Dagegen ist das gesteigerte Selbstgefühl von anderen in den Mittelpunkt
der Theorie der Komik gestellt worden. Wie schon gesagt, hat bereits
_Hobbes_ dasselbe zur Erklärung der Komik verwendet. _Hobbes_ meint, der
Affekt des Lachens sei nichts, als das plötzlich auftauchende
Selbstgefühl, das sich ergebe aus der Vorstellung einer Überlegenheit
unserer selbst im Vergleich mit der Inferiorität anderer, oder der
Inferiorität, die wir selbst vorher bekundeten. Hierin liegt zugleich, so
viel ich weiss, der zeitlich erste Versuch einer Begründung des _Gefühls_
der Komik. _Aristoteles_ bezeichnet als komisch das unschädliche
Hässliche. Hier fehlt die Antwort auf die Frage, wiefern denn das
Hässliche, das an sich Gegenstand der Unlust ist, vermöge des rein
negativen Momentes seiner Unschädlichkeit die komische Lust oder
Lustigkeit hervorrufen könne. Dagegen scheint die lusterzeugende Wirkung
des Gefühles der Überlegenheit ohne weiteres einleuchtend.
Ich will aber hier nicht an _Hobbes_, sondern an einen Erneuerer der
_Hobbes_'schen Theorie meine weiteren kritischen Bemerkungen anknüpfen.
Ich denke an _Groos'_ Einleitung in die Ästhetik. _Groos_ scheint sich
freilich seines Verhältnisses zu _Hobbes_ nicht bewusst zu sein. Seine
Theorie giebt sich wie eine neue. Indessen dies thut hier nichts zur
Sache.
In welcher Weise _Groos_ zu seiner Theorie gelangt ist, ob auf dem einen
oder dem anderen der eingangs dieser Schrift unterschiedenen Wege, vermag
ich nicht zu entscheiden. _Groos_ beginnt sofort mit der Definition der
Komik, um sie dann zu erörtern und zu begründen. Das Gefühl der Komik ist
für _Groos_ das Gefühl der Überlegenheit über eine Verkehrtheit.
In diesem _Groos_'schen Gefühl der Überlegenheit liegt eine genauere
Bestimmung des _Hecker_'schen gesteigerten Selbstgefühles. Zugleich ist
bei _Groos_ die Forderung eines Gleichgewichtes von Lust und Unlust und
des Wettstreits zwischen beiden Gefühlen weggefallen. An die Stelle tritt
die Forderung, dass nicht Mitleid oder Furcht in den Vordergrund trete,
weil sonst die erheiternde Wirkung notwendig ausbleiben müsste. Dabei
sollen unter dem Mitleid auch die "sanfteren Regungen der Ehrfurcht und
Einschüchterung" begriffen werden.
Gehen wir darauf etwas näher ein. Ich darf von vornherein sagen: Ist es
unzutreffend, dass jedes Gefühl der Überlegenheit, bei dem Lust und
Unlust--nach _Heckers_ Forderung--sich die Wage halten, ein Gefühl der
Komik ist, dann ist es noch unzutreffender, dass jedes Gefühl der
Überlegenheit ein Gefühl der Komik ist, falls das Angenehme dieses
Gefühles nicht durch Furcht oder Mitleid aufgehoben wird. Und ebenso
unzutreffend ist die Umkehrung dieser Annahme, dass bei allem Komischen
ein Gefühl der Überlegenheit über eine Verkehrtheit stattfinde.
Wenn ich das Bewusstsein habe, klüger oder geschickter zu sein, als ein
anderer, so mag es wohl geschehen, dass ich mit dem im Vergleich mit mir
Unklugen oder Ungeschickten Mitleid habe. Dann ist nach _Groos_ die
Bedingung für die Komik nicht gegeben. Aber vielleicht habe ich kein
Mitleid. Der Unkluge oder Ungeschickte beansprucht gar kein Mitleid. Er
müht sich in einer Sache vergeblich und lässt dann die Sache laufen. Oder
es wäre wohl Grund zum Mitleid, aber ich gebe mir nicht die Mühe mich
darauf zu besinnen. Ich bin nun einmal der Selbstbewusste, für den die
"Verkehrtheit" anderer lediglich ein Mittel ist, sich in seiner
Überlegenheit zu sonnen. Ich thue dies also auch in diesem Falle. Wo ist
dann die Komik? Es ist kein Zweifel, dass dieselbe um so sicherer
unterbleibt, je mehr ich meinem Gefühl der Überlegenheit mich hingebe.