GEFÜHL UND GRUND DES GEFÜHLS.

Dass es so sich verhalten muss, zeigt eine einfache Überlegung. Für

_Groos_ soll die _Verkehrtheit komisch_ erscheinen, weil ich mich

_überlegen_ fühle. Das Gefühl meiner Überlegenheit ist für _Groos_

identisch mit dem Gefühl der Komik des Gegenstandes, oder allgemeiner

gesagt, ein auf mich bezogenes Gefühl soll identisch sein mit einem nicht

auf mich, sondern auf ein Objekt bezogenen Gefühl. Dies ist ein

Widerspruch in sich selbst.

Was heisst dies: Ein Gefühl ist für mich auf ein Objekt bezogen? Worin

besteht das _Bewusstsein_ dieses _Bezogenseins_? Gewiss nicht einfach

darin, dass ich ein Objekt und neben ihm oder gleichzeitig mit ihm ein

bestimmtes Gefühl in meinem Bewusstsein vorfinde. Gefühle können mit

Objekten gleichzeitig vorhanden sein und doch nicht auf sie bezogen

erscheinen. Ich stehe etwa vor einem Kunstwerk, und es stört mich etwas

an ihm. Aber ich weiss zunächst nicht, was das Störende ist. Hier ist das

Gefühl des Störenden, d. h. das Gefühl der Unlust für mein Bewusstsein

nicht auf sein Objekt bezogen.

Und wie nun kommt das Bewusstsein der Beziehung des Gefühls auf ein

bestimmtes Objekt zu stande? Jedermann weiss die Antwort. Ich analysiere

den Wahrnehmungskomplex, in dem das Kunstwerk für mich besteht; d. h. ich

richte nach einander auf die verschiedenen Teile, Züge, Momente des

Kunstwerkes meine Aufmerksamkeit, und sehe zu, wann das Unlustgefühl

heraustritt oder sich steigert. Endlich weiss ich, was mich störte. Ich

achtete auf einen bestimmten Zug des Kunstwerkes mit Ausschluss anderer.

Indem ich dies that, und mir zugleich dieses Thuns, d. h. der auf diesen

bestimmten Zug gerichteten Aufmerksamkeit bewusst war, trat das

Unlustgefühl rein oder beherrschend zu Tage. So besteht die bewusste

Beziehung oder das Bewusstsein der Bezogenheit eines Gefühles der Lust

oder Unlust auf ein Objekt immer darin, dass das Gefühl hervortritt,

indem ich das Bewusstsein habe, es sei die Aufmerksamkeit auf eben dieses

Objekt gerichtet.

Neben die eben gestellte Frage stelle ich jetzt die andere, davon

verschiedene: Wie wird ein psychischer Vorgang von uns als _Grund_ eines

Gefühles erkannt? Diese Frage haben wir schon ehemals gestreift. Offenbar

muss die Antwort lauten: Ein psychischer Vorgang ist Grund eines

Gefühles, wenn und sofern die Steigerung dieses Vorganges, oder die

erhöhte Kraft seines Auftretens in uns dies Gefühl steigert oder erst

heraustreten lässt. Es leuchtet ja ein: Ist ein psychischer Vorgang, ein

Vorgang des Empfindens oder Vorstellens etwa, dasjenige, was ein Gefühl

bedingt, oder woran ein Gefühl "haftet", so muss das fragliche Gefühl

sich steigern--oder, was dasselbe sagt, es muss unser Gesamtgefühl die

Färbung dieses Gefühles annehmen--in dem Masse als der bedingende Vorgang

psychisch zur Geltung kommt, Kraft gewinnt, im Zusammenhang des

psychischen Geschehens dominierend hervortritt.

Nun findet dies "Hervortreten" oder Kraftgewinnen eines psychischen

Vorganges statt, wenn wir auf ihn unsere Aufmerksamkeit richten. Und der

_Bewusstseinsthatbestand_, den wir als _Bewusstsein_ des Aufmerkens auf

ein empfundenes oder vorgestelltes Objekt bezeichnen, ist nichts anderes

als die Begleiterscheinung dieses Hervortretens, Kraftgewinnens,

Dominierens des Empfindungs- oder Vorstellungsvorganges. Also können wir

auch sagen: Erscheint in unserem Bewusstsein, oder nach Aussage

desselben, ein Gefühl der Lust oder Unlust auf einen Empfindungs- oder

Vorstellungsinhalt bezogen, so ist in dem entsprechenden Empfindungs-

oder Vorstellungs_vorgang_ zugleich der _Grund_ dieses Gefühles zu

suchen.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 22 / 117 题