allda die Vorstadt Neustadt-Magdeburg gelegen, attaquirt und
angegriffen, wozu ihm nicht allein die alten Mauern und Keller von
solcher abgebrannten Stadt zum großen Vortheil gekommen, sondern
vornehmlich des neuen Bollwerks wegen. Denn als bei angehendem
Kriegeswesen in diesen Erz- und Stiftern die alte Stadt Magdeburg
~Ao.~ 1625 die Häuser der beiden oftgedachten Vorstädte Neustadt und
Sudenburg um den Graben der alten Stadt herum abbrechen und, auf
Anleitung des bestallten Baumeisters +Michael Rudolff+’s, drei neue
große Bollwerke, als ein großes allhier und zwei in der Sudenburg
erbauen ließ, ist die Bürgerschaft nicht allein wegen der Gefahr
-- daß man die alten, zu beiden Seiten hoch ausgemauerten, Graben
ausgefüllt und eben in der Kriegeszeit dem Feinde gleichsam eine Bahn
in die Stadt eröffnet habe -- sondern auch des vielen Schanzens und
Arbeitens halber sehr überdrüßig und schwierig geworden, daher auch
die Werke unvollkommen und die Arbeit beliegen geblieben, vornehmlich
aber an diesem Orte in der Neustadt, da der Graben um das neue Bollwerk
nirgends zu rechter Tiefe gebracht, also daß man auch vorne auf der
Spitze desselben mit Pferden bis auf und in die ~Fausse braye~ reiten
können. Ueberdies war die Außenkante des Grabens mit der ~Epaule~
parallel und die Erde noch nicht ausgebracht, daher man in den Graben
die ~Face~ entlang mit dem großen Geschütz nicht streichen können, und
was dergleichen Fehler mehr, die auch zwar bei diesem Kriegeszustande
noch wohl hätten können verbessert, aber wegen der andern Schanzen und
Außenwerke, darin ein Theil der schwedischen Armee, wenn sie käme,
liegen sollte, müssen unterlassen werden, welches alles nachmals dem
+Pappenheim+ zum großen Vortheil und sicherer Verfertigung einiger
Gallerien und Approchen bis in die ~Fausse braye~ dieses Bollwerks
gediehen. Denn nachdem er die ganze Neustadt zwerch durch, von der Elbe
an bis an und um das Hornwerk vor dem Krökenthore, mit trefflichen
vielen Laufgräben durchwühlet, und damit hin und wieder bis an die
Contrescarpe der alten und neuen Gräben gekommen war, hat er
1) in dem Winkel, da, wie gemeldet, die Außenkante des Grabens mit der
~Epaule~ parallel gelaufen, durch die Contrescarpe zu sappiren und über
den Graben eine, zu beiden Seiten mit Schanzkörben besetzte, Gallerie
zu machen angefangen -- dazu ihm denn zugleich die alte Futtermauer des
Stadtgrabens nicht wenig Sicherung gegeben -- und damit den Belagerten
alle Flanquen und Defensiones entzogen würden, mußte von der Batterie
gegenüber nicht allein der Wall über der Hohenpforte sammt dem Thurm,
so dabei im Stadtgraben -- darauf 2 Stein-Carthaunen -- zur Breche
geschossen, sondern auch noch der hohe Thurm hinter dem Wall herunter
geschossen und also gefället werden, daß er den Wall entlang geschlagen
und denen von der Stadt den Stand und Platz des ganzen Walles daselbst,
und also der daher kommenden Flanque, beraubt hat. 2) Weil auf der
Spitze dieses neuen Bollwerks der wenigste Theil des Erdreichs aus
dem Graben gebracht gewesen, ist der General +Pappenheim+ durch fünf
unterschiedliche Approches über oder durch diesen Graben bis an und in
die Spitze der ~Fausse braye~ gegangen, und hat also die ganze Face
der +Fausse braye+, so im Anlegen auf 40 Ruthen lang zwischen die
obgedachte Gallerie und diese Approches begriffen, die darin gelegten
Sturmpfähle mit Spaten untergraben, ausheben, auch endlich etliche
hundert Sturmleitern, die dann nicht über 4 Ellen lang sein durften,
anlegen und also alles zum Sturm fertig machen lassen. 3) Ist auf der
andern Seite dieses Bollwerks quer durch den Graben approchirt und
zwischen die beiden Hörner in die Gordine (~courtine~) minirt worden.
4) Weil der Elbstrom den alten Stadtgraben vor dem Rondel allhier
allezeit ums dritte oder vierte Jahr dergestalt vollgeschlämmt, daß man
von der Elbseite nicht allein in den Graben gleiches Fußes, sondern
auch sicher unter dem hohen Ufer bis an das Rondel, gehen können, als
hat der General +Pappenheim+, nachdem er zuvor die Streitmauer herunter
schießen lassen, einen Weg oder Appareille von Erde bis so hoch die
Brustwehr der ~Fausse braye~ aufgeführt, und sich also auch an diesem
Ort einen bequemen Eingang gemacht, durch welchen er nicht allein in
der (_die_) ~Fausse braye~, sondern rings um das Rondel bis unter das
Fischerufer kommen können. 5) Wurde auch durch den +von Pappenheim+
das Hornwerk vor dem Kröckenthor mit zweien Laufgräben, so durch die
Contrescarpe sappirt und bis in die Berme des Walles getrieben waren,
hart angegriffen. Er machte aber an diesem Orte wegen der Granaten und
stätigen Musquetaden, auch daß der Ort konnte besser flanquirt werden,
seinen rechten Eintritt nicht erlangen, welches denn um so viel desto
weniger, weil dieses Werk nicht mit so vielen Laufgräben beschanzet, da
hergegen vor dem ofterwähnten Bollwerk bei der Neustadt der Laufgräben
viel hinter einander gemacht und alle so voll Musquetire gelegt waren,
daß, wenn sich nur einer von den Belagerten hinter der Brustwehr ein
wenig hervor blicken lassen, wohl 6 oder 8 Schüsse zugleich auf ihn
geschahen; und ob man gleich solch des +Pappenheim+’s Vortheil mit dem
Geschütz von der Stadt ziemlich hätte verhindern können, so war doch
dieses, wegen obgedachten Mangels des Pulvers, ganz verboten.
Anlangend die vierte oder Westseite der Stadt, als vom Krökenthor
bis zum Heydeck, die ist allein von Reitern -- welche mit ganzen
Regimentern in den Gründen und hinter den Misthaufen Wacht gehalten,
und, wegen Mangel an Pulver, mit dem Geschütz nicht abgetrieben werden
können -- dergestalt beschlossen gewesen, daß auch an diesem Ort kein
Mensch aus- und einkommen mögen.
Bei sothanem Zustande aber, und als die von der Stadt mit Verlangen
erwarteten, daß der General +Tilly+, vermöge seines Schreibens ~de
dato~ den 2/12 Mai, die 3 Trompeter, so der Stadt Gesandten zu beiden
Churfürstl. D. D. Sachsen und Brandenburg und den Hansastädten
begleiten sollten, anschicken würde, hat er den 9/19 Mai also an den
Rath mit diesen Worten geantwortet:
~P. P.~ Ob wier zward nicht ungemeinet gewesen, die begehrte päße
uff die benante persohnen abermals zu übersenden, aldieweil Jedoch
die sachen mit der Stadt nunmehr Zu solchen ~Extremiteten~ gerathen,
daß dieselbe einige Verzögerung ohne die höheste gefahr nicht
erleiden Können, wie Ihr selbsten vor augen sehet und spüret, als
wird die bedeutete abschickung gar zu spät fallen, auch allerdings
vergäblich geschehen; Nachdem dan Kein ander noch besser mittel ist,
als das ihr bey so beschaffenen Dingen, hindan gesetzet aller anderen
~considerationen~, Kurtze ~resolution~ faßet. So haben wier euch
hiemit Zum vberfluß nochmals wolmeinendlich erinnern vndt treulich
ermahnen wollen, daß Ihr euren Zustandt vndt in was augenscheinlicher
leib vndt lebensgefahr, auch verlust aller wolfahrt Ihr vndt die
eurigen vnfeilbar gerathen werdet, wohl vndt reiflich behertzigen vndt
darauff Jetzo so bald Ihrer Röm. Kayserl. May., vnsern allergnädigsten
Herrn vndt vorgesetzten höchsten Obrigkeit, vffligender schuldigkeit
nach euch allergehorsambst ~submittiren~, welches fals noch heilsame
~media~ beuorstehen, dadurch Ihr euch vndt die eurigen ~conserviren~,
auch eine solche ~capitulation~ treffen Könnet, worzu Ihr sonsten
nimmermehr gelangen werdet. Doferne nuhn diese vnsere wolmeinende
vndt treuhertzige ermahnung Ihr bey euch gelten laßet, gereichet
solches zu angeregten euren eigenen besten, wo nicht, mußen wier es
an seinen orth gestellet sein laßen; werden aber vor Gott vndt der
welt woll entschuldiget, vndt in vnserm Christlichen gewißen gesichert
sein, daß nicht wier, sondern Ihr selbsten vndt die Jenigen, so euch
in eurer halstarrigkeit stercken, eures vnglücks vnd verderbens die
eintzige vrsach seind, vndt deren verandwortung, so dannach bey
dem allerhochsten, vndt dero werthen ~Posterität~ hernächst schwer
fallen wird, allein vff sich laden werden, vns allerseits göttlicher
~Protection~ treulich befehlende.
~Datum~ Westerhausen den 8/18 ~May Ao.~ 1631.
Als nun der Rath diese abschlägige Antwort bekommen und zugleich
gesehen, in was Gefährlichkeiten die Stadt gestanden, hat er den
Trompeter verharren (_warten_), den folgenden Tag -- war der 9/19 Mai
-- die ganze Bürgerschaft in ihrer Viertelsherren Häuser zusammen
fordern und dieselbe sämmtlich befragen lassen, ob man nämlich zum
General +Tilly+ Gesandten schicken und sich mit ihm in Tractaten
einlassen solle oder nicht, worauf sie dann in theils Vierteln durch
die mehresten Stimmen geschlossen, daß man schicken und tractiren
solle, theils Viertel haben Alles zu des Raths Willen und Gutachten
gestellet; theils aber, und sonderlich die Personen, so von Anfang
zu diesem Werke gerathen und Beförderung dazu geleistet, ganz keine
Tractaten eingehen, sondern noch alle Stunden und Augenblicke des
Königs in Schweden Succurs erwarten wollen, also daß auch theils, unter
des +Johann Ludwig+’s Viertel begriffene, Bürger -- weil sie in dieser
Sache ihren Viertelsherrn verdächtig gehalten -- etliche ihres Mittels
zum präsidirenden Bürgermeister noch desselbigen Abends abgefertiget
und ihm durch dieselben -- dafern etwa ihr ~Votum~ der Viertelsherr
nicht aufrichtig dem Rathe vorgetragen -- diese Resolution, daß sie
mit dem +Tilly+ ganz nicht tractiren, sondern sich lieber bis auf den
letzten Mann wehren wollten, berichten lassen. So waren auch dieser
Tage kurz zuvor abermals die Prediger der Altstadt zu Rathhause gewesen
-- darunter ~Dr.~ +Christianus Gilbertus+, Prediger zu Sct Ulrich,
das Wort und Directorium geführet -- den Rath als ihre liebe Beicht-
und Pfarrkinder zur Großmüthigkeit und Beständigkeit ermahnende, mit
Vertröstung, daß Gott der Allmächtige die Stadt in so gerechter Sache,
die allein zu Erhaltung dessen Ehre und Lehre gemeinet, gewißlich
schützen und beschirmen werde, dafern man nur beständig bleiben und
sich mit den Katholischen in keine Tractaten oder Bündnisse einlassen
würde, und was dergleichen Worte mehr vorgelaufen, damit der Rath
vom Accordiren abgemahnet worden. Ob aber die Prediger ingesammt
alle einerlei Meinung hierin gewesen, oder ob nicht etliche auch die
Gedanken dabei gehabt, weil gleichwohl noch (_weder_) der Kaiser noch
auch der General +Tilly+ die Reformation in der Religion bei der
Stadt niemals gesucht, sondern nur die allerunterthänigste Devotion
und Submission begehrt -- daß man die Stadt und so viele tausend
Menschen auf sogar augenscheinliche Extremitäten nicht setzen, die
Religion lieber beim Accord vorbehalten und also Gott, der durch seine
Allmächtigkeit, auch ohne so grausamen Ruin, die Stadt bei seinem Wort
und (_seiner_) Lehre erhalten könne, trauen solle, zumal ja, auf den
Fall solcher äußersten Drängniß und darauf erfolgenden Ueberwindung, es
doch um so viel mehr mit der Religion würde gethan und verloren sein,
solches ist aus allerhand Umständen wohl vermuthlich. Es hat aber ohne
Zweifel, gleich wie auch bei den andern Ständen geschehen, einer dem
andern folgen und, damit er nicht als ein ungetreuer Hirt, der in der
Zeit der Anfechtung abtrünnig werden wollte, angesehen würde, mit in
die Reihe treten müssen.
Der Rath ist des angeregten 9/19 Tages Mai zu Nachmittage, wiewohl
in geringer Zahl, abermals wiederum zusammen gekommen, da dann unter
andern vom Autore berichtet worden, daß nunmehro die Sturmpfähle aus
dem Bollwerk bei der Neustadt entlangs der Face ganz ausgegraben
und also die in der ~Fausse braye~ liegende Besatzung alle Stunde
und Augenblick vom Feinde überfallen werden könnte; derowegen man
eine Resolution fassen müsse, damit es nachmals nicht zu spät falle
etc. Darauf der Syndicus ~Dr~ +Johann Denhardt+ geantwortet: er wäre
nicht allein des Raths, sondern der ganzen Stadt Syndicus und müsse
nach seinem besten Verstande und wegen so vieler tausend hierunter
Periclitirenden Wohlfahrt reden. Was dann gleichwohl die Stadt machen
wolle, wenn sie kein Pulver mehr hätte, und sonst dem Gegentheil nicht
widerstehen könnte, also daß man sie (_den Feind_), bis auf den Wall
kommen lassen müsse. Der Rath solle es bedenken, und so viel Menschen
nicht in den äußersten Ruin und in Gefahr stürzen etc. Also ist von
denen damals beisammen gewesenen Rathspersonen wiederum votirt, und daß
man zum +Tilly+ schicken und tractiren wolle, geschlossen, auch Raths
wegen Autori solches alles nebst dem, was er wegen des Feindes Avantagi
gesehen, an den +von Falckenberg+ zu hinterbringen, aufgetragen und
anbefohlen worden.
Hierauf hat Hr +Falckenberg+ Anordnung gemacht, daß noch gegen die
Nacht ein Ausfall geschehen und die Kaiserlichen des Ortes vom Walle
und aus dem Graben getrieben werden sollten, welches aber ganz
verblieben und zu keinem Effect gekommen. Die Ursachen zwar sind
unbewußt, jedoch so dieser Ausfall wäre zu Werke gerichtet worden,
hätten dadurch die Kaiserlichen in ihrem Vorhaben -- weil sie, wie
man auch nach der Eroberung von ihnen vernommen, desselben Abends,
die Sturmleitern angesetzt und Alles zum Anlauf fertig gemacht gehabt
-- ohne allen Zweifel große Confusion und Verhinderniß bekommen u.
s. w. Sonst hat auch des gedachten Abends der +von Falckenberg+ den
regierenden Bürgermeister ersuchen lassen, daß in der Sache, die
vorhabende Tractation und Accord betreffend, ohne sein Wissen nichts
vorgenommen, sondern gegen den künftigen Morgen, früh zu 4 Uhr, der
Rath zusammen erfordert werden möchte, alsdann wolle man ~conjunctim~
zu den Tractaten schreiten und sich darin vereinbaren, wie dann
auch zu dem Ende der Rath, Ausschuß und (_die_) Viertelsherren an
einem, der Hofmarschall +Falckenberg+, Ambassadeur +Stalmann+ und des
Administrators Räthe andern theils folgenden Tages, als den 10/20 Mai
zu bestimmter, früher Zeit auf dem Rathhause erschienen und zusammen
gekommen sind. Der Rath hat aus seiner Mitte den Bürgermeister +Georg
Kühlewein+, den Syndicus, item Hrn +Conrad Gerhold+ und Autorem zu dem
+von Falckenberg+ -- so nebst dem +Stalmann+ und Hrn Administratoris
Räthen in einer besondern Stube gewesen -- diese Tractaten zu
vollstrecken und alsofort mit dem Trompeter, Gesandten an den General
+Tilly+ zu schicken, deputirt und abgeordnet. Als man sich nun hierin
unter einander bereden wollen, hat Hr +Falckenberg+ angefangen, alle
des Königs zu Schweden hochbetheuerte Zusagen und Versprechungen des so
lang vertrösteten Entsatzes wegen länglich zu erzählen und denenselben
nochmals festiglich inhäriret und vertrauet, mit fernerer Anzeigung,
daß ja die Gefahr, wie etliche vermeinten, noch nicht so groß, und weil
man sich nunmehr des Entsatzes stündlich, ja augenblicklich vermuthete,
wäre keine Stunde, die man sich länger hielte, mit keiner Tonne Goldes
zu bezahlen etc. Indem er aber also von diesem und dergleichen wohl
bei einer Stunde lang geredet, ward indem der Secretarius aus dem
Rathe geschickt, welcher berichtet, daß durch die beiden Männer, so
auf dem Dom und Sct Jacobthurm Wacht zu halten bestellt, dem Rath
angezeigt wäre, wie die Kaiserlichen aus allen Lagern sehr stark in
die beiden Vorstädte Neustadt und Sudenburg ankommen und sich hinter
die Approches, alte Mauern und Keller begeben thäten. Unlängst
hernach kam ein Bürger vom Walle mit Anzeigung, daß es im Felde hinter
allen Hügeln und Gründen voller Reiter hielte; so hätte man auch sehr
viel Volkes in die Vorstädte marschiren gesehen. Hierauf der +von
Falckenberg+ geantwortet: er wollte, daß sich’s die Kaiserlichen
unterstehen und stürmen möchten, sie sollten gewiß also empfangen
werden, daß ihnen übel gefallen würde. Hat ferner in seinem Gespräch
und ~Voto~ fortgefahren, bis der Wächter auf Sct Johannisthurm Sturm
geblasen und die weiße Kriegesfahne ausgesteckt. Da denn Autor nicht
länger sitzen, sondern hingehen und sehen wollen, was passirte. Und
als er in die Fischergasse gekommen, hat er gesehen, daß die Croaten
-- so um das Rondel bei dem kleinen Wasser durchgeritten waren, wie
davon besserhin wird gesagt werden -- schon der Fischer Häuser stürmten
und plünderten. Darauf Autor sich eilends zu Rathhause verfügt und mit
kurzen Worten dem Rath angedeutet, daß es unvonnöthen, da zu sitzen,
denn der Feind schon in der Stadt, welches Allen gar unglaublich
vorgekommen. Und als indessen auch des +Falckenberg+’s eigene Pagen zu
Rathhause kommen und berichteten, daß die Kaiserlichen schon auf dem
Walle bei der Neustadt sein sollten, ist er aufgestanden, zu Pferde
gesessen und hin, des Obristlieutenants +Trost+ Regiment vom Marsch
abzufordern, geritten. Da er aber mit dem Volke bei der Hohenpforte
angekommen und die Kaiserlichen allbereits daherum in den Gassen der
Stadt angetroffen, hat er zwar heftig in sie gesetzt und (_sie_)
anfangs ziemlich zurückgetrieben. Weil sie aber je mehr und mehr Volk
zu Hilfe bekommen, auch allbereits mit Reiterei in der Stadt gewesen,
ist der +von Falckenberg+ nebst dem Obristlieutenant +Trost+ allda todt
geblieben und ihr Volk zertrennt und geschlagen worden. Und obwohl der
Obrist +Uslar+ mit seiner Reiterei, und was sonst noch zur Reserve
vorhanden gewesen, auch zusammen gekommen und +Falckenbergen+ entsetzen
wollen, ist es doch viel zu spät und vergebens gewesen. Der Rath
ist mehrentheils auf dem Markte, in einem oder (_dem_) andern Ordre
zu ertheilen -- wie denn alsofort etliche Trommelschläger, um einen
Accord anzuhalten, an die Orte, da die Kaiserlichen hereingekommen,
zwar ausgeschickt, aber mit solcher Antwort, daß Keiner davon wieder
zurückgekommen, versehen worden -- bestehend geblieben, bis endlich,
als die Feinde immermehr hereingedrungen, ein jeder gesehen, wohin er
sein Refugium nehmen und sich aufs beste salviren mögen. etc.
Es ist aber, was die eigentliche Bestürm- und Eroberung der Stadt
anlangt, damit in folgender Gestalt daher gegangen:
Als, wie obgedacht, der Graf +von Pappenheim+ sich der ~Fausse
braye~ des Bollwerks bei der Neustadt dergestalt bemächtigt gehabt,
daß er 1) durch die Gallerie, 2) durch die bis auf die Spitzen des
Bollwerks gemachten fünf Approchen nicht allein bis auf den Wall
gekommen, die Sturmpfähle entlangs der ganzen Face ausgegraben
und seine Sturmleitern in großer Menge den Abend zuvor nach allem
Belieben anschlagen und also im Hui mit etlichen Hundert zugleich
über die Brustwehr der Fausse braye herüber den +Falckenberg+’schen
Knechten einfallen können, sondern auch 3) am Rondel bei der Elbe
eine Appareille oder aufgeführten Weg von Erde -- durch welchen man
zugleich in diese ~Fausse braye~ steigen und auch hin um das Rondel
bis unter das Fischerufer gehn mögen -- aufwerfen und verfertigen
lassen etc. Desgleichen als der Graf +von Mansfeld+ auf seinem Posten
bei der Sudenburg, sonderlich aber vor dem Heydeck mit Ausdämmung
des Wassergrabens und Fällung der Stadtmauer daselbst auch fertig
gewesen; demnach hat der General +Tilly+ -- wie solches die Relationen
von diesem Handel besagen -- mit seinen Generalen und Obristen Rath
gehalten, wie man die Sachen angreifen solle; dabei er dann sehr
gezweifelt, ob ein Sturm zu versuchen wäre, sintemal ihm nicht mag
unwissend gewesen sein, was erstlich den Heydeck belangt, daß solcher
ein sehr hohes Bollwerk und, wenn gleich die Streitmauer ersteigen und
eingenommen, man doch noch nicht auf dem Bollwerke wäre. Fürs andere,
obschon am Bollwerke bei der Neustadt der +von Pappenheim+ sich der
~Fausse braye~ wohl bemächtigen könnte, so wären doch um den Fuß des
Walles Pallisaden gesetzt, daß man auf das Bollwerk und den Wall,
ohne durch ein enges Pförtlein, welches durch den Thurm zum Eingang
in der ~Fausse braye~ gemacht, nicht kommen können. Jedoch als ein
kaiserlicher Obrister stark dazu gerathen und das Exempel von Mastricht
herbei gebracht, da die Wacht in der Morgenstunde geschlafen, hat man
geschlossen, daß 1) der Graf +von Pappenheim+ nebst seinem eigenen
und dann den +Gronsfeldi+schen, +Wangler+’schen, +Savelli+schen etc.
Regimentern das Bollwerk bei der Neustadt, 2) Herzog +Adolph von
Holstein+ das Hornwerk vor dem Krökenthor, 3) Graf +Wolf von Mansfeld+
mit seinen Regimentern den Heydeck und (_das_) Ravelin bei der
Sudenburg -- welches Ravelin damals noch keinen Graben hatte, sondern
allein auf der Brustwehr der ~Fausse braye~ mit Pallisaden besetzt
war, sammt andern Werken allda: 4) Die Ligistischen das Kronwerk oder
(_den_) Durchschnitt auf dem Marsch und 5) zwei kaiserliche Regimenter
die beiden Halbmonde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer Thore anfallen
sollten und sollte der Sturm also zugleich, wenn eine Losung mit dem
Geschütz gegeben, geschehen. Aber der General +Tilly+ hat denselbigen
Morgen noch einmal Kriegsrath gehalten, wiewohl den vorigen Abend
beschlossen und abgeredet gewesen, gleich mit dem Tage anzufallen, so
gar hat man an gutem Effect gezweifelt, darauf es sich dann mit dem
Anfall bis nach 6 Uhr verzögert. Da hat der +Pappenheim+ den Anfang
gemacht, ist in großer Furie -- durch Hilfe der obbeschriebenen
Bequemlichkeiten -- von allen Enden um das Bollwerk zugleich
herüber die Brustwehr in die ~Fausse braye~ zu den darin liegenden
+Falckenbergi+schen Soldaten gefallen, und weil denselben von der
kaiserlichen starken Vergatterung in die Laufgräben, weniger von ihrem
vorhabenden Sturm keine Advertissement und Wissenschaft beschehen,
daher nur die Schildwachten allein ihre Lunten -- weil bei der Stadt
zu so langwierigem Kriege ein solcher Vorrath, daß so viel Volks ihre
Lunten brennend halten können, nicht gewesen -- entzündet gehabt,
welche aber einen solchen mächtigen und plötzlichen Einfall des Feindes
zu resistiren, viel zu ohnmächtig gewesen und, was etwa von den andern
zum Gewehr gegriffen und seine Lunte zünden wollen, darauf ist stracks
chargiret und geschossen worden, also daß die +Falckenbergi+schen
Officiere und Knechte bald in Confusion gerathen und sich mit
großer Unordnung durch das obgemeldete enge Pförtlein retiriren und
zurückwenden müssen.