Auf alle Fälle soll man jede Farbenart vor der Verarbeitung auf dem

Stoff, für den die Malerei bestimmt ist, sorgfältig ausprobieren. Es

ist dabei zu beobachten, daß manche Farben vom „Liegen“ einen helleren

oder dunkleren Ton annehmen. Das Muster muß sehr aufmerksam gewählt

werden. Geometrische Figuren verlangen eine sichere Hand und viel

Übung. Wenn auch die Mode gegenwärtig eine gewisse Unregelmäßigkeit der

Formen bevorzugt, so darf sie doch nicht übertrieben werden, außerdem

sieht der Kenner sofort, wo die gewollte oder vielmehr vorgeschriebene

unregelmäßige Linie aufhört und die aus Ungeschicklichkeit entstandene

falsche Linie anfängt.

Am besten gelingen Stoffmalereien auf lichtem Grund, da hier jede

Farbe unverändert bleibt. Das Mischen der Farben muß geübt werden,

man kann durch geschicktes Mischen sehr gute Wirkungen hervorbringen.

Die gemalte Silhouette auf Seide, Karton oder Papier ist gegenwärtig

sehr beliebt, nicht nur in Tiefschwarz, sondern auch in verschiedenen

Farben. Sie eignet sich besonders gut zum Schmuck von +Tischkarten+,

+Exlibris+, +Glückwunschkarten+ und gelingt am besten, wenn man sie in

Ausziehtusche ausführt.

[Illustration: Abb. 64. Bemalte Stoffe. Entwurf und Ausführung von

Annemarie Irmler, Berlin.]

Wenn man durchsichtigen Stoff oder dünnes Papier (Pergament) bemalen

will, legt man das Muster darunter, spannt die zu bemalende Fläche ganz

glatt darüber, befestigt sie mit Reißnägeln und führt die Arbeit recht

sorgfältig aus. Ein Reißbrett ist die beste Unterlage, für die Umrisse

verwende man die dünnen, spitzen Konturenpinsel, das Arbeitsmaterial

muß sachgemäß zusammengestellt werden.

Im allgemeinen soll man die +Stoffmalerei+ recht sparsam anwenden, es

dürfen bestimmt nicht verschiedene Stücke in dieser Technik in +einem+

Zimmer zu sehen sein, das würde langweilig wirken; dasselbe gilt von

stoffgemaltem Modebeiwerk. Wer einen +Fächer+ oder einen +Sonnenschirm+

in dieser Technik trägt, braucht durchaus nicht einen „dazu passenden“

+Schal+ zu benutzen; die Wirkung würde verloren gehen.

Wir zeigen auf unserem ersten Bilde (Abb. 63) eine Anzahl handbemalter

Bänder, entworfen und ausgeführt von +Annemarie Irmler+; sie eignen

sich besonders gut für +Hüte+, je nach Größe und Breite der Muster kann

man sie auch für +Schärpen+ und +Blusenbändchen+ verwenden. Das zweite

Bild (Abb. 64) stellt originelle bemalte Stoffe derselben Künstlerin

dar, sie sind unter anderem für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+,

+Lampenschirme+ gedacht.

19. Malerei auf Ton

Auf kunstgewerblichem Gebiet hat sich neuerdings eine besondere

Vorliebe für Bauernkunst geltend gemacht. Die Bevorzugung

einfacher Formen, satter, ungebrochener Farben erstreckt sich

auch auf die verschiedenen Zweige der Keramik. So finden wir in

vielen Häuslichkeiten, die bisher ausschließlich Sammelplätze für

chinesische Vasen, japanische Schalen, irgendwo ausgegrabene Urnen

oder altvenezianische Gläser waren, heimische Bauerntöpfereien in

den verschiedensten Formen und Farben, die mit Stolz als „alt“ und

„echt“ vorgezeigt werden. Diese bunten, irdenen Gefäße, die früher

im besten Falle in der ländlichen Küche eine mehr als bescheidene

Aschenbrödelrolle spielten, sind urplötzlich „salonfähig“ geworden;

einfache Krüge und Teller, die in der Abgeschiedenheit irgend eines

Bauernhauses ein still verborgenes, häufig schlechtgekittetes Dasein

führten, finden sich im Zimmer einer vornehmen Stadtwohnung wieder.

Unsere farbenfreudigen lieben Leserinnen wollen nun sicherlich wissen,

wie man die +Tonteller+, +Töpfe+ und +Schalen+ selber bemalt, die

sich so sehr gut zum Schmuck ihres Stübchens eignen. Ich habe einige

dieser +Teller+, +Töpfe+ und +Schalen+, auch ein paar Krüge selber

zur Probe nach meinen Entwürfen bemalt, weil ich die Technik ganz

genau kennenlernen wollte, und erzähle nun, wie es gemacht wird.

Vorher möchte ich euch aber warnen, diese Gegenstände der Feuchtigkeit

auszusetzen, denn Ton zieht Wasser, und als Blumenbehälter dürft

ihr sie ganz bestimmt nicht verwenden. Am besten wirken sie als

+Wanddekoration+, auch als Behälter für Nadeln und andre Kleinigkeiten

eignen sie sich recht gut; wenn ihr ein Bordbrett habt, dann sieht es

recht lustig aus, wenn ihr eine Reihe bunter Teller eng nebeneinander

aufbaut. Die großen +Teller+ kann man für Obst verwenden, für Äpfel,

Birnen, Apfelsinen; für feuchtes Obst oder Beeren ist solche Schale

kein passender Aufenthalt, all dies klebt leicht an, und die Tonsachen

können nicht abgewaschen werden, wenn sie mit Temperafarben bemalt

und mit Temperalack überzogen sind. Man könnte sie ja schließlich

auch mit Email- oder Ölfarben wasserfest bemalen, aber die kleinen

Ornamente würden in diesen Techniken nicht so hübsch wirken, Tempera

scheint dafür geeigneter zu sein. Die +Blumentöpfe+ sollen die nicht

sehr geschmackvollen Papierhüllen ersetzen, sie müssen immer ein

wenig größer als die bepflanzten Töpfe sein, damit ein genügender

Zwischenraum für die Luftzufuhr vorhanden ist. Direkt bepflanzt dürfen

die bemalten Töpfe niemals werden, denn der Lack schließt die Luft ab,

und die Pflanze würde ersticken. Auch als Behälter für Bindfaden, Garn

und ähnliches Material kann man diese bemalten +Töpfe+ benutzen; am

besten ist es, wenn sie ziemlich hoch aufgestellt werden, damit man die

bemalten Wände sieht und nicht den Innenraum.

Als Grundmaterial kommen zunächst die bekannten Tonformen in Betracht,

die vor dem Bemalen gründlich mit heißem Sodawasser und einer

Wurzelbürste gereinigt werden müssen; sie dürfen erst dann mit den

Farben in Berührung gelangen, wenn sie vollständig wieder trocken

sind, da im andern Fall auf einen günstigen Erfolg nicht gerechnet

werden kann. Zum Malen benutzt man Aquarelldeckfarben, wie Guasch- oder

Temperafarben; Ölfarben lassen sich in diesem Fall nicht gut anwenden,

da die Motive dafür zu klein sind und leicht klecksig wirken könnten.

Über die Ausführung ist nicht viel zu sagen. Man streicht zunächst

den Grundton auf; erst wenn dieser völlig aufgetrocknet ist, beginnt

man mit dem Aufzeichnen der Ornamente. Kreise werden am besten mit

dem Zirkel übertragen, die übrigen Formen zeichnet man mit Holzkohle

auf, die, wenn die Arbeit fertig ist, wieder ohne jede Schwierigkeit

fortgewischt werden kann. Man spitzt sie recht scharf, um feine

Linien zu erzielen. Die Ornamente werden am besten mit einem kleinen

Borstenpinsel gemalt, nicht zu naß, eher trocken. Dabei achte man

vor allen Dingen darauf, daß die Farben, eine nach der anderen, gut

auftrocknen, da sie sonst leicht ineinanderlaufen; der Ton speichert

nämlich die Feuchtigkeit ziemlich lange auf. Wer nicht daran gewöhnt

ist, mit dem Borstenpinsel zu arbeiten, muß Marderhaarpinsel benutzen,

diese werden aber durch den rauhen Ton ziemlich stark angegriffen.

Stumpfe Pinsel verwendet man zum Grundieren, spitze zum Konturieren.

Die gutgetrockneten, fertigen Arbeiten werden mit Spiritus-,

Braselmann- oder Temperalack schnell und sorgfältig überstrichen. Man

gebraucht dazu einen weichen, kurzen Pinsel, der unter der Einwirkung

des Lackes sehr schnell hart wird. Mit Brennspiritus gewaschen, erhält

er jedoch seine frühere Geschmeidigkeit bald wieder.

[Illustration: Abb. 65. Blumentopf mit Bauernkeramik.]

Wir wollen nun in aller Kürze die Farbenzusammenstellungen der

einzelnen Abbildungen angeben, da die gute gegenseitige Abstimmung die

erste Bedingung zur Erzielung einer geschmackvollen Wirkung ist.

Der erste Topf (Abb. 65) ist tiefkobaltblau angestrichen; die Ovale

sowie der ziemlich breite Rand werden grasgrün gemalt. In den Ovalen

steht eine weiße Blume mit grüner Mitte, schwarzem Stengel und

schwarzen Blättern; sämtliche Punkte werden in Schwefelgelb ausgeführt.

Auf dem nächsten Bild (Abb. 66) sehen wir zwei größere Teller, mit

Ornamenten und Blüten verziert. Der linke ist orangegelb grundiert.

Den äußersten breiten Rand malt man kobaltblau. Das Ornament darin hält

man orangegelb und weiß. Das Mittelstück ist kobaltblau grundiert;

sämtliche Punktmuster werden grasgrün gemalt.

[Illustration: Abb. 66. Teller mit Bauernkeramik.]

Der rechte Teller wird umbrabraun gestrichen. Die Blumen sind

abwechselnd lachsrosa und schwefelgelb, mit orangegelben und grasgrünen

Tupfen. Die Blätter werden grasgrün gemalt. Der äußerste Rand des

Tellers ist tiefkobaltblau grundiert; sämtliche Punktornamente hält man

kobaltblau.

Die folgende Abbildung (Abb. 67) zeigt drei kleine Tonteller, die mit

stilisierten Blüten, sowie mit einfachen Ornamenten verziert sind.

Auf dem ersten Teller sehen wir ein blütengeschmücktes Mittelstück

als hauptsächlichste Verzierung. Der Hintergrund wird schwefelgelb

angestrichen, das Mittelstück tiefschwarz. Das Punktmuster am Rande

wird teils kobaltblau, teils grasgrün gehalten. Die Blumen malt man

lachsrosa mit orangegelber Mitte und umbrabraunen Punktornamenten.

Die Stengel und Blätter sind grasgrün gehalten. Das tiefschwarze

Mittelstück ist von einem Bandornament in Grasgrün und Dunkelkobaltblau

umgeben.

Der zweite Teller ist tiefschwarz grundiert. Die Blüten werden

hellkarminrot mit einem Zusatz von ein wenig Weiß gemalt. Sie haben

einen orangegelben Blütenboden und sind orangegelb getupft. Die Stengel

bestehen aus grasgrünen Punkten, wie auch die Blumen durch einzelne

grasgrüne Punkte voneinander getrennt sind. Auf dem Mittelstück des

Tellers steht ein Kreis aus schwefelgelben Punkten.

Den dritten Teller streicht man kobaltblau an, der breite Rand wird

tiefbraun grundiert. Das Mittelstück wird begrenzt durch ein kleines

Punktornament, abwechselnd in Karminlack, hell- und dunkelgrün. Den

zweiten äußeren Rand bildet ein Punktmuster in Tiefschwarz. Das nächste

Punktornament wird abwechselnd weiß und orange gemalt. Am äußersten

Rand steht ein Tupfenmuster in Grasgrün und Weiß.

Der nächste Topf (Abb. 68) ist schneeweiß grundiert. Die Trauben werden

rotbraun gemalt, die großen, sehr stilisierten Blätter tiefgrün, die

Strich- und Punktornamente kobaltblau.

[Illustration: Abb. 67. Teller mit Bauernkeramik.]

Auf dem letzten, tiefkobaltblau grundierten Blumentopf (Abb. 69) stehen

rotbraune Blumen mit grasgrüner Mitte und grasgrüne Blätterornamente

mit ebensolchen punktierten Stengeln. Das Ornament auf dem oberen Rand

wird in Schwefelgelb ausgeführt.

Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß die natürlichen Farben

der einzelnen Teller bei der photographischen Aufnahme vielfach ganz

anders gekommen sind, als sie auf unser Auge wirken. Blau erscheint in

der Reproduktion fast hell, während manches leuchtende Gelb tiefdunkel

wird. Auf diese Weise ist es erklärlich, daß unsre Farbenangabe von dem

Aussehen der Bilder mehrfach abzuweichen scheint. Den Besitzerinnen

eines photographischen Apparates sind solche Farbenumkehrungen längst

wohlbekannt.

[Illustration: Abb. 68 u. 69. Blumentöpfe.]

Wir fügen ein Gruppenbild (Abb. 70) hinzu, auf dem sowohl Tonkrüge

und Teller als auch Holzspankörbchen und ein Schlüsselbrett zu sehen

sind. Der erste Krug ist gelb grundiert, die Ornamente sind feuerrot,

schwarz und giftgrün gehalten, der andere Krug ist kobaltblau mit

schwarzen Schlangenlinien, orangegelben, weißen und karminroten Tupfen.

Der große Teller ist feuerrot mit Schwarz, Schwefelgelb, Kobaltblau

hell und Orangegelb. Der erste der kleineren Teller ist in zwei

Farben grundiert, in Grasgrün und Kobaltblau. Die Zierlinien sind

orangegelb, die Tupfen und Kreise schwefelgelb, karmin- und feuerrot.

Der nächste Teller hat schwarze, orangegelbe, schwefelgelbe, karminrote

Muster auf giftgrünem Grund. Der vierte Teller ist kornblumenblau

angestrichen, die Ornamente werden ziegelrot, giftgrün, weiß und

schwefelgelb gemalt. Der letzte Teller in der Reihe ist pfauenblau

gehalten, die Ornamente sind karminrosa, weiß, orangegelb und giftgrün.

-- Das längliche Spankörbchen ist rehbraun grundiert, die Muster

sind schwarz, karminrot und schwefelgelb gemalt. Zum Schluß wird eine

flotte rot- oder grasgrünseidene Schleife am Bügel befestigt. Das runde

Körbchen ist giftgrün mit schwarzen und kobaltblauen Ornamenten. Das

Schlüsselbrett ist mit lila Holz-Spiritusbeize angestrichen, darauf

stehen die stilisierten Blüten und Kränzchen, die Schlangenlinien,

Blätter und Tupfen in Zinnoberrot, Karminrot, Weiß, Grasgrün,

Schwefelgelb, Kobaltblau hell und dunkel und Orangegelb. Zum Schluß

wird ein seidenes, farbiges Band zum Aufhängen mit einem Ziernagel an

beiden Seiten befestigt und ein paar Messinghaken für die Schlüssel

eingeschlagen.

[Illustration: Abb. 70. Bemalte Tonkrüge, Teller, Holzspankörbchen und

Schlüsselbrett. Entwurf von Else Levin.]

20. Holzmalerei

Was ich euch auf diesen Bildern zeige, das ist +Holzmalerei+, eine

Technik, die ihr gewiß alle kennt. Auf dem Lande, in waldreichen

Gegenden, zum Beispiel in Schlesien, in Thüringen, meist im Gebirge,

gehört diese Holzarbeit zu den Heimarbeiten, von denen ganze Familien

im Winter, wenn es keine andre Beschäftigung gibt, leben. Selbst

ganz alte Leute und kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen,

müssen dabei helfen, und es kommt, da der Absatz im Vergleich zu dem

Angebot sehr klein ist, eine schlecht bezahlte Industrie zustande,

deren Erzeugnisse meist auf Märkten, in Basaren, in Warenhäusern, in

den Verkaufsständen der Badeorte verkauft werden. Die Muster vererben

sich in den einzelnen Ortschaften seit undenklichen Zeiten von den

ältesten Leuten auf die Kinder und Kindeskinder, in manchen Familien

werden bestimmte Farben immer wiederholt; das ist erklärlich, da es

sich meist um Massenartikel handelt, die in größeren Mengen möglichst

schnell an den Aufkäufer geliefert werden müssen. So kommt es

schließlich dahin, daß die +Spanschachteln+ und +Körbe+ -- dies sind

die hauptsächlichsten Erzeugnisse -- nach einer gewissen Schablone

behandelt werden. So werdet ihr bestimmte Muster, Rosen, Tulpen, Vögel,

Herzen und so weiter immer wieder antreffen, vielleicht ein wenig

verändert in Größe und Farbe, aber im Grunde sehr gleich, der Tradition

der einzelnen Bauernkünstler entsprechend. Es gibt, wie überall, auch

hierbei Ausnahmen, aber im allgemeinen ist es so, daß die älteren

Familienmitglieder die Hauptmotive malen, die Jungen und Mädel den Rand

und die einzelnen Kleinigkeiten, Striche und Punkte pinseln und die

fertigen Arbeiten firnissen. Zu den verschiedenen Hilfeleistungen, die

dabei notwendig sind, werden dann die Kleinsten hinzugezogen.

[Illustration: Abb. 71. Eierbecher aus Holz und bemalte Hühnereier.]

In den letzten Jahren hat das Interesse für die praktischen

Holzarbeiten mit ihrer lustigen Bemalung bedeutend zugenommen, man kann

es wohl der gesamten Richtung zuschreiben, die von den Siedlungen, den

Einfamilienhäusern mit dem ländlichen Zuschnitt ausgeht. Die einfachen

Möbel erfordern einen angemessenen Raumschmuck, die farbig gehaltenen

Truhen, die Korbarbeiten und Spansachen eignen sich ganz besonders

dafür. In jedem Haushalt gibt es schließlich einen Platz für die

einzelnen Kleinigkeiten, besonders da sie durchaus praktisch verwendbar

sind. Aus diesem Grunde zeige ich euch einige Modelle (Abb. 71 bis 74),

die ich aus der Erinnerung an früher gesehene Holzmalereien selber

entworfen und ausgeführt habe; sie sind ein wenig „städtisch frisiert“

und durchweg sehr einfach in der Technik. Besonders nützlich erweisen

sich die +Schachteln+ und +Körbe+ in den verschiedenen Größen als

Behälter für Obst, das für Geschenkzwecke hübsch untergebracht werden

soll. Auch selbstgebackene kleine Kuchen, zum Beispiel Zuckerplätzchen,

Pfeffer- und Mürbekuchen, Marzipan und Konfekt sehen, wenn es sich um

geringere Mengen handelt, sehr appetitlich aus, wenn sie zu festlichen

Gelegenheiten in selbstbemalten Spankörben oder -schachteln (Abb.

74) versandt werden. Später, wenn von dem süßen Inhalt nichts mehr

vorhanden ist, treten sie ihren Dienst im Haushalt an. Als +Löffel-+

oder +Schlüsselkörbchen+, als +Knopfschachteln+, als Behälter für

+Näh-+ und +Stopfsachen+ sind sie sehr handlich, das hölzerne +Osterei+

wird ein nützliches +Stopfei+, und schließlich finden sich in jeder

Häuslichkeit Kleinigkeiten, die eine feste Unterkunft brauchen können.

Indessen paßt die lustige Holzmalerei auch für andre Gegenstände,

zum Beispiel für +Kalenderrückwände+, für +Schlüsselbretter+, die

ohne viel Mühe und Kosten aus Zigarrenkistenholz selber hergestellt

werden können. So kann man auch praktische +Bindfadenbehälter+ aus

Holzschachteln anfertigen, und schließlich kommt man selber auf alle

möglichen neuen Gedanken, umso eher, als die Technik sehr anregend ist

und sich sehr schnell erlernen läßt.

In dieses Kapitel gehören auch die einfachen +Schablonen+, die man

selber schneiden kann, um größere Gegenstände, zum Beispiel +Truhen+

und +Kästen+ zu verzieren. Wir kennen sie alle, denn die zünftigen

Maler benutzen sie im allgemeinen zum Ausschmücken der Küchenmöbel,

eine Arbeit, die ihr sicher schon oft beobachtet habt. Was die

+Holzmalerei+ anbelangt, so ist es am besten, mit einfachen Mustern zu

beginnen und nach und nach schwerere Motive zu verwenden, dies gilt

auch für die +Schablonen+.

[Illustration: Abb. 72. Spandose mit Temperamalerei.]

[Illustration: Abb. 73. Untersetzer aus Holz.]

Außer dem Grundmaterial sind zunächst gute Farben nötig. Man verwendet

+Tempera-+ oder +Guaschfarben+, am besten in Tubenform, die sowohl in

großen als auch in kleinen Versuchstuben in den Kunstgewerbehandlungen

und Drogerien erhältlich sind.

Zum Malen benutzt man verschiedene Pinsel. Als +Grundierpinsel+ sind

stumpfe, runde oder flache Borstenpinsel zu empfehlen, deren Größe

und Stärke sich nach dem Umfang des zu streichenden Hintergrundes

richtet. Grundierpinsel sind in den verschiedenen passenden Größen zu

beschaffen und in den einschlägigen Kunstmaterial- und Drogengeschäften

erhältlich. Dasselbe gilt von den Malpinseln; Borstenpinsel sind

für diese Zwecke am geeignetsten. Zum Flächenausmalen benutzt man

spitze Borstenpinsel, zum Schablonieren verwendet man stumpfe, runde

Borstenpinsel, Konturen sind mit spitzen Borstenpinseln zu malen.

Handelt es sich um +kleine+ Gegenstände, für die nicht viel Farbe

nötig ist, so kommen auch +Haarpinsel+ in Betracht, besonders zum

Konturieren. Borstenpinsel werden in ganz feinen Nummern nicht geführt,

dagegen gibt es Haarpinsel mit ganz dünnen Spitzen, sehr dünnhaarig,

mit Nummer 1 beginnend. Ganz besonders feinhaarige Pinsel, zum Beispiel

+Marderhaarpinsel+, die als Aquarellpinsel bekannt sind, eignen sich

zum Malen mit Tempera- oder Guaschfarben nicht. Sie würden durch die

rauhe Farbe sehr strapaziert werden und bald abbrechen; man verzichtet

daher auf dieses Material.

[Illustration: Abb. 74. Holzmalerei: Körbchen.]

+Pauspapier+: Für dunklen Grund verwendet man helles, rotes, gelbes

oder weißes Ölpauspapier, für hellen Hintergrund benutzt man schwarzes

oder rotes Ölpauspapier, auch schwarzes Graphit- und blaues Pauspapier

kommt in Betracht. Für kleine Gegenstände genügt Schreibmaschinenpaus-

oder Durchschlagpapier, das für hellen Grund zu verwerten ist.

+Lack+: Die fertige Arbeit wird mit Spirituslack überzogen, um die

Farben haltbarer zu machen und ihre Leuchtkraft zu erhöhen. Man

verwendet +Temperalack+, der sowohl offen in Drogengeschäften, als

auch geschlossen in Flaschen in den Kunstmaterialienhandlungen und

Drogerien zu kaufen ist. Ölfarbenfirnis ist für diese Zwecke nicht zu

benutzen, dagegen kann man, wenn feiner Spiritus oder ~Spiritus vini~

und Schellack zur Verfügung steht, selber Lack herstellen, der sich

billiger als der gekaufte Lack stellt. Statt des teuren feinen Spiritus

kann auch im Notfall +Brennspiritus+ benutzt werden, wenn er nicht gar

zu schlecht ist. Man füllt eine gut gereinigte, helle Medizinflasche

mit Spiritus, schüttet Schellack hinein, daß ein Fünftel der Flasche

knapp bedeckt ist und läßt sie fest verkorkt stehen, bis sich der

Schellack aufgelöst hat. Dabei ist zu beachten, daß die Flasche nicht

nur peinlich sauber, sondern auch vollständig trocken sein muß, da die

geringste Spur von Wasser den Lack trüben und unbrauchbar machen würde.

Aus diesem Grunde dürfen Lackierpinsel niemals mit Wasser in Berührung

kommen, man kann sie nur mit Spiritus reinigen.

+Schablonen+: Schablonen für einfache Borten sind in den

Drogenhandlungen und Materialgeschäften fertig käuflich. In den

meisten Fällen wird man es vorziehen, selber Schablonen nach eigenen

Entwürfen anzufertigen. Zum Schneiden der Schablonen verwendet man

Schablonen- oder Ölpapier, in einschlägigen Geschäften erhältlich.

Das Schablonenpapier wird in beliebigen Mengen verkauft, auch

zentimeterweise. Zuerst wird das Muster aufgepaust und dann auf einer

Glas- oder Porzellanunterlage mit einem spitzen Messer ausgeschnitten.

+Malnäpfe+ und +Palette+: Malnäpfe aus Porzellan sind in den

verschiedensten Größen in den einschlägigen Geschäften erhältlich

und können durch Eierbecher oder Untertassen ersetzt werden, da

die Tempera- und Guaschfarben sich restlos abwaschen lassen. Das

Wasser, das zum Anrühren der Farben benutzt wird, wird in Gläsern

und Tassen zur Verfügung gehalten, die dafür im Handel befindlichen

Glasbehälter würden die Arbeit unnütz verteuern und kommen für euch

kaum in Betracht. Zum Farbenmischen wird eine Porzellanpalette einer

Blechpalette vorgezogen, da letztere im Gebrauch mit Wasserfarben

leicht rostet und dann eine Behandlung mit Salzsäure durchmachen

muß, um wieder gebrauchsfähig zu werden. Holzpaletten sind dafür

unverwendbar, doch können flache Porzellanteller benutzt werden.

+Mallappen+ aus alten Servietten, Handtüchern und so weiter halte

man in größeren Mengen zur Verfügung; dicke weiche Stoffe sind für

derartige Zwecke am brauchbarsten.

+Die Technik+: Die einfachen Muster sind meist der Pflanzen- und

Tierwelt entnommen und werden in passender Größe auf den zu bemalenden

Gegenstand übertragen. Zunächst wird die Farbe des Hintergrundes

angerührt. Tempera- und Guaschfarben trocknen immer einen Schein

heller auf, was bei der Farbenskizze, die auf Papier stets gemacht

werden sollte, zu berücksichtigen ist. Man rührt die Farben sehr

dickflüssig an, da sie sonst nicht decken und streifig auftrocknen. Es

empfiehlt sich auf alle Fälle, lieber ein wenig mehr Farbe als zu wenig

anzurühren, da selbst sehr geübte Malerinnen den ersten Ton kaum wieder

treffen. Darum sollt ihr nur mit ungebrochenen Tönen arbeiten, dadurch

wird viel Mühe und Farbe gespart, ohne die gute Wirkung der Arbeit zu

beeinträchtigen. Schwarz, Weiß, Ziegel-, Zinnober-, Feuer-, Mohn-,

Karminrot, Kornblumenblau, Kobalt hell und dunkel, Delfterblau, Gras-,

Smaragd-, Giftgrün, Apfelsinen-, Orange-, Schwefel- und Zitronengelb

wird am liebsten für solche Malerei verwendet. Ein kräftiges Violett

wirkt, nicht zu oft benutzt, recht gut, Braun, Grau oder ähnliche

Halbtöne sind am besten zu vermeiden.

Ist der Hintergrund vollständig aufgetrocknet, so wird das Muster

leicht aufgepaust; man paust mit einem spitzen, harten Bleistift über

Pauspapier. Dann malt man, indem die größten Flächen zuerst aufgesetzt

werden und nach und nach die kleineren Ornamente an die Reihe kommen.

So malt man bei einer Blume erst die Blütenblätter, dann den Kelch

und schließlich die Staubfäden. Da die Ornamente fast immer stark

vereinfacht sind, und es sich auch meist um Flächenmalerei handelt,

ist die Technik sehr einfach und sollte daher von euch recht oft

geübt werden. Etwas mühseliger als das Ausmalen ist das Konturieren,

das mit sicherer Hand ausgeführt werden muß, um die gute Wirkung der

Arbeit nicht zu zerstören. Ein „Ausbessern“ mit Farbe ist niemals

empfehlenswert, daher soll man die Arbeit vor Wassertropfen beim

Malen schützen, da Wasserflecke sehr auffallen und von euch kaum zu

beseitigen sein dürften. Man mache einen Versuch, die Fleckenränder mit

einem feuchten, farbenfreien Pinsel zu bestreichen, dadurch erreicht

man ein Verblassen der Flecke.

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 5 / 15 段