Administratoris F. Gn. in der Stadt geworben und in kurzer Zeit viel
Volks um ein ganz gering Angeld zusammen gebracht, welches dann von
allen Orten heftig zugelaufen. Der Hr Administrator hat auch ein
Patent im ganzen Erzstifte anschlagen lassen, und ist noch desselben
Tages in Person mit der von der Stadt abgetretenen Compagnie und
etlichen Reitern und Officieren nach Halle vorgerückt. Wiewohl nun
Ihro F. Gn. mit Hülfe der Kothknechte (_Salzwürker, Arbeiter in den
Salzkothen_) und andern Pöbels in der Nacht durch das Salzpförtlein
ohne Widerstand in Halle hinein gekommen, haben sich doch die darin
liegenden Kaiserlichen aufs Schloß (_die Moritzburg_) retirirt. Der Hr
Administrator hat zwar, durch Beförderung +Caspar Steinbeck+’s und auf
Verwilligung der Bürgerschaft, aus dem Zeughause zu Magdeburg etliche
Centner Pulvers, einen Feuermörser und andere Kriegsbereitschaft
bekommen, dennoch aber das Schloß so bald nicht gewinnen mögen, bis
den 16. August ein Geschrei erschollen, daß die Kaiserlichen stark mit
dem Entsatz herannaheten, da der Markgraf mit allen Seinigen in großer
Eil aus der Stadt Halle -- die Kriegsmunition und Anderes hinter sich
lassend -- wiederum aufgebrochen und gen Magdeburg wieder gerückt ist.
Unterdessen hat des +Johann Stalmann+ ältester Sohn nebst etlichen
Reitern des kaiserl. Obristen Stammer’s Kisten und Kasten, so voll Geld
und Gold, auf 25,000 Thaler werth, in der Kirche zu Cöthen gestanden,
abgefordert und in Ihro Fürstl. Gn. Logiment zu Magdeburg eingeliefert,
worauf die Werbungen unter dem Obristen +Schneidewein+ -- als der durch
diese Occasion aus dem Arrest entgangen und zum Obristen gemacht war --
ingleichen unter Obrist +Boyen+ und andern desto besser fortgegangen
und das Volk in die Vorstädte Neustadt und Sudenburg und aufs Land,
als nach Calbe, Wanzleben, Egeln, Staßfurt, Calvörde u. s. w. verlegt
worden. Als aber denen Kaiserlichen dieser Handel gemachsam kund
geworden, ist darauf des kaiserlichen Obristen +Holckens+ Regiment zu
Roß gegen den Markgrafen commandirt worden, also daß unterschiedliche
Scharmützel zu Garmschleben (_Germersleben_?), Wanzleben,
Groß-Ottersleben etc. vorgelaufen, darunter die Markgräfischen
mehrentheils die Obhand (_Oberhand_) behalten.
Den 7. September hat der Obrist +Bock+, nachdem er zu Querfurt und
derer Oerter eine ziemliche Anzahl Volkes beisammen gebracht, das
feste Schloß Mansfeld durch eine sonderbare Kriegeslist erobert
und zwar folgendergestalt und also: daß er etliche Säcke mit Stroh
ausstopfen, auf Wagen legen und darunter Soldaten mit Bandelirröhren
sich verstecken lassen. Wie nun die Wagen vor das Schloß gekommen
und die Fuhrleute vorgaben, daß sie Getreide vom Kloster bringen
und aufschütten sollten, haben die Wacht selbige Wagen eingelassen,
darauf die Soldaten von den Wagen gesprungen sind und nachdem sie die
Wacht überwältigt und eine Losung gegeben, ist der +Bock+ mit seinem
übrigen Volk -- weil er allernächst in einem Hölzlein aufgewartet
-- hervorgesprungen und also das Schloß ohne Verlust einiges Mannes
gewonnen worden.
Es hat bei sothaner Beschaffenheit dem Hrn Administrator vornehmlich
an Kraut oder Pulver gemangelt, also daß, was etwa bei den Kramern
zu bekommen gewesen, nirgendshin klecken (_ausreichen_) wollen, und
obgleich die mehresten des Raths, der Stadt Vorrath anzugreifen, nicht
zulassen wollen: so ist es doch von andern, gleich (_als ob_) solches
zu Verhinderung des wohlgemeinten evangelischen Wesens und Ruinirung
seiner F. Gn. Person -- die noch Alles mit ehesten wohl gedoppelt
wieder erstatten wollte -- geschehe, ausgedeutet worden. Derowegen man
dem Markgrafen zu Defendir- und Besatzung obgenannter Städte und Pässe
-- zwar in unterschiedlichen malen -- auf 100 Centner Pulvers aus der
Stadt Magdeburg müssen abfolgen und hinreichen lassen.
Mit welchen allen also der Rath und die ganze Stadt in den Krieg
zugleich mit dem Markgrafen eingewickelt und von neuem wiederum mit der
kaiserl. Soldatesque zusammen gehetzet gewesen. Und obgleich alle Tage
neue Vertröstungen, -- bald daß der König in Schweden mit dem Entsatz
selber käme, bald die Staaten von Holland, bald ein deutscher Fürst,
dann wiederum, daß die Hansastädte bald Volk, bald eine Summe Geldes,
bald Kraut und Loth und was dergleichen Mangel vorfallen, schicken
wollten, oder daß die kaiserl. Armeen hie und da bis aufs Haupt
geschlagen und daher nicht zu fürchten wären -- vorgewendet und unter
die Bürgerschaft spargiret worden; so sind doch dagegen zuweilen auch
andere Zeitungen, daß sich nämlich die Kaiserlichen je mehr und mehr
stärken und nach diesen Stiftern ziehen sollten, mitunter einkommen,
also daß man sich auf allen Fall vor den Kaiserlichen aller Thätlich-
und Feindseligkeiten befürchten müssen und wie lang das Werk in solchem
Zustande bleiben möchte, nicht wissen können.
Demnach hat der Rath bei I. F. Gn., dem Hrn Administrator,
unterschiedlich erinnern lassen, daß zu desto besserer Proviantirung
der Stadt und Festung das Getreide von den Amthäusern und Klöstern
möchte hereingeholt und aufgeschüttet werden, wie auch in etwas
geschehen. Der mehrer Theil aber ist zurück geblieben, dessen Ursach
mag der Obrist +Schneidewein+ gewesen sein, weil er auch die
Bauern, so das ihrige in die Stadt geführt, übel angefahren, gleich sie
alles aus den Dörfern hinwegschaffen und er mit seinen Soldaten in den
Quartieren nichts behalten würden, wiewohl er nachmals die Schuld auf
den Markgrafen selbsten geschoben, mit Vorwendung, daß I. F. Gn. das
Getreide zu Bestellung der Aemter und Aecker draußen behalten wollen,
womit aber auf Seiten des Administrators ein großes versehen, sintemal
das Getreide alles den Kaiserlichen zum Besten dadraußen geblieben und
nachmals der Fürst und +Falckenberg+ für ihre eigene Tafel das
Getreide um Geld von den Bürgern kaufen müssen.
Als nun, wie gemeldet, sich indessen die kaiserl. Soldatesque mehr und
mehr gestärkt, hat solches unter andern auch die Hallburschen, so den
Markgrafen eingelassen, heftig getroffen; denn wie sie mit Weib und
Kindern ins Churfürstenthum Sachsen vor den Kaiserlichen entweichen
müssen, ist ihnen eine Compagnie zu Roß nachgesetzt und sind von den
Halloren über 18 Personen hingerichtet worden. So haben auch zur
selbigen Zeit die Markgräfischen Egeln, Staßfurt und andere Oerter
verlassen und sich an die Elbseite nach Calbe, Salze, Schönebeck,
Frose etc. wenden müssen, denen aber die Kaiserlichen bald gefolgt,
den 19. September Frose erobert und alle, so sich nicht mit der Flucht
salvirt, nieder gehauen. Hernach sind sie 2000 stark nach Schönebeck
gezogen, da sich die Markgräfischen auf Schiffen hinwegbegeben und
nachdem die Kaiserlichen auch Salze weggenommen, sind sie mit 2
Regimentern und etlichem Geschütz vor Calbe gerückt, darin über 700
markgräfische Soldaten gelegen, daselbst sie an der Schloßscheure
Bresche geschossen, hinein gestiegen, über 200 der Markgräfischen
erschlagen und den Rest gefangen genommen. Wie nun der Hr Administrator
gesehen, daß die Kaiserlichen täglich stärker anziehen (_heranzogen_)
und, mit nicht wenigem Untergang seines neu geworbenen Volkes und des
Landes großen Schaden, ein und ander (_das andere_) Städtlein einnehmen
thäten: hat er das übrige Volk in die Vorstädte bei Magdeburg und
zu (_nach_) Kloster Berge verlegt und sich daselbst zu verschanzen
angefangen, worüber dann die andern annoch besetzten Städte und Flecken
ganz hilf- und entsatzlos gelassen worden; und wiewohl man etlichen
genugsam succuriren können, so ists doch -- vielleicht daß der Obrist
+Schneidewein+ nicht hinaus gewollt -- zu keinem Effect gekommen,
sondern der Markgraf sammt dem schwedischen Ambassadeur und gemeldten
+Schneidewein+ -- als welcher zugleich des Markgrafen Kriegesrath
war -- haben allein die Vereinigungstractaten mit der Stadt und daß
sich dieselbe zuvor mit dem Könige in Schweden und Hrn Administrator
auf gewisse Maße und Capitulation verbinden sollte, begehrt und
fortgetrieben, da -- sagten sie -- eher und zuvor man hierin nicht
einig und alles schriftlich vollzogen wäre, könnte gegen die widrige
Partei nichts weiter vorgenommen werden, sondern (_sie_) müßtens gehn
lassen, wie es ginge und wäre der Rath an allem bishero geschehenen
Unrath und Schaden wegen solcher Säumniß ein Ursach, hingegen Ihre
Fürstl. Gnaden und dero Leute unschuldig.
Demnach nun diese Sache in sothanen Zustand gerathen, hat man folgends
auch zur Capitulation sich entweder bequemen, oder wiederum auf die
kaiserliche Seite wenden müssen, welches letztere aus (_den_) bishero
erzählten Ursachen nicht geschehn mögen, derowegen der Capitulationen
zwo, die unterschiedliches Inhalts gewesen, aufgerichtet worden.
Die erste ist in nachfolgenden Punkten bestanden.
1. Daß zwar mit der königl. Maj. zu Schweden und des Hrn
Administrators F. Gn. die Stadt Magdeburg sich in Verbündniß wider
die Verfolger der evangelischen Religion und ~turbatores pacis~
(_Friedensstörer_) eingelassen, jedoch sollte solches nicht wider
die röm. kaiserl. Maj., des heiligen römischen Reichs Glieder und
heilsame Constitutiones gemeint, sondern allein gegen gemeldte
~turbatores~ verstanden werden.
2. Haben königl. Maj. und Fürstl. Gn. die Stadt bei allen ihren
Rechten und Gerechtigkeiten zu lassen und dabei zu ~manuteniren~
(_schützen_) sich erkläret.
3. In wenig Wochen mit einer Armee ins Land zu rücken und die Stadt
von aller (_zu_) besorgenden und andräuenden Gefahr zu entsetzen
und zu schützen.
4. Die Stadt mit nothdürftiger Munition, Proviant und was sonsten
zum Kriege gehörig, zu ~providiren~ und zu versehen.
5. Die königl. Maj. und Fürstl. Gn. die Stadt wegen solcher
Conjunction, da einige Gefahr daraus entstehen solle, nicht
allein vor sich königl. und fürstl. versichert und schadlos zu
halten gelobt, sondern auch die Churfürstl. D. D. zu Sachsen und
Brandenburg, desgleichen die Hochmögenden Herren Staaten und
gesammte Hansastädte zu Bürgen verschrieben und Dero Assecurationen
einzuschaffen versprochen.
6. Die Stadt jederzeit bei dem ~Consilio bellico~ ihre Stelle haben
und dazu eine gewisse Person ordnen und setzen solle.
7. Dagegen die Stadt I. königl. Maj. und Fürstl. Gn., so oft es
die Noth, Paß und Repaß verstatten, und der Rath vor sich 400
Soldaten halten und besolden, da es aber die Nothdurft erfordern
würde, daß mehres Volk in die Stadt genommen werden müßte, solches
auf sonderliche Vergleichung stehen, jedoch von königl. Maj.
unterhalten und dadurch der Stadt an ihren Rechten und Freiheiten
nichts entzogen, auch solche Soldaten der Stadt gleichfalls mit Eid
und Pflicht verwandt gemacht werden.
Die andere Capitulation zwischen dem Hrn Administrator und der Stadt
Magdeburg ist mehrentheils auf etliche, zwischen der Stadt und dem
Stifte schwebenden streitigen Punkten Erlassung und dann einige Donativ
bestanden, so der Hr Administrator der Stadt abtreten und sie damit
begnaden wollen, dabei auch zugleich die königl. Maj. zu Schweden noch
weitere Begnadigung auf Deroselbst Ankunft und Anwesenheit der Stadt
in mehren vertröstet, und sowohl diese letztere als erste Capitulation
nicht allein von dem königl. Ambassadeur +Johann Stalmann+ und Ihro
Fürstl. Gn., sondern auch -- als der königl. Hofmarschall und zu diesem
magdeburgischen Wesen Gevollmächtigter, +Dietrich von Falckenberg+,
dazu kommen -- von ihm gleichergestalt mit Hand und Siegel vollzogen
und bekräftiget werden.
Unter solchen währenden Tractaten versammelte des Markgrafen
Obristlieutenant +Bock+ um Mansfeld und Querfurt ziemlich viel Volkes
und wohl auf ein paar Tausend zu Roß und Fuß, mit denen er den 8.
Octobris vor Halle gezogen, ein Thor eröffnet, 100 Kaiserliche
niedergemacht und 300 gefangen genommen. Als aber indeß das Gerücht
erschallet, daß der kaiserl. Obrist +Marcus Corpes+ mit vielen Croaten
im Anzuge, macht sich der Obristlieutenant +Bock+ mit seinem Fußvolk
und der von den Holckischen in Halle abgenommenen Beute geschwind
ins chursächsische Land nach Merseburg, Schafstädt, Lauchstädt, und
lässet die Reiterei auf Querfurt gehen, darauf die Kaiserlichen
auch alsofort nachgesetzt. Da die in Querfurt aber solche Gewalt
vernommen, ist keiner darinnen blieben, sondern haben sich alle
fortgemacht und ihre Gefangenen laufen lassen; desgleichen hat sich
auch das Fußvolk ganz zerstreuet, der Obristlieutenant und andere
Officiere sind der Nauenburg zugeeilet und sehr viel Volk von ihnen
unterwegens niedergehauen worden. Folgends haben sich die Kaiserlichen
auch an die anderen und vom Markgrafen noch übrige besetzte Oerter
und Städte gemacht, dieselben unter ihre Gewalt gebracht und das
markgräfische Volk daraus zerschlagen und zerstreuet, welches sich
dann alles nach Kloster Berge und in die Vorstädte von Magdeburg
wenden und retiriren müssen. Weil nun denen Soldaten, wegen Mangel
des Getreides, kein Commißbrot ertheilt, weniger (_eben so wenig_)
monatlicher Sold oder Löhnung gereicht und daher nicht wohl gute Ordre
(_hat_) gehalten werden können: haben sie die Bürger in den Vorstädten
mit unziemlichen Banquetiren und andern Gewaltsamkeiten dergestalt
mitgenommen, daß die Leute fast nichts behalten; und obgleich die am
Neuen Markt Eingesessenen, vermittels Eides, Gold und Silber und was
sie dergleichen in ihrer Verwahrung gehabt, zum Anlehn heraus geben
müssen, man auch überdies den Ornat bei der Domkirche und wo sonst
etwas vergraben zu vermuthen gewesen, gesucht, erhoben und zu Gelde
gemacht, hat es doch nirgends zudecken oder reichen wollen; worüber das
Kloster Berge von den daselbst liegenden Soldaten bis aufs Mauerwerk
abgebrochen, das Holz verbrannt und theils in der Stadt herum zu
verkaufen getragen worden; da (_wenn_) auch sonsten die Bauersleute
mit großer Lebensgefahr wegen der Kaiserlichen etwas von Speisen und
dergleichen auf ihrem Rücken bis an die Thore gebracht, haben ihnen die
bergischen Soldaten alles abgenommen und die Stadt dadurch gleichsam
selbst bloquiren helfen.
Bei sothanem Zustande und als auf des oftbenannten schwedischen
Ambassadeurs beschehene Vertröstungen und Zusagen Keinerlei also
erfolgen wollen, ist bei Vielen in der Stadt große Alteration, Furcht
und Mißtrauen entstanden: dazu kommen (_dazu kam noch_), daß von andern
Orten man Nachricht gekriegt, wie der König in Schweden noch weit
zurück und viel starke Pässe annoch durch die Kaiserlichen besatzet
wären, ingleichen, daß der Churfürst zu Sachsen und die Hansastädte
dem Markgrafen keine Werbung verstatten, ja allerdings (_sogar_) das
selbiger Oerter (_daselbst_) erkaufte Pulver und Gewehr anhalten
lassen. Dannenhero, obgleich von Anfang dieses Wesens (_an_), Ein und
ander, auch theils von den Predigern der Stadt hierzu wohl inclinirt
gewesen und in den Predigten viel, zu diesem Vereinigungswerke
dienliche, Worte angefügt: so begunnten (_begannen_) sie sich doch
ziemlich zu verändern, und das Unwesen und widerwärtiges Glück auf die
Obrigkeit zu verwälzen, gleich (_weil_) dieselbe den Herrn unsern Gott,
oder, an dessen Statt, seine Diener, das Ministerium, dem Exempel des
Königs +David+ nach, nicht gefragt noch mit zu Rathe gezogen hätten,
also daß dem Markgrafen nebst dem schwedischen Ambassadeur und dessen
Helfern nicht allerdings wohl bei solchem Handel. Jedoch hat man durch
gute Zeitungen, und daß Ihro Fürstl. Gn. etliche unterschiedlich zur
Tafel nöthigen und sie mit Vieh und anderm, was von den Klöstern und
Aemtern hinein gebracht gewesen, beschenken lassen, das Werk in etwas
gestillet und diesen Widerspenstigen also das Maul gestopfet.
Der König in Schweden aber, nachdem ihm dieser Zustand wissend worden,
hat darauf dem Rathe gar freundlich zugeschrieben und insonderheit des
Entsatzes und Succurses halber über die Maaße gute Vertröstung gethan,
auch, damit unterdessen das Werk in bessern Stand käme, wollten I.
Maj. der Stadt einen erfahrenen Cavalier senden, welcher der Stadt bei
solchem Kriegeswesen wohl anständig sein und denen vorfallenden Mängeln
Rath und Hilfe verschaffen würde etc.
Zur selbigen Zeit haben die röm. kaiserl. Maj. unterm Dato Wien, den
14/24 September ~Ao.~ 1630 an den Rath des Inhalts geschrieben, daß I.
kaiserl. Maj. mit Befremdung vernommen, welchergestalt als +Christian
Wilhelm+, Markgraf zu Brandenburg, anfänglich in geheim eingeschlichen,
sich auch endlich als einen Administratorn des Erzstiftes öffentlich
angegeben, der Rath demselben, zu schädlicher Vollführung seines
boshaften Intents, Unterschleif und Vorschub gegeben, welches dann
desto mehr unverantwortlich, daß solche Factiones allein von etlichen
ihres Mittels getrieben, der Gutherzigen und mehr Verständigen Rath
aber durch den tumultuirenden Haufen gänzlich untergedrückt und
zurückgestellet worden. Ihro kaiserl. Maj. aber wollten Sämmtliche
hiermit ermahnen und (_ihnen_) ernstlich gebieten, daß sie sich
obgedachten Markgrafens ferner nicht annehmen, sondern denselben, als
des Reiches Feind, aus der Stadt schaffen sollten. Auf erfolgende,
gehorsamste Erklärung und wirkliche Parition (_Gehorsam_) wollten Ihro
kaiserl. Maj. der Stadt mit Gnaden gewogen bleiben.
Welches Schreiben der Rath aus des Hrn Administratoris Händen -- dessen
Officiere den Boten vor dem Thore aufgefangen -- bekommen, und wiewohl
zur selben Zeit der Rath ihm (_seiner_) selbst nicht mehr mächtig
gewesen, sichs daher auch mit der Beantwortung etwas verzogen, so
hat man dennoch endlich allerhöchst gedachter Ihro kaiserl. Maj. auf
nachfolgende Gestalt allerunterthänigst geantwortet:
1) Daß der Hr Administrator unversehens, und ohne des Raths
Wissenschaft, sich auf die Freiheit oder Neuen Markt gewendet, und weil
S. F. Gn. von kaiserl. Maj. nicht ~per sententiam aliquam condemnirt~
(_durch einen Rechtsspruch verurtheilt_), sondern sich bishero in
den Städten Lübeck und Hamburg enthalten (_aufgehalten_), man auch
verspüret hätte, daß die neuen Domherren hierzu Ursach gegeben, indem
dieselben mit dem Hrn Administrator wegen deroselben Interesse am
Erzstifte Tractaten zu pflegen angefangen, weil aber dieselben ihren
Fortgang nicht erreicht, das Werk also ausgeschlagen. 2) Wäre, wie in
solchen Fällen zu geschehen pflegt, der gemeine Haufe mit zugetreten
und I. F. Gn. zur Convoye von der Stadt etlich Fußvolk gelehnet,
dasselbe aber wieder abgefordert, auch denen Bürgern alle Ausfälle
verboten worden. 3) Weil I. F. Gn. sich in geschwinder Eil mit
Kriegesvolk gefaßt gemacht, dasselbe in die Vorstädte und Kloster Berge
einquartirt, dahero in der Stadt Mächten nicht, dieselbe abzuschaffen,
sondern müßten, was vorgenommen, zu I. F. Gn. Verantwortung stellen.
Dabei aber 4) die Stadt Ihrer kaiserl. Maj. allerunterthänigst zu
klagen nicht umgehen könne, wie dieselbe ins sechste Jahr hero mit
allerhand unerträglichen Beschwerungen und Drangsalen gedrückt worden;
denn obwohl die Stadt bald bei Antretung Ihrer kaiserl. Maj. Regierung
Ihro (_sich_) nichts Höheres angelegen sein lassen, als in Deroselben
allerunterthänigsten Devotion zu verbleiben, auch ihre Stadt und
Brücke, als einen vornehmen Paß vor I. kaiserl. Maj. und Deroselben
Armee, zum Besten in Haltung einer starken Anzahl Kriegesvolks,
verwahret, desgleichen die kaiserl. Armee ~Ao.~ 1627 vor Havelberg
proviantirt und die Victualien mit ganzen Schiffen zugefahren, auch
über das alles -- wegen abgebrochener Vorstädte 133,000 Thaler, die
zur Unterhaltung kaiserl. Armee kommen, aufgebracht hätte, etc.:
so sei doch, vor (_für_) alle solche treue Devotion, gemeine Stadt
und Bürgerschaft, des h. röm. Reichs Satzungen, ja Ihro kaiserl.
Maj. unterschiedlichen Befehligen und Versicherungen schnurstracks
zuwider, sehr hart gedrückt und bedränget worden, dann 1) insgemein die
evangelischen Stände große Bedrückung im Profan- und Religionsfrieden
etliche Jahr hero ausgestanden. 2) Beide Stifter mit unerträglichen
~exactionibus~ (_Erpressungen_) ins sechste Jahr ausgesogen, dadurch
der Stadt die Nahrung entgangen und sie um ihre Schulden gekommen.
3) Der Stadt die Commercia zu Wasser und Land gesperret und mit den
Zöllen dermaßen übersetzet und die Nahrung dadurch gänzlich entzogen
worden. 4) Hätte es mit dem Getreide in beiden Stiftern eben die
Beschaffenheit, indem die freie Zufuhr aus denselben ins sechste Jahr
hero abgeschnitten; auch zu dem Ende man die beiden Vorstädte mit
Einquartirung belegt, damit die darin liegenden Soldaten die Straße
desto bas (_besser_) belegen könnten. 5) Hätten sich etliche Officiere
unterstanden, Korn- und Wollhändler (_ab_) zu geben. 6) Wären weder
den Bürgern noch (_den_) Kirchen und Schulen die Kriegszeit über ihre
Pächte abgegeben, sondern unter dem Schein der Contribution entzogen
worden, also daß bei sothanen Pressuren die Stadt etliche Tonnen Goldes
Schaden gelitten, dabei es 7) nicht geblieben, sondern man hätte die
Stadt wider Ihro kaiserl. Maj. Befehl, Versprechung und Willen ~Ao.~
1629 vom 12. Martii bis 26. September aufs härteste gesperrt und ihnen
viel Beschwerden, Schmach und Schande zugezogen, wie die alle nach der
Länge -- nebst dem, was auch die Stadt in der Bloquirung vor Schaden
gelitten -- in der copeilichen Beilage können gelesen werden. 8) Sei
nach aufgenommener Bloquirung die Stadt wiederum von neuem mit Sperrung
der freien Zufuhr aus den Erz- und Stiftern Magdeburg und Halberstadt
beschwert und geängstiget worden. Und ob sich wohl die Stadt auf I.
kaiserl. Maj. sowohl gegen gesammte Hansastädte als auch ~in specie~
die Stadt Magdeburg allergnädigst beschehene vielfältige Erklärungen
~sub datis~ den 11/21 July ~Ao.~ 1626, den 20. Octobris ~Ao.~ 1629,
den 17/27 February ~Ao.~ 1630 steif und fest gegründet und wider
ihre habende Privilegia, auch den Religion- und Profenfrieden nichts
präjudicirliches vorzunehmen, gewiß getröstet: so hätte man doch im
Monat Aprili des 1630. Jahres vernehmen müssen, wie Hr +Johann Reinhard
von Metternich+ und +Hans Ulrich Hemmerl+ an den Rath gesonnen, den
neuen Domherren der Clerisei Häuser am Neuen Markt occupiren und
einnehmen zu lassen; auch überdies Hr +Hemmerl+ den 6. July ~Ao.~ 1630
bei der Nacht ein Mandat an die Domkirchen schlagen lassen, darin alle
der augsburgischen Confession verwandte Canonici und Clerici cassiret
und ihnen bei Pön der Acht auferlegt werden wollen, binnen 8 Tagen ihre
Häuser und Höfe, auch Documenta, Register und dergleichen abzutreten
und zu Händen des +Martini Stricerii+, Propsten zu U. L. Frauen,
einzuliefern etc., wie solches alles in dem Beantwortungsschreiben,
so die Stadt unter dem Dato den 10. November ~Ao.~ 1630 an die
röm.-kaiserl. Maj. gethan, dessen Copie im offenen Druck zu befinden
ist, mit mehren kann ersehen werden.