Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche

an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren,

so konnte -- wie bei manchen andern Dingen -- auch dem Wäschezeichnen

nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus

Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant

und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht,

die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen

Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen,

die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“.

-- Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis

20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil

man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander

unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote

Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und

es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren

Wirkung wegen verdrängt wurde.

[Illustration: Abb. 16.]

[Illustration: Abb. 17.]

[Illustration: Abb. 18.

Abb. 16-18. Monogramme.]

Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und

verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze

zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch

die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft

doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche

Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich

mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte.

Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der

Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß

mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen

sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen,

persönlichen Geschmack.

Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der

Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft

dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und

Monogramme.

Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur

anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man

sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen

Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung

feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in

ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet

man die +Taschentücher+ mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet

das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind

dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. -- Große

Buchstaben oder Monogramme wählt man für +Tafeltücher+, während die

dazugehörigen +Servietten+ zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend

verkleinert, tragen.

[Illustration: Abb. 19. Buchstaben für Taschen, Kassetten, Handtücher

usw.]

[Illustration: Abb. 20. Buchstabe für Mappen, Taschen,

Taschentuchbehälter, Badewäsche.]

Man zeichnet jedoch nicht nur +Leib-+ und +Tischwäsche+; viele andre

Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen,

erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben

oder Monogramme, so zum Beispiel +Serviettentaschen+, +Fächerhüllen+,

+Behälter für Tennisschläger+, +Schlittschuhbeutel+, +Schleier-+

und +Handschuhbehälter+, +Taschentuchordner+, +Badelaken+, auch

+Handtaschen+, +Schreibmappen+, +Besuchskartentäschchen+ und so weiter.

Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände,

die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen

empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich

auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben

und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in

Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der

Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden,

dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch,

Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren.

Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets

allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich

symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf

oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein

lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten

kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug

Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und

Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit

entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit

beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche

Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich

gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige

auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als

Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden.

7. Häkeleien verschiedener Art

Die +Häkeltechnik+ ist in den letzten Jahren wieder modern geworden;

man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich

unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten

+Bettdecken+, die +Läufer+ und +Sofaschoner+ schon lange nicht

mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und

Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe,

dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet

lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für +Kaffeedecken+,

+Tafeltücher+, +Kissenbezüge+, +Hemdpassen+, +Mitteldecken+ zu

arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie

richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen.

[Illustration: Abb. 21. Gehäkelter Stern.]

[Illustration: Abb. 22. Gehäkelter Stern.]

[Illustration: Abb. 23. Gehäkelte Spitze mit Spitzensticharbeit.]

+Wäschestücke+ werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man

schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht

und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und

mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die

einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein

+Taschentuch+ oder eine +Frisierjacke+ mit Häkelspitze verziert werden

soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob

die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam

-- dies gilt besonders für Wäsche -- wirkt. Gehäkelte +Beutel+ sind

nicht zu empfehlen, aber gehäkelte +Kindertäschchen+ können reizend

aussehen. Man häkelt auch vielfach +Kinderjäckchen+ und +Kleidchen+,

+Mützchen+ und +Häubchen+ in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder

größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und

Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine

Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte +Mützen+

und +Schale+, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch +Schuhchen+

für +Babys+ und +Bettschuhe+ für +Großmamas+; solche Arbeiten sind

unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen.

Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen,

die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen.

[Illustration: Abb. 24. Gehäkeltes Kindertäschchen.]

[Illustration: Abb. 25. Zählmuster zum Kindertäschchen.]

Da sind zunächst einige +Sterne+ (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt

werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut

für +Taschentuchecken+, für +Untertaillen+, etwas stärker hergestellt

kommen sie, wie das +Quadrat+, für +Kissenbezüge+ in Betracht. Wenn

man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man

eine originelle +Fläche+, die man für +Schlummerrollen+ -- wieder sehr

modern! -- +Puffs+, +Kissen+, +Kaffeekannenwärmer+, +Kindermützchen+

verwenden kann.

[Illustration: Abb. 26. Gehäkelte Badeteppiche.]

Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche +Spitze+, die

für +Vorhänge+ und +Decken+ recht gut paßt; will man sie für

+Leibwäsche+ benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für

+Gartentischdecken+ kann man sie in zwei Farben herstellen, falls

dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff

verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit

bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze

sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und

Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot.

Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes +Kindertäschchen+, zu dem wir

auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit

erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen,

von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung

aufbewahrt wird.

Abb. 26 stellt zwei +Badeteppiche+ dar, einfache, bescheidene Muster,

die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als

manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf

praktische Werte bedacht sein, und ein +Badeteppich+ ist auf alle Fälle

ein brauchbarer Gegenstand.

[Illustration: Abb. 27. Gehäkeltes Kinderkleidchen.]

Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein +wollenes Kinderkleid+, es ist

sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so

schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert

werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen

andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch;

es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet

wird, muß es unbedingt kleidsam wirken.

[Illustration: Abb. 28 Aus Wolle gehäkelter Blumenzweig.]

In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material.

Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt.

Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen

Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln

schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die

ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis

zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit

gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie

das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der

Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe

ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher

Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann

fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen

wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die

beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache

grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer

Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese

weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen

wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die

Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit

weißen Pikots umrandet.

[Illustration: Abb. 29. Große gehäkelte Wollblume.]

Zum Schluß machen wir auf die hübschen +Wollblumen+ (Abb. 28 bis

30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem

Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „+Gänseblümchen+“

und die große „+Rundblüte+“ passen zum Schmuck von +Kinderkleidern+

und +Hüten+, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben

anfertigen und daraus ein +Sträußchen+ herstellen, um es in dieser Art

zu verwenden. Auch zur Verzierung von +Nähkörben+ und +Kannenwärmern+

eignen sich diese Blumen, ganz besonders der +Blütenzweig+ auf dem

ersten Bilde.

[Illustration: Abb. 30. Aus Wolle gehäkelte Gänseblume.]

8. Künstlerische Blumen

In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als

Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an

der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende

Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern

Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt.

Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und

Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht

dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße

wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute

ist die +frische+ Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch

-- gleichzeitig als Damenspende -- künstliche Blumen verwendet, so

sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen.

Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken

könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark

stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde

entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und

ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie

wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen,

am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie

statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts-

und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß

hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume

paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum

Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie

ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern

eine Anzahl künstlerische Blumen, von +Luise Wolbrandt+ entworfen

und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von

Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte

Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen

den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu

verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte

benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für +Pelzhütchen+

und +Pelzmützen+, für einfarbige +Seidenhüte+, besonders wenn es sich

um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht

sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man

auch für +Tee-+ und +Kaffeekannenwärmer+ verwenden, sie passen für

+Kuchenschützer+ und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines

+Nähkörbchens+ angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode

zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend

einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder

einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum

Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für

welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken

am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte

„+Rosenknospen+“, die als Schmuck für +Gesellschaftskleider+ und

Hüte gedacht sind; „+Glockenblumen+“ (Abb. 32) eignen sich für

+Kinderkleidung+, +Vasenschmuck+, +Tischdekoration+, +Kannenwärmer+,

+Körbe+. „+Seidenblüten+“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten

„Rosenknospen“ zu verwerten. „+Wollblumen+“ (Abb. 34) passen für

+Hüte+, +Mützen+, +Kinderkleidung+, zum +Anstecken+, ähnlich wie

„Glockenblumen.“ Die +tütenförmigen Blüten+ auf Abb. 35 sind in der

Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke

+Glaskelche+, wenn eine elegante +Tischdekoration+ vorgesehen ist,

kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die +Sternblume+ ist die

echte, rechte +Ansteckblume+, sie wird stets fein wirken, ganz gleich,

ob sie für +Muffen+, +Kleider+, +Mäntel+, +Hüte+, +Pelzkragen+ oder

+Mützen+ verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen +Sträußchen

aus Wollblümchen+ auf Abb. 36, das auch für +Kindersachen+ sehr zu

empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge

Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen

auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten

Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr

leicht geschehen kann.

[Illustration: Abb. 31. Rosenknospen.]

[Illustration: Abb. 32. Glockenblüten.]

[Illustration: Abb. 33. Seidenblüten.]

Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird

sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle,

die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften

anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß

gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa

gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun

wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß

der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich

ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden,

doch sollen sie nicht bäurisch wirken.

[Illustration: Abb. 34. Wollblumen.]

Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der

Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter

sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die,

langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter,

oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht

und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten

soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln

nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet

und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen

übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter

sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch

die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen

werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden

Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man

eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die

Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis

die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung

der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man

weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen.

[Illustration: Abb. 35. Tütenförmige Blüten und Sternblume.]

Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders

ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem

Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit

der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich

auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt

bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das

umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide

angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder

mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch

einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese

Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig

größer.

Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb.

33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter

wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und

überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit

feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen

besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide

stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in

diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe.

Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei

kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man

auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb

übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man

eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die

Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch

noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern.

[Illustration: Abb. 36. Sträußchen aus sechsteiligen Blüten.]

Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32)

herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten

anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von

außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei

ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand

legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren

Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten

Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus

grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die

aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht,

angebracht.

Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige

Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr

sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei

den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu

übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart.

9. Teepuppen

Die +Teepuppe+ ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als

der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom

Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das

Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich

machten, damals tauchte die +Teepuppe+ auf, die +Teepuppe+ in ihren

vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch

dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe,

diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte

wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig

geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich

in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte,

nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine

geschmackvolle +Teepuppe+ ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk,

ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich

kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher +Teepuppe+ sehr viel

Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure

Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas

schwieriger ist.

[Illustration: Abb. 37. Jettchen Gebert.

Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger.]

Die +Teepuppe+ kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter

Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in

farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen

heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als

Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin

Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß

Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber

welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock

darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete +Teepuppe+

stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug -- die Tracht

der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes

„Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der

die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren

Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle

Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit

einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede

von euch eine +Teepuppe+ anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den

einschlägigen Geschäften erhältlich sind.

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 2 / 15 段