Zollschanze und andern Werken dieser Oerter einbekommen, hat er bei
Westerhausen[19] eine Schiffbrücke über die Elbe geschlagen, und sich
mit der größten Macht auf die andere Seite der Stadt gewendet, auch
gegen der (_die_) Sudenburg, die der Markgraf etwas retranchiren
und befestigen lassen, zu approchiren angefangen. Als aber der +von
Falckenberg+ solche große Force und Macht verspüret gehabt, und daß
dagegen ein solcher schlecht verwahrter Ort zu erhalten unmöglich
fallen würde, ist er, für sich und zugleich wegen des Markgrafen,
zu Rathhause erschienen mit dem Andeuten und Bericht, wie nach so
gestalten Sachen die Bürger und Soldaten daselbst mit dem, was sie mit
sich hereinzubringen vermöchten, müßten in die Stadt eingenommen und
die übrigen annoch unabgebrochenen Häuser der Sudenburg -- damit der
Feind desto mindern Vortheil daraus empfände -- mit Feuer belegt und in
Brand gesteckt werden. Der Rath aber, so zwar fleißig und, wofern es
möglich zu unterlassen, vorgebeten, hat solches endlich, bei sothaner
Gefahr und Extremitäten, müssen dahin gestellt sein und ihm, dem
+von Falckenberg+, nach seiner Discretion darein schalten und walten
lassen. Darauf einen Tag zuvor alles Hausrath und dergleichen in die
Alte Stadt geschleppt und den 21. Aprilis gegen Abend diese Vorstadt
Sudenburg Magdeburg -- darin eine feine Kirche und kein einziges
Haus, mit Stroh gedeckt, zu befinden gewesen -- nebst angehängtem
Flecken S. Michael angezündet und in die Asche gelegt worden. Was nun
von armen und kranken Leuten gewesen, und die sobald keine Herberge
gewußt, haben sich mit ihrer Armuth und Bettpuchen (_geringen Habe und
ärmlichen Betten_) in den Kreuzgang[20] bei S. Nicolai Kirchen lagern
und allda, was ihnen etwa durch fromme Leute gegeben worden, erwarten
müssen. Den 22. Aprilis ist eine Partei von den Falckenbergischen aus
der Neustadt ausgesträufet (_ausgestreift_), hat einen ligistischen
General-Adjutanten nebst andern Personen gefangen bekommen, welcher
berichtet gehabt, daß der Graf +Pappenheim+ die andere Vorstadt,
Neustadt Magdeburg, noch denselben Tag -- wenn es nicht an Kraut und
Loth, so noch nicht ankommen gewesen, ermangelt -- hätte angreifen
wollen, darauf auch der +von Falckenberg+ ferner fortgefahren und
diese jetzt genannte Vorstadt gleichergestalt den 23. Aprilis --
zwar auf Vertröstung, daß er bei des Königs in Schweden Ankunft die
Bezahlung solcher und anderer Häuser vermitteln wolle -- abbrennen und
einäschern lassen, wiewohl das Armenhaus, der Schwiesau genannt, nebst
etlich wenig andern Häusern dennoch bestehend geblieben, das darin
liegende Kriegesvolk, wie auch was aus der Sudenburg in die Alte Stadt
genommen worden, so sich ingesammt auf 1100 Mann verstreckt, haben
etliche vermögende des Raths, auf des +von Falckenberg+’s Credit und
Wiederbezahlung, dergestalt unterhalten, daß sie etliche 100 Thaler
aufgebracht und jedem gemeinen Soldaten die Woche 20 ggr. richtig
bezahlen lassen, davon sie, weil annoch von allen in der Stadt genug
ums Geld zu bekommen gewesen, ihren Unterhalt gar wohl haben können,
und weil sie täglich auf den Wällen oder in Bereitschaft liegen müssen,
ist, ihnen Quartiergeld zu geben, keine Noth gewesen. Die Bürger
aber haben in den Vierteln über das vor (_für_) die Soldaten Speck,
Würste, Bier und dergleichen zusammen geschossen und ihnen auf die
Wälle gebracht. Ihre Officiere sind durch den +von Falckenbergen+, als
welcher bei denen Kaufleuten Getreide, Bier, Tuch und Seidenwaaren auf
sein Credit haben können, unterhalten worden. Allein die Reiterei,
deren noch auf 250 gewesen, hat anfangs niemand -- aus Furcht, daß sie
es auch in der Altenstadt, also wie in der Neustadt geschehen, mit
den Leuten in den Quartieren machen würden -- einnehmen wollen, daher
sie eine Nacht und 2 Tage auf der Straße halten müssen, bis ihnen
der Rath endlich Quartiere verschafft und der +von Falckenberg+ die
Ordre gegeben, daß sie ja sowohl, wann’s die Noth thäte, mit ihren
Bandelierröhren und Pistolen als andere Bürger (_gleich den andern
Bürgern_) und Soldaten zu Walle gehen und fechten sollten.
Des folgenden Tages, als den 24. Aprilis, sind der +von Falckenberg+
und andere hohe Officiere auf das Rathhaus kommen und haben, mit
Zuziehung etlicher aus dem Rath, die Bestell- oder Besetzung der
Posten ausgetheilt, also daß zwölf Viertel der Bürgerschaft den
Wall ~cent~ um die Stadt und das Fischer-Viertel, nebst noch zwei
Vierteln, den (_das_) Fischerufer und (_die_) ganze Wasserseite bis
in den Fährgarten[21] zu besetzen auf sich genommen; die übrigen drei
Viertel sind in der Stadt auf dem Markt zur Reserve und Hinterhalt
gelassen worden. Der Generalmajor +Amsteroth+ hat das Commandement
über die beiden halben Monde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer-Thor,
ingleichen über das Hornwerk vor dem Kröckenthor -- worin der Stadt
Compagnie unter dem Capitain Major +Lucas Huttenheim+ -- und neue
Bollwerk bei der Neustadt -- darauf und in beiden gedachten halben
Monden +Falckenberg+’s eigen Volk gelegen -- geführet und verwaltet.
Dem Obristen Lieutenant +Trosten+ wurde das Kronwerk aus dem Marsch,
das Retranchement auf dem Werder vor der Graalsbrücke und (_der_) halbe
Mond vor der kurzen Elbbrücke (_jetzigen Strombrücke_) zugeordnet.
Der Hr Administrator hat mit seiner Leibcompagnie und des Obristen
Lieutenants +Bönnies+ Regiment, 400 Mann stark, das neue Bollwerk
und Ravelin bei der Sudenburg in Defension und Obacht genommen; dem
andern Stadt Capitain, +N. Schnellen+, ist mit seiner Compagnie die
Streitmauer und Gewölbe, so um und unter dem Heydeck, zu verwahren;
der Reiterei aber, vor dem (_für den_) +von Falckenberg+ in Reserve
zu bleiben, anbefohlen worden, womit also die Besatzung um und um
ausgetheilt und jeder Ort der Gebühr nach versehen gewesen. Die
Bürgerschaft hat man -- mitgerechnet die Witwen -- auf 2000 stark und
der erwachsenen Söhne, Knechte und Handwerkspursche auf 3000 stark
geschätzet.
Um diese Zeit geschah unter andern auch ein starker Ausfall gegen
die Kaiserlichen oder Ligistischen, so auf dem Marsch, da sonst
die Vogelstange gestanden, in Laufgräben lagen, dazu des Obristen
Lieutenant +Trosten+ Volk und eine der Stadt Compagnie gebraucht
worden. Die schlugen die Tillyschen aus den Approches daselbst, mit
Ruinirung zweier Compagnien ihres Volkes, also daß, wofern zur selben
Zeit nicht eben des Feindes Wacht, so ablösen wollen, angekommen, die
Ligistischen ganz vom Marsch abgetrieben wären. Auf der Stadt Seite
sind allein 15 verwundet und 5 erschlagen, hergegen aus der andern
Seite über 100 niedergemacht worden. Nachdem aber der +Tilly+ die
obgenannten beiden Vorstädte vor Magdeburg erobert gehabt, hat er sich
bald mit sehr großer Macht und unnachläßlichem vielen Approchiren,
dazu er theils Soldaten, theils die Bauern vom Lande gebraucht, zur
Haupt- oder Alten Stadt genähert und zwar folgender Gestalt und also,
daß er dem Grafen +Wolfen von Mansfeld+ die Post (_den Posten_) bei
der Sudenburg, als von der Elbe bis an und ~cent~ (_rings_) um den
Heydeck her, zugetheilet; der Graf +von Pappenheim+ hat den Ort bei
der Neustadt, von der Elbe an bis zum Krökenthor und da herum, in
Aufsicht bekommen. Der Marsch und die ganze Seite über der Elbe ist der
ligistischen Armee anbefohlen; was aber die West- oder Feldseite der
Stadt, als zwischen dem Heydeck und Krökenthor, anlanget, mit starker
Reitermacht, so hinter allen Hügeln und Gründen mit ganzen Regimentern
gehalten, versehen und bewahret worden. Diese jetzt genannten Generale
nun haben, sobald sie mit ihren Laufgräben etwas näher kommen,
unterschiedliche Batterien verfertigen und mit vielen groben Stücken
oder halben Kanonen gegen der Stadt wärts bepflanzen lassen. 1) Der
Graf +von Mansfeld+ eine Batterie mit 5 halben Carthaunen nahend
an der Sudenburger Stadtmauer in einem Garten gegen den Heydeck
über, von welcher er anfangs auf das Bollwerk, der Heydeck genannt,
Breche zu schießen angefangen; aber weil solches wenig geschafft,
hat man von dahero den Wall entlang, nämlich vom Heydeck bis an das
Schrotdorferthor, flanquiret und, weil die Kugeln nur gleichsam über
das Bollwerk geworfen worden, ist der auf dem Walle liegenden Wacht
oft Schaden damit geschehen, denn die Kugeln theils Leuten die Beine,
den Leib, den Hintern und dergleichen hinweg gelaufen, sind auch wohl
gar in der Corps de Garden Stuben gekommen und der Wacht dadrinnen
sehr schädlich gewesen. 2) Haben sie von einer Batterie hinter der
Sudenburg heftig nach dem Domthurme geschossen, und solches daher, daß
der Obrist Lieutenant +Boy+ von diesen Thürmen mit langen gezogenen
Röhren in die kaiserlichen Laufgräben geschossen und oft Schaden damit
unter sie (_ihnen_) soll gethan haben, wiewohl solcher nimmermehr so
groß gewesen, als dieses herrliche Gebäu und sonderlich der eine Thurm
hiermit ist zernichtet und übel zugerichtet worden. 3) Hat dieser Graf
+von Mansfeld+ noch eine Batterie, so etwas näher nach dem Ulrichsthor,
auf dem Acker daselbst aufwerfen und damit den Wall und (_die_) Thürme
an der Stadtmauer allhierum etwas beschießen lassen. 4) Der Graf +von
Pappenheim+ ist an seinem Orte bei der Neustadt auch nicht wenig mit
Erbauung einer Batterie nahe am Stadtgraben, der Hohenpforte gegenüber,
bemüht gewesen. 5 u. 6) Sind durch denselben noch 2 Batterien, die
eine nahe an der Elbe, wo jetzt die Contrescarpe in Form eines halben
Mondes hingelegt, die andere, ihr gegenüber, jenseits der Elbe erbauet
und damit das Rondel und dessen Streitmauer beschossen und gefällt
worden, auf welchen drei Batterien der Pappenheim insgesammt 17 halbe
Carthaunen gehabt. Endlich und 7) hat man von den Batterien vor dem
Zoll nur noch eine gelassen und von derselben bisweilen auf das neue
Werk auf dem Marsch, bisweilen in die Stadt und unter die Schiffmühlen
gespielt.
Diesem nach ist auf Seiten der Stadt sowohl mit Musquetaden als
grobem Geschütz wiederum nicht stille gehalten, insonderheit aber des
Nachts ohne Aufhören auf des Gegentheils Approchen gefeuert worden,
und als +Pappenheim+ von der gedachten fünften Batterie, so hinter
der neustädter Stadtmauer war, die Scharten am Rondel und das darauf
stehende Geschütz sehr verletzt, hat man von dem dabeiliegenden neuen
Bollwerke 2 halbe Carthaunen auf einen gewissen Ort dieser gemeldeten
Stadtmauer also gerichtet, daß nach Abbrennung dieser beiden Stücke die
Kugeln ein großes Stück der Mauer durchschmettert und das Steinwerk
den Constablern und Leuten allda Arm und Bein, auch die Affüten
des Geschützes heftig zerschlagen und zum Theil bis in die Elbe
geschleudert haben, so daß von dieser Batterie nachmals kein einziger
Schuß mehr geschehen.
Es haben aber selbigesmal die beiden aus dem Rathe verordneten
Schutzherren[22] dem regierenden Bürgermeister entdeckt, daß sie fast
jedes Tages dieser Zeit her von 18 bis 20 Tonnen Pulvers, deren jede
1 Centner gewogen, ausgereicht. Nun wären aber nur noch 5 Tonnen
vorhanden, und obgleich aus dem Salpeter, dessen annoch auf 250 Centner
in Vorrath, täglich 2 Centner vermacht würden, so wolle doch solches
nirgends zureichen. So wären auch die Lunten[23] dergestalt in Abgang
gekommen, daß eine ganz andere Ordnung und Sparsamkeit darin müsse
gehalten werden, welches oberzähltermaßen an den +von Falckenberg+ zu
berichten, mir, dem Autori, durch den worthaltenden Bürgermeister im
Rath aufgetragen worden. Es hat sich der +von Falckenberg+ sehr darob
entsetzt und gesagt, daß ihm dieses längst geahnet, indem sich fast
Keiner einreden und das unzeitige Schießen mit dem groben Geschütz
unterlassen wollen.
Ob nun wohl vor der Zeit dieses Unwesens die Stadt etwa 600 Centner
Pulvers und 500 Centner Salpeter in Vorrath gehabt: so sind doch in
der Bloquirung ~Ao.~ 1629 auf 200 Centner davon verschossen worden,
sintemal zur selben Zeit das Schießen mit Stücken nach einem Trüpplein
von 5 oder 6 Reitern, wenn sie gleich auf 3000 und mehr Schritt von der
Stadt gehalten, auch sehr gebräuchlich gewesen. 100 Centner haben I.
F. Gn. und der +von Falckenberg+ zur Besetzung der umliegenden Städte,
Schanzen und Reduiten bekommen; unter Bürger und Soldaten in der Stadt
ist auch den Sommer und Winter durch über ein paar Hundert Centner
gereicht und aufgewendet worden, also daß zu der Zeit, da es zur harten
Belagerung gediehen, von dem Pulver, welches man unterdessen wiederum
gemacht, nicht über 150 Centner in Vorrath, solches aber auch alles
binnen wenig Tagen, bis auf die gedachten 5 Tonnen, verschossen gewesen.
Damit es aber nicht ganz an Pulver mangele, hat der +von Falckenberg+
in Mörsern, so die Apotheker[24] dazu hergeliehen, den Salpeter stoßen
und also mit Hilfe des Rathes Pulvermühle[25] täglich 5 Centner Pulvers
machen, hiergegen das Schießen mit dem Geschütz einstellen lassen,
weshalb denn auch die Kaiserlichen ihre Batterien an Ort und Ende desto
füglicher verfertigen und der Stadt desto mehr Abbruch thun können.
Hierauf schickte den 24. April/4. Mai der General +Tilly+ einen
Trompeter von Westerhausen, allda das Hauptquartier damals war, mit
drei Schreiben -- das eine an den Hrn Administrator, das andere an den
+von Falckenberg+, das dritte an den Rath und sämmtliche Gemeine in
die Stadt. Das Schreiben an den Rath war kürzlich des Inhalts: daß
die Magdeburger allbereits mehr, als ihnen lieb, befunden hätten, in
was für merklichen Schaden sie um der bisher gegen die röm. kaiserl.
Maj. unverantwortlichen Obstinacität und öffentlicher Rebellion willen
mit den Ihrigen gerathen, und es so weit gekommen, daß in seinen
Händen stünde, die Stadt mit Hab und Gut, Weib und Kindern in völligen
Ruin zu stürzen. Er wolle aber nicht dafür halten, daß sie in solcher
Halsstarrigkeit ersoffen sein würden, und gemeinet sein sollten, sich
der schuldigen kaiserlichen Devotion und von Derselben dependirender
Clemenz zu unterwerfen, wie denn die Gnadenthür noch offen stünde.
Diejenigen, so die Stadt zu defendiren angenommen, beförderten nicht
der Stadt Wohlfahrt, sondern vielmehr des ganzen Landes Ruin.
Den 25. April des alten Calenders geschah ein Ausfall des Morgens früh
auf die Kaiserlichen, so vor dem Heydeck lagen. Sie wurden daselbst
aus den Laufgräben geschlagen und ihr Schanzzeug in den Stadtgraben
geworfen. Desgleichen that der Generalmajor +Amsteroth+ zu Mittage,
da er mit etlichen Kähnen etwa 40 Mann um das Rondel bei der Neustadt
setzen und von den daselbst in den Approchen arbeitenden Soldaten
über 16 erschlagen ließ. So ward auch in der folgenden Nacht von dem
neuen Werke allhier über die Brustwehr der ~Fausse braye~ in den
Graben gestiegen, dabei die Kaiserlichen etwa 40 Mann verloren und die
aus Magdeburg ziemliche Beute von versilberten Degen und Partisanen
bekommen haben. Dagegen wurden dieser Zeit her der Stadt alle Nächte
30 bis 45 Granaten und Feuerkugeln verehrt und eingeworfen. Zwar die
Feuerkugeln anlangend, daraus sind etliche Männer[26] mit nassen
Säcken und Häuten bestellt gewesen, die Achtung darauf geben müssen,
wohin die Kugeln gefallen, dahin sie stracks gelaufen und dieselben
gedämpfet haben, also daß dadurch geringer Schaden geschehen; allein
ist einer Kuh im Fallen der Kopf von solcher Kugel abgeschlagen
worden. Die Granaten aber, wenn sie in die Häuser gefallen, haben
alles zerschmettert, und Thüren, Fenster, auch wohl oben die Decke
und (_den_) Boden ausgeschlagen; was aber auf die Bollwerke und Wälle
geworfen worden, hat großen Tumult und Auflauf unter dem Volk gemacht,
bisweilen auch Schaden gethan.
Der Rath und Ausschuß sind unterdessen mit Beantwortung auf
obermeldetes +Tilly+sches Schreiben sehr bemühet und Einer dieser,
Jener anderer Meinung gewesen, also daß es sich bis den 30. April
alten Calenders damit verzögert, und weil Alles mit Einwilligung des
Hrn Administrators, +Falckenberg+’s und ihrer Anhänger geschehen
müssen, ist des Raths Antwort also erfolgt: Daß nämlich die Stadt fast
6 ganzer Jahre, ohne einige gegebene Ursach, von ihren Mißgünstigen
aufs äußerste verfolgt und ihr die Nahrung abgeschnitten wäre, auch
noch letztlich in Religionssachen; deswegen die Stadt zu ihrer
hochnothwendigen Defension, nicht zwar gegen die kaiserl. Maj.,
sondern wider die, so Ihrer Maj. Willen und Befehl entgegen, solches
alles vorgenommen, verursacht worden, inmaßen der Rath Ihrer kaiserl.
Maj. solches ~sub dato~ den 10. November ~Ao.~ 1630 ausführlich
zu erkennen gegeben, welches Schreiben, weil es im offenen Druck,
sie mit übersendeten. Die Stadt wäre entschlossen, das ganze Werk
zugleich an beide Churfürstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg, auch
der conföderirten Hansastädte Unterhandlung zu stellen und sich auf
Deroselben Vorschläge und Vermittelung aller Billigkeit nach zu
~accommodiren~. Weil aber Niemand sicher sich hinaus begeben könne: als
gelangte ihr Bitten, Se. Excell. der Hr General +Tilly+ wolle ihnen
auf die Ihrigen Paß und Repaß, hin und her zu reisen, ertheilen und
inmittels nicht approchiren und Gebrauchung der Waffen in Ruhe stehen
etc.
Hierauf vermeinte die gemeine Bürgerschaft, es wäre nun stracks
Stillestand gemacht, und daß dem General +Tilly+ ja so viel -- aus
Furcht wegen des Königs in Schweden Ankunft -- an solchem Armistitio
gelegen, als immermehr gemeiner Stadt damit gedient sein möchte; so
verhofften auch der +von Falckenberg+ und die an seiner Seite, nicht
allein hierdurch das Werk etwas in die Länge und Harre zu bringen,
sondern auch desto füglicher an königl. Maj. in Schweden abzuschicken
und, nebst Berichtung des allgemeinen magdeburgischen Zustandes, den
Succurs oder Entsatz zu befördern.
Den 2/12 Mai hat der General +Tilly+ durch einen Trompeter dem
Rath folgender Gestalt geantwortet: Daß die Stadt Magdeburg, ihre
Abgeordneten zu ihm zu schicken, so lange Bedenken gehabt, bis daraus
mit beiden Churfürstl. Durchl. zu Sachsen und Brandenburg sowohl, als
auch den Hansastädten das Werk communicirt und berathschlagt wäre,
und deswegen Paß und Repaß zu Abordnung ihrer Gesandten begehrten.
Dieweil aber aus seinem vorigen Schreiben zu ersehen, daß er nichts
anders (_von der Stadt verlange_), als der röm. kaiserl. Maj.
sich zu submittiren, als (_so_) zweifele er nicht, höchstgedachte
Churfürstl. Durchl. sammt berührten Hansastädten würden solches gar
nicht ~improbiren~ (_mißbilligen_) können; die angeregte Communication
solle ihm zwar nicht zuwider sein, thäte auch die Pässe zu dem Ende
überschicken, besorgte aber, (_daß es damit zu spät_,) weil zu sothaner
Abordnung und Berathschlagung viel Zeit erfordert werde, die Sachen
aber nunmehr dahin gerathen, daß sie keinen längeren Verzug leiden
könnten, derowegen es viel besser, wenn sich die Stadt jetzo bald
resolviren und bequemen thäte. Jedoch stelle er der Stadt alles anheim,
sintemal ihr Heil und ihre Wohlfahrt hierunter am meisten periclitirte;
inmittels würden sie (_die Magdeburger_) niemand anders, als sich
selbst, die Ungelegenheit, so aus solcher Verzögerung erfolgen könnte,
(_zu_) imputiren und bei(_zu_)messen (_haben_). Er bliebe erbötig, wenn
des Raths Gesandten abzureisen willens, daß sich die Trompeter so bald
dahin (_in die Stadt_) verfügen sollten.
Den 4/14 Mai ist dieser (_der eben erwähnte_) Trompeter wiederum zu
+Tilly+ mit des Raths Antwort „daß nämlich die Gesandten zur Reise
parat und fertig, und sobald Se. Excellenz die Trompeter schicke, sich
auf den Weg machen wollten“ abgefertigt worden.
Als nun unterdessen der König in Schweden die Festung Spandau vom
Churfürsten von Brandenburg erlangt und zu Potsdam angekommen war,
haben sich die Kaiserlichen zu Brandenburg und von andern Orten
aus der Mark alle näher und vor Magdeburg begeben, daherum sie in
unterschiedlichen Feldlagern gelegen, also: 1) zu Westerhausen
war das Hauptquartier und nicht weit von da nach der Stadt zu die
Schiffbrücke, zu beiden Seiten des Elbstromes etwas beschanzt. 2)
Des Grafen +von Mansfeld+ Armee lag bei Fermersleben. 3) Des Grafen
+von Pappenheim+ auf der Wiese vor dem rothenseeischen Holze bis an
die Neustadt. 4) Der katholischen Liga Armee auf dem krakauer Werder,
Marsch und in der Zollschanze oder (_den_) da herum neugemachten
Werken. 5) Die Reiterei aber war auf die nächsten Dörfer um die Stadt
logirt (_gelegt_). Welches Volkes, wie nach der Stadt Eroberung der
kaiserl. General-Proviantmeister +Andreas Liebholt+ Autori berichtet
hat, sollen 33,000 zu Fuß und 9000 zu Roß gewesen sein. Demnach aber,
wegen sothaner Beschaffenheit, des Kriegesvolkes täglich mehr und
mehr vor der Stadt angekommen, als haben sie auch die Belagerung,
beides durch unnachlässiges Schießen aus groben Geschützen, als
Verfertigung trefflicher vieler Laufgräben -- die theils bis nahe an
den Stadtgraben, theils auch durch die neuen, unausgebrachten Graben
bis an den Wall gegangen -- mit großem Ernst getrieben und fortgesetzt;
und obgleich der +von Falckenberg+ zu desto bequemeren Ausfällen in
der ~Fausse braye~ des Bollwerks bei der Neustadt sich an zwei Orten
versenken, und also einen Durchgang oder Stollen unter die Brustwehr
durch bis in den Stadtgraben treiben ließ; so konnte er doch, wegen
so starker Besetzung der Laufgräben, wenig Nutzen schaffen, sintemal
stracks bei der ersten Probe der Capitain +Wüstenhof+ mit den mehrsten
bei sich habenden Soldaten das Leben darüber einbüßen mußte, daher denn
denen von der Stadt durch solche große Macht und zugleich wegen des
Mangels an Pulver alle Mittel zur Resistenz und Gegenwehr abgeschnitten
waren; dahergegen die Kaiserlichen aus Hamburg, Braunschweig und andern
Orten des Pulvers überflüssig bekommen und man alle Tage an 12, 15 bis
18 hundert Schüsse aus groben Stücken, so auf der Stadt Wälle, Thürme
und Häuser gerichtet, zählen mögen.
Es ist aber, wie allbereits oben gemeldet, die Stadt zu dieser Zeit
vornehmlich an dreien Oertern angegriffen und so hart belagert worden,
nämlich und vorerst auf dem Marsch, da der katholischen Liga Volk
gelegen und Willens gewesen, sich des Kronwerks daselbst und des
Ravelins vor der kurzen (_jetzigen Strom-_) Brücke zu bemächtigen. Weil
sie aber mit den Laufgräben auf dieser Insel sich nicht wohl wenden
können, indem dem Gegentheil entweder von dem gedachten Kronwerke
selbst oder von dem Walle der Stadt in die Linie konnte gesehen werden,
haben sie mit dem Approchiren dieses Orts stillehalten und nachlassen
müssen.
Für das Andere hat der Graf +von Mansfeld+ seinen Posten in der
Sudenburg gehabt, allda er mit Laufgräben nach dem neuen Bollwerke und
Ravelin allhier, vornehmlich aber auf den Heydeck zugegangen, welches
Bollwerk von 5 Seiten, davon die eine ganz nicht mag flanquirt oder
bestrichen werden, gegen welche Seite hin er sich hinter des Grabens
Futtermauer versenket, ein Loch dadurch gebrochen und mit 2 großen
Stücken auf die Fundamentmauer des Heydecks Breche geschossen, in
Meinung, es wäre gleich wie in den ~Epaules cent~ um (_ringsum_) also
gewölbt, und wann diese Mauer oder (_dieser_) Fuß also eingeschossen,
müsse der Wall nachschießen, den Graben füllen und ihm einen Weg zum
Anlauf machen. Als aber der Graf Unrecht vermerkt, ließ er das Geschütz
wiederum in die Höhe bringen, die Streitmauer dagegenüber niederfällen
und den Graben durch das durchgebrochene Loch über das Wasser her,
etwa 1½ Ruthe breit mit Reis und Erde füllen, wodurch also eine
Gallerie oder nur ein Weg, an dieses Bollwerk zu gehen und dasselbe mit
Leitern zu besteigen, gemacht und erlangt worden. Und obwohl der +von
Falckenberg+ sich sehr bemühete, diesem zu wehren, auch deswegen einen
Koffer oder Kasten von starken Eichenbohlen fertigen, darin Musquetiers
stellen und auf dem Wasser bis um die Ecke flößen ließ, so ist es doch
alles -- weil man vom Walle diesen Ort nicht defendiren und beschießen
mögen -- vergebens und umsonst gewesen.