Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht,
diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und
die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das
Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr
schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack -- ihr müßt
euch da recht gut beraten lassen -- noch ein paar ungestörte Stunden
dazu.
Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt,
dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar
in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach
der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch
Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch
eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene
Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt;
damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie
mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells.
Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet
dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das
Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird
zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig
zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten,
über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite
zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten,
die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese
Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in
die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen
am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter
versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht
wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein
weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform
aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus
weißem Mull oder Batist an -- jeder geeignete Stoff kann verwendet
werden --, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt
und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht.
Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden,
nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht
gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band,
näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der
für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden
der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob
ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das
ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche,
Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu
bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche
Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre,
wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon
mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art
herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr
wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten.
Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe
nicht immer vorrätig sind, während die +Teepuppenköpfe+ und Oberkörper
in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend,
in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu
beschaffen sind.
[Illustration: Abb. 38. Die weiße Rose. (Aus Wiener Atelier „Lili“.)]
Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders
reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht
ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter,
alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört.
Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut
bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem
Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich
wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun
oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger
aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt.
Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt
die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel
bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet
der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das
bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es
auch aus dünnem Gold oder Silber.
[Illustration: Abb. 39. Karoline. (Wiener Atelier „Lili“.)]
[Illustration: Abb. 40. Rokoko. (Wiener Atelier „Lili“.)]
Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders
anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen
schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an
der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern
geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich
sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen.
Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein +junges Mädchen mit
Hängelocken+ dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart
und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis
über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die
enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken
weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause
am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das
junge Fräulein -- damals, als man so aussah, hieß man Karoline --, hat
Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem
Arm.
Die +Rokokodame+ der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges
weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein
paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist
ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über
die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem
dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau
herabhängt.
Die +Teepuppe+ ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten
Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen
verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame
mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders
sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt,
blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll
geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da
nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen
Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr
gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt
Ansprüche.
10. Nadelmärchen
In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils
fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von
mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten
Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren
gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die
Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur
haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet,
und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine
Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den
germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet
wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben.
[Illustration: Abb. 41. Marienkind.]
Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind
ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter,
die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich
fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe
oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können.
Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist,
wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige
Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter.
Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden,
sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien,
außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die
alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und
von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei
übersetzt worden.
Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen
aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende
+Marienkind+ (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand
trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt,
der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre
Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden.
[Illustration: Abb. 42. Dornröschen.]
Das andre Bild zeigt +Dornröschen+ schlafend unter dem Rosenstrauch
(Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und
alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen.
Das dritte Bild stellt +Aschenbrödel+ dar (Abb. 43). Es hat das neue
goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es
mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll.
Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie
im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen
wird.
Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder
entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben,
das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz
naturalistisch wirken.
[Illustration: Abb. 43. Aschenbrödel.]
Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es
ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet
werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung.
Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern
herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein
paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche
machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und
schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen
und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer
blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf
einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr
schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der
Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht.
11. Kissen aus bunten Wollresten
In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern
geworden, besonders beliebt sind +Wollarbeiten+ in vielen bunten
Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine
der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für +Decken+
und +Kissen+, +Teekannenwärmer+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ am
besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei
Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos.
[Illustration: Abb. 44. Die Anfertigung der Sterne.]
Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln
benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die
Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt
solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er
fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster,
bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten
Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt,
wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine
recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten,
doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so
daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen.
So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau,
Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die
Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen
sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das
Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten
sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder
häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne
für die Arbeit verwendet werden sollen. +Kissen+, +Kannenwärmer+,
+Schlummerrollen+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ müssen abgefüttert
werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger
Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder
Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. +Decken+ brauchen nicht
abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für
kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken
kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen
Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden
+Kinderwagendecken+, die entsprechend abgefüttert werden müssen.
[Illustration: Abb. 45. Das fertige Kissen.]
12. Körbchen mit duftenden Rosen
Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche
angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich
keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider-
und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel
ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig
parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen
Gegenstände übertragen. +Handschuhe+, +Taschentücher+, +Halstücher+,
+Schals+, +Wäsche+, +Bänder+ können in dieser Art parfümiert werden,
wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind
all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind +wilde Kräuter+,
wie +Thymian+ und +Rosmarin+, +Waldmeister+ und +Lavendel+, deren
Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten
fernzuhalten. Da sind die +jungen Triebe+ der +Nadelhölzer+, die, im
Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten
Gärten gibt es +Zentifolien+, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt,
schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und
Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür:
In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden
die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage
Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz.
Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern
einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner
Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber
sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der
Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit,
dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die
Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich
der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens
für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt
werden.
[Illustration: Abb. 46. Körbchen mit duftenden Rosen.]
+Riechbeutel+ und +Riechkissen+ sind immer beliebt, immer modern; man
stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien,
verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung
besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht
durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in +Schubladen+
und +Kartons+, zwischen +Briefpapier+, in +Taschentuch-+, +Band-+ und
+Spitzenbehälter+ und hängt die Beutel in den +Schränken+ und +Fächern+
auf.
In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt
sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte
+Veilchenwurzel+, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange
vorhält. Diese +Veilchenwurzel+ kann man im Mörser zerstoßen und mit
dem Mehl die Beutel und Kissen füllen.
Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten
Mode ist, ist die +Seidenblume+, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen
oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus
und ist sehr praktisch.
Noch reizender ist ein „+Körbchen mit duftenden Rosen+“. Das Körbchen
besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich
solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt
oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser
reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern.
Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch
Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein +Körbchen
mit Duftrosen+ (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47),
damit sie nachgearbeitet werden kann.
Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt
das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man
füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich
vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das
wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt,
man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell
und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit
hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein.
Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter
groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man
fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der
gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen;
Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen
Rosen gefärbt sind.
[Illustration: Abb. 47. Einzelansicht einer Rose mit gefülltem
Beutelchen.]
Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum
Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal
um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines
Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem
Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je
zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit
dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest.
Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der
Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum,
so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck
und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen.
[Illustration: Abb. 48. Muster für das zugleich den Blumenkelch
bildende Beutelchen.]
[Illustration: Abb. 49. Muster eines Rosenblattes.]
Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate
und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen
Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art
entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht
zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen
die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man
die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und
näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden
bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber
legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage
aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier.
Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß
bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch
bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die
Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt.
Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt
sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen;
solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die
neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise
auftreten.
13. Wollpüppchen
Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger
geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten
Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen
Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete.
Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe
weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig.
Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig,
man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie
auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an,
sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen
angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus
nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen
ausgestellt sind.
[Illustration: Abb. 50. Der Werdegang eines Wollpüppchens.]
Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel
Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen.
Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht
nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie
er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach
rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen
Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber
zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man
durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen
ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren
bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle
gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen,
Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten
Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle
umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen
sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle
aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht
gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die
Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die
Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des
Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen
„Wollblumen und andres“ (Verlag +Otto Beyer+ in Leipzig) entnommen
sind, geben sehr nette Anregungen dazu.
Die auf den +Tischkarten+ unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten
5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß
gekleideten +Ruderer+, eine +Kolombine+ in Weiß und Rot, einen
unternehmenden +Wintersportler+ in rotem Gewande und weißem Schal und
endlich eine flotte +Tänzerin+ in orangefarbenem und grünem Kleidchen
dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen
Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf
der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen
Papier überklebt.