drei Obristwachtmeistern +Waudrich+, +Mackensee+ und +Stauder+ -- als
denen das Bollwerk und (_die_) ~Fausse braye~ zu besetzen zugeordnet --
und dann die Bürger, so das Rondel und den Wall bei der hohen Pforte
bewachen sollen, damals nicht alle zur Stelle gewesen, denn theils
in Bereitschaft auf Sct Jacobs-Kirchhof und der Orte liegen müssen,
theils mögen auch wohl Pässe zu kaufen vergünstigt sein worden, so
hält Autor, als der alle Tage sonst an diesen Ort, indem er Bauherr
bei der Stadt gewesen, gekommen und gesehen, was etwa vorgelaufen und
wie stark der Ort besetzt worden, nicht dafür, daß auf Seiten der
Stadt der Mangel an wenigem Volke, wie etliche vermeint, gewesen und
deswegen die Kaiserlichen so leicht, mit Verlust geringen Volkes, die
Stadt an diesem Ort bestiegen und gewonnen hätten. Es ist auch nicht
vermuthlich, daß der +von Falckenberg+ unter seinen eigenen Soldaten,
-- welche ohne dies wegen Mangel an Unterhalt nicht herunter gehen
durften, sintemal jeder Knecht vom 24. April an, ohne was die Bürger
an Victualien zugeschossen, alle Tage 3 Groschen empfangen -- so
schlecht Ordre solle gehalten, und die mehrsten auf einmal herunter
gehen lassen, sondern es müssen nachfolgende Umstände, und wie weit
die Belagerer in ihrem Vortheil gediehen, vornehmlich betrachtet
werden. 1) Daß, obgleich dem +von Falckenberg+ dieser Bericht auf dem
Rathhause zugekommen, wie nämlich der Feind aus allen Lagern in die
Vorstädte und Approchen (_sich_) zusammenzöge etc., er dennoch den
Officieren und Knechten auf den Wällen kein Avertissement geschehen,
noch auch keine Piken oder Morgensterne und dergleichen in der ~Fausse
braye~ beihanden gewesen. Daß also daher, wegen des unversehenen
und starken Einfalls der Kaiserlichen, denen in der ~Fausse braye~
liegenden +Falckenbergi+schen Soldaten zum Gewehr zu greifen, die
Lunten anzuzünden und zugleich zu widerstehen unmöglich gewesen. 2)
Als sich diese durch das enge Pförtlein retiriren müssen, ist Freund
und Feind zugleich mit einander eingegangen, und haben die auf dem
Bollwerk und Rondel liegenden Soldaten und Bürger nicht gewußt und
wissen können, was dabei zu thun sei, denn sie den +Falckenbergi+schen
die Retirade nicht wehren dürfen. 3) Ist auch wohl etwas die Betstunde,
so eben damals ein markgräfischer Feldprediger auf dem Bollwerk
allhier gehalten, dem Feinde zu statten gekommen. Und dann 4) das
Retranchement oder der Abschnitt -- welches der +von Falckenberg+ kurz
zuvor auf diesem Bollwerk, weil er sich einer Minir- und Untergrabung
besorgt, machen lassen -- den durch das oftgemeldete Pförtlein herauf
kommenden Kaiserlichen als eine gute Brustwehr zum Vortheil gediehen,
dahinter sie sich stellen und desto besser auf die +Falckenbergi+schen,
so das Bollwerk besetzt und daselbst Predigt gehalten, Feuer geben
können. 5) Sind durch die obgedachte Opereille viel kaiserliches Volks
heraufgestiegen, die nicht allein in der ~Fausse braye~, sondern
zugleich um das Rondel hinter der Streitmauer herum gelaufen und unter
das Fischerufer gekommen, wozu 6) der +von Pappenheim+ zwei Kompagnien
Croaten um dieses Bollwerk durchs Wasser, welches eben zu der Zeit
sehr klein war, zu reiten commandirt, die dann, sobald sie durch
das Thor, welches die Fischer vorher nicht zumachen lassen, sondern
selbst verwahren wollen, unter dem Fischerufer hinein gekommen, alles
dergestalt von Bürgern und Soldaten in Confusion gebracht, daß, eher
und zuvor +Falckenberg+ mit dem Succurs angelangt, die Kaiserlichen die
Oberhand gekriegt und also die Stadt an diesem Ort mit wenigem Verlust
ihres Volkes erobert und gewonnen haben.
Der Graf +von Mansfeld+ aber, so auch zur selbigen Zeit beides an dem
Heydeck -- allda der Graben ausgedämmt und die Streitmauer hernieder
geschossen gewesen -- und Ravelin vor dem Sudenburger Thore Leitern
anwerfen und stürmen lassen, hat damit wenig ausrichten können, denn
die Seinigen solchen Vortheil nicht gehabt; derowegen sie dieser Orten
viel Volks einbüßen und den Kürzern ziehen müssen. Betreffend das
Hornwerk vor dem Kröckenthore und die beiden Halbmonde vor dem Ulrichs-
und Schrotdorfer-Thore, die sind zwar auch hart bestürmt, aber von
außen her nicht genommen, noch übermeistert worden; sondern als die
Kaiserlichen sich des ganzen Walles von der Neustadt und Elbe an bis
hierher bemächtigt, ist alle ihre Gegenwehr unmöglich gewesen, als
daß sie nur Gnade und um Quartier bitten müssen. Das Kronwerk auf dem
Marsch und Ravelin vor der kurzen Elbbrücke hat der Hr Administrator
unter währendem Sturm ganz zu verlassen, und von einem Joch dieser
Brücke die Bohlen und Balken abzuwerfen, befohlen, und wiewohl, bei
so eilfertiger Retirade, die Balken mehrentheils beliegend geblieben,
haben dennoch sich die Kaiserlichen, wegen der im Brückthor und
Möllnhofe bestellten Bürgerwacht, herüber zu gehen nicht unterstehn
dürfen, bis endlich die Stadt ohne das ganz überwältigt gewesen,
da denn auch viel Reiter, als sie auf jener Seite der Elbe solches
gesehen, aus Begierde zur Beute durch die Elbe geritten und theils im
Wasser ersoffen sind.
Als nun gedachter maßen durch den General +Pappenheim+ eine ziemliche
Anzahl Volkes auf den Wall bei der Neustadt und da herum in die
Gassen der Stadt gebracht, auch der +von Falckenberg+ erschossen und
=das Feuer an allen Enden eingelegt worden=, da ist es mit der Stadt
geschehen und alle Resistenz zu spät und vergebens gewesen. Denn ob
sich gleich von Bürgern und Soldaten an etlichen Orten etwas wieder
gesetzt und zur Wehr gestellt, haben doch die Kaiserlichen indessen
immer mehr und mehr Volkes, auch Reiterei genug -- weil der Graben auf
der Spitze dieses Bollwerks noch nicht ausgearbeitet und der neue Wall
sehr flach, also daß sie auch darüber in die Stadt reiten können -- zu
Hilfe gekriegt, endlich das Kröckenthor eröffnet und also die ganze
Armee der kaiserlichen und katholischen Liga von Hungarn, Croaten,
Polacken, Heyducken, Italianern, Hispaniarden, Franzosen, Wallonen,
Nieder- und Oberdeutschen etc. hier eingelassen. Da ist es geschehen,
daß die Stadt mit allen ihren Einwohnern in die Hände und Gewaltsamkeit
ihrer Feinde gerathen -- die denn alle heftig und grausam, theils aus
gemeinem Haß gegen die augsburgischen Confessions-Verwandten, theils
daß man mit Drathkugeln geschossen und sonst etwa von den Wällen, wie
es zu gehen pflegt, geschmählet, erzürnt und erbittert gewesen. -- Da
ist nichts als Morden, +Brennen+, Plündern, Peinigen, Prügeln gewesen.
Insonderheit hat ein Jeder von den Feinden nach vieler und großer Beute
gefraget. Wenn dann eine solche Partei in ein Haus gekommen, und der
Herr etwas zu geben vermocht gehabt, hat er sich und die Seinigen so
lang salviren und erhalten können, bis eine andere, die auch was haben
wollen, wieder angekommen. Endlich aber, wenn es alles hingegeben und
nichts mehr vorhanden gewesen, alsdann ist die Noth erst angegangen.
Da haben sie angefangen zu prügeln, ängstigen, gedrohet zu erschießen,
spießen, henken etc., daß, wenn’s gleich unter die Erde vergraben
oder in tausend Schlössern verschlossen gewesen, die Leute dennoch
hervorsuchen und herausgeben müssen. Unter welcher währenden Wütherei
dann, und da diese so herrliche, große Stadt, die gleichsam eine
Fürstinn im ganzen Lande war, in voller brennender Gluth und solchem
großen Jammer und unaussprechlicher Noth und Herzeleid gestanden,
sind mit gräulichem ängstlichen Mord- und Zetergeschrei viel tausend
unschuldige Menschen, Weiber und Kinder kläglich ermordet und auf
vielerhand Weise erbärmlich hingerichtet worden, also daß es mit Worten
nicht genugsam kann beschrieben und mit Thränen beweint werden.
Es hat aber diese trübselige Zeit nicht viel über zwei Stunden lang
in der Stadt gewähret, indem durch den unversehens zustoßenden Wind
das Feuer -- =so zwar anfangs der Graf von Pappenheim, den Bürgern und
Einwohnern zur Perturbation und Schrecken einzulegen solle befohlen,
nachmals aber die gemeine Soldatesque hierin keine Discretion und
Aufhören gewußt haben= -- dergestalt überhand genommen, daß um 10 Uhr
Vormittags alles im Feuer gestanden, und um 10 Uhr gegen die Nacht
die ganze Stadt, zusammt dem schönen Rathhause und allen Kirchen und
Klöstern, völlig in der Aschen und Steinhaufen gelegen. Daher denn
das kaiserliche Kriegesvolk, wenn es nicht selbst verbrennen wollen,
wiederum aus der Stadt entweichen und sich in ihre (_seine_) Feldlager
retiriren müssen.
Also hat man diese weitberühmte, vornehme Stadt und Zierde des ganzen
Landes in einem Tage in Feuer und Rauch aufgehen und ihre übrig
gebliebenen Einwohner mit Weib und Kindern gefangen vor dem Feinde
hintreiben gesehen, daß das Geschrei, Weinen und Heulen gar weit ist
gehört und die Lohe und Asche von der Stadt bis in Wanzleben, Egeln und
weitere Orte durch den Wind verführet worden.
So viel nun derer von Magdeburg vom Feuer und Schwert verschont
geblieben, hat ein Jeder, zu Erhaltung seines und der Seinigen Lebens
und Ehre, solches ranzioniren und, nach Advenant der Person, theils
wohl mit 1000 und mehr Reichsthalern wieder kaufen und bezahlen
müssen; und ob er gleich nicht gehabt, so ist er doch so lange, bis
von andern fremden Leuten entweder auf Schuldforderung, Bitt oder
Credit das Ranzionsgeld erlegt oder sonst genugsame Versicherung
gemacht, angehalten und wohl gar gefänglich verwahrt worden. Betreffend
die gemeinen Handwerksleute, Tagelöhner, Knechte und Jungen, wie
auch Soldaten, so auf schwedischer und der Stadt Seiten gedient und
nichts zu geben vermocht, haben entweder der Feinde Beute und Bündel
eine Zeitlang nachtragen, allerhand Dienste thun, oder wohl gar
selbige annehmen und sich unterhalten lassen müssen. Mit den Weibern,
Jungfrauen, Töchtern und Mägden aber, die keine Männer, Eltern oder
Verwandten gehabt, so ihrenthalber Ranzion erlegen, noch bei hohen
Officieren Hilfe oder Rath suchen können, ist es mit vielen fast übel
abgelaufen, sind theils genothzüchtigt und geschändet, theils zu
Concubinen behalten worden, wiewohl dennoch auch viele, die dergleichen
Freunde und Mittel nicht gehabt, wunderlich bei Ehren sind erhalten
und von theils ehrliebenden Soldaten durch Redlichkeit dessen, der
sie gefangen bekommen, ehrlich losgelassen oder wohl gar geheirathet
worden. Die andern aber, sonderlich die zuvor sich schon leichtfertigen
Handels gebraucht, wie denn hiervon die Feinde damals sehr fleißige
Nachforschung gehalten, sind auch in solcher Unzüchtigen Hände gerathen
und haben sich mit im Lande müssen herumführen lassen.
Was J. F. Gn den Hrn Administrator anbelangt, ist derselbe unterweges
auf der Straße, als sie an die Oerter hinreiten und den Kaiserlichen
begegnen wollen, von ihnen angetroffen, mit Partisanen und Musketen
übel geschlagen und in den Schenkel geschossen worden, bis endlich ein
Lieutenant sich derselben angenommen und in des +von Pappenheim+ Gezelt
tragen lassen. Des folgenden Tages hat man J. F. Gn nach Wolmirstädt
geführt und allda im Gefängnisse curirt. Der Hofmarschall +Falckenberg+
ist, nachdem er geschossen und in eines Bürgers Haus bei Sct Jacob
getragen worden, in der Feuersbrunst nebst andern Erschlagenen mit
verbrannt und also geblieben. Dem Ambassadeur +Stalmann+ aber hat es
geglückt, daß er etliche Tage hernach im Lager bei Fermersleben, durch
Hilfe eines ihm wohlbekannten Juden, die eisernen Bande an Händen
und Füßen entzweifeilen und bei der, wie man sagt, erpracticirten
Anzündung dieses Lagers ausreißen und zum Könige in Schweden flüchten
können. Aus dem Rath sind der Bürgermeister +Martin Brauns+ und
die Rathsherren +Dietrich Brewitz+, +Caspar Steinbeck+ und +Martin
Bauermeister+ umgekommen; die andern 3 Bürgermeister +Georg Schmidt+,
+Georg Kühlewein+ und +Johann Westphal+; nebst dem Rathsherrn +Otto
Gericken+ und vielen andern Leuten, haben sich mit den Ihrigen in Hrn
+Johann Alemann+’s Haus begeben, allda sie endlich, nach vielfältiger
ausgestandener Leib- und Lebensgefahr, durch den kaiserlichen
General-Krieges-Commissarius Hrn +von Walmerode+ -- welcher eben des
+Johann Alemann+’s Hausfrauen zu salviren dahin gekommen -- errettet
und hinaus nach Schönebeck in Sicherung gebracht worden. Herr +Conrad
Gerold+ und andere mehr, die so auf der schwedischen Seite gewesen,
haben gesehen, daß sie sich stracks bei den kaiserlichen Soldaten
ranzionirt, und sind durch und zum Könige aus Schweden gegangen. ~Dr~
+Christianus Gilbertus+,+ Hermannus Cummius+ und +Heinrich Pöpping+
aber -- als welcher auch droben gedacht worden -- lange Zeit von den
Kaiserlichen wegen dessen, daß sie mit unter dem schwedischen Wesen
gesteckt haben sollten, gefänglich behalten und allererst, als die
Kaiserlichen die Stadt wiederum verlassen müssen, liberirt worden,
wiewohl +Pöpping+ kurz vorher an der rothen Ruhr, mit großer Wehklagung
und Betraurung dessen, daß er die Stadt Magdeburg hätte verführen
helfen, soll gestorben sein, wie solches der +Cummius+ und die Weiber,
so ihn in der Krankheit gewartet, berichtet haben.
In der Domkirche sind wohl in die 4000 Menschen gewesen, die sich
darin retiriret und verkrochen gehabt, und obwohl anfangs etwas von
kaiserlichem Volke hinein gekommen, die etliche Leute niedergemacht
und 2 Weibespersonen darin sollen geschändet haben; so ist doch bald
Schildwacht vor die Thüren gesetzet und ferner Gewalt verhütet worden.
Der Domprediger +Reinhard Backe+ hat sich auch in diese Kirche salvirt,
welchem zwar anfangs die Jesuiten und andere katholische Geistliche
hart zugesetzt und übel angefahren; jedoch soll er seine Gegenantwort
dergestalt gethan und so viel beigebracht haben, daß sie ihn als
einen lutherischen Prediger -- der seine Zuhörer zur Gottesfurcht,
Ehrbarkeit und einem stillen, geruhigen Leben angemahnt, die Bosheit
und Widersetzlichkeit gestraft gehabt -- müssen passiren und gewähren
lassen.
Belangend die Anzahl der Erschlagenen und Umgekommenen in der Stadt,
weil nicht allein das Schwert, sondern auch das Feuer viel Menschen
aufgefressen, kann man dieselbe nicht eigentlich wissen, denn nicht
allein bald nach dieser erbärmlichen Einäscherung der General +Tilly+
die verbrannten Leichname und sonst Erschlagenen von den Gassen, Wällen
und andern Plätzen auf Wagen laden und in’s Wasser der Elbe fahren
lassen, sondern man hat auch fast ein ganzes Jahr lang nach der Zeit
in den verfallenen Kellern viel todte Körper zu 5, 6, 8, 10 und mehr,
die darin erstickt und befallen gewesen, gefunden und weil die, so auf
den Gassen gelegen, sehr vom Feuer verzehrt und von den einfallenden
Gebäuden zerschmettert gewesen, also daß man oft die Stücken mit
Mistgabeln aufladen müssen, wird Niemand die eigentliche Summam
benennen können. Insgemein aber hält man dafür, daß mit eingeschlossen
die beiden Vorstädte und was von der kaiserlichen Soldatesque --
als von denen nicht allein im Sturm hin und wieder viel geblieben,
sondern sich auch mancher verspätet, im Keller oder Hause zu lange
gesucht oder sonst verirrt gehabt -- umgekommen und verbrannt, es auf
20,000 Menschen, klein und groß, gewesen, die bei solchem grausamen
Zustande ihr Leben enden oder sonst am Leibe Schaden leiden müssen.
Die abgestorbenen Leichname, so vor das Wasserthor hinaus in die Elbe
geführt worden, haben, weil an dem Orte alle Wege ein Kräusel oder
Wirbel ist, nicht bald hinwegfließen können oder wollen, also daß
viele da lange herumgeschwommen, die theils die Köpfe aus dem Wasser
gehabt, theils die Hände gleichsam gen Himmel gereckt und dem Anschauer
ein fast grausam Spectakel gegeben haben, davon denn viel Geschwätzes
gemacht worden, gleich als hätten solche todte Leute noch gebetet,
gesungen und zu Gott um Rache geschrieen, wie denn ebenermaßen man von
vielen Gesichtern, Gespenstern und dergleichen Dingen zwar sagen, aber
von Niemand im Grunde der Wahrheit bejahet werden wollen.
In dieser erschrecklichen Feuersbrunst sind 1) alle Kirchen und
Gotteshäuser der Alten Stadt bis auf das Mauerwerk gänzlich verbrannt
und in die Asche gelegt, darunter vornehmlich gewesen Sct Johannis,
die größte und höchste Kirche, deroselben zwei hohe Kirchspitzen mit
Blei und das Dach über der Kirche ganz mit Kupfer gedeckt gewesen.
Dann Sct Ulrich, die schönste, worin die herrlichsten Epitaphia und
Gemälde gestanden, so Vornehme von Adel und aus den Geschlechtern der
Stadt darin zum Gedächtniß setzen und sich oft manches von 1 bis in 2
und 3 tausend Thaler kosten lassen. Desgleichen Sct Catharinen, so in
der Feuerbrunst 1613 auch abgebrannt, aber wenig Jahre zuvor ganz neu
wieder mit Dach und hohen Thurmspitzen auferbauet gewesen. Sct Jacob,
so zwar auch in der ersten Belagerung 1550 viel Schaden erlitten, hat
nun, sammt der Kirche zu Sct Peter und der zum heiligen Geist, denen
andern sämmtlichen gleich werden müssen. In welchen sechs Haupt- und
Pfarrkirchen nicht allein alle Sonntage, sondern auch mehrentheils die
Werkeltage über gepredigt und der Gottesdienst verrichtet worden,
daher die Alten solche 6 Pfarren zu mehrern Unterschied in nachfolgende
Reime begriffen:
zu S. Ulrich die Reichen -- zu S. Johannis die Säuberlichen -- zu
S. Catharinen das Dunkelgut -- zu S. Jacob die Armuth -- zu S.
Peter die Fischer -- zum heiligen Geist die Tischer.
2) Sind die beiden Collegiatstiftskirchen S. Nicolai und Sebastiani,
item die Kirche Petri und Pauli sammt andern Cellen und Klausen auf
dem Neuen Markt wie nicht weniger in der Altenstadt die Klosterkirche
der Augustiner, so das Geschlecht der Feuerhacken allhier gebauet und
gestiftet, ingleichen das Barfüßerkloster, woraus nach der Reformation
der Rath eine Schule angerichtet, dann das Jungfernkloster Marie
Magdalene, die Kirche zu S. Gertraud, die zu S. Annen sammt allen
Hospitalien, Armenhäusern, Capellen und dergleichen dem Feuer und Rauch
zu Theil geworden.
3) Hat auch die Hitze des Feuers das schöne, wohlerbauete Rathhaus,
woran viele alte Monumente, Bilder und Wappen in Stein gehauen und
sonst gemalt gestanden, zusammt dem neuerbauten Zeughause, item die
Thürme und Thore der Stadt mit ihren Zug- und andern Brücken -- allein
ausgenommen die Sudenburger Brücke -- nicht vorbei gehen mögen, also
daß noch des Nachmittags, als des Raths Pulvermühle und von derselben
die andern Schiffmühlen angesteckt worden, auch die kurze Elbbrücke der
Asche zu Theil werden müssen.
Endlich und 4) sind alle Wohnhäuser der Stadt, worunter manches
schönes Gebäude zu befinden gewesen, als vornehmlich +Thomas Mauritz+
Haus[27], nahe beim güldenen Arm, welches er, als der letzte von seinem
Geschlechte, zum Gedächtnisse erbauet und über 20,000 Thlr. gekostet.
Item der von +Quitzow+ Haus am Neuen Markte, der Anhaltische Hof[28]
und alle andere dergleichen adelige und bürgerliche stattliche Häuser
gänzlich verbrannt und in Asche gelegt, also daß noch ein weniges von
Häusern am Neuen Markt, zusammt der Domkirche und U. L. Frauenkloster
sind bestehend geblieben, welches etwa von der katholischen
Geistlichkeit, als die die Soldaten zum Löschen soll angetrieben haben,
mag sein erhalten worden. Wie denn auch die Fischer unter dem Ufer ihre
Häuser behalten haben.
Sobald sich aber die Hitze und Gluth in etwas gestillet, hat der
kaiserliche General von der Artillerie, welcher ein Freiherr +von
Schönberg+ und bald nachmals in der Schlacht vor Leipzig geblieben,
alle Braupfannen, Glocken und anderes Kupfergeschirr zusammen auf
unterschiedliche große Haufen führen und für sich als seine Beute
verwahren lassen. So hat sich auch überdies eine unglaubliche Anzahl
von Eisenwerk, eisernen Oefen, messingenen Grapen, Becken, Leuchtern
etc., auf den abgebrannten Stätten und, insonderheit noch in den
Kellern, viel Zinnwerk und dergleichen befunden, so theils auch von
der kaiserlichen Soldatesque zusammengebracht und hin und wieder
distrahirt worden; nicht weniger haben auch bald hernach theils die
Bürger selbsten, so der Zeit in der Stadt geblieben und vornehmlich
die, welche sich des Wassers und Schiffens gebrauchet, diese Metalle
zusammengelesen und von den Soldaten um ein ganz schnödes Geld an
sich gebracht und heimlich nach Hamburg und andere Oerter verführet,
also daß sie theils davon viel reicher, als zuvor, geworden sind. Den
mehreren Theil aber von den Braupfannen, zerbrochenen Glocken und
andern Metallen, so obgemeldeter General von der Artillerie und andere
Kaiserliche sammeln lassen, haben sie nachmals zusammt mit der Stadt
quittiren und den Schwedischen überlassen müssen.
Sonst ist über dieses alles viel herrlicher und unwiederbringlicher
Hausrath und allerhand stattliches bewegliches Eigenthum von alten
Büchern, Schriften, Monumenten, Gemälden und dergleichen, so theils
Vornehme von Adel in die Stadt geflüchtet, theils auch den vornehmsten
Bürgern zuständig und nicht mehr für Geld zu bekommen gewesen, mit
verbrannt und also der Soldatesque an ihrer Beute abgegangen. Man
hat auch in gar vielen Kellern im Bier und Wein bis an die Knie gehn
mögen, weil der Uebermuth und Frevel des gemeinen Kriegsvolkes so groß
gewesen, daß, wenn etwa ein Eimer Biers oder Weins aus einem Fasse
gezapft worden, sie den Zapfen nicht wieder einstecken wollen, und
also das Bier und (_den_) Wein hinlaufen lassen. Die stattlichsten
Kleider, Decken, Seidenzeuge, goldene und silberne Passementen
(_Borten, Tressen_), allerhand Leinen und anderes Hausgeräth haben die
Marketender um ein ganz liederliches (_Geld_) an sich gebracht und ins
ganze Erzstift Magdeburg, in das anhältische und braunschweigische Land
mit ganzen Wagen voll verführt und verkauft. Man hat auch die goldenen
Ketten, Ringe, Kleinodien und anderes Gold- und Silbergeschirr von den
gemeinen Knechten mehr denn zehnmal wohlfeiler, als um den rechten
Werth desselben, kaufen und erhandeln können.
Wo der Stadt Archive, Briefe und Siegel, Privilegien, Register,
Protocolle und andere Urkunden hingekommen, weiß man nicht, sintemal
die Vornehmsten des Raths und der Bürgerschaft, so viel deren noch vom
Feuer und Schwert übrig geblieben, in einem Jahre nicht wieder in die
Stadt gekommen oder (_in derselben_) unterkommen können. Ob nun solche
Documente, Briefe und Handfesten von Jemand aufgehoben, weil alles in
Gewölben gelegen und schwerlich verbrannt ist, stehet dahin; gleichwohl
ist der Stadt hierin auch ein unwiederbringlicher Schaden geschehen.
Was in den Kellern noch gewesen, haben sich die Tillyschen Soldaten,
die auf den wüsten Brandstellen Hütten gebauet, zu Nutze gemacht.
Es sind auch die vorlängst schon hierauf wartenden geistlichen Herren
und andere der katholischen Religion zugethane Ordenspersonen, Mönche
und dergleichen, den Dom -- welcher auf dem weiten, geräumigen Platz
des Neuen Marktes sammt etlichen Häusern allda unabgebrennt stehen
geblieben -- zu reformiren hineingekommen und haben sowohl in diesem,
als andern (_Kirchen_) neue Anstalt zu machen, angefangen.
Der König in Schweden, indem er vermuthet, es würde über diesen
traurigen Fall, daß die Stadt bei Zeiten nicht secundirt worden,
ungleiche Gedanken abgeben, hat lassen ein Manifest ausgehen, darin
er anfänglich der Magdeburger Verstoßen in ~ipso principio et limine~
angeführt, und dann, daß sie auf die neuen Werbungen und dergleichen
Kriegsnothwendigkeiten keine erklecklichen Geldposten auszahlen wollen
etc. die Ursache gelegt, wie dessen +Chemnitius+ im ersten Theile
seiner schwedischen Kriegesbeschreibung, ~Fol.~ 162 gedenkt.
Nachdem nun dieses unaussprechliche Unglück über diese Stadt, so
vormals der ersten deutschen Kaiser Residenz gewesen, also ergangen,
und die am Leben gebliebenen Magdeburger, so hier, so dahin zerstreuet
worden, hat es von den Auswärtigen, zu welchen die vertriebenen
Magdeburger gekommen, viel Nachfragens gegeben, wie es zugegangen, daß
die Stadt in solchen Jammer und (_solche_) Noth gerathen sei, ob sie
sich etwa nicht gewehrt oder den Soldaten nicht gehörigen Unterhalt
gegeben, daß sie fechten können? oder ob die Bürger wären verzagt
gewesen und vom Walle gelaufen? oder ob sie es verschlafen hätten? oder
ob sie wären so gottlos gewesen, daß sie Gott so strafen müssen? oder
wie es sonst so geschehen? etc. Da denn der Eine diese, der Andere eine
andere Ursache vorgewendet. Insgemein aber, weil zwei Parteien in der
Stadt waren -- die eine, so die Conjuncturen mit dem Hrn Administrator
rieth und beförderte, die andere, so solche widerrieth und das daraus
zu besorgende große Unheil gleichsam verkündigte, legte ein Theil die
Schuld auf den andern und waren also, vor wie nach der Eroberung, ganz
heftig wider einander. Die, so das Unglück prophezeihet hatten, konnten
es offenbar vor Augen stellen, daß es so erfolgt, wie sie gesagt;
die andern aber, so das Werk angesponnen und durch Verführung des
gemeinen Mannes so zu Wege gebracht, gaben es auf die, so nicht mit
eingestimmt; die wären gut kaiserlich gewesen, hätten mit ihnen (_den
Kaiserlichen_) unter einer Decke gelegen, ja gar den Zustand mit der
Stadt dem Feinde verrathen, sonst wäre die Sache anders gelaufen etc.
Dieses ist also der rechte, wahre Verlauf mit der Eroberung dieser
guten Stadt Magdeburg, welchen sich Niemand, da anders die Wahrheit
soll berichtet werden, kann lassen zuwider sein.
Fußnoten:
[1] Zu Lübeck, 1629 den 12. Mai.
[2] „Darunter denn etliche des Raths, des Ministerii, vornehmlich
aber der gemeine Mann begriffen gewesen.“ ~G.~
[3] „Darunter die mehresten und vornehmsten des Rathes, weniger aber
der Prediger und Bürger sich befanden.“ ~G.~
[4] Der Magistrat hatte 1625 und 1627 von Wallenstein für die im Text
genannte Summe die Erlaubniß erkauft, die beiden Vorstädte
Sudenburg und Neustadt abzubrechen, auf dem dadurch gewonnenen
Terrain Festungsanlagen zu machen und mit letztern noch 1000
Schritte weiter hinaus zu gehen. Siehe meine Geschichte der
Stadt Magdeburg, Bd. 3, S. 45 u. s. w.