GEFÜHLSKONTRAST.

Allerdings bezeichnet _Hecker_ die Bedingungen dieses Gefühles noch

genauer. Lust und Unlust sollen sich beim Wettstreit zunächst die Wage

halten. Dann aber soll das Gefühl der Last durch Kontrast gehoben werden.

Indessen auch diese Bedingungen können in unserem Falle erfüllt sein. Es

hindert zunächst nichts, dass das Unlustvolle des Leidens und das

Befriedigende, das die Weise des Leidens oder die Eigenart der leidenden

Persönlichkeit in sich schliesst, in beliebigem Grade sich die Wage

halten.

Und auch eine Kontrastwirkung kann nicht nur, sondern wird jederzeit bei

der Tragik stattfinden.--Doch ist hierzu eine besondere Bemerkung

erforderlich.

_Hecker_ redet von _Gefühls_kontrast. Das Gefühl der Unlust soll

unmittelbar das mit ihm wechselnde Gefühl der Lust "_heben_". Hier ist

ein, auch sonst behauptetes allgemeines psychologisches _Kontrastgesetz_

vorausgesetzt. Nehmen wir einmal an, dies Gesetz bestände, so müsste ihm

zufolge offenbar, wie die Lust durch die Unlust, so auch die Unlust durch

die Lust gehoben werden. Damit wäre das schliessliche Überwiegen der

Lust, das _Hecker_ bei der Komik annimmt, wiederum illusorisch geworden.

Aber jenes Kontrastgesetz existiert nicht. Wohl giebt es mancherlei

Thatsachen, die man als Wirkungen eines Kontrastes bezeichnen kann. Aber

wenn man dies thut, so hat man nur einen zusammenfassenden Namen, und

zwar einen Namen für sehr Verschiedenartiges. Die fraglichen Thatsachen

sind der mannigfachsten Art und beruhen auf völlig heterogenen Gründen.

Rot _scheint_ nicht bloss, sondern _ist_, für das Auge nämlich, röter

neben Grünblau als neben Rot. Dies hat seine bestimmten, nämlich

_physiologischen_ Gründe. Der Mann von mittlerer Grösse _ist_ nicht, für

unsere Wahrnehmung nämlich, grösser, wenn er neben einem Zwerge, als wenn

er neben einem Riesen steht, aber er wird grösser _geschätzt_ oder

_taxiert_. Dies hat wiederum seine bestimmten, aber diesmal

_psychologischen_ Gründe.

Wie es aber auch mit dem Empfindungs- oder Vorstellungskontrast bestellt

sein mag; eine Kontrastwirkung, die Gefühle unmittelbar auf Gefühle

ausübten, giebt es nicht. Wenn ich hier ganz allgemein reden darf:

Gefühle wirken überhaupt nicht. Sie haben als solche keine

psychomotorische Bedeutung. Sie sind überall nichts als begleitende

Phänomene, Bewusstseinsreflexe, im Bewusstsein gegebene Symptome der

Weise, wie _Empfindungen_ und _Vorstellungen_, oder Zusammenhänge von

solchen, in uns wirken. Die Psychologie hat sich noch nicht überall zur

klaren Anerkennung dieses Sachverhaltes durchgearbeitet. Aber sie wird

sich wohl oder übel dazu entschliessen müssen.

Was man so Wirkung von Gefühlen nennt, ist Wirkung der Bedingungen, aus

denen die Gefühle erwachsen, also Wirkung der Empfindungs- und

Vorstellungsvorgänge und der Beziehungen, in welche dieselben verflochten

sind. So ist auch der "Gefühlskontrast" in Wahrheit Empfindungs- oder

Vorstellungskontrast. Vorstellungen können anderen, zu denen sie in

Gegensatz treten, eine höhere psychische "Energie" verleihen, und dadurch

auch das an diesen haftende Gefühl steigern. Sie thun dies nicht ohne

weiteres, wohl aber unter bestimmten Voraussetzungen. Welches diese

Voraussetzungen sind, und nach welcher psychologischen Gesetzmäßigkeit

dieselben die "Kontrastwirkung" vermitteln, dies muss natürlich im

einzelnen festgestellt werden. Das Kontrastgesetz ist mehr als ein

blosser Sammelname, soweit dieser Forderung genügt ist.

Ich sagte nun schon, dass auch bei der Tragik eine Kontrastwirkung

stattfinde. Auch diese hat ihre eigenen Gründe. Je grösser das Leid, je

härter der Untergang, und je grösser unser Eindruck von beidem, desto

schöner und grösser erscheint die Persönlichkeit, die in allem dem sich

oder das Grosse, Gute, Schöne, das in ihr liegt, behauptet. Damit ist

wenigstens eine mögliche Art der tragischen Kontrastwirkung bezeichnet.

Fassen wir alles zusammen, dann sind--falls wir fortfahren, die

_Hecker_sche Theorie des "Wettstreites" uns gefallen zu lassen, in der

Tragik alle _Hecker_'schen Bedingungen der Komik in ausgezeichneter Weise

gegeben. Die Tragik müsste also nach _Hecker_ die komischste Sache von

der Welt sein. Wir müssten über die Tragik des Leidens und Untergangs

aufs herzlichste lachen. Dies thun wir nicht, Tragik und Komik sind

äusserste Gegensätze.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 17 / 117 题