Einst -- -- o, dieses tötende, tötliche, törichte Einst. Die Burg baute
sich auf wie goldene Tore zum Himmel. Die Luft um die Burg glühte, als
trüge sie den Brand der Leidenschaft -- Ja, so fühlte ich, was zwischen
uns sein, werden sollte -- Geh -- geh -- ich konnte nicht mehr -- du
hast es ja nicht haben wollen -- du hast alles leblos werden lassen,
ehe es noch geboren war.
Warum ist denn die Nacht so lang -- so bang und schwer?
Was war denn? O, ich ersehnte die Ewigkeit. Ich wollte sie kennen, wie
nur Gott sie kennt. Aber ein Gott stieg einst vom Himmel, um in einer
erdgeborenen Mutter Schoß zu ruhen -- und ich bin gegangen -- und ich
sah nicht mehr das Hoffnungslose -- ich habe eine Jugend gesehen, die
noch glüht, als könne sie die ganze Welt entbrennen machen.
Ich sah den Rausch -- den Rausch einer ersten Stunde -- und ich --
erlebte zum ersten Male das Ereignis der Erfüllung einer ersten Stunde.
Ja, ich habe es dir gesagt -- du bist still gewesen und ich habe nichts
zu verteidigen gehabt.
Und nun ist die Nacht. Die Nacht -- Ich wollte schreien -- ich weiß
nicht, ist es vor Qual oder Glück -- ich habe ja nicht gewußt, daß es
dieses auch von andern gibt. Wie hätte ich dich sonst betrügen können,
Richard, wenn ich einmal glaubte, zwischen uns wäre es gut. Du hast ja
nicht auf mich gehört, wenn ich allen Willen allein nicht mehr tragen
konnte -- ja, was sich von uns wendet, was wir verlassen, war nicht
Notwendigkeit.
Das andere -- o, du verzeihst mir doch, du geliebter Mensch, daß ich in
dieser Nacht nicht allein an dich denke? Du, du bist noch unter diesem
Dach -- und mein Herz zittert nach dir -- lauter als alle Gedanken
ruft es.
Du -- du bist noch unter diesem Dach -- und ich habe deine Schönheit
gesehen, ich habe sie getrunken -- deine holde, wilde, sanfte,
frühlingsstarke Seele habe ich gefühlt. Es brennt durch mein Blut -- da
bist du, du wilder Vogel, der lachend und leuchtend über Meere zieht.
Ich liebe dich -- ich liebe dich, ich will dich noch einmal sehen und
sterben.
Die Nacht ist lang -- bis die Turmuhr wieder eine Stunde schlägt, ist
noch ein ganzes Leben -- mit dir gehen und die Welt jung sehen -- mit
dir gehen und die Welt entbrennen sehen von unserer Liebe. Mit dir --
+mit dir+ --
Habe ich denn gelebt bis zu diesem einzigen Augenblick? Bis zu diesem
niegewesenen Tag? O, ich wußte ja nichts. Ich war ja so arm. Ich habe
geküßt und von Liebe geredet und wußte nichts. Und nun weiß ich -- komm
zu mir, ich muß es dir sagen.
Siehst du das Frührot hinter den Bergen? Hörst du den Lockruf
lieberotester Liebe? Komm zu mir, komm, du geliebter Mensch, komm,
erlöse mich mit deinem brennend roten Mund. Wie ein Jahrtausend muß mit
dir das Glück sein, so glühend von großen Taten.
Die Turmuhr schlug. Die zweite Stunde des ruhenden Tages schlug sie.
Tönte sie herüber aus mahnenden Vergangenheiten? Es ist ja nichts, als
daß ich leben will, als daß ich selig bin -- als daß der Tod mir das
größte Wort, das heiligste Geschehnis wäre, führte sein Weg mit dir --
mit dir --
So schwer und bang und glühend ist die Nacht. -- Leonore -- wie wird
dein neuer Tag sein?
Ende.