In Amerika, wo es noch viele Biber gibt, vermögen die in

großen Siedlungen hausenden Tiere durch ihre Arbeiten geradezu

landschaftgestaltend zu wirken, indem sie durch Aufführung von oft

100 +m+ langen und 2 bis 3 +m+ hohen Dämmen weite Strecken

der Flußläufe in eine Seenkette verwandeln und durch ihre Holzschläge

in den benachbarten Waldungen ausgedehnte Lichtungen, die sog.

Biberwiesen, schaffen. Damit ist es für Deutschland natürlich längst

vorbei. Immerhin legen auch die wenigen Elbebiber bei niedrigem

Wasserstand hier und da einmal Stauwerke an, die wegen der planvollen

Umsicht der vierbeinigen Ingenieure immer wieder unsere Bewunderung

herausfordern. Ist ja doch der Biber in dieser Beziehung geradezu der

Lehrmeister des Menschen gewesen! So hatten vor einigen Jahren die

Biber unterhalb Breitenhagen ein Wasserloch vollständig abgedämmt.

Als im Forstamt Witlingkau ein Teich abgelassen und auch der dazu

gehörige Bach trocken gelegt wurde, fanden die Biber bald die Ursache

des Wassermangels heraus und verbauten daher das Zapfenhaus mit Schilf

und Schlamm derart, daß kein Tropfen mehr durchkam. Auf diese Weise

wollten sie sich das Wasser erhalten, und es kostete nicht geringe

Mühe, die Verdämmung zu beseitigen. Einen regelrechten Biberdamm, der

quer über einen Arm der Altelbe bei Wartenburg gezogen war, sehen

wir auf Abb. 10. Einen anderen Damm hatten die Biber nach Friedrich

1891 im Bruchgraben beim Kühnauer See aufgeführt. Er war geradlinig,

1-1/2 +m+ hoch und 3 +m+ breit. Zur Verwendung gelangten

meterlange Knüppel von 10 bis 15 +cm+ Dicke, die Zwischenräume

waren mit Haselreisig ausgefüllt und schließlich das Ganze mit

schlammigen Rasenstücken so gut abgedichtet, daß es für Wasser

vollkommen undurchlässig und fest genug war, um einem erwachsenen

Menschen das Begehen des Dammes zu ermöglichen. Mertens erwähnt zwei

weitere Dammbauten, die aber des hier besonders reißenden Wassers wegen

nicht gerade verliefen, sondern halbmondförmig ausgebuchtet waren. Die

durch sie bewirkte Hebung des Wasserspiegels betrug etwa 30 +cm+.

Beschädigungen durch Menschenhand an den Biberdämmen werden von den

Tieren sehr rasch wieder ausgebessert. Bei dem abgebildeten Damm z.

B. hatten Fischer ein großes Loch hineingerissen, um mit ihrem Kahn

hindurchfahren zu können, aber schon am nächsten Morgen war die Lücke

aufs gründlichste wieder verschlossen. Endlich schafft sich der Biber,

der ja viel lieber und sicherer schwimmt als geht, auch noch besondere

Schwimmkanäle, wenn das Gelände zu sehr versumpft, indem er die Rinnen

durch fortgesetzte Benützung vertieft, auch wohl durch Herausheben von

Schlammerde mit den Pfoten nachhilft.

[Illustration: Abb. 10. Biberdamm bei Wartenburg in einem alten Elbearm

(Naturaufnahme von Amtmann Beyr)]

Die gewöhnliche Zahl der Jungen beträgt vier, entsprechend den vier

Zitzen des Muttertieres; drei oder gar nur zwei Junge kommen öfters

vor, während mir ein Wurf von fünf Jungen nur in einem einzigen Fall

bekannt geworden ist. Amtmann Behr hatte einmal das große Glück,

Jungbiber im Bau zu beobachten. Er schreibt mir darüber: »Im Juni

1908 war Hochwasser eingetreten und hatte die Biber aus der Saale ins

Binnenland getrieben. Da bekam ich von Patretz Drahtnachricht, es sei

ein Biberbau mit Jungen gefunden. Schnell wurde der Photoapparat und

ein halbes Schock Kassetten gepackt, und fort ging's, dem Ziele zu. Es

herrschte glühende Hitze, und die Tierwelt schien wie ausgestorben.

Nur Tausende und aber Tausende von Mücken und Stechfliegen erhoben

sich aus den üppigen Wiesen, Weidenbüschen und Sumpflachen. Endlich

zeigte mein Führer lautlos nach einer Kopfweide, die an einem mit

hohen Ufern versehenen Bächlein stand. Ich kroch lautlos durch ein

Weizenstück, das teilweise unter Wasser stand. Vorsichtig hob ich

dann den ausgestreckten Kopf, auf dem bereits unzählige Mücken und

Stechfliegen Platz genommen hatten. Da bot sich mir ein unvergeßlicher

Anblick: eine starke Bibermutter mit vier Jungen lag am jenseitigen

Grabenufer in einer Erdhöhle unter Weidengestrüpp, Rohr und

schilfartigem Gras! Offenbar handelte es sich hier um einen Notbau,

denn es war lediglich eine kesselförmige Vertiefung unter dem dichten

Weidenstrauch. Die Jungen erkletterten den Rücken der Alten, purzelten

wieder herunter und ließen ein lautes Fauchen hören. Auch die Alte

wälzte sich öfters herum, geplagt durch unzählige Fliegen, und hatte

offenbar keine Ahnung von meiner Gegenwart. Leider war die Beleuchtung

in der Höhle so schlecht und die Unruhe in der Familie so groß, daß

nur Momentaufnahmen gemacht werden konnten, die zur Reproduktion nicht

scharf genug sind, aber immerhin wertvolle Natururkunden bilden. Als

mein Begleiter näher kam, erhob sich langsam die Mutter, um gleich

darauf blitzschnell im Wasser zu verschwinden. Ein undeutlicher Strich

zeigt auf der Aufnahme den Weg an, den sie genommen, und einige

Luftbläschen stiegen aus dem ruhig dahinfließenden Wasser empor.

Schließlich stieg ich zu den Jungen hinüber und gewahrte nun erst,

daß zwei davon verendet und mit Schmeißfliegen bedeckt am Rande der

backofenförmigen Vertiefung lagen, während die beiden Überlebenden

den Eindringling mit ihren kleinen blauen Augen erstaunt ansahen und

fauchende Töne ausstießen. Schnell wurden einige Aufnahmen mit der

Handkamera gemacht, und zurück ging's auf den alten Platz. Immer noch

ließ sich die Alte nicht sehen. Da kam der eine Jungbiber auf den

Ausstieg der Mutter und fuhr gleichfalls zu Wasser, wohin ihm der

andere sofort folgte. Nun konnte auch ich nach 3-1/2stündiger Arbeit,

die eine große Reihe von Aufnahmen geliefert hatte, den Heimweg wieder

antreten, voller Holzläuse und anderem Ungeziefer, gründlich von den

Mücken zerstochen, zu Tode erschöpft, aber von dem Gedanken beseligt,

der Wissenschaft einen Dienst erwiesen zu haben.«

Wie unheimlich rasch die Abnahme der Biber an manchen Örtlichkeiten

vor sich geht, erhellt aus einer Zuschrift des Herrn Winkelmann, der

beispielsweise an einer langgestreckten Wasserlache, die zwischen

Fährbuhne und Badeanstalt bei Aaken sich hinzieht und nach dem Walde

zu Steilufer hat, im Jahre 1915 noch zwölf Baue zählte. »Jetzt sind

diese Baue sämtlich verlassen, die Biber teils von Wilddieben gefangen,

teils ausgewandert. Wenn man in Aaken Sonntags die Kirchgänger mustert,

kann man oft Leute in Biberpelzen sehen, womit man die einfachste

Erklärung für das Verschwinden der Biber vor sich hat. Jetzt haben

die Kürschner in Köthen und Dessau strenge Anweisung, Überbringer von

frischen Biberpelzen festzustellen und zur Anzeige zu bringen.« Diese

Bestimmung ist sehr wichtig und erfreulich, sie müßte aber vor allem

noch durch eine scharfe Beaufsichtigung der wandernden Fellhändler

ergänzt werden. Auch die Kürschner, die frische Biberfelle aufkaufen,

müßten als Hehler bestraft werden, denn sie wissen ganz genau, daß

solche Felle nicht rechtmäßig erworben sein können. Noch ist es

nicht zu spät, einschneidende Maßregeln für die dauernde Erhaltung

unseres letzten, hartbedrängten Biberstandes zu treffen, aber es ist

höchste, ja allerhöchste Zeit! Neuerdings hat sich namentlich Herr

Zehle, der sich als Maler und Bildhauer die künstlerische Darstellung

des Bibers zur besonderen Aufgabe gemacht hat, in Wort und Schrift

des Bibers warmherzig und nachdrücklich angenommen, und es wäre nur

dringend zu wünschen, daß seine hauptsächlich in den Jagdzeitungen

erscheinenden Aufrufe nicht ungehört verhallen. Er fordert vor allem

eine entsprechende Vermehrung der Aufsichtsbeamten, und da die wenigen,

überdies sonst stark in Anspruch genommenen Forstleute für den

Biberschutz nicht ausreichen, solle man dazu in passender Weise auch

die Fährmeister heranziehen, vielleicht auch geeignete Privatpersonen.

Für die Abfassung oder Ermittlung von Lumpen, die den Bibern

nachstellen oder ihre Baue und Burgen zerstören, müßten Geldbelohnungen

öffentlich ausgeschrieben werden. Die Strafen wären so scharf als

möglich zu fassen. Mit Unkenntnis kann sich niemand entschuldigen,

denn im Bibergebiet weiß jeder Mensch, wie der Biber aussieht und daß

er gesetzlich geschützt ist. Weiter müßten die Weiden erhalten oder

neu angepflanzt werden. In dieser Beziehung wird noch viel gesündigt.

Man nimmt dem Biber seine natürliche Äsung und schreit dann Zeter und

Mordio, wenn er aus Not und Hunger bei den angepflanzten Nutzhölzern

Ersatz sucht. Bei Bemessung der Pachtpreise für die Weidengehege sollte

eben von vornherein auf den unvermeidlichen Biberschaden Rücksicht

genommen werden. Die Weidenpächter wären streng zu verpflichten, die

Biber in Ruhe zu lassen und insbesondere keine Biberburgen abzubrennen,

wie sie dies gerne tun. Ähnliches gilt für die Fischereipächter. Am

besten würde man die Fischwässer im Bibergebiet überhaupt nur an

Forstbeamte verpachten, die dann keine Stellnetze und Flügelreusen

verwenden und in unmittelbarer Nähe der Biberbaue gar nicht fischen

dürften. Wichtig wäre es auch, den Jägern das Auslegen von Tellereisen

für Fischottern zu verbieten und bei Hochwasser Zufluchtstätten für die

Biber zu errichten.

Herr Zehle ruft zur Gründung eines Biberschutz-Vereins nach Art des

Wisentschutz-Vereins auf, und wir wollen nur hoffen und wünschen,

daß er damit Erfolg hat. Er ist der Meinung, daß bei nachdrücklicher

Durchführung der Schutz- und Hegemaßnahmen der Elbebiber seinen

jetzigen Bestand nicht nur wahren, sondern auch mehren und sein

Verbreitungsgebiet weiter ausdehnen würde, so daß er im Laufe der Zeit

wieder als wertvolles Jagdwild in Betracht kommen könnte, zumal er

sich von der Elbe aus auch leicht wieder in der Romintener Heide, im

Zehlau-Bruch und an anderen geeigneten Orten einbürgern ließe. Ich

selbst denke allerdings nicht so optimistisch, sondern glaube, daß alle

Ausdehnungsversuche an der leidigen Habsucht der heutigen Menschheit

scheitern werden. Immerhin wird sich der Biber bei genügendem Schutz an

der Elbe wohl noch einige Jahrzehnte halten, aber es wäre angezeigt,

auch für die Zukunft und damit für eine dauernde Erhaltung vorzusorgen.

Mit vollem Recht ist deshalb schon der Vorschlag gemacht worden, einige

Biber einzufangen und auf den Besitzungen des »Vereins Naturschutzpark«

in der Lüneburger Heide anzusiedeln.

Der Nerz

Ob man den Nerz, dieses merkwürdige Zwischenglied zwischen Fischotter

und Marder, heute wohl überhaupt noch in einem Verzeichnis deutscher

Säugetiere mit aufführen darf? Es gibt viele Tierkundige, die diese

Frage verneinen. Unser Jagdgesetz ist anderer Ansicht, denn es nennt

den Nerz immer noch in der Liste der jagdbaren Tiere. Ich selbst kann

mir auch nicht gut denken, daß der Schwimmarder, wie man ihn treffend

nennen könnte, bei uns schon gänzlich ausgestorben sein soll, denn

trotz aller öden Gleichmacherei der Natur durch die sog. Kultur gibt

es doch im ostpreußischen Memeldelta und an den Masurischen Seen, an

den verschilften Teichen der schlesischen Bartschniederung, an den

brandenburgischen Luchen und beim mecklenburgischen Großgrundbesitz

noch verschwiegene Winkel genug, die allen Anforderungen dieses

Seltlings durchaus entsprechen und wo immer noch das eine oder andere

Pärchen unbeachtet oder unerkannt sein Dasein fristen mag. Allerdings

war der Nerz (Abbildung 11) von jeher ein nordöstliches Tier und als

solches in Süddeutschland wohl überhaupt nie heimisch, wenigstens nicht

in geschichtlicher Zeit, auch in Norddeutschland nie eigentlich häufig,

sondern immer nur in einzelnen Gegenden, gewissermaßen in versprengten

Stämmen vorhanden. Schon Wildungen klagt 1799, daß der Nerz so selten

und manchem wackeren Weidmann überhaupt unbekannt sei. Vor allem muß

betont werden, daß der Nerz wegen seiner ausgesprochenen Menschenscheu

und seiner streng nächtlichen Lebensweise an seinen versteckten und

schwer zugänglichen Aufenthaltsorten überaus schwer zu beobachten ist

und von Unkundigen gewöhnlich mit dem Iltis oder mit einem jungen

Fischotter verwechselt wird. Sein sumpfiges Wohngebiet ist oft so

unzugänglich, daß es überhaupt nur im Winter bei Frost betreten werden

kann.

Dann eine Frage: Wie viele Jäger oder Naturforscher gibt es denn

in ganz Deutschland, die imstande sind, bei fahlem Mondschein das

undeutliche Etwas auf der Wasserfläche richtig als das Köpfchen eines

schwimmenden Nerzes anzusprechen? Nur höchst selten fügt es einmal der

Zufall, daß ein Nerz von scharfen Teckeln oder Foxterriers aus dem

Wurzelgeflecht am Steilhang eines Baches oder Teiches aufgestöbert

wird, aber der Herr des Hundes hält dann, selbst wenn er den grünen

Rock trägt, also eigentlich in der heimischen Tierwelt gründlich

Bescheid wissen sollte, das herausgejagte flinke Tierchen in der Regel

für einen Iltis und wundert sich höchstens darüber, daß dieser »Iltis«

so gut schwimmen und auch ebenso gut tauchen kann.

[Illustration: Abb. 11.

Zuchtnerz der Hirschegg-Riezlern-Pelztierfarm, in der unter Leitung von

Dr. Fritz Schmidt mit aus Kanada eingeführtem Zuchtmaterial recht gute

Erfolge erzielt werden

(Nach einer von der Deutschen Versuchszüchterei edler Pelztiere

G. m. b. H. & Co., Leipzig zur Verfügung gestellten photographischen

Aufnahme)]

Selbst die sorgfältigste Untersuchung der Fährte gibt keine volle

Sicherheit, da die kurze, charakteristische Schwimmhaut zwischen den

Zehen des Nerz bei gewöhnlicher Gangart selbst in weichem Boden sich

nicht mit abdrückt. Und doch sind beide Tiere für den aufmerksamen

Beobachter kaum zu verwechseln. Flüchtet das aufgescheuchte Geschöpf

sofort ins Wasser und taucht es hier gar anhaltend, so handelt es sich

sicher um den Nerz, denn der Iltis ist durchaus kein Freund der Nässe,

sondern entfleucht stets aufs feste Land und sucht hier womöglich einen

erhöhten Standpunkt zu gewinnen. Ich trete der Auffassung Schlotfelds

bei, wenn er z. B. sagt: »Unsere hannoverschen Bültenmoore, der

Schrecken und andrerseits wieder die Freude der Jäger, sind nur unter

den größten Anstrengungen zu bejagen und oft lange Zeit hindurch ganz

unzugänglich. Hier herrscht absolute Ruhe, und mancher Nerz mag hier

noch in aller Beschaulichkeit hausen, von dessen Vorhandensein kein

Mensch eine Ahnung hat.« Auch Ziegler schrieb schon 1848, daß der Nerz

sicherlich viel häufiger sei, als man allgemein glaube.

Die Gegend von Bremen war oder ist der westlichste Verbreitungspunkt

des Nerz, und von hier aus erstreckt sich sein Gebiet durch die

baltischen Länder nach dem nördlichen und mittleren Rußland, während

er z. B. in der Krim fehlt, ebenso wie seine Lieblingsnahrung, die

Krebse. Noch häufiger wird der Nerz in Sibirien, China und Japan, in

welchen Ländern eigene geographische Rassen sich herausgebildet haben,

wogegen der nordamerikanische Nerz, der sog. Mink, eine besondere Art

vorzustellen scheint. Um die Jahrhundertwende herum kamen jährlich

etwa 370000 Minkfelle gegenüber 55000 meist sibirischen Nerzfellen in

den Handel. Da also der Mink noch viel häufiger ist, sind wir auch

über seine Lebensweise ungleich besser unterrichtet als über die

des echten Nerz, von der wir eigentlich verblüffend wenig wissen.

Die Kenntnis seiner Fortpflanzungsgeschichte z. B. beschränkt sich

fast nur auf Vermutungen, und es wäre dringend zu wünschen, diese

beschämende Lücke auszufüllen, ehe es dazu durch völliges Aussterben

des Tieres zu spät wird. Hoffentlich bewahrheitet sich aber auch

beim Nerz das alte Sprichwort, daß die Totgesagten noch recht lange

leben. Ihm vor allen sollte auch in den großen Naturschutzparken eine

letzte Zufluchtstätte gewährt werden. Schon in Livland kommt er noch

regelmäßig vor, wenn auch sehr selten; immerhin wird alljährlich hier

und da einer geschossen, namentlich in den östlichen und nördlichen

Landesteilen, wo nach Mitteilung des Barons von Loewis Händler immer

noch eine Anzahl Felle von den unwissenden Bauern als Iltisfelle

aufkaufen. Ende März 1905 ging ein dortiger Oberförster aus dem Walde

heimwärts, als seine Teckel bei einem Bruch und einer Holzbrücke

unruhig wurden und hitzig verbellten. Herausgestöbert wurde ein starker

männlicher Nerz und glücklich erlegt. Trotzdem arbeiteten die Hunde

weiter fort, und bald darauf kam schwimmend im Wasser ein zweiter Nerz

zum Vorschein, der leider angeschossen verloren ging. In Siebenbürgen

soll der Nerz heute auf einen winzigen Platz im sumpfigen Maroschtale

beschränkt sein; Skelettfunde beweisen aber, daß er früher in diesem

Lande viel weiter verbreitet war. Für Schlesien wird der Nerz noch

von Gloger angeführt, der aber bereits darüber klagt, daß das Tier

überall da rasch verschwinde, wo Entwässerungsarbeiten vorgenommen

werden. Auch Brehm kannte schlesische Nerze aus eigener Anschauung,

und nach Schlotfeld erhielten die Schweidnitzer Kürschner noch in den

80er Jahren öfters Nerzfelle durch die Bauern, die sie für besonders

dunkle Iltisse hielten. In der Provinz Posen wurde 1892 ein Nerz

erlegt. Am hoffnungsvollsten lauten wieder einmal die Nachrichten

aus dem tierreichen Ostpreußen. Hier führt Rathke 1846 den Nerz noch

als sicheres Standwild auf, ohne allerdings selbst einen gesehen zu

haben. Zwar entpuppte sich ein später in der Oberförsterei Johannisburg

erlegter angeblicher Nerz bei näherer Untersuchung durch von Hippel

als Iltis, aber doch liegen auch aus neuerer Zeit sichere Beweise

seines Vorkommens vor. So erlegte Förster Gerhardt in Skirwieth

(Kreis Heidekrug) am 6. August 1902 ein Stück, dessen Schädel dem

Ostpreußischen Fischereiverein übergeben wurde und durch diesen in das

Königsberger Museum gelangte. Endlich wurde am 3. April 1908 im Kreise

Ortelsburg ein Nerz geschossen und an das Berliner Museum eingeliefert.

Es ist dies meines Wissens der vorläufig letzte sichere Nerz, der

auf deutschem Boden erbeutet wurde. Wenn seitdem auch aus Ostpreußen

nichts mehr über Nerze verlautete, so ist dies bei der Unbekanntheit

des Tieres und der großen Schwierigkeit seiner Beobachtung noch lange

kein Beweis für sein völliges Ausgestorbensein.[A] In Pommern scheint

es dagegen schon seit längerer Zeit tatsächlich keine Nerze mehr zu

geben. Länger hat sich der Nerz im seenreichen Mecklenburg und im

Lauenburgischen gehalten, wo er namentlich von Ludwigslust, Wismar und

vom Müritzsee sowie aus der Umgebung von Lübeck öfters erwähnt wird.

Diese Angaben reichen bis zum Jahre 1896, und es ist durchaus nicht

ausgeschlossen, daß das Tier in einsamen Brüchen auch heute noch dort

vorkommt, wenn auch nur als große Seltenheit. Besondere Verdienste

um die Beobachtung der dortigen Nerze hat sich Förster Claudius

erworben, der darüber eingehend an Brehm berichtete. Danach umfaßte

das Verbreitungsgebiet bei Lübeck zwar nur wenige Quadratmeilen, aber

in diesem war das Tier keineswegs besonders selten und jedem Jäger

unter dem Namen Ottermenk bekannt. Sonst heißt er im Volksmunde auch

noch Krebsotter, Steinhund, Schwimmarder, Wasserwiesel, Wassermenk

und Sumpfotter -- alles recht bezeichnende Namen --, während ihn

baltische Jäger unter dem Namen Norke kennen. Claudius, der 1868

selbst ein lebendes Nerzweibchen fing und an Brehm schickte, während

1878 ein Jungnerz von einem scharfen Hühnerhund erwürgt wurde, traf

das Tier namentlich an der Wagenitz, dem zwei Meilen langen Abfluß

des Ratzeburger Sees in die Trave bei Lübeck. Hornung hält allerdings

alle diese Angaben für veraltet und ist der Ansicht, daß der Nerz bald

darauf dort völlig ausgestorben sei, aber dem steht entgegen, daß

auch Schlotfeld im Hochsommer 1906 den Nerz im Wietzebruch antraf,

einem früher durch die weit ausgelegten Geweihe seiner Rothirsche

jagdlich berühmten Revier. Eine Verwechslung mit Iltis oder Fischotter

hält er für ausgeschlossen, obwohl er nicht schießen konnte, da der

aufgestöberte kleine Räuber sich mutig in die Lefzen seines Hundes

verbissen hatte. Bei Plön wurden 1864 zwei Nerze gefangen, und es hat

den Anschein, als ob sie damals im östlichen Holstein noch ziemlich

verbreitet waren. Im Blockland von Bremen wurde in den 80er Jahren ein

Nerz geschossen und gelangte in das Städtische Museum. Dies ist also

der bisher westlichste Verbreitungspunkt, da angebliche Beobachtungen

aus der Gegend von Emden nicht durch ein Belegstück erhärtet werden

konnten. Nach Bechstein kam der Nerz Ende des 18. Jahrhunderts noch

vereinzelt an der Leine bei Göttingen vor, Anfang des 19. Jahrhunderts

wurde ein Stück an der Werra erlegt, 1852 nach Blasius eines im Harz

in der Grafschaft Stolberg und 1858 eines an den Riddagshausener

Teichen, also unmittelbar vor den Toren Braunschweigs. Vielleicht ist

dieses Stück identisch mit dem Nerz, den Forstrat Hattich als 1859

im Forstgarten bei Braunschweig erlegt meldet. Gewisse Stellen der

Lüneburger Heide scheinen noch bis in die neueste Zeit hinein Nerze

beherbergt zu haben. Wenigstens meldet Merk-Buchberg aus anscheinend

zuverlässiger Quelle, daß bei Wilsede kurz vor Erwerbung der dortigen

Ländereien durch den »Verein Naturschutzpark« noch zwei Nerze

geschossen worden seien. Diese auch mir mündlich von dortigen Anwohnern

gemachte Mitteilung erscheint mir um so glaubwürdiger, als ich selbst

bei meinem ersten Besuche dieser Gegend das seltene Glück hatte, einen

vom Hunde aufgestöberten Nerz ins Wasser plumpsen und wegtauchen zu

sehen. Es wäre herrlich, wenn gerade hier unter dem tatkräftigen

Schutze des Vereins der Nerz auch heute noch lebte, was nicht unmöglich

ist, obschon Nachrichten aus neuester Zeit fehlen. Außerdem bin ich

in meinem ganzen Leben nur noch einmal flüchtig mit dem Seltling

zusammengetroffen: es war anfangs der 90er Jahre auf dem ornithologisch

berühmten Möwenbruch bei Rossitten auf der Kurischen Nehrung.

[Illustration: Abb. 12. Nerz beim Beschleichen von Beute auf dem Lande]

Aussterbende Tiere · 第 2 / 7 段