DER WECHSEL DER GEFÜHLE.

Ich nahm oben versuchsweise an, dass der _Hecker_'sche "Wettstreit" unter

den _Hecker_'schen Bedingungen wirklich stattfinde. Träfe diese Annahme

zu, dann wäre noch die Frage, ob aus solchem Wettstreit, oder dem damit

gegebenen schnellen Wechsel von entgegengesetzten Gefühlen ein

einheitliches Gefühl, wie das Gefühl der Komik es ist, sich ergeben

würde. Auch diese Frage muss verneint werden. Ein Wettstreit der

Vorstellungen kann thatsächlich stattfinden und mit einem Wechsel der

Gefühle, speciell der Gefühle der Lust und Unlust, verbunden sein, ohne

dass doch das Gefühl der Komik entsteht.

Ich stehe etwa vor dem Momente, wo es sich entscheiden muss, ob eine

lange gehegte Hoffnung in Erfüllung gehen wird oder nicht. Alles scheint

für die Erfüllung zu sprechen. Nur ein Umstand liegt vor, der am Ende die

ganze Hoffnung zunichte machen könnte. Diese gegensätzlichen Gedanken

werden sich weder dauernd das Gleichgewicht halten, noch wird einer den

andern für längere Zeit völlig unterdrücken können. Das letztere um so

weniger, in je engerem Zusammenhang die der Hoffnung günstigen, und der

ihr ungünstige Faktor miteinander stehen. Ich achte jetzt auf die

günstigen Faktoren und glaube an die Erfüllung der Hoffnung. Aber je

lebendiger dieser Gedanke in mir wird, um so sicherer weckt er die

Vorstellung jenes anderen, ungünstigen Faktors. Diese Vorstellung tritt

hervor und verwandelt für einen Augenblick mein Vertrauen in sein

Gegenteil. Doch nur für einen Augenblick. Denn in Wirklichkeit ist zu

ernster Besorgnis kein Grund. Ich brauche nur den ungünstigen Faktor

genau ins Auge zu fassen, um zu sehen, wie wenig er doch gegen die

anderen Faktoren in Betracht kommen kann, wie unwahrscheinlich es also

ist, dass er die Erfüllung der Hoffnung verhindern wird. Damit hat wieder

der erste Gedanke das Übergewicht gewonnen u. s. w. So ergiebt sich ein

beständiges Hin- und Hergehen, zunächst zwischen entgegenstehenden

Gedanken, dann auch zwischen entsprechenden Gefühlen. Und die Unruhe

dieses Hin- und Hergehens, in dem im Ganzen ebensowohl die Lust wie die

Unlust überwiegen kann, wird sich steigern, je mehr der Moment der

Entscheidung naht. Heisst dies: mir wird immer komischer und komischer zu

Mute? Ich denke nicht. Andere mögen über die Situation lachen. Ich selbst

werde vom Lachen soweit als möglich entfernt sein. Ist dem aber so, dann

liegt in dem Beispiel der Beweis, dass auch, wo das gleichzeitige

Entstehen von Lust und Unlust aus einem Punkte wirklich in den

_Hecker_'schen beschleunigten Wettstreit mündet, noch etwas hinzukommen

muss, wenn das Gefühl der Komik entstehen soll. Dies Etwas ist die Komik.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 18 / 117 题