Da ist ein lustiger +Geburtstagsleuchter+ (Abb. 121), der sicherlich

gern nachgearbeitet werden wird. Das Grundmaterial besteht aus

einem +Holzreifen+ in beliebiger Größe, er soll ½ Zentimeter

stark sein. Wenn man keinen fertigen Reifen in den einschlägigen

Spielzeuggeschäften bekommen kann, ist es ratsam, ihn vom Tischler

anfertigen zu lassen; andernfalls sägt man ihn selber mit der

Bandsäge, die in die Laubsäge gespannt wird, aus. Man klebt mit

Tischlerleim dicke +Holzperlen+ als Füße unter den Reifen; solch

dicke, große Holzperlen werden auch als +Lichthalter+ aufgeleimt.

Der Holzreifen, die Füße und die Lichthalter werden mit Deckfarbe

bunt angemalt und lackiert. Tempera- oder Leimfarben eignen sich am

besten dafür. Temperafarben sind in Tuben erhältlich, Leimfarben

werden in Farbenhandlungen oder Drogerien gekauft; sie werden als

Farbpulver geführt, in einer dünnen Tischlerleimlösung aufgelöst und

vermischt. Sowohl Tempera- als auch Leimfarben werden mit Spirituslack

überzogen; ist der erste Aufstrich trocken, so beginnt man mit dem

zweiten und setzt dies fort, bis ein kräftiger Hochglanz entstanden

ist. Man streicht die Farben mit dem Borstenpinsel auf, der Lack wird

ebenfalls mit einem völlig trockenen Borstenpinsel aufgetragen. Am

hübschesten sieht der +Geburtstagsleuchter+ aus, wenn der Rand und

die Füße feuerrot, und die Lichthalterperlen briefkastenblau oder

delfterblau angestrichen werden. Schließlich kommen die +Glücksvögel+

an die Reihe: Sie bestehen aus je zwei Holzperlen, eine große Holzperle

stellt den +Rumpf+ dar, eine kleinere wird als +Kopf+ mit Tischlerleim

daraufgeklebt. Man benutzt die kleine Öffnung in der Perle, steckt ein

angespitztes Stückchen Holz als +Schnabel+ hinein und klebt es fest.

Ein dreieckiges Stückchen dünnes Holz aus einer Zigarrenkiste wird

als +Schwanz+ in die große Perle, die entsprechend angebohrt wird,

eingeleimt. Diese Glücksvögel haben keine Füße, die große Rumpfperle

wird mit Tischlerleim auf den Holzreifen geleimt, nachdem sie bemalt

und lackiert worden ist. Man malt abwechselnd einen Vogel zitronengelb

und einen Vogel orangegelb oder giftgrün. Die Schnäbel und Schwänze

hält man kirschrot, die +Augen+ werden als schwarze Punkte gepinselt,

die +Flügel+ durch schwarze Linien angedeutet. Auf der +Brust+ kann ein

kleines Ornament in Schwarz oder in einer beliebig abstechenden Farbe

gemalt werden, Feuer- oder Kirschrot auf Zitronengelb, Kornblumenblau

auf Orangegelb, Weiß oder Kirschrot oder Schwefelgelb auf Giftgrün.

Die +Lichthalter+ und die +Glücksvögel+ werden in genau abgemessenen

Abständen abwechselnd auf dem Holzrand verteilt. Die Holzperlen

müssen angebohrt werden, damit die dünnen, bunten Weihnachtslichter

darin befestigt werden können. Doch besser ist es, von Garnrollen

die breiten Teile abzusägen, in der Farbe der Lichthalter oder in

einer abstechenden Farbe anzustreichen, zu lackieren und auf die

Lichthalterperlen mit Tischlerleim aufzukleben, wie wir es auf unserem

Bilde sehen; die Öffnungen müssen, wenn es notwendig ist, mit dem

Bohrer erweitert werden.

~b~) Sparbüchse

Die zierliche +Sparbüchse+, die wir auf dem nächsten Bilde (Abb.

122) zeigen, wird sicherlich gern nachgearbeitet werden; sie ist

einfach in der Herstellung und macht wenig Kosten, dafür sieht

sie, wenn sie richtig gearbeitet wird, umso niedlicher aus; sie

eignet sich für +Tischdekorationen+ bei fröhlichen Festen, für

+Silvesterüberraschungen+, +Lotteriegewinne+, +Vielliebchengeschenke+,

auch als +Geburtstagsgeschenk+ kann man sie verwenden. In vielen

Familien gibt es eine Sparbüchse, die für die Weihnachtslichter

herangezogen wird, es gibt auch Strafgeldkassetten, besonders beliebt

sind solche Sparbüchsen in den verschiedenen „Kränzchen“; für den

Inhalt der kleinen Sparbüchse wird sich gewiß mancherlei Verwendung

finden.

Man sägt mit der Laubsäge kleine Holzbrettchen in Holzstärke von 5

Millimeter zu einem Würfel. Drei Brettchen sind 9 mal 9, zwei Brettchen

8 mal 9, ein Brettchen 10 mal 10 Zentimeter groß. Die beiden Brettchen,

die 8 mal 9 Zentimeter groß sind, werden zwischen die Brettchen 9

mal 10 Zentimeter gesetzt, das Brettchen, das 10 mal 10 Zentimeter

groß ist, bildet den Boden und steht ½ Zentimeter über. Das vierte

Brettchen wird mit einem Schlitz versehen und stellt den Deckel dar.

Man kann die einzelnen Wände zusammennageln, man kann sie aber auch

zusammenleimen. Als Füße verwendet man entsprechend große +Holzperlen+,

die untergeschraubt oder angeleimt werden. Die so entstandene Kassette

wird zum Schluß angestrichen, bemalt und lackiert. Man benutzt

+Wasserdeckfarben+, zum Beispiel Leim-, Guasch- oder Temperafarben,

die dick angerührt und mit einem starken Pinsel aufgetragen werden.

Zunächst wird die Sparbüchse grundiert; ein kräftiger Grundton in

Zinnoberrot, Kobaltblau, Grasgrün oder Orangegelb wird mit dem

Grundierpinsel breit und schnell aufgestrichen, damit die Farbe nicht

streifig auftrocknet. Erst wenn sie völlig trocken ist, wird ein

einfaches Ornament in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen,

mit Graphit- oder Schreibmaschinenpapier und einem harten, scharf

gespitzten Bleistift auf das Holz übertragen, nachdem man das Muster

auf Paus- oder Butterbrotpapier sauber aufgezeichnet hat. Mit einem

spitzen Pinsel wird das Ornament einfarbig gemalt; wer Freude an bunten

Farben hat, kann mehrere voneinander abstechende Farben verwenden.

Ungebrochene Töne sind dafür am besten geeignet. Auf rotem Grund sieht

Tütenblau, Zitronengelb und Weiß sehr gut aus; ist der Hintergrund

blau, so hält man das Ornament in einem grellen Rot, in Giftgrün und

Orangegelb. Auf grünem Ton stehen am besten Orangegelb, Zitronengelb

und Weiß. Ist der Grund orangegelb, so bemalt man ihn mit Delfter Blau,

Zitronengelb und Zinnoberrot.

[Illustration: Abb. 122. Sparbüchse aus Holz.]

Von den genannten Farben werden nach Belieben eine oder zwei

ausgewählt; will man das Ornament indessen in drei Tönen malen, so hält

man sich an die beschriebenen Zusammenstellungen. Sehr wirksam ist ein

gelber Grund mit schwarzem Ornament.

Die +Umrandung+ des +Schlitzes+, die vorstehende +Leiste+ und die

+Füße+ der Sparkasse werden am besten in +einer+ Farbe gehalten.

Ist die Malerei vollständig aufgetrocknet, so lackiert man sie. Es gibt

in den einschlägigen Geschäften den bekannten +Hochglanzlack+, wenn man

aber keine weitere Verwendung dafür hat, lohnt es sich nicht, ihn für

diese kleine Arbeit zu kaufen. Man stellt ihn selber her, indem man in

einer Medizinflasche +Brennspiritus+ mit +Schellack+ auflöst. In der

Farbenhandlung oder in der Drogerie, wo der Schellack erhältlich ist,

wird die Größe des Gegenstandes, der lackiert werden soll, angegeben,

danach richtet sich die Menge von Schellack und Brennspiritus, die

man mischen will. Je mehr Schellack verwendet wird und je stärker der

Brennspiritus ist, desto kräftiger wirkt der Glanz; genügt er nicht,

so läßt man ihn gut auftrocknen und lackiert nochmals, bis ein heller

Hochglanz erreicht ist.

~c~) Brieföffner

Ein sehr praktisches Geschenk ist der +Brieföffner+ (Abb. 123),

der auf keinem Schreibtisch fehlen dürfte und besonders geschätzt

wird, wenn er als Handarbeit auftritt. Er eignet sich für Damen und

Herren in gleicher Weise, paßt für alt und jung und kommt sowohl als

„ernsthaftes“ Geschenk zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten

und als Gastgeschenk, wie auch als „lustiges“ Geschenk in Betracht,

zum Beispiel zu Silvester, oder wenn man Gegenstände für Lotterien,

Julklapp, Tafelspenden braucht. Ein +Brieföffner+ ist eine sehr

nützliche Sache, die man häufig in die Hand nimmt, und wenn man darauf

schreibt „Zur Erinnerung“, so wird der oder die Beschenkte die fleißige

Spenderin ganz bestimmt nicht so bald vergessen, umso eher, als

hölzerne Handarbeiten, wenn sie gut gearbeitet sind, sehr lange halten.

[Illustration: Abb. 123. Brieföffner.]

Man sägt ihn aus 3 Millimeter starkem +Ahornholz+ mit der +Laubsäge+

aus, das Muster in Dolchform zeigen wir auf nebenstehender Zeichnung.

Die Kanten des Griffes werden rund gefeilt, die Schneide feilt man

scharf, damit sie gut schneidet. Damit alle Unebenheiten verschwinden,

überreibt man die Formen mit Sandpapier, bis sie sauber und glatt sind.

Zum Schluß wird der Dolch mit einer Holzbeize angestrichen und mit

Beizenlack überzogen. Naturfarbene Beizen wirken am besten, man wähle

Eiche, Polisander, Ebenholz oder Silbergrau.

Wer den Brieföffner farbig halten möchte, beize ihn mit Holzfarben in

Lila, Blau, Braun oder Grün, Rot sieht nicht sehr fein aus; Widmungen

schreibt man in natürlicher Schrift, bevor der Lack aufgetragen wird,

am besten mit schwarzer Ausziehtusche. Weiße Tinte, in Farbengeschäften

wie die Lacke und Beizen erhältlich, kann man für einen Grund

verwenden, von dem eine schwarze Schrift nicht genügend abstechen würde.

39. Hampelmann

[Illustration: Abb. 124. Hampelmann.]

Der Hampelmann ist nur für die Kleinsten gedacht. Wir bringen eine

Zeichnung (Abb. 124), aus der man die Herstellungsweise sehr deutlich

erkennen kann. Aus dünnem Holz wird die Figur mit der Laubsäge

ausgesägt, man kann sie indessen auch aus starker Pappe ausschneiden.

Dann malt man sie recht farbig an; für Holz kommen +Lack-+, +Öl-+ und

+Wasserdeckfarben+ in Betracht. Öl- und Wasserdeckfarben (+Guasch-+ und

+Temperafarben+) müssen mit entsprechendem Firnis bestrichen werden,

wenn die Farben vollständig aufgetrocknet sind. Man achte darauf, daß

für +Ölanstrich+ ein +Terpentinlack+, für +Wasserfarbenanstrich+ ein

+Spirituslack+ verwendet wird. Man kann diesen aus Brennspiritus und

Schellack selber herstellen; in einer Medizinflasche wird Schellack

mit Brennspiritus vermischt und tüchtig geschüttelt. Im Drogen-

und Farbengeschäft wird die Schellackmenge nach der Menge Spiritus

berechnet, die sich wieder nach der Größe des Gegenstandes richtet, der

lackiert werden soll. Es gibt käuflichen fertigen Lack in Flaschen und

lose, es lohnt aber nicht, ihn zu kaufen, wenn es sich um so kleine

und ziemlich wertlose Gegenstände handelt. -- Dem +Hampelmann+ zieht

man feuerrote Hosen, eine gelbe Bluse und knallblaue Schuhe an, setzt

ihm einen giftgrünen Hut auf, malt Hände und Gesicht rosa, pinselt

Augen, Mund, Nase in der üblichen Weise nach Belieben und lackiert das

Ganze erst dann, wenn die Malerei völlig trocken ist, was bei Ölfarbe

ziemlich lange, manchmal einige Tage, dauert. Handelt es sich um ein

eiliges Geschenk, so sind +Wasserdeckfarben+ mehr zu empfehlen, sie

trocknen in 24 Stunden auf. Der +Ölfarbenfirnis+ muß auch tagelang

trocknen, es hat keinen Zweck, diesen Vorgang beschleunigen zu wollen,

indem man die Arbeit auf die heiße Herdplatte oder in die Ofenröhre

legt, im Gegenteil, man zerstört die Arbeit, da die Farben abspringen.

Das gilt auch für den +Wasserfarbenlack+, den man, ohne das Stück zu

berühren, auftrocknen lassen muß, damit sich keine Fingerabdrücke

darauf zeigen. Arme und Beine werden befestigt, indem man an den

betreffenden Stellen (siehe Bild!) Löcher bohrt, einen entsprechend

langen Draht durchzieht, der hinten und vorn um die Spitze eines

Bleistifts gedreht und dann fest angedrückt wird, damit man sich nicht

daran sticht. Zum Schluß wird die Verschnürung, die Hampelvorrichtung,

ausgeführt, wie sie auf unserer Zeichnung angegeben ist.

40. Flaschenkork

Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 125) einen sehr lustigen

+Schmuckkork+, der mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann.

Der +Glücksvogel+, der mit Tischlerleim auf den neuen Flaschenkork

aufgeleimt ist, besteht aus einer großen und einer kleineren

Holzperle, die Rumpf und Kopf des Vogels darstellen. Die Kopfperle

ist entsprechend abgesägt und mit Tischlerleim auf die untere Perle

aufgeleimt. Auch diese ist an der unteren Seite abgeplattet, damit

der Vogel recht fest -- ohne Füße -- auf dem Kork sitzen kann. Der

Schwanz besteht aus einem entsprechend geformten Stückchen Holz, das

in die Perle hineingeleimt wird, nachdem diese mit dem Messer oder mit

dem Bohrer vorbereitet worden ist. Dasselbe gilt von dem Schnabel, der

aus einem Stückchen Zahnstocher oder einem angespitzten Streichholz

besteht. Ist der +Glücksvogel+ in dieser Weise hergerichtet, so wird

er bemalt. Man verwendet Wasserdeckfarben, zum Beispiel Tempera-,

Leim- oder Guaschfarben, die, wenn sie aufgetrocknet sind, mehrmals

mit Spirituslack überzogen werden, bis sie Hochglanz bekommen. Jeder

Firnisaufstrich muß völlig aufgetrocknet sein, ehe man mit dem nächsten

beginnt. Der Firnis wird mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Man

bemalt den Vogel möglichst bunt, Kopf und Rumpf hält man feuerrot,

die Brust zitronengelb, den Schwanz grasgrün oder tütenblau, den

Schnabel orangegelb. Die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, auf dem

Kopf stehen seitwärts ein paar gelbe Blattornamente, auf der Brust

kirschrote Tupfen, auf jedem Flügel drei zitronengelbe oder tütenblaue

Punkte, auf dem Schwanz zwei orangegelbe Tupfen.

Wenn man mehrere dieser lustigen Glücksvögel herstellen will, ist es

ratsam, sie nicht in gleichen Farben zu bemalen, sondern mit den Farben

abzuwechseln; auf alle Fälle müssen die Korkverzierungen recht bunt

wirken. Man achte darauf, daß der Schmuckkork bis ins kleinste sauber

und sorgfältig ausgeführt wird, sowohl was die Malerei, als das Kleben

anbelangt; wenn der Glücksvogel beim Gebrauch auseinandergeht, wenn er

schief aufgeleimt ist, hat die ganze Arbeit ihren Sinn verloren, umso

eher, als es sich hierbei nicht um einen wertvollen Gegenstand handelt.

[Illustration: Abb. 125. Glücksvogel als Flaschenkork.]

VI. Kapitel

Papp- und Papierarbeiten

41. Allerlei Spiele

Die Vereinfachung der Gebräuche, die für unsere Zeit besonders typisch

ist, die Einschränkung der gesamten Lebenshaltung, die mehr als je

an die Häuslichkeit geknüpft ist, bringt es mit sich, daß auch die

Geselligkeit einfachere Formen annimmt als in den früheren Jahren.

Man feiert Feste, besonders Geburtstage, im engeren Verwandten- und

Freundeskreise und pflegt besonders im Winter die Geselligkeit im

eigenen Heim. Das gilt sowohl für die ältere als auch für die jüngere

Generation; die „Kränzchen“ sind wieder modern geworden, bei denen

es nicht so sehr auf die mehr oder weniger reichhaltige „Aufwartung“

als auf die Unterhaltung ankommt. Gesellschaftspiele kommen wieder

auf, alt und jung belustigt sich an diesen Unterhaltungen, die

oft nur einen harmlosen Zeitvertreib, manchmal aber auch ein

geistiges Vergnügen darstellen. Man soll solches Zusammenspiel nicht

unterschätzen, im Spiel erkennt man frühzeitig die Charaktere der

einzelnen Mitspieler, das Gesellige, Liebenswürdige, Kameradschaftliche

kommt hierbei unverfälscht zum Ausdruck, und am reizvollsten sind die

Gesellschaftspiele, bei denen groß und klein vereinigt sind. Schach und

Halma sind die bekanntesten Spiele, die indessen größere Anforderungen

an die Partner stellen; es gibt aber auch eine Anzahl hübscher Spiele,

die „leichter“ sind und schon darum viele Freunde haben.

[Illustration: Abb. 126. Lottospiel.]

Solche Spiele selber herzustellen, dürfte manchem jungen Mädchen Spaß

machen, abgesehen davon, daß die verringerten Kosten dabei mit ins

Gewicht fallen. Es gehören geschickte Hände dazu und eine gewisse

Sorgfalt, sonst kommt nichts Rechtes dabei heraus; wer sich aber Mühe

geben will, wird viel Freude am Ergebnis haben.

Da ist zunächst ein +Lotto+, von dem wir ein Bild (Abb. 126) bringen.

Die Tafeln läßt man sich beim Buchbinder schneiden. Man braucht 6

Tafeln zu 14 mal 21 Zentimeter, dazu gehören 6 Decktäfelchen zu 6 mal

6 Zentimeter. Jede der großen Tafeln wird in 6 Felder eingeteilt.

Auf diese große Tafel und je ein Decktäfelchen wird je ein gleiches

Bild gezeichnet, dies Bild wird farbig angetuscht, mit schwarzer

Ausziehtusche umrandet und mit Bohnerwachs leicht poliert. Man reibt

das Bohnerwachs mit einem reinen, weichen Lappen auf die Fläche, es

darf nur wenig Bohnermasse verwendet werden, da der Überzug ganz dünn

sein soll. Mit einem zweiten Lappen wird nachgerieben; die Wachsschicht

dient dazu, die Tafeln, die viel angefaßt werden, vor Fingerabdrücken

zu schützen. Aus unsern Bildern kann man sehr genau erkennen, wie die

Sache gemacht wird; das beste daran ist die amüsante Ausgestaltung,

die nach eigenem Ermessen möglichst phantastisch sein soll. Es gibt

Lieder-, Gedichte- oder Sprichwörterlottos; auf die Decktafel schreibt

man das Lied, das Sprichwort oder das Gedicht auf und illustriert es

mehr oder weniger einfach; auf die große Tafel muß das Bild gemalt oder

gezeichnet werden.

Ebenso unterhaltend ist das +Domino+ (Abb. 127 und 128) und besonders

das +Bilderdomino+, zu dem 36 Karten aus Pappe gehören, die am besten

vom Buchbinder geschnitten werden, damit sie recht gleichmäßig werden.

Die Größe 5 mal 10 Zentimeter bewährt sich sehr, ist handlich und dafür

geeignet. Statt Zahlen, wie üblich, beim Domino aufzuschreiben, wählt

man Bilder, die auf die Karten aufgezeichnet werden. Für größere Kinder

wählt man ein +Dominospiel aus zusammengesetzten Wörtern+.

[Illustration: Abb. 127. Dominospiel. Von Liselotte Volk.]

Noch nicht allzu bekannt, aber sehr beliebt ist das +Angelspiel+,

bei dem es besonders auf die Geschicklichkeit ankommt. Man schneidet

aus dünner Pappe eine Anzahl +Fische+ (Abb. 129) aus, es können auch

+Frösche+ dabei sein, denn man angelt schließlich auch mal einen

Frosch; diese Tiere werden farbig angepinselt, durch das Maul eines

jeden Fisches oder Frosches wird ein kleiner dünner Drahtring gezogen.

Wir bringen auf unseren Bildern eine Anzahl solcher „Muster“, nach

denen man sich recht gut richten kann; im übrigen kann jeder nach

Belieben seine Lieblingsfische ausschneiden und bemalen und das

Naturgeschichtsbuch zu Hilfe nehmen. Am besten ist die Wirkung, wenn

man die Fische mit Aquarellfarben aus dem Tuschkasten bemalt und die

Umrißlinien mit schwarzer Ausziehtusche nachzieht. Dies gilt besonders

für die Flossen, Augen, Schuppen und Kiemen. Auch Temperafarben kann

man dafür verwenden; wer mit Ausziehtuschen umzugehen versteht -- das

Mischen dieser Tuschen will verstanden sein -- wird auch diese Farben

verwenden können; sie haben einen frischen Glanz, der für die Fische

und Frösche recht gut passen dürfte. Pastellstifte kann man zum

Bemalen verwenden, wenn man die fertigen Stücke mit Fixativ behandelt,

damit sie beim Spielen nicht abfärben. Dies gilt für die Herstellung

der Fische und Frösche. Nun wird das +Aquarium+ hergestellt. Eine Hut-

oder Herrenkragenschachtel eignet sich am besten dazu, das Wasser

muß man sich dazu denken. Die Fische und so weiter werden auf den

Grund der Schachtel gelegt, je tiefer diese ist, desto unterhaltender

gestaltet sich das Spiel, denn die Mitspielenden müssen versuchen, mit

einem Magneten, der an einer entsprechend langen Angelschnur befestigt

ist, die Wasserbewohner herauszufischen; wer am meisten fängt, ist

Sieger. Ist das Aquarium sehr groß und die Zahl der Mitspielenden

dementsprechend, so können sich mehrere Angler zugleich betätigen,

andernfalls würden sich die Angelschnüre verwickeln.

[Illustration: Abb. 128. Domino.]

[Illustration: Abb. 129. Fische für das Angelspiel.]

[Illustration: Abb. 130. Spiel: Fliegende Hüte.]

Noch weniger bekannt ist wahrscheinlich das Spiel „+Fliegende Hüte+“

(Abb. 130), bei dem es viel mehr als beim Lotto auf besondere

Gewandtheit ankommt. Den Boden einer Pappschachtel durchlocht man in

Zwischenräumen von 1 bis 2 Zentimeter. Die Löcher sollen 3 Zentimeter

Durchmesser haben, die Schachtel wird umgedreht auf dem Tisch, der als

Spieltisch dienen soll, aufgestellt, also mit dem Boden nach oben.

Dann wird ein Sprungbrett hergestellt: Paketknebel mit einem Brettchen

aus Zigarrenkistenholz, Größe 4 mal 15 Zentimeter. Nun stellt man die

Hütchen her, aus buntem Papier, von jeder Farbe sechs Stück. Wir

bringen einen Schnitt für die Abwicklung des Kegels (Abb. 131), in

die Spitze der Hütchen wird je eine Schrotkugel mit Fischleim oder

Tischlerleim geklebt. Das Spiel besteht darin, daß man versucht,

mit dem Sprungbrett die Hütchen in die Löcher zu schleudern. Der

Packknebel wird unter das Brettchen fest aufgeleimt, er liegt parallel

der Schmalseite des Brettchens; da wir aus der Turnstunde derartige

Sprungbretter kennen, ist ein Mißverständnis wohl ausgeschlossen. Die

Hütchen sollen wie Zuckerhüte aussehen; wenn man mit dem Zeigefinger

auf die richtige Stelle des Sprungbrettchens fest drückt, dann fliegen

die Hütchen kopfüber in die Löcher; wer am meisten trifft, ist Sieger.

Das ist ein Spiel, das auch größeren Knaben und Mädchen Vergnügen

machen dürfte, besonders, wenn das Spielzeug nicht allzu einfach

aussieht. So kann man zum Beispiel nicht nur die Hütchen farbig halten,

sondern auch die Schachtel bunt bekleben. Die runden Löcher wird man,

damit sie recht sauber werden, vom Buchbinder stanzen lassen. Will

man das Hütchenspiel als Geschenk verwenden, wozu es sich besonders

gut eignet, so wird man sich gern ein wenig mehr bemühen, als wenn es

für den eigenen Hausgebrauch hergestellt werden soll. So kann man

den Schachteldeckel in derselben Art wie die Schachtel bunt bekleben;

verschließt man nun nicht die offene, sondern die gelochte Bodenseite,

so schont man die Löcher, außerdem wirkt das Spiel vollkommener. Um die

Löcher kann man mit Temperafarben kleine Ornamente pinseln, auch die

Hütchen können am Rand in dieser Weise verziert werden. Die Ziellöcher

müssen ganz besonders sorgfältig ausgeklebt werden. Den Schachteldeckel

kann man bemalen; geometrische Muster, Punkte in verschiedenen Größen

und Farben, zu Mustern zusammengesetzt, passen für dieses Spiel am

besten, ganz gleich, ob sie für den Deckel, die Schachtel oder für die

Hütchen verwendet werden sollen. Um die Schachtel widerstandsfähiger

zu machen, kann man sie mit Lackfarbe anstreichen, man wähle einen

kräftigen Ton, zum Beispiel Feuerrot, Briefkastenblau, Grasgrün oder

Orangegelb. Wer die Löcher in der Schachtel selber ausschneiden will,

zeichne sie sorgfältig auf, am besten mit Hilfe des Zirkels, schneide

sie mit der Schere aus und feile mit einer Rundfeile nach, weil sonst

Ecken und Kanten stehen bleiben würden.

[Illustration: Abb. 131. Schnitt eines Hütchens.]

42. Geduldspiele

Man kann auf billige Weise ein sehr unterhaltsames Geduldspiel selber

herstellen, das besonders den kleineren Geschwistern und deren Freunden

viel Vergnügen bereiten dürfte. Es ist das „+Geduldspiel+“, mit dem

sich eine ganze Kindergesellschaft stundenlang die Zeit vertreiben

kann. Für Regentage in den Ferien, falls es sich um schulpflichtige

Knaben und Mädchen handelt, ist es wie geschaffen; man kann dieses

Spielzeug auch mit auf die Reise nehmen, da es nicht allzuviel

Platz einnimmt und unzerbrechlich ist, ein großer Vorteil für ein

Spielzeug. Es besteht aus +Bildern+ jeder Art, die auf Holz oder Pappe

aufgeklebt werden; man leimt sie mit dünnem Tischlerleim auf, beschwert

die Plättchen oder Klötze mit dicken Büchern, damit sie sich beim

Trocknen nicht werfen, läßt sie 24 Stunden liegen und sägt sie, wenn

sie vollständig glatt und trocken geworden sind, mit der +Laubsäge+

in kleine Teile, die von den Kindern wieder zusammengesetzt werden

sollen. +Ansichtskarten+, +Reklamebilder+, +Zeitungsillustrationen+

und so weiter eignen sich sehr gut dafür; am liebsten werden sich die

Kleinen solche Stücke zusammensetzen, auf denen Kinder, Blumen, Tiere

abgebildet sind. Zu diesem Spielzeug geben wir keine Abbildung, da es

sich auch ohne diese nach unserer Beschreibung sehr leicht und schnell

anfertigen läßt.

43. Feine Buntpapierarbeiten

Da in vielen Schulen Klebearbeiten gelehrt werden und sich manches

junge Mädchen für diese hübsche, saubere Technik interessiert,

bringen wir auf unsern Bildern einige Anregungen für moderne Formen

und geschmackvolle Ausstattung solcher Kleinarbeiten. In der

Biedermeierzeit waren Buntpapierarbeiten besonders beliebt. Es gab

damals die sogenannten „Papeterien“, das waren bunte Kassetten, in

denen verschiedene Karten und Kärtchen zu mancherlei Gelegenheiten

eingeordnet waren. Diese „Papeterien“ waren nahe Verwandte unserer

heutigen Briefkassetten, auf alle Fälle waren es sehr oft Meisterwerke

der Buchbindekunst. Auch kleine Döschen und Rähmchen, Schachteln

und Schächtelchen zeigten bunten Papierschmuck, der in späteren

Jahren in einer verkommenen Art wieder auftauchte, als man begann,

Kammkästen, Schmucktruhen und so weiter aus Pappe herzustellen und dies

Machwerk mit farbigen Tapeten zu bekleben. Das war nun wirklich sehr

geschmacklos, und diese Kulturgreuel kamen sehr schnell wieder ab.

[Illustration: Abb. 132. Fusselkörbchen für die Nähmaschine.]

Jahrzehntelang hat man sich mit derartigem Kunstgewerbe nicht mehr

beschäftigt, jetzt beginnt es langsam wieder hochzukommen und größeres

Interesse zu erregen. Es gibt viele junge Mädchen, die es verstehen,

ihre kleine Bibliothek selbst einzubinden, Schreibmappen herzustellen,

Markenkästen, Briefkassetten zu arbeiten. Das sind nützliche

Beschäftigungen, die gefördert werden sollen, denn hier kommt es darauf

an, das Augenmaß zu verbessern, die peinlichste Akkuratesse zu üben und

den Geschmack zu heben. Das Handwerkliche ist dabei die Hauptsache;

wenn der Deckel auf dem Kästchen nicht paßt, ist die schönste Farbe

kein Heilmittel dagegen.

Auf unsern Bildern zeigen wir eine Anzahl von gefälligen Mustern, die

zum Nacharbeiten empfohlen werden können. Da ist ein Fusselkörbchen

(Abbildung 132) für die Nähmaschine; das Papier ist grün-lila-gelb, der

Innenraum grün tapeziert.

[Illustration: Abb. 133. Schmuckschachtel.]

Das zweite Modell (Abb. 133) ist eine Schmuckschachtel, sehr modern

in der Linie mit dem hohen zuckerhutförmigen Deckel. Dieser kleine

Behälter ist hellblau, rötlichgelb abgepaspelt, der Deckel ist grau,

das Innere rötlichgelb.

Etwas einfacher ist der schalenartige, deckellose Behälter, den unsere

umseitige Abbildung 134 zeigt. Er ist sechseckig, für Besuchskarten

und andere trockene Kleinigkeiten bestimmt, und gehört auf einen

Dielentisch oder auf einen Ankleidetisch, wo er sich zum Aufbewahren

von Nadeln und dergleichen recht gut eignet. Er ist grau, rötlichgelb

abgepaspelt und hellgrün.

[Illustration: Abb. 134. Schale für die Diele oder den Ankleidetisch.]

[Illustration: Abb. 135. Bonbonniere.]

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 11 / 15 段