Ehe die Arbeiten lackiert werden, müssen sie sehr gut trocknen, da

sonst der Lack verdirbt; man mache niemals den Versuch, lackierte

Gegenstände am offenen Feuer zu trocknen, der Lack würde abspringen

und die Malerei mitreißen. In der Sonne kann man derartige Arbeiten

unbedenklich trocknen, auch die lauwarme Herdplatte ist für diese

Zwecke ausnahmsweise zu empfehlen. Man muß die Gegenstände stets

zum Trocknen +aufstellen+, damit sich der Lack nicht stellenweise

verdickt. Beim Lackieren achte man darauf, daß der Lack strichweise,

von oben nach unten, von links nach rechts, ein Streifen in den andern

verlaufend, wie die Farbe beim Grundieren, aufgetragen wird. Nur auf

diese Weise ist eine gleichmäßige, glatte Lackfläche zu erzielen.

Sollen die Arbeiten verschickt werden, so achte man darauf, daß sie

bestimmt völlig trocken sind, da sonst die Verpackung ankleben und die

Malerei verderben würde.

21. Porzellanmalerei

Während in früheren Jahren immer wieder die alten, oft außerordentlich

geschmackvollen Muster für Porzellanmalerei verwendet wurden, hat man

sich in letzter Zeit von der Überlieferung freigemacht und mit Erfolg

versucht, neue Muster zu ersinnen, die natürlich nur dann gut wirken

können, wenn auch die Form der Porzellanerzeugnisse modern ist. Es wäre

ja geradezu widersinnig, etwa eine Schale in Rokokoform mit Mustern

von heute zu bemalen, und es wäre ebenso stilwidrig, wenn man für eine

moderne Schirmkrücke ein Empiremuster benutzen wollte.

Die Handmalerei ist ein sehr beliebtes kunstgewerbliches Gebiet, das

leider nur allzuviel von „Dilettanten“ mißbraucht wird. Es gibt deren

immer noch viel zu viel, die, ohne mit den einfachsten Kenntnissen

der Technik vertraut zu sein, sich an die schwierigsten Aufgaben

heranwagen und den gesamten Freundeskreis immer wieder mit mißlungenen

Erzeugnissen ihres Fleißes überraschen. Die Porzellanmalerei muß wie

jede andre Technik auch richtig erlernt werden.

Das kalte Weiß des harten Stoffes verlangt einen stark ausgeprägten

Farbensinn. Es ist nicht gerade leicht, die Form der Stücke mit

den Mustern und Farbtönen in ein richtiges Verhältnis zu bringen,

es ist sogar oft recht schwierig zu entscheiden, ob Füll- oder

Einzelornamente, geometrische Formen oder Blumenmuster besser zur

Anwendung gelangen. Die Arbeiten von Emmy Seyfried, die unsere Abb.

75 bis 77 zeigen, mögen in diesem Sinne als Anregung dienen. Sie

geben ein gutes Beispiel, in welcher Art moderne Porzellanerzeugnisse

bemalt werden sollen. Wer sich also mit dieser Art Malerei ernsthaft

beschäftigen und nicht nur einen müßigen Zeitvertreib daraus machen

will, wird sicherlich mit Interesse einige Ratschläge aufnehmen, die

sich in jahrelanger Übung immer wieder bewährt haben und fleißige

Anfängerinnen vor unnötigen Mißerfolgen schützen werden.

Die Gefäße, die man bemalen will, müssen zunächst mit warmem Wasser

gereinigt werden, damit die kleinsten Staubspuren verschwinden. Mit

kaltem Wasser soll das Porzellan vor dem Bemalen möglichst gar nicht

in Berührung kommen. Ebenso wichtig wie gute Farben ist gutes Dicköl,

ohne das überhaupt nicht auf Porzellan gemalt werden kann. Je nach der

Größe des Stückes werden ein bis zwei Tropfen Dicköl mit einem reinen

Leinenläppchen so lange auf der zu bemalenden Fläche verrieben, bis es

von den Poren des Porzellans aufgesogen ist, also die Fläche nicht mehr

ölig wirkt. Leinwand eignet sich dafür am besten, weil sie keine Fasern

hinterläßt. Der Gegenstand muß nun über Nacht stehen bleiben und ist

dabei vor Kälte und Staub zu schützen.

[Illustration: Abb. 75. Tassen in Porzellanmalerei von Emmy Seyfried,

München.]

Auf flache Stücke wird jetzt das Muster mit Bleistift aufgezeichnet,

Pausen befestigt man mit Wachs. Dies gilt besonders für gerundete

Formen, also für Tassen, Dosen, Tellerwände, Krüge, Obstschalen,

Deckel und dergleichen. Der Bleistift muß hart und scharf gespitzt

sein, damit die Umrißlinien dünn und fein ausfallen; breite, weiche

Striche stören sehr erheblich. Je besser das Öl eingezogen ist, desto

besser gelingt die Arbeit des Musteraufzeichnens, eine klebrige, fette

Fläche erschwert es sehr. Will man verschiedene Stücke, zum Beispiel

eine ganze Garnitur, bemalen, so ist es ratsam, alle Teile zusammen

vorzubereiten, sowohl was das Reinigen und Einölen als auch das

Aufzeichnen anlangt. Man spart dadurch Zeit und Farben.

Die Pinsel sind stets sehr sauber zu halten. Jede Anfängerin muß

darüber sich klar sein, daß sie für andre Malereien nicht mehr in Frage

kommen. Ferner gehören zum Porzellanmalen außer dem Dicköl noch Nelken-

und Terpentinöl, die man zum Verdünnen der Farben benutzt. Man rührt

diese an, indem man eine volle Messerspitze Farbe zusammen mit je einem

Tropfen Dicköl, einem Tropfen Nelkenöl und zwei Tropfen Terpentinöl

mischt. Ist die Farbe noch zu dick, so wird zu gleichen Teilen

Terpentin- und Nelkenöl beigefügt, denn Dicköl würde sie noch mehr

verdicken. Auf alle Fälle soll man aber sparsam mit den Ölen umgehen,

da zuviel Fettigkeit die Arbeit erschwert.

Man malt wie bei der Aquarelltechnik, legt also sehr leicht an, beginnt

mit den hellsten Tönen und spart weiße Stellen aus, so daß der Ton

des Porzellans stehen bleibt. Will man Schattentöne einsetzen, so muß

die bemalte Stelle zuerst über einer Spiritus- oder Petroleumlampe

abgebrannt werden. Dann läßt man sie erkalten; bleibt sie warm, so

verlaufen die Farben; diese dürfen auch niemals zu dunkel aufgesetzt

werden, da sie nach dem Brennen zu hart und wenig vornehm wirken

würden. Ränder auf runden Gegenständen, auf Tellern, Schalen, Dosen und

dergleichen, werden am besten auf der Ränderscheibe gezogen; es ist

nicht ratsam, sie freihändig zu ziehen, da sie weder glatt noch sauber

ausfallen würden. Umrißlinien zieht man mit der Feder und recht dünner

Farbe nach, feine Linien und Striche müssen sehr sorgfältig aufgesetzt

werden. Man muß überhaupt sehr aufmerksam malen, um keine Fehler zu

begehen, denn das Ausbessern ist recht mühselig; verunglückte Muster

soll man lieber fortwischen und mit dem Einölen, Trocknen, Aufzeichnen

und Malen von neuem beginnen. Anfänger sollten auch am besten zweimal

brennen; die fortgebrannten Töne werden nochmals übermalt, andernfalls

dürfte kaum der richtige Ton zu erzielen sein.

Die fertigen Arbeiten übergibt man einem einschlägigen Geschäft zum

Brennen, damit die Malereien fest und wasserdicht werden. Selbst bei

größter Eile dürfen sie aber erst dann zum Brennen gebracht werden,

wenn die Malerei vollkommen trocken geworden ist. Die Verpackung muß

sehr sorgfältig geschehen. Als erste Hülle verwendet man Seidenpapier;

als zweite empfiehlt es sich, Watte oder Pflanzendaunen zu verwenden.

Dann folgen weiche Papiere und Holzwolle. Harte Bogen, Pappe, Sägespäne

und ähnliche Verpackungen kommen nicht in Frage.

[Illustration: Abb. 76. Potpourridose. Entwurf und Ausführung von Emmy

Seyfried, München.]

Die erste fertige, das heißt gebrannte Arbeit dürfte kaum den

Erwartungen entsprechen, denn die meisten Farben werden nach dem Brand

recht verblaßt wirken. Purpurrot und Veilchenblau sind die einzigen

Töne, die dem Brand gut standhalten. Alle Anfänger machen dieselben

Fehler und erleben daher auch die gleichen Enttäuschungen. Aber bald

lernt man aus den Mißerfolgen die richtigen Lehren zu ziehen, denn wie

auf allen Gebieten der Kunst, muß man auch bei der Porzellanmalerei

das rein Handwerkliche nach und nach richtig erlernen. So werden

sich ganz von selbst allerlei Erfahrungen einstellen; man wird bald

merken, daß das Abbrennen über der Lampe das Ineinanderfließen der

Farben verhindert, daß man aus diesem Grunde alle nebeneinander zu

setzenden Töne nacheinander abbrennen muß, ehe man weiter malen kann,

und daß im Gegensatz dazu alle Töne, die ineinanderlaufen sollen, naß

nebeneinander aufzutragen sind.

[Illustration: Abb. 77. Schreibgerät von Emmy Seyfried, München.]

Als Erstlingsarbeit empfiehlt es sich, einen Teller zu bemalen, der

als Versuchsgegenstand mit verschiedenen Farben in recht vielen Tönen

und Schattierungen bedeckt wird; zugleich kann man sich dabei in

Umrißlinien, in kleinen und größeren Musterteilen üben. Solch einen

Probeteller teilt man sternförmig ein und schreibt die aufgetragenen

Farben sorgsam auf. Ist der Teller dann gebrannt, so erweist er sich

als Farbenmesser außerordentlich nützlich. Überhaupt ist es nicht nur

für Anfänger sehr ratsam, sich stets Vermerke über die Wirkungen neuer

Farben und Mischungen vor und nach dem Brennen zu machen. So wird man

am besten alle Schwierigkeiten überwinden, allerhand Erfahrungen

sammeln und Fortschritte machen. Will man bemalte Arbeiten verschenken,

so wähle man besonders dann, wenn es sich um Anfängerarbeiten handelt,

recht leichte Muster und kleine Stücke; diese müssen aber sehr

sorgfältig ausgeführt werden, denn bei schwierigen Mustern liegt die

Möglichkeit des Mißlingens sehr nahe, und verunglückte Arbeiten eignen

sich, wie ihr einsehen werdet, kaum zum Verschenken.

[Illustration: Abb. 78. Porzellananhänger mit Malerei. Aus den

Porzellan-Werkstätten Ph. Rosenthal, Selb in Bayern.]

Zu den einfachen Kleidern, Blusen und Jumpern trägt man vielfach

+Porzellananhänger+ mit +Malerei+, die, besonders wenn es sich um

+Handmalerei+ handelt, sehr flott und geschmackvoll wirken. Wir zeigen

auf unserm Bilde (Abb. 78) eine Anzahl solcher hübscher Anhänger, alle

verschieden geformt, alle verschieden bemalt. Moderne Blumenmuster,

sehr farbig gehalten; sie passen sowohl für leichte Sommer- als

auch für schwere Winterkleidung und sind durchaus kleidsam, weil

sie jugendlich und anspruchslos wirken. An einem schwarzen oder

farbigen Seidenband getragen, kommen die feinen Motive auf der

weißen Porzellanfläche am besten zur Geltung. Die reizvollen Entwürfe

stammen aus den Werkstätten von +Kurt Severin+, sie sind in der

Porzellan-Manufaktur von +Ph. Rosenthal+, Selb in Bayern, ausgeführt

worden.

22. Malerei mit Emailfarben

+Emailfarben+ sind in Blechdosen in den einschlägigen Geschäften

erhältlich, sie decken wie Ölfarben, werden wie diese mit Terpentinöl

verdünnt und mit einem Borstenpinsel auf den Grund aufgetragen. Am

besten wirken einfache geometrische Muster in dieser Technik. Wir

zeigen auf unserm Bilde ein +Tablett+ (Abb. 79) aus Metall, das

durch langen Gebrauch sehr unansehnlich geworden, mit Emailfarben

aufgefrischt und wieder gebrauchsfähig wurde. Für solche Zwecke sind

diese Farben ganz besonders zu empfehlen; sie sind haltbar, vertragen

Wasser und passen für Gebrauchsgegenstände, die gereinigt werden

müssen. +Tablett+, +Untersetzer+, +Blumenkübel+, +Blumenkästen+ kann

man mit dieser Malerei verzieren, auch +Glasgegenstände+, zum Beispiel

+Teller+, +Gläser+, +Flaschen+, am besten mit Punktmustern, wie wir

sie auf unserm Muster zeigen. Die Innenfläche des +Tabletts+ ist

briefkastenblau angestrichen, der Rand weiß. In der Mitte steht ein

großer schwarzer Punkt, um diesen gruppieren sich neun orangefarbene

Punkte. Dann folgt ein Kreis von kleinen Punkten in Grasgrün, der

nächste Kreis ist schwefelgelb, der letzte kirschrot gehalten.

Innenwand und Innenfläche sind durch zwei Punktreihen in Mohnrot und

Orangegelb miteinander verbunden, der äußere Rand des Tabletts zeigt

ein Ornament in Kirschrot, das aus Punkten und kleinen geraden Strichen

besteht.

In dieser einfachen Art kann man +Gläser+, +Flaschen+ und +Glasteller+

verzieren. Es genügt, am oberen Rand ein paar Reihen bunter Punkte

in verschiedenen Größen anzubringen, wie wir es auf dem +Tablett+

sehen; in den einschlägigen Geschäften sind +Glasschalen+ in

verschiedenen Größen erhältlich, die mit Strickdeckchen bezogen

wurden, als dies modern war. Solch glatte +Glasschälchen+ sind

für die +Emailmalerei+ sehr geeignet, man verwendet sie als

+Konfektteller+, sie eignen sich indessen auch für den Toilettentisch

als +Nadelbehälter+. Auch +Glasflaschen+ kann man mit Emailfarben

bemalen, es gibt +Likörflaschen+, die sehr hübsch geformt sind,

auch +Toilettewasserflaschen+ haben häufig geschmackvolle Formen;

solche Flaschen sind zum Bemalen zu empfehlen, es kommt aber nicht

darauf an, daß sie gar zu bunt gehalten werden, es ist besser, mit

Mustern und Farben zu sparen; das gilt auch vom Bemalen der kleinen

+Parfümflaschen+, die oft so gut geformt und leicht geschliffen sind,

daß es sich lohnt, sie zu bemalen und neu zu füllen.

[Illustration: Abb. 79. Tablett in Emailfarben.]

Zum +Aufzeichnen+ der Muster auf Glas kann man Wachs-Signierkreide

Nummer 770 und 772 verwenden; andernfalls genügen Tusche oder Tinten,

die von der Emailfarbe bedeckt, schließlich nicht mehr zu sehen sind.

+Glasteller+ und +Schalen+ werden auf der linken Seite bemalt, dafür

wäre unser Muster auf dem Tablett ebenfalls geeignet. Es kommen

ausschließlich Strich- und Punktmuster für Malerei mit Emailfarben

in Betracht, die man nicht nur für Glas und Metall, sondern in der

beschriebenen Weise auch für Holz und Porzellan verwenden kann.

23. Osterkarten mit Malerei

Ostern wird gern im Familienkreise gefeiert, und ein paar farbige

+Tischkarten+ mit österlichen Motiven in der Art unserer Vorlagen

tragen viel dazu bei, die Festfreude zu erhöhen, die vom Schmuck

der Tafel stark beeinflußt wird. Für Kartengrüße eignen sich unsre

Vorlagen (Abb. 80 und 82 sind auf die Hälfte verkleinert, Abb. 81 ist

Originalgröße) ebenfalls, sie können auch von weniger geübten Händen

ohne viel Mühe hergestellt werden.

[Illustration: Abb. 80. Eiförmige Oster-Tischkarte.]

Als +Grundmaterial+ verwendet man weißes, nicht zu starkes

Kartonpapier; man malt am besten mit Aquarellfarben oder

Ausziehtuschen; Ausziehtuschen lassen sich wie andre Farben mischen,

indessen malt man in diesem Fall am besten mit klaren, unvermischten

Tönen. Die Muster werden mit Schreibmaschinen- oder Pauspapier

und einem scharf gespitzten, sehr harten Bleistift auf den Grund

übertragen; man malt mit einem spitzen Marderhaarpinsel und zieht die

Konturen mit einer Zeichenfeder nach. Eine neue Börsenfeder genügt

ebenfalls. Wer sehr geübt ist, kann mit einem Konturenpinsel die

Umrisse zeichnen.

[Illustration: Abb. 81 Osterkarte: Hühnchen.]

[Illustration: Abb. 82. Osterkarte: Krähender Hahn im Kranz aus Blumen

und Eiern.]

Die +eiförmige Karte+ (Abb. 80) ist mit einer +Girlande+ in

Biedermeierart verziert. Da sind allerlei altmodische Blumen, Veilchen,

Studentenblumen, Tulpen und andre sehr farbige Blüten, die recht

bunt zueinander abgestimmt werden. Briefkastenblau, Feuerrot, Rosa,

Karminrot, Lila, Schwefelgelb, Orangegelb sind die Hauptfarben; die

Blütenböden werden in abstechenden Farben gehalten. Die Blätter

und Stiele sind gift- und grasgrün, ebenso die Blütenkelche; die

Blattrippen zeichnet man schwarz wie die Konturen.

Die +Hühnchenkarte+ (Abb. 81) zeigt ein Küken in einem Kranz, der

aus bunten Ostereiern und Blumen besteht. Das Hühnchen ist hellgelb,

mit feuerrotem Schnabel und Kamm, die Augen und Füße sind braun,

die Krallen grün. Der Kranz ist sehr bunt, rot, blau, grün, gelb in

verschiedenen Tönen.

Der +Hahn+, der den Ostergruß kräht (Abb. 82), steht ebenfalls in einem

+Kranz+ aus bunten Eiern, Blumen und Blättern; der Hahn ist tiefschwarz

mit hellbraunen Füßen, die Schuppen sind mit schwarzen Strichen

angegeben. Der Schnabel ist gelb, ebenso die Augen mit schwarzem

Mittelpunkt, Kamm und Bartlappen sind feuerrot.

Die +Ostereikarte+ und die +Hahnkarte+ passen am besten für die

Speisenfolge, die +Kükenkarte+ eignet sich mehr zur Tischkarte, alle

drei Muster können als Osterkarten verwendet werden.

III. Kapitel

Handfertigkeiten

24. Linoleumschnitt

Der +Linoleumschnitt+, auch +Linolschnitt+ genannt, entspricht dem

+Holzschnitt+; nur ist das Material viel leichter zu bearbeiten.

Dieses Material besteht aus möglichst dickem +Linoleum+, es können

auch Abfälle von Teppichen verwendet werden. Das notwendigste

Werkzeug ist ein +Messer+ (Abb. 83), mit dem man sowohl Linien

als auch Flächen herausarbeiten kann. Die Technik ist für geübte

Hände sehr einfach, ungeübte Anfänger dürften sie in kurzer Zeit

erlernen. Sie hat vielerlei Verwendungsmöglichkeiten; vom +Exlibris+

bis zur +Glückwunschkarte+, vom bescheidenen Bildchen bis zum

Schmuck von +Gästebüchern+ und +Sammelmappen+ gibt es mancherlei

Ausdrucksmöglichkeiten, und schließlich ist es doch recht unterhaltsam,

wenn man bei einigem Zeichentalent Erinnerungen aus der Sommerfrische,

von Reisen und Ausflügen in dieser Technik herstellen kann; es genügen

Skizzen und Photos, nach denen man später zu Hause recht gut arbeiten

kann:

Man streicht mit weißer Deckfarbe (Temperafarbe) die Linolfläche an

und überträgt darauf die Zeichnung. Dann schneidet man mit dem Messer

die Flächen aus, die weiß wirken sollen, und läßt alle Flächen stehen,

die dunkel bleiben sollen. Die Platte legt man vor dem Drucken in

Wasser und läßt sie zwei bis drei Stunden darin liegen. Inzwischen

löst sich durch dieses Verfahren die weiße Temperafarbe ab; nun läßt

man die Platte gut trocknen und streicht sie, wenn dies geschehen ist,

mit breitem Pinsel (Abb. 83) mit Japanaqua gleichmäßig an. Das lange

Imwasserliegen der Platte ist nur nötig, wenn mit Japanaqua gedruckt

wird; sonst braucht sie nicht so lange zu wässern. Es empfiehlt sich,

die dünnen Platten auf Holz aufzuziehen, damit man sie beim Arbeiten

besser anfassen und handhaben kann. Zum Abdruck eignet sich am besten

+Bütten-+ oder +Japanpapier+, jedes saugfähige, dünne Papier; im

Notfall kann sogar +Seidenpapier+ dazu verwendet werden. Dagegen kommen

Pergament- und Butterbrotpapiere nicht in Betracht. Alle Papiere, die

für diese Technik verwendet werden sollen, müssen zunächst gleichmäßig

angefeuchtet und zwischen Löschblätter gelegt werden. Das Papier wird

vorsichtig auf die gestrichene Platte gelegt, mit festerem Papier

überdeckt und dann mit einem +Reiber+ (Abb. 83) so lange gerieben, bis

die Feuchtigkeit des Papiers die Farbe von der Platte löst. Statt des

Reibers kann ein +Falzbein+ verwendet werden. Den Reiber stellt man

selber her, er besteht aus einer runden Pappscheibe, die mit rauhem

Steifleinen bezogen wird. Über das Steifleinen spannt man möglichst

straff ein Stück Schweinsleder und befestigt diese Hülle entsprechend.

[Illustration: Abb. 83. Werkzeug für den Linoleumschnitt.]

[Illustration: Abb. 84. Linoleumschnitt.]

Wir zeigen auf unserm nebenstehenden Bilde eine Arbeit in

+Linoleumschnitt+, ein stimmungsvolles Städtebild (Abb. 84). Man sieht

hier eine einfache Zeichnung und kann aus unsrer Vorlage erkennen, wie

viel sich bei einiger Übung auf diesem Gebiet erreichen läßt. Wer

eine besondere Vorliebe für das Ornament hat, kann in +Linoleumschnitt+

mancherlei sehr reizvolle +Bucheinbände+, +Vorsatzpapiere+ und

+Einbände+ für +Notizbücher+ und +Blocks+ herstellen; +Linoleumdruck+

paßt auch zur Verzierung von +Rückwänden+ für +Kalender+ und für

+Stundenpläne+. Wenn man darüber nachdenkt, wird man immer wieder neue

Verwendungsmöglichkeiten für diese wirkungsvolle, interessante Technik

finden.

25. Ausschneidetechnik

Bei der +Ausschneidetechnik+ werden die Formen mit der Schere möglichst

genau ausgeschnitten und aufgeklebt. Es gibt Muster, die sehr einfach

sind, man klebt sie mit einem beliebigen Klebemittel ziemlich mühelos

auf. Amüsanter sind die Arbeiten, bei denen mehrere Farben verwendet

werden; dies ist zwar schwieriger, hat aber eine bedeutend stärkere,

malerische Wirkung: Man schneidet das +Buntpapier+ nach den Formen,

die größte Fläche wird als Grund gewählt, die übrigen Töne werden

aufgesetzt, die kleinsten Flächen kommen ganz zuletzt an die Reihe. Im

übrigen muß man darauf achten, daß alles, was im Hintergrund liegt,

zuerst, und alles, was im Vordergrund liegt, zum Schluß aufgeklebt wird.

Als Arbeitsmaterial verwendet man +Buntpapier+, das in verschiedenen

Farben in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, +Kartonpapier+,

ebenfalls farbig, als Hintergrund für die Muster und irgend ein gutes

+Klebemittel+.

Man klebt ohne Aufzeichnung das Muster auf den Hintergrund und bedeckt

ihn nach und nach mit den Ornamenten, die man, genau wie bei der

Reißtechnik, besonders für den Anfang, dem Pflanzen- und Tierreich

entnimmt. Auch Landschaften und Stilleben eignen sich für diese

Technik, wenn schon einige Übung vorhanden ist. Am hübschesten wirken

einfache Blumenstücke, Einzelblüten, Ranken, in mehreren Farben,

möglichst vereinfacht in der Form.

Die +Verwendungsmöglichkeit+ der +Ausschneidetechnik+ ist sehr

verschieden, man kann allerlei damit anfangen. Als +Wandschmuck+ unter

Glas, einfach mit Kaliko gerahmt, sind sie, wenn sie nicht in Mengen

auftreten, eine sehr reizvolle Zierde für das Jungmädchen-, Fremden-

und Kinderzimmer, für Gartenhäuschen und Diele, besonders, wenn es

sich um fortgeschrittene Arbeiten handelt. Sehr hübsch wirken sie

als Verzierung von +Gratulationskarten+; man kann +Widmungsblätter+

für +Gästebücher+, +Lichtschirme+, +Notizbücher+, +Bucheinbände+,

+Telegramm-+ und +Sammelmappen+ damit schmücken, sie passen für

+Erinnerungsbücher+, als +Einlagen+ für +Tablett+ und +Untersetzer+,

wo sie unter Glas gerahmt werden. Wer es versteht, kleine Untersetzer

mit Goldband zu umranden, kann die +Ausschneidetechnik+ für die runden

oder ovalen Einlagen verwenden, auch auf +Kassetten+ für +Briefpapier+,

+Taschentuchbehältern+ und +Handschuhkästen+ kann man farbige

Ausschneidebilder anbringen.

[Illustration: Abb. 85. Blumen in Ausschneidetechnik.]

Wer diese Technik gut beherrscht, wird immer wieder Möglichkeiten

finden, sie geschmackvoll anzuwenden, man muß es indessen vermeiden,

allzuviel davon gleichzeitig aufzuhängen oder aufzustellen, weil sonst

die Wirkung des einzelnen in Frage gestellt wird.

Wir zeigen auf unsern Bildern drei Originale, die ganz besonders hübsch

sind und sich für diese Technik außerordentlich gut eignen. Hier

zeigen sich die Feinheiten der +Ausschneidearbeit+ sehr genau, es sind

vorzügliche Muster für Anfänger und Vorgeschrittene.

Das erste Muster (Abb. 85) ist am einfachsten: eine flächig angelegte

Blüte. Die schönen Farben sind im Druck leider nicht zu sehen, bei

einiger Vorstellungsgabe wird es aber auch Anfängern möglich sein, sich

die Farbenwirkung des Musters zu denken. Auf ockerfarbenem Grund --

Kartonpapier -- stehen die großen Blüten in Bischofslila, die Blume,

die sich uns voll zuwendet, hat einen Mittelpunkt in der Farbe des

Hintergrundes, die andre Blüte liegt in einem zinnobergrünen Kelch,

der mit dem Stengel verbunden ist, und der auch mit den gefiederten

Blättchen und dem Stiel der großen Hauptblüte zusammenhängt. Das

bedeutet, daß die beiden Stengel, das Blatt und der Kelch, ohne

abzusetzen, zusammen ausgeschnitten worden sind. Die Knospe steht

seitwärts, auch hier sind Stiel, Blatt und Kelch aus einem Stück

geschnitten, die Knospe ist hellila, sehr matt, das im Schatten

liegende Blütenblatt ist bischofslila, die Staubgefäße, die ein wenig

durchblicken, sind ockergelb wie der Hintergrund, stechen daher wenig

vom Grundton ab.

Die Arbeit ist folgendermaßen eingeteilt: zuerst wird alles, was

bischofslila gehalten ist, aufgeklebt, dann folgt alles, was grün ist,

darauf das Zartlila und schließlich das Ockerfarbene.

Die Umrisse der einzelnen Blüten und der Knospe sind nicht glatt,

sondern sehr bewegt, was nicht mit schief und krumm zu verwechseln

ist, nur die Stengel müssen gerade Linien zeigen und recht gleichmäßig

geschnitten werden. Man muß darauf achten, daß die Stengel stets unter

den Blumen liegen.

[Illustration: Abb. 86. Rose in Ausschneidetechnik.]

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 6 / 15 段