungsvollen gerückt

oder in die Beleuchtung eines solchen gestellt erscheint, dann aber in

seiner Bedeutungslosigkeit erkannt wird. _Heymans_ sagt: das Unbedeutende

müsse momentan die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Damit deutet er

selbst auf diesen Sachverhalt hin. Das Unbedeutende gewinnt die

Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, eben vermöge dieser

Beziehung zu dem "wirklich Bedeutungsvollen".

Dies ergiebt sich am deutlichsten aus der Betrachtung der von _Heymans_

angeführten Beispiele. Das Miauen einer Katze in einer feierlichen Rede

ist eine Art der Rede, es ist die Weise, wie die Katze ihre Gefühle zum

Ausdruck bringt. Die Katze scheint damit in ihrer Weise in das Pathos der

Rede einzustimmen, oder ihren Eindruck davon kund zu geben. Sie wirkt

darum komischer als das Knarren der Thür, obgleich auch dies für einen

Moment als zur Rede gehörig, oder als Ausdruck der Übereinstimmung,

vielleicht auch des Widerspruches, erscheinen kann. Und Gleichartiges

gilt, wenn nach dem Schlusse eines schmetternden Finale die Stimme einer

Marktfrau hörbar wird, die mit ihrer Nachbarin über den Preis der Butter

verhandelt. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist gerichtet und mit voller

Intensität gerichtet auf Tönendes. Um dieses Tönende webt sich die

feierliche musikalische Stimmung. Ein solches Tönende ist auch die Stimme

der Marktfrau. Sie wird also, mit dem, was sie verkündigt, in die Höhe

der musikalischen Stimmung mit emporgerissen. Ihre Worte erscheinen wie

eine Art lautsprachlicher Interpretation dieser Stimmung. Dann sinken

dieselben in die banale Wirklichkeit der Butterpreise herab.

Nehmen wir dagegen an, eine solche Beziehung zwischen dem Unbedeutenden

und dem, was dadurch "unterbrochen" wird, oder auf welches das

Unbedeutende folgt, bestehe nicht, so fehlt auch die Komik. Meine Augen

können während der feierlichen Rede oder nach dem schmetternden Finale

auf allerlei an sich Bedeutungsloses und Alltägliches treffen. Hier

_besteht_ die "völlige Verschiedenheit" zwischen dem Unbedeutenden und

dem Bedeutungsvollen. _Heymans_ wird erwidern, hier ziehe das

Unbedeutende nicht die Aufmerksamkeit auf sich. In der That wird es so

sein. Aber der Grund dafür liegt dann eben darin, dass das Unbedeutende

hier dem, was die Aufmerksamkeit auf sich konzentriert, so völlig _fremd_

ist.

Angenommen aber auch das Unbedeutende werde zufällig Gegenstand der

Aufmerksamkeit. Eine architektonische Linie etwa in den Raume, in dem ich

mich befinde, weckt mein Interesse, weil sie nicht eben gewöhnlich ist.

Dann wiederum lasse ich die Linie fallen. Oder ein Lichtschein, die mit

einem Male durch die Fenster hereinfallende Sonne, zieht während der

feierlichen Rede momentan meine Aufmerksamkeit auf sich, nicht weil der

Lichtschein oder die Sonnenhelle mir an sich besonders interessant wäre,

sondern einfach wegen ihrer Neuheit oder wegen ihres plötzlichen

Auftretens. Dann wende ich, eben weil die Sache an sich kein besonderes

Interesse hat, meine Aufmerksamkeit ebenso rasch wiederum davon ab. Auch

hier hat eine Unterbrechung stattgefunden. Der Faden der Rede ist mir

zerrissen. Die Spannung, in welche die Rede mich versetzte, ist gelöst.

Ich bin jetzt für eine Zeitlang, nämlich so lange bis ich den Faden der

Rede wiedergefunden habe, in keiner Weise gespannt. Und die Lösung war

eine plötzliche. Dennoch braucht darin gar nichts Komisches zu liegen. Es

fehlt eben die Bedingung. Es zergeht nicht ein Bedeutungsvolles in sich

selbst. Es offenbart sich nicht ein Bedeutungsvolles als ein solches, dem

doch auch wiederum das Moment, durch das es bedeutungsvoll schien, nicht

zukommt.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 42 / 117 题