Doch wir dürfen nicht übersehen: _Groos_ kennt noch eine andere Art der
Überlegenheit. Und die könnte hier, wie in dem vorhin erwähnten Falle
_Groos'_ Theorie zu retten scheinen. _Kant_ sagt, und _Groos_ zitiert, es
sei eine merkwürdige Eigenschaft des Komischen, dass es immer etwas in
sich enthalten müsse, das auf einen Augenblick täuschen könne. Diese
vortreffliche Bemerkung _Kants_ wendet _Groos_ in folgender Weise zu
seinen Gunsten. Wir fallen auf das komische Objekt herein, "das komische
Objekt will uns weismachen, dass seine widersprechenden Glieder in
friedlichstem und geordnetstem Zusammenhang seien. Und erst wenn wir
diesen scheinbaren Zusammenhang zerrissen haben, kommen wir zu dem vollen
Gefühl der Überlegenheit."
Offenbar handelt es sich hier um eine andere Art der Überlegenheit, als
diejenige ist, von der vorhin die Rede war. Es ist eine Überlegenheit
nicht über das Verkehrte, sondern eine Überlegenheit oder ein sich
Erheben über den Schein, als sei das komische das Gegenteil eines
Verkehrten, ein sich Erheben über die Täuschung, der man einen Moment
unterlag, also eine Art der Überlegenheit über uns selbst. Man erinnert
sich, dass auch diese Überlegenheit schon bei _Hobbes_ vorkam. _Groos_
bezeichnet sie auch als "Erleuchtung" nach der "Verblüffung".
Mit dieser "Erleuchtung nach der Verblüffung" pfropft offenbar _Groos_
auf seine erste Theorie der Komik eine zweite, die etwas völlig Neues
giebt. Dies spricht gegen beide. Es scheint, wenn es wahr ist, dass wir
bei aller Komik jenes oben bezeichnete Pharisäergefühl haben, dann
bedürfen wir nicht mehr dieses beglückenden Gefühles, über unsere eigene
Verblüffung Herr geworden oder daraus siegreich hervorgegangen zu sein.
Und wenn wir überall dieses letztere Gefühl haben, dann ist jenes erstere
überflüssig.
Aber bleiben wir bei der neuen Theorie. Soweit sie Theorie der
"Verblüffung und Erleuchtung" ist, könnte aus ihr sachlich Richtiges
herausgelesen werden. Aber der dominierende Begriff bleibt eben doch auch
hier der Begriff der Überlegenheit. Insofern bessert diese neue Theorie
nichts.
Es ist ja gewiss so: Eine Art des "Hereinfallens" gehört zu jeder Komik.
Das Komische muss uns in Anspruch nehmen, als ob es mehr wäre, als nur
dies komisch Nichtige. Es muss in unseren Augen den Anspruch erheben,
mehr zu _sein_. Der Witz insbesondere muss etwas Glaubhaftes an sich
tragen.
Und auch dies gehört zur Komik, dass dieser Anspruch zergeht. Aber was
dies heisst, muss genauer gesagt werden. Und es muss in jedem Falle
anders gesagt werden, als _Groos_ es sagt. Die Einsicht, _dass_ wir
hereingefallen sind, diese "Erleuchtung" giebt an sich keinen Grund zum
Gefühl der Komik.
Sie giebt nicht einmal ohne weiteres ein beglückendes Gefühl der
Überlegenheit. Solche Erleuchtung kann beschämend sein. Sie kann uns auch
gleichgültig sein. Ich frage: Wenn sie weder das eine noch das andere
ist, sondern ein beglückendes Gefühl der Überlegenheit schafft, worin
liegt dies?
Aber die Antwort auf diese Frage würde uns ja nichts nützen. Das Gefühl
unserer Überlegenheit über das Verkehrte konnte nicht das Gefühl der
Komik des Verkehrten sein. Ebensowenig, oder noch weniger kann das Gefühl
der Überlegenheit über uns mit dem auf das Objekt bezogenen Gefühl der
Komik eine und dieselbe Sache sein. _Groos_ scheint schliesslich
besonderes Gewicht zu legen auf das Momentane der Verblüffung und das
Momentane der Erleuchtung, auf den _Zeising_'schen plötzlichen "Choc und
Gegenchoc". Aber auch damit kommen wir dem Ziel nicht näher. Erzeugt die
Erleuchtung momentane Beschämung, so erzeugt sie eben momentane
Beschämung, erzeugt sie ein momentanes Gefühl der Überlegenheit, so
erzeugt sie eben ein momentanes Gefühl der Überlegenheit. Kein Gefühl
wird lediglich dadurch, dass es ein momentanes ist, zu einem Gefühle ganz
anderer Art, und ausserdem auch noch zu einem Gefühl, das auf einen ganz
anderen Gegenstand bezogen erscheint.