I
Gegen den Winter wurde es im Städtchen still. Alles, was in ihm an
Jugend und Regsamkeit war, fuhr in die großen Städte. Zu Hause blieben
nur die Alten an Körper und Geist. Sie lebten in eintöniger,
althergebrachter Ordnung: spielten Karten, gingen in den Dienst, lasen
und meinten, daß so das Leben verlaufen müßte. Auf den Straßen lag in
reiner Helle das starre Leichentuch des Schnees; in den Häusern regten
sich matt und schläfrig Menschen, die mit allem schon zu Ende gekommen
waren. Im Frühling jedoch, wenn die schwarze, feuchte Erde zu duften
begann und überall das Grün aufleuchtete, die Sonne freudig wärmte und
jedes Hügelchen durchtrocknete; wenn abends alles leise, gespannt
lauschend dalag, dann brachte jeder Tag irgend einen anderen mit der
Bahn nach Hause, und auf den Straßen zeigten sich lebhafte, frische
Gesichter, jung und freudig, wie der Frühling selbst. So wie es
selbstverständlich ist, daß die Vögel ihre alten Nester wieder
aufsuchen, das Gras auf den alten Plätzen wächst, kehrten auch im
Frühling gerade alle die jungen, lebensfreudigen Menschen in ihr
kleines, stilles, etwas trauriges Städtchen zurück.[2]
[Fußnote 2: In Rußland werden die gesamten Lehranstalten im Frühling,
Anfang Mai, geschlossen und dann erst, Gymnasien gegen Ende August,
Universitäten Mitte September wieder geöffnet.