Für die jüngeren Mädchen gibt es ein Beschäftigungsspiel, das besonders

dann sehr angebracht ist, wenn sie, zum Beispiel bei schlechtem

Wetter, im Zimmer bleiben müssen oder wenn sie krank und sich selbst

überlassen sind. Dieses hübsche Spielzeug besteht aus +Papierpuppen+,

die man aus Modenzeitungen ausschneidet, und für die man passende

Kleidungsstücke herstellt. Ein Spielzeug, das keinen Spektakel macht

und das von den Kindern ohne Unterbrechung stundenlang gehandhabt wird,

ohne sie zu ermüden. Erwachsene brauchen sich an diesem Spiel nicht

zu beteiligen, es braucht nicht erklärt zu werden, es ist ohne Kosten

herzustellen und macht allen Beteiligten viel Spaß. Am geeignetsten

dafür sind +Kindermodefiguren+, die in jedem Modenheft und in vielen

Katalogen und Zeitungsanzeigen anzutreffen sind. Man schneidet sie

aus und klebt sie mit Papierleim auf festes weißes Papier auf. Nicht

zu stark verdünntes Gummiarabikum ist ebenfalls dafür verwendbar. An

den Füßen soll das Papier überstehen, an einem Fuß wird es nach vorn,

am anderen Fuß nach hinten gebogen, damit die Puppe stehen kann.

Auf weißes +Zeichenpapier+ werden +Kleider+, +Schürzen+, +Mäntel+

und so weiter aufgezeichnet, angepinselt und ausgeschnitten. An den

Schultern und Hüften läßt man kleine Streifen überstehen, die --

nach hinten gebogen -- die Kleidungsstücke an den Puppen festhalten.

Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 146) einige Beispiele, in

welcher Art solche +Papierpuppen hergestellt+ und angekleidet werden;

zum Anpinseln verwendet man einfache +Tuschwasserfarben+ aus einem

billigen Tuschkasten oder billige +Buntstifte+. Um die runden Linien

recht schnell und sauber auszuschneiden, benutzt man eine gebogene

Nagelschere.

VII. Kapitel

Buntes Allerlei

49. Bildstickereien

In vergangenen Jahrzehnten war es Mode, eine bestimmte Art der

Nadelmalerei zu bevorzugen. Der Jugendstil war gerade aufgekommen und

mit ihm die gespreizten, langstengeligen Formen, in die mit Vorliebe

Schwertlilien, Alpenveilchen, Mohn, Tulpen und ähnliche Blüten

hineingezwängt wurden.

Inzwischen ist man längst von diesen gequälten Linien abgekommen, und

wenn die Mode sich aufs neue der Nadelmalerei zuwendet, so meint sie

damit ganz etwas anderes. Einige Malerinnen, die sich bereits einen

Namen gemacht haben, wandten sich der Stickerei zu und bringen modern

aufgefaßte Blumen und Landschaften in dieser Technik auf die Fläche.

So zum Beispiel Frau Hanna Schreiber de Grahl, die als Schülerin des

märkischen Meisters Hagemeister an der Havel malte und hier ihre

Eindrücke empfangen hat. Sie hat als Bildstickerin verschiedene

ausgezeichnete Arbeiten hervorgebracht.

[Illustration: Abb. 147. Bildstickerei; roter Mohn.]

[Illustration: Abb. 148. Bildstickerei; blühender Apfelbaum.]

An zwei Modellen solcher gestickter Bilder (Abb. 147 und 148) wollen

wir ihre Technik zeigen. Freilich fehlt der Hauptreiz, die Farbe, ohne

die man sich solche Arbeiten nur sehr schwer vorstellen kann. Es ist

daher hier nicht möglich, einen Vorhang wie den „Roten Mohn“ (Abb. 147)

zu beschreiben; die Phantasie muß uns helfen, die Wirkung zu ergänzen.

Auf alle Fälle ist dieses Stück Mohnfeld ausgezeichnet empfunden;

die großen und kleinen Blüten, die Mohnkapseln, die schlanken Stiele

und massigen Blätter sind durchaus naturalistisch wiedergegeben.

Hier ist nichts aufgebaut oder aus dem Gedächtnis gearbeitet; die

Künstlerin hat solch ein Mohnfeld studiert, aus vielen mühevollen

Skizzen ist die Stickerei entstanden, die so leicht und zierlich wirkt.

Der zweite Wandbehang, „Blühender Apfelbaum“ (Abb. 148), ist von

gleicher Art. Das Motiv steht im Vordergrund auf einer Wiese; Bäume,

Sträucher, Wolken bilden den malerischen Hintergrund für den prächtig

blühenden Apfelbaum, der das ganze Bild beherrscht. Die weiten Flächen

des Himmels sind geschickt durch Linien und Formen unterbrochen.

Die gesamte Komposition ist sehr reizvoll und, wie bei dem ersten

Wandbehang, ebenfalls durchaus naturalistisch. Hier sehen wir zwei

Nadelmalereien, die dem modernen Geschmack entsprechen und -- obgleich

sie rein bildhaft wirken -- dennoch als Stickerei technisch völlig

einwandfrei ausgeführt worden sind.

Wenn wir solche Bilder zeigen, wollen wir geschickten Stickerinnen eine

Anregung geben; es sind sicherlich viele unter ihnen, die recht hübsch

nach der Natur zeichnen und aquarellieren können. Da müßte einmal der

Versuch gemacht werden, ein kleines Stilleben, ein paar Blumen, einen

Ausschnitt aus einer Landschaft zu sticken; für den Anfang genügen

kleine Motive, die möglichst sorgfältig behandelt werden müssen. Von

der handgestickten +Tischkarte+ bis zum +Wandbild+ ist ein weiter

Weg, indessen kommt es vor allem darauf an, einen Versuch zu machen.

Es ist auch gar nicht notwendig, solche Stickereien als Wandschmuck

zu verwenden, kleine Arbeiten passen als Einlage für +Kassetten+,

+Andenken-+ und +Depeschenmappen+, für +Einbände+ zu +Gästebüchern+,

für +Schmucktruhen+ und ähnliche Gegenstände, die eine persönliche Note

tragen sollen.

50. Pinseldruck

Zu den einfachsten und hübschesten Verzierungen, die vielfach

Verwendung finden, gehört der +Pinseldruck+. Die Technik ist nicht

schwierig, wenn man sie erst einmal erfaßt hat, und es kommt nur darauf

an, dem Pinsel allerlei Stellungen zu geben und ihn geschmeidig zu

machen, damit er die verschiedenen Figuren willig ausführt. Unser Bild

(Abb. 149) zeigt einige Muster, deren farbige Ausführung der Phantasie

jedes einzelnen überlassen bleibt.

[Illustration: Abb. 149. Muster für Pinseldrucke.]

Man verwendet Pinsel von mittlerer Stärke, die mit Wasserfarben, am

besten Deckfarben, gut angefeuchtet werden. Durch Aufdrücken in

verschiedener Stellung des Pinsels werden die Muster ausgeführt. Solche

Ornamentik eignet sich recht gut zum Schmuck von +Spanschachteln+, von

+Holzkassetten+, +Pillenschachteln+, +Zigarrenkisten+, +Holzleisten+,

die als +Schlüsselbretter+ benutzt werden sollen, überhaupt für

einfache Gegenstände, die einfach verziert werden sollen. Solche Muster

kommen aber auch für +Seidenbänder+, zum Beispiel für +Hutbänder+,

+Gürtel+, +Blusenbändchen+ und ähnliches Modebeiwerk in Betracht; in

diesem Fall verwendet man am besten waschechte Farben, die in den

einschlägigen Geschäften für diese Zwecke käuflich sind. Diese Technik

eignet sich ganz besonders für +Lampenschirme+, für +Untersetzer+,

+Tablette+ und ähnliche +Einlagen+, die zum Schutz vor Staub und

Feuchtigkeit unter Glas gerahmt werden. In Emailfarben ausgeführt, kann

man die Technik sowohl auf +Glas+ als auch auf +Metall+, +Ton+ und

+Holz+ verwenden, es gibt dafür vielerlei Möglichkeiten; auch +Schals+

und +Halstücher+ lassen sich in dieser Art je nach Übung und Geschick

mit geeignetem Farbenmaterial recht geschmackvoll verzieren. Wer noch

nicht sehr geübt ist, macht am besten ein paar leichte Aufzeichnungen

auf den Hintergrund; bei Ton, Metall und Holz ist +Kreide+ oder +Kohle+

sehr zu empfehlen; beide Hilfsmittel können wieder entfernt werden,

ohne Spuren zu hinterlassen.

Der +Pinseldruck+ paßt besonders zur Verzierung von +Blumentöpfen+,

+Blumenkübeln+ und +Topfuntersetzern+, auch +Tonkästen+ können in

dieser Weise geschmückt werden.

51. Schattenrisse

Im achtzehnten Jahrhundert stand der +Schattenriß+ in seiner höchsten

Blüte, und im achtzehnten Jahrhundert bekam er auch den Namen

„+Silhouette+“, den er noch heute trägt, und unter dem er in der ganzen

gebildeten Welt bekannt ist. Die Bezeichnung stammt aus Frankreich.

Dort forderte der Finanzminister Etienne de Silhouette energische

Sparmaßnahmen in den Gesetzen, er wollte Ordnung in die zerrütteten

Finanzen des Reiches bringen und wollte es durchsetzen, daß an Stelle

der farbigen Porträte des Königs nur noch Schattenrisse, die sich

billiger stellten, als Ehrengaben verliehen werden sollten. Dieser

sparsame Finanzminister machte sich bei den Parisern sehr unbeliebt,

und nach seinem Sturz kam der Spottname +Silhouette+ auf, den nun alle

Schattenrisse tragen.

[Illustration: Abb. 150. Schattenriß.]

Die Mode begünstigte die Silhouette, man fand Ende des achtzehnten

Jahrhunderts Gefallen an der Neubelebung der Antike; die griechischen

Vasenbilder, damals sehr beliebt, zeigten Ähnlichkeit mit den

Schattenrissen, die dadurch noch begehrter wurden. Nicht nur Personen

wurden in Schattenrissen wiedergegeben, auch Säulen, Sträuße,

Landschaften, Stilleben hat man ausgeschnitten. Diese Mode hielt sich

bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts; wir können noch heute in

alten Stammbüchern und auf den vergilbten Freundschaftsbändern solche

schwarze Kunst bewundern, die in der Biedermeierzeit besonders von

den bürgerlichen Kreisen hochgeschätzt wurde. Da sind Porträte und

sentimentale Kränze, gebrochene Säulen und flammende Herzen, zärtliche

Girlanden, die sich um ebenso zärtliche Widmungen schlingen, üppige

Füllhörner und andere Sinnbilder einer in Gefühlen schwelgenden Zeit.

Als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Daguerreotypie aufkam,

verdrängte sie den Porträt-Schattenriß nach und nach, bis die

Silhouette in ihren verschiedenen Formen ganz und gar in Vergessenheit

geriet und nur noch bei Antiquitätensammlern und in alten

Familienbüchern zu finden war.

Die Mode wechselt, alles kehrt wieder. Die Nachkriegszeit mit ihrer

Wohnungsnot bedingt Verhältnisse, die denen am Anfang des neunzehnten

Jahrhunderts, nach den Napoleonischen Kriegen, ähnlich sind. Mit

der Raumnot und der verringerten Kaufkraft, mit der Verarmung

und der Vereinfachung der Lebenshaltung, kam die Freude an alten

Erbstücken, an antiken Möbeln und Urväterhausrat auf. Zwischen

praktischen Sekretären und liebevoll betreuten Vitrinen zeigte sich

die Silhouette, vereinzelt schon vor dem Kriege, als große Mode in den

nachfolgenden Jahren, nachdem sie bis dahin nur auf Jahrmärkten ein

halb verstecktes, unbeachtetes Dasein geführt hatte. Man schnitt wieder

+Porträtsilhouetten+, aber man begnügte sich nicht mit diesen Übungen.

Die Schattenrisse paßten sich zunächst der Mode an, es wurden weniger

Bildnisse als Genrebilder geschnitten. Buchillustrationen in dieser

Technik kamen wieder auf, in Form und Linie modernisiert, man schnitt

Bilder, Szenen aus Theaterstücken, aus Volksliedern und Gedichten, und

schließlich, ganz unsentimental, hat sich auch in allerletzter Zeit der

Film des Schattenrisses bemächtigt.

In den bürgerlichen Kreisen herrscht das +geschnittene Bild+, das

als Wandschmuck und im Zierschränkchen hinter blanken Scheiben

Bewunderung erregt und dessen Technik je nach Geschmack, Geschick und

Übung immer wieder gern erlernt wird. Es gehört eine sichere Hand und

ein sicheres Auge dazu, und wer im Anfang bescheidene Motive wählt,

kann, wenn die Vorbedingungen zutreffen und wenn die Geduld nicht

erlahmt, schließlich recht gute Erfolge erzielen. Man braucht dafür

keine großen Vorkenntnisse und wenig Material; die Silhouette wird

mit der Schere geschnitten, man trägt die Zeichnung auf der Rückseite

des Silhouettenpapiers auf, für schwarzes Papier verwendet man helle

Kreide. Am besten läßt man rund herum einen schwarzen Rand stehen, an

den auch die anderen Teile anstoßen.

Den sogenannten „+Papierschnitt+“ führt man mit einem scharfen

Messer aus, es gibt dafür auch Federn in Messerform. Man legt die

Aufzeichnung aus dünnem Pauspapier auf das Silhouettenpapier und

schneidet nun die Teile, die weiß bleiben sollen, mit dem Messer heraus.

[Illustration: Abb. 151. Schattenriß.]

Wir geben zwei Modelle wieder (Abb. 150 und 151), die dem modernen

Geschmack entsprechen und die sich zum Raumschmuck eignen. Derartige

Bilder werden möglichst anspruchslos eingerahmt, Kaliko, schmale weiße

und schwarze Leisten, ganz dünne, unverzierte Goldleisten passen dafür

am besten. Schattenrisse in der Art der Blumenranken kann man zum

Schmuck von Glückwunschkarten, für die Widmungsseite von Gästebüchern,

Sammelmappen und für Kassettendeckel -- unter Glas -- verwenden. Sie

eignen sich auch für Tablette und Untersetzer.

52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug

Wer kennt es nicht, das lustige Spielzeug, das in den letzten Jahren

unter dem Namen „Bi-ba-bo“ in den Handel gekommen ist und durch seine

natürliche Beweglichkeit die Herzen von jung und alt gewonnen hat,

denn die Bi-ba-bo-Spiele sind für Erwachsene ebenso unterhaltend wie

für Kinder.

Nun ist eine Neuheit aufgekommen. Maria Skutsch, die bekannte Berliner

Kunstgewerblerin, hat sehr niedliche Dackel entworfen und selbst

ausgeführt, die als Bi-ba-bo-Spielzeug viel Anklang finden. Wenn man

sie in Bewegung setzen will, so steckt man den Zeigefinger in die

Höhlung des Kopfes, auf Daumen und Mittelfinger werden die Vorderfüße

gezogen, während die untere Hand unter dem verschränkten Arm versteckt

ist. So täuscht ein solcher Bi-ba-bo-Teckel einen lebendigen Männe

vor, der mit den Ohren wackelt, mit dem Kopf nickt und sich wie ein

richtiges Hundebaby gebärdet.

An solchem Spielzeug (Abb. 152) finden sowohl Jungen wie Mädel ein

rechtes Vergnügen, und dieses Vergnügen steigert sich, wenn man das

amüsante Spielzeug selber herstellt oder wenigstens dabei hilft.

Das Fell der kleinen Hunde besteht aus schwarzem und braunem Tuch

oder Satin. Den Rumpf fertigt man aus einer 24 mal 21 Zentimeter

langen Röhre, die sorgfältig zusammengenäht wird, ein ovales Stück

mit untergelegter Pappe fügt man als Sitzboden ein. Mit Lumpen und

Holzwolle wird der Rumpf fest ausgestopft, damit keine leeren Stellen

entstehen, und schließlich oben fest zugenäht; dabei schrägt man

die Schultern leicht ab. Für den Kopf schneidet man zwei Teile der

Profilansicht etwa 12 mal 9 Zentimeter groß zu, dazwischen wird ein

Streifen, 2,5 mal 3 Zentimeter breit, am vordern Ende in ein Dreieck

auslaufend, genäht. Die nach oben spitz auslaufende „Kehle“ wird als

ein 4 mal 6 Zentimeter großes Stück Stoff zwischen die unteren vorderen

Ränder eingenäht. Die Nähte werden links in dichtem Stich ausgeführt.

Zum Schluß wird der Kopf umgewendet, fest ausgefüllt und auf den Rumpf

genäht. Die Schlappohren werden verkehrt angenäht und zurückgeklappt,

nachdem man an der hinteren Seite vorher eine kleine Falte genäht hat.

Die Augen bestehen aus Jettplättchen, die in der Art aufgenäht werden,

daß die Augenwinkel mit weißer Wolle angedeutet werden. Über den Augen

und seitlich der Nase stickt man gelbbraune Flecke mit Wolle ein. In

dieser Art wird auch die Schnauze dunkelgrau gehalten. Die Pfötchen

bestehen aus zwei Gliedern. Das obere ist ein zusammengestepptes,

doppelt gelegtes Stück schwarzes Tuch; die eigentliche Pfote wird aus

gelbbraunem Tuch geschnitten, links zusammengenäht und nach dem Wenden

mit Watte ausgestopft. In den Kopf wird eine über das obere Glied des

Zeigefingers zu ziehende Pappröhre mit eingenäht. Sie wird so dicht mit

Stoff umwickelt, daß sie die Halsweite des Dackels ziemlich ausfüllt.

[Illustration: Abb. 152. Selbstgemachtes Kinderspielzeug; kleine Dackel

in Bi-ba-bo-Art.

Entworfen und ausgeführt von Maria Skutsch, Berlin.]

Maria Skutsch hat mit diesen Hunde-Bi-ba-bos etwas Reizendes

geschaffen. Geschickte Hände werden daraus manch frohes Spiel für die

Kleinen gestalten.

53. Schattenspiele

Ebenso unterhaltend und phantastisch sind die +Schattenspiele+,

an denen sich die „Großen“ stets sehr gern beteiligen. Wir wollen

dazu keine Illustrationen bringen, sondern nur kurz darauf

hinweisen und die Erinnerung daran wecken, falls diese reizvolle,

harmlose Beschäftigung, dieser fröhliche Zeitvertreib an traurigen

Regenabenden, an Wintertagen, wenn es noch zu früh zum Schlafengehen

ist und die Schularbeiten erledigt sind, nicht bekannt sein sollte.

Wie manche Stunde vergeht viel zu schnell beim +Schattenspiel+, das

die Einbildungskraft aufrüttelt und schon vor hundert Jahren zu den

beliebtesten Gesellschaftsspielen gehört hat. In einer Tür wird ein

Bettlaken mit Reißnägeln festgespannt; zwischen der Spannung und

einer hellen Lampe wird Theater gespielt, möglichst in einer Reihe.

Die Begebenheiten müssen sich +nebeneinander+ abwickeln, da der

Zuschauer nur die im Vordergrunde Auftretenden sehen kann; was sich

im Hintergrund abspielt, kann er nicht beobachten. Auf das Publikum

wirkt das Ganze silhouettenhaft; es ist im Interesse des Spiels,

wenn es schnell aufgeführt wird; je flüchtiger und schattenhafter es

wirkt, desto besser ist es. Wer Phantasie besitzt, kann es -- mit

Musikbegleitung -- außerordentlich reizvoll gestalten, denn das alte

+Schattenspiel+ ist nicht nur ein Zeitvertreib für Kinder von Kindern,

es kann auch für die Heranwachsenden und für die Großen zur fröhlichen

Unterhaltung werden.

54. Bilderbuch von eigener Hand

In dieses Kapitel gehört das „+Bilderbuch von eigener Hand+“, dem

man eine besondere persönliche Note geben kann, wenn man unter die

einzelnen Bilder lustige +Unterschriften+ setzt oder -- wenn es

irgend möglich ist -- passende +Knittelverse+ darunterschreibt. Als

Grundmaterial verwendet man +Kartonpapier+, für kleinere Kinder eignet

sich ein Bilderbuch aus +Pappbogen+ noch besser, weil Pappbogen

haltbarer sind. Man klebt mit +Fischleim+ oder +Dextrin+ Bilder auf

die Bogen, die Bilder schneidet man aus illustrierten Zeitschriften,

Katalogen, Reklameblättern, Ansichtskarten und Zeitungen aus. Es kommt

gar nicht darauf an, daß die Bilder gleich groß sind, es genügt, wenn

sie +deutlich+ sind. So kann man zum Beispiel den Katalogen von Blumen-

und Tierhandlungen sehr gutes, leicht verständliches Bildermaterial

entnehmen. +Dextrin+ zum Aufkleben stellt man selber her, indem man

das gelbe Dextrinmehl -- es besteht aus fein gemahlenen, getrockneten

Roßkastanien -- in einer Tasse oder in einer sauberen Konservenbüchse

mit lauwarmem Wasser dünn verrührt und mit einem breiten, kleinen

+Leimpinsel+, einem sogenannten +Bureauleimpinsel+, aufstreicht. Die

Bilder werden sorgfältig ausgeschnitten, am besten im Quadrat; es macht

zu viel Mühe, ihre Umrißlinien auszuschneiden, bei manchen Bildern

dürfte das gar nicht möglich sein. Man klebt eine Seite voll mit

Illustrationen und belegt sie mit schweren Büchern, damit sie glatt

auftrocknen. Dann schreibt man die Knittelverse unter die Bilder,

es genügt indessen, wenn man verständliche Unterschriften gibt, die

von den kleinen Lesern sicherlich ebensogern in ihre Gedankenwelt

aufgenommen werden; phantasiebegabte Kinder erfinden mehr oder weniger

hübsche Geschichten dazu. Auf alle Fälle sind solch selbsthergestellte

Bilderbücher sehr anregend. Pinselfreudige Knaben und Mädchen können

die Schwarzweißzeichnungen selber nach Belieben mit und ohne Hilfe

der Erwachsenen antuschen; ein billiger kleiner Tuschkasten mit

entsprechenden Pinseln als Beigabe zu diesem originellen Bilderbuch

dürfte seinen Zweck kaum verfehlen.

Man hält das Buch am besten in Mappenform, das heißt, man durchbohrt

die einzelnen Bogen mit dem Locher und zieht eine feste Schnur durch,

die auf dem Deckel zu einer Schleife verknüpft wird. Dies Verfahren hat

den Vorteil, daß man, wenn man Zeit und Lust hat, das Buch immer wieder

erweitern kann; vielleicht macht es den Kindern Freude, selber ans Werk

zu gehen und nach eigenem Belieben ein recht dickes, unterhaltsames

Bilderbuch herzustellen. Als Umschlag verwendet man besonders starke

Pappdeckel, die mit einem hübschen Titel und einer passenden Widmung

versehen werden. Dies +Bilderbuch+ kann man auseinandernehmen, so daß

sich mehrere Parteien damit beschäftigen können, ohne in Streit zu

geraten. Wir bringen von diesem eigenartigen Buch keine Abbildung, da

die ausführliche Beschreibung wohl genügen dürfte; außerdem steht es

jedem frei, solch Kinderbuch nach Belieben auszugestalten, es gibt

viele Möglichkeiten dafür.

55. Purzelmann

Ebenso beliebt wie der altbekannte Hampelmann ist der +Purzelmann+, mit

dem die kleinen Knaben und Mädel sehr gern spielen. Man kann ihn ohne

viel Mühe und Kosten selber herstellen; ein Purzelmann ist in jedem

Kinderzimmer ein gern gesehener Gast und eignet sich schon darum sehr

gut als „Mitbringsel“ für die Kleinen; auf diese Art kann man andere,

teuere Aufmerksamkeiten sparen. -- Man halbiert eine möglichst breite

+Glühstrumpfhülse+, legt eine schwere +Kugel+ hinein und leimt beide

Deckel fest; diese Glühstrumpfhülse stellt den Kopf dar, auf den ein

Gesicht aufgemalt wird. Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 153)

ein Modell, nach dem man das Spielzeug herstellen kann. Hier sehen wir

das aufgemalte Gesicht, Augen, Mund, Nasenlöcher, so einfach wie nur

möglich. Am besten ist es, das Gesicht auf weißes Papier zu pinseln

und dieses auf den Kopf aufzuleimen. Der Rumpf -- aus Stoff -- wird am

Kopf festgeklebt, Hände und Füße -- aus dünner Pappe -- werden mit ein

paar Stichen angenäht. Man hält den Anzug am besten feuerrot, die Mütze

tütenblau, die Schuhe giftgrün, die Knöpfe zitronengelb. Auf einer

schrägen Ebene schlägt der Purzelmann so viel Purzelbäume wie man will,

vorwärts und rückwärts; darum macht dieses bewegliche Spielzeug den

Kleinen immer wieder Spaß, ohne sie zu langweilen.

[Illustration: Abb. 153. Purzelmann.]

VIII. Kapitel

Weihnachtsarbeiten

56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch

Weihnachtshandarbeiten? Ja, sind die denn anders als alle übrigen

Handarbeiten? Gibt es auch auf diesem Gebiet Unterschiede? Natürlich.

Man braucht sich nur zu überlegen, was Weihnachtshandarbeiten uns

allen für Kopfzerbrechen machen. Immer findet man noch im letzten

Augenblick, daß irgend jemand vergessen worden ist; dagegen soll es

seltener vorkommen, daß jemand doppelt bedacht wird. Die Großmama, die

von sechs verschiedenen Enkeltöchtern sechs nicht sehr verschiedene

Kaffeekannenwärmer bekommen hat, die gibt es in jedem Jahr, und sie

hätte so viel andere Handarbeiten viel nötiger gebraucht. Aber das

kommt von den Überraschungen. Heutzutage sind Zeit und Materialien

wirklich zu kostspielig, als daß man gar so verschwenderisch damit

umgehen sollte, und darum wäre es durchaus angebracht, die sonst

sehr hübsche Sitte des Überraschens zu durchbrechen und sich lieber

nach den Wünschen der einzelnen sehr genau zu erkundigen. Wenn, was

sicher eintreffen dürfte, mehrere Gegenstände genannt werden, ist

die Überraschung wirklich groß genug, wenn einer davon, möglichst

geschmackvoll und praktisch ausgeführt, auf dem Weihnachtstisch

ausliegt. Ist die Freude nicht größer, wenn uns ein Wunsch erfüllt,

wenn uns etwas geschenkt wird, was uns fehlt, als wenn wir etwas

bekommen, das wir nicht recht verwenden können? Schließlich kann die

Anregung ja von den Schenkenden ausgehen. Die Frage „Kannst du das

brauchen?“ zeugt stets von Interesse, von Fürsorglichkeit.

Man muß aber wirklich nachdenken, um etwas Passendes vorzuschlagen;

immer Sofakissen und Tischläufer, das ist auf die Dauer nicht möglich.

[Illustration: Abb. 154. Vornehme Einkaufstasche.]

Wir zeigen auf unsern Bildern eine Anzahl Handarbeiten, die praktisch

und hübsch zugleich sind, nicht zu viel kosten und nicht gar zu

zeitraubend sind, denn den Weihnachtshandarbeiten darf man nicht etwa

ansehen, daß sie ein „Augenpulver“, eine „Schinderei“ gewesen sind.

Der Beschenkte muß unbedingt den Eindruck haben, daß die Arbeit mit

Vergnügen von Anfang bis zu Ende hergestellt worden ist.

Zunächst einmal ein Geschenk für eine alte Dame. Das ist nicht

so einfach; alte Damen haben meist „schon alles“. Hier muß etwas

sehr Praktisches vorgeschlagen werden; darum bringen wir als

Anregung eine +Einkaufstasche+ (Abb. 154), die möglichst hübsch

ausgeführt wird, damit sie nicht nur für den Wochenmarkt, sondern

auch für nachmittägliche Einkäufe, die sich an einen Besuch oder

einen Spaziergang anschließen, benutzt werden kann, und die vom

Nachmittagsanzug nicht abstechen darf.

Unser Modell besteht aus schwarzem Seidenstoff, es ist mit einem

Bodenteil aus starkem Stoff versehen, 10 Zentimeter breit, 29

Zentimeter lang. Die Tasche selbst ist 34 zu 34 Zentimeter groß. Da das

Futter an der Außenseite zu sehen ist, wählt man am besten einen modern

gemusterten Satin- oder Seidenstoff, für die Schnüre verwendet man

schwarze Beinringe, die 8 bis 9 Zentimeter vom inneren Rand entfernt

angenäht werden.

Eine +gestrickte Hemdenpasse+ (Abb. 155), in der Art, wie wir sie auf

unserer Vorlage zeigen, paßt für jedes junge Mädchen.

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 13 / 15 段