streng stilisiert, man sieht nur die notwendigsten Linien. Die Blüte
ist in vier Tönen gehalten, Hellrosa, Rosa, Dunkelrosa und Krapplack.
Das Mittelstück der Blume ist rosa, es ist die größte Fläche, die
zuerst aufgeklebt wird. Man sieht auf der Photographie die Verteilung
der übrigen Farben, am dunkelsten wirken die überschlagenen Teile. Nun
wird der Stengel aufgeklebt, er ist am oberen Teil, unter dem Kelch,
hellbraun; zum Schluß werden die grünen Teile aufgeklebt, der untere
Teil des Stengels, an dem das Blatt am feinen Stiel steht, alles aus
einem Teil, und zu allerletzt der grüne Kelch, der über den untersten
Teil der Rosenblüte geklebt wird.
[Illustration: Abb. 87. Strauß in Ausschneidetechnik. Entwurf und
Ausführung: Liselotte Volk.]
Am hübschesten wirkt der mehrfarbige Strauß (Abb. 87), der für
Vorgeschrittene gedacht ist. Die +Aster+ auf der rechten Seite ist
dunkellila, mit einem schwefelgelben runden Mittelstück, das aufgeklebt
wird. Daneben steht die orangegelbe +Studentenblume+, etwas seitlich
und tiefer die +Herbstaster+, in zwei Tönen lila, sehr hell und ein
wenig dunkler, aber nicht etwa dunkellila; in dem dunkleren Lilaton
sind die kleinen +Korbblütler+ oberhalb des Straußes gehalten;
sie haben je einen schwefelgelben Mittelpunkt und sind besonders
stark vereinfacht in der Form. Alle +Stengel+ und +Blätter+ sind
zinnobergrün, möglichst aus einem Stück geschnitten und sorgsam über-
und nebeneinander geklebt. Das +Bukett+ steht auf einem holzbraunen
Hintergrund aus Kartonpapier. Mit wenigen Farben, es sind nur sechs
Töne, ist hier eine gute malerische Wirkung gegeben, wie überhaupt die
+Ausschneidetechnik+ eine praktische Vorübung zur Malerei ist, denn
sie übt den Blick und den Farbensinn, man bekommt eine sichere Hand,
wenn man häufig solche Arbeiten ausführt, die Phantasie wird ungemein
angeregt und die Sorgfältigkeit ebenfalls gefördert.
Einige Handwerkskniffe, welche die Arbeit erleichtern, gibt es auch
bei dieser Technik: So kann man größere runde Formen mit dem Zirkel
leicht angeben, wenn das Augenmaß noch nicht sehr ausgebildet ist;
für kleinere Kreise verwendet man Geldstücke oder Spielmünzen. Für
runde Ausschnitte empfiehlt es sich, gebogene Nagel- oder Stickscheren
zu verwenden, sie erleichtern die Arbeit nicht unbeträchtlich. Ein
besonders brauchbares Klebemittel ist Dextrin, ein aus getrockneten
Roßkastanien hergestelltes Mehl, das in beliebiger Menge in kaltem
Wasser aufgelöst und zu einem mehr oder weniger dicken Brei glatt
verrührt wird. Man trägt das Klebemittel mit einem Pinsel auf,
unter möglichster Schonung der Papierränder, um jedem Verschmieren
vorzubeugen.
Die reizvollen Muster eignen sich auch zum +Malen+. Als Material
verwendet man Haarpinsel, Guasch- oder Temperafarben; auch als Vorlagen
für kleine +Flachstickereien+ kann man die zierlichen Blumenmuster
verwenden. Am besten passen sie indessen für die +Ausschneidetechnik+,
für die sie gedacht sind.
Wie die meisten der kunstgewerblichen Arbeiten, ist auch die
Ausschneidetechnik vor hundert Jahren ganz besonders gepflegt worden.
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ging sie zurück; man findet in
Familienerinnerungen, in Stammbüchern hin und wieder noch mancherlei
hübsche Ausschneidearbeiten; es gibt Bildchen und Kassetten dieser Art,
die durch ihr Alter einen gewissen Wert bekommen haben, die Farben sind
zwar meist verblichen, aber die Technik ist noch genau zu erkennen,
und man kann sehr deutlich an solchen Arbeiten von Urgroßmutters Hand
den Unterschied zwischen der damaligen Arbeitsweise und der heutigen
erkennen. Damals hat man die Einzelheiten viel mehr hervorgehoben,
heute arbeitet man viel einheitlicher, geschlossener. Eines ist
jedenfalls dabei geblieben: die peinliche Sauberkeit und Genauigkeit,
ohne die keine gute Wirkung erzielt werden kann.
26. Teller und Schalen aus Luftschlangen
+Luftschlangen+ sind wohl bei allen jungen Mädchen beliebt. Lustige
Erinnerungen an Silvesterabende oder an Tanzstundenbälle sind
damit verknüpft; Luftschlangen sind für viele der Inbegriff der
Ausgelassenheit, denn meist treten sie in Erscheinung, wenn das
Vergnügen seinen Höhepunkt erreicht hat. Das ist allgemein bekannt,
durchaus nicht allgemein bekannt aber ist die Tatsache, daß die bunten
Luftschlangen ein vorzügliches Material für mancherlei sehr brauchbare
Basteleien sind, daß man hübsche Gegenstände aus ihnen herstellen kann,
die wenig kosten und vielfach verwendbar sind.
[Illustration: Abb. 88. Schälchen aus Luftschlangen.]
So kann man tiefe und flache +Tellerchen+ und +Schalen+ aus
Luftschlangen herstellen; einige Muster zeigen wir auf unsern
Bildern (Abb. 88 und 89). Die niedlichen Arbeiten erweisen sich
auf dem Näh- und Toilettentisch, auf der Diele sehr nützlich, sie
dienen zum +Aufbewahren+ von +Knöpfen+, +Nadeln+, +Schreibfedern+,
+Stopfmaterial+; ein wenig +Nähzeug+ kann man darin unterbringen;
auch für +kleine Kuchen+, die nicht fettig sind, eignen sich die
anspruchslosen Behälter. Wer ein paar Süßigkeiten, zum Beispiel
+Pfeffernüsse+ oder +Pfefferminzplätzchen+ als Erfrischungen für die
Reise verschenken will, wer zum Geburtstag oder zu Weihnachten Marzipan
und ähnliche, vielleicht selbstgebackene Leckereien verschicken möchte,
wird mit diesen farbenfrohen Behältern sicherlich viel Freude machen;
solch zierliche Behälter wirft man nicht achtlos fort, wenn sie geleert
sind, wie das bei den gekauften, manchmal sogar sehr geschmackvollen
Schachteln geschieht, weil man kein Interesse an den leeren Behältern
mehr hat. Die +Teller+ und +Schalen+ aus +Luftschlangen+ stellen
indessen eine nette +Handarbeit+ dar, die sich vielfach verwenden läßt,
und die, wenn sie schließlich unansehnlich geworden ist, durch eine
sicherlich ebenso hübsche Neuheit auf diesem Gebiet ersetzt werden kann.
[Illustration: Abb. 89. Schälchen aus Luftschlangen.]
Die +Technik+ ist sehr einfach, man kann -- selbst ohne Übung -- kaum
etwas daran verderben. Zunächst wickelt man die Luftschlangen von
außen zu einer großen Fläche oder Scheibe auf, nicht von innen, das
wäre falsch; das ganze Stück braucht nicht vollständig aufgewickelt
zu sein, bevor man mit der Arbeit beginnt. Man legt die Scheibe auf
den Tisch, dreht mit der rechten Hand und hält mit der linken den
Mittelpunkt der Scheibe und das Ende der Papierschlange fest. Die
Farben kann man nach Belieben wählen, je bunter die Arbeit wirkt,
desto besser; darum empfiehlt es sich, eine große Farbenauswahl
bereitzuhalten. Die Farbenreihe kann beliebig unterbrochen werden. Die
Enden werden -- zum Schluß -- aneinander geklebt. Die Arbeit besteht
darin, daß man eine Scheibe vorsichtig mit den Händen dreht und so
lange formt, bis +Schalen+, +Töpfchen+, +Teller+ entstehen. Ist die
notwendige Höhe des Gegenstandes erreicht, so hört man mit dem Schieben
auf. Für +Nadelschälchen+ wird eine kleinere Scheibe gebraucht als
für +Konfektteller+; allzu groß darf der Kreis niemals werden. Diese
Technik eignet sich +nicht+ für umfangreiche Gegenstände. Die fertigen
Stücke bestreicht man mit +farblosem Lack+ oder mit +Wasserglas+.
Wasserglas ist in Drogerien erhältlich, es ist im Küchengebrauch
bekannt, weil man Eier darin einlegt. Da Wasserglas feuerfest ist,
kann man die damit bestrichenen Schalen als +Aschbecher+ benutzen.
Solch bunte Aschbecher eignen sich recht gut für Vielliebchengeschenke
und können wie die übrigen Schalen und Tellerchen als farbenfröhliche
+Tischdekoration+ zu festlichen Gelegenheiten verwendet werden.
27. Bast- und Stroharbeiten
+Bast-+ und +Stroharbeiten+ waren lange Zeit durchaus aus der Mode
gekommen, sehr mit Unrecht, denn mit beiden Materialien kann man sehr
viel anfangen, wenn man Farbensinn, Geschmack und Fingerspitzengefühl
hat. In alten Vitrinen sieht man noch hin und wieder mancherlei +bunte
Stroharbeiten+, deren Hauptreiz in der guten Form, in der praktischen
Verwendbarkeit des Gegenstandes, in der feinen Farbenzusammenstellung
liegt. Da gibt es +Fingerhutbehälter+, +Kassetten+, +Federkästen+,
kleine +Tablette+, +Dosen+ und andre Kleinigkeiten, die besonders als
Reiseandenken sehr geschätzt wurden. Diese nicht sehr umfangreiche
Industrie kam in der Biedermeierzeit, die all diesen feinen
Heimarbeiten sehr günstig war, besonders hoch, dann verfiel sie und
endete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, schließlich wurde sie
ganz vergessen. Es kamen die hübschen Japanwaren auf, die aus denselben
Materialien hergestellt waren; ihr sehr geringer Preis sorgte für eine
außerordentliche Verbreitung. Wer kennt sie nicht, die +Kästchen+ und
+Matten+, die +Untersetzer+ und +Körbchen+ aus dem Osten. In Dorf und
Stadt haben die Japanwaren Anklang gefunden. Es ist gar nicht so lange
her, daß die deutsche Heimindustrie sich auf ihre alte Überlieferung
besann. Wo früher Bast- und Stroharbeiten angefertigt wurden, hat man
an die Vergangenheit angeknüpft, und in manchen Gegenden, besonders
in Süddeutschland, ist diese Industrie wieder lebendig geworden. Es
handelt sich indessen hierbei meistenteils um ein feines Kunstgewerbe;
Kunstgewerblerinnen machen die Entwürfe, die von Heimarbeiterinnen
ausgeführt werden. Man sieht wieder reizende Gegenstände in Stroh
und Bast, +Teller+, +Schalen+, +Körbchen+, +Blumentopfbehälter+,
+Untersetzer+, praktische Dinge, die nicht so billig sein können wie
die Japanwaren, sondern vielmehr als Einzelstücke eine persönliche Note
zeigen und daher ihren Preis halten müssen.
[Illustration: Abb. 90. Anfertigen von Schälchen aus Stroh und Bast.]
Auf den Messen sah man in letzter Zeit ausgezeichnete +Bast-+ und
+Strohgegenstände+ dieser Art, sie bürgern sich wieder im Haushalt ein,
sind ein geschätzter Raumschmuck und werden auch als Liebhaberarbeiten
gern nachgearbeitet, da die Technik nicht sehr schwierig ist. Wenn die
Stücke gut aussehen sollen, müssen sie sehr sorgfältig ausgeführt sein,
sonst hat es gar keinen Zweck, damit zu beginnen, es wäre schade um
das Material, das in den einschlägigen Geschäften zu beziehen ist. Man
versuche, recht buntes Material zu bekommen. Der Bast ist in einzelnen
farbigen Strähnen erhältlich, er kommt aus dem Ausland.
Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 90 bis 95) mehrere ganz besonders
hübsche Arbeiten in +Stroh+ und +Bast+, die nicht nur gut aussehen,
sondern auch unbedingt brauchbar sind.
Die +Untersetzer+ (Abb. 92, 93 und 95) können sowohl in der Wohnung
als auch im Garten benutzt werden; sie sind als Schutz für die Tische
gedacht. Auf lackierten, gestrichenen, furnierten Platten sind die
schmiegsamen +Bastuntersetzer+ sehr angebracht, man legt sie unter
Schüsseln und Teller mit heißen Speisen; auf dem gedeckten Tisch
sehen sie reizend aus, ihre Vielfarbigkeit, ihre zierlichen Formen
schmücken die Tafel in einer ganz besonderen Weise. Wenn man sie
unter Blumentöpfe legen will, achte man darauf, daß ein wasserdichter
Blumenuntersetzer unter den Topf gestellt wird, denn es ist besser,
wenn die Bastteller nicht feucht werden. Im allgemeinen ist der Bast
echt eingefärbt, aber es lohnt nicht, damit Experimente zu machen,
außerdem leiden die Formen durch Nässe. Unter +Vasen+, +Körbe+,
+Schalen+ und dergleichen kann man sie unbedenklich legen; sie erweisen
sich als sehr praktisch, wenn man bei plötzlichem Besuch nicht den
Tisch decken möchte und Erfrischungen auftragen will. Wenn man die
Bastgegenstände naturfarben hält, kann man sie, wenn keine Pappe dazu
verwendet worden ist, noch vielseitiger benützen, denn dann sind sie
„waschecht“, es findet sich stets Gelegenheit im Haushalt dazu.
[Illustration: Abb. 91. Bast- und Stroharbeiten; flache Schale. Entwurf
und Ausführung: Liselotte Volk.]
Sehr brauchbar sind auch die selbst hergestellten +Bastkörbchen+ (Abb.
94), die ohne Henkel als +Schalen+ zu benutzen sind. Für +Näh-+ und
+Stopfsachen+ kommen sie in Betracht, wenn man sie in entsprechender
Größe anfertigt, sonst eignen sie sich für +Obst+ und +Backwerk+,
besonders für den +Frühstückstisch+. Wenn man einen passenden
Glasbehälter hineinstellt, kann man die Schalen und Körbchen nicht nur
für Obst und Konfekt verwenden, sondern auch für Blumen; man ersieht
daraus, wie vielfach die Verwendbarkeit dieser Gegenstände ist.
[Illustration: Abb. 92. Schüssel-, Flaschen- und Gläseruntersetzer.
Aus den Werkstätten: Trude Study.]
Auf unsern Bildern zeigen wir mehrere Beispiele von besonders hübschen,
einwandfrei ausgeführten Arbeiten +in diesen Techniken+.
Da sind +Untersetzer+ in verschiedenen Größen und Ausführungen, und ein
+Körbchen+, das auch als Schale gedacht ist, wenn der Henkel fortbleibt.
Als Technik kommt zunächst das +Wickeln+ in Betracht; in dieser Art
sind die drei +Teller+ in verschiedenen Größen und das +Körbchen+
ausgeführt.
Man wickelt über Papierbindfaden, über Bast oder Stroh. Man legt
den Bindfaden zu einer Schlinge und überwickelt zunächst die
doppelte Stelle, dann die Rundung und weiterhin das Ende des Fadens
mit Achterstich auf der vorhergehenden Runde fest, wie es auf dem
Körbchenbild an einigen kleinen Beispielen gezeigt ist. Man kann auch
den Bindfaden ein paarmal umwickeln und ihn erst dann auf der letzten
Runde festmachen. Die bunte Musterung erzielt man durch Anlegen eines
farbigen Bastfadens, der an der Musterstelle an den Anfangsfaden
angelegt wird. Soll der Teller hochwandig ausgeführt werden, so zieht
man die Schnur aus Bast oder Stroh straff an. Zum Schluß schneidet man
die Enden der Bastfäden ab, der Bindfaden wird schräg abgeschnitten,
um einen allmählichen Übergang zu erzielen.
Eine andre Technik ist die +Bastflechterei+, wir zeigen auf zwei
Bildern einige +geflochtene Untersetzer+ (Abb. 92 und 93). die in
folgender Weise hergestellt worden sind:
Man schneidet einen Stern aus fester Pappe, umwickelt die Zacken
strahlenförmig mit Bast, auf der oberen Seite, in der Art, wie wir bei
den bekannten Teneriffaspitzen oder Sonnenspitzen sehen. Dann stopft
man den ganzen Stern möglichst dicht mit Bast zu. Man kann bunte Kanten
einstopfen; der Rand wird mit einem Bastfaden umstochen, die fertige
Arbeit feuchtet man leicht an und preßt sie zwischen schweren Büchern,
damit die Teller flach aufliegen.
[Illustration: Abb. 93. Likörglas- und Flaschenuntersetzer aus Bast.
Aus den Werkstätten: Trude Study.]
[Illustration: Abb. 94. Henkelkörbchen.]
Auf unsern Bildern (Abb. 92 und 93) sehen wir +Bastuntersetzer+, deren
Grundmaterial aus mehreren Pappkreisen besteht, die in der Größe
voneinander abweichen und mit Bastfäden fest miteinander verbunden
sind. Das in der Mitte entstandene Loch ist mit Spinnen aus Bastfäden
ausgefüllt. Einige dieser Spinnen sind ganz einfach gehalten, andre
sind leicht gehäkelt und zierlich geschlungen, das Mittelloch auf dem
einen Teller ist mit Hardangerstichen zugeflochten. Diese Teller sind
besonders reizvoll, weil ihre Farben sehr hübsch zusammengestellt sind.
Das sechseckige Modell ist in Schwefelgelb gehalten, die sternförmigen
Zierstiche sind papierblau, der Stern in der Mitte ist in derselben
Farbe gearbeitet. Der Hardanger Teller ist dreifarbig: orangegelb,
grasgrün und bronzebraun. Die vier Teller auf dem nächsten Bild (Abb.
93) sind ebenfalls mehrfarbig, der kleine Likörglasuntersetzer ist
schwarz mit altrosa Umrandungsstichen und altrosa Stern. Der große
Flaschenuntersetzer rechts daneben ist abwechselnd lila und bronze
gewickelt, mit lila Stern und Verbindungsstichen. Der unterste Teller
ist grün und blau mit grünem Stern und blauem Sternornament auf grünem
Grund. Der erste Teller auf dem Bild -- linksstehend -- ist zweifarbig
geflochten, die Konturstiche sind in der helleren, der Stern in der
dunkleren Farbe gehalten. Will man solch einen Teller verschenken,
so ist es empfehlenswert, aus mehreren eine größere oder kleinere
Serie herzustellen. Ein Dutzend Likörglasuntersetzer, drei große
Flaschenuntersetzer, sechs mittlere Teller in verschiedenen Formen, das
würde am besten wirken, besonders wenn alle Arbeiten in verschiedenen
Farben gehalten sind. Wer drei Flaschenuntersetzer verschenkt, kann
auch die Formen wechseln; für Schüsseluntersetzer wähle man besonders
große Formen, hierfür eignen sich auch ovale Muster, die ebenso
ausgeführt werden. Will man Gläseruntersetzer anfertigen, so achte man
genau auf den inneren Ausschnitt, man nehme ein Bier-, ein Likör-, ein
Wasserglas als Muster dafür. Ist das Mittelloch zu klein oder zu groß,
so wird das Glas schlecht auf der Spinne stehen; will man das Loch in
Hardangertechnik verschließen, so achte man besonders darauf, daß das
Muster nicht zu dick wird, für Gläser kommen diese Muster überhaupt
nicht in Betracht; Gläser würden umkippen, aber für größere, nicht so
leichte Gegenstände jeder Art, Schüsseln, Teller, Blumentöpfe eignen
sie sich recht gut. Statt des Spinnetzes kann ein einfacher Stern in
den Mittelpunkt hineingearbeitet werden.
[Illustration: Abb. 95. Schüsseluntersetzer.
Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]
Solch Bastteller kann man jederzeit verwenden, sie eignen sich als
Damen- und Herrenspenden bei Gesellschaften und Lotterien, als
Geschenke „für die neue Wohnung“, sie passen zu Verlobungs- und
Hochzeitsgeschenken, müssen aber in diesem Fall serienweise hergestellt
werden, damit sie recht dekorativ wirken.
28. Untersetzer mit gepreßten Blumen
Starkfarbige Blumen, die nicht allzu schnell verblassen, eignen sich
am besten für die zierlichen Untersetzer, die im Haushalt vielfach
praktisch verwendet werden können. Um die Tischplatten zu schützen,
benutzt man die niedlichen Glasuntersetzer als Kannenteller und
Gläsertellerchen, wenn die Tafel aus Zeitmangel nicht gedeckt werden
kann; Vasen, Konfektschalen, Obstschüsseln stellt man darauf. Solch
farbiges Kleinkunstgewerbe wirkt sehr ansprechend und gibt geschickten
jungen Mädchen immer wieder Gelegenheit, sich auch auf diesem Gebiet
nützlich zu machen.
In der Biedermeierzeit war das Blumenpressen eine vielfach geübte
häusliche Kunst; man findet noch heute in alten Poesie- und
„Stammbüchern“ gepreßte Sträußchen und Kränze, die mit viel Liebe
und Sorgfalt zusammengestellt und sorgfältig gepreßt und eingeklebt
worden sind. In vergilbten Briefen rascheln noch manchmal die einstmals
duftenden Zeugen mancher ernsten und heiteren Stunden, und wer sich
darauf versteht, wird sich immer wieder wundern, daß die gepreßten
zarten Veilchen, die dünnstengligen, feinen Vergißmeinnichtblüten
die Jahrzehnte überdauert haben, während von den Menschen, die sie
gesammelt und gepreßt haben, kaum eine Erinnerung mehr vorhanden ist.
[Illustration: Abb. 96. Untersetzer mit gepreßten Blumen.]
Zum Pressen und Aufkleben eignen sich kleine Blüten und Blätter am
besten, die schönste, bunteste Betunie, die reizendste Aster, sie
kommen dafür nicht in Betracht, während Dotterblumen, Veilchen,
Vergißmeinnicht, Leberblümchen und andre Feld- und Wiesenblumen sich
recht gut dafür eignen. Man preßt sie zwischen reinem Löschpapier,
beschwert die Blätter mit dicken Büchern oder Steinen und achtet
darauf, daß die Fläche, auf der die Blüten liegen, gerade ist. Wenn
die Blumen trocken sind, beginnt das Ordnen, denn für einen Untersatz
genügen nicht ein bis zwei Blümchen, da muß schon ein kleines
Füllmuster zusammengestellt werden.
[Illustration: Abb. 97. Wandbild mit gepreßten Blumen.]
Der Untersetzer (Abb. 96) besteht aus einem kreisrunden oder ovalen
Rähmchen, statt des Bildes wird die Fläche mit den getrockneten Blumen
eingesetzt. Weiße, gelbe, schwarze Holzrähmchen mit Glas eignen sich am
besten für diesen Zweck. Man kann indessen auf diesen fertigen Rahmen
verzichten und den Untersetzer selber herstellen, indem man unter das
Glas einen starken, entsprechend geschnittenen Pappbogen legt; auf
die Pappe spannt man ein passendes Stückchen Seide, einfarbig, in
Lila, Grün, Braun oder Papierblau, darauf befestigt man die Blumen;
darüber wird die Glasscheibe gelegt, die Papprückwand wird mit
sauberem Packpapier beklebt, und zum Schluß umzieht man das Glas mit
einer nicht zu breiten Goldborte, so daß ein Rahmen entsteht. Solche
Goldborten und Brokatborten werden vielfach in Möbelhandlungen, bei
Dekorateuren verwendet, meist als Abschluß von Vorhängen und Decken;
die Reste eignen sich für Untersetzer sehr gut. Wenn die Blumen nicht
mehr gefallen, trennt man den Rand auf und erneuert den Inhalt. Es gibt
eine Sorte farbiger Strohblumen, die für diesen Zweck sehr empfohlen
werden können, auch Immortellen sehen sehr hübsch unter Glas aus,
sogar der bescheidene Mauerpfeffer kann dafür verwendet werden. Bei
einiger Übung kommt man schließlich selber darauf, welche Blüten sich
für diesen Zweck am besten eignen, und das Zusammensetzen von Mustern
ist so reizvoll und anregend, daß alle, die einmal damit begonnen
haben, nach und nach eine besondere Fertigkeit erlangen und selbst die
verschiedensten Möglichkeiten ersinnen, um ihre zierlichen Versuche
anzubringen.
In früheren Jahren war es üblich, den Myrtenkranz der Braut unter
Glas zur Erinnerung für Kinder und Kindeskinder aufzuheben. Solch
sentimentaler Zimmerschmuck ist unmodern geworden, indessen gibt
es einen unauffälligen, geschmackvollen Ersatz dafür, den sich die
Freundinnen einer Braut merken sollten. Aus einigen Zweigen vom
Myrtenkranz kann man in der beschriebenen Art ein kleines +Wandbild+
(Abb. 97) herstellen, ein Untersetzer würde dafür nicht in Betracht
kommen. Wenn die Brautjungfer solche hübsche Überraschung im Heim der
jungen Frau anbringt, wird die Freude groß sein; in dieser Weise können
mancherlei Erinnerungen an frohe Feste und gemeinsam verlebte Tage
festgehalten werden.
Die Gold- oder Brokatborte über Glas als Rahmen kann vielfach
Verwendung finden; für Liebhaberphotos, Künstlerkarten, kleine
Stickereien, Silhouetten, Klebebilder ist diese Art der Umrahmung sehr
zu empfehlen.
29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik
Statt der üblichen Spitzen- und Stickereiklapperdeckchen wird man
bei passender Gelegenheit gern selbstausgeschnittene +Klapper-+ und
+Tellerdeckchen+ aus Papier verwenden, besonders, wenn es sich um
improvisierte Feste handelt, bei denen es mehr auf die lustige Stimmung
als auf die feierliche Aufmachung ankommt. Das wären sommerliche
Gartenfeste, kleine Tanzgesellschaften im Freien, Geburtstagsfeiern von
jungen Leuten, Geselligkeit im größeren Kreise von guten Bekannten; vor
allem müssen in diesem Rahmen die häuslichen Kostüm- und Maskenbälle
genannt werden, bei denen die Tafel scherzhaft und möglichst originell
gedeckt werden soll.
Da die Herstellung der ausgeschnittenen +Klapperdeckchen+ (Abb. 98
und 99) wenig Zeit und Kosten in Anspruch nimmt, eignen sie sich für
diese Zwecke sehr gut, sie bringen eine persönliche Note in die
Tischdekoration und können in mancherlei Abarten ausgeführt werden.
[Illustration: Abb. 98. Klapperdeckchen in Ausschneidetechnik.]