Mit der Anschauungs- und Situationskomik ist für _Kräpelin_ der Umkreis
der objektiven Komik abgeschlossen. Entsprechend könnten auch wir die
Kritik der _Kräpelin_'schen Theorie abschliessen, wenn wir uns nicht
bereits in einen neuen Streit mit ihrem Autor verwickelt hätten. Wir
thaten dies durch die Art, wie wir den Begriff der Erwartung verwandten.
Die Einführung dieses Begriffs geschah gelegentlich; und seine Verwendung
schien in den speziell angeführten Fällen wohl gerechtfertigt. Es fehlt
aber noch--nicht nur die prinzipielle Rechtfertigung, sondern sogar die
genauere Bezeichnung desjenigen, was eigentlich mit diesem Begriff gesagt
sein solle. Beides wollen wir im Folgenden nachzuholen versuchen. Dabei
wird auch erst die volle Tragweite dieses Begriffs deutlich werden.
Wie schon erwähnt, erklärt _Kant_ die Komik aus der plötzlichen Auflösung
einer Erwartung in Nichts. Auch _Vischer_ lässt die Erwartung als ein
wesentliches Moment der Komik erscheinen, wenn er gelegentlich das
"Erhabene", zu dem das Nichtige in komischen Gegensatz tritt, mit dem
identifiziert, was irgend eine, wenn auch an sich unmerkliche Erwartung
und Spannung erregt. (Ästhetik I, § 156).
Mit solchen Erklärungen scheint eben unsere Anschauung ausgesprochen.
Dagegen spricht _Kräpelin_ der Erwartung jede prinzipielle Bedeutung ab,
obgleich er doch wiederum jener _Kant_'schen Bestimmung ein gewisses
Recht zugesteht.
Zunächst soll die Erwartung die Wirkung der Komik nur verstärken. Was die
Wirkung eigentlich hervorbringt, ist der Vorstellungskontrast. Darnach
sind Kontrast und in Nichts aufgelöste oder enttäuschte Erwartung für
_Kräpelin_ jederzeit nebeneinander stehende Momente. Von einem solchen
Nebeneinander nun konnten wir in den oben besprochenen Fällen nichts
bemerken. Vielmehr lag eben in der Enttäuschung der Erwartung, d. h. in
dem Kontrast zwischen dem Erwarteten und dem relativen Nichts, das dafür
eintrat, jederzeit der ganze Grund der Komik.
Es ist, um viele Fälle in einen Typus zusammenzufassen, komisch, wenn
Berge kreissen und ein winziges Mäuschen wird geboren. Man lasse dabei
die Erwartung weg, nehme an, das Kreissen der Berge gebe zu keiner
Vermutung über die Beschaffenheit dessen, was daraus entstehen möge,
Anlass, so dass der Gedanke, es werde etwas Grosses geboren werden, nicht
näher liegt als der entgegengesetzte, und die Komik ist dahin. Sie beruht
also freilich auf einem Kontrast, aber nicht auf dem Kontrast der Berge
und des Mäuschens, sondern auf dem Kontrast des Erwarteten und des dafür
Eintretenden.
Dies wird noch deutlicher in anderen Fällen. Vor mir liege ein chemischer
Körper, der bei einem leichten Schlage mit lautem Knall explodieren soll.
Indem ich den Schlag ausführe, bin ich auf den Knall gefasst. Ich höre
aber thatsächlich nur das Geräusch, das der Schlag auch sonst
hervorgebracht hätte: der Versuch ist missglückt. Hier ist dasjenige, was
die Erwartung erregt, die Wahrnehmung des Schlages, an sich so
geringfügig wie dasjenige, was folgt. Kein Kontrast irgendwelcher Art
findet statt zwischen dem leichten Schlage und dem Geräusch. Der Kontrast
besteht einzig zwischen dem Geräusch und der erwarteten Explosion. Hierin
also ist der Grund der Komik zu suchen.
Diesen Fällen lassen sich leicht solche entgegenstellen, in denen
lediglich darum _keine_ komische Wirkung entsteht, weil die Erwartung und
ihre Auflösung in Nichts _fehlt_. Im Vergleich zu einem hohen Berge
erscheint jedes darauf stehende Haus klein. Das Haus ist darum doch nicht
notwendig kleiner als man erwartet, Unter dieser Voraussetzung fehlt dann
auch die Komik, trotz jenes Kontrastes zwischen Berg und Haus.
Darnach müssen wir jetzt sogar _Kräpelins_ Kontrasttheorie in einem neuen
wesentlichen Punkte korrigieren. Wir korrigieren damit zugleich uns
selbst, sofern wir uns oben die _Kräpelin_'sche Ausdrucksweise
einstweilen gefallen liessen. Der Kontrast zwischen menschlichen Zwecken
und ihrer Realisierung, zwischen lebhaften Bemühungen und deren
Erfolglosigkeit u. s. w., auf den _Kräpelin_ die Situationskomik
gründete, hat als solcher mit der Komik gar nichts zu thun. An seine
Stelle tritt der Kontrast zwischen der erwarteten und der thatsächlichen
Realisierung, zwischen dem Erfolg, den wir den Bemühungen, sie mögen
"lebhaft" sein oder nicht, naturgemäss zuschreiben, und der wirklichen
Erfolglosigkeit. Ebenso tritt bei der Anschauungskomik an die Stelle des
Kontrastes zwischen "dem angeschauten Gegenstand und Bestandteilen
unseres Vorstellungsschatzes" der Kontrast zwischen der Beschaffenheit
des Angeschauten, die wir auf Grund unseres Vorstellungsschatzes
naturgemäß voraussetzen, und derjenigen, die die Anschauung aufweist. Mit
einem Worte, der Vorstellungskontrast löst sich auf in den Kontrast
zwischen einem Erwarteten (Geforderten, Vorausgesetzten) und einem an die
Stelle tretenden Thatsächlichen. Dies ist der eigentliche
"intellektuelle" Kontrast, den _Kräpelin_ sucht, aber nur mit diesem
Namen zu bezeichnen weiss.
Zweitens versichert _Kräpelin_, die Erwartung sei "natürlich" nur beim
successiven Kontrast von Bedeutung. Dagegen berufe ich mich zunächst auf
den Sprachgebrauch, der nichts dawider hat, wenn ich sage, man erwarte
bei Menschen eine gewisse normale Körperbildung, oder man erwarte, wenn
man einen für Erwachsene bestimmten Tisch sehe, dass auch die um ihn
herumstehenden Stühle Stühle für Erwachsene seien, nicht Kinderstühle u.
dgl. Oder ist der Sprachgebrauch hier unwissenschaftlich?--Dann ziehe ich
mich aus dem Streit, indem ich sage, was ich hier unter Erwartung
verstehe. Diese Pflicht liegt ja ohnehin jedem ob, der die Erwartung zur
Erklärung der Komik verwendet oder sie ausdrücklich davon ausschliesst.
Die Erwartung einer Wahrnehmung oder einer Thatsache ist jedenfalls ein
Zustand des Bereit- oder Gerüstetseins zum Vollzug der Wahrnehmung, bezw.
zur Erfassung der Thatsache. Ein solches Bereitsein kann in unendlich
vielen Stufen stattfinden. Ich bin nicht bereit eine Wahrnehmung zu
vollziehen, wenn Anderes, das mit der Wahrnehmung in keinem Zusammenhang
steht, mich gänzlich in Anspruch nimmt, oder gar Vorstellungen sich mir
aufdrängen, deren Inhalt dem Inhalt jener Wahrnehmung widerspricht. So
bin ich nicht vorbereitet einen Glockenschlag zu hören, wenn Gedanken,
die mit dem Glockenschlage in keiner Beziehung stehen, mich ganz und gar
beschäftigen. Ich bin in noch minderem Grade vorbereitet, jemand eine
bedeutende Leistung vollbringen zu sehen, wenn seine ganze Persönlichkeit
vielmehr den Eindruck der Unfähigkeit zu jeder bedeutenden Leistung
macht.
Dagegen kann ich mich schon in gewisser Weise auf den Schall vorbereitet
nennen, wenn mich in dem Augenblicke, wo er eintritt, nichts besonders in
Anspruch nimmt, wenn also die Schallwahrnehmung relativ ungehindert in
mir zu stande kommen kann. Ich bin ebenso in gewisser Weise vorbereitet,
die Leistung sich vollziehen zu sehen, wenn ich hinsichtlich der
Leistungsfähigkeit der Person kein günstiges, aber auch kein ungünstiges
Vorurteil hege.
Doch ist in diesen Fällen die Bereitschaft noch eine lediglich negative.
Sie kann dann aber in den verschiedensten Graden zur positiven werden.
Bleiben wir bei der Leistung. Angenommen die Person, über deren
Leistungsfähigkeit ich nichts weiss, habe die glückliche Vollführung
eines nicht über gewöhnliche menschliche Kräfte hinausgehenden, auch mit
keinen übergrossen Schwierigkeiten verbundenen Unternehmens angekündigt.
Daraus ergäbe sich schon ein erhebliches Mass positiver Bereitschaft.
Ich verstehe die Ankündigung und bin gewohnt anzunehmen, dass derjenige,
der eine solche Ankündigung ausspricht, nicht nur den guten Willen habe,
sie zu erfüllen, sondern auch Mittel und Wege dazu finden werde. Dieser
erfahrungsgemässe Zusammenhang zwischen Ankündigung und Vollführung
des Unternehmens bereitet mich auf die Wahrnehmung des Unternehmens
vor, leitet die seelische Bewegung darauf hin; oder wenn man lieber
will, der Gedanke an die Ankündigung thut dies _vermöge_ jenes
Gedankenzusammenhanges oder auf dem dadurch bezeichneten _Wege_. Dass die
Hinleitung wirklich stattfindet, erfahre ich, sobald ich die Leistung
sich wirklich vollziehen sehe. Ich erlebe den Vollzug derselben nicht nur
ohne Befremden und Überraschung, sondern wie etwas, das so sein muss. Ich
finde mich in das Erlebnis nicht nur ohne Widerstreben, sondern ich würde
mich umgekehrt nur mit einem gewissen Widerstreben in das Nichteintreten
desselben finden. Dies Streben, bezw. Widerstreben kann nur in dem
Vorhandensein eines auf die Wahrnehmung des Vollzugs der Leistung
hinleitenden oder hindrängenden Faktors seinen Grund haben.
Damit ist indessen noch nicht der höchste Grad der Bereitschaft erreicht.
Sie steigert sich, wenn ich von der Leistungsfähigkeit der Person die
beste Meinung habe, wenn ich zugleich an ihrer Zuverlässigkeit nicht
zweifle, wenn endlich solche Elemente, die dem, was kommen soll,
unmittelbar angehören, in der Wahrnehmung oder Erfahrung bereits gegeben
sind. Ich weiss etwa, der Moment, für den die Leistung angekündigt war,
ist da; ich sehe auch die Person zum Vollzug derselben sich anschicken.
Jetzt wird mein Vorstellen gleichzeitig durch alle diese Faktoren auf die
Wahrnehmung des wirklichen Vollzugs der Leistung hingeleitet. Die Energie
dieser Hinleitung nimmt zu; bis zu dem Momente, wo es sich entscheiden
muss, ob die That geschieht oder nicht. Wiederum verrät sich die
vorbereitende Kraft jener Faktoren in der unmittelbaren Erfahrung. Immer
begieriger und leichter vollziehe ich die Wahrnehmung der Leistung, wenn
sie wirklich geschieht, und immer befremdlicher finde ich mich angemutet,
wenn sie schliesslich dennoch unterbleibt.
Vielleicht freilich giebt man nicht viel auf diese unmittelbare
Erfahrung. Dann mag daran erinnert werden, dass die Wirksamkeit solcher
Faktoren auch experimentell feststeht. Psychische Messungen ergeben,
dass Wahrnehmungsinhalte um so schneller von uns erfasst werden oder zu
unserem Bewusstsein gelangen, je mehr derartige Faktoren, je mehr also
Vorstellungs- oder Wahrnehmungsinhalte, die mit der neuen Wahrnehmung in
engem erfahrungsgemässem Zusammenhang stehen, bereits gegeben sind. So
ist die Zeit, die zwischen der Auslösung eines Schalles und der
Wahrnehmung desselben verfliesst, kürzer, wenn derjenige, der ihn hört,
vorher weiss, es werde ein Schall von dieser bestimmten Beschaffenheit
erfolgen, als wenn er ihn völlig unvorbereitet hört; sie ist noch kürzer,
wenn dem Schall in bestimmter, dem Hörer genau bekannter Zeit
irgendwelches Signal vorangeht. Diese successive Verkürzung der Zeit
beweist so deutlich als möglich die den Vollzug der Wahrnehmung
vorbereitende und erleichternde Kraft jener Faktoren.
Der zuletzt bezeichneten Art der Bereitschaft nun wird jedermann den
Namen der Erwartung zugestehen. Wir "erwarten" das in Aussicht gestellte
und angefangene Unternehmen sich vollenden zu sehen. Dagegen sagen wir
nicht, wir erwarten einen Schall zu hören, wenn die Wahrnehmung desselben
nur in dem Sinne vorbereitet ist, dass ihr kein besonderes Hindernis
entgegensteht. Wir "erwarten" auch nicht den Vollzug der Leistung, wenn
die Ankündigung derselben uns zwar bekannt, aber im Augenblicke nicht in
uns wirksam ist, sei es dass der Gedanke überhaupt nicht in uns lebendig
ist, sei es dass sonstige seelische Vorgänge ihn verhindern seine
Wirksamkeit zu entfalten.
Darnach wissen wir, worin das Wesen der Erwartung besteht. Wir sprechen
von einer solchen, und sind berechtigt davon zu sprechen, wenn die
Bereitschaft zum Vollzug einer Wahrnehmung oder zur Erfassung einer
Thatsache eine aktive ist, d. h. wenn in uns _lebendige_ Wahrnehmungen
oder Vorstellungen vermöge ihrer Beziehung zu der Wahrnehmung oder
Thatsache auf diese hinweisen oder hindrängen; und wir haben ein um so
grösseres Recht von Erwartung zu sprechen, je bestimmter und
ungehinderter die Wahrnehmungen oder Vorstellungen eben auf diese
Wahrnehmung oder Thatsache hindrängen.
Damit sehen wir in der Erwartung nicht eine besondere seelische
Thätigkeit, oder ein über den associativen "Mechanismus" hinausgehendes
seelisches Geschehen. Zwei seelische Vorgänge sind durch Association
verknüpft, dies heisst gar nichts anderes, als, sie sind so aneinander
gebunden, dass die Wiederkehr des einen auf die Wiederkehr des ändern
hindrängt; und dies Hindrängen giebt sich überall darin zu erkennen, dass
der zweite seelische Vorgang sich, sei es überhaupt vollzieht, sei es
leichter vollzieht, weil der erstere sich vollzieht oder sich vollzogen
hat; womit dann zugleich gesagt ist, dass ein jenem Vorgang
gegensätzlicher in seinem Entstehen gehemmt werden wird. Oder kurz
gesagt, wir sprechen von Association darum und nur darum, weil wir es
erleben, dass seelische Vorgänge sich als wirksame Bedingungen anderer,
damit natürlich zugleich als Hemmung entgegengesetzter erweisen. Die an
sich unbekannte Beziehung zwischen Vorgängen, welche in dieser
Wirksamkeit sich äussert, nennen wir Association. Auch die Erwartung ist
nur ein besonderer Fall der Wirksamkeit der Associationen. An gewisse
Bewusstseinsinhalte hat sich in den besprochenen Fällen eine Wahrnehmung
oder der Gedanke an die Verwirklichung eines Geschehens erfahrungsgemäss
geknüpft. Diese Verknüpfung bethätigt sich, indem die Wahrnehmung oder
die Erfassung des Geschehens leichter sich vollzieht, und eben damit
zugleich der Vollzug einer entgegengesetzten Wahrnehmung oder eines
widersprechenden Gedankens eine Hemmung erleidet, sobald jene
Bewusstseinsinhalte wiederum in uns lebendig werden.
Ein Punkt nur scheint noch übersehen: das Gefühl des Strebens oder der
inneren Spannung, das die Erwartung begleitet. Aber dies Gefühl ist, wie
dies schon oben gelegentlich von den Gefühlen überhaupt gesagt wurde,
nicht mitwirksamer Faktor. Es ist ein Nebenprodukt, das überall sich
einstellt, wo der Fluss des seelischen Geschehens auf ein Ziel gerichtet
ist, dies Ziel aber nicht, oder einstweilen nicht erreichen kann; oder
anders ausgedrückt, wo aktive, also in thatsächlich vorhandenen
Empfindungen oder Vorstellungen bestehende Bedingungen für ein seelisches
Geschehen gegeben sind, ohne dass doch dies Geschehen, sei es überhaupt,
sei es einstweilen sich vollziehen kann. Wir werden in dem Gefühl des
Strebens eben dieses Sachverhaltes, dieser Kausalität, die ihres
zugehörigen Erfolges überhaupt oder einstweilen entbehren muss, inne; es
bildet den Widerschein desselben in unserem Bewusstsein.
Von den vorhin besprochenen Beispielen der Erwartung gilt nun
thatsächlich, was _Kräpelin_ als zu aller Erwartung gehörig anzusehen
scheint; es ist dabei das die Erwartung Erregende objektiv früher als das
Erwartete. Besteht aber das Wesen der Erwartung in dem eben Angegebenen,
dann ist nicht einzusehen, inwiefern jenes Verhältnis objektiver
Succession dafür wesentlich sein sollte. Auch wenn eine Reihe grosser
Paläste die Erwartung in mir erregt, es werden weiter grosse Bauwerke
folgen, weist ein seelisches Geschehen, nämlich die Wahrnehmung der
Paläste auf eine Wahrnehmung, nämlich die ähnlich grossartiger Bauwerke,
hin und bereitet sie vor. Dass hier das Erwartete, bezw. das dafür
Eintretende kein zeitlich Nachfolgendes ist, macht psychologisch keinen
Unterschied. Die Wirkung ist dieselbe; auch das Gefühl der Spannung
braucht nicht zu fehlen.
Nebenbei bemerke ich, dass in diesem Beispiel auch das Band, das die
"Vorbereitung" vermittelt, ein anderes ist, als in den oben angeführten
Fällen,--nicht erfahrungsgemässer Zusammenhang, sondern Ähnlichkeit. Auch
dies aber ändert die Wirkung nicht. Wir kennen ja überhaupt zwei
wirkungsfähige Arten des Zusammenhanges zwischen seelischen Vorgängen,
oder zwei "Associationen", nämlich die Association, die durch Erfahrung,
d. h. durch gleichzeitiges Erleben, _geworden_ ist, und die ursprüngliche
Association der _Ähnlichkeit_.
Immerhin besteht beim letzten Beispiele noch ein Verhältnis der
_subjektiven_ Succession. Das neue grosse Gebäude oder das an seine
Stelle tretende kleine Häuschen folgt wenigstens in der Wahrnehmung oder
Betrachtung auf die Reihe der Paläste. Und diese Succession scheint
allerdings für die Erwartung wesentlich. Aber eine Art dieser lediglich
subjektiven Succession ist, wie wir schon wissen, auch für die Komik,
soweit sie bisher in Betracht kam, wesentlich.
Die Wahrnehmung der menschlichen Körperformen, die der Neger mit uns
gemein hat, erzeugt die aktive Bereitschaft, mit dem Negerkörper
ebendenselben Gedanken eines in und hinter den Formen waltenden
körperlichen und seelischen Lebens zu verbinden, wie wir ihn mit unserem
Körper zu verbinden nicht umhin können. Die Wahrnehmung des Negerkörpers
weist oder drängt auf den Vollzug dieses Gedankens hin, wie die
Ankündigung der Leistung auf die Wahrnehmung der Leistung, oder die Reihe
der Paläste auf die Wahrnehmung eines gleich imposanten Baues. Das Band,
das den Hinweis vermittelt, ist, im Unterschied von dem letzteren Falle,
wiederum das der _Erfahrungsassociation_.
Diesem Gedanken, dass der Negerkörper, ebenso wie der unsrige,
menschliches Leben in sich schliesse, tritt nun die Wahrnehmung der
schwarzen Hautfarbe, die wir der Voraussetzung nach noch nicht als Träger
eines solchen Lebens kennen und anerkennen, sofort negierend entgegen.
Ich kann den Neger oder die Körperformen nicht sehen, ohne zugleich auch
diese Farbe zu sehen. Immerhin muss ich doch auch hier erst auf die
Formen, die der Neger mit uns gemein hat, geachtet haben und dadurch auf
den Vollzug jenes Gedankens hingedrängt worden sein, ehe jene Negation
als solche zur Geltung kommen, ehe also die schwarze Hautfarbe die
Vorstellung des Mangels oder des relativen Nichts in mir wecken kann. Ich
habe darnach zur Anwendung des Begriffes der Erwartung im Grunde hier
ebensoviel Recht, wie bei dem kleinen Häuschen zwischen Palästen. Ich
darf sagen, ich erwarte naturgemäss mit dem Bild des Negerkörpers jenen
Gedanken verbinden zu können, diese Erwartung aber zergehe angesichts der
mir fremden Farbe in nichts. Die "Erwartung" besteht thatsächlich, nur
dass sie auf ihre Entscheidung nicht zu "warten" braucht, und darum auch
ein merkliches Gefühl der Spannung, wie es sonst die in Erreichung ihres
Zieles, der Erfüllung oder Enttäuschung, _gehemmte_ Erwartung begleitet,
nicht entstehen kann.
Es ist nun aber gar nicht meine Absicht, hier dem Begriff der Erwartung
eine möglichst weite Anwendbarkeit zu sichern. Mag man die Erwartung da,
wo man auf die Erfüllung oder Enttäuschung nicht zu "warten" braucht, und
darum kein merkbares Spannungsgefühl eintritt, trotzdem als solche
bezeichnen oder nicht, uns kommt es einzig an auf das in aller Erwartung
Wesentliche und psychologisch Wirksame, die aktive Bereitschaft also zur
Erfassung eines Inhaltes. Und diese findet sich bei aller bisher
besprochenen Komik.