Darauf am 27. July des 1630. Jahres obgemeldeter +Stalmann+ gegen

den Abend zu Magdeburg angelangt ist und zugleich mit ihm -- zwar

in unbekannten Kleidern und unerkannt, auch dem Rath und gesammter

Bürgerschaft unwissend -- der Hr Administrator des Erzstiftes

Magdeburg, und damit der Fürst desto heimlicher und unbekannter

bleiben möchte, sind sie in dem Fürstl. Anhaltischen Hof,[14] hinter

St. Sebastian auf dem Neuen Markt,[15] eingekehrt, da weder der

Hauswirth[16] noch dessen Leute im Hause I. Fürstl. Gn. gekannt

haben. Bald, desselben Abends noch, haben sich der Obristlieutenant

+Schneidewein+ -- der, wie gemeldet, im Arrest in der goldenen Krone

lag -- und des folgenden Morgens der Rathsherr +Caspar Steinbeck+

bei I. Fürstl. Gn. angefunden und Unterredung gepflogen. Den 29.

July hat +Johann Stalmann+ bei dem Rathe ansuchen lassen -- weil

er wegen königl. Maj. zu Schweden und des Hrn Administratoris,

Markgrafen +Christian Wilhelm+’s Fürstl. Gn. etwas, daran dem gemeinen

evangelischen Wesen höchlich gelegen, an den Rath zu bringen hätte,

-- daß ein Paar ihres Mittels zu ihm, sein Anbringen zu vernehmen,

kommen möchten, denen er dann vorgezeigt eine von königl. Maj. zu

Schweden gegebene Instruction, daß nämlich er bei allen evangelischen

und protestirenden Churfürsten, Ständen und Städten deutscher Nation

werben und vernehmen solle, wie und ob dieselben Beliebniß trügen,

sintemal Ihro königl. Maj. zu Schweden, zu Rath und Beschirmung der

teutschen Libertät in Gewissens- und weltlichen Sachen, sich mit einer

Kriegsarmee in Deutschland zu begeben, Vorhabens wären, auf solchen

Fall ihm auch zugleich -- da sich ein oder ander Stand in sothane

Conjunctionem begeben würde -- Macht gegeben worden, 100,000 Rthlr., zu

desto besserer Fortstellung solches Wesens, in Hamburg durch Wechsel

zu heben, und dahin ~employren~ und anzuwenden. Darnach hat genannter

+Stalmann+ auch folgende Puncte -- davon er jedoch nichts unter Ihrer

Maj. zu Schweden Hand oder Siegel vorgezeigt -- im Namen seines Königs

an den Rath gesonnen und begehrt:

1) Nachdem es nunmehr durch göttliche Verleihung dahin gediehen, und

sich die benachbarten evangelischen Churfürsten, Stände und Städte

mit königl. Maj. zu Schweden, zwar in großer Geheimde, verbunden und

in eine sonderbare Allianz begeben hätten: also möchte auch die Stadt

Magdeburg dem evangelischen Wesen beistehen, mit in sothane Conjunction

treten und gleich heben und legen helfen.

2) Wolle ihr (_sich_) die Stadt gefallen lassen, dem König in Schweden

und Fürstl. Gn. wegen des Elbpasses und Brücken zu versichern, damit

sie denselben offen und zu Dienste haben könnten.

3) Wollten Ihro Königl. Maj. und Fürstl. Gn. in der Stadt Volk werben

lassen und eine Armee richten, (_aufstellen_) dagegen aber die Stadt

wegen aller Gewaltthätigkeiten, Kriegespressuren und anderen Kosten

versichern und befreien.

4) Sollte die Stadt gegen alle zustoßende Feindseligkeiten mächtiglich

geschützet, auch gegen dem Reich noth- und schadlos gehalten, und ihr

deswegen die Generalstaaten, beide Churfürsten Sachsen und Brandenburg

und gesammte Hansastädte zu Bürgen gestellet werden.

5) Wollten Ihro Königl. Maj. und Fürstl. Gn. die Stadt mit mehren

Privilegien und ansehnlichen Gütern begnaden etc.

Dabei auch letztlich von dem +Stalmann+ erinnert worden, daß er gar

nicht lange Zeit hätte, sondern bald weiter reisen müsse, und stünde

ihm auf eine verabsäumte Stunde Leib- und Lebensgefahr; derowegen

sich der Rath ja eilig eilig erklären wolle, welches Alles also

die Deputirten des Raths ~ad referendum~ angenommen, und folgenden

Tages, den 30. July, dem ganzen Rathe hinterbracht haben, darauf der

Rathsschluß also gemacht worden, daß man die Sache folgendes dem

Ausschusse vortragen, und, wenn es demselben mitbeliebig, an die E.

Hansastädte bringen wolle.

Desselben Tages hat +Martin Parmann+ -- der ein Ausschusses-Verwandter,

Viertelsherr und Gewandschneider-Innungsmeister und mit unter

den obgemeldeten beeideten Personen gewesen -- die gesammten

Viertelsherren zu sich in sein Haus erfordert, dieselben zum Eid,

alles, was vorgebracht werden würde, in geheim zu halten, genöthiget

und ihnen endlich vorgetragen, daß ohne dies aus dem gemeinen Gerücht

genugsam bekannt, wie der Rath von Königl. Maj. zu Schweden und Hrn

Administratoris Fürstl Gn. Schreiben bekommen, sich mit ihnen in eine

Allianz und Bündniß zu begeben, nun aber der Rath solche Schreiben

fast ein halb Jahr lang -- das doch nicht also, sondern nicht über 8

Wochen gewesen -- der Bürgerschaft heimlich vorenthalten, und nunmehro

Ihre Maj. zu Fortstellung dessen einen eigenen Gesandten -- den auch

die Viertelsherren wohl alsofort selbst hierüber hören könnten --

anhero geschickt hätten, als wäre die Frage, ob sie nicht vom Rathe

die Schlüssel zu den Thoren abfordern und mit dem Gesandten selbst

tractiren wollten, und obwohl theils Viertelsherren -- darunter

vornähmlich +Heinrich Hartmann+ -- dazu eingestimmt, so haben die

mehresten, daß man’s also scharf nicht anfangen, sondern sich lieber

gegen dem Rathe mit Protestation verwahren möchte, gerathen.

Den 31. July ist, auf Erfordern des Raths, der Ausschuß, oder die

Funfzigmannen von der Gemeine, zu Rathhause erschienen, denen dann

das Werk vorgetragen und darauf von ihnen durch die mehresten Stimmen

dieser Schluß, daß sie mit dem Rath einig wären und alles auf

Einrathung der E. Hansastädte wollten beruhen lassen, gemacht worden

-- wiewohl in der ersten Klasse des Ausschusses zwei Viertelsherren,

+Jürgen Schlüter+ und +Jacob Beckmann+, nach derselben Classis

eingebrachten ~Voto~, im Namen gesammter Viertelsherren, gegen

den Rath protestirt und bedinget haben, daß, weil der Rath dieses

Vereinigungswerk so lang unter sich tractiret und der Bürgerschaft

oder Ausschusse vorenthalten hätte, sie an ihrem Orte vor der ganzen

Bürgerschaft, was hierin verabsäumt wäre, entschuldiget sein wollten

etc. -- welchen ermeldeten Raths und Ausschusses Schluß der Rath noch

gegen Abend dem +Stalmann+ also hinterbringen lassen. Es mag aber

derselbe von denen oftermeldeten Personen, die stets bei ihm ab- und

zugegangen, ziemliche Nachricht bekommen haben, daß die Bürgerschaft

zu solchem Werk wohl inclinirt und bei derselben eher etwas, als

beim Rathe, würde können erlangt werden, wie dann +Stalmann+ solches

selbsten, nachdem er bei dem schwedischen Feldmarschall +Johann

Banner+[17] in Ungnade kommen, in seiner Apologia, so er bei seiner

Flucht contra denselben Hrn Feldmarschallen gemacht, unter andern in

folgenden Worten bekennet: „Mit solcher von königl. Maj. zu Schweden

erlangter Resolution und Instruction bin ich aus Schweden auf Hamburg

wieder gelanget und haben J. F. Gn., wider meinen Willen, auf andern

Rath, zugleich mit hinaufwärts, wohin meine Expedition gewesen, und

in Magdeburg zu gehen, jedoch mit Vertröstung, sich allda in der

Stille bis auf andere, bessere Occasion zu verhalten, gestalt Sie auch

allda empfangen und doch stracks -- durch die vermittels wenigster

Rathspersonen und der von papstischen Domherren irritirten Populace

an (_die_) Hand gegangene Occasion -- zu einem mehren gegriffen und

gebrauchet, womit sie dann neben Ihro, zugleich auch mich, in eben

dieselbe Occasion gezogen und dahin necessirt haben, daß ich, wie

geschehen, mit handhabender königl. Instruction auch mich bloßgegeben

und Inhalts deroselben zu negotiiren allda angefangen und den Ausgang

an den lieben Gott gestellet etc.“

Item in einer Schrift, so +Stalmann+ nach der Stadt Magdeburg

Eroberung, wegen dero zwischen dem Könige zu Schweden, dem

Administratore und der Stadt aufgerichteten Capitulation zum Zeugnisse

ertheilen wollen, setzet er diese Worte:

Daß hochermeldeten Hrn Administratoris Fürstl. Durchlaucht

hintangesetzt meiner, auf längeren Verzug gerichteten Bedenken und

Gründen, aus andern starken Gegenursachen sich von Hamburg nach

Magdeburg in der Stille und unbekannt erhoben, mich um die Mitreise und

Assistenz auf meine, von königl. Maj. zu Schweden gehabte Commission

und Instruction gnädigst und anständig ersuchet und vermocht, sich auch

daselbst wider meinen Rath, abermalen aus trefflichen Gegenursachen und

Bewegnissen, kund gegeben und mich auf vorberührte königl. Commission

und Instruction ganz gnädig, beweglich und eifrig requiriret, daß ich

Deroselben zu schuldiger Folge S. Fürstl. Durchlaucht dahin assistiren

und cooperiren möchte, damit die Stadt Magdeburg mit allerhöchst

gedachter königl. Maj. und Sr. fürstl. Durchlaucht conjungiren und

Seine fürstl. Durchlaucht also des Landes wieder mächtig werden, sich

auch in einem festen Ort stärken, vorsehen und dem unterdrückten

allgemeinen evangelischen Wesen desto bessere Dienste und Vorschub

leisten könnten. Das ich auch in der That verspürt und befunden, wie

nicht allein der Bürgerschaft ins gemein, sondern auch etlichen des

Raths Sr. fürstl. Durchlaucht Ankunft und herausgelassenes Vorhaben

fast anmuthig und erfreulich gewesen etc.

Demnach und auf sothane erlangte Nachricht und Versicherung hat

der Ambassadeur +Stalmann+ denen Rathsdeputirten entdeckt, daß der

erzstiftische Hr Administrator selbst ~in loco~ und gegenwärtig

wäre, auch an den Rath gnädig gesinnen ließe, daß derselbe etliche

ihres Mittels gegen morgenden Sonntag früh abordnen, sintemal I.

F. Gn. denen Tractaten selbsten beiwohnen wollten etc. Darauf hat

der präsidirende Bürgermeister +Martin Brauns+ den Rath und Ausschuß

desselben Sonntags zu früher Tageszeit erfordern und Rath halten

lassen, ob man nämlich zu I. F. Gn. -- als die vor kaiserl. Maj. aus

den Stiften entweichen müssen und nunmehr durch unbekannte Kleider,

mit veränderten Bart und Haaren heimlich wieder in Magdeburg auf

die Freiheit[18] oder (_den_) Neuen Markt eingekommen -- senden und

Dero Begehren vernehmen wolle. Wie nun desselben Sonntags in aller

Frühe der Rath zusammen kommen, da haben die beiden Rathsherren

+Caspar Steinbeck+ und +Conrad Gerhold+ sowohl desselben Morgens,

als da auch des Nachmittages der Rath und Ausschuß wieder beisammen

gewesen, die Sachen in folgender Gestalt vor- und angetragen: daß

nämlich der König zu Schweden nicht allein eine mächtige Kriegsarmee

nunmehr auf den deutschen Boden gebracht, sondern sich auch mit allen

benachbarten Churfürsten, Ständen und Städten an der evangelischen

und protestirenden Seite dergestalt verbunden hätte, daß sie den

4. August alle zugleich aufstehen und das kaiserl. oder päpstische

Kriegsvolk als Feinde des Evangelii verfolgen würden, zu dem Ende

auch der Hr Administrator sich selbst dieser Orten anhero begeben und

auf dem Lande 1500 Mann zu Roß und 2000 zu Fuß heimlich versteckt,

ingleichen die Herzöge zu Sachsen-Weimar 2000 Reiter und 1000

Cürassire in Bereitschaft hätten und wenn sich nur die Stadt Magdeburg

wegen des Elbpasses gewierig erklärte, sollte solch Volk zur Stunde

zusammengeführt, den Kaiserlichen eine Diversion gemacht und sie

dadurch aus der Mark Brandenburg über die Elbe gelockt werden.

Alsdann könnte I. Maj. zu Schweden mit Dero Armee desto füglicher

aus Magdeburg gehen und mit sämmtlichen hochgedachten deutschen

Ständen ein Corpus formiren, derowegen, weil zu besorgen, daß solches

den Kaiserlichen kund, und daher obgedachtes Hrn Administratoris

Kriegesvolk und auch der gesammten evangelischen Stände, durch der

Stadt Magdeburg Verzögerung in (_den_) äußersten Ruin gestürtzt

werden möchten, so müsse sich der Rath eilig eilig erklären, mit

in dieses Bündniß treten und den Päpstischen zugleich widerstehen

helfen. Im widrigen Fall aber, und da (_wenn_) über Verhoffen der Rath

nicht willigen wollte, hätten der Hr Administrator und schwedische

Ambassadeur schon alle Nachricht, es wollten’s die Bürger thun und

selbst dem Könige zu Schweden den Paß eröffnen; wie alsdann diejenigen,

so das evangelische Wesen jetzo gehindert, anlaufen würden, stünde

Jedweden zu erfahren etc.

Hierauf hat man den präsidirenden Bürgermeister +Martin Brauns+,

Bürgermeister +Schmidt+, den Syndicus ~Dr.~ +Johann Denhardt+ und

noch zwei Rathspersonen, namentlich +Conrad Gerhold+ und +Johann

Buschau+, zu I. F. Gn. abgefertigt, und als sie dahin kommen, hat der

Ambassadeur +Stalmann+, in Gegenwart des Markgrafen, die allbereits

oben geschriebenen Punkte und Petita nach der Länge wiederholt, dagegen

etliche des Raths im Discours (_die_) eine und (_die_) andere hieraus

(_zu_) besorgende Ungelegenheit, sonderlich die kaiserl. Hoheit und

Macht, dagegen die Stadt an Gelde und aller Kriegesmunition sehr

erschöpft, auch deswegen der angefangene Festungsbau ungefertigt

beliegend blieben wäre, angezogen und eingewendet gehabt, also daß

unterdessen die Zeit bis auf 10 Uhr verflossen. Es ist aber von I.

F. Gn. die Predigt in der Domkirche so lange aufzuschieben befohlen,

auch endlich an die Raths-Deputirten begehrt worden, daß sie den

Gottesdienst mit abwarten und nachmals zu I. F. Gn. Tafel kommen

wollten, welches sie denn, dem Markgrafen zu versagen und abzuschlagen,

(_für_) unhöflich erachtet, und daher sich dessen nicht verweigern

dürfen. Hiermit sind der Markgraf und (_der_) schwedische Ambassadeur

vorhin (_voraus_) geritten und die Abgeordneten des Raths gefolgt,

da sich denn vor der Domkirche eine solche Menge Volks befunden, daß

man, wegen Größe des Gedränges, fast nicht durchkommen mögen. Der

ordentliche Text und das Sonntags-Evangelium ist damals Lucä am 19.

Capitel gewesen, worin Christus der Stadt Jerusalem die Zerstörung

verkündigt, nämlich „wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken

zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient; aber nun ist’s vor

deinen Augen verborgen; denn es wird die Zeit über dich kommen, daß

deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg

schlagen, dich belagern und an allen Orten ängstigen und werden dich

schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht

erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist etc.“ Nach gehaltener

Predigt haben I. F. Gn. die Rathsdeputirten mit sich zur Tafel

genommen, die dann auch bald wieder aufgehoben und die Deputirten, dem

Rathe Relation zu thun, dimittirt worden.

Als aber der präsidirende Bürgermeister erst wieder in sein Haus

gekommen, ist bald darauf +Heinrich Pöpping+ nachgefolgt, mit dem

Anbringen, weil die Sache ganz keine Verzögerung leiden könnte, daß

I. F. Gn. solche der ganzen Bürgerschaft selbst vorzutragen gesinnt

wären, derowegen Er (_der Bürgermeister_) dieselbe alsobald möchte

zusammen fordern lassen. Dieweil nun dieses vormals bei der Stadt keine

Gewohnheit gewesen, als hat der Bürgermeister den Rath und Ausschuß,

auch zum Ueberfluß die 18 Viertelsherren, auf das Rathhaus bescheiden

lassen, und nachdem er denenselben, was des Vormittages beim Hrn

Administrator ihre Verrichtung gewesen, Bericht gethan, hat man daraus

zum Hauptwerk schreiten und, was sich gegen I. F. Gn. zu erklären

sein würde, den Schluß machen wollen. Es ist aber eben indem der Hr

Administrator und (_der_) schwedische Ambassadeur angekommen, also daß

keiner diesmal sein Bedenken in der Sache geben, noch sein ~Votum~

ablegen können, sondern ein Jedweder, I. F. Gn. Anbringen und Begehren

zu vernehmen, aufwarten müssen.

Nachdem nun der Hr Administrator sammt dem schwedischen Ambassadeur

auf das Rathhaus und in den großen Saal gekommen -- allda der Rath,

der Ausschuß und (_die_) 18 Viertelsherren, I. F. Gn. und des

Ambassadeurs Anbringen zu vernehmen, auch herausgetreten -- da hat

sich der schwedische Ambassadeur zu der Stadt Syndicus, ~Dr.~ +Johann

Denhardt+, genähert, mit Anzeigung, daß I. F. Gn. und er des Raths

Resolution und Antwort auf (_die_) neuerlichst vorgelegten Puncte

erwarteten, welches dann -- weil sobald darüber kein Schluß im Rathe

noch Ausschuß gemacht werden können -- einen und (_den_) andern,

sich auf (_in_) solcher Hast und Eile zu erklären, heftig befremdet.

Derowegen man zusammen getreten und per majora vota geschlossen gehabt,

daß der Hr Syndicus, im Namen E. E. Raths und Ausschusses, um etwas

Dilation und Anstand, zu desto reiferem Nachsinnen, und auf allen Fall

füglicher Communication mit den E. Hansastädten, bitten und anhalten

sollte. Worauf hinwiederum der Ambassadeur +Stalmann+ länglich und

weitläufig zu reden angefangen und die Sachen in folgender Gestalt dem

Rathe, Ausschuß und Viertelsherren vorgetragen hat:

1) Daß sich nunmehr königl. Maj. zu Schweden mit einer mächtigen

Kriegesarmee auf den deutschen Boden begeben hätte, deren christliche

Intention und Meinung, die von Land und Leuten vertriebenen Churfürsten

und Stände nicht allein wieder zu restituiren und in ihre Lande zu

bringen, sondern auch das ganze deutsche Land bei ihrer (_seiner_)

hergebrachten Libertät und Freiheit beides, in Gewissens- und

weltlichen Sachen, zu retten, vertheidigen und beschirmen, dazu

denn auch die Könige von Frankreich und England, wie ingleichen die

Herren Staaten der vereinigten Niederlande sich mit verbindlich

gemacht hätten. 2) Wären des Hrn Markgrafen Administratoris Fürstl.

Durchlaucht zu dem Ende anhero kommen, das Erzstift Magdeburg wiederum

zu occupiren und von der beschwerlichen Religions- und Kriegespressur

zu entlästigen, dessen um mehres Behufs in der Nähe allbereits eine

ziemliche Anzahl Kriegesvolks zu Roß und zu Fuß vorhanden, welche,

sobald die Tractaten mit der Stadt geschlossen und vollzogen, zusammen

und herbei geführt werden sollten. 3) Und weil durch sonderbare

Gnade Gottes Ihro königl. Maj. allbereits so weit durch den Feind

gedrungen, daß sie innerhalb wenig Tagen nach Magdeburg anzugelangen

verhofften, derowegen Ihro Maj. gnädigstes Gesinnen, es möchte die

Stadt Magdeburg zu solchem allgemeinen evangelischen Wesen alle

mögliche Beförderung leisten, und zuvörderst, der Verstattung des

Elbpasses wegen, sich unverzüglich erklären, sintemal der gesammten

conföderirten evangelischen Stände Consilia und Intentiones darauf

gerichtet, und da die Stadt hierin länger säumig oder anständig sein

wollte, würde dadurch das ganze evangelische Rettungswerk gehindert

und in ~periculo~ gesetzet werden. 4) Als auch der Stadt, wegen

vieler bishero ausgestandenen Drangsalen und Beschwerden herrührende,

Unvermögenheit sattsam bekannt: so wollten Ihro Königl. Maj. und

Fürstl. Durchlaucht alle Kriegeskosten selber tragen, Munition, und

was zum Kriege nöthig, anschaffen, auch der Stadt, zu ihrer eigenen

Nothwendigkeit und besserer Befestigung, 90,000 Thaler zahlen lassen.

5) Ueberdas sollte auch das ganze Land an der Festung arbeiten und die

Stadt mit mehren Freiheiten, Privilegien und Landgütern begnadiget,

dagegen alle Gravamina und Beschwerden abgeschafft werden. 6) Wollten

Ihro Maj. und Fürstl. Durchlaucht die Stadt in keiner Noth lassen,

sondern dieselbe gegen alle Feindlichkeiten und Gefahr schützen,

vertheidigen und entsetzen, auch ihr deßwegen beide Churfürsten zu

Sachsen und Brandenburg, die Herren Staaten und sämmtliche Hansastädte

zu Bürgen und Schadloshaltene stellen. Allein weil ~summum periculum

in mora~ (_die höchste Gefahr beim Verzuge_), und an Verlust der Zeit

so viel gelegen, daß Niemand, wer der auch sei, eine einige Stunde, ja

Augenblicke der Verzögernisse mit Leib und Leben bezahlen könne: als

wolle man sich an Seiten der Stadt gewierig und schleunig erklären,

sintemal auf den widrigen Fall Ihre Fürstl. Durchlaucht das Werk an

die ganze Bürgerschaft -- die selbiges mals zum größern Theile vor dem

Rathhause auf dem Markt beisammen gestanden und über sothane Ankunft,

bevoraus, weil unter sie ausgesprengt gewesen, daß auf den 4. August

alle evangelischen Churfürsten und Städte zugleich zusammen treten

würden, trefflich gefrohlocket, wie davon im ~Inventario Sueciae~,

(_Frankfurt am Main_ 1632) ~Fol.~ 249 -- selbst bringen und dero

endliche Meinung darüber vernehmen und anhören müßte.

Hierauf ist der Stadt Syndicus wiederum zu den Raths- und

Ausschusses-Personen, deroselben Gutachten und was er ihrentwegen dem

Markgrafen und schwedischen Gesandten zur Antwort geben solle, zu

vernehmen; getreten, da dann -- wie bei dergleichen Fällen, da Keiner

nach der Ordnung seine Stimme und Votum gegeben, weniger dasselbe

nicht angehört werden können, zu geschehen pflegt -- theils das und

das dazu geredet, theils auch ganz stille geschwiegen, also daß der

Syndicus nicht gewußt, worauf eigentlich des Raths und Ausschusses

Resolution bestehen solle. Jedoch haben theils sonderlich vor andern

dem Hrn Syndico zugeredet und gesagt, daß man billig bei Gottes Wort

stehen müsse und dem evangelischen Wesen zum Besten Dero Königl. Maj.

und Fürstl. Gn. Paß und Repaß zu verstatten, nicht umgehen könne,

und was etwa dergleichen Worte mehr, die man unter solchem Gemurmel

nicht alle, sondern der Syndicus am allerbesten hören mögen, hierbei

vorgefallen. Also daß durch den Syndicum -- der zwar bei diesem Handel

ganz bestürzt, verblasset und übereilet gewesen -- diese Resolution:

daß nämlich zur Beförderung des allgemeinen evangelischen Wesens, und

damit nicht durch der Stadt Cunctiren (_Zögern_) und Nachlässigkeit

die gesammten evangelischen und mit Königl. Maj. zu Schweden alliirten

Stände periclitiren oder in Gefahr gestürzt werden möchten, der Paß für

Ihre Maj. offen stehen solle, eingebracht und gegeben worden.

Hiermit haben I. Fürstl. Gn. und (_der_) schwedische Gesandte ihren

Abtritt genommen, einem nach dem andern die Hand geboten und sich

wieder ins Logiment verfüget.

Des folgenden Montags, als den 2. August, hat der Hr Administrator

an den Rath gesinnen lassen, von der Stadt geworbenem Volke, welches

damals 2 Compagnien, jede von 200 Köpfen, waren, ihm eine Compagnie

auf 14 Tage abzutreten, damit S. Fürstl. Gn. desto sicherer an die

Oerter, da sie ihr Kriegesvolk liegend hätten, gelangen und selbiges

beisammen bringen könnten. Als aber hierauf ordentlich im Rathe votirt

und Jedes Meinung vernommen worden, haben es theils des Raths ganz

nicht willigen wollen, derowegen man die Bürgerschaft viertelsweise in

ihrer Viertelsherren Häuser zusammen fordern und dero Willen einziehen

lassen; wie denn bald darauf die Viertelsherren im Namen ihrer

unterhabenden Bürger alle nach einander diesen Schluß eingebracht,

daß die Bürger mehrentheils -- soviel deren gegenwärtig gewesen, dem

Fürsten eine Compagnie abtreten und auch zum Theil, wenn es vonnöthen,

selbst mitgehen wollten. Also sind desselben Tages gegen 1 Uhr etliche

von des Administrators zugelaufenen Officieren und Reitern nebst der

Stadt-Compagnie hinaus nach Wolmirstädt gezogen, und weil dieser Zeit

wenig kaiserl. Volk im Lande gelegen, ist vom Schlosse die daselbst

liegende Salveguarde von 5 oder 6 Knechten und das befindliche Vieh,

Briefe, Betten, ein halber Winspel Mehl und dergleichen in die Stadt

gebracht und zugleich etlichen Bürgern in Wolmirstädt durchs Haus

gerauschet worden; etliche tausend Geschützkugeln hat man auf dem

Schloß auch befunden, aber etwa 14 Tage hernach zu Wasser abholen

lassen.

Den 4. und 5. August hat der Hr Administrator bald einen größeren

Zulauf von Officieren, Soldaten und andern bekommen. Die fielen

tapfer aus auf die kaiserlichen Salvegarden und plünderten mitunter

die Amthäuser, Klöster und Dörfer, zu denen sich auch viel des

magdeburgischen Pöbels gesellet, also daß deswegen der Rath

unterschiedliche Verbote ergehen lassen. Sonst ist auch etwas Getreide

und viel Vieh von den Amthäusern und Klöstern auf den Bischofshof

gebracht und von des Hrn Administrators Hofstaat verkauft und zu Gelde

gemacht worden. So hat man dieser Tage auch des Obristen Niderumb’s

Frau, welche ihren besten Schatz wegbringen wollen, item einen kaiserl.

Lieutenant mit 20 Musquetirern und etlichen Wagen mit Lunten und Blei

beladen von Calbe gefangen eingebracht, desgleichen thaten die von

Borch (_Burg_) den kaiserl. Obristen Damnitz mit seiner Bagage und

etlichen Wagen mit Salz I. F. Gn. überliefern und was dergleichen mehr

diese Zeit über vorgelaufen, dadurch die Kaiserlichen, als denen dieser

Handel unversehens über den Hals kommen, sind ertappt, übermeistert

oder sonsten verjagt worden.

Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's · 第 2 / 8 段