„Jo, Herr Pfarrer, i kann Euch nit viel anders verzähle, als i Euch

scho gsait ha, wie i bei Euch war. ’s wird jetzt so zwei Monet her

si, do bin i in der Nacht am a Grumpel in der Schlofstube verwacht, i

han grad kei leise Schlof, ’s muß also scho a übernatürlichs Grumpel

gsi si, daß i dervo verwacht bin. I han mer aber nix denkt z’erscht.

I han nur grufe: ‚Wer isch do?‘ ’s hät kei Antwort gä und ’s isch

müslischtill im Zimmer gsi. No han i Licht mache wolle, derweil isch

aber d’Büeri ufg’wacht un hät mi am Ärmel zupft. Wie i mi zu ere dreh,

um z’froge, was sie will, zeigt sie ufs Bettend, un do stoht was Langs,

Wißes, des grad uf un abi zuckt. ‚Alli guti Geischter lobe Gott‘,

murmelt d’Büeri und zieht mi mit G’walt unter d’Bettdecke. No höre mer

nur no a Krach, wie wenn mer a Türe mit aller G’walt zuschlagt. No

war’s schtill. Noch ere Wile hän i mer denkt, ’s wär am End die Türe

zur Maidlikammer gsi, i han also g’rufe, aber ’s Resi hät kei Antwort

gä. Erscht wia ni schier überlaut gschraue hab, no hät’s Maidli g’rufe:

‚Jo Vater, was isch?‘ ‚Häsch du nix g’hört?‘ han i g’fragt. ‚Nei,

Vater, i han g’schlofe, was isch au?‘ fragt’s. Un da han i g’wußt, daß

des a übernatürliche Erscheinung gsi isch, denn wenn des Maidli nix

g’merkt hat vo dem Grumpel un dem Türeschlage, no isch des grad nur

für mi so laut gsi. I han ’s Resi beruhigt, un d’Büeri un i, mir han a

G’setzli bettet für die abgschiedene Seele. Ja, un derno, Herr Pfarrer,

war’s a paar Nächt wieder ruhig, aber dann hät’s wieder spektakelt, un

immer ärger isch’s worre, d’Bettdecke wegzoge hät’s uns, d’Leuchter

vom Nachttischli runterg’worfe, kalt anblose wie aus ere Totegruft

raus hät’s uns. ’s war schier nimmi usz’halte, was mir in dene Nächt

usghalte hän, Herr Pfarrer. Un dann han i au no g’merkt, daß die Sach

widersch goht. D’ Mägd hän’s im Resi gsait, daß es in de Nächt bald da

bald dort rumort, der Büeri hät’s d’Großmagd gsait. I han dergleiche

tu, ’s wär dumms G’schwätz, i han nix davo wisse wolle, denn i han

g’merkt, wie d’Leut d’Köpf z’sammeschtecke, un derno isch mer’s doch

z’arg worre, i will nit ha, daß unser Hof in Verruf kommt, un so han

i mer denkt, der Herr Pfarrer muß her, un dere Sach muß e End g’macht

werre.“ So schloß der Bauer. Und dann erzählte die Großmagd, daß sie

schlürfende, tappende Schritte durch den Gang vor ihrer Kammertür

gehört hätte. „Un“ sagte sie, „i han mer denkt, ’s isch eini von

de Mägd, die uf urechte Weg isch; i bin ufgschtande un han d’Türe

ufg’macht; kaum han i aber der Kopf in der Gang nausgschtreckt, do isch

mer was Kalts, Weichs übers G’sicht g’fohre, un i ha nix meh g’sehe un

nix meh g’hört, un in de andere Nächt, wenn i wieder was g’hört ha, han

i halt für die arm Seel a G’setzli bettet.“ Und die Mägde und Knechte

wollten alle ähnliche Sachen gehört oder gefühlt haben. Nur ’s Resi

wußte von nichts; sie war sichtlich unruhig und verstört, aber selbst

das Zureden des Pfarrers brachte nichts aus ihr heraus. Der wandte sich

denn auch ohne weiteres Zögern an den Bauern: „Wenn’s Euch recht ist,

Walzenbauer, so wollen wir jetzt tun, was unsere heilige Kirche für

solche Fälle vorschreibt.“ „I möcht schön bitte, Herr Pfarrer,“ sagte

der Bauer, „daß Sie in unserer Schlofschtube afange, do hätt’s sich’s

z’erscht verzeigt, do muß es au z’erscht ustriebe werre.“ Ohne Antwort

abzuwarten ging er voran und machte die Tür zur Schlafkammer auf. Der

Pfarrer folgte mit den beiden Ministranten und die übrigen drängten

nach. Und die Bäuerin und die Resi sahen zuerst: der heilige Joseph

war von seinem Postament verschwunden, und auf einem Stuhl stand,

neu, in goldschimmerndem Gewand, ein Jesuskind mit der Krone auf dem

Haupt, die Weltkugel in der einen Hand, die andere segnend erhoben.

Noch einmal trat der Bauer vor: „I tät au bitte, Herr Pfarrer, daß

Sie des Jesuskindli weihe täte, des soll unser Schlofkammer b’schütze

un b’hüte; der heilige Joseph, der bis jetzt do war, han i fort, wie

Ihr sehe.“ Der Pfarrer nickte und begann nun seine Gebete aufzusagen,

und andächtig sekundierten die übrigen. Feierlich schritt der Pfarrer

von Ecke zu Ecke des Zimmers, in jede spritzte er Weihwasser aus

dem großen Kessel, den der Ministrant ihm hinhielt, legte dann noch

Weihrauch auf die glühenden Kohlen des Rauchfasses, das ihm jetzt

der andere zureichte, schwang es in Kreuzesform dreimal nach den

Himmelsrichtungen, und beschwörend klangen die lateinischen Worte, mit

denen er jeden bösen Geist bannte. Zuletzt trat er vor die neue Statue

und weihte sie und stellte sie auf das Postament, dann fing er die

Litanei der Kindheit Jesu an, und die Anwesenden gaben ergriffen von

der Weihe des Moments die Antworten. Nach den ersten Bitten schritt

der Geistliche mit den Ministranten voran durch die Tür in den Gang

und die übrigen schlossen sich betend an. So gingen sie durch alle

Gänge und Kammern des Hauses, und vor jeder Tür machte der Pfarrer

das heilige Kreuzzeichen und besprengte in Kreuzform Schwelle und Tür

mit Weihwasser und räucherte mit Weihrauch. Als jedes Winkelchen des

weitläufigen Hofes geweiht war, entließ der Bauer das Gesinde wieder

zur Arbeit, und mit Weib und Tochter setzte er sich zum Pfarrer in den

Herrgottswinkel, und die Großmagd trug Speck und Kirschenwasser auf und

schnell gebackene Sträuble.

Dem Pfarrer war das verstörte Wesen der Resi schon aufgefallen

während des Umgangs; jetzt saß sie gar da, wie ein Häuflein Unglück.

Irgend etwas war da nicht in Ordnung, und da wäre er gar gerne

dahintergekommen, ein bissel neugierig war er schon. Nachdem sie lang

genug übers Wetter und die Kornpreise geredet hatten, stand der Pfarrer

auf, und bevor er sich verabschiedete, sagte er beiläufig: „Ich mein,

Walzenbauer, Ihr könntet für die Ruhe von der armen Seele noch eine

Novene halten, und so wie Ihr mit der Frau am Sonntag zur Kommunion

komme seid, könntet Ihr zum Samstag d’Resi und die übrigen Hausleute

zur Beicht schicken. Wir wollen doch nix versäumen, daß Ihr dann jetzt

auch ganz Ruh habt.“ Der Bauer dankte für den guten Rat und gelobte die

Novene und sagte auch für’s Resi und sein Gesinde zu. Soviel Zucht war

auf dem Hof, daß keiner einem solchen Gebot zu widersprechen gewagt

hätte.

Nur ’s Resi lief mit verschwollenen Augen herum, minutenlang konnte

sie mitten in der Arbeit bewegungslos stehenbleiben und vor sich

hinstarren oder gar in Tränen ausbrechen. Vater und Mutter ging sie

soweit wie möglich scheu aus dem Weg. Am Donnerstag nachmittag saß sie

mit den Mägden beim Flachshecheln und lustig sangen und lachten die

Maidli, denn abends gab’s Freitrank, um den Staub hinunterzuspülen,

und ’s Hecheln selbst war gar lustige Arbeit, so schön wirblig und

übermütig wurd’s einem im Kopf dabei, gerad, als hätt’ man ein bissel

schon getrunken. Aber ’s Resi sang heute nicht mit, wie sonst wohl,

verdrossen saß sie da, und schließlich stand sie auf, schüttelte den

Staub so gut’s ging ab, nahm das Tuch von Kopf und Hals, das zum Schutz

gegen die Fasern umgebunden war und ging zur Mutter in die Stube. „I

han Kopfweh, Mutter,“ meinte sie kurz, „i kann nimmi mit hechle, i

mein alls, i gang a weng zur Lenebas, der bin i scho lang wieder amal

a Bsuch schuldig, un ’s wird mer gut tue.“ Das Maidle sah wirklich

schlecht aus, und so mochte die Mutter nichts einwenden: „Jo, so gang

halt un grüß mer ’s Lene’, und sie soll au sich wieder amol bschaue

lasse bi uns,“ und sie schüttelte erstaunt mit dem Kopf, als das

Resi wie sie ging und stand zur Tür hinauseilte, ohne Gruß. Sie sah

ihr nach, bis sie aus dem Hoftor verschwand. „Dem Maidli isch was,“

brummelte sie vor sich hin, „itzt lauft sie gar ohne Kopftuch ins Dorf

nei.“ Und sie schüttelte bei ihrem Spinnrad noch oft den Kopf wegen dem

Maidli. Die rannte unterdessen wie gejagt ins Dorf hinein. ’s Lenebas,

ihr Götte, daß sie daran nicht früher gedacht hatte, die konnte

helfen, wenn eines helfen konnte! Die Lene war die unverheiratete,

ältere Schwester der Walzenbäuerin; sie saß auf ihrem eigenen Hof,

den sie nur mit Mägden regierte und bestellte. Man munkelte, daß sie

den, den sie gern gehabt hätte, nicht bekommen hätte, und so war

sie ledig geblieben und hatte zuerst voll Trotz den Menschen zeigen

wollen, daß ein „einschichtiges“ Frauenzimmer auch was leisten kann und

zufrieden werden kann. Und sie hatte das Gut, das bei der Erbteilung

ihr zufiel, zur Musterwirtschaft gemacht, und ihre Geflügelzucht war

bald weitberühmt und brachte ihr schönen Ertrag und manch Ehrung

durch Preise und Diplome. Aber mehr noch als durch ihre Hühner,

Enten und Tauben war sie im Dörfle geehrt als Friedensstifterin.

Wenn irgendwo zwischen Eheleuten oder zwischen Kindern und Eltern

Meinungsverschiedenheiten waren, ging immer eins oder ’s andere zur

Lenebas, und die wußte immer einen Rat oder das rechte Wort, und es

fiel immer zum Guten aus, was sie sagte. Es gab keinen im Dorf, der

nicht schließlich nachgegeben hätte, wenn die Lenebas einmal ihre

Meinung sagte. Sie mischte sich nie ungerufen in Dinge anderer Leute,

aber wenn sie gefragt wurde, nahm sie die Sache in die Hand und hatte

immer mehr ausgerichtet als selbst der Herr Pfarrer.

Das ging dem Resi durch den Kopf, als sie die halbe Stunde vom Hof

zum Gute der Lenebas im Dörfle hinuntereilte. Warum hatte sie nur

nicht schon längst die Lenebas gerufen! Allerdings, die Lenebas war

krank gewesen, und da hatte sie ihr nicht auch noch mit ihren Sorgen

’s Herz schwer machen wollen, und dann hatte sie auch gedacht, sie

würde allein zum Ziel kommen. Jetzt war aber alles schlimmer als je,

und sie wußte sich keinen Rat mehr. Da stand sie nun vor dem Häuschen

der Lene, und dort beim kleinen Weiher sah sie die Bas; inmitten

ihrer Enten und Gänse saß sie auf einem kleinen Hocker und hielt ein

junges Entlein im Schoß, das jämmerlich schnatterte und kreischte.

Resi klinkte die kleine Tür im Gatter auf und schritt auf die Lene zu.

„Grüß Gott, Götti,“ rief sie ihr entgegen. Die schaute auf. „Grüß Gott,

Resi, schau’sch au amal wieder nach deiner Götti, no b’sonders buschber

schausch au nit grad aus. Wo hatt’s denn dir’s Feld verhaglet? Aber

komm, wenn de grad do bisch, hilf mer amol des Entli halte, dem hat der

Enterich ’s Bein broche der dumm Kerl; sieht nit, daß des Tierli noch

z’jung isch für soni Sprüng; hitigetags fangt scho ’s uvernüftig Vieh

a dumm z’werre, i will’s grad schiene; derno setze mer’s in Schtall un

gange dann a Kaffeeli trinke, dann komme deini brochene Beinli dra.“

Während sie so sprach, hatte sie geschickt dem kleinen Entlein das

Bein mit Schindelstückchen geschient und ’s Resi hatte, so gut sie’s

vermochte, dabei geholfen. Dann trug die Lene das Tierlein zurück

und rief der Magd, die da beim Stall hantierte zu: „’s Liese soll a

gute Kaffee koche un au Strübli derzu backe, mer hän B’such kriegt,

’s Walzebauereresi isch do.“ Dann wandte sie sich zum Resi: „Bisch

vom Flachshechle fortg’laufe? Häsch noch alles vollere Fäserli! Nei,

sag nix,“ wehrte sie ab, als Resi eine Entschuldigung sagen wollte,

und ohne ein weiteres Wort führte sie sie durch die Scheuer über den

Heuboden in den obern Stock des Hauses, zu ihrem Schlafzimmer. Da

beugte sie sich über die große Eichentruhe, die an der einen Wand der

Stube entlang stand. „Da hasch a Bürscht,“ meinte sie, „mach di a weng

ordentli, i han di hinterum da aufi g’führt, i möcht nit gern, daß

d’Mägd dich so sähe täte,“ und als ’s Resi blutrot im Gesicht vor den

kleinen Spiegel trat und Rock und Frisur von den Fäserchen säuberte,

reichte die Lene ihr noch ein Kopftuch. „Da des nimsch mit, so gangsch

mer nit durchs Dorf z’ruck, de willsch doch nit in d’Mäuler vom ganzen

Dorf komme, wenn de ohni Kopftuch doher laufsch, des han deini Eltere

nit an dir verdient, daß es heißt: ’s Walzebauereresi isch a Schlampe,

wenn sie nit no was bessers wisse.“ „O Götti, wenn Ihr wüßtet, wie’s

mir z’mut isch,“ brach nun ’s Resi los. „Arms Tschole, i han mir’s

denkt, wie i di g’sähe hab, daß do allerlei letz isch, aber schau,

Maidli, ordentli un sufer muß eins doch blibe; wenn mer auße immer

ordentli un sufer isch, no kommt mer au inne ehr wieder in der Rank. Un

schau, so wie ich’s dir an deine verschtrubelte Haar agsehe hab, daß

inne was nit sufer isch, so könnte’s anderi Lüt au sehe, un ’s Dorf

braucht’s doch it z’wisse, daß ’s Walzebauereresi Dreck am Stecke hät.“

„Nei, Götti,“ fuhr nun ’s Resi auf, „des isch au nit wahr, Angscht hab

i, jo, aber Dreck am Stecke han i nit. Dummheite han i g’macht, jo, un

der heilig Joseph, jo der, der kann wütig uf mi sei, des isch wahr,

aber nix Schlechts nit hab i tu, un i kann nix derfür, daß er jetzt

im Winkel uf em Spicher schtoht, un e großmächtige Busche hab’ i ihm

nuftrage uf de Spicher un grad gsait hab i’s ihm, daß i nix derfür

ka, daß er do schtoht, un der Toni hät gsait, mer stellen nen dann uf

de Ehreplatz im Herrgottswinkel, wenn mer der Hof hän ...“ Lachend

hielt die Lenebas sich die Ohren zu. „Jo, Resi, willsch mi denn von

Verschtand schwätze, i bitt di au, was soll i jetzt von dem verschtoh.

’s g’freut mi, daß de so uftrumpft hesch, un de Dreck am Stecke, den

i dir vorg’worfe hab, grad nur so um z’schaue, was de drauf sagsch, i

sag dir’s ehrli, daß de der des nit g’falle lasch, des g’freut mi un i

glaub’s der. Aber jetzt erzähl mer au vom Afang a. Was hesch mit dem

heiligen Joseph?“ „Jo, Götti, Ihr wisset doch,“ fing ’s Resi an, „der

Toni un ich ...“ „Jo, des brauchsch mer nit z’verzähle, des weiß i

grad gnua“, fiel die Lene ein, „un wenn mer au suscht de Eltere folge

soll, do bin i Euch nit z’wider, ’s hät mi scho g’ärgeret, daß du

deswegen nit zu mer komme bisch, des isch grad a Vernageltheit von dim

Vater, daß er des nit isehe will, daß ihr a guts Pärle wärt, du häsch

Geld gnua, mei Sach krigsch au amal, du brauchsch a brave, schaffige

Ma, wenn er jetzt au grad nit uf de Geldsäck hockt, un was dei Vater

alliweil sait: ‚Gleich g’hört zu gleich‘, der Toni isch a Buresohn,

wenn’s au arme Häusler sin, sini Eltere, un d’Gleichheit bschtoht

bigott nit i de gleichgroße Geldsäck. Aber i weiß immer no nit, was des

mit dem heiligen Joseph z’tua hät.“

„Ja, Götti, lasset Ihr mi denn rede, wenn i’s verzähle soll, muß i doch

vom Afang afange, suscht wisset Ihr wieder nit, wo Ihr dra seid,“

lachte nun ’s Resi. „I hab gar nit g’wußt, daß i so a schwatzhafts

Weiberstück bin,“ brummte die Lenebas halb ärgerlich, „also verzähl

halt, un fang meintswege beim Adam im Paradies a, i bin schtill, aber

mach au, daß de fertig wirsch vor d’Strüweli fertig sin, i riech scho

der Anke.“ „Also schau,“ fing nun ’s Resi an, „der Vater hät doch

gsait, er schlag mer d’Knoche im Leib z’samme, wenn er mi no amal sicht

mit em Toni schwätze.“ „O die siebemal g’scheite Mannsbilder die,“ fuhr

die Lene dazwischen, schlug sich aber rasch auf den Mund, „i bin scho

schtill, mach nur witersch.“ „Ja un derno hät mer der Toni emol gsait,

i soll doch au z’Nacht zu em uf der Spicher komme, er hätt mer was

Wichtigs z’sage.“ „Jo,“ nickte die Lene schmunzelnd, „sell wissemer,

was d’verliebti Mannslüt ime Maidle z’sage hän Wichtigs.“ „O ganget,“

schmollte ’s Resi, „Ihr wisset ganz gut, daß der Toni nix Unrechts nit

will. Er hät halt g’sehe, daß es mir schier ’s Herz abdruckt, daß i

au gar kei guts Wörtle meh mit em rede ka. Jo, und do hab i mer amal

a Herz g’faßt, er hät gsait, er wartet jedi Nacht uf mi, drobe im

Heuschober. Wia ni d’Eltere amol au gar so fescht hab schnarche höre,

do bin i durch d’Kammere durchg’schlupft un zum Toni uf der Spicher.“

„Jo, un hesch do der heilig Joseph mit nuf g’nomme als Schutzpatron,

oder wie isch der sunscht uf der Spicher komme, vo selber wird er doch

nit nachg’wandelt si.“ „Jo, triebe nur Gschpött mit mer, Ihr werre glei

sehe, daß do nix z’lache isch,“ und ’s Resi fing an zu weinen. Die Lene

klopfte ihr beruhigend den Rücken. „I halt scho ’s Mul, Resi, de weisch

jo, i mach halt gern mei Gschpäßli; a guts Lache hät mer scho mengis

mol g’holfe, wenn i g’meint hab, der Himmel wär über mer eig’schtürzt.

Aber schau, i bin ganz grausig neugierig, wie der heilige Joseph uf

euer Spicher ufikomme isch.“ ’s Resi schluckte noch ein bissel, dann

erzählte sie weiter. „Wie i amol z’ruck komme bin...“ „I sag nix, aber

i derf mi doch wundere, daß der Toni also in einere Nacht mit der

wichtige Sach nit fertig wore isch. Resi, Resi!“ und halb ernsthaft

drohend hob die Lenebas den Finger. „Mer hän uns au viel z’sage ghett;

denk doch au, der ganz Tag hän mer jo kei Wörtli mitenander rede dürfe,

jo, un do bin i amol übere Schtuhl g’scholpert in der Schlofstube. Der

Vater isch verwacht un hät glei g’rufe: ‚Wer isch do?‘ I hab g’meint,

d’Knie breche mer z’samme, so verschrocke bin i, un wie i g’merkt hab,

daß er Licht mache will, da isch mer grad ’s Herz schtill g’schtande un

i hab nix gwußt als: jetzt isch’s us, jetzt schlagt er mi tot un der

Toni au. Un do han i, i ha schier nimmi g’wußt was i tua, do han i des

Handtuch, was grad nebe mir an der Wand ghenkt isch, des han i mer über

de Kopf g’worfe, i han nit grad bitrüge wolle, Götti, aber schau, i han

denkt, vielleicht verschreckt der Vater un i kan derweil i mei Kammere

schlupfe.“ Ganz erstaunt unterbrach sich das Resi in ihrer eifrigen

Erzählung, denn die Lenebas lachte hell auf, lachte, daß ihr die Tränen

herunterliefen. „O du Dundersmaidli du,“ rief sie endlich, als sie

wieder atmen konnte, „du Dundersmaidli, du bisch also des Gschpenst

gsi, des der Walzebur so g’ärgert hätt. Do isch er gsi un hät uf unsere

liebe Herrgott un alli heilige Schutzpatrone g’schumpfe, daß in seim

ehrbare Hof so a armi Seel rumgeischtere soll. I han’s em glei usrede

wolle; weisch, bei mir wärsch dodermit nit an d’Recht komme, i hätt di

am Schlafittli kriegt un nit ‚Alli gute Geischter lobe Gott‘ bettet,

i hätt dir was andersch gsait. Aber der Walzebur hät mer vu sinere

Mannsbildg’scheidheit runter -- weisch, drei Kirchtürm höher als mei

eifache Wiberverschtand -- hät er mer gsait: ‚I ha’s g’sehe, mit dene

meine eigene Auge‘. Derno hab i halt ’s Mul g’halte un hab mer mei Teil

denkt. No warsch’s du natürli au, die d’Großmagd so verschreckt hät.

Dei Mutter hät mer’s verzählt.“

„Jo,“ meinte ’s Resi nun selber lachend, „weisch, die hät ihr Nas immer

gern in allem drin un hätt mi immer gern scho usschpioniert; daß i der,

i han ere nur ’s Fürtuch im Vorbilaufe um der Kopf g’schlage, daß i der

so a Schreck g’macht hab, des raut mi heut no nit.“ Die Lene murmelte

wieder ein anerkennendes „Du Dundersmaidli du,“ und ’s Resi war sehr

erleichtert, daß die Patin die Sache so auffaßte, aber ganz beruhigt

war sie noch nicht. „Jo, aber Götti, ’s Ärgschst kommt noch,“ fing

sie verzagt an. „Hän Ihr’s denn nit g’hört, der Vater hät jo der Herr

Pfarrer komme lo un ’s Hus uswihe lo un die böse Geischter vertreibe

lo, un weil der heilig Joseph nit gut gnug g’hütet hät, hät er en uf

der Spicher gschtellt un a Jesusstatue in d’Schtube ...“ Aber wieder

konnte sie nicht weiter erzählen, denn die Lenebas war von der Truhe,

auf der sie saßen, aufgesprungen und schlug sich mit beiden Händen auf

die Knie und rief: „Des gunn i em, des gunn i em, Jesses nei, Resi,

warum hesch mer des nit au früher verzählt, daß i do hätt derbi sei

könne, wie sie die böse Geischter ustriebe hän, un derno mitte im

schönschte Weihe hätt i ne d’Gschicht ins Gsicht gschrie, schau, des

hätsch mer au gunne könne.“ „Jesses, Götti,“ schrie die Resi auf, als

könnte das noch geschehen, „was denket er au, der Vater hätt mi jo in

sinere erschte Wut grad z’sämmeg’schlage.“

„Jo, hesch recht,“ beruhigte die Lene, „er hät kei Sinn für a Gschpaß,

der Walzebur. Uf sim ehrbare Hof wachst des Gwächs nit, i bin nur froh,

daß du i mei Art schlagsch.“ „Jo, aber Götti, was soll i jetzt mache,

der heilig Joseph isch durch mi in Unehre komme, im hinterschte Winkel

uf em Spicher stoht er; o nei, lachet nit,“ bat sie, als sie der Lene

ins Gesicht sah; „mir isch’s Hölleangscht, un am Samstig solle mer alli

uf em Hof bichte go un derno muß es jo der Pfarrer höre, daß i an der

ganze Gschpensterg’schicht schuld bi, un die Blamasch, die vergißt er

mer nit.“

„I will der was sage, Resi,“ sagte nun die Lenebas ganz ernst, „du

häsch mer a Schpaß g’macht, wie i scho lang keine mehr g’hett hab, so

g’lacht han i scho lang nimi, un zum Dank derfür tät i der scho helfe,

wenn mer des Gschperr vo deim Vater nit sowieso scho lang z’dumm wär.

G’ärgert han i mi, daß du nit zu mer komme bisch, Rats hole, du weisch,

i blos nit, was mi nit brennt; aber z’helfe isch dir licht, un scho

lang könntesch im Toni sei Büeri sei, wenn de zu mer komme wärsch. Dei

Vater hät sich nur grad verstift uf si ‚Gleich ghört zu gleich‘, und

weil er ä Mannsbild isch, meint er, dodruf muß er jetzt schto bliebe,

wie a Schildwache uf em Poschte. Aber schau Resi, wenn’s dir recht

isch, no vermach i mei Sach im Toni un a Ussteuer kann i em glei gä,

dazu längt’s mer scho, un dann hät der Toni emol soviel wie a mancher

Buresohn nit ..“ Weiter konnte die Lenebas vorerst nicht reden, denn

die Resi flog ihr um den Hals und gab ihr einen Kuß nach dem andern

ins runzlige Gesicht. Als sie wieder zu Wort kam -- so ein kleines

Rührungstränlein mußte sie sich erst heimlich aus den Augen wischen

-- meinte sie mit pfiffigem Schmunzeln: „D’ Hauptsach hätte mer also

in Ordning, i will nit d’Lenebas si, wenn dei Vater mine Gründ nit

nachgäbet. Vo dere Gschpenschtergschicht sage mer em lieber nix, er

hät kei Sinn für a Gschpaß, ’s könnt en höllisch ärgere, ’s wär nur so

für der ärgscht Notfall -- aber ’s isch sicher nit nötig. Aber jetzt

häsch jo noch a Buckel voll Sorge wege dere Bicht. Aber Maidli, du

müscht nit mei Göttli sei, wenn de nit wisse tätsch, was de do z’sage

häsch. Daß dei Vater sei Maidli für a Geischt asieht un der Pfarrer

ihm des glaubt, jo da kannsch du doch nix derfür, des isch doch kei

Sünd vo dir, du wirsch im ganze Bichtspiegel kei Frag finde: Hast du

gegeistert? Was nit im Bichtspiegel stoht, isch au nit z’bichte. ’s

viert G’bot, do häsch dich anz’klage, ung’horsam bisch gsi, des weisch

selber. Du häsch mit dem Toni gschproche gege ’s Verbot von dim Vater,

un wenn der der Pfarrer recht der Kopf wascht derfür, no gschiehts der

recht, denn g’horsam müsse mer si unsere Elter, des stoht im vierte

Gebot, un wenn der der Pfarrer verbiet, daß de sowas no amol tuasch, no

hätt er recht, aber i hoff, de hesch’s au nit nötig.“ Und wieder mußte

die gute Götti sich umhalsen lassen, bevor sie weiterreden konnte.

„Jetzt blibt nur no der heilig Joseph, un do weiß i der kei andere

Rot, als daß de der vom Toni a schöni, großi Wachskerze kaufe lasch,

anschtatt eme andere Kirwikram, un die im heilige Joseph stiftesch, no

wird er scho versöhne sich lo, un b’sunders wenn de dann als Büeri ihm

der Ehreplatz gisch un di Lebtig brav lebsch, derno wird er scho mit

sich rede lo.“

„O Götti, was bisch du für a liabi Götti,“ konnte das Resi nur sagen,

und die hellen Tränen standen ihr in den Augen. Aber für Rührung hatte

die Lenebas nicht gern Gesellschaft; das zeigte sie nicht gern, und bei

andern war sie auch nicht gern Zeuge. So machte sie denn rasch die Tür

auf und rief: „I wett, d’Strüweli sin hart wie Ledersohle, so lang hän

mer sie warte lo, jetzt komm weidli, a Tasse Kaffee un frischbachene

Strüweli, des hält Leib und Seel z’samme.“

Und am andern Tag kam die Lenebas zum Walzenbauern, und als er

hörte, daß die Lenebas ihren schönen Hof und die soliden badischen

Staatspapiere der Kirche vermachen würde oder aber dem Toni, wenn er

der Mann von der Resi würde, da griff er rasch zu. Da war der Toni

ein recht annehmbarer Schwiegersohn; „und wenn ’s Resi halt au gar so

vernarrt in den Bu isch un doch so brav g’folgt hät un uf der Vater

g’hört hät, dann will i au nit hart si, no soll sie halt ihre Wille

ha,“ schloß er.

Und in vier Wochen war Hochzeit auf dem Walzenhof, und der heilige

Joseph stand in der Schlafstube des jungen Paares, und er tat

rechtschaffen seine Pflicht und beschützte den Hof, denn gegeistert

hat’s nicht mehr.

Die Leich’

Rupertsweiler Leut · 第 6 / 7 段