Unser viertes Muster (Abb. 135) eignet sich als Bonbonniere, wenn man

es recht sorgfältig mit auswechselbarem Stanniol- oder Seidenpapier

auslegt, um es sauber zu erhalten. Sonst paßt es auch für den

Spiegeltisch, für Nadeln und andere Kleinigkeiten. Es ist hellblau

mit Gold gehalten, innen ist gelbes Papier mit Goldpunkten; die Füße

sind schwarz. Das geschmackvoll gemusterte Papier wirkt sehr hübsch,

solche Papiere sollte man den andern, weniger ausdrucksvollen Papieren

vorziehen.

[Illustration: Abb. 136. Markenkästchen für den Schreibtisch.]

Unser letztes Modell (Abb. 136) zeigt ein Markenkästchen für den

Schreibtisch. Indessen eignen sich auch andere Formen für diesen

Zweck, wenn die quadratischen Einteilungen gemacht werden. Es

ist mit lederartigem gelbem Papier beklebt. Der Innenteil zeigt

lila-gelb-braunes Batikpapier, die Füße sowie der Deckelknopf sind

schwarz gehalten.

44. Behälter aus Kartonpapier

Häufig kommt es vor, daß man Kleinigkeiten verschenken oder verschicken

muß. Die einfache Papierpackung soll durch eine geschmackvolle

Umhüllung ersetzt werden; diese Umhüllung darf nicht viel kosten, man

will sie recht schnell herstellen, sie soll nicht wie eine Handarbeit

wirken, darf keineswegs zu Gegenleistungen verpflichten; da kommt es

nun wirklich darauf an, seine Geschicklichkeit zu zeigen.

[Illustration: Abb. 137. Schälchen aus grauem Karton mit

Ausschneidemuster.]

Wir geben auf unsern Bildern (Abb. 137 bis 139) einige Beispiele, wie

solche Behälter für Kleinigkeiten, die noch „im letzten Augenblick“

angefertigt werden können, aussehen. Da ist ein +Schälchen+ (Abb.

137) und ein +Kästchen+ (Abbildung 138), beide Modelle sind sehr

niedlich und praktisch. Wenn man Geburtstags- und Weihnachtspakete

zusammenstellt, wenn für die Sommerreise allerlei verpackt werden soll,

wenn etwas für den Umzug gestiftet werden soll, ist solch ein Behälter

sehr brauchbar; er kann nicht nur leicht hergestellt, sondern ebenso

leicht wieder zusammengelegt werden, und -- überhaupt -- wer spricht

da noch viel über solche Kleinigkeiten! Sie passen für trockenes

+Konfekt+, +Pfefferminzplätzchen+, +Süßigkeiten+, die noch schnell

ins Abteil gereicht werden, wenn man Freunde und Verwandte zur Bahn

begleitet. Man verwendet sie in Kästchenform für kleines +Nähzeug+,

+Briefmarken+, +Spielpfennige+, für +kleine Reiseandenken+, einfachen

+Schmuck+, +Fingerhüte+, die man mitbringt, besonders wenn es sich um

Kleinigkeiten für Kinder handelt. Die Verwendungsmöglichkeit solcher

Kartonschälchen und -kästchen ist fast unbegrenzt. Man kann sie in

verschiedenen Größen herstellen, mehr oder weniger farbig, ganz nach

Belieben. Auch für +Schreibtischutensilien+ eignen sich die offenen und

geschlossenen Kartonarbeiten recht gut.

Als +Grundmaterial+ wird Kartonpapier verwendet, darauf zeichnet man

den Schnitt sorgfältig auf (Abb. 139). Dann ritzt man die Seiten,

die geknickt werden sollen, auf der +äußeren+ Seite ein, schließlich

schneidet man die Kästchen mit dem Messer aus, leimt die Seiten mit

Tischlerleim zusammen oder befestigt sie mit Metallklammern, wie wir

es auf unsern Bildern zeigen. Zum Schluß bemalt man die Innenseite der

Schale oder den Deckel des Kästchens mit einer Wasserdeckfarbe, am

besten Guasch- oder Temperafarbe. Viel malerischer ist die Wirkung,

wenn man Buntpapier ausschneidet und das Ornament mit einem Papierleim,

zum Beispiel Fischleim, möglichst sauber aufklebt. Das Ornament muß

in der Mitte stehen und darf nicht krumm und schief aussehen. Sehr

einfach ist die Verzierung auf dem +Kästchen+; da sehen wir +Kugeln+

aus Buntpapier, die in regelmäßigen Abständen voneinander in einem

Kreise aufgeklebt sind. Mit Geldstücken erzielt man die runde Form, der

Kreis wird mit dem Zirkel gezogen, mit dem Zirkel teilt man auch die

Abstände ein. Statt Buntpapier kann man für diese kleinen Ornamente

auch farbiges Papier verwenden, wie wir es von Schokolade-, Seifen-,

Konfekt- und Kerzenverpackungen her kennen, je bunter, desto besser.

Das Grundmaterial -- Kartonpapier -- finden wir in jedem Haushalt vor,

wenn wir uns umsehen; es kommt nicht so sehr auf die Farbe an, wenn es

nur nicht fleckig ist.

[Illustration: Abb. 138. Behälter aus Karton mit aufgeklebten Mustern.]

Will man die niedlichen Behälter kleineren Kindern schenken, so genügt

es schließlich, wenn man auf Klebe- und Maltechnik verzichtet und

die Kartons mit bunten Bildchen, sogenannten Oblaten verziert. Man

kann auch aus Reklame- oder Ansichtskarten geeignete Motive, zum

Beispiel Tiere, Tierköpfe, Blumen und so weiter ausschneiden und

auf den Karton kleben. Die hübschen Basteleien eignen sich auch für

Kinderbeschäftigung; sie lassen sich leicht erklären, machen viel

Spaß und gehören zu den nützlichen Handfertigkeiten, die von groß und

klein geschätzt werden. Wir fügen einige Schnitte bei (Abb. 139),

aus denen zu ersehen ist, wie eine Bleistiftschale, ein Kästchen mit

angeschnittenem Deckel, als Markenkästchen gedacht, eine einfache Mappe

in dieser Technik am besten nachgearbeitet werden können.

[Illustration: Abb. 139. Schnitte für Kartonarbeiten.]

45. Schmuckpapier

+Schmuckpapier+ gehört in das Buchbinderfach. Seine Herstellung ist

altes Kunsthandwerk, das mit dem Buchgewerbe eng zusammenhängt und als

+Handwerk+ in früheren Jahren außerordentlich in Gunst stand. +Bücher+

mit +Einbänden+ aus +Schmuckpapieren+ waren sehr beliebt, Buchhändler

und Büchersammler legten großen Wert auf schöne Schmuckpapiere; es

gehörte zum Buch wie der gute Druck.

Als die Maschine sich auch des Schmuckpapiers bemächtigte, gingen die

+handgearbeiteten+ Papiere zurück. Die Maschinendruckpapiere wurden

so billig hergestellt, daß es sich nicht mehr lohnte, handgearbeitete

Schmuckpapiere anzufertigen; so kam ein uralter Handwerkszweig fast in

Vergessenheit.

In allerletzter Zeit ist man wieder darauf zurückgekommen, man findet

wieder Gefallen am +handgebundenen Buch+, an +handgeschriebenen+

Texten, an +handgearbeiteten+ Vorsatzpapieren. Bücher, die in dieser

Art geschmückt sind, bilden den Stolz der Hausbibliotheken; die Jugend

hat Freude an solchem Handwerk, sie hat auch Zeit dazu, es auszuüben,

sie lernt schnell alle Handgriffe und bringt bei einiger Übung

mancherlei Geschmackvolles zustande.

[Illustration: Abb. 140. Schmuckpapier.]

Hübsche Schmuckpapiere kann man sehr vielseitig verwenden, nicht nur

als Buchschmuck. Zum Bekleben von +Kassetten+ verschiedener Art,

+Dosen+, +Mappen+, +Kalenderrückwänden+, +Notizblöcken+ eignen sie

sich ganz besonders; wer sorgfältig arbeitet, wird auf diesem Gebiet

sicherlich manchen Erfolg haben.

Das einfachste Schmuckpapier, das auch von Anfängern gern hergestellt

wird, ist das +Kleisterpapier+. Es besteht aus Papier, Farbe und

Kleister und kann schnell und fast kostenlos angefertigt werden.

Als +Grundmaterial+ kommen verschiedene Arten Papier in Frage:

+Zeichen-+, +Ton-+, +Pack-+, +Konzept-+ und +Einwickelpapier+. Soll das

Schmuckpapier stark sein, so verwendet man starkes Papier, für kleine

Gegenstände genügt meist dünnes Grundmaterial.

Zum +Aufstreichen+ verwendet man sogenannte +Leimpinsel+, das sind

Borstenpinsel, die in beliebiger Stärke in Farbengeschäften und

Drogerien erhältlich sind.

Den +Kleister+ kann man selber herstellen; Stärkekleister eignet

sich für diese Zwecke am besten; Reisstärke, die in jedem Haushalt

gebraucht wird, benutzt man auch zur Anfertigung von Schmuckpapieren.

In einem halben Glase Wasser löst man einen Eßlöffel voll Reisstärke

auf, man nimmt dazu kaltes Wasser, damit die Stärke nicht kleine

Klümpchen bildet. Dann läßt man ½ Liter Wasser kochen, am besten in

einer sauberen Konservenbüchse, die das Doppelte faßt, und gießt, wenn

es kocht, die aufgelöste Stärke unter ständigem Rühren in das Wasser

hinein. Sehr bald entsteht ein dünner Brei, der nach dem Aufkochen

vom Feuer genommen wird. Erst wenn der so entstandene Kleister völlig

erkaltet ist, darf man ihn verwenden.

Um dem Kleister die entsprechende +Farbe+ zu geben, benutzt man

+Leimfarben+, die in Pulverform in den Drogerien und Farbengeschäften

erhältlich sind. Das Auflösen dieser Farben geschieht in kleinen

Näpfen, in Salbentöpfchen, in Tassen oder irgendwelchen Töpfchen; mit

Wasser wird ein dicker Brei hergestellt, den man mit einem ausgedienten

Federhalter oder einem Pinselgriff so lange verrührt, bis er flüssig

ist und keine Klümpchen mehr zeigt. Wenn man die Farben nicht sehr

sorgfältig verrührt, werden sie körnig, die Farbkörnchen lösen sich auf

dem Papier beim Aufstreichen auf und verderben das Muster. Da sich die

Farben meist nicht lange halten, sondern leicht schimmelig werden, soll

man nur so viel anrühren, wie man braucht, was sich bei einiger Übung

sehr bald feststellen läßt.

[Illustration: Abb. 141. Vorsatzpapier.]

Ist das Material zusammengestellt, so beginnt die Arbeit: Man

vermengt in einer Untertasse so viel Kleister mit der Farbe, daß er

einen kräftigen Ton zeigt; am besten ist es, erst den Kleister in

entsprechender Menge in das Gefäß zu füllen und nach und nach die Farbe

dazuzugeben, unter ständigem Verrühren, damit die Mischung gleichmäßig

wird. Dann macht man auf billigem Papier allerlei Pinselübungen,

unter möglichster Schonung der Tischplatte, die durch Unterlagen

(Zeitungsbogen) vor Kleisterspritzern geschützt werden muß.

Zuerst streicht man mit dem Pinsel gerade Linien und Wellenlinien auf;

wenn man beim Streichen den Pinsel kräftig aufdrückt, entstehen Muster,

wenn man den Pinsel steil oder schräg aufstellt, ihn auf dem Papier

dreht und hin und her schiebt, entstehen wieder andere Formen. Wird nun

der Bogen glatt zugestrichen und darauf solche Pinselübung regelrecht

betrieben, so entstehen immer weitere Muster, die schließlich nach

Belieben aufgesetzt werden.

Bei diesen Pinselübungen braucht es nicht zu bleiben, man kann

allerlei „+Stempel+“ verwenden, die man selber herstellen kann, wenn

man mit einem scharfen Messer Kreuze und andere leichte Muster

in Flaschenkorke schneidet und diese „Stempel“ auf das grundierte

Papier drückt. Außer Kork gibt es noch andere geeignete Materialien,

zum Beispiel +Gummistücke+, +Radiergummi+, +Kartoffel+- und

+Mohrrübenscheiben+, in die man beliebige Stempel hineinschneiden kann.

Wenn man in bestimmten Abständen mit der +Fingerspitze+ auf das Papier

tupft oder bestimmte Linien zeichnet, entstehen Muster; aus +Knöpfen+,

+ungespitzten Bleistiften+, +dicken Buntstiften+ in Holzfassung, mit

+Schwämmen+, die in Farbe eingetaucht und über dem Papier ausgedrückt

oder ausgespritzt werden, kann man gute Formen und Farbwirkungen

erzielen. Eine Art +Batik+ erreicht man, wenn man das gefärbte

Papier zusammenballt und wieder ausbreitet. Will man ein +geädertes+

Schmuckpapier haben, so bespritzt man das Papier mit verschiedenen

Farben und hält es so lange senkrecht, bis durch das Herunterlaufen der

Farben das gewünschte Adermuster entstanden ist.

Sehr originelle Musterungen erzielt man mit +kleinen Blechdosen+,

Schuhputz- und Cremedosen, mit +Zigarettenspitzen+ aus +Papier+, mit

+Weidenkätzchen+; auch +Streichhölzer+, +Hasenpfoten+, +Watte+ und

+Pappstreifen+ kann man verwenden. +Pappstreifen+ ergeben je nach ihrer

Form schmale und breite, gerade, gebogene oder Wellenlinien.

Wird ein Bogen gleichmäßig mit Kleisterfarbe bemalt, in der Mitte

gebrochen, mit den nassen Hälften wieder zusammengelegt, daß er ganz

schnell zusammenklebt, und wieder auseinandergenommen, so entsteht beim

Auseinanderziehen ein brauchbares Muster.

+Marmorierungen+ erzielt man, wenn man mit großen +Vogelfedern+

arbeitet; ähnliche Wirkungen kommen heraus, wenn man +Seidenpapier+

zusammenbauscht und darüber fährt; statt des zerdrückten Seidenpapiers

kann man auch +Watte+ zum Marmorieren benutzen.

Wenn man aus starker Pappe einen „Kamm“ ausschneidet und über das

Grundierte fährt, entstehen allerlei Muster; es kommt darauf an, ob man

den Kamm gerade oder schräg aufsetzt, ob die „Zähne“ des Kamms schmal

oder breit sind.

Wer sich mit solchen Kleisterpapieren beschäftigt, wird sehr bald

selber auf mancherlei Möglichkeiten kommen; mit einiger Phantasie

gelingen die amüsantesten Muster, und wenn noch eine längere Übung

dazukommt, können die Papiere kaum mißlingen.

[Illustration: Abb. 142. Schmuckpapier.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]

Man kann die Papiere in +Quadrate+, +Zickzacklinien+ und +Wellenlinien+

aufteilen. +Helle Bänder+ entstehen, wenn man mit einem leicht

zugespitzten Stück Pappe in die grundierte Fläche hineinzeichnet. Diese

Bänder können beliebige Formen haben.

Ist ein Muster mißlungen, gefällt die Farbe nicht, so ist der Schaden

sehr schnell behoben. Man streicht das Muster wieder zu und beginnt

von neuem; Grundfarben muß man mit dem nassen Schwamm abwaschen.

Wenn ein Ton zu dunkel geworden ist, so wird er wieder aufgelichtet,

indem man reinen Kleister darüberstreicht. Ist der Kleister zu dick,

so gibt man mit einem Pinsel oder einem Schwamm reines Wasser auf

das Papier; Wasser hilft auch, wenn die Kleisterfarben zu zäh und

dickflüssig geworden sind. Je fester der Kleister ist, desto schärfer

und dünner werden die Formen; will man also verschwimmende Ornamente

erzielen, so muß man den Kleister verwässern.

[Illustration: Abb. 143. Aufsetzen des Grundes.]

Das +Trocknen+ der Kleisterpapiere dauert nicht lange; man breitet

sie über Nacht über einigen Lagen Zeitungspapier aus, dann beschwert

man sie mit dicken Büchern; dadurch werden sie gleichmäßig glatt und

können, nachdem sie getrocknet sind, verwendet werden.

Die +Gerätschaften+ muß man sehr sorgfältig behandeln; die

+Farbentöpfe+ werden am besten mit Seifen- oder Sodawasser heiß

ausgewaschen, ebenso die +Pinsel+, deren Borsten lang ausgezogen

werden, ehe man sie, mit den Borsten aufwärts, wegstellt. Bleiben sie

mit den Borsten im Kleister stehen, so verbiegen sie sich und brechen

sehr bald ab.

Statt der beliebten +Leimfarben+ kann man auch +Tempera-+ und

+Aquarellfarben+ verwenden; für Übungszwecke dürften sie indessen zu

teuer sein. Sehr gut wirken die feurigen +Anilinfarben+, die sich

besonders für solche Schmuckpapiere eignen, die zum Beziehen von

kleinen Arbeiten, von Kassetten und Dosen verwendet werden. Mit ein

paar Tropfen der in heißem Wasser aufgelösten Farbe kann man den

Kleister sehr lebhaft färben. Das Farbpulver wird in heißem Wasser

flüssig. Man achte darauf, daß die entstandene Farbflüssigkeit nicht zu

dünn wird, da sie sonst nicht genügend färbt.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 140 bis 143) vier +Kleisterpapiere+,

die nach den obigen Beschreibungen entstanden sind. Nummer 1 ist

grün mit Goldtupfen; die Goldtupfen sind in Bronzefarbe aufgesetzt,

ebensogut kann man auch Silberfarbe verwenden.

Das zweite Papier ist in Rot und Grün gehalten, das dritte in Grau,

Blau und Weiß, das vierte in Rot mit schwarzen Kreisen. Nebenstehend

sieht man, wie der Grund mit breiten Pinselstrichen aufgesetzt wird.

Die Kreise werden mit kleinen Blechdosen aufgestempelt.

46. Lampenschirme aus Papier

+Lampenschirme+ aus Papier sind seit einigen Jahren sehr beliebt; diese

Mode wird sich voraussichtlich noch längere Zeit halten, denn der

+Papierlampenschirm+ ist eine sehr stimmungsvolle Bereicherung unserer

Wohnungseinrichtung, vorausgesetzt, daß er wirklich geschmackvoll

wirkt. Wenn er nicht sehr sauber gearbeitet und in schönen Farben

gehalten ist, hat er gar keinen Zweck, dann fällt er nur peinlich

auf und kommt als Zimmerschmuck gar nicht in Betracht. Wenn man

einen +Papierlampenschirm+ verschenken will, verzichte man darauf,

„überraschen“ zu wollen; im Gegenteil, man soll sich erst einmal

genau erkundigen, welche Form und Farbe für die betreffende Lampe

erwünscht ist, damit der Schirm auch wirklich verwendet werden kann

und nicht unbenutzt in die Rumpelkammer wandert, weil er „unmöglich“

ist. Unmöglich wird er sehr leicht, wenn das Papier schlecht gefaltet

ist, wenn es eine unfeine Tönung hat und womöglich kitschig bepinselt

ist. Das beste Material ist +Pergament-+ oder weißes +Zeichenpapier+,

das meist einen leichten gelblichen Ton zeigt. Das Papier wird mit

Fischleim oder einem beliebigen Papierklebemittel in der notwendigen

Länge zusammengeklebt, diese Länge richtet sich nach der Größe der

Lampe. Dann knifft man es in möglichst regelmäßigen Abständen; von der

Regelmäßigkeit dieser Abstände hängt der „gute Sitz“ des Lampenschirms

ab. Mit einem Falzbein werden die Falten scharf angeglättet; nach

Belieben plissiert man flache oder tiefe, große oder kleine Falten,

dies richtet sich nach der Größe des Lampenschirms, der nach der Größe

der Lampe berechnet wird. Durch das gefältelte Papier werden mit einem

Locher die Löcher für die Schnur geschlagen, damit -- an der oberen

Kante des Schirms -- eine entsprechend starke Seidenschnur durchgezogen

werden kann; sie wird zu einer Schleife mit lang herunterfallenden

Enden geknüpft; diese Enden werden verknotet, nach Belieben wird

je eine +Holzperle+ als Abschluß vor dem Knoten aufgenommen. Der

fertige +Papierlampenschirm+ sieht wie ein steifes, plissiertes

Röckchen aus, das mit Metallklammern oder Druckknöpfen geschlossen

wird. Man kann die Endstreifen auch mit Papierleim aneinanderkleben.

Meist genügt ein weißer Lichtschirm indessen nicht, man tönt das

Papier mit Wasserfarben in einer Farbe, die zu der Lampe, zu dem

Gesamtraum passen muß. Am feinsten wirkt Grün, Wasserblau, Altgold,

Zitronengelb, Orange, Dunkelgelb; man kann am oberen und am unteren

Rand leichte Abschlußstreifen aufmalen. Sehr häufig wird die ganze

Schirmhülle bepinselt, mit Vögeln oder Blumen, mit Schmetterlingen oder

Landschaften. Das ist viel zu viel, denn schließlich sind es durchaus

nicht immer Kunstwerke, die dem Pinsel entfließen; außerdem kann der

Charakter des Lampenschirms durch solch überflüssiges Gepinsel sehr

leicht verwischt werden. Je einfacher, desto besser; ein paar leichte

Randleisten in Silber oder Bronze wirken oft sehr viel besser als

die gut gemeinten Malereien, denn die steife Form des Lampenschirms

gestattet nur eine sparsame Verzierung. Die Innenseite des Schirms

bleibt weiß, sonst verdunkelt sie das Licht. Streifig bemalte

Lampenschirme können sehr geschmackvoll sein, verlangen indessen einige

Übung, denn das Streifige soll sich nicht auf die Technik beziehen; das

wäre ein Fehler, gemeint ist ein gestreifter Hintergrund in mehreren

Tönen, die recht fein zueinander abgestimmt werden müssen, zum Beispiel

Pfauenblau und Türkis, Orangegelb und Wasserblau; doch muß man sich

vorher erkundigen, ob solche oder andere Farbenzusammenstellungen

erwünscht sind. Für den eigenen Gebrauch ist es ebenfalls notwendig,

die Farben des Lichtschirms zur Farbe der Tapeten, der Möbel und der

im Zimmer befindlichen Webwaren abzustimmen. Man tönt und bemalt

das Papier, bevor es plissiert wird; die Farben müssen vollständig

aufgetrocknet sein, Lampenschirme werden nicht lackiert.

Wir bringen zum Papierlampenschirm keine Abbildung, da die

Herstellungsart sehr deutlich beschrieben ist, und betonen nochmals zum

Schluß, daß vor dem Zuschneiden des Papiers genau Maß genommen werden

muß, damit er weder zu eng noch zu weit, zu lang oder zu kurz wird. Es

empfiehlt sich, zu Übungszwecken zunächst Modelle aus Zeitungspapier

herzustellen, das starke Katalogpapier eignet sich besonders gut dafür.

47. Bemalte Deckchen und Papierservietten

Bei Picknicks und andern zwanglosen Vergnügungen macht es den Töchtern

des Hauses Vergnügen, nicht nur die Tafel festlich zu decken, sondern

nach eigenem Geschmack etwas „Besonderes“ dazuzustiften. Es gibt da

allerlei, was als Damenspende, als Tafelschmuck von eigener Hand

hergestellt werden kann; am beliebtesten dürften die selbstbemalten

+Papierservietten+ sein, wenn sie wirklich hübsch sind. Die Herstellung

ist indessen nur dann angebracht, wenn die Tafelrunde nicht zu groß

ist, die +selbstbemalten Papierservietten+ eignen sich mehr für einen

intimeren Kreis, in dem sich alle recht gut untereinander kennen, sonst

würde sich die Mühe der fleißigen Haustochter auch kaum lohnen.

Man verwendet am besten ausgebogte weiße, einfache +Papierservietten+,

die man mit farbiger Ausziehtusche und einem spitzen Marderhaarpinsel

recht sorgfältig bemalt. Statt Ausziehtusche kann auch Aquarellfarbe

verwendet werden. Man macht zunächst ein paar Skizzen von den

Zeichnungen, die dafür in Betracht kommen, dann pinselt man die

Muster direkt auf die Papierservietten, nachdem man sich ein paar

Anhaltspunkte und Linien mit feingespitztem harten Bleistift, wenn dies

notwendig ist, gemacht hat. Nun bemalt man die Papierserviette mit

einem bunten Rand oder einer farbigen Ecke. Auf unsern Bildern zeigen

wir zwei ganz besonders geschmackvolle Muster, die sich dafür eignen.

Nummer 1 (Abb. 144) ist mit einem +Randmuster+ verziert, kurze,

ineinander greifende Linien in Kobaltblau dunkel, Zinnoberrot und

Schwarz.

Ganz besonders hübsch ist die andere Papierserviette bemalt (Abb. 145),

ein +laufendes Muster+; die äußeren Formen sind kobaltblau hell, die

inneren zinnoberrot gehalten.

[Illustration: Abb. 144. Bemalte Papierserviette; Randmuster.]

Diese Ornamente wirken so reizvoll, weil sie sehr geschickt, ohne

Vorzeichnung, aus freier Hand dahingepinselt sind. Man sieht die

Leichtigkeit des Entwurfs, die schnelle Ausführung; da ist nicht lange

herumgetiftelt, und so muß auch die Wirkung sein, wenn es sich um

improvisierte kleine Handfertigkeiten handelt.

[Illustration: Abb. 145. Bemalte Papierserviette; laufendes Muster.]

Diese Muster kann man indessen auch anderweit verwenden: für

+Taschentücher+, sowohl in als auch in Batist oder einem andern feinen

Gewebe; für diese Art Kunstgewerbe ist indessen Übung notwendig, denn

es ist ein Unterschied, ob eine ungeratene Papierserviette fortgeworfen

wird oder ein verklextes Taschentuch. Wenn ein Taschentuch oder ein

+Brotkorbdeckchen+ bemalt werden soll, werden keine Ausziehtuschen

und keine Wasserfarben verwendet, sondern +waschechte Farben+, die

in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Am besten ist es,

eine genaue Bleistiftzeichnung zu machen, sie unter das Gewebe zu

schieben, mit Reißnägeln rechts und links zu befestigen, damit sie

nicht verrutscht, und nun mit dem Pinsel die Formen nachzuziehen, die

man durch den dünnen Stoff hindurchsehen kann. Das gilt sowohl für

+Deckchen+ als auch für +Taschentücher+. Die Muster eignen sich auch

für +Kinderkleider+ und +Schürzen+, die ebenfalls waschecht bemalt

werden müssen; auch für +Porzellanmalerei+ kann man die einfachen,

zierlichen +Rand-+ und +Eckmuster+ verwenden.

[Illustration: Skizzen für Randmuster.]

48. Papierpuppen

[Illustration: Abb. 146. Papierpuppe mit Papierkleidern.]

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 12 / 15 段